Killer Eye – Experiment des Grauens - David DeCoteau

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Killer Eye – Experiment des Grauens - David DeCoteau

Beitragvon buxtebrawler » 27. Jan 2012, 22:18

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Originaltitel: The Killer Eye

Herstellungsland: USA / 1998

Regie: David DeCoteau

Darsteller: Jacqueline Lovell, Jonathan Norman, Nanette Bianchi, Costas Koromilas, Blake Bailey, Ryan Van Steenis, Dave Oren Ward, Roland Martinez, Linnea Quigley

Ein besessener Wissenschaftler will sich Zugang zur achten Dimension verschaffen. Dabei löst er jedoch eine Katastrophe aus: Ein Experiment gerät außer Kontrolle und das herausgerissene Auge einer getöteten Versuchsperson mutiert unter dem Einfluss der fremden Dimension in ein blutgieriges Monster. Dieses Monster entwickelt einen besonderen Appetit auf junge Frauen - ein Alptraum beginnt...


Quelle: www.ofdb.de
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Re: Killer Eye – Experiment des Grauens - David DeCoteau

Beitragvon buxtebrawler » 27. Jan 2012, 22:19

„Sie dürfen ihm nicht ins Auge sehen!“ – „Er besteht ja nur aus Auge!“

Nachdem ich „Killer Eye“, der sich irgendwie auf die „Tierhorror-Collection“ des Ramschlabels „Savoy“ gemogelt hat, gesehen hatte, hielt ich diesen US-Sci-Fi-Trasher aus dem Jahre 1998 für einen Amateurspaß oder ein No-Budget-Regiedebüt, doch zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass sich hinter dem Pseudonym Richard Chasen Regisseur David DeCoteau verbirgt, der bereits eine ganze Reihe von Billigfilmen verbrochen hat, die gerne mal im Nachtprogramm von Privatsendern landen, wenn „Sexy Clips“ & Co. zu teuer geworden sind, wie z.B. der mir bekannte Gähner „Witchouse“.

Dabei klingt die Geschichte erst einmal prädestiniert für einen geschmacklosen, irren, viel Spaß versprechenden B-Movie: Ein bekloppter Wissenschaftler hat die fixe Idee, einen Zugang zur achten (!) Dimension zu erlangen. Zu diesem Zwecke heuert er einen Straßenstricher an, dem er ins eine Auge eine Lösung tröpfelt und ihn durch ein Mikro-, Tele- oder Irgendwas-Skop blicken lässt. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass dessen Augapfel daraufhin ein Eigenleben entwickelt, indem er sich vom Kopf des Jungen löst, gigantische Größe annimmt und beginnt, die Mädels der hiesigen Dimension zu befummeln, weniger geschlechtsspezifisch Menschen zu hypnotisieren oder schlichtweg „wegzuzappen“.

Keine Ahnung, wie man auf so einen hanebüchenen Unfug kommt, aber die Enttäuschung folgt auf dem Fuße: Statt wenigstens zu versuchen, die Materialisierung des Auges mittels Spezialeffekten zu visualisieren, findet dieser Prozess lediglich in Form eines Schattens an den lachhaften Kulissen in der Billigoptik des Films statt und die Kreatur ist ein lächerlich, unbeweglich Modell, das durch die Gegend geschoben wird und in dessen Pupille es grün vor sich hinblitzelt. Draußen herrscht derweil das genreübliche Klischeegewitter vor, das hierzulande rasch Katastrophenmeldungen auslösen würde, dort aber lediglich als unmotivierte Effekthascherei für Gruselatmosphäre sorgen soll. Das misslingt natürlich vollends und Außenszenen bekommt man keine einzige zu sehen, der komplette Film spielt sich in den Wohnungen, im Labor und auf dem Dachboden eines Appartementhauses ab. Da die Idee in Zusammenhang mit dem hochgradigen Dilettantismus kaum eine Grundlage für einen kompletten Spielfilm bietet, wurde die Chose mühsam auf sage und schreibe rund 70 Minuten aufgebläht, indem einzelne Szenen – in erster Linie die, in denen der Augapfel seine Tentakeln über entblößte Frauenkörper gleiten lässt oder in denen sich die Schießbudenfiguren von Charakteren auf dem Bett räkeln, gern auch in Zeitlupe – gefühlt unendlich in die Länge gezogen werden. Die angedeuteten Softsexszenen fielen dabei so prüde aus, dass man dem Film selbst Sleazequalitäten kaum bescheinigen kann.

Wir haben hier zwei Mädels – Jacqueline Lovell und Nanette Bianchi –, von denen erstgenannte dann doch irgendwann den BH lüftet, anscheinend über eine gewisse Erfahrung im Erotikbereich verfügt und hier den Zuschauer bei der Stange halten soll, während Bianchi („Mike Mendez’ Killers“) bereitwilliger die Hüllen fallen lässt und den brünetten, biedereren Gegenpart darstellen soll. Das lädt ein zu debilen Wortspielen à la „Augenschmaus“ oder „Was fürs Auge“, wobei ich es aber bewenden lassen möchte. Die männlichen „Schauspieler“ sind ausnahmslos blasse, uncharakteristische Abziehbilder, unter ihnen zwei ultranervige Sunnyboy-Bodybuilder, die bevorzugt in Boxershorts und Socken zusammen auf dem Bett liegen, Pillen schmeißen und fernsehen und dabei unbeabsichtigt stockschwul wirken. Sämtliche Charaktere entpuppen sich als strunzdämliche Flachpfeifen, niemand spielt auch nur im Mindesten glaubwürdig eine Rolle und der pubertäre, alberne Humor zündet grundsätzlich nur, wenn er unfreiwilliger Natur ist. Man könnte eine mehrseitige Abhandlung darüber verfassen, wie idiotisch die Rollen, ihr Verhalten und ihre Dialoge sind, aber das erspare ich mir und beschränke mich auf den Hinweis, dass es mir schwerfällt, dass, was sich hier abspielt, als „Handlung“ anzuerkennen.

Während immer wieder das groteske Riesenauge, das man bereits direkt zum Filmbeginn in seiner ganzen „Pracht“ zu sehen bekommt und sich deshalb in rasender Geschwindigkeit abnutzt, sich an unsere Hausbewohner heranschleicht und Schabernack mit ihnen treibt, dünkt jenen ganz gemächlich, dass da irgendwas nicht stimmt, bis man irgendwann gar den rettenden (?) Einfall hat, es mit Licht zu blenden und auszutrocknen. Doch selbst das wird jäh unterbrochen von weiteren sinnlosen Einfällen, die den Film strecken und in einem schwachsinnigen „Finale“ gipfeln. Einer meiner persönlichen visuellen „Höhepunkte“ ist die kurze Szene, die die ominöse „achte Dimension“ zeigt, indem eine Zeichnung (!) von einer Augenansammlung vor einer Pyramide in die Kamera gehalten wird...

„Killer Eye“ hat bis auf ein paar Titten eigentlich nichts zu bieten, hat kein Budget, gegen null tendierenden Horror und keinen Charme, schwankt dafür trotz kurzer Laufzeit zwischen gähnender Langeweile und unfreiwilligem Humor. Die auf gewisse, geschmacksverirrte Weise neugierig machende Grundidee wurde völlig verschenkt. Das ist zweifelsohne der Bodensatz der Direct-to-Video-Produktionen, eine filmgewordene Beleidigung für das Auge (Ha! Doch noch ein Wortspiel!). Mit viel Wohlwollen zücke ich einen Punkt für die Dreistigkeit, diesen Film wirklich zu veröffentlichen, einen fürs die zumindest als Skulptur lustig anzusehende „Kreatur“ und einen für die Titten. Dass das ernstgemeint gewesen sein soll, kann ich mir eigentlich aber immer noch nicht so recht vorstellen...

3/10 Trashpunkten.
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Re: Killer Eye – Experiment des Grauens - David DeCoteau

Beitragvon DrDjangoMD » 27. Jan 2012, 22:23

Kann ich unterschreiben! Der Film ist soweit ich weiß von Full-Moon-Productions (korrigiert mich, wenn ich irre) und die meisten Trash-Streifen, die diese Firma herausgebracht hat (wie beispielsweise "Gingerdead-Man") zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie eine schön schräge Prämisse haben, die sich in einen amüsanten Unsinn verwandeln ließe, dann aber so lieblos und hastig inszeniert wurde, dass sie ziemlich träge daherkommen.
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Re: Killer Eye – Experiment des Grauens - David DeCoteau

Beitragvon buxtebrawler » 27. Jan 2012, 22:26

DrDjangoMD hat geschrieben:Der Film ist soweit ich weiß von Full-Moon-Productions (korrigiert mich, wenn ich irre)


Das ist richtig.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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