Frauen hinter Zuchthausmauern - Gerado de Leon

Moderator: jogiwan

Frauen hinter Zuchthausmauern - Gerado de Leon

Beitragvon Blap » 11. Feb 2012, 00:24

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#3 der Grindhouse Collection aus dem Hause Subkultur



Frauen hinter Zuchthausmauern (Philippinen, USA 1971, Originaltitel: Women in Cages)

Pam und der Weltschmerz

Carol Jeffries (Jennifer Gan) hat sich nicht den nettesten aller Macker ausgesucht, der fiese Drecksack schiebt der jungen Frau ein Päckchen mit Drogen unter, entzieht sich auf diese Art dem Zugriff der Gesetzeshüter. Zehn Jahre philippinischer Knast warten auf Carol, vor allem der fürchterliche alltägliche und ausdauernde Terror, den die sadistische Schliesserin Alabama (Pam Grier) mit Wonne ausübt. Alabama hat als Ober-Aufseherin fast völlig freie Hand, die verschrumpelte Direktorin lässt ihre beste Mitarbeiterin nach deren Belieben schalten und walten. Verzweifelt hofft Carol auf die Hilfe ihres feinen Freundes, der möchte die potentielle Belastungszeugin jedoch ausschalten, ergo setzt man die drogenabhängige Stoke (Roberta Collins) auf ihre Zellengenossin an. Gibt es eine Überlebenschance in dieser Hölle auf Erden, kann Carol zumindest auf Unterstützung durch die anderen Frauen hoffen, mit denen sie und Stoke die düstere Gefängniszelle teilen? Ein lediglich fahler Hoffnungsschimmer, denn Sandy (Judith Brown) und Theresa (Sofia Moran) buhlen um Alabamas Gunst, während Stoke ihren Auftrag zu erfüllen hat...

Regisseur Gerardo de Leon inszenierte einen typischen Vertreter des Women in Prison Subgenres, der alle geschätzen und delikaten Zutaten kernig und punktgenau auf die Leinwand zaubert. Sex, Gewalt und Sadismus, klischeehafte Figuren, eine Suhle erster Güteklasse. Das Pendel schlägt hier ein wenig stärker in Richtung Gewalt aus, Nacktheiten spielen sich schon fast eine Spur zu brav ab, in dieser Disziplin bietet manch anderer Beitrag lustvollere Ein- und Ausblicke. Zu einem zünftigen Frauenknast-Reisser gehören möglichst schmuddelige Kulissen und eine räudige Atmosphäre, die diesmal sogar über den Knast hinaus geboten wird, dem Finale schippern wir fröhlich auf einem zum Bordell umfunktionierten Seelenverkäufer entgegen.

Stürzen wir uns mit angemessener Gier auf die Damenmannschaft. Dem Filmfreund werden erstaunliche viele wirklich attraktive Weibchen angeboten, hübsche Gesichter und wohlgeformte Körper bleiben nicht auf die "Heldin" und eine oder zwei Nebendamen beschränkt. Die tragische Hauptfigur muss sich auf meiner persönlichen Skala sogar sämtlichen relevanten Kolleginnen beugen. Jennifer Gan ist wahrlich kein Ausfall, überzeugt aber eher durch ihre recht gelungene Darstellung der naiven Carol, lüsterne Gedanken erzeugen andere Vertreterinnen des schönen Geschlechts. Klar, vor allem Blaxploitation-Göttin Pam Grier weckte meine Neugier. Anders als in späteren Vehikeln wie z. B. "Coffy" (1973) und/oder "Foxy Brown" (1974) gibt sie nicht die coole Superheldin, diesmal dürfen wir Pam als vor Sadismus und Hass überschäumende Aufseherin erleben. Per Drehbuch hängt man ein wenig Fleisch auf ihren Charakter, eine tragische Kindheit/Jugend in den USA sorgte für nachhaltige Verbitterung, die sie nun auf perverse Weise an ihren weitgehend hilflosen Opfer auslebt. Leider (Achtung: Chauvi-Alarm) bleiben Pams wunderschöne Brüste meist verborgen, selbst in den lesbischen Momenten erfüllt sich mein Wunsch nicht, schade. Egal, Frau Grier rollt wie ein Jagdpanzer durch das Szenario (nahezu) nicht aufzuhalten. Judy Browns Rolle bleibt zunächst ein wenig schwammig, was ihrem letztlich gar nicht so interessant angelegten Charakter zuträglich ist. Roberta Collins zieht die ganz, ganz böse Arschkarte, mehr verrate ich nicht. Sofia Moran gehört zu den schönsten philippinischen Frauen die ich je gesehen habe, sie hat ihre stärksten Szenen unter der Knute von Pam Grier (was durchaus wörtlich zu verstehen ist). Damit genug zu den Damen, zu den mitwirkenden Herren erspare ich mir Bemerkungen. Gut, ein Satz soll es sein: Fiese Fratzen und nicht ganz so fiese Fratzen ergänzen das Ensemble, Stars der Sause sind die Frauen, Ende der Durchsage.

"Frauen hinter Zuchthausmauern" ist für Women in Prison-Fans ein unverzichtbarer Beitrag, Einsteiger werden nicht durch allzu grausige Exzesse verstört. Gesittet und feinfühlig geht es freilich nicht zu. Sehr empfindliche Zeitgenossen sollten den Film meiden, wenn Pam zur Elektroschock-Therapie schreitet, dürfte sich manch zartes Pflänzchen fehl am Platze fühlen. Fazit: Schöne Frauen unter Druck und am Drücker, nahezu perfekt eingefangene Atmosphäre, tragische Momente (die vermeintliche Monster zu Menschen machen), Geballer und Fratzengeballer, Zuchthaus, Dschungel und ein Schiff voller Schweinebacken. Grosses Lob für das packend konstruierte Beziehungsgeflecht der vier in eine Zelle gepferchten Damen, denen man teils sehr unterschiedliche Auswege (?) spendiert hat. Nach knapp 80 Minuten fällt der Vorhang, die knackig-kurze Spielzeit lässt zu keiner Sekunde Langeweile aufkommen.

Die dritte DVD aus der Grindhouse-Reihe von Subkultur ist ein Volltreffer! "Women in Cages" liegt in sehr solider Qualität vor, zusätzlich gibt es die deutsche Kinofassung in sehr ramponierter Verfassung (der geneigte Filmfreund wird sich vermutlich über das herrliche "Schmuddelfeeling" freuen. Ich bin fraglos begeistert, die Rödelinserts auf dem Schiff sind ein Augenschmaus, endlich Möpse). Ferner ist ein kurzes Interview mit der sympathischen Judy Brown vorhanden, diverse Trailer zum Thema "WIP" sorgen für eine weitere Steigerung der Begeisterung, von Subkultur gebastelter Unfug haut mich vom Sofa (wo kann ich die Handschuhe bestellen, ich habe noch ein paar Dinge mit einer Ex zu klären). Gekrönt wird die phantatische Veröffentlichung durch das Booklet, dort schreibt Pelle "Der gewaltig kommende Stern am Firmament einheimischer Exploitationexperten" Felsch unterhaltsam über das Thema Grindhouse. Er setzt damit seine Ausführungen aus dem Booklet zur vorherigen Scheibe der Collection ("Die Bestien"/"Der Schlächter") fort, in denen es zunächst um die hiesigen (leider verstorbenen) Bahnhofskinos ging. Pelle, ich liebe und verehre dich (aber das ist dir ja sowieso bekannt)!

"Frauen hinter Zuchthausmauern" mag ich "eigentlich" (widerliches Wort) keine Bewertung per Skala verpassen, aber bevor es wieder Boardmails hagelt: 7,5/10 (gut bis sehr gut). Die liebevoll gestaltete DVD verdient eine Wertung im Bereich der Höchstnote, klarer Kaufzwang!

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Re: Frauen hinter Zuchthausmauern - Gerado de Leon

Beitragvon Adalmar » 11. Feb 2012, 04:26

Sehr netter Film. Nur hätte ich persönlich das Ganze noch mehr auf Pam Grier zugeschnitten, sie müsste die Lage jederzeit unter Kontrolle haben und diese weißen Püppchen am Ende gnadenlos übern Jordan schicken (und die männlichen Schergen natürlich ebenso) :evil:

Wie kann man bloß einen Film mit Pam Grier drehen, in dem P_A_M___G_R_I_E_R nicht das letzte Wort hat? :opa:
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Re: Frauen hinter Zuchthausmauern - Gerado de Leon

Beitragvon Blap » 11. Feb 2012, 12:43

Nö, allerdings hätte ich Pam ein anderes "Finale" verpasst. Die weissen Püppchen waren schon genehm, aber das Fratzenpack hätte Pam per Maschinenpistole wegklatschen sollen. Vor allem mangelt es an Sicht auf Pams sehr geile TITTEN!
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