DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

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DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon purgatorio » 10. Jan 2017, 09:58

DIBBUK – EINE HOCHZEIT IN POLEN

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Deutscher Titel: Dibbuk - Eine Hochzeit in Polen
Originaltitel: Demon

Regie: Marcin Wrona
Produktionsland: Polen, Israel (2015)

Darsteller: Maja Barelkowska, Maria Debska, Piotr Domalewski, Katarzyna Gniewkowska, Andrzej Grabowski, Katarzyna Herman, Cezary Kosinski, Ireneusz Koziol, Filip Plawiak, Wlodzimierz Press, Marek Sawicki, Tomasz Schuchardt...

Story:
Es soll geheiratet werden! Der in London lebende Piotr (Itay Tiran) und seine Angebetete Zaneta (Agnieszka Zulewska) wollen sich trauen und im Hause von Zanetas Familie feiern. Doch am Vorabend der Hochzeit ist Piotr allein in dem eigentlich leerstehenden Haus. Dennoch scheint er nicht ganz ohne Gesellschaft zu sein. Als am nächsten Tag kräftig gefeiert wird, hat Piotr plötzliche merkwürdige Anwandlungen. Und die kommen wohl nicht einfach nur von dem Wodka, der auf dem Fest in Strömen fließt...

(via ofdb)
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Re: DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon Arkadin » 10. Jan 2017, 11:06

Der in England aufgewachsene Piotr (Itay Tiran) reist nach Polen, um dort Zaneta (Agnieszka Zulewska), die Schwester seines besten Freundes Jasny (Tomasz Schuchardt) zu heiraten. Als Hochzeitsgeschenk hat Zanetas Vater (Andrzej Grabowski) dem jungen Paar ein heruntergekommenes Landhaus vermacht. Als Piotr dort einen Grube für einen Swimming Pool ausheben will stößt er auf ein menschliches Skelett. In der Nacht vor der Hochzeit wird er von der Vision einer jungen Frau in einem weißen Kleid heimgesucht. Am Tag der Hochzeit scheinen diese Vorkommnisse zunächst vergessen zu sein. Die zahlreichen Gäste sprechen dem Wodka literweise zu, es wird Getanzt und Gefeiert, was das Zeug hält. Da fällt es kaum auf, dass Piotr plötzlich anfängt, sich seltsam zu benehmen…

Bei seinem kurzen Lauf durch deutsche Kinos konnte „Demon – Dibbuk“ leider kaum Zuschauer in die Kinosäle ziehen. Was vielleicht an seinem unglücklichen Verleihtitel „Eine Hochzeit in Polen“ lag. Dieser provoziert Assoziationen mit sommerlichen Feelgood-Komödien aus Frankreich. Wer mit diesen Erwartungen ins Kino gegangen ist, dürfte gehörig vor den Kopf gestoßen worden sein. Nein, sommerlich leicht ist hier nichts. Der Film ist durchweg düster und auch seine komischen Momente, die es durchaus gibt, sind am Ende doch nur ein Ausdruck menschlicher Unzulänglichkeiten und lassen das Geschehen vollends in die Katastrophe laufen. Doch auch wer den Originaltitel, der tatsächlich auch in der polnischen Originalfassung „Demon“ lautet, kennt, wird davon auf eine falsche Fährte gelockt. Denn ein waschechter Horrorfilm ist „Dibbuk“ nun auch nicht. Zwar gibt es ein-zwei nette Erschrecker, aber „Dibbuk“ legt es nicht darauf an, Angst und Schrecken zu verbreiten. Zumindest nicht auf die direkte Art und Weise. Erschreckend ist hier nur die menschliche Natur.

Als ich „Dibbuk“ sah, fühlte ich mich stark an einen anderen Film erinnert, denn ich vor längerer Zeit sah, nämlich „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ (OT: Wesele) von Wojciech Smarzowski aus dem Jahre 2004. Tatsächlich schienen einige Szenen geradezu identisch zu sein. Die große Hochzeitsgesellschaft, das ausgelassene, exzessive Feiern und die überbordende, alkoholgeschwängerte Ausgelassenheit der Hochzeitsgäste, während im Hintergrund alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Und wie die Anstrengungen der Brauteltern, dass davon niemand etwas mitbekommt, immer absurderer Formen annehmen. Sind es in „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ eine Leiche, eine Lebensmittelvergiftung und ein gestohlenes Auto, welches die Hochzeit in eine einzige Katastrophe zusteuern lässt, ist es hier ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit und die Besessenheit des Bräutigams, welche unbedingt verschwiegen werden muss.

Während „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ als Komödie begann, die immer finsterere Töne anschlug, so ist „Dibbuk“ zunächst einmal recht humorlos, gönnt sich aber mit erhöhtem Alkoholpegel einige launige Einsprengsel. Die große Ähnlichkeit zwischen „Dibbuk“ und „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ ist kein Zufall. Beide Filme sind von einem berühmten polnischen Stück „Wesele“ (dt. „Hochzeit“) inspiriert, welches Ende des 19. Jahrhunderts von Stanisław Wyspiański geschrieben wurde und eine Hochzeit beschreibt, die als Metapher für das polnische Volk gedacht ist. Andrzej Wajda hat es bereits 1973 verfilmt. Und wie die Hochzeit (polnisch: Wesele) in dem Film 2004 dann eine Allegorie auf die Korruption im Land darstellt, ist es in „Dibbuk“ die unterdrückte Vergangenheit, in der es auch polnische Bürger waren, die im zweiten Weltkrieg ihre jüdischen Nachbarn an die Nazi verraten oder kurzerhand selber umgebracht haben, um an ihren Grund und Boden zu kommen. Ein düsteres Kapitel, dass in den letzten Jahren in vielen polnischen Film thematisiert wurde. Allen voran in dem kraftvoll-depremierenden „Poklosie“.

Regisseur Marcin Wrona zeigte in „Dibbuk“ ein großes Talent eindringliche, ebenso drastische, wie poetische Bilder zu schaffen. Sein Selbstmord mit nur 42 Jahren, kurz nach Beendigung des Filmes, reißt eine große Lücke in die Reihe der vielversprechenden, jungen polnischen Filmemachern. In der Rolle des Bräutigams glänzt der Israeli Itay Tiran, der zuvor neben eigen israelischen, auch in deutschen Produktionen zu sehen war. Es gelingt ihm, die Rolle des Besessenen immer auf der Messerschneide zwischen beunruhigend und lächerlich zu halten. Denn, dass Piotr von einem weiblichen Geist besessen ist und mit hoher Stimme auf jiddisch redet, könnte auch schnell ins Alberne umschlagen. Tut es aber nicht. Ebenso muss man Agnieszka Zulewska in der zunächst sehr undankbaren Rolle der Braut Zaneta ein großes Kompliment aussprechen. Anfangs ist sie eher ein Ausstattungsstück, welches in dem Drama keine besondere Rolle zukommt, außer eben die Braut zu sein. Doch dann entwickelt sie sich in der zweiten Hälfte immer mehr zu einem eigenständigen Charakter, der die Handlung vorantreibt und vor allem auch Stärke zeigt. Eine Veränderung, die man ihr zunähst nicht zugetraut hätte.

„Dibbuk“ nutzt die Metapher der „Hochzeit“/“Wesele“, um ein Polen zu zeigen, welches sich strikt weigert, die eigene Vergangenheit und die Verbrechen an den Juden aufzuarbeiten. Im Gegenteil, es hat sich nichts geändert und die Seelen der Opfer können nicht auf Vergebung und Ruhe hoffen. Toll gefilmt und treffend besetzt ist „Dibbuk“ aber weder die vom deutschen Kinotitel „Eine Hochzeit in Polen“ suggerierte Komödie, noch der im internationalen Titel „Demon“ anklingende Horrorfilm, sondern ein dunkler und deprimierender Film, der sich mit einem finsteren Kapitel der polnischen Geschichte und die Unfähigkeit sich dieser zu stellen, beschäftigt.
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Re: DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon purgatorio » 10. Jan 2017, 11:06

DIBBUK – EINE HOCHZEIT IN POLEN (DEMON, Polen, Israel 2015, Regie: Marcin Wrona)

Wow! Ein toller Film – eine fesselnde Mischung aus Horror, Grusel, Mystery und Komödie. Nichts richtig, aber von allem etwas. Toll gefilmt, angenehm unbehaglich ausgestattet. Seine komische Atmosphäre vermag der Film durchgehend zu halten, was vom hohen und ambitionierten Niveau zeugt. Ja, alles in allem absolut überzeugend und irgendwie auch reichlich schräg. Gefiel mir sehr gut.
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Re: DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon purgatorio » 10. Jan 2017, 11:07

haha :lol: beide gleichzeitig 8-)
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Re: DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon Arkadin » 10. Jan 2017, 11:07

purgatorio hat geschrieben:haha :lol: beide gleichzeitig 8-)


Aber ich habe den Längeren :kicher:
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Re: DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon purgatorio » 10. Jan 2017, 11:11

Arkadin hat geschrieben:
purgatorio hat geschrieben:haha :lol: beide gleichzeitig 8-)


Aber ich habe den Längeren :kicher:


touché :mrgreen:


apropos: schöne Gedanken zum Film! Ich bin in der jüngeren polnischen Geschichte nicht bewandert. Aber ich gehe jeden Gedanken mit! Unterschwellig kommen einem solche Dinge bei der Sichtung in den Sinn, aber mir fehlte die Muse, hier jetzt ein wenig zu recherchieren. Darum danke für die Aufklärung! Ein toller, runder, unheimlicher und unterhaltsamer Film. Klasse!
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Re: DIBBUK / DEMON - Marcin Wrona (2015)

Beitragvon jogiwan » 5. Dez 2019, 07:23

Ungewöhnlicher Genre-Mix aus der Mystery-Ecke als Statement zur polnischen Gesellschaft und seiner Weigerung, sich mit seiner näheren Vergangenheit zu beschäftigen bzw. Verantwortung zu übernehmen. Das alles in Form eines offensichtlich sehr skandinavisch inspirierten Films über eine seltsame Hochzeitsgesellschaft, die glaubt, alle Probleme im Alkohol ertränken zu können. Doch Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit und so dauert es auch nicht lange, bis unausgesprochene und verleugnete Dinge auf das Licht des Hochzeitparketts dringen und sich nicht mehr verleugnen lassen. Dabei lässt die Geschichte sehr viele Fragen offen, bietet bedeutungsschwangere und doch sehr nüchtern gehaltene Bilder und verbreitet doch ein sehr unbehagliches Gefühl, wenn gegen Ende die ganze Hochzeitsgesellschaft dabei ist, munter zu vertuschen oder wegzusehen. Und auf einmal ist die Geschichte nicht mehr nur eine bizarre Geistergeschichte aus der Genre-Ecke, sondern ein Spiegel, den man der Gesellschaft vorhält und aus dem leider immer noch eine hässliche Fratze entgegen lacht. Ein verdammt großartiger Film.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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