Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Moderator: jogiwan

Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 19. Dez 2009, 15:24

Moin!

Los geht es mit den Augasmen der letzten Tage:


The Night of the Werewolf (Spanien, 1981, Originaltitel: El retorno del Hombre-Lobo)

Ungarn im 16. Jahrhundert. Die Blutgräfin Báthory und ihr Gefolge werden zum Tode verurteilt und umgehend gemeuchelt. Auch der ebenfalls aus einem Adelsgeschlecht stammende Waldemar Daninsky (Paul Naschy) wird hingerichtet. Er war unter den unguten Einfluss der Gräfin geraten. Waldemar verwandelte sich bei Vollmond in einen Werwolf, den die perverse Sadistin für ihre niederträchtigen Zwecke mißbrauchte. Inzwischen sind rund 400 Jahre ins Land gezogen. Zwei Grabräuber öffnen die (Un)Ruhestätte Waldemars und entfernen den silbernen Dolch aus seiner Brust, natürlich steht der Vollmond gerade in voller Pracht am Himmel. Waldi erwacht umgehend und killt die Diebe. Ein wenig Zeit vergeht und drei Studentinnen tauchen in der Gegend auf. Eine von ihnen ist vom Bösen besessen, sie will die Gräfin Báthory erwecken. Eine andere der jungen Damen verliebt sich in Waldemar. Nur sie kann ihn von seinem Fluch erlösen, was dringend nötig wäre, denn bei Vollmond verwandelt sich der Unglückliche zuverlässig in einen Werwolf und begeht bestialische Morde. Jedoch haben unendlich bösartige, teuflische Mächte ebenfalls ein reges Interesse daran, die unbändigen Kräfte des Werwolfes für sich zu nutzen...

Während in den frühen achtziger Jahren der europäische Horrorfilm von wilden Italo-Orgien dominiert wurde -die ich bekanntlich sehr liebe- kam Paul Naschy mit diesem herrlich altmodischen Filmchen daher! Wenn ich mich nicht verzählt habe, war dies bereits sein achter Auftritt in der Rolle des tragischen Edelmannes Waldemar Daninksy. Der Zeitgeist scheint nahezu vollständig an "El retorno del Hombre-Lobo" vorbeigezogen zu sein, denn der Film wirkt wie ein Werk aus den frühen siebziger Jahren. Genau dies macht aber einen grossen Teil des Reizes und der liebenswerten Art aus, die den Streifen über die gesamte Laufzeit auszeichnet. Waldemar Daninsky ist einfach der knuffigste Werwolf der Filmgeschichte und Paul Naschy muss man einfach lieben! Der Film baut gleich zu Beginn eine tolle Atmosphäre auf, später gibt es eine angenehme Dosis Blut, Möpse und Gegeifer zu sehen, so wie es sich für einen echten Naschy gehört! Mir macht dieser Werwolf-Schocker jede Menge Freude, hätte man mich beim Genuss des Filmes fotographiert, so könnte man mit Sicherheit meine Augen freudig leuchten sehen! Einen Unterschied zu älteren Naschy Werken gibt es dann doch zu vermelden. Die Inszenierung ist offensichtlich sorgfältiger und durchdachter, der typische Charme kommt dabei aber glücklicherweise nicht abhanden!

Kein Freund gepflegter Horrorunterhaltung kommt an Paul Naschy und Waldemar Daninsky vorbei! Mir geht bei Filmen dieser Art das Herz auf! In Deutschland liegt bisher keine Veröffentlichung auf DVD vor. In den USA ist der Film auf DVD und sogar auf Blu-ray veröffentlicht worden. Das Blu-ray Set von BCI Eclipse beinhaltet eine zweite Scheibe, auf der man den Naschy Film "Vengeance of the Zombies" (La rebelión de las muertas, 1973) findet. Ergo habe ich gleich zu diesem Set gegriffen. Die Bildqualität von "The Night of the Werewolf" kann sich nicht ganz mit anderen Filmen aus dieser Epoche messen (Z.B. Halloween, 1978), macht aber insgesamt einen soliden Eindruck. Der Schwarzwert bei Nachtaufnahmen schwächelt ein wenig, ferner ist die Kompression ab und an dezent sichtbar. Dafür stimmt die Schärfe und die Farben wirken angenehm frisch. Für Technikfetischisten wird die Blu-ray sicher Anlass zur Kritik geben, doch diese Menschen sind vermutlich kaum die Zielgruppe für Filmperlen dieser Art. Ich bin mit der vorliegenden Auswertung zufrieden, in so guter Qualität war bisher kein anderer Naschy Film zu sehen!

Bezüglich der Bewertung stehe ich wieder vor dem üblichen Dilemma, wenn es um die Einschätzung solcher kleinen Schätzchen geht. Der "Wohlfühlfaktor" und mein Herz sagen ganz klar: 10/10! Doch -um Fassung ringend- muss ich meine Referenzen dieses Genres ebenfalls mit dem nötigen Respekt behandeln, daher ziehe ich "nur" dicke, fette 8/10 = sehr gut!

Lieblingszitat:

"A Werewolf! But that's impossible! Werewolves don't exist... ...they don't exist!?"



Am 30.11.2009 ist Paul Naschy an einer Krebserkrankung verstorben. Der Lieblingswerwolf vieler Filmfreunde wurde leider nur 75 Jahre alt. Ich werde dich vermissen! Doch durch deine vielen schöne Filme wirst du uns immer in Erinnerung bleiben, vielen Dank dafür! Ruhe in Frieden, Hombre Lobo!



Star Crash (Italien, 1979, Originaltitel: Scontri stellari oltre la terza dimensione)

Graf Zarth Arn (Joe Spinell) ist ein fieser Drecksack. Er will die Herrschaft über das Universum an sich reissen! Dazu wurde bereits eine mächtige Geheimwaffe entwickelt, denn der waise Imperator (Christopher Plummer) soll vernichtend geschlagen werden. Um den Schurken in die Knie zu zwingen, schickt man die Schmuggler Stella Star (Caroline Munro) und Acton (Marjoe Gortner) auf eine gefährliche Mission. Sie sollen die besagte, geheime Superduperwaffe ausschalten und nebenbei noch den verschollenen Sohn des Imperators finden...

Vor ein paar Wochen hatte ich den grandiosen Knaller "Contamination" (Astaron - Brut des Schreckens, 1980) von Regisseur Luigi Cozzi im Player. Während man dort auf Mutter Erde gegen fieses Aliengeschleime kämpft -und dem Zuschauer eine nachvollziehbare Story anbietet- verschlägt es Cozzi bei "Star Crash" vollständig in die Unendlichkeit des Weltraums. Dabei hat man auch gleich jeglichen Sinn und Verstand über Bord geworfen, denn dieses Machwerk ist eine völlig bekloppte, obertrashige Mega-Sause der debilsten Sorte! "Star Wars" wurde als Vorlage für einige Einstellungen mißbraucht, es ist eine wahre Pracht. Die Story weist dermaßen gigantische Logiklöcher auf, dass ganze Galaxien darin verschwinden könnten! Die Kulissen sind billig und wacklig, dafür leuchten die Sterne schön bunt, das Weltall im Rausch der Opioide. Unfassbare Einfälle prallen gnadenlos auf das Zwerchfell. Hier ein kleines Beispiel: Man schiesst kleine, mit zwei jeweils zwei Soldaten bestückte, Torpedos ins All. Diese Torpedos schlagen in das Raumschiff des Bösenwichts ein. Überall fliegt das Glas umher, doch der Druck im Raumschiff ändert sich keinesfalls, man ballert einfach ganz unbeeindruckt weiter vor sich hin, herrlichst! Die Wahl der Darsteller macht ebenfalls grosse Freude. Joe "Maniac" Spinell nimmt man den Irren gern ab, Caroline Munro darf hübsch sein, Marjoe Gortner dauerwellt sich durchs Geschehen. Wie zum Teufel hat sich Christopher Plummer in diesen Streifen verirrt? Als "Bonus" bekommt man Obertrottel David Hasselhoff (!) geboten. Der Hornochse ist natürlich selbst in einem Trasher wie "Star Crash" hoffnungslos überfordert, gegen diesen Schwachmaten wirkt selbst eine verdaute Erbsensuppe wie ein Schauspielgott! Hasselhoff kann ich normalerweise keine drei Sekunden ertragen, hier stört er glücklicherweise nicht weiter, obwohl er den Film durch seine Anwesenheit durchaus ein wenig beschmutzt.

Was gibt es noch zu berichten? Der nervöse Roboter macht Freude, die Soundkulisse sorgt für Lacher, abgefeuerte Waffen sorgen für Piiiiuuuu-Piiiiuuuu Geräusche, sogar ein Laserschwert kommt zum Einsatz. Ach, schaut euch diesen haarsträubenden Unfug doch selbst an, mir rinnen schon wieder die Lachtränen aus den Augen! Die DVD des Labels MiB bekommt man für wenig Geld. Die gebotene Bildqualität reicht "eigentlich" völlig aus, doch leider liegt der Film nicht im richtigen Format vor. Man muss sich mit einem kastrierten Vollbild vergnügen, obwohl das bei diesem Machwerk weniger stört, denn wirklich "überragend" ist die "Bildkomposition" sowieso nicht, muhaha!

Übrigens ist "Star Crash" -ganz im Gegensatz zu "Astaron"- durchaus familenfreundlich, da hier auf Gewalt und Mettgut verzichtet wurde. Wer seine Kinder mit Humor erzieht und frühzeitig für die wichtigen Dinge des Lebens begeistern möchte, kann sich diesen Streifen durchaus mit den Lütten reinpfeifen. Aber wundert euch nachher nicht, wenn die Balgen ihre Eltern für durchgeknallte Spinner halten...

Speziell und angenehm umnachtet! 7/10 aus Sicht des Trash-O-Logen!

Lieblingszitat:

"Mein Sicherheitsgurt klemmt!"


Angiralus - Es reisst dich in Stücke (USA 2006, Originaltitel: Razortooth)

Die Polizei verfolgt zwei flüchtige Verbrecher. Jedoch werden die Gesetzeshüter von einer grausigen Bestie verschlungen, lediglich ein wenig Mettgut bleibt zurück. Damit nicht genug, das gierige Monster wird noch viele Opfer fordern. Es handelt sich um einen mutierten Aal, der aus einem Labor entkam und inzwischen auf eine Länge von mehreren Metern herangewachsen ist. Der Tierfänger Delmar Coates, Sheriff Ruth Coates (die Ex des Tierfängers) und andere Mitbürger einer ländlichen Ortschaft wollen den Riesenaal stoppen, nachdem ein Wissenschafter sie über die Entstehungsgeschichte der Bestie informiert hat. Das Untier ist nicht nur im Wasser sehr mobil, auch an Land kommt der Riesenaal schnell voran und packt sich seine Opfer. Kann der bösartige Verschlinger gestoppt werden und das Blutbad beendet werden...???

Riesenhaie, Riesenwale, Riesenkraken und anderes Gezücht, in den Gewässern von Mutter Erde ist allerlei Ungetier aktiv, warum also nicht zur Abwechslung auch ein riesiger, fieser Aal? Als Tierhorror-Fan komme ich an solchen Filmen natürlich nicht vorbei, "Angiralus" musste geradezu zwangsläufig in meinem Player landen. Zwar sind mir die Klassiker lieber, doch auch die letzten Jahre brachten recht unterhaltsame, kleine Tierhorrorfilmchen hervor. Besonders "Lake Placid" (Kanada, USA 1999) machte richtig Laune, doch von dieser Klasse ist der schleimige Riesenaal weit entfernt. Die üblichen Klischees walzt man erwartungsgemäss aus, dies ist für mich kein Anlass zu negativer Kritik. Ganz im Gegenteil, denn genau deswegen schaue ich mir solche Streifen an. Die Schwächen des Werkes sind die -zwar angenehm klischeehaften- Figuren, die trotzdem einfach keine "Typen" sind. Die Schauspieler müssen in einem solchen Film keine Höchstleistungen erbringen, auch gepflegter Trash kann für gute Laune sorgen, die Damen und Herren sind hier ganz einfach konturlos, belanglos, haben keinen Wiedererkennungswert, wecken weder Sympathien noch Antipathien. Das Monster ist aus dem Computer gepurzelt, im Wasser sieht es recht brauchbar aus, an Land wirken die Effekte zum Teil ziemlich erbärmlich. Es splattert ab und an ein wenig, in dieser Disziplin steht der Film etwas besser da, als bei der sehr wechselhaften Qualität seiner Hauptattraktion.

Obwohl ich an "Angiralus" einiges zu bemängeln habe, möchte ich den Film nicht als Ausfall bezeichnen. Er bietet ein paar Lacher und ist insgesamt als noch recht unterhaltsam zu bezeichnen. In diesem Subgenre der herrlichen Welt des Horrorfilms ist die Konkurrenz sehr stark, daher bliebt für den Schleimfisch nur ein Platz im absoluten Mittelmaß übrig. An der DVD aus dem Hause Anolis -das Label hat sich im Bereich älterer Filmschätze schon vielfach bewährt- gibt es nichts zu meckern. Der Film liegt in guter Qualität vor, zwar werden kaum Boni geboten, doch wären sie in diesem Fall sowieso kaum von Interesse.

Für "Tierhorror-Allesglotzer" geeignet, für Einsteiger gibt es zahlreiche bessere Alternativen! 5/10

Lieblingszitat:

"Haltet die Augen offen, er kann überall sein!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 19. Dez 2009, 15:25

Count Yorga, Vampire (USA 1970, Originaltitel: Count Yorga, Vampire)

Ein Gruppe junger Leute nimmt an einer Seance teil. Dort soll unter der Leitung von Count Yorga (Robert Quarry), der Geist der verstorbenen Mutter einer der Teilnehmerinnen beschworen werden. Zunächst nehmen einige der Anwesenden den "Unfug" nicht ernst, doch scheint von Count Yorga eine seltsame, fast unheimliche Macht auszugehen. Ein Paar fährt den eleganten Edelmann nach Hause, bleibt auf dem Heimweg in der Nähe von dessen Anwesen mit dem Auto liegen. Man beschliesst im VW-Bus (miteinander) zu schlafen, in der Nacht werden die beiden Hoppelhäschen attackiert, können den Angreifer später jedoch nicht identifizieren. Alles scheint glimpflich abgelaufen zu sein, doch die junge Dame fühlt sich schwach und krank. Als sie schliesslich eine Katze anfällt ist ihr Freund mehr als alarmiert. Der hinzugezogene Dr. Hayes (Roger Perry) hegt einen grausigen Verdacht, ist der rätselhafte Count Yorga etwa ein Vampir...???

Aus "Count Yorga" wurde in Deutschland flugs Graf Dracula. So verpasste man dem Film für die Auswertung im Kino kurzerhand den Titel "Junges Blut für Dracula". Leider ist Graf Yorga hierzulande nahezu in Vergessenheit geraten, der Film wurde bisher nicht für den Heimkinomarkt ausgewertet. Sehr schade, denn dem Gruselfan wird sehr angenehme Unterhaltung geboten. Als Anhaltspunkte scheinen mir Hammer Filme aus den siebziger Jahren geeignet. Wer z.B. "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972) liebt, der wird "Count Yorga, Vampire" vermutlich zumindest mögen. Robert Quarry kommt als Blutsauger sehr stilsicher daher und kann bei Bedarf herrlich fies werden. Natürlich darf man hier keine Wüste Mettgut-Orgie erwarten, doch ein wenig gemetzelt und geblutet wird durchaus. Die Gewaltszenen sind aber nicht die provokante Seite des Filmes, vielmehr dürften die sexuellen Anspielungen damals für Unruhe bei den Sittenwächtern gesorgt haben. Wenn der Graf zwei seiner weiblichen Opfer miteinander "spielen" lässt und sie dabei wolllüstig beobachtet, schaut die Kamera zwar nur andeutungsweise zu... ...aaaaber es handelt sich in diesem Fall aber um die (Film)-Mutter und deren (erwachsene) Tochter, wodurch die Szene recht brisant wirkt. Nicht zu vergessen der extrem lüstern-perverse Gesichtsausdruck des Herrn Yorga, der eine absolut eindeutige Sprache spricht!

Wem die Gruselperlen der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre besonders am Herzen liegen, der wird seiner Filmsammlung mit Sicherheit diverse Hammer, Amicus, Tigon, Paul Naschy und natürlich auch Italo-Horror Lieblinge zugeführt haben. Ganz sicher werden sich auf etliche Produktionen von AIP (American International Pictures) in einer solchen Sammlung befinden. Man denke nur an die herrlichen "Dr. Phibes" Filme mit Vincent Price, oder natürlich auch an die Poe Verfilmungen von Corman. Nicht zu vergessen, dass es auch Kooperationen der Firmen gab. Wie dem auch sei, über die geschäftlichen Aspekte der damaligen Zeit wissen Experten sicher besser als ich zu berichten, von daher noch ein paar Worte zu "Count Yorga, Vampire". Ich schrieb es schon weiter ober, der Film ist in Deutschland leider fast völlig in Vergessenheit geraten. Abhilfe schafft die MGM DVD aus den USA. Diese ist im Rahmen der hauseignen "Midnite Movies" Reihe erschienen und wird zu einem fairen Kurs angeboten. Auf der doppelseitigen Scheibe befindet sich auch der zweite Film über das blutige Treiben des Count Yorga, dieser trägt den Titel "The Return of Count Yorga" (Die sieben Pranken des Satans, 1971), zu dem ich in nächster Zeit ein paar Zeilen schreiben werde. Die gebotene Qualität geht völlig in Ordung, die Scheibe kommt allerdings mit Regionalcode 1 daher.

Mir hat der Film Spass gemacht, ich freue mich auf die Fortsetzung! 7,5/10

Lieblingszitat:

"...and don't forget to eat those Steaks..."



The Return of Count Yorga (USA 1971, Originaltitel: The Return of Count Yorga)

Der blutsaugende Graf ist zurück! Count Yorga (Robert Quarry) taucht auf einem Kostümball auf, stellt sich dort als der neue Besitzer des benachbarten Anwesens vor. Bald entdeckt man seine ersten Opfer, doch zunächst führen sämtliche Spuren ins Leere, fehlt es an greifbaren Anhaltspunkten. Der Graf lässt seine Gespielinnen die Pflegeeltern eines Waisenhauses und deren Zöglinge ausschlürfen, die attraktive Cynthia (Mariette Hartley) bleibt von dieser Attacke verschont und erwacht in den Hallen des Herrn Yorga. Den überaus gebildeten und erfahrenen Edelmann hat ein längst vergessen geglaubtes Gefühl gepackt, er hat sich ernsthaft in Cynthia verliebt. Die junge Dame erkennt aber nach und nach, dass mit dem Herrn Grafen irgendetwas nicht so ganz stimmt und möchte fort. Derweil überzeugt der Arzt Dr. Baldwin (Roger Perry) die Polizei davon, dass es im Hause Yorga nicht mit rechten Dingen zugeht, können die Retter Cynthia rechtzeitig den Klauen des Vampires entreissen...???

Ein Jahr nach seinem ersten Auftritt suchte uns Count Yorga erneut heim. Warum er plötzlich wieder auf Erden wandelt bleibt unklar, doch dies soll uns nicht weiter stören. Robert Quarry ist in dieser Rolle absolut phantastisch, Roger Perry darf erneut den hartnäckigen Gegenspieler darstellen. Der zweite Bluttrip des Grafen neigt manchmal ein wenig zu leichten Qualitätsschwankungen. Während "Count Yorga, Vampire" durchgehend gute Unterhaltung bot, plätschert der Nachfolger ab und an ein wenig vor sich hin. Als Ausgleich für diese kleinen Unzulänglichkeiten erfreut der Film aber mit geschickt gesetzten Highlights, in der letzten halben Stunde dreht er dann richtig auf läuft wie ein geölter Blitz. Insgesamt ist Yorgas zweiter Lauf mit mehr Humor gespickt, glücklicherweise übertreibt man es aber nicht zu sehr. Besonders die Angriffe des Grafen treiben mir Freudentränen in die Augen, diese Fratze ist nahezu unbeschreiblich! Sehr erbaulich sind auch die Momente gelungen, in denen sich die Sklavinnen des Lebenssaftsaugers aus ihren Gräbern erheben!

Die Regie übernahm erneut Bob Kelljan, produziert wurde wie gehabt von American International Pictures. Die Handschrift des ersten Teils bleibt also erhalten, wer den ersten Yorga Streifen mag, der wird sich auch am zweiten, schmackhaften Vampir-Aufguss nicht verschlucken. Zur DVD schrieb ich im Kurzkommentar zum Vorgänger schon etwas, ich kann diese Importscheibe jedem Freund schöner Gruselperlen erneut ans Herz legen. Besonders geeignet für Hammer und Amicus Süchtler, gewissermaßen die amerikanische Form des britischen Gruselkinos. Ohne diese liebenswerten Horror-Schätzchen wäre die fasziniernde Welt des Films um eine bedeutende Attraktion ärmer!

Gut = 7/10

Lieblingszitat:

"What are we runnin' for?"
" 'cause we're scared!"



Robin Hood - Der Freiheitsheld (Großbritannien 1967, Originaltitel: A Challenge for Robin Hood)

Da die Story um Robin Hood schon gefühlte 30.000.000x verfilmt wurde, kann ich mir die an dieser Stelle die übliche Inhaltsangabe ersparen.

"Robin Hood - Der Freiheitsheld" erschien Anfang 2004 im Rahmen der schönen "Hammer Edition" aus dem Hause Anolis. Diese Reihe umfasst insgesamt 20 Titel. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf den bei Gruselfreunden allseits beliebten Horrorfilmen, die in der Hauptsache für den legendären Ruf und Kultstatus von Hammer verantwortlich sind. Man findet aber eben auch diesen Robin Hood Film in der Edition, ebenso wie den bereits 1954 entstandenen "Robin Hood, der rote Rächer". Der Vergleich dieser beiden Streifen macht durchaus Sinn, denn sie unterscheiden sich doch sehr deutlich voneinander. Der Film von 1954 erinnert sehr stark an die amerikanischen Versionen mit Errol Flynn, sogar der Hauptdarsteller kommt wie eine Kopie des Herrn Flynn daher. Die Fassung von 1967 ist weitaus eigenständiger, bietet die typische "Hammer Optik" und fühlt sich angenehm britisch an. Barrie Ingham kommt in der Titelrolle locker und sympathisch rüber, hier hat Hammer ein glückliches Händchen bewiesen. Die 92 Minuten Spieldauer sind vielleicht mit ein wenig zu viel Story befrachtet, dadurch kommen einige Figuren -z.b. Little John oder Will Scarlett- eigentlich nur als eher kleine Nebenrollen vor. Anderseits schreitet die Handlung ohne jegliche Hänger zügig und konsequent vorwärts, es kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf.

Wie man es von Hammer kennt und erwartet, sind die Kulissen stilvoll und die Inszenierung handwerklich solide ausgeführt. Wer sich an Robin Hood Verfilmungen nicht sattsehen kann, der sollte diesem feinen Filmchen durchaus eine Chance einräumen. Auch für Fans klassicher Hammer-Horrorkost ist der Film nicht völlig uninteressant. Natürlich fehlt hier jegliche Gruselatmospähre, doch die Optik und einzigartigen Stil erkennt man umgehend wieder, fühlt sich gewissermaßen wie zuhause. Die DVD verdient grosses Lob, der Film liegt in schöner Qualität vor, das vorhandene Bonusmaterial ist sehenswert. Die Anolis "Hammer Edition" ist seit geraumer Zeit ausverkauft, die Preise für manche Titel erreichen bereits dreistellige Regionen. Diese Scheibe ist noch etwas güntiger zu bekommen, denn die Zielgruppe dürfte in diesem Fall ein wenig kleiner sein. Wer noch zu vernünftigen Kursen an die DVD kommen kann, der darf sicher ohne Reue zugreifen!

Guter Stoff = 7/10
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 19. Dez 2009, 15:25

Vigilante (USA 1982, Originaltitel: Vigilante)

In New York gewinnt der Abschaum die Oberhand. Da Polizei und Gerichte schon längst die Kontrolle verloren haben, setzen sich einige verbitterte Bürger zu Wehr. Nick (Fred Williamson) und ein paar Freunde greifen sich gezielt Kriminelle und reissen ihnen den Allerwertesten auf. Eddie (Robert Forster) hält von solchen Methoden nicht viel, doch plötzlich gerät auch er in den Sog der Gewalt. Während seiner Abwesenheit fällt eine widerliche Bande über Eddies kleine Familie her. Der Sohn wird erschossen, seine Frau geschändet und zu Brei geschlagen. Zwar kann ein Täter gefasst und vor Gericht gestellt werden, der Prozess ist jedoch eine Farce der übelsten Sorte. Die Verkettung unfassbarer Ereignisse lässt Eddie nachdenklich werden, er beschliesst sich Nick und dessen Freunden anzuschliessen. Jemand muss zur Verantwortung gezogen werden, der Pöbel muss bluten...

Nach dem provokanten "Maniac" (1980), lieferte Regisseur William Lustig mit "Vigilante" ein konsequentes Rachedrama ab. Ähnlichkeiten zu den frühen "Death Wish" Filmen mit Charles Bronson sind offensichtlich. Ein bisher unbescholtener, braver Kleinbürger wird vom vermeintlichen Rechtsstaat im Stich gelassen und sieht sich genötigt selbst für Ordnung zu sorgen. Aus heutiger Sicht erscheint der Film natürlich in einem politisch sehr inkorrekten Licht, was einen nicht unerheblichen Teil der Faszination ausmacht, die ohne Zweifel von Lustigs Streifen ausgeht. Die Besetzung der Hauptrollen mit Robert Forster und Fred Williamson verspricht grossartige Unterhaltung, dieses Versprechen kann "Vigilante" zu jeder Zeit einlösen. In einer kleineren Nebenrolle ist Joe "Maniac" Spinell zu sehen, der mal wieder herrlich abstossend agieren darf, hier in der Rolle eines fiesen, schmierigen Rechtsverdrehers. Woody Strode ist ebenfalls mit von der Partie, er hat eine kleine, durchschlagende Rolle inne. Durch den gesamten Film zieht sich eine dreckige, gewaltschwangere Atmosphäre, eingefangen in sehr stimmungsvollen Bildern. Action gibt es in nicht allzu hoher Dosierung, die Szenen sind jedoch gut über den Film verteilt und von angenehm blutiger Konsequenz.

"Vigilante" bringt die triste Stimmung der achtziger Jahre sehr überzeugend und nachvollziehbar auf die Leinwand. Man erfreut sich an den Konsequenzen für das Verbrechergesindel, ruft den Helden zu: "Lasst das Pack bluten!". Ich war schon auf dem Weg die Knochensäge aus dem Keller zu holen, doch da fiel mir wieder ein, dass wir glücklicherweise nicht in einer abgewrackten Grossstadt voller Mutanten und Unholde leben. Grins. Durch die immer ausgeprägter auftretenden Zerwürfnisse in unserer Gesellschaft, erscheint ein Film wie "Vigilante" greifbarer und realer denn jemals zuvor. Wer mag schon beurteilen, wann entnervte Bürger in einem stinkenden Moloch wie Berlin damit beginnen zurückzuschlagen, weil wieder Autos brennen, Wände beschmiert werden und Steine fliegen. Was solls, ich bin vorbereitet, unser Dorf bleibt sauber! (Ich bitte um Beachtung der ironischen Zwischentöne).

Sehr empfehlenswert ist die Blue Underground Scheibe aus den USA. Der Film wird in ansprechender Optik geboten, Bonusmaterial ist mit an Bord und sogar für Englischmuffel ist gesorgt, denn die deutsche Synchronisation ist auf der DVD enthalten. Natürlich gehört "Vigilante" in jede halbwegs gut sortierte Sammlung, ein kleiner, dreckiger Klassiker der frühen Achtziger, unverzichtbar! Sehr gut = 8/10

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"...ein Verbrecher ist normalerweise schneller aus dem Knast raus, als sein Opfer aus dem Krankenhaus!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon jogiwan » 19. Dez 2009, 17:05

ich liebe ja diesen "Star Crash" - der ist einfach nur ein obertrashiger und zutiefst schundiger Streifen, der mit seiner naiven Infantilität einfach nur gute Laune versprüht! Die Effekte sind billig, die Story mies und die Vorzüge von Frau Munro sind ja auch eher im körperlichen, denn im schauspielerischen Bereich zu finden. Aber natürlich schade, dass so etwas heutzutage nicht mehr entstehen kann. Ich würde für das kurzweilige Teil aber ohne weiteres die Höchstwertung vergeben! 10 von 10 Mistkübel - aber sowas von... ;)
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 19. Dez 2009, 22:20

Laura - Eine Frau geht durch die Hölle (Italien, Frankreich 1982, Originaltitel: Violenza in un carcere femminile)

Laura Kendall (Laura Gemser) wandert wegen eines Drogenvergehens hinter Gitter. Im Knast herrschen unmenschliche Zustände, die Gefangenen werden erniedrigt und mißhandelt, das Wachpersonal mischt hinauf bis in die Direktionsebene fröhlich bei den Grausamkeiten mit. Besonders die sadistische Ober-Aufseherin und die perverse Direktorin haben Laura aufs Korn genommen. Lediglich der -selbst inhaftitierte- Gefängnisarzt Moran (Gabriele Tinti) und Lauras Zellengenossin Pilar stärken der Unglücklichen den Rücken. Als die Leitung des Gefängnisses eine brisante Information über die Identität Lauras erhält, gerät die junge Dame in höchste Lebensgefahr! Gibt es ein Entrinnen aus dieser Hölle auf Erden...???

Der 2007 im Alter von 75 Jahren leider verstorbene Bruno Mattei, gehörte wohl zu den besonders wüsten Regisseuren des von mir heiss und innig geliebten Italo-Kinos. So ist auch "Laura - Eine Frau geht durch die Hölle" ein herrlich fieser, dreckiger und trashiger Sleaze-Klumpen, nur für Freunde des schlechten Geschmacks geeignet. Die fiesen "Machthaber" des Knastes prügeln und quälen die Gefangenen, sexuelle Ausbeutung natürlich inklusive. Da rotiert der Gummiknüppel, es hüpfen die Möpse, es wird zwangsweise gegeifert und eingelocht. Besonders die fiese Ober-Schliesserin kommt hinreissend abstossend daher, zuerst wird eine erzwungene Lesbo-Show bespannt, anschliessend entlädt sich die aufgestaute Lust per Attake mit dem Gummiknüppel samt wild verzerrter Fratze. Die arme Frau Gemser sieht mal wieder sehr mager aus -ich möchte ihr ständig einen guten Hamburger in die Zelle schmuggeln- und muss hier einiges über sich ergehen lassen, sogar den Angriff fieser, blutgieriger Ratten. Herr Mattei reiht eine stattliche Anzahl von Geschmacklosigkeiten auf, der Film zieht den Zuschauer wie eine schwere, räudige Stahlkette um den Hals zu Boden, selbstverständlich bei bester Laune! Sicher gibt es ausuferndere Beiträge zum Women in Prison Genre, der "normale" Zuschauer dürfte sich aber bereits bei diesem Werk mit Grausen abwenden.

Zugegebenermaßen sind Women in Prison Streifen nicht jedermanns Sache. Begegnet man dem Stoff aber ohne verkniffenen Ernst, kann man jede Menge Freude mit Filmen dieser Machart haben, Grundvoraussetzung ist natürlich ein ausgeprägter Hang zum schlechten Geschmack. Wer wird behaupten wollen das Genre wäre frauenfeindlich? Im Gegenteil, die Heldinnen sind die "moralischen Leuchttürme" solcher Filme und besiegen das perverse System normalerweise. Da ich ein grosser Verehrer und Fan des weiblichen Geschlechts -und seiner zahlreichen Vorzüge- bin, beschleicht mich nicht im Ansatz ein schlechtes Gewissen beim Genuss von Filmen dieser Art. Im Gegenteil, ich liebe diesen Sleaze-Kram! Achjo, Frau Gemser muss man einfach gern haben, obwohl ich sie gar nicht sonderlich attraktiv finde, sie ist mir einfach "zu wenig Frau". Fazit: Herr Mattei schüttet einen weiteren Eimer Kacke aus, mir gefällts!

Die DVD von X-Rated präsentiert den Film ungekürzt und in recht ordentlicher Bildqualität, lediglich die Farben erscheinen mir teils ein wenig zu kräftig geraten. Der deutsche Ton erweist sich an ein paar Stellen als leicht ramponiert, wirklich störend ist mir dies nicht aufgefallen. Es sind insgesamt vier unterschiedliche Covermotive als grosse Hartboxen erhältlich, später wurde noch eine kleine Hartbox nachgereicht. Zum Film selbst gibt es nur wenige Extras, aber man hat über 60(!) Trailer zu anderen Streifen mit auf die Scheibe gepackt, diese "Trailershow" macht wirklich fett Laune! Beim grossen X schwankt die Qualität der Veröffentlichungen recht deutlich -sowohl in technischer als vor allem auch in inhaltlicher Hinsicht- diese DVD gehört aber ganz klar zu den gelungenen Scheiben. Unangenehm ist lediglich die Zwangseinblendung "Only for Sale in Austia and Germany", wenn man der englischen Tonspur lauschen möchte (Was ich in diesem Fall nicht tragisch finde, denn hier ist die deutsche Tonspur sowieso zu bervorzugen).

Sehr gute Unterhaltung für Menschen mit "speziellen" Filmvorlieben = 8/10

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 20. Dez 2009, 22:20

Night of the Living Dead (USA 1990, Originaltitel: Night of the Living Dead)

Barbara (Patricia Tallman) und ihr Bruder Johnnie besuchen das Grab ihrer kürzlich verstorben Mutter. Auf dem Friedhof werden die Geschwister von Untoten attackiert, Barbara kann man dem Grauen nur knapp entkommen. Nach kurzer Flucht zu Fuss, findet sie ein einsam in der Landschaft stehendes Haus und betritt dieses. In dem Gebäude erwartet sie weiteres, unfassbares Grauen, die junge Frau steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Bald taucht ein Typ namens Ben (Tony Todd) auf, ihm gelingt es Barbara ein wenig zu beruhigen und einen weiteren Angriff abzuwehren. Die Dunkelheit bricht herein, vor dem Gebäude tauchen mehr und mehr Untote auf, doch auch im Keller des Hauses soll sich noch eine Überraschung befinden. Einige Menschen haben sich dort versteckt, sie haben ebenfalls von erschreckenden Vorfällen zu berichten. Gemeinsam will man den immer zahlreicher auftauchenden Zombies trotzen, dies kann jedoch nur gelingen wenn alle an einem Strang ziehen. Der feige Unsympath Cooper (Tom Towles) könnte in dieser Situation zu einem echten Problem werden...

Wer braucht ein Remake von George A. Romeros Kultklassiker "Night of the Living Dead" (1968)? Vor allem stellt sich die Frage, ob ein solches Unterfangen nicht von Beginn an zum kläglichen Scheitern verurteilt ist. Glücklichweise kann Entwarnung gegeben werden, denn mit Tom Savini hat man einen Regisseur verpflichtet, der das Original offensichtlich sehr verehrt und verstanden hat! Nun denkt man beim Namen Tom Savini in erster Linie an dessen tolle Make-Up Arbeiten und blutige Mettgut-Effekte. Diese Aufgabe überliess Herr Savini einer anderen Fachkraft, überhaupt hält sich das Remake -wie schon das Original- mit Metzeleien eher zurück, präsentiert diese nur in sparsamer Dosierung. Die grosse Stärke der Vorlage war -und ist- die unglaublich dichte, unvergleichbar intensive und hoffnungslose Atmosphäre. Zu viel Blut und Gedärm würden in diesem Fall vermutlich eher stördend wirken. Savini hat das erkannt und setzt ebenfalls auf Atmosphäre, beweist ferner ein glückliches Händchen bei der Wahl der Darsteller. Wenn sich die Bäume -vor der prächtigen Kulisse der untergehenden Sonne- sanft im Wind wiegen, erzeugt dies unweigerlich einen wohligen Mix aus bizarrer Romantik und schleichend nahender Bedrohung, herrlich! Insgesamt orientiert sich das Remake sehr nah am Original, ein paar effektive Änderungen hat man aber einfliessen lassen. So ist die Figur Barbara zu Beginn -wie in der Vorlage- nur ein schreiendes Nervenbündel, macht aber im Laufe der Handlung eine erstaunliche und glaubwürdige Wandlung durch. Dadurch wird dieser Charakter weitaus vielschichtiger und interessanter, steht damit quasi gleichberechtigt neben dem "Helden" Ben. Das Ende wurde leicht abgewandelt, womit ich aber nicht ganz so glücklich bin, war das Ende der 68er Fassung doch noch zynischer und finsterer. Vergeigt hat man den Schluss aber keinesfalls, vergleicht die Versionen einfach selbst! An dieser Stelle möchte ich erneut ein dickes Lob für die Schauspieler aussprechen, besonders Tony Todd, Patricia Tallman und Tom Towles liefern phantastische Leistungen ab!

Ich bin mit dem Remake von "Night of the Living Dead" extrem zufrieden. Tom Savini hat die heikle Aufgabe sehr souverän gemeistert, vielen Dank für diesen sehr gelungenen Film! In Deutschland ist der Film bisher nicht offiziell auf DVD veröffentlicht worden, lediglich mehrere Bootlegs sind aufgetaucht. Ich habe zur britischen DVD von Columbia Tristar gegriffen. Die Scheibe ist für kleines Geld erhältlich und bietet den Streifen ungekürzt und in ordentlicher Qualität an. Das Bonusmatrial zeigt eine sehenswerte Featurette, durch die man interessante Einblicke in die Produktion erhält. Natürlich kommt auch Tom Savini zu Wort, sehr angenehm!

Wer Zombiefilme mag, der kommt selbstverständlich nicht an "Night of the Living Dead" vorbei. Sicher, das geniale Original bleibt unerreicht, doch auch das erstklassige Remake gehört in jede anständige Filmsammlung! Sehr feiste 8,5/10 (Sehr gut bis überragend), für dieses liebevolle und respektvolle Remake eines unsterblichen Klassikers!

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Beitragvon Blap » 22. Dez 2009, 01:16

5 Dolls for an August Moon (Italien 1970, Originaltitel: 5 bambole per la luna d'agosto)

Auf einer kleinen Insel verweilen einige Paare in einem luxuriösen Anwesen. Doch hier ist nicht Erholung angesagt, es geht um knallharte Interessen wirtschaftlicher Art. Der Wissenschaftler Prof. Farell (William Berger) hat ein neues Kunstharz entwickelt. Die anwesenden und wohlhabenden Industriellen wollen ihm die Formel abkaufen, werfen mit Millionenangeboten um sich, doch der Forscher zeigt den Geldhaien die kalte Schulter, offensichtlich ist ihm der Zaster egal. Unerwartet geschieht ein Mord, der Bootsjunge der vor Anker liegenden Yacht wird gekillt. Sehr unangenehm für Marie (Edwige Fenech), die eine sexuelle Beziehung zum Opfer unterhielt. Ihr Gatte Nick (Maurice Poli) weiss um die Reize seiner Frau, sie soll in seinem Auftrag den unwilligen Farell weichkochen. Der Plan geht schief, die Stimmung unter den Anwesenden wird zunehmend aggressiver. Es kommt jedoch noch schlimmer, denn weitere Morde geschehen, plötzlich sind die Boote sind nicht mehr auffindbar und es besteht keinerlei Telefon- oder Funkverbindung mit dem Festland. Einer nach dem anderen fällt dem geheimnisvollen Killer zum Opfer, welche Rolle spielt Trudy (Ira von Fürstenberg), scheint sie doch mehr zu wissen als sie zugeben mag...

Ein Film von Mario Bava ist immer etwas besonderes, oft ein grosses Freudenfest, zumindest aber ein schönes Erlebnis fürs Auge. "5 Dolls for an August Moon" wird in die Kategorie Giallo eingeordnet, jedoch sollte man hier weder schwarze Handschuhe noch heftige Mordszenen erwarten. Bava spielt mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer, wer nach Blut und Gedärm lechzt wird eine herbe Enttäuschung erleben. Man mag dem Drehbuch eine gewisse Schlankheit unterstellen können, doch bei diesem Film spielt der "kriminalistische Inhalt" eine eher untergeordnete Rolle. Das Werk zeigt die Verdorbenheit des Menschen auf, dabei wedelt Mario Bava uns aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vor der Nase herum. Nein, er verpackt sein Ansinnen in bösen Humor, zeichnet ein düsteres Bild des mordernen, schönen Erfolgsmenschen. Schon allein die Szenen in denen man die Ermordeten in Klarsichtfolie hüllt und im Kühlhaus deponiert, hauen dem Zuschauer einen wundervoll bissigen, abgründigen Humor um die Ohren (Der besonders an diesen Stellen perfekt passende Score, untermalt die gezeigten Bilder absolut stimmig und verstärkt deren Wirkung nicht unerheblich). Die eben noch lebenden Ehegatten und Gattinen hängen als totes Stück Fleisch am Haken, doch die Hinterbliebenden halten sich nicht unnötig mit Trauer auf. Schliesslich will man Geld verdienen und vor allem den eigenen Hintern retten. Bava verpackt diese schwarze Komödie selbstverständlich in hinreissend schöne Bilder. Selbst die im Kühlhaus hängenden Opfer sterben gewissermaßen in Schönheit und Anmut. Die Kamera fängt herrliche Bilder der anmutigen Kulissen ein, oft von bezaubernden Blautönen dominiert. Sämtliche Darsteller liefern ansprechende Leistungen ab, mich hat natürlich das Mitwirken von Edwige Fenech besonders gefreut, die Dame sieht hier wieder unfassbar gut aus!

Geht es an die Bewertung dieser Filmperle, wird mir wieder die Obszönität der Punkteskala bewusst. "Eigentlich" müsste ich ein Schätzchen wie "5 Dolls for an August Moon" -schon der poetische Titel versetzt mich in höchste Ekstase- mit 10/10 bewerten. Dieser Film ist ein echtes Kleinod, ein Augenschmaus für Liebhaber und Süchtlinge. Ziehe ich jedoch andere Filme des Meisters zum Vergleich heran, so ergibt sich für die 5 Puppen leider kein Platz in der "Spitzengruppe". Daher vergebe ich -unter starken Schmerzen- nur 7/10 (gut), denn Mario Bava hat "leider" noch weitaus stärkere Werke hinterlassen. Mir blutet das Herz, doch leider geht es nicht anders. Diese 7/10 sind hier ganz besondere 7/10. Mehr denn jemals zuvor wird in diesem Fall klar, dass die Skala nur eine dreckige und verachtungswürdige Krücke ist und nie mehr sein wird!

Die DVD von Anchor Bay kommt als Flipper daher, auf der anderen Seite findet man Bavas "Four Times that Night" (Quante volte... quella notte, 1972). Inzwischen ist die Scheibe mit diesen beiden Werken auch einzeln erhältlich, ursprünglich war sie Bestandteil der acht Filme umfassenden "The Mario Bava Collection Volume 2" Box. Die gebotene Bildqualität geht in Ordnung, die englische Tonspur klingt -im Gegensatz zur italienischen Fassung- ein wenig ramponiert. Leider ist die Gestaltung der DVD recht lieblos. Das Cover sieht erbärmlich aus, Boni sucht man vergebens. Da die Hauptdisziplin -den Film in brauchbarer Qualität zu präsentieren- erfüllt wird, kann man trotz einiger Kritikpunkte mit der Scheibe leben. Eine etwas liebevollere Auswertung wäre wünschenswert, der deutsche Markt wurde bisher leider völlig unbeachtet gelassen. Bevor ich es vergesse: Die US-DVD ist mit Regionalcode 1 beschmutzt, aber diese Tatsache sollte kein wirkliches Problem darstellen.

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 23. Dez 2009, 00:14

April Fool's Day (USA 1986, Originaltitel: April Fool's Day)

Muffy stammt aus einer wohlhabenden Familie, demnächst soll sie ein grösseres Anwesen auf einer idyllischen Insel erben. Übers Wochenende lädt sie eine Gruppe Freude ein, man will auf der Insel ein wenig Fete machen und den üblichen Leibesübungen nachgehen. Schon während der Überfahrt mit der Fähre kommt es zu einem Unglück. Ein Aprilscherz gerät ausser Kontrolle, ein Fährmann wird erheblich verletzt. Doch es kommt noch viel heftiger, bald ist der erste Partygast verschwunden, die Suche nach dem Burschen bleibt zunächst erfolglos. Als sich ein Pärchen gerade dem Beischlaf widmen möchte, entdecken sie die Leiche des Vermissten, sie treibt in einem kleinen Boot vor sich hin. Weitere Inselgäste verschwinden, Panik macht sich breit...

In Deutschland hat man "April Fool's Day" den Titel "Die Horror-Party" verpasst. Inzwischen gibt es -wen wundert es- ein Remake dieses kleinen Slashers, welches ich aber noch nicht gesehen habe. "April..." walzt zunächst die liebgewonnenen Klischees breit aus, ist aber bezüglich der Auflösung um Innovation bemüht. Leider geht die Rechnung nicht auf. Woran scheitert der Streifen? Zunächst fällt der weitgehende Verzicht auf "richtige" Gewaltszenen auf. Das ist ungewöhnlich für einen Slasher, muss aber nicht zwangsläufig der verkehrte Weg sein, wie z.B. der gelungene "Prom Night" (1980) aufzeigt. "Prom Night" konnte mit seiner schön eingefangenen Atmosphäre punkten, die ich bei "April Fool's Day" leider schmerzlich vermisse. Eine Insel, ein Anwesen mit vielen Räumen, wie kann man bei diesen Vorgaben die Atmosphäre so vergeigen, sehr schade! Ein weiteres Manko ist der Verzicht auf nackte Tatsachen, selbst ein kleiner Blick auf die weiblichen Auslagen bleibt dem gierigen Zuschauer versagt.

Die achtziger Jahre waren DAS Jahrzehnt des Slasherfilmes. Bei all der starken Konkurrenz säuft "April Fool's Day" gnadenlos im belanglosen Mittelmaß ab. Ein weichgespültes Machwerk, ein braves Aprilscherzchen. Ein Film der keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Warum der Film in Deutschland indiziert wurde ist mir völlig rätselhaft, dieses Teil könnte man ohne Probleme ab 12 freigeben! Die DVD von Paramount zeigt den Film in ordentlicher Qualität. Ich habe zur englischen Scheibe gegriffen, denn diese war günstiger zu bekommen. Auch Englischmuffel dürfen diese Variante wählen, die deutsche Tonspur ist enthalten. Boni gibt es nicht, was in diesem Fall sowieso egal ist.

Kein totaler Ausfall, immerhin gibt es einige gelungene Momente, doch insgesamt eher zähflüssig und viel zu brav! 5/10
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 24. Dez 2009, 00:06

Human Beasts (Spanien, Japan 1980, Originaltitel: El carnaval de las bestias)

Bruno (Paul Naschy) ist ein käuflicher Schwerverbrecher. Eine japanische Organisation heuert ihn an, dort glaubt man den Schwerverbrecher unter Kontrolle zu haben, denn er ist mit der Schwester des Bosses zusammen, Mieko erwartet gar ein Kind von ihm. Als der geplante Diamtenraub durchgezogen wird, tötet Bruno kaltblütig die Bewacher des Transportes und den wehrlosen Kurier. Damit nicht genug, er hintergeht seine Auftraggeber, verrät aus Habgier seine Geliebte. Die zornigen Japaner verfolgen den Gauner, bei einer Schiesserei kommt Miekos Bruder zu Tode, Bruno kann schwer verletzt entkommen. Einige Zeit später wacht der Gejagte in einem bequemen Bett auf, seine Wunden wurden ärztlich versorgt. Der Besitzer des herrschaftlichen Anwesens stellt sich als Don Simón vor, er ist Arzt und flickte den Aufgefundenen zusammen. Mónica (Silvia Aguilar) und Alicia (Azucena Hernández), die beiden reizenden Töchter des Don, kümmern sich rührend um den noch immer geschwächten Bruno. Je länger Bruno sich den Gemäuern aufhält, umso merkwürdigere Dinge scheinen dort vor sich zu gehen. Welche Absichten verfolgt Don Simón tatsächlich und wird Mieko die Suche nach Bruno ruhen lassen...???

Holla! Mit "El carnaval de las bestias" hat Paul Naschy einen weiteren Knaller abgeliefert. Zunächst bekommt der Zuschauer es mit einem actiongeladenen Gangsterfilm zu tun, dann wird der Film zunehmend ruhiger und baut schleichend eine herrliche Gruselstimmung auf. Paul Naschy führte hier -einmal mehr- auch selbst Regie, diese Werke sind immer besonders liebevoll gestaltet, was für "Human Beasts" in ganz besonderem Maße gilt. Der vordergründig wüste Mix unterschiedlicher Genres funktioniert prächtig, mir hat jede Sekunde des Streifens Spass gemacht. Da werden Typen mit der Machinenpistole niedergestreckt und bluten ordentlich ab, da wird eine Handgranate einfach locker zurück zum Absender geworfen, ein Pfaffe frisst, furzt und pöbelt sich durch die Gemeinde, die Töchter des Don sind notgeil, der Tierarzt ist noch notgeiler, der notgeile Don peitscht den nackten Hintern des schwarzen, unartigen Hausmädchens, Schweine haben besonderes Essvorlieben und, und, und... ...und natürlich Paul Naschy, der Killer, der Womanizer, der Philosoph, der... ...hach, man muss diesen Mann einfach lieben! Die hübschen jungen Damen Silvia Aguilar, Azucena Hernández und Julia Saly sind auch in "El retorno del Hombre-Lobo" (The Night of the Werewolf, 1981) zu sehen, den ich vor kurzem vorgestellt habe. Ich könnte noch Stunden über diese herrlichen Filme schreiben und davon schwärmen, doch überzeugt euch lieber selbst!

Ein weiteres Kleinod von Paul Naschy, der Hombre-Lobo hat ewiglich einen Platz auf meinem Filmaltar sicher! Wer sich auf Spaniens Ikone einlassen mag, der wird viel Freude mit den Werken von und mit Paul Naschy haben. "Human Beasts" ist auf DVD erhältlich, die Scheibe von BCI Eclipse ist als eine von fünf DVDs im Rahmen der "Paul Naschy Collection" erschienen, alternativ aber auch einzeln zu erwerben. Die Qualität der DVD ist sehr ansprechend, der Film liegt im spanischen Originalton vor, die englischen Untertitel sind gut verfolgbar. Zusätzlich ist ein informatives Booklet beigefügt. Zu beachten ist der Regionalcode dieser Scheibe aus den USA, ein freigeschalteter Player ist Pflicht.

Natürlich möchte ich für diesen knuffigen Film am liebsten die Höchstnote ziehen, der von mir gern angeführte "Wohlfühlfaktor" ist unermeßlich. Um eine gewisse Sachlichkeit zu bewahren -was ich "eigentlich" ablehne- will ich es bei fetten 8/10 (sehr gut) belassen!

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 25. Dez 2009, 00:04

The International (Deutschland, Großbritanninen, USA 2009, Originaltitel: The International)

Louis Salinger (Clive Owen) verrichtet seinen Dienst bei Interpol. Seit Jahren ist der Agent den Machenschaften einer weltweit operierenden Grossbank auf der Schliche. Die Verstrickungen der Führungsetage des Geldinstitus reichen hinauf bis in die Spitzen diverser Regierungen, die eigenen Interessen werden mit allem Nachdruck durchgesetzt. Selbstverständlich schrecken die skrupellosen Geldhaie auch nicht vor Mord zurück, selbst Spitzenpolitiker sind vor dem tödlichen Zugriff der Bankster nicht sicher. Salinger und die in hauptsächlich in New York agierende Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts), rücken den Schwerverbrechern immer dichter auf die Pelle, Salinger ist bereit alles auf eine Karte zu setzen, wodurch er sich in allergrösste Gefahr begibt...

Das Image der Banken hat -berechtigterweise- in den letzten ein, zwei Jahren erheblich gelitten. Aus der von ihnen herbeigeführten Krise hat man offensichtlich nichts gelernt -vermutlich schon, nämlich wie man Boni besser tarnt und die Schuld anderen in die Schuhe schiebt- der Irrsinn hat längst wieder volle Fahrt aufgenommen. Tom Tykwer hat mit den Bankstern gewissermaßen die perfekten Bösewichte für seinen Thriller gefunden, man fiebert mit dem "Helden" mit, möge der das fiese Gesindel doch endlich zu Fall bringen. Zunächst möchte ich auf die mitwirkenden Schauspieler eingehen. Clive Owen spielt die Rolle des Louis Salinger überzeugend. Seine Figur ist kein strahlender Superheld, sondern ein ausgebrannter und verbitterter Ermittler, inzwischen längst dazu bereit die Grenzen "normaler" Ermittlungsarbeit zu überschreiten. Naomi Watts sehe ich sowieso gern, ich finde die Dame einfach süss. Hier wirkt ihre Rolle aber eher austauschbar, sie kommt mir wie eine Art "Alibi-Frau" vor. Glücklicherweise hat man auf eine Liebesbeziehung zwischen den beiden Hauptfiguren verzichtet, dies hätte den Film nur unnötig ausgebremst und beschleimt. Von der übrigen Cast hat mir besonders der kalte Ulrich Thomsen sehr gut gefallen, ebenso der wie immer souveräne Armin Mueller-Stahl. Die Story an sich gibt so furchtbar viel nicht her. Die "Message" ist klar, auf besonders pfiffige Wendungen wartet man vergeblich, alles wirkt recht vorhersehbar. Vermutlich ging es Tykwer nicht um den Preis für einen besonders ausgebufften, hochspannenden Thriller, sondern um die unterhaltsame Aufbereitung einer momentan sehr aktuellen Thematik, mit der man das Publikum aber nicht überfordert. Als schwach möchte ich das Drehbuch nicht bezeichnen, aber IMHO wäre hier noch einiges mehr zu holen gewesen.

Der grösste Trumpf des Werkes sind die prächtigen Locations. Wundervolle Kulissen rund um die Welt, von der Kamera durchaus ansprechend eingefangen, was bei den heute üblichen "Hektikerfilmen" keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Der Schwerpunkt liegt hier klar auf dem Genre Thriller, doch ganz ohne Action kommt "The International" dann doch nicht aus. Die üppige Ballerei im Guggenheim Museum bietet durchaus nicht unbeachtliche Schauwerte, obwohl sie mir wie ein Zugeständnis an den Massengeschmack vorkommt. Insgesamt bin ich mit dem Film zufrieden. Die Darsteller überzeugen, die Locations sind sehr gut gewählt, das Ende ist zwar nicht wirklich überraschend, kommt aber zumindest nicht zu weichgespült daher. Über die Qualität der Story kann man sicher diskutieren, ich würde sie als "gute Mittelklasse ohne wirklich Glanzpunkte" bezeichnen. Das Gesamtbild ist trotzdem stimmig, ich wurde gut unterhalten.

Die Blu-ray sollte auch Pixelzähler befriedigen, denn die gebotene Bildqualität ist vorzüglich. Glücklicherweise hat man den Film nicht "zu Tode gefiltert" und das Filmkorn dort belassen wo es hingehört. Dadurch wirkt die Optik sehr ansprechend, angenehmerweise nicht zu steril und künstlich. Für Bonusmaterial und diverse Spielereien ist gesorgt, mit diesen Features habe ich mich aber nicht weiter beschäftigt. Wer Lust auf einen unterhaltsamen Thriller ohne tieferen Anspruch hat, darf sich "The International" durchaus in die Sammlung stellen (oder von mir aus in die Videothek seines Vertrauens rennen, surfen etc.).

Gut = 7/10
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