Aquarius - Michele Soavi (1987)

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

Moderator: jogiwan

Aquarius - Michele Soavi (1987)

Beitragvon Blap » 30. Jan 2010, 19:24

Bild

Naja, "eigentlich" kein Giallo...

***

Aquarius - Theater des Todes (Italien 1987, Originaltitel: Deliria)

Das Ensemble eines Theaters leidet unter der Knute des launischen Regisseurs. In einer Woche soll die Premiere über die Bühne gehen, die Stimmung ist gereizt, angespannt. Schauspielerin Alicia (Barbara Cupisti) hat sich eine leichte Verletzung am Bein zugezogen, sie wird von einer Mitarbeiterin in die nahegelegene Klinik gefahren. Leider handelt es sich um eine psychiatrische Anstalt, Alicia wird am Empfang zurückgewiesen. Ein freundlicher Arzt behandelt ihr Bein trotzdem, soweit also alles im grünen Bereich. Wieder zurück im Theater gibt es natürlich gleich Ärger mit dem Regisseur, der Alicia zunächst feuert. Doch die Künstler werden bald ganz andere Probleme bekommen. Aus dem Irrenhaus ist ein Serienkiller entlaufen und hat sich ins Theater eingeschlichen. Nach dem ersten Mord ausserhalb des Gemäuers wittert der Regisseur die grosse Chance. Das Stück handelt sowieso von einem Serienmörder, da ist wegen des echten Mordes massive Publicity zu erwarten. Die Türen werden abgeschlossen, man will die ganze Nacht Proben und die Premiere soll bereits am Wochenende steigen. Der Killer wurde ebenfalls eingeschlossen und beginnt zu wüten. Gibt es ein Entrinnen aus diesem Blutbad...???

Michele Soavi verdiente sich seine Sporen u.a. als Knecht von Dario Argento. Mit "Deliria" legte er 1987 seinen ersten "eigenen" Film vor, ein durch und durch solides, gelungenes Debut! Die Story sorgt für zufriedenes Grinsen, ein echter Serienkiller killt das Ensemble eines Stückes über einen fiktiven Serienkiller, herrlich. Die "Eulenmaske" steht dem Killer prächtig, hebt sich von den üblichen Eishockey und Halloween Masken ab. Ab und an geht es etwas rustikaler zu, obwohl Soavi es nicht zu wild treibt. Mit Barbara Cupisti wurde die weibliche Hauptrolle ansprechend besetzt, leider bliebt der Dame -trotz einiger guter Rollen- der grosse Durchbruch verwehrt. Schade, immerhin arbeitete sie auch mit Lucio Fulci und Dario Argento zusammen. Kommen wir zurück zum Killer, bzw. den Morden. Vielleicht hätte man die Metzeleien ein wenig geschickter über die Gesamtlaufzeit verteilen können, das Finale wirkt fast ein wenig verschleppt. Filme die in Räumlichkeiten spielen aus denen es -zumindest vorläufig- kein Entrinnen gibt, haben mich schon immer fasziniert. Egal ob es sich um rasende Züge, Flugzeuge über dem Ozean, Raumschiffe oder Horrorgruften handelt. Hier ist es eben ein Theater, ein durchaus passender Ort für einen Film dieser Art. In seinem nächsten Film "The Church" (La chiesa, 1989) beschränkte sich Soavi erneut auf überwiegend einen Schausplatz, der Titel des Filmes verrät den Ort des Geschehens bereits. "Aquarius" reicht nicht ganz an den Nachfolger heran, der in den Bereichen Atmosphäre, Effekte und Story deutlich überlegen ist. 1994 inszenierte Soavi mit "DellaMorte DellAmore" ein Meisterwerk, mit dem er sich ohne jeden Zweifel unsterblich machte!

Will man "Deliria" in eine Schublade packen, so würde ich spontan "Slasher" in den Raum stellen. Oft ordnet man den Film auch dem Giallo zu, wobei ich damit nicht so ganz einverstanden bin. Ok, vielleicht passt "Randbereich des Giallo". Naja, die Grenzen sind sowieso fliessend, letztlich sollten diese Anhaltspunkte einigermaßen für Klarheit sorgen. Ich kann den Erstling von Michele Soavi jedem Italo- und Slasherfan ans Herz legen. "Deliria" aka "Aquarius" ist ein unterhaltsamer und sympathischer Film, die kleinen Schwächen fallen nicht wirklich ins Gewicht. Mir liegt der Film auf einer DVD von CMV vor. Die Scheibe bietet gute Qualität, bei CMV ist man in dieser Hinsicht meist auf der sicheren Seite, es sind unterschiedliche Verpackungsvarianten erhältlich.

Ein kleiner und liebenswerter Film! Gut = 7/10 (Mit leicht steigender Tendenz)

Lieblingszitat:

Weisst du was er mit ihr tat? Er nagelte sie am Fußboden fest, schnappte sich eine Säge und...
Ich will es nicht hören, es ist ja furchtbar!
Das Blap™ behandelt Filme wie Frauen
Benutzeravatar
Blap
 
Beiträge: 4673
Registriert: 12.2009
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon untot » 6. Dez 2010, 16:33

Bild

Mich wundert das zu diesem herrlichen Filmchen hier noch keiner was geschrieben hat, ob es nun ein Giallo mit Slasher Elementen, oder ein Slasher mit Giallo Elementen ist, ist doch vollkommen wurscht, geil ist er und das ist die Hauptsache!!
Die Maske des Killers ist der Hammer, da gruselt es sogar mich und das will was heißen!
Soavi zeigt hier das er was kann, die Morde sind perfekt in Szene gesetzt, ein Theater als Schauplatz kommt immer gut, einziger kleiner Kritikpunkt ist das 80er Jahre Flair, aber meine Güte so wars halt damals, wir sahen alle beknackt aus! :mrgreen: :lol:

8,5/10
Bild
Benutzeravatar
untot
 
Beiträge: 6899
Registriert: 09.2010
Geschlecht: weiblich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon Santini » 6. Dez 2010, 16:41

untot hat geschrieben:aber meine Güte so wars halt damals, wir sahen alle beknackt aus! :mrgreen: :lol:


Da muß ich energisch widersprechen!
Ich sehe heute auch noch beknackt aus. :opa: :mrgreen:

Aquarius ist wirklich sehr sehenswert! ;)
Bild
Benutzeravatar
Santini
Forum Admin
 
Beiträge: 5544
Registriert: 11.2009
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon buxtebrawler » 6. Dez 2010, 16:50

Italienischer Mitt-80er-Slasher, der mich zunächst aufgrund der klischeehaften Erwachsenen-Charaktere, denen man ihre Dümmlichkeit noch weniger abnimmt als den üblichen Teenies, die in derartigen Filmen dran glauben müssen, irritiert hat, aber wie fast jeder nach Schema F verlaufende Slasher der 80er ein As im Ärmel hat, das er im letzten Drittel des Films ausspielt und für atmosphärisch dichte Gruselkost sorgt, die man so schnell nicht vergisst:

Wie der Mörder sich unbeobachtet wähnend die Theaterbühne mit Körperteilen seiner Opfer schmückt, um sich anschließend gemütlich niederzulassen, eine Katze zu streicheln und den Moment zu genießen, während die letzte Überlebende irgendwo versteckt kauert und sich anschließend ein letztes, direktes Duell mit ihm liefert, ist schon großes Kino und wertet den gesamten Film ungemein auf.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 28305
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon dr. freudstein » 26. Nov 2011, 17:25

Das Regiedebüt von Michele Soavi, der sich vorher seine Brötchen als Regieassistent beim Dario Argento verdiente (was hier auch deutlich spürbar ist). Desweiteren spielte er bis dato kleinere Rollen in EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL, ABSURD, ALIEN-DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK usw.

Ein neues Bühnenstück soll erprobt werden und zwar eine eigenwillige Version von JACK THE RIPPER. Die DarstellerInnen murren, sind durch den eigensinninigen Theaterregisseur genervt. Doch der aus einem Krankenhaus entflohene Irving Wallace plant mit diesen Darstellern eine ganz eigene Aufführung, die noch mehr Strapazen und Nerven sowie einiges mehr fordert. Noch weniger mit einverstanden, rufen sie zum Streik auf, doch Wallace hat das seine ganz eigenen Methoden, um sein Stück fertigstellen zu können und Gagen zahlt er auch nicht.

Produzent war Joe D'Amato, der sich die Geschichte zusammen mit seinem Freund George Eastman erdachte. Ebenso finden wir hier Giovanni Lombardo Radice wieder.

Der Film wartet mit einer sehr guten Atmosphäre auf, der Splatterfreund bekommt hier dank Gianfranco Mecacci (der Name sagt mir was) auch einiges geboten. Das Licht- und Farbenspiel erinnert stark an Dario Argentos Stil. Mir auch etwas zu stark 80er, aber ansonsten gibt es hier nichts zu meckern. Abermals hatte ich mein Vergnügen, diesmal von DVD RED EDITION, die ganz passabel ist, was die Filmfassung angeht. Da man einige Goreszenen scheinbar einer (ausl.) Fassung entnahm, erscheint diese Fassung uncut.

7/10
dr. freudstein
 
Beiträge: 14501
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon DrDjangoMD » 26. Nov 2011, 18:00

Also bei diesem Meisterwerk darf ich mir mal ruhig 9/10 erlauben. Die Atmosphäre ist dicht und nervenzerreißend spannend, weiters hat Soavi was Kamera und Farbenspiel, wie Freudschi schon bemerkt hat, einiges von Meister Argento übernommen, wodurch der Film, so gräulich das Geschehen auch sein mag, wunderschön anzusehen ist. Die "Bühnendekoration" am Ende ist gleichsam erschreckend aber auch so ästhetisch, dass ich gar nicht meine Augen davon lassen konnte. Mit recht wenigen Drehorten schafft es Soavi konstant Spannung zu erzeugen, der Film bleibt von der ersten bis zur letzten Minute unheimlich, der Cameo von Soavi selbst sorgt auch für ein wenig Humor (übrigens genialer Einfall, die Polizisten direkt vor dem Gebäude der Verbrechen zu positionieren, sie aber nichts merken zu lassen) und David Brandons Regisseur ist einer meiner liebsten Slasherfiguren aller Zeiten, da er zwar ein egozentrischer Exzentriker ist, sich dann aber doch um seine Schauspieler kümmert und recht tapfer versucht gegen den Killer anzukämpfen. Der Film hätte durchaus 10/10 verdient, wäre da nicht Barbara Cupisti, welche als Finalgirl mehr als ungeeignet erscheint, da sie nervig, feige und im Großen und Ganzen unsympathisch ist, wegen ihr hätte ich die letzten fünf Minuten auch gerne ausgelassen und sobald sie es allein mit dem Mörder aufnehmen muss, verliert der Film ein klein wenig Spannung, da ich nun niemanden mehr hatte, für den ich hoffen konnte. Für mich einer der besten Giallo/Slasher/wasauchimmer, also verdiente 9/10, Herr Soavi, meine Hochachtung :thup:
Benutzeravatar
DrDjangoMD
 
Beiträge: 4329
Registriert: 05.2011
Wohnort: Wien, Österreich
Geschlecht: männlich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon dr. freudstein » 26. Nov 2011, 23:24

Plakat Spanien
A0

Bild
dr. freudstein
 
Beiträge: 14501
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon horror1966 » 12. Okt 2012, 22:45

Bild






Aquarius - Theater des Todes
(Deliria)
mit David Brandon, Barbara Cupisti, Robert Gligorov, Martin Philips, Ulrike Schwerk, Mary Sellers, Joanne Smith, Richard Barkeley, Domenico Fiore, Sheila Goldberg, Danny Gordon, Claude Jurman
Regie: Michele Soavi
Drehbuch: George Eastman / Sheila Goldberg
Kamera: Renato Tafuri
Musik: Guido Anelli / Simon Boswell / Stefano Mainetti
ungeprüft
Italien / 1987

Ein aus der Anstalt entflohener Massenmörder schleicht sich in ein Theater, in dem gerade Proben zu einem Musical laufen. Nach der Ermordung eines Darstellers wollen die anderen Schauspieler aus dem Theater flüchten, doch es ist bereits zu spät: Alle Zugänge sind versperrt, die Telefonleitungen gekappt. Dem Killer fallen weitere Mitglieder der Truppe zum Opfer. Es gibt für die Überlebenden kein Entkommen...


"Aquarius" ist meiner Meinung nach einer der besten Horror/Thriller, die Italien je herausgebracht hat. Dieser Film ist wirklich von der ersten bis zur letzten Minute extrem spannend und weiß den Zuschauer jederzeit zu fesseln. Die unglaubliche Faszination, die von diesem erstklassigen Film ausgeht, nimmt den Zuschauer automatisch gefangen und zieht ihn in ihren Bann. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich eher ruhig und am Anfang deutet noch sehr wenig auf ein Horror-Szenario hin, bei dem etliche Leute ihr Leben verlieren sollen. Dennoch liegt von der ersten Minute an etwas Unheimliches über diesem Film, das man kaum in Worte kleiden kann. Die Spannungsschraube wird dabei sehr gekonnt immer mehr angezogen und in atmosphärischer Hinsicht entpuppt sich die Story als eine regelrechte Granate, an der man als Genre-Fan seine helle Freude hat.

Das ist sicherlich auch dem gewählten Schauplatz des Ganzen geschuldet, spielt sich doch fast die komplette Szenerie in einem Theater ab, in dem die Schauspieler auch noch zu allem Überfluss mit dem psychophatischen Mörder eingeschlossen sind. Dadurch ergeben sich fast schon klaustrophobische Züge, die der von Haus aus schon herausragenden Grundstimmung noch einmal einen zusätzlichen Schub verleihen. Gänsehaut pur und eine erhöhte Adrenalin-Zufuhr sind die Folge und einige gut gesetzte Schockmomente runden das Ganze absolut perfekt ab. Zudem beinhaltet der Film auch einige etwas härtere Szenen, abgetrennte Gliedmaßen und eine Menge Kunstblut dürften an dieser Stelle selbst den Freunden der härteren Welle eine Menge Freude bereiten.

Einziger Wermutstropfen sind eventuell einige äußerst dümmliche Verhaltensweisen diverser Protagonisten, denn auch wenn man solche Dinge aus Filmen dieser Art längst gewöhnt ist, möchte man hier so manches Mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Das soll jedoch der einzige kleine Kritikpunkt bleiben, präsentiert sich doch ansonsten ein in allen Belangen überzeugender Genre-Vertreter, der von vielen Leuten immer noch gnadenlos unterschätzt wird. Michele Soavi hat wirklich ganze Arbeit geleistet und mit "Aquarius" eine atmosphärische Bombe gezündet, die auch nach mehrmaliger Sichtung immer wieder zündet und den Betrachter für sich gewinnen kann. Daran ändert auch die Tatsache nichts, das die erwachsenen Darsteller phasenweise ein dümmlicheres Verhalten an den Tag legen als die obligatorischen Teenager, die ansonsten in Slashern immer wieder ihr Leben lassen müssen. Irgendwie ist das ja auch ein Markenzeichen dieser Filmart und macht diese auf ihre ganz eigene Art extrem liebenswert und unverwechselbar.

Und so stellt das Werk von Soavi eine mehr als nur gelungene Mixtur aus Horror-Thriller-und Slasher dar und zählt zu den etlichen Perlen des italienischen Kinos. So mancher Vertreter der heutigen Zeit kann sich hier noch eine dicke Scheibe abschneiden, denn Zutaten wie Spannung, Atmosphäre und jede Menge Thrill werden in dieser Geschichte groß geschrieben.


Fazit:


"Stagfright - Aquarius" ist immer wieder eine Sichtung wert und bietet dabei durchgehend beste und kurzweilige Unterhaltung. Einige unlogische Momente können den insgesamt hervorragenden Gesamteindruck dabei kaum trüben, so das man ohne ein schlechtes Gewissen jederzeit eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


8/10
Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
 
Beiträge: 5597
Registriert: 06.2010
Wohnort: Hildesheim
Geschlecht: männlich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon ugo-piazza » 13. Okt 2012, 15:59

Hm, vielleicht sollte ich dem Film doch noch mal ne Chance geben. Ich fand den nämlich gar nicht so doll... :angst:
Benutzeravatar
ugo-piazza
 
Beiträge: 8629
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Aquarius - Michele Soavi

Beitragvon horror1966 » 20. Okt 2012, 20:08

ugo-piazza hat geschrieben:Hm, vielleicht sollte ich dem Film doch noch mal ne Chance geben. Ich fand den nämlich gar nicht so doll... :angst:



Das kann ich ja gar nicht nachvollziehen. :n8:
Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
 
Beiträge: 5597
Registriert: 06.2010
Wohnort: Hildesheim
Geschlecht: männlich

Nächste

Zurück zu "Horror"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste