Die Mafia-Story - Gianfranco Mingozzi (1968)

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Re: Die Mafia-Story - Gianfranco Mingozzi (1968)

Beitragvon ugo-piazza » 25. Mai 2017, 23:11

Sardinien, eine Welt, die nord- und mittelitalienische Großstädter/innen stets unbegreiflich bleiben wird. Die aus Rom stammende Christina ist zum ersten Mal mit ihrem einheimischen Freund Francesco dort unterwegs, als er kurzerhand entführt wird. Sie will die Polizei einschalten, Vater Marras besteht hingegen darauf, dass nur Schweigen seinen Sohn retten kann. Doch die Lösegeldforderung übersteigt seine liquiden Mittel, aber Marras hat ja ein paar schöne Grundstücke an der Küste, auf denen man nett ein Hotel bauen könnte... Christina kommt Francescos Freund Gavino sehr nahe, aber kann sie ihm trauen? Gavino seinerseits entwickelt einen Plan, denn er hat erkannt, dass auch auf entführender Seite falsch gespielt wird. Aber auch Gavino kann sich den Regularien Sardiniens nicht entziehen...

"Mafia-Story" ist ja nun nicht gerade ein typischer Film für das X-Rated-Programm, aber es ist schön, dass dieser früher Mingozzi mit Charlotte Rampling und Franco Nero verfügbar gemacht wurde, den man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man am mafiakritischen Italokino interessiert ist.
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Re: Die Mafia-Story - Gianfranco Mingozzi (1968)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 16. Mai 2020, 14:50

Mit SEQUESTRO DI PERSONA hat Gianfranco Mingozzi einen mehr oder minder politisch motivierten Entführungsthriller inszeniert, der mir sogar noch einen Tick besonnener, ruhiger und unaufgeregter daherzukommen scheint als die späteren Referenzwerke eines Damiano Damiani oder Florestano Vancini: Über Gebühr dramatisiert wird hier nichts, und allerhöchstens die (unvermeidliche) Sexszene zwischen Charlotte Rampling und Franco Nero könnte man noch als (exploitativeres) Zugeständnis an ein etwaiges Genre-Publikum verstehen, während der gesamte Rest sich inszenatorisch und dramaturgisch betont realistisch gibt, (und zwar derart betont, dass manchem gar das Attribut "spannungsarm" auf den Lippen liegen dürfte.)

Wofür dieser Film mir jedoch wahrscheinlich auf ewig im Gedächtnis bleiben wird, das ist seine Eröffnungssequenz: Zusammen mit einem beschwingten Ortolani-Score tragen die adretten Landschaftsbilder des ruralen Sardinies während des Vorspanns dazu bei, dass man sich nahezu in eine heitere Sommerkomödie verirrt wähnt. Dann aber trifft das im Sportwagen durchs sardinische Hinterland kutschierende Pärchen auf eine Schafsherde - und "trifft" muss man in dem Zusammenhang wortwörtlich verstehen: Mit Vollgras rast das Vehikel mitten in die blöckende Meute hinein, wobei ein Schaf sichtbar unter die Räder kommt und danach keinen Mucks mehr tut, und ein anderes nach dem Frontalkontakt mit dem Kühlergrill (hoffentlich nur leicht) verletzt auf unsicheren Beinen aus dem Bildkader stakst.

Es mag sein, dass meine Saiten mit den Jahren immer zarter aufgespannt werden, aber diese, eh, "Extravaganz" hat mir dann doch regelrecht den gesamten nachfolgenden Film vergällt...
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Re: Die Mafia-Story - Gianfranco Mingozzi (1968)

Beitragvon buxtebrawler » 18. Mai 2020, 09:28

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Wofür dieser Film mir jedoch wahrscheinlich auf ewig im Gedächtnis bleiben wird, das ist seine Eröffnungssequenz: Zusammen mit einem beschwingten Ortolani-Score tragen die adretten Landschaftsbilder des ruralen Sardinies während des Vorspanns dazu bei, dass man sich nahezu in eine heitere Sommerkomödie verirrt wähnt. Dann aber trifft das im Sportwagen durchs sardinische Hinterland kutschierende Pärchen auf eine Schafsherde - und "trifft" muss man in dem Zusammenhang wortwörtlich verstehen: Mit Vollgras rast das Vehikel mitten in die blöckende Meute hinein, wobei ein Schaf sichtbar unter die Räder kommt und danach keinen Mucks mehr tut, und ein anderes nach dem Frontalkontakt mit dem Kühlergrill (hoffentlich nur leicht) verletzt auf unsicheren Beinen aus dem Bildkader stakst.

Es mag sein, dass meine Saiten mit den Jahren immer zarter aufgespannt werden, aber diese, eh, "Extravaganz" hat mir dann doch regelrecht den gesamten nachfolgenden Film vergällt...[/align]


"Vollgras" wäre für die Tiere vermutlich angenehmer gewesen... ;)
Aber im Ernst: Es handelte sich also um echten Tiersnuff, keine getrickste Szene?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Mafia-Story - Gianfranco Mingozzi (1968)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 19. Mai 2020, 12:02

buxtebrawler hat geschrieben:"Vollgras" wäre für die Tiere vermutlich angenehmer gewesen...


Haha! Da hat mir wohl ein Freud'scher Vertipper in die Tasten gelegt, was ich mir eigentlich für die Tiere gewünscht hätte...

buxtebrawler hat geschrieben:Aber im Ernst: Es handelte sich also um echten Tiersnuff, keine getrickste Szene?


Die Szene ist ganz sicher nicht getrickst. Man sieht zuerst die Schafe auf einem Gebirgspfad weiden, und sodann wie der PKW mitten in sie hineinrast. Die meisten Tiere stieben beiseite, eins kommt unter die Räder bzw. wird seitlich erfasst und zu Boden geschleudert, ein anderes schleppt sich verletzt von dannen. Gefilmt ist mit relativ wenigen Schnitten per Totale und Halbtotale. Das mausetote Schaf wird kurz darauf von Charlotte Rampling persönlich auf Geheiß der zwischen Felsen versteckten "Mafiosi" beiseite geräumt.
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Re: Die Mafia-Story - Gianfranco Mingozzi (1968)

Beitragvon buxtebrawler » 19. Mai 2020, 14:31

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Die Szene ist ganz sicher nicht getrickst. Man sieht zuerst die Schafe auf einem Gebirgspfad weiden, und sodann wie der PKW mitten in sie hineinrast. Die meisten Tiere stieben beiseite, eins kommt unter die Räder bzw. wird seitlich erfasst und zu Boden geschleudert, ein anderes schleppt sich verletzt von dannen. Gefilmt ist mit relativ wenigen Schnitten per Totale und Halbtotale. Das mausetote Schaf wird kurz darauf von Charlotte Rampling persönlich auf Geheiß der zwischen Felsen versteckten "Mafiosi" beiseite geräumt.


Das ist ja zum Kotzen :evil:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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