Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Feb 2020, 19:21

Die Frau in Schwarz 2 - Engel des Todes

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Man könnte ja jetzt lange darüber schreiben, was an dieser neuzeitlichen Hammer-Produktion so alles schiefgelaufen ist. Aber nur so viel: Der Nachfolger zu „Die Frau in Schwarz“ sieht gut aus und ist auch gut gespielt, ansonsten handelt es sich aber leider um den langweiligsten Gruselstreifen, den ich seit langem gesehen habe. Spannung und Atmosphäre sucht man vergeblich und irgendwie sind einem auch die Figuren völlig wurscht, auch wenn versucht wird, die ganze Sache in eine dramatische Richtung zu drücken. Die Liste der erforderlichen Zutaten hat man auf technischer Seite brav abgearbeitet, jedoch ohne darauf zu achten, dass die ganze Sache ja auch noch irgendwie stimmig sein sollte. Ist es leider nicht und inklusive dem obligatorischen Ende, der auf einen möglichen dritten Teil hindeutet ist hier auch einfach alles zutiefst vorhersehbar und noch mehr entbehrlich.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Feb 2020, 20:10

Society

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Adalmar hat geschrieben:Finde es richtig gut, wie Yuzna hier eine Teenieklamotte antäuscht, um die Geschichte dann comic-albtraumhaft in ein Gemisch aus Sozialkritik und Paranoia ausarten zu lassen. Die Effekte von Joji "Screaming Mad George" Tani tun dann ihr Übriges, um die Welt von Highschool-Sonnenschein Bill Whitney zu einem Hieronymus-Bosch-Höllenszenario werden zu lassen.


Unser Adalmartschi trifft es ja eigentlich ganz gut mit seinen Worten und zu Beginn von „Society“ wähnt man sich tatsächlich in einem „Beverly Hills 90210“-Klon mit Schülern aus reichem Hause und ihren kleinen Problemchen, wären da nur nicht vermehrt Hinweise, dass hinten den hübschen Fassaden der Villen tatsächlich etwas nicht mit richtigen Dingen zugeht. Neben den üblichen Teenager-Gedanken der Pubertät, die mit der Abnabelung vom Elternhaus einhergehen und etwas Paranoia gibt es auch sozialkritische Untertöne, die hier satirisch hübsch auf die Spitze getrieben werden und den Film auch zu einer Art „bösen Zwilling“ einer Zeit machen, in der die Sehnsucht nach Oberflächlichkeiten imho besonders stark ausgeprägt war. Leider ist „Society“ aber nicht durchwegs gut erzählt, teils viel zu sprunghaft und verzettelt sich teils in Nebensächlichkeiten, die nicht immer von den grotesken Ideen und dem eindrucksvollen Finale zur Gänze aufgehoben werden. Man hätte schon einiges besser machen können, aber ehrlich gesagt liegt ein gewisser Reiz des Streifens auch sicher darin, dass er eben alles andere als perfekt ist und einem am Ende dennoch der Mund offen steht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Feb 2020, 19:24

Madison County

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Während sich die Meinungen auf der OFDB ja noch im unteren Mittelfeld abspielen, sind diese auf der IMDB hingegen desaströs und leider scheint ja wieder einmal der internationale Geschmack ja eher zutreffend zu sein. „Madison County“ ist auch leider wieder einmal ein Paradebeispiel, was man so alles falsch machen kann, wenn man einfach alle Chancen negiert, die sich einem als Regisseur so bieten. Das durchaus vorhandene Potential der Figuren wird verschenkt, die Geschichte über einen ominösen Schriftsteller samt Backwood-Horror-Einschlag entpuppt sich als komplette Luftnummer und auch sonst krankt es so ziemlich an allen Ecken und Enden. Das fängt bei der supernervigen Kameraführung an und endet bei den Figuren, die sich allesamt wieder einmal derart blöd verhalten, dass man sich als mündiger Zuschauer nur noch zum Kopf greifen kann. Klar ist das bei manchen Filmen durchaus reizvoll, aber „Madison County“ kommt nie in die Puschen und auch die letzte Viertel Stunde, in der dann wenigstens mal etwas passiert, wirkt eher improvisiert als auf irgendeine Weise stimmig. Nope, so ist das nix!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Feb 2020, 18:56

Ende

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Der erfolgreiche Felix fährt mit der hübschen Eva für ein Wochenende in die Berge, wo er sich mit ehemaligen Schulfreunden treffen möchte. Dort angekommen ist zuerst auch alles eitel Sonnenschein und das Wiedersehen sehr herzlich, doch schon wenig später kippt die Stimmung, als das Gespräch neben einigen negativen Dingen im Leben auch auf Angel kommt, der den Großteil seines Lebens nach der Schule in der Psychiatrie verbrachte und ebenfalls zum Treffen angesagt ist. Der Streit am Lagerfeuer wird jedoch harsch unterbrochen, als in der Nacht auf einmal der Himmel hell erleuchtet und danach auch keine Elektrizität oder Handys funktionieren und auch die restliche Menschheit vom Erdboden verschwunden scheint. Als auch von den Freunden einer nach dem anderen verschwindet, macht sich der Rest auf den beschwerlichen Weg zu Fuß ins Tal und in der postapokalyptischen Stimmung brechen weitere Konflikte und Ängste hervor…

Ruhig erzählter Streifen über eine Gruppe von Freunden, die sich bei einem Wiedersehen nach vielen Jahren offensichtlich auf einmal mit dem Ende der Zivilisation konfrontiert sieht. Doch wer sich jetzt einen action-lastigen Endzeit-Film erwartet wird eher enttäuscht, da sich der Streifen weniger auf die Apokalypse, sondern auf das zwischenmenschliche Verhalten in absoluten Ausnahmesituationen konzentriert. Dabei erinnert mich der Streifen an Geoff Murphys „Quiet Earth“ wie auch an Kiyoshi Kurosawas „Kaira“ und bringt Einsamkeit und Verzweiflung im gleißenden Licht der Sonne ebenfalls sehr hübsch auf den Bildschirm. Vieles in dem Streifen bleibt unausgesprochen und vage und allzu viele Antworten auf die Ereignisse sollte man sich in der Mischung aus Mystery, Drama und Endzeit-Thriller besser nicht erwarten. Ich fand den Streifen aber nicht nur sehr spannend gemacht, sondern auch sonst auf vielerlei Hinsicht vielschichtig und meinen Geschmack hat Regisseur Jorge Torregrossa auch dank schöner Landschaftsaufnahmen und wunderbaren Darstellern jedenfalls mehr als getroffen. Auch wieder so ein spanischer Film, der mich auf dem richtigen Fuß erwischt hat und den ich auch durchaus empfehlen würde.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Feb 2020, 19:54

Wiege des Teufels

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Mit „Wiege des Teufels“ ist Ugo Liberatore schon ein hübsches Filmchen gelungen, dass sich angenehm im venezianischen Fahrwasser von Filmen die „Das Omen“ oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ und ähnlichem bewegt. Ein bisschen Mystery, ein bisschen unheilvolle Visionen, stimmige Locations, ein Antichrist ist der Warteschleife und eine sehr sprunghafte Erzählweise machen „Nero Veneziano“ zu einer sehr kurzweiligen und etwas haarsträubenden Sache, in der auch die Symbolik nie zu kurz kommt. Der Film ist ja offensichtlich als Schöpfungs- und Passionsgeschichte der etwas anderen Art gedacht und wenn man sich damit auskennt, wird man vermutlich noch viel mehr Verweise erkennen, als es mir bei meiner Sichtung eigentlich vergönnt war. Aber auch so macht der Streifen dank vieler Ideen und einer bisweilen etwas derben deutschen Synchro großen Spaß und die Sache mit der Skulptur hat mich ja schon beim ersten Mal von den Socken gehauen. „Wiege des Teufels“ ist dann vielleicht nicht immer wirklich rund oder stimmig, aber doch ungemein sympathisch mit vielen erinnerungswürdigen Momenten und repräsentiert in der vorliegenden Form einfach vieles, was ich am italienischen Kino dieser Zeit so schätze.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Feb 2020, 19:19

The Church

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Mit „The Church“ hat Michele Soavi einen Streifen geschaffen, der eigentlich recht hübsch in der Tradition besserer Zeiten des italienischen Genre-Kinos daherkommt. Mit schwelgerische Kamerafahrten, hübschen Locations und durchaus stimmigen Bildern kommt der 1989 gedrehte Streifen auf den ersten Blick auch sehr vielversprechend daher. Leider verzettelt man sich aber völlig bei den Figuren und der Film kann sich nicht entscheiden, wen er jetzt neben seiner Story über im Kirchenfundament eingemauerte Dämonen eigentlich in den Fokus rücken möchte. Das Pärchen aus Bibliothekar und Restauratorin rückt im Finale völlig in den Hintergrund, in dem scheinbar wahllos und überhastet Figuren eingefügt werden, zu denen mal als Zuschauer kaum einen Bezug hat. Statt klaustrophobischer Stimmung wirkt das letzte Drittel eher an eine Geisterbahnfahrt und auf eine unfreiwillige Weise komisch und „The Church“ stellt sich selbst ein Bein, in dem er am Ende wohl einfach zu viel möchte und das Ganze dramaturgisch wie die Kirche auf einem eher wackligen Fundament steht. Tolle Momente verpuffen und auch das Werk der Effektkünstler wird auf eine lieblose Weise vorgeführt. Klar kann man als Fan italienischer Werke den Streifen immer noch gut schauen, aber ehrlich gesagt und ohne Fanbrille betrachtet hätte man den schon auch wesentlich besser machen können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Feb 2020, 19:25

LoveDeath

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Der Gangster Sai trifft eines Tages in Sheela seine Seelenverwandte, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Dummerweise ist diese aber die Freundin eines Yakuza-Gangster und ist gerade mit einem Koffer voller Geld auf der Flucht. Doch das hindert Sai nicht weiter zu seiner großen Liebe zu stehen und so befindet er sich auch wenig später in einem sehr großen Schlamassl, als sich neben aufgebrachter Yakuza-Gangstern auch noch die korrupte Polizei und eine Horde Auftragskiller hinter den Beiden hermachen und wo Sai und Sheela auftauchen hinterlassen sie verbrannte Erde und Leichenberge.

Etwas bemüht auf cool getrimmte Mischung aus Action, Roadmovie und Komödie mit splättrigen Einlagen von Regisseur Ryûhei Kitamura, der ja wenig später ja mit dem „Midnight Meat Train“ in Richtung Staaten abgebogen ist. „LoveDeath“ ist auch schon auf westlich getrimmt und erinnert an Filme wie „True Romance“ oder „Perdita Durango“ und kommt für die Nuller-Jahre trotzdem irgendwie zu spät. Die Mischung des mit 159 Minuten auch zu langen Streifen funzt meines Erachtens auch nur bedingt und auf jedes schöne Bild, kommen mindestens ein paar Gags und Figuren, bei denen der Schuss nach hinten losgeht. Kitamura hat ja sichtlich Spaß seine Figuren vorzuführen und egal ob es sich um trottelige Cops und Auftragskiller, schwule Yakuza, unterkühlte Frauen oder den uncharismatischen Titelhelden handelt – hier bekommen auch alle ausgiebig ihr Fett ab. Herausgekommen ist ein Streifen, der sich nicht entscheiden kann, in welche Richtung er tendieren möchte und in seinem turbulenten Verlauf auch irgendwie weder Punkt noch Ende findet. Wobei ich zur Verteidigung von „LoveDeath“ auch sicherlich sagen muss, dass der japanische Humor auch einfach nicht der meinige ist.
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