Frontiers - Xavier Gens (2007)

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Frontiers - Xavier Gens (2007)

Beitragvon Blap » 12. Apr 2010, 23:18

Frontiers (Frankreich, Schweiz 2007, Originaltitel: Frontière(s))

Eine Bande halbstarker Krawallmacher zieht in Paris einen recht ertragreichen Raubüberfall durch. Da die Stadt momentan von massiven Unruhen erschüttert wird, kann die Polizei die Bande nur mit eingeschränkten Mitteln verfolgen. Doch so einfach kommen die vier Bübchen und die Göre nicht davon, ein Bürschlein wird angeschossen und reicht wenig später den Löffel. Die übrigen Gestalten flüchten je zu zweit per Auto aus Paris. In einem abgewrackten Hotel auf dem flachen Land will man sich treffen. Zunächst schlagen Grossmaul Tom (David Saracino) und der ein wenig schüchterne Farid (Chems Dahmani) dort auf, sie landen nach kurzer Zeit mit zwei anwesenden Schlampen in der Kiste. Zu blöd, dass das vermeintliche Hotel von einer irren Familie geführt wird, die unter der Fuchtel eines uralten Nazis steht. Nackte Gewalt bricht über die beiden Flüchtigen herein. Schliesslich stolpern auch die später ankommenden Alex (Aurélien Wiik) und Yasmine (Karina Testa) in diesen unfassbaren Albtraum aus Blut, Gedärm und purem Terror. Mit Yasmine hat das perverse Familienoberhaupt noch Pläne, ergo fällt sie nicht umgehend dem Schlachter zum Opfer. Kann sie eventuell mit der Hilfe von Eva (Maud Forget) rechnen, die als einzige noch nicht völlig abgestumpft zu sein scheint...???

Die Franzosen machen Ernst. Fiese, dreckige und ruppige Brecher wie "Haute Tension" (High Tension, 2003) oder "Martyrs" (2008) kommen über das Publikum, frei von Humor und Rettungsanker. In diese blutige Kerbe scheint auch "Frontiers" zu dreschen. Aber ist dem tatsächlich so? Sicher, die erdige Optik und die Metzeleien weisen darauf hin, jedoch sind die Figuren der "bösen Seite" dermaßen extrem überzeichnet, dass man den Film letztlich doch als gelungene Karikatur auffassen kann (muss). Backwoodhorror mitten in Europa, erfrischend und heiter. Regisseur Xavier Gens verlässt sich allerdings ein wenig zu sehr auf die blutigen Schauwerte, sowie die derbe Sprache seines Spektakels. Dabei kommen echte Spannung und Anteilnahme etwas zu kurz. Das Finale erhöht die Pulsfequenz dann doch ein wenig, immerhin setzt Gens den Höhepunkt der Sause an die richtige Stelle. Mir fehlt bei diesem Film eine Figur mit der ich mich solidarisieren kann. Die Gruppe der flüchtigen Jünglein ist durch die Bank unsympathisch. Es machte durchaus Freude zu sehen, wie es sie nach und nach in ihre Einzelteile zerlegte. Hauptfigur Yasmine ist zwar ein wenig angenehmer dargestellt, doch wirklich mitreissen konnte sie mich nicht. Mit der Gegenseite konnte man sich ebenso nicht anfreunden, obwohl der irre Blick von Goetz (Samuel Le Bihan) durchaus zum Schmunzeln anregte. Die Stärke des Streifens sind daher die teils leicht bizarren Morde, bei denen es angenehm blutig wird und ordentlich Mettgut produziert wird. Fröhlich wird geschnitten, gehackt, geprügelt, geballert und alles mögliche angestellt, um den Gegner in eine schleimige Masse aus Blut und Gedärm zu verwandeln. Die Darsteller machen ihre Sache übrigens wirklich anständig. Der Mangel an Identifikation ist nicht auf fehlendes Talent, sondern auf die Anlage der Figuren zurückzuführen. Hervorheben möchte ich Karina Testa und Maud Forget, sowie Samuel Le Bihan und Jean-Pierre Jorris als irren Uraltnazi. Die interessanteste Figur in diesem Treiben ist zweifellos Eva, die von Maud Forget sehr überzeugend gespielt wird. Die Ambivalenz ihres Charakters -sowie das merkwürdige und leicht unheimliche Aussehen- lassen sie immer ein wenig unberechenbar erscheinen.

"Frontière(s)" hat mich gut unterhalten, konnte mich aber nicht so richtig packen. Ein grosser Wurf wie der grandiose "Haute Tension" ist "Frontière(s)" zwar nicht geworden, doch angenehmerweise wird auf einen pseudointellektuellen Anstrich wie bei "Martyrs" verzichtet. Letztlich bekommt der geneigte Filmfreund Gemetzel ohne Reue geboten, recht kurzweilige Unterhaltung ohne grösseren Nährwert. Dazu eine Verneigung vor Tobe Hoopers Kettensägenklassiker, nur ohne Kettensäge. Die deutsche DVD Veröffentlichung ist unbrauchbar, denn der Film wurde massiv gekürzt. In Österreich ist der Film uncut erhältlich, allerdings ist die DVD überteuert. Da mir die deutsche Synchronisation bei diesem Film nicht wichtig war, habe ich mir die englische DVD gekauft. Die Scheibe von Optimum Home Entertainment bietet den Film ungekürzt an und ist für kleines Geld zu bekommen. Der Film liegt im französischen Originalton vor, der durch englische Untertitel ergänzt wird.

Guter Stoff... ...aus dem man aber noch mehr hätte machen können! 7/10

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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon purgatorio » 30. Okt 2011, 09:13

FRONTIER(S)

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Titel: Frontier(s) – Kennst du deine Schmerzgrenze?
Originaltitel: Frontière(s)
Regie: Xavier Gens
Produktonsland: Frankreich/Schweiz (2007)
Darsteller: Karin Testa, Samuel Le Bihan, Estelle Lefébure, Aurélien Wiik, David Saracino, Chems Dahmani, Maud Forget, Amélie Daure, Jean-Pierre Jorris u.a.

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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon purgatorio » 30. Okt 2011, 09:14

Über die Grenzen der Familie

Die Familie spielt im Horrorfilm immer wieder eine große Rolle. Sie ist die kleinste soziale Einheit innerhalb einer Gesellschaft, definiert sich aus sich selbst heraus innerhalb eines übergeordneten Systems oder aber sie setzt sich eigene Regeln und ein eigenes Wertesystem (sprich eigene Grenzen) über das quasi diktierte Gesellschaftssystem hinweg. In sich geschlossen und an den eigenen Normen orientiert bleibt sie aber funktionstüchtig, bietet Schutz und hält warm. Der Horrorfilm befasst sich seit je her mit dem Eindringen in diese Einheit, mit der Wirkung dieser Einheit nach außen oder mit dem Zerbrechen eben dieser Harmonieform. Ursache und Wirkung wird eigentlich immer mal mehr und mal weniger dezent hinterfragt und offen gelegt.

„Frontier(s)“ steigt mit diesem Thema ins Geschehen ein und führt verschiedene soziale Einheiten im Verlauf der Handlung vor. Bereits das zweiteilige Intro geht hier differenzierend vor. Begonnen wird mit vorerst unkommentierten Ultraschallaufnahmen eines ungeborenen Kindes. Der weibliche Hauptcharakter stellt sich vor, sieht die Welt im Chaos und würde dies dem Kind gern ersparen. Eine Wertvorstellung und ein Familiengedanke, ja, ein Mutterinstinkt ist somit geboren: Abschotten und beschützen, das in der großen Welt verlorene Seelenheil im Kleinen bewahren.
Der zweite Teil des Intros wirft den Zuschauer in die harte Realität. Berichterstattung über Straßenkämpfe in Paris und den entsprechenden Vororten suggeriert einen, dem Betrachter zeitnahen Handlungsspielraum. Jeder, der hin und wieder Nachrichten sieht kennt schließlich solche Bilder. Innerhalb dieser chaotischen Zustände, welche die zuvor geäußerten Bedenken der werdenden Mutter visuell bekräftigen, wird uns eine weitere soziale Einheit vorgestellt: eine kleine Gruppe von Freunden. Innerhalb dieser gibt es Bruder und Schwester, alle anderen bezeichnen sich aber ebenfalls als Brüder und erschaffen sich so einen funktionierenden, familienähnlichen Status. Im anschließenden Dialog im Krankenhaus zwischen den Geschwistern wird die Familie aus Freunden strikt vom elterlichen Teil der richtigen Familie abgegrenzt und ersterem sozialen Konzept klar der Vorrang eingeräumt: wen interessiert, was die Familie denkt. Was zählt ist man selbst. Dies ist ein klarer Gegenentwurf zur elementaren Vorstellung einer Familie, die sich ausschließlich durch Blut definiert – eine solche wird im Verlauf des Films noch eingeführt werden. Dann werden unterschiedliche Vorstellungswelten aufeinander prallen.

Dafür muss aber zunächst eine Handlung her: Innerhalb der chaotischen Zustände auf den Pariser Straßen hat die bereits vorgestellte Gruppe einen Raubüberfall begangen und eine beachtliche Menge Geld entwenden können. Auf der Flucht jedoch wird einer der Freunde verwundet und verstirbt wenig später im Krankenhaus. Um ihn dahin zu bekommen musste sich die Gruppe aufteilen. Zwei der Freunde sind bereits auf dem Weg zur holländischen Grenze und werden in einem nahen Motel auf die Ankunft der anderen warten. Auf dem ansehnlichen Gehöft angekommen mieten sich die Zwei ein und provozieren mit den Damen am Empfang auf höchst unsympathische Art und Weise eine Orgie. Aus welcher Richtung der Wind wehen wird, wird hier bereits angedeutet. Eine der beiden Damen trägt eine riesige Reichsadler-Tätowierung zwischen den Schulterblättern (was keinen der beiden Freunde in irgendeiner Art zu beunruhigen scheint) und deren Bruder Goetz wird eingeführt. Mit beiden Händen in Gedärmen wird er dem Betrachter zugleich als Antagonist vorgestellt.
Der Orgie folgt ein gemeinsames Essen, welches den Wert der Familie, den die Gastgeber ihrer eigenen beimessen, für die Gäste illustriert, auch wenn Mama nicht besonders ansehnlich is(s)t. Um den Betrachter wieder in die Realität zu stoßen erfolgt neuerlich eine Berichterstattung von den Straßenkämpfen. In deren Anschluss eskaliert die Situation innerhalb der trügerischen Idylle und entwickelt sich zum Horrortrip. Was in den Pariser Straßen im Großen stattfand wurde hier in ein Hotelzimmer projiziert. Die Situation läuft aus den geregelten Bahnen in einer Auseinandersetzung mit einem vermeidlichen Polizisten. Die anschließende Flucht erhöht den Grad an Schrecken enorm, da der harten Realität eine unberechenbare, stark surreale Ebene entgegen gesetzt wird, die in ihrer Konsequenz aber auch wieder nur in der Küche enden konnte. Die Handlungsorte haben sich rasant vom Bekannten zum Gefürchteten gewandelt und weit von der Zivilisation entfernt: Großstadt, Land, Minenschacht.

Unterdessen gelangen die zwei Nachzügler zum Motel und werden umgehend zu einem weiteren Gehöft begleitet, welches sich als Familienwohnsitz mit angeschlossener Mine entpuppt. Es folgt erneut eine Familienzusammenkunft zum Essen. Der Regisseur Xavier Gens legt nun alle Karten auf den Tisch und präsentiert dem Zuschauer wie der Protagonistin die Tragweite der Sippschaft: Ein Nazioberhaupt, welches sich jetzt nicht mehr aus Andeutungen und Indizien speisen muss, und ein Familienkorpus, der innerlich zerrissen ist und auch mehr und mehr unreine Segmente offenbart. Für den zweiten Teil der Gruppe eskaliert die Situation bedeutend schneller, nachdem man der kannibalischen Neigung der Familie im Schweinestall gewahr wird (als Pasolini-Referenz wäre diese Sequenz aber überbewertet > Der Schweinestall [Porcile], 1969).

Nachdem jegliche Hoffnung im Keim erstickt wurde bekommt der Zuschauer die Wurzeln des Oberhaupts in Form von nationalsozialistischen Floskeln präsentiert („Meine Ehre heißt Treue“, „Arbeit macht frei“, „der Wind des Sieges weht“ etc.). Während die Protagonistin als zukünftiger Garant der Blutsreinheit ausgewählt wurde, verarbeitete man den Rest der Gruppe zu Fleischwaren. Letzteres beißt sich allerdings mit einem Kühlhaus voller abgehangener, teils stark verwester Leichen. Warum werden die einen frisch zu Schinken und Kassler verarbeitet während man die anderen zu Dörrfleisch vergammeln lässt?

Das finale Mahl – unzweifelhaft an Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ orientiert – eskaliert abermals. Nun aber, da sich die Zersetzungsprozesse innerhalb des geschlossenen Familienkorpus offenbaren. Die Konstruktion/ die Fassade der Familie zeigt ihr wahres Gesicht: Sie hingen an einem Idealbild, richteten sich komplett danach aus, aber entsprechen diesem im Kern nicht(mehr). Hier liegt eine Form der Patchwork-Familie vor, die sich in Konkurrenzkampf und Kompetenzgerangel ergeht und die Entscheidungsgewalt der Autorität anzuzweifeln beginnt. Recht schnell zerbricht die Einheit und steigert sich ins selbstverzehrende Gemetzel. Die Erkenntnis, dass sich die funktionstüchtige Einheit „Familie“ in der kaputten Welt nicht aus sich selbst heraus speisen kann, lässt sie zerbrechen. Individuelle Merkmale treten hervor, eigener Wille setzt sich über den Familienwillen hinweg. Das chaotische Finale resultiert klar aus der Uneinigkeit der kleinsten sozialen Einheit, die sich von ihrem gesellschaftlich diktierten Normen- und Werterahmen losgelöst hatte.
Leider wird spätestens hier dem Zuschauer aber auch gewahr, dass dem Statement für die Familie und die Ordnung einer familiären Gruppe (mehrere Möglichkeiten wurden durch den Film ja angeboten) der notwendige Ernst fehlt. Das Finale tritt die aufgebotene Metaebene mit Füßen und offenbart die eigentliche Intention des Films: extrem sinnloser Schusswaffeneinsatz und heftigste Gewaltdarstellungen lenken den Fokus komplett auf Schauwerte. Dadurch verzerrt das Finale den suggerierten Realismus und die Zeitnähe natürlich auf eine irgendwie komödiantische – ja fast eine parodierende - Art und Weise. Das kann nicht in Eintracht mit der zuvor mühsam inszenierten Ernsthaftigkeit gebracht werden und wird darum lächerlich.

Der Realismus litt natürlich schon vorher an seinen Stereotypen. Die im Gros unsympathische Gruppe an Protagonisten ist davon ebenso wenig ausgenommen, wie die Familie mit nationalsozialistischen Wurzeln, die den Wert ihrer sozialen Einheit am Grad ihrer Blutreinheit misst. Die eigentlich erwartete Intention des Films wird zusätzlich ob der extremen Logiklöcher ad absurdum geführt. Die mangelnde Sorgfalt zum Ende hin nahm dem Film seine Ernsthaftigkeit und formte ihn zu einer bloßen Schlachtplatte – das ist sehr schade. Die Gewaltdarstellung und deren maskenbildnerische Effekte sind allerdings erstklassig inszeniert. Hervorzuheben ist hier unter anderem ein Headshot im Finale des Films. Der etwa zeitgleich entstandene „Inside - À l’intérieur“ hatte damit offenbar erheblichere Schwierigkeiten. Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass wohl bzgl. der Geschichte die Ideen ausgingen. Der Versuch kurz vor dem Abspann den Bogen zum Anfang zu schlagen und dem Film eine zusätzliche, politische Ebene zu eröffnen endet vollends in Lächerlichkeit. Die letzten vernehmbaren Worte im Film werden von einem Radiomoderator gesprochen, der von Unruhen nach einer siegreichen Wahl des extrem rechten Flügels berichtet – na alles klar.

Frontier(s) beginnt ambitioniert, wurde aber offenbar nicht zu Ende gedacht. Er ist handwerklich erstklassig, nervt aber mit ShakyCam-Einsatz. Dies unterstützt zwar den dreckigen Look des Films, macht vieles aber auch kaputt. Nachtaufnahmen am sonnigen Tage durch Blaufilter zu drehen sah schon bei Karl May-Verfilmungen merkwürdig aus. Meckern auf hohem Niveau wäre ein Kommentar zum unzusammenhängenden Gebrauch der deutschen Sprache. Der Darsteller des Oberhauptes hat sich einige Floskeln und grundlegenden Sprachgebrauch eingeprägt und dieses dann zu gegebener Zeit in seine Reden eingebunden. Das führte zu skurrilen Kommentaren wie: „Reines Blutes!“, „Küssen sie sich für besiegeln!“, „Und sie, par vous peut être.“ Der Einsatz von diversen Uniformen und Uniform-Teilen ist auch so gar nicht korrekt. Wild zusammen gewürfelt und unsinnig kombiniert war gerade die Häufung mangelnder Vorüberlegungen und Recherche zum Ende hin ein großes Ärgernis.

Berücksichtigt wird von mir bei der Bewertung des Streifens aber definitiv der Fakt, dass es sich um ein höchst ambitioniertes Erstlingswerk (im Sinne: Abendfüllender Spielfilm) handelt, der sehr gute Ansätze offenbart. Ob es nun aber letztlich um die Grenzen der Autorität und die der kleinsten sozialen Einheit ging, oder ob die holländische Grenze gemeint war, der man lediglich sehr nahe war, oder ob einfach nur die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet werden sollten und die Belastbarkeit der Mägen getestet werden sollte, dass bleibt am Ende dem Betrachter überlassen.
5-6/10

Was aber tatsächlich bleibt ist eine Protagonistin, die, wäre ein Bogen vom Ende auf ihre Worte am Anfang geschlagen worden, konsequenter Weise hätte ins offene Messer laufen müssen – wenn sie die Hinrichtung durch die Mädels der Sippschaft schon nicht hinnehmen will. Suizid als letzte aber selbstbestimmte Lösung. Oder aber sie hat im totalen Chaos aus Blut und Dreck entdeckt, dass die Welt gar nicht so scheiße ist wie sie ursprünglich annahm, dass sich das Leben lohnt und dass die Familie einen Wert hat.
Zuletzt geändert von purgatorio am 30. Okt 2011, 14:59, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon jogiwan » 30. Okt 2011, 10:13

kann es sein, dass du dir über ein simples Unterhaltungsfilmchen doch zu viele Gedanken machst? ;)
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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon purgatorio » 30. Okt 2011, 11:26

jogiwan hat geschrieben:kann es sein, dass du dir über ein simples Unterhaltungsfilmchen doch zu viele Gedanken machst? ;)

:D hmmm, möglich wäre es ja. Aber die Struktur der Familie spielt im Horrorfilm seit je her eine wesentliche Rolle und es erschien mir angebracht mir hier exemplarisch mal einige Gedanken zu machen. Ich habe aber tunlichst darauf geachtet den hier besprochenen Film dadurch nicht zu überbewerten :opa:
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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon Blap » 30. Okt 2011, 12:42

Filme kann man nicht "überbewerten". Man sie nur besonders lieben, mache mehr, andere weniger. Mir ist deine Heransgehensweise zu "wissenschaftlich", Filme muss man fühlen und erleben, nicht auf dem Seziertisch in Stücke zerlegen (Ok, das ist lediglich meine Ansicht. Grundsätzlich ist es freilich sehr begrüßenwert, dass es unterschiedliche Betrachtungsweisen gibt).

"Frontiers" ist für mich vor allem eine (zeitweise) hysterische Parodie auf das Genre. Nicht immer ganz gelungen, aber insgesamt sehr sehenswert.

Übrigens: Danke für den Beitrag, der nicht lediglich aus zwei, drei Sätzen besteht, sicher aber trotzdem den Stempel "Rezension" auf die Stirn pappt (Siehe Amazon und Konsorten). Sehr lobenswert, nun öffne dein Herz, dann klappt es auch mit der Leidenschaft (Oh weia, meine Medikation muss weiter erhöht werden). Eine kleine Anmerkung möchte ich noch loswerden. Vielleicht könntest du hier und da einen Absatz einfügen, dadurch würde die Lesbarkeit deutlich verbessert. Danke.
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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon luca canali » 30. Okt 2011, 13:13

Filme wie dieser sind der Grund, warum ich Streifen aus den 60er / 70er Jahren so liebe und auch IMMER neuren Filmen bevorzuge... Ich hab den nicht mal zu Ende geguckt... Empfand den als Zeitverschwendung.
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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon horror1966 » 30. Okt 2011, 13:29

Nach "High Tension" und "Inside" hier jetzt also der dritte harte Schocker, der in den letzten Jahren von unserem Nachbarland Frankreich zu uns gekommen ist. Und auch dieser Film hat es wirklich in sich, selbst in der gekürzten deutschen Fassung.

In Paris gibt es starke Unruhen, es regiert der Mob. Nach einem misslungenem Banküberfall wollen 5 Jugendliche Straftäter aus der Stadt fliehen. Einer von ihnen erliegt einer Schußverletzung und stirbt. Die anderen 4 machen auf ihrer Flucht in einem kleinen Motel in Grenznähe halt. Nichtsahnend, das sie einer kannibalistischen Nazi - Familie in die Hände gefallen sind. Der Leidensweg der 4 jugendlichen kann beginnen...

"Frontier(s)" ist wieder mal ein Film, der die Meinungen ziemlich spaltet. Manch einer ist vielleicht einfach dieser harten Filme überdrüssig, andere stört es, das die die Nazi - Thematik ziemlich unreflektiert dargestellt wird. Ich muß sagen, das der Film mir persönlich sehr gut gefallen hat, teilweise hat er mich sogar etwas an "Texas Chainsaw Massacre" erinnert, dafür hat schon allein die Dinner - Szene gesorgt. Man könnte auch gewisse Ähnlichkeiten mit "Wrong Turn" sehen, wofür das Abbiegen zum Motel spricht. Innovativ ist "Frontier(s) sicherlich nicht unbedingt, aber das muß er eigentlich auch gar nicht sein, denn das Gesamtpaket kann man als sehr gelungen bezeichnen, vor allem, wenn man diese Art von Filmen mag.

Der Film beginnt schon ziemlich rasant und verliert auch während der gesamten Laufzeit nichts von seinem Tempo, die Spannung steigert sich praktisch von Minute zu Minute und so lässt der Film erst gar keine Längen entstehen. Es herrscht eine sehr gute, dreckige Atmosphäre, ähnlich wie bei "TCM", was sehr gut zum Geschehen passt. Der Härtegrad ist schon in der deutschen Cut - Version sehr hoch und eigentlich auch vollkommen ausreichend, aber wenn man sieht, welche Passagen noch fehlen, dann kann man sich doch auf eine hoffentlich erscheinende ungeschnittene Version über Österreich freuen. Die dargebotene Härte jagt dem Zuschauer doch so manchen Schauer über den Rücken und löst auch ein sehr starkes Gefühl der Beklemmung aus. Man leidet mit den 4 Jugendlichen mit und ist heilfroh, das man nicht an deren Stelle ist. Vor allem fragt man sich aber automatisch, wieviel Schmerzen die Seele eines Menschen aushält, denn falls man diesen hier gezeigten Leidensweg überleben sollte, trägt man mit Sicherheit psychische Schäden davon.

Die Darsteller fand ich persönlich sehr überzeugend, die Opfer haben die Panik und die Angst sehr gut zum Zuschauer transportiert und wirkten sehr autentisch. Aber auch die psychopatische Nazi - Familie wurde sehr gut dargestellt, obwohl die politisch angerissenen Seite in dem Film wirklich fast zur nebensächlichkeit verkommt und das Hauptaugenmerk eindeutig auf den Härtegrad gelegt ist. Ein paar hohle Naziparolen gibt es zu hören, aber weiter wird die Thematik eigentlich nicht behandelt.

Man darf keine große Innovation erwarten, denn die bietet "Frontier(s)" sicherlich nicht, aber wer auf einen harten und kompromislosen Survival - Horrorfilm aus ist, der kommt an diesem Film nicht vorbei. Ich kann ihn jedenfalls bedenkenlos empfehlen. Die Firma Sunfilm hat mit diesem Film einen erstklassigen Schocker veröffentlicht, den man entweder als Single - Disc, oder auch als 2 Disc Special Edition mit jeder Menge Extras erhalten kann. Die DVD ist als erstklassig zu bezeichnen, dafür sorgen allein schon die hervorragende Bild - und Tonqualität.



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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon buxtebrawler » 30. Okt 2011, 15:14

luca canali hat geschrieben:Filme wie dieser sind der Grund, warum ich Streifen aus den 60er / 70er Jahren so liebe und auch IMMER neuren Filmen bevorzuge... Ich hab den nicht mal zu Ende geguckt... Empfand den als Zeitverschwendung.


Warum genau?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Frontiers - Xavier Gens

Beitragvon purgatorio » 30. Okt 2011, 16:36

Blap hat geschrieben:Übrigens: Danke für den Beitrag, der nicht lediglich aus zwei, drei Sätzen besteht, sicher aber trotzdem den Stempel "Rezension" auf die Stirn pappt (Siehe Amazon und Konsorten). Sehr lobenswert, nun öffne dein Herz, dann klappt es auch mit der Leidenschaft (Oh weia, meine Medikation muss weiter erhöht werden). Eine kleine Anmerkung möchte ich noch loswerden. Vielleicht könntest du hier und da einen Absatz einfügen, dadurch würde die Lesbarkeit deutlich verbessert. Danke.
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:D hab mal noch ein paar Absätze gemacht :knutsch:
ich würd's in diesem Umfang und bei dieser Art der Herangehensweise weniger als "Rezension" (obwohl die dafür notwendigen Elemente der Wertung natürlich auch enthalten sind) sondern eher als "Analyse" betrachten. Ich habe ja den Film unter einem ganz bestimmten Gesichtspunkt geschaut (also bei der Zweitsichtung ;) ). Die "wissenschaftliche" Betrachtung der Sache gebietet dann auch Objektivität (jedenfalls in dem Maße, in dem sie bei einer Filmbetrachtung möglich ist) was das potenzielle Abfeiern des Streifens kategorisch ausblendet. Das heißt ja nicht automatisch auch, dass ich nicht bei den entsprechenden Szenen Zettel und Stift aus der Hand gelegt habe um mir auf die Finger zu beißen 8-)


buxtebrawler hat geschrieben:
luca canali hat geschrieben:Filme wie dieser sind der Grund, warum ich Streifen aus den 60er / 70er Jahren so liebe und auch IMMER neuren Filmen bevorzuge... Ich hab den nicht mal zu Ende geguckt... Empfand den als Zeitverschwendung.


Warum genau?

Ja, warum? Ist's die neue Aufnahme- und Kameratechnik die dich stört, oder der vielmals postulierte "neue Härtegrad"? Inhaltlich ist's ja im Vergleich zu den alten Filmen nichts innovativ Neues gewesen!
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