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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo

BeitragVerfasst: 26. Sep 2013, 20:19
von ugo-piazza
dr. freudstein hat geschrieben:Ach so da, ja gut, so gut ist mein Gedächtnis auch nicht, das ich mir jeden einzelnen Post eines jeden Posers/Users merke. Aber so ist doch fein mit Verlinkung. Und sogar sehr ausführlich, gar nicht so norddeutsch/ugo :thup:

Selber Spacken :basi:


:P

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo

BeitragVerfasst: 28. Sep 2013, 14:21
von dr. freudstein
Fernando di Leo, der ja einige der besten Poliziescos für sich verzeichnen konnte, hier mal mit einer Sleaze/Giallo/Splatter Mixtur und den Kinski dabei. Diesen zwar eher in einer Nebenrolle, wie oft üblich, wird angepriesen wie der Hauptdarsteller, aber eine wirkliche Idenfikationsfigur ist hier auch nicht dabei.

Fängt zunächst als Softerotikfilm an, wir machen Bekanntschaft mit einer Nymphomanin, werden Zeuge einer lesbischen Anbahnung zwischen einer Pflegerin und ihrem Zögling (was natürlich verboten ist) und einer Depressiven. Erst nach über der Hälfte entwickelt es sich langsam zum Giallo/Frühslasher. Wild durcheinandergemixt wechseln die Szenen zwischen Erotikszenen und Mordszenen. Ziemlich schlecht zusammengeschnitten, finde ich und wirkliche bedrohliche Stimmung kommt dabei auch nciht auf, wenn der Täter zuschlägt. Dieser bedient sich mal eben nach und nach aus den Aushängestücken, allesamt einsatzfähige Tötungswaffen aus dem Mittelalter. Sollte es in jeder Psychoanstalt geben. Die Krankenkasse freut sich und das Bestattungsunternehmen vor Ort auch.

Der Soundtrack besteht zum Teil dann auch aus psychedellischen Klängen. Grandios auch eine Szene, wo der Killer (natürlich nicht als ein solcher erkannt) zum Sex gebeten wird. Kommt sicher auch nicht oft vor. Allerdings folgt er dieser Einladung nicht.Insgesamt sind hier viele technische und logische Schwächen zu verzeichnen und selbst Kinski spielt hier sehr schwach und gelangweilt, ist aber trotzdem das Aushängeschild. Ziemlich doof und naiv die Choose, aber sie macht Spaß. Fällt einem aber schwer, das Di Leo auch so Granaten wie MILANO KALIBER 9 usw. raus brachte. Und das noch im gleichem Jahr.

7/10

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo

BeitragVerfasst: 28. Sep 2013, 20:20
von ugo-piazza
dr. freudstein hat geschrieben: werden Zeuge einer lesbischen Anbahnung zwischen einer Pflegerin und ihrem Zögling (was natürlich verboten ist)


Warum "natürlich verboten"? :? Was heilt, kann nicht falsch sein.

dr. freudstein hat geschrieben: Fällt einem aber schwer, das Di Leo auch so Granaten wie MILANO KALIBER 9 usw. raus brachte. Und das noch im gleichem Jahr.



FdL hat ja selbst eingeräumt, dass er mit dem Film nicht glücklich war, mit dem Genre nicht so richtig anfangen konnte und der Kinski wurde ihm vom Produzenten aufgenötigt.

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo

BeitragVerfasst: 28. Sep 2013, 20:59
von dr. freudstein
Ach so, ja das merkt man auch, das ihm das nicht sonderlich lag. Ging also nur darum, den Kinski i-wo mit unterzubringen, um die Kasse klingeln zu lassen?

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo

BeitragVerfasst: 28. Sep 2013, 21:11
von ugo-piazza
dr. freudstein hat geschrieben:Ach so, ja das merkt man auch, das ihm das nicht sonderlich lag. Ging also nur darum, den Kinski i-wo mit unterzubringen, um die Kasse klingeln zu lassen?


Kinski wurde wohl kurz vor Drehbeginn angeschleppt, und daher noch kurzfristig eine Arztrolle reingeschrieben.

DiLeo hat diesen Film selbst als seinen schlechtesten bezeichnet (was ich nun aber nicht unterschreiben würde)

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo

BeitragVerfasst: 28. Sep 2013, 21:19
von dr. freudstein
Interessant. Man merkt auch, das Kinski ziemlich unmotiviert war, aber wohl auch zu wenig Vorbereitungszeit hatte.

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

BeitragVerfasst: 29. Feb 2016, 02:09
von Il Grande Racket
Der war nicht so dolle. Er braucht vor allem eine gefühlte Ewigkeit, um in Schwung zu kommen, und versucht einen zumeist mit etwas Sleaze bei der Stange (höhö) zu halten. Die Kills haben mir hier mit den ganzen Gegenschnitten nicht so gut gefallen, das war schon ziemlich holprig montiert. Spannung kommt erst kurz gegen Ende auf und dann ist er auch schon vorbei. Die Auflösung ist banal, der Amoklauf am Ende reichlich bescheuert. Aber schön, wie der Mörder im Anschluss förmlich im Kugelhagel zersiebt wird. 5/10

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

BeitragVerfasst: 31. Jul 2017, 13:36
von buxtebrawler
Erscheint voraussichtlich am 05.08.2017 bei X-Rated als Blu-ray/DVD-Kombination in verschiedenen Mediabooks:

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Cover A
Limitiert und durchnummeriert auf 333 Exemplare

Bild
Cover B
Limitiert und durchnummeriert auf 222 Exemplare

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Cover C
Limitiert und durchnummeriert auf 222 Exemplare

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Cover D
Limitiert und durchnummeriert auf 222 Exemplare

Extras:
- Videokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger
- Original italienischer Kinotrailer
- 16 Seiten Booklet vom Filmkenner Martin Beine im Zuge seiner Serie „tenebrarum“.
- 7 Alternativszenen. Erstmalig auf der Welt enthält diese Edition wirklich alles Alternativmaterial. In allen 4 Ländern USA, Italien, Frankreich und Deutschland weist dieser Film kleine Schnittunterschiede in Form von Alternativszenen auf. Diese Szenen sind Material aus den ganzen anderen Fassungen, die nicht Grundlage dieser HD-Version sind.
- Deutscher Kinovorspann
- Extra kostenloser Bonusfilm auf DVD
- HD-Film (7 Minuten) in der Reihe „tenebrarum“ mit dem Titel „Delirierende Trailer – Der Giallo im Farbrausch“.Eine beeindruckende Reise in Land der Italo-Trailer von Martin Beine.
- Internationaler Vorspann

Bemerkungen:
- Remasterter deutscher Ton von der damaligen deutschen Kinoversion, da die bisherigen DVD-Versionen Ton von VHS mit falscher Tonhöhe beinhalteten.

Quelle: OFDb-Shop

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

BeitragVerfasst: 31. Jul 2017, 17:22
von jogiwan
buxtebrawler hat geschrieben:[...] in verschiedenen Mediabooks:
Bild
Cover C

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Cover D


autsch! :palm:

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

BeitragVerfasst: 10. Aug 2017, 10:41
von italostrikesback
Ich bin seit 2003 ein riesen Fan des Films und hatte ihn gestern nach ca. 13 Jahren erstmals wieder angesehen.
Interessanterweise kann ich Kritik an diesem Film durchaus verstehen, weil ich mich selbst, nach so vielen Jahren, erst mal wieder in den Film rein finden musste.
Oberflächlich betrachtet kann man dem Film durchaus Langatmigkeit unterstellen und von der Logik ist es auch nicht weit her aber wer gerne an den obskuren Werken damaliger italienischer Filmkunst knabbert und mit einer dementsprechenden Einstellung an das Werk ran geht, kann hier ein filmisches Kleinod entdecken.
Ich habe mir den Film gestern zwei mal angesehen, weil ich mich während der Erstsichtung, ständig gedanklich an Kritikpunkten festgehalten habe und die gibt es hier wirklich ohne Ende.
Nach der ersten Sichtung war ich deswegen unbefriedigt und habe den Film dann noch einmal angesehen und mir vorgenommen, mich einfach leiten zu lassen und zu genießen.
Plötzlich hat das Ding ohne Ende gefunzt!


Meine Meinung:

Von Langatmigkeit keine Spur, weil man sich den ganzen Film über von der wunderschönen 70er Jahre Cinemascope Ästhetik und der fantastischen Lounge Musik um den Finger wickeln lassen kann.
Gespickt wird das ganze von tollen Schauspielerinnen, wie Margaret Lee, Rosalba Neri und obendrauf noch Klaus Kinski, dessen zurückhaltendes Spiel eine für ihn ganz besonders seltene Qualität hat, weil seine Rolle sehr zurückgenommen ist und er mit feiner Mimimik, Körperhaltung und Bewegung eine große Wirkung erziehlt.
Zusätzlich bekommt man ein paar sehr schön inszenierte Morde, einen Hauch von Splatter, Spannung, sowie Gothic Horror und moderne 70er Optik serviert.
Als wäre das noch nicht genug, gibt es einige Sexzenen, die zwischen ziemlich scharf und unfreiwilliger Komik pendeln aber sich jeder Zeit bestens ins loungige 70er Jahre Schmuddel Vergnügen einfügen und trotzdem bewegt sich der Film auf hohem handwerklichen Niveau.
Dann wird noch etwas gegen die damaligen Konventionen verstoßen, in dem es lesbische Krankenschwestern und nymphomane Patientinnen, inzestiöse Bruder, Schwester Verhältnisse gibt und als wäre das noch nicht genug, die ein oder andere Schamlippe in die Kamera blitzt, nebst einem echten Orangenhaut Hintern, welchen die farbige Darstellering schamlos in die Kamera hält, während sie ins Schaumbad steigt. :mrgreen:

Ich weiß, man kann den Film zerreisen aber man kann ihn auch "erleben" und da vergebe ich, ungeachtet aller filmischer Konventionen die höchste Punktezahlt!
Einfach total neben der Spur und dieser Zustand schadet keinesfalls, wenn man sich mit einer Kiste Bier und ein paar Freunden, auf diesen filmischen 70er Jahre Trip begeben möchte.
10/10