Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies - Lucio Fulci

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

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Re: Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies - Lucio Fulci

Beitragvon Die Kroete » 22. Jan 2016, 23:24

Woodoo aka Zombi 2 ist meiner Meinung nach, der beste Film, den Lucio Fulci je inszeniert hat.

Weil hier von Anfang bis Ende, definitiv alles stimmig ist!

Ein großartiger Zombie-Film, der zu den Besten dieses Genres zählt.
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Re: Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies - Lucio Fulci

Beitragvon Onkel Joe » 1. Dez 2019, 15:24

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40 Jahre "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies".
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
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Re: Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies - Lucio Fulci

Beitragvon buxtebrawler » 24. Jan 2020, 18:54

First we take Manhattan

„Keine Angst. Ganz ruhig. Und keine hysterischen Anfälle!“

Im Jahre 1979 war es soweit: Unter dem Eindruck des ein Jahr zuvor veröffentlichten „Dawn of the Dead“, dem auch schlicht „Zombie“ betitelten zweiten Kapitel Romero’scher Zombie-Erzählungen, erschien der vom italienischen Genre-Regisseur Lucio Fulci, der zuletzt einen Western mit Giulliano Gemma gedreht hatte, inszenierte „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ – in Anlehnung an Romeros Welterfolg auch als „Zombi 2“ vermarktet. Wenngleich die spanisch-italienische Koproduktion „Leichenhaus der lebenden Toten“ von Regisseur Jorge Grau ein paar Jahre zuvor bereits durchaus grafische Untoten-Action geboten hatte, avancierte erst Fulcis Variante zum Startschuss für den blutrünstigen italienischen Horrorfilm, in dem sich zahlreiche Nachahmer tummeln sollten, für die sich Fulcis Film als stilprägend erwies, den Fulci aber auch selbst mit einigen weiteren Zombiefilmen befeuern sollte. Ambivalenter Nebeneffekt wurde, dass sich Fulci zunehmend auf seine splatterigen Horrorfilme beschränkt sah, womit man ihm Unrecht tat. Doch zurück zum in New York, Rom und Santo Domingo gedrehten Zombie-Klassiker:

Ein Segelboot strandet führungslos vor Coney Island. Als die Polizei das Boot betritt, findet sie neben verdorbenen Essensresten und Ungeziefer auch eine skelettierte Hand, woraufhin ein fettleibiger, eitriger und madiger Zombie hervorschießt und einem der Polizisten die Halsschlagader durchbeißt. Sein schockierter Partner erschießt die Kreatur. Man ermittelt den Besitzer (Ugo Bologna, „Little Lips – Der zärtliche Tod“) des Boots und kontaktiert dessen Tochter Anne (Tisa Farrow, „Feuerstoß“), die sich die Vorfälle auch nicht erklären kann, aber weiß, dass sich ihr Vater gerade auf einer karibischen Insel befindet. Journalist Peter West (Ian McCulloch, „Der Ghul“) will über den Fall berichten und entschließt sich, gemeinsam mit Anne jene Insel namens Matul zu bereisen, um nach ihrem Vater zu suchen. Also fliegen sie in den exotischen Staat und setzen gemeinsam mit den Bootsbesitzern Brian (Al Cliver, „Laura“) und Susan (Auretta Gay, „Flotte Bienen auf heißen Maschinen“) aufs sagenumwobene Matul über, vor dem sich die Einheimischen kollektiv zu fürchten scheinen und das mysteriöserweise auf keiner Karte verzeichnet ist. Bei einem Tauchgang kurz vor der Insel wird Susan mit einem schwimmenden Zombie konfrontiert, bleibt aber unverletzt. Endlich auf Matul angekommen ist mit dem Boot aufgrund der verbogenen Schiffsschraube nichts mehr anzufangen. Das ist umso bestürzender, als sich die Reisegruppe dort einem Phänomen ausgesetzt sieht, das Tote als gefährliche fleischfressende Zombies aus dem Totenreich zurückkehren lässt, was auch Annes Vater dahinraffte – und wie es auch mit dem durch den Zombiebiss getöteten Polizisten geschehen ist, der in der Pathologie als Untoter erwachte… Der Arzt Dr. Menard (Richard Johnson, „Bis das Blut gefriert“) betreibt zusammen mit Krankenschwester Clara (Stefania D'Amario, „Unmoralische Novizinnen“), den skeptischen Einheimischen Miguel und Lucas (Dakar, „Papaya - Die Liebesgöttin der Cannibalen“) und seiner Frau Paula (Olga Karlatos, „Die Wiege des Teufels“) auf Matul eine Krankenstation in einer alten Kirche, forscht verzweifelt daran, die Seuche in den Griff zu bekommen, und kümmert sich um Frischverstorbene, indem er sie mit Kopfschüssen versieht – dem offenbar einzigen Mittel, um der Zombieplage Herr zu werden. Gegen diese muss nun auch die Reisegruppe ankämpfen, die nach und nach dezimiert wird…

„Hör bloß mit dem Bahnhof auf, du weißt genau: Ich vertrag‘ keinen Zug!“

Der Prolog zeigt einen abgegebenen Schuss auf eine Kreatur, deren Kopf in einem Stoffsack steckt. Wer oder was da erschossen wurde, weiß das Publikum noch nicht, doch die Indizien verdichten sich, wenn die New Yorker Polizisten das gestrandete Boot betreten und Fulci seine sich durch den gesamten Film ziehende morbide Atmosphäre ausbreitet wie ein müffelndes Leichentuch. Das Fliegensummen auf der Tonspur in Kombination mit Essensresten und Würmern erinnert unweigerlich an Verwesung und es lässt sich erahnen, dass man hier noch etwas wesentlich Unappetitlicheres finden wird – das sich zudem als äußerst gefährlich entpuppt, wie die Polizisten und damit das Publikum erfahren werden. Die Zeit zwischen dem Verlassen New Yorks und der Ankunft auf Matul nutzt Fulci für eine grobe Charakterisierung Annes und Peters sowie die Einführung zweier weiterer Figuren: Brian und Susan vervollständigen das Abenteurer(innen)-Quartett. Susan zeigt sich oben ohne (bzw. eigentlich nicht, immerhin trägt sie eine fleischfarbene Badekappe) und geht auf Tauchgang, den Fulci zum Anlass für fantastische Unterwasseraufnahmen nimmt und am Ende der Sequenz den berüchtigten Zombie-versus-Hai-Kampf inszeniert – eine originelles Sahnestück des Horrorgenres, vier Jahre nach „Der weiße Hai“, aber lange vor der großen Sharkploitation-Welle.

Italotypisch gewordene Augenzooms und beunruhigende Point-of-View-Perspektiven finden ihren Höhepunkt in der ikonographisch gewordenen Szene, in der Dr. Menards Frau in einen Holzsplitter hineingezogen wird und die Kamera voll draufhält, während der Splitter in ihr Auge dringt. Diese grafische Brutalität sollte charakteristisch für das italienische Horrorkino insbesondere Fulcis werden und zuvorderst hierzulande zahlreiche Sittenwächter(innen) auf den Plan rufen. Wie beinahe alle Splatter- oder Gore-Szenen in Unterhaltungsfilmen sind sie natürlich spekulativer Natur, fügen sich hier aber mühelos in den grimmigen, desillusionierten, resignativen Tonfall des Films, der zeigen will, dass die Apokalypse nah ist und verdammt wehtun wird. Denn was sich auf Matul vor dem Hintergrund fiebrig-enervierender, sich mit Frizzis einnehmender Synthesizer-Melodien abwechselnden karibischen Rhythmen abspielt, ist, wie Menard den Neuankömmlingen von einer Rückblende illustriert zu berichten weiß, nicht weniger als die Epidemie einer unheimlichen grassierenden Krankheit. Und vor dieser gibt es kaum ein Entkommen, sodass die Insel mehr und mehr zum Gefängnis, zur Falle, wird – dem Gegenentwurf zur paradiesischen Illusion eines einsamen Eilands.

„Voodoo, Aberglaube, Magie – daraus bestehen deine genialen Forschungen!“

Denn die Zombies beginnen bald, die letzten noch Lebenden anzugreifen, zu töten und zu verspeisen, wie sich unsere Reisegruppe beim schrecklichen Anblick Paulas vergegenwärtigen muss, wenn diese gerade einigen Untoten als Nahrung dient. Die weitere Entwicklung führt in einen regelrechten Belagerungszustand, dem man mit Feuer und Blei zu entkommen versucht. So sehr sich manch Zuschauerin oder Zuschauer an den Kopf fassen mag, wenn wieder einmal auf den Torso gezielt wird, obwohl sich längst herausgestellt hat, dass nur Treffer in die Köpfe die Untoten vom Schlurfen und Schmatzen abzuhalten vermögen, so dennoch aufregend und spannend ist nicht nur dieses Finale inszeniert. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind ausdrucksstark und charismatisch genug, dass sich eine gewisse Empathie für sie entwickelt und wiederum so arm an Horrorfilmklischees, dass man sich nie sicher sein kann, wer den Inselbesuch überleben wird und wer nicht.

„Ich glaube, die Toten sind nicht tot. Es gibt nichts Totes.“

Die handgemachten Spezialeffekte sind verdammt ordentlich ausgefallen und brauchen sich kaum hinter US-Produktionen zu verstecken. Auch die Masken stellen eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber Tom Savinis Arbeiten für Romeros „Dawn of the Dead“ dar: Hier schlurfen keine frisch Verstorbenen durchs Bild, sondern halbverweste Schreckgespenster. Das ist krude, aber effektiv und brachte dem Film eine Nominierung für den Saturn Award in der Kategorie „Best Make-Up“ ein. Für „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ vermengte der sich einen Cameo-Auftritt nicht nehmen lassen habende Fulci das moderne Romero-Zombie-Sujet mit den klassischem Voodoo-Zombie-Motiven auf phänomenale Weise und schuf einen Genre-Meilenstein, der gleichsam dramaturgisch fließend wie gruselig und morbide in seiner Stimmung und schockierend, blutig und splatterig in seiner visuellen Umsetzung ausgefallen ist und damit das Genre-Fan-Herz höher schlagen lässt. Was hier indes noch fehlte, ist das bewusstseinserweiternd surrealistische Element, um das Fulci seine folgenden Genre-Beiträge anreicherte – wenngleich auch hier nicht alles auserzählt wird: Wer nun warum einen Voodoo-Fluch über Matul gelegt hat, bleibt unklar.

Ein weiteres starkes ikonographisches Bild bildet die Pointe ab, die die Untoten über die Brooklyn Bridge wandernd zeigt, in deren Konsequenz jeder weiß, dass der Big Apple dem Untergang geweiht ist und der Fluch die Zivilisation erreicht hat, bereit, sie auszulöschen. Eine Apokalypse nach Romero’schem Vorbild, die auch sinnbildlich für den mit diesem Film angetreten Siegeszug des Italo-Splatters steht, der von nun an für einige Zeit den Genrefilm mit neuen Impulsen versah und dabei keine Gefangenen machte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!

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