The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

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The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon purgatorio » 26. Apr 2012, 07:38

The Sixth Sense

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Deutscher Titel: The Sixth Sense
Originaltitel: The Sixth Sense

Regie: M. Night Shyamalan
Produktionsland: USA (1999)

Darsteller: Bruce Willis, Toni Collette, Olivia Williams, Haley Joel Osment, Donnie Wahlberg, Glenn Fitzgerald, Trevor Morgan, Mischa Barton, Bruce Norris, Peter Anthony Tambakis, Jeffrey Zubernis, Greg Wood

Story:
Der preisgekrönte Kinderpsychologe Malcolm Crowe (Bruce Willis) gerät allmählich an seine Grenzen. Erst wird er von einem jungen Mann überfallen, dem er offenbar nicht helfen konnte. Anschließend stößt er auf einen Jungen (Haley Joel Osment), der ähnlich schwierige Ausgangsbedingungen liefert. Crowe sieht seine zweite Chance, muss aber beinahe abermals vor der Verschlossenheit des Kindes kapitulieren. Erst die volle Konzentration all seiner Energien auf den jungen Cole eröffnet allmählich Zugänge. Dies geschieht aber offenbar auf Kosten seiner Ehe ...
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Re: The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon purgatorio » 27. Apr 2012, 15:23

THE SIXTH SENSE (THE SIXTH SENSE, USA 1999, Regie: M, Night Shyamalan)

M. Night Shyamalans Frühwerk THE SIXTH SENSE ist ein kleines Meisterwerk, dass dem Regisseur und Autor der Geschichte eine steile Karriere vorprogrammierte, ihn aber auch im Laufe der Jahre unter offenbar enormen Leistungs- und Zugzwang setzte. Was mit diesem Film seinen Ursprung hatte und über dramaturgisch und künstlerisch ähnliche Meisterleistungen wie UNBREAKABLE, SIGNS und THE VILLAGE seinen Lauf nahm, verlief in einer Schaffenskrise, die den enorm hohen Erwartungen des Publikums anzulasten sein müsste. Die künstlerische Freiheit Shyamalans war durch seine Hits derart eingeschränkt, dass ihm der erste richtige Rückschlag das kreative Genick brechen musste. Von Negativkritik erholt man sich jedoch nur schwer. That’s the Business. Zu wünschen wäre diesem einstmaligen Ausnahmeregisseur, dass er Zeit für eine kreative Schaffenspause findet und alles auf Anfang setzt. Qualität braucht eben Zeit. Und drehen wir diese nur wenige Jahre zurück, offenbaren moderne Klassiker aus Shyamalans Hand ihre künstlerisch perfekte Konstruktion, die jenseits von Leistungsdruck und Erwartungshaltungen möglich war. So, wie beispielsweise in THE SIXTH SENSE, der seinen internationalen Durchbruch besiegelte.

Der preisgekrönte Kinderpsychologe Malcolm Crowe (Bruce Willis) gerät allmählich an seine Grenzen. Erst wird er von einem jungen Mann überfallen, dem er vor vielen Jahren offenbar nicht helfen konnte. Anschließend stößt er auf einen Jungen (Haley Joel Osment), der ähnlich schwierige Ausgangsbedingungen liefert und so einerseits eine Herausforderung darstellt, allerdings auch ein weiteres Mal ein Scheitern möglich macht. Crowe sieht seine zweite Chance, muss aber beinahe abermals vor der Verschlossenheit des Kindes kapitulieren. Erst die volle Konzentration all seiner Energien auf den jungen Cole eröffnet allmählich Zugänge. Dies geschieht jedoch auf Kosten seiner Ehe. Und auch die Offenbarung des Geheimnisses des Jungen scheint eher neue Probleme zu verursachen statt sie zu beseitigen...

Nach der Eröffnung mit eindringlichen und ruhigen Bildern, die von einem Paukenschlag durchbrochen werden, verfolgt der Film einen Psychologen, der an der Komplexität seiner Arbeit zu zerbrechen droht. Einen weiteren Rückschlag scheint sich die Verfassung des Mannes nicht leisten zu können. Und so setzt er viel daran, in die Psyche des jungen Cole vordringen zu können. Die schauspielerische Leistung der beiden Hauptcharaktere muss hier explizit als sensationell herausgestellt werden. Haley Joel Osment ist absolut überzeugend in seiner ruhigen, introvertierten und permanent verängstigten Art, Bruce Willis ist jenseits des Action-Films eine schauspielerische Leistung auf extrem hohem Niveau gelungen. Shyamalan hat hier sowohl einen Jungstar als auch einen Schubladen-Action-Helden zu Höchstleistungen antreiben können. Beide tragen den ruhig fotografierten Film seinem Finale entgegen und steigern die Spannung enorm. Das der finale Twist zu einem Markenzeichen des Regisseurs werden sollte, ist in seiner authentischen Wirksamkeit zu ergründen. Und diese ist weniger der Genialität des Einfalls per se als viel eher auch den ehrlichen und glaubwürdigen Schauspielern zu verdanken. Das Dreiergespann Osment, Willis und Shyamalan setzte hier durch grandiose Zusammenarbeit neue Maßstäbe für den mysteriösen und gruseligen Film. Allein die hohe Anzahl an Trittbrettfahrern und das ständig wiederkehrende Element des Plot Twists in vielen weiteren Filmen zeugen davon, wie einflussreich und erfolgreich der Film war und ist.

Aber nicht nur die erst spät erahnbare vielschichtige Konstruktion der Geschichte und das Schauspiel der Protagonisten heben den Film auf das Niveau, welches ihm zu internationalem Ruhm verhalf. Auch die Geschichte an sich, die eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten und unheimlichen Faktoren offenbart, ist hier elementar. Vor allem die dezent aufgebaute, regelmäßige Attacke auf die scheinbare Sicherheit im eigenen Haus dürfte vielen Rezipienten auf das Gemüt geschlagen haben. Crowe wird gleich einleitend in seinem eigenen Schlafzimmer überfallen. Cole wird in der elterlichen Wohnung regelmäßig von Geistern heimgesucht. Und auch diese erzählen vom Verlust des Sicherheitsgefühls im eigenen Heim. Da wurde eine Frau durch häusliche Gewalt in den Selbstmord getrieben, da findet ein Knabe den Revolver seines Vaters und sprengt sich versehentlich den Hinterkopf, da wird ein junges Mädchen im Bett gesund gepflegt und währenddessen von der eigenen Mutter vergiftet. Und auch Coles selbstgeschaffene Zuflucht im eigenen Zimmer, ein Zelt aus Decken und Möbeln, bietet nur scheinbare Sicherheit. Die darin verwahrten Heiligen-Figuren entpuppen sich nur als Staffage. Gegen Coles Realitätswahrnehmungen bieten sie keinen Schutz. Somit ist auch die Religion hier als Trostspender verworfen.

Die Geister irritieren auf ganz eigene Weise. Der Begriff „Geist“ erweckt zwangsläufig Assoziationen zu schwebenden Lichtgestalten, die beinahe durchsichtig aus einer Zwischenwelt in unsere Realität schimmern. In THE SIXTH SENSE bekommt der Rezipient jedoch Wesen zu sehen, die bis auf eine zumeist offensichtlich erkennbare Todesursache kaum von noch lebenden Menschen unterscheidbar sind. Das verleiht ihnen eine moderne Aura des Unheimlichen, jenseits des Gothic-Grusels und auch fernab übernatürlicher Poltergeister mit unbezwingbaren Kräften. Mischa Barton ist hier übrigens noch als junges Mädchen in einer wirklich gruseligen (Neben-)Rolle zu bestaunen, lange bevor sie richtig bekannt und zur Drogen- und Magersucht-Nudel in den Fußstapfen von Paris Hilton und Konsorten wurde. Zumindest hier kann Shyamalans Werk auch prophetischer Charakter unterstellt werden, denn Mischa hat sich mittlerweile optisch einem Geist sehr stark angenähert. Shyamalan selbst hat übrigens bereits in diesem Film die offenbar obligatorische kleine Rolle im eigenen Film – dies ist mir ein sehr sympathischer Spleen des Mannes.

Das die Perfektion in Bildaufbau und Farbgebung keinem Zufall sondern tatsächlich dem großen Talent des jungen Regisseurs anzulasten ist, beweist die makellose Wiederholung eines derartigen Stils in seinen nachfolgenden Filmen. Farbwahl, Erzähltempo und Einstellungsauswahl vermag Shyamalan perfekt der Grundstimmung seiner Geschichten anzupassen. Allerdings haben sowohl THE SIXTH SENSE als auch seine Nachfolger, also alle Filme, die sehr viel Kraft aus ihrem Finale ziehen, einen entscheidenden Nachteil: Sie funktionieren nur ein einziges Mal. Eine zweite, eventuell noch eine dritte Sichtung aus motivierendem Interesse am Schauspiel und an der Konstruktion der Geschichte, die im Falle von THE SIXTH SENSE tatsächlich auch fehlerfrei ihrem Ende entgegen arbeitet, sind zusätzlich vorstellbar. Aber an fesselnder Faszination verliert der Film mit jeder weiteren Sichtung. So hat ein solcher Film keinen hohen Wiederguckwert, lediglich pures Interesse kann noch motivierend wirken, weitere Überraschungen bleiben jedoch aus. So ist der Film zusammenfassend und abschließend als moderner, handwerklich perfekt durchgestylter Grusler zu bezeichnen, dessen Erstsichtung viel Potenzial für Überraschungen, Diskussionen und Interpretationen bereithält, der seine volle Kraft aber eben auch nur ein einziges Mal entfalten kann: 8/10
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Re: The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon buxtebrawler » 27. Apr 2012, 15:24

Holla, das muss ich mir mal in Ruhe durchlesen. Aber in meiner Erinnerung kommt der Film nicht ganz so gut weg.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon purgatorio » 27. Apr 2012, 15:30

:mrgreen: ich muss mal den Stapel unfertiger Rezensionen abarbeiten - es wird ja nicht weniger. Und bei solchen Filmen, die aller Wahrscheinlichkeit nach in absehbarer Zeit definitiv nicht mehr geguckt werden, kann ein Review/dezent analysierender Teil auch gern mal etwas umfangreicher ausfallen - man möchte ja in ein paar Jahren noch wissen, warum man sich vorgenommen hat den Film lieber nicht ein weiteres Mal zu gucken :nick:
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Re: The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon horror1966 » 27. Apr 2012, 16:40

Auch wenn ich mir jetzt wohl keine Freunde mache, ich finde den Film absolut langweilig und total vorhersehbar. Den Hype um den Streifen konnte ich noch nie nachvollziehen.


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Re: The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon untot » 28. Apr 2012, 01:03

horror1966 hat geschrieben:Auch wenn ich mir jetzt wohl keine Freunde mache, ich finde den Film absolut langweilig und total vorhersehbar. Den Hype um den Streifen konnte ich noch nie nachvollziehen.


4/10


Besser könnt ichs auch nicht ausdrücken, geht mir genauso. :nick:
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Re: The Sixth Sense - M. Night Shyamalan (1999)

Beitragvon purgatorio » 28. Apr 2012, 07:39

ich erinnere mich gut: den Hype habe ich verschlafen, da parallel SOUTH PARK - DER FILM im Kino lief. In dem damaligen Alter setzte ich Prioritäten eben anders :nick: Entsprechend konnte ich den Film wesentlich später und unabhängig von irgendeinem "Hype" als das genießen, was er war: ein feinfühlig konstruierter und künstlerisch sehr durchdachter Grusler mit einem tatsächlich hervorragend schauspielerndem Bruce Willis.
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