Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

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Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon unsociable » 8. Jan 2010, 17:27

Koch Media (Western Collection Nr.11)

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Originaltitel: Un fiume di dollari

Herstellungsland: Italien 1966

Regie: Carlo Lizzani

Darsteller: Thomas Hunter, Henry Silva, Dan Duryea, Nicoletta Machiavelli, Gianna Serra, Nando Gazzolo, Geoffrey Copleston u.A.

Story:
Während des amerikanischen Bürgerkriegs wollen sich die Konföderations-Soldaten Brewster (Thomas Hunter) und Seagull (Nando Gazzolo) mit der Staatskasse aus dem Staub machen. Auf ihrer Flucht werden sie von einer Patrouille eingekreist. Während Brewster zurückbleibt und sich der Armee stellt, flüchtet Seagull mit dem Vermögen. Nach fünf qualvollen Jahren im Gefängnis wird Brewster entlassen und will seinen Anteil einfordern - doch sein Freund hat ihn betrogen. Brewster schwört auf blutige Rache.
(Covertext)
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon sid.vicious » 29. Jul 2011, 20:30

Der Krieg zwischen Nord und Süd ist beendet, was jedoch die beiden Rebellen Brewster und Seagull nicht davon abhält die Kriegskasse der Konföderation zu stehlen. Die Flucht kann allerdings nur Seagull gelingen, Brewster kommt in Kriegsgefangenschaft. Nach 5 Jahren wird Brewster entlassen und Seagull hat sich mittlerweile unter anderem Namen eine neue Existenz aufgebaut, in der er ohne Skrupel und Rücksicht auf Verluste regiert. Seagulls Männer erhalten nach Brewsters Entlassung den Auftrag, Brewster zu töten. Aber Brewster hat nichts mehr zu verlieren und sein Hass ist grenzenlos.

Das altbekannte Revenge-Schema ist das was „Eine Flut von Dollars“ bietet. Altbacken und Fließbandware? Eher nicht, denn Carlo Lizzanis Western hat ein ganze Menge Gutes zu bieten. Angefangen bei den überzeugenden Hauptdarstellern, bis hin zum sehr guten Soundtrack von Leo Nichols, der wohl besser unter dem Namen Ennio Morricone bekannt ist.

Der Film bietet einige sehr gut angelegte Charaktere, Thomas Hunter in der Rolle des Jerry Brewster ist hier erstrangig zu nennen. Hunter verkörpert die Rolle eines Mannes, der Alles verloren hat und seine Mimik kommt in einigen Szenen, der eines Psychopathen nahe. Brewster sinnt auf Rache, sein Leben ist zerstört und er hat keine Hemmungen zu töten. Alles ändert sich, als er seinen Sohn wieder findet und Brewster einen neuen Sinn findet. Es ist sehr schade, das Thomas Hunter neben „Eine Flut von Dollars“ nur in dem sehr unbekannten Western „Drei Pistolen gegen Cesare“ mitwirkte und in keinen weiteren Italo-Western auftauchte. Als weiterer Hauptdarsteller, gibt Henry Silva die Rolle des Garcia Mendez zum Besten. Auch Silva kann man in einigen Sequenzen nicht absprechen, dass er in seinem Ausdruck einem Psychospaten ähnelt. Demnach allerbeste Vorraussetzungen für einen guten Italo-Western. Der weibliche Part wird von einer sehr attraktiven und charismatischen Nicoletta Machiavelli verkörpert.

„Eine Flut von Dollars“ hat neben seinen überwiegend positiven Aspekten leider einen kleinen Hang zum US Western. Die Bilder sind recht sauber und gepflegt und weit entfernt vom dreckigen Italo-Image. Dazu kommt die Darbietung von Brewsters Sohn, der wie jedes Kind in einem Italo-Western nichts zu suchen hat und letztendlich nur als Nervensäge endet.
Weiterhin tritt in Lizzanis Western, mit Dan Duryea ein gebürtiger Amerikaner auf. Wer das ist? Waco Johnnie Dean aus Winchester 73.

Fazit: Ein Italo-Western der einiges zu bieten hat, nämlich Gewalt, Brutalität und Unterhaltung. Das dass Ganze ein wenig mit einem amerikanischen Weichspüler gemischt wurde, darüber kann man getrost hinwegsehen.


8/10
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon DrDjangoMD » 11. Aug 2011, 16:17

sid.vicious hat geschrieben:Fazit: Ein Italo-Western der einiges zu bieten hat, nämlich Gewalt, Brutalität und Unterhaltung. Das dass Ganze ein wenig mit einem amerikanischen Weichspüler gemischt wurde, darüber kann man getrost hinwegsehen.


8/10


Ich muss gestehen, bei mir fiel der Film ein wenig schlechter aus. Ich kann dir zwar bei den guten wenn auch teilweise für mich unbekannten Darstellern vollkommen zustimmen und habe die einzelnen Performances auch sehr genossen. Aber ansonsten habe ich den Film sehr schnell wieder vergessen und erst eine zweite Sichtung brannte die meisten Aspekte wieder frisch in mein Gedächtnis. Mein Hauptproblem ist, dass die brutale und beinahe melodramatische Geschichte, wie sie die meisten guten Italowestern aufweisen, in einem Gegensatz zu dem sauberen amerikanischen Stil, in dem der FIlm großräumig gedreht wurde, stehen. Dieser unschöne Kontrast ließ streckenweise Langeweile aufkommen und hier und da habe ich mich dann nicht mal mehr richtig ausgekannt und daraus resultierend wie erwähnt das meiste auch wieder schnell vergessen. Aber ein guter Ansatz und engagierte Darsteller lassen sich nicht leugnen, darum würde ich dem Film insgesamt 6/10 geben.
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 11. Aug 2011, 20:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon buxtebrawler » 11. Aug 2011, 18:06

DrDjangoMD hat geschrieben:augagierte


Au...

"engagierte" :opa:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon dr. freudstein » 11. Aug 2011, 18:34

Den Post vom Doc2 (Kollege :prost: ) fand ich trotzdem sinnreicher :lol: :P

..und jetzt finde ich meinen auch nicht mehr so beitragsfördernd :? :palm:

Aber um halbwegs die Ehre wieder herzustellen, trotz 6/10 und meiner ungebremsten Neugier würd ich den gerne sehen wollen, werde aber wohl bis auf weiteres meine Einkaufs- und Beschaffungsliste sperren und lieber erst mal im Besitz befindliche Filme gucken, gucken, gucken ächz :pfeif:
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon DrDjangoMD » 11. Aug 2011, 20:46

buxtebrawler hat geschrieben:
DrDjangoMD hat geschrieben:augagierte


Au...

"engagierte" :opa:


:palm: Warum zum Teufel benutzt ein Legasteniker wie ich eigentlich nie ein Wörterbuch :palm:
Danke jedenfalls an meinen persönlichen Lektor für den Hinweis, ist ausgebessert :prost:
"Augagierte", was hape ich mir nurr dapei getacht? :oops:
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon Blap » 28. Jun 2012, 01:04

Bild
#11 der Koch Media Western Collection



Eine Flut von Dollars (Italien 1966, Originaltitel: Un fiume di dollari)

Rache und eine kleine Dosis Irrsinn

Jerry Brewster (Thomas Hunter) und Ken Seagull (Nando Gazzolo) haben die Armee um eine stattliche Summe erleichtet, doch ein Trupp Soldaten ist den Gaunern auf den Fersen. Per Spielkarte entscheidet das Duo über sein weiteres Vorgehen, Ken erwischt die höhere Karte, kann unerkannt mit dem Zaster flüchten. Auf Jerry kommt eine schwere Zeit zu, fünf Jahre Gefängnis und harte Zwangsarbeit ziehen nicht spurlos vorüber. Nach der Entlassung wartet ein verlassenes Familienanwesen auf Jerry, seine Frau ist verstorben, der gemeinsame Sohn verschwunden. Ein von Jerrys Frau hinterlassener Brief kündet von Seagulls Kälte. Trotz eines gegebenen Versprechens und reicher Beute, war der Schurke nicht zur Unterstützung der Familie seines Komplizen bereit. Es kommt noch dicker, Seagull nennt sich inzwischen Milton und hat längst Killer auf seinen ehemaligen Kumpel angesetzt. Dank unerwarteter Hilfe eines gewissen Getz (Dan Duryea) kann Jerry das Mordkommando beseitigen, nun will er um jeden Preis blutige Rache üben! Kein leichtes Unterfangen, denn der reiche Milton umgibt sich mit einer Truppe schiesswütiger Gestalten, die ihrerseits von dem überspannten Garcia Mendez (Henry Silva) angeführt werden...

Carlo Lizzani baut ungewöhnliche Zwischentöne in den Streifen ein. Der Western gehört nicht zu den bevorzugten Tatigkeitsfeldern des Regisseurs, was in diesem Fall nicht unbedingt zu einem vorteilhaften Resultat führt. So driftet der Held ab und an in hysterische Gefilde ab, lässt sich eine gewisse Nähe zum klassischen US-Western nicht leugnen, ferner dämpft ein äusserst schleimiges Ende die Freude deutlich. "Eine Flut von Dollars" vergibt die Chance frischen Wind in das Genre zu bringen, die untypischen Ausritte sorgen eher für unfreiwillig alberne -bis nahezu ärgerliche- Momente. Guter Standard wird in den Disziplinen Ausstattung, Kamera und Musik geboten (obschon der Score von Ennio Morricone keinesfalls zu den besten Arbeiten des Meisters gehört), ein gesunder Härtegrad ist ebenso vorhanden. Der Plot bewegt sich auf ausgetretenen (positiver formuliert: bewährten) Pfaden, Rache ist Blutwurst.

Vielleicht wollte Carlo Lizzani dem Hauptcharakter Tiefe verleihen, trieb Thomas Hunter daher zu Geschrei und Fratzen an. Leider mangelt es dem amerikanischen Schauspieler an Talent, um diese Augenblicke auch nur annährend berührend zu gestalten. Versagen auf ganzer Linie kann man Hunter nicht vorwerfen, abseits dieser Ausbrüche macht er seinen Job ordentlich. "Ordentlich" reicht oft nicht aus, von einem Helden (oder Antihelden) erwarte ich mehr greifbare Präsenz, mehr Charakter, mehr Gesicht. Ähnlich ist es um dem väterlichen Buddy der Hauptfigur bestellt, zwar kommt Dan Duryea sympathisch rüber, bleibt aber ähnlich blass und konturarm. Freilich ist Henry Silva ein ganz anderes Kaliber, Herr Eckschädel stiefelt in schwarzen Klamotten durch das Szenario, haut uns seine herrlich durchgeknallte Lache mehrfach um die Ohren, spielt die "Guten" mühelos an die Wand. Nando Gazzolo übt sich in Verschlagenheit, wird von Silva an den Rand gedrängt, kann in seiner Nische dennoch punkten. Zwei attraktive Damen dürfen nicht fehlen, Nicoletta Machiavelli erinnert den Helden an seine verstorbene Gattin, Gianna Serra macht uns das hinterliste Klischee-Flittchen im Bardamendress.

Noch ein paar Worte zu den weiter oben angerissenen Schwachpunkten. Charaktertiefe vorzugaukeln scheitert an den Fähigkeiten des Hauptdarstellers Thomas Hunter, immerhin wetzt Henry Silva diese Scharte teils aus, weniger mit Tiefgang, vielmehr mit überschäumender Spielfreude und aufblühendem Wahn. 1966 war der Italowestern noch jung, dazu ein im Genre unerfahrener Regisseur, daher will ich die Nähe zum US-Western nicht überbewerten (bereits eine andere Besetzung der Hauptrolle hätte in dieser Hinscht ansatzweise Abhilfe schaffen können). Richtig sauer aufgestossen ist mir das unfassbar kitschige Ende (laut Expertenangaben im Bonusbereich gibt es zwei Fassungen, die DVD zeigt die weichgespülte Variante). Einsteiger sind mit anderen Werken weitaus besser beraten, immerhin kam Sergio Corbucci 1966 mit "Django" aus der Kiste, den Namen Sergio Leone lasse ich an dieser Stelle unkommentiert. Auch abseits der ganz grossen Namen gibt es viele Perlen zu entdecken, ergo wird "Eine Flut von Dollars" hauptsächlich für Genrefans, Sammler und Italo-Allesglotzer interessant sein. Ich möchte den Film nicht missen, auch wenn er nie den Weg in meine persönlichen "Western-Top-100" finden wird.

Alles andere als mittelmäßig ist die DVD aus dem Hause Koch Media geraten! "Eine Flut von Dollars" liegt in sehr schöner Qualität vor, der Ton wird in deutscher, englischer und italienischer Sprache angeboten. Großartige Boni runden das Paket ab! Der inzwischen leider verstorbene Antonio Bruschini teilt sich uns mit, Hauptdarsteller Thomas Hunter plaudert sehr kurzweilig aus dem Nähkästchen, Nicoletta Machiavelli kommt zu Wort, dazu gibt es einen Trailer und eine Bildergalerie. Wie üblich kommt die Scheibe aus der Koch Media Western Collection in einem schicken Digipak daher.

Fazit: Erstklassige Veröffentlichung eines mittelprächtigen Streifens!

5/10 (Mittelklasse)

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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon Die Kroete » 3. Aug 2013, 13:52

Man wird hier vergeblich auf "eine Dollar-Flut" warten, dafür wird der Film seinen Vorbildern -den US-Western- durchaus gerecht. Sowohl die Story, als auch die Aufmachung und die bestens gewählte Lanschaftsoptik kann sich mit den Produktionen aus den Staaten vergleichen lassen.
Inhaltlich gelingt es dem Erstling von Lizzani zwar ein ureigenes Italowestern-Thema aufzugreifen (Geldgier und Rache), stilistisch bewegt sich der Film aber dennoch total auf der US-Welle, was aber hier nicht gleichbedeutend mit Langeweile und Edel-Gehabe kommt.
Zunächst hatte auch ich meine Probleme, diesen außergewöhnlichen Spagat zu akzeptieren, wenn man allerdings nach ca. 20 Minuten in die Handlung reingefunden hat, kann man sich ziemlich gut damit abfinden und den Film durchaus genießen.
Dazu trägt natürlich auch die durchaus gut gewählte Auswahl der Darsteller bei, allen voran Henry Silva, dem es hier ausgezeichnet gelingt, sich in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen, sodaß ich mir wünschte, er hätte auch mal eine Rolle, in einem harten Italo-Western bekommen.

Dicke 6,5/10, kann man dem Film besten Gewissens schon mal geben! :nick:
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Re: Eine Flut von Dollars - Carlo Lizzani

Beitragvon buxtebrawler » 16. Mär 2020, 16:01

Ist mutmaßlich am 12.03.2020 bei Explosive Media auf Blu-ray und auch noch einmal auf DVD erschienen:

Bild Bild

Extras:
Original Kinotrailer; Bildergalerie mit seltenem Werbematerial; Verschiedene Featurettes

Quelle: OFDb-Shop
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