Der Mann nebenan - Petra Haffter (1991)

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Der Mann nebenan - Petra Haffter (1991)

Beitragvon buxtebrawler » 14. Feb 2020, 12:36

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Originaltitel: Der Mann nebenan

Herstellungsland: Deutschland / 1991

Regie: Petra Haffter

Darsteller(innen): Anthony Perkins, Uwe Bohm, Sophie Ward, Stratford Johns, Brian Bovell, Deborah Lacey, James Aubrey, Carole Hayman, Choy-Ling Man, Michael Simkins, Hans Peter Hallwachs, Charmian May u. A.

Arthur Johnson führt ein grauenhaftes Doppelleben: Nach außen ist er der zrückgezogene, biedere Buchhalter, innen brodelt der Psychopath, der seine Kindheit nie verarbeitet hat. Nachts lebt er seinen Wahnsinn mit einer gestohlenen Schaufensterpuppe aus. Sein schizophrenes Leben wird bald durch einen Studenten gefährdet, der ihm auf die Schliche kommt...


Quelle: www.ofdb.de

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Re: Der Mann nebenan - Petra Haffter (1991)

Beitragvon buxtebrawler » 14. Feb 2020, 12:45

„Und, was kann man hier anstellen?“ – „Nichts, rein gar nichts – außer saufen.“

Die deutsche Regisseurin Petra Haffter („Der Kuss des Tigers“) bekam Anfang der 1990er Jahre die Gelegenheit, mit „Psycho“-Star Anthony Perkins zusammenzuarbeiten. Das Ergebnis ist der 1991 erschienene – na klar – Psycho-Thriller „Der Mann nebenan“, eine Verfilmung des (mir unbekannten) Romans „A Demon in My View“ aus der Feder Ruth Rendells, veröffentlicht im Jahre 1976.

„Das Wetter ist der Jahreszeit entsprechend.“

Der alleinstehende Arthur Johnson lebt noch immer im selben verdammt hellhörigen Haus in der Trinity Road des tristen (fiktionalen) Londoner Vororts Kenbourne Vale, in dem vor 20 Jahre seine Mutter starb – und wo ein nie überführter Triebmörder sein Unwesen trieb. Bei diesem handelt es sich um Arthur persönlich, dessen einem psychischen Defekt geschuldeten Taten im Widerspruch zu seiner gutbürgerlichen Fassade stehen, die er stets aufrechtzuerhalten versteht. Doch als der junge Hamburger Student Anthony Johnson (Uwe Bohm, „Yasemin“), jemand mit einem ganz ähnlichen Namen also, ebenfalls das Mehrparteienhaus bezieht, gerät Arthurs Alltag durcheinander: Anthony, der versucht, seine Affäre Helen (Sophie Ward, „Begierde“) davon zu überzeugen, ihren Ehemann (Hans Peter Hallwachs, „Otto – Der Außerfriesische“) für ihn zu verlassen, entdeckt Arthurs Schaufensterpuppe. Nicht ahnend, dass diese Projektionsfläche für Arthurs Obsessionen und von elementarer Bedeutung für dessen psychisches Gleichgewicht ist, verwendet er sie für eine traditionelle Feierlichkeit zum 5. November, auf der sie zu Arthurs Entsetzen verbrannt wird – und öffnet damit die Büchse der Pandora…

Nach aufgrund des eigentlichen Handlungsorts überraschenden Bildern Hamburgs geht Haffters Film unmittelbar in seinen Stil aus Parallelmontagen von Rückblenden in Arthurs Kindheit in Form visualisierter Erinnerungen und Gegenwartsszenen über, die in ihren Übergängen äußerst reizvoll erscheinen, wenn Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart sich gleichen. Perkins variiert hier seine Paraderolle als psychisch derangiertes Muttersöhnchen und mimt einen von Erinnerungen Visionen, die nach und nach auf Gewaltverbrechen in seiner Biographie schließen lassen, geplagten Spießer, der zurückgezogen lebt, bei dem stets alles akkurat erscheint und der heimlich eine Schaufensterpuppe liebt. Als Junge stach er ein Baby mit einer Sicherheitsnadel, was angesichts dessen, was noch folgen wird, harmlos anmutet. Denn nachdem seine geliebte Puppe ein Raub der Flammen wurde, steigert er sich in Gewaltfantasien gegen Anthony bzw. dessen Wohnung, liest er dessen Post und verfasst sogar eine Fälschung unter dem Namen von Anthonys Freundin – und tötet schließlich die Frau eines Freunds Anthonys. Daraufhin werden Arthurs zurückliegende Morde in einer Analepse visualisiert. Und das Sterben nimmt auch in der Gegenwart weiter seinen Lauf.

Der mit Pino Donaggios schöner ‘80er-Saxophon-Titelmelodie und von säuselnd-umgarnend zu dramatisch wechselnden Streicher- und Klavier-Arrangements unterlegte „Der Mann nebenan“ ist ein wenig origineller Psycho-Thriller, dessen Parallelen zu anderen, weitaus stärkeren Psychokiller-Filmen wie „Maniac“ oder „Deranged“ und natürlich „Psycho“ unverkennbar sind und wie sie natürlich auf die realen Vorbilder Ed Gein & Co. referenziert. Ähnlich wie in „Psycho“, vor allem aber mehr noch als in späteren eindeutig dem Horrorgenre zuzuordnenden Verfilmungen dieses Topos wird der Mörder hier nicht als Monster, sondern eher als bemitleidenswertes Geschöpf dargestellt. Weniger als um einen Horrorfilm handelt es sich bei „Der Mann nebenan“ vielmehr um einen Psycho-Thriller mit starken dramatischen Aspekten, also keinesfalls um spekulative blutige Unterhaltung.

Trotz bemühten Spannungsaufbaus lässt der Film von vornherein kaum einen Zweifel daran, was mit Arthur nicht stimmt, sich den Zuschauer aber über eine Stunde lang gedulden, bis Arthur den ersten Mord onscreen begeht. In seiner Dramaturgie ist der im typischen Anfang-der-‘90er-Look gehaltene „Der Mann nebenan“ damit ebenso gewöhnungsbedürftig wie mit seiner etwas schwächelnden deutschen Synchronisation (gedreht wurde offenbar auf Englisch) und seinem fast unfreiwillig komisch anmutenden Ende. Dieses wirkt sehr abrupt und platt – und überrascht auch damit, dass es trotz Arthurs Phantombild im TV zu keinerlei Konfrontation mit der Polizei kommt.

Alles in allem wirkt „Der Mann nebenan“ also ziemlich unrund, ist andererseits aber eine interessante deutsche Beinahe-Genre-Produktion mit gemischtem britisch-deutschem Ensemble sowie eine der letzten Möglichkeiten, Perkins in seiner Paraderolle vor seinem viel zu frühen Tod zu sehen.
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