Die Nonne von Verona - Domenico Paolella (1973)

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Die Nonne von Verona - Domenico Paolella (1973)

Beitragvon jogiwan » 16. Jul 2012, 16:10

Die Nonne von Verona

Bild

Originaltitel: Le Monache di Sant'Arcangelo

Alternativtitel: The Nuns of Archangel / The Nun and the Devil

Herstellungsland: Italien, Frankreich / 1973

Regie: Domenico Paolella

Darsteller: Ornella Muti, Anne Heywood, Luc Merenda, Muril Catala, Martine Brochard

Story:

Der Tod der Äbtissin treibt die Anwärterinnen auf diesen Posten zu Machtkämpfen hinter den Kloster-Mauern. Nicht nur aus religiösen Gründen. Es geht auch um die Ausbeutung einer Goldmine, die zum Kloster gehört. Diese Intrigen nutzt Don Carlos aus, um an das Gold zu kommen. Er unterstützt Schwester Giulia. Diese hat eine besondere Zuneigung zu der schönen Chiara, verstößt sie aber, als die jüngere Agnese ins Kloster eintritt. Die Gegenspielerin ist Lavinia. Um sie auszuschalten, rät Don Carlos, sie langsam zu vergiften. Durch einen anonymen Brief erfahren der Bischof und der Kardinal von der Entweihung des Klosters. Bei einer Inspektion des Klosters durch den Bischof schweigen alle Nonnen. Erst durch die Anwendung der zur damaligen Zeit üblichen Methoden beginnen sie, ihr Schweigen zu brechen... (quelle: ofdb.de)
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Re: Die Nonne von Verona - Domenico Paolella (1973)

Beitragvon Blap » 16. Jul 2012, 19:58

Ein älterer Ultrakurzkommentar:

Die Nonne von Verona

Ein Nonnenkloster im 16. Jahrhundert. Nach dem Tod der alten Äbtissin buhlen mehrere Nonnen um deren Nachfolge. Schwester Giulia (Anne Heywood) wird von dem wohlhabenden Don Carlos unterstützt, der ihr dazu rät die älteste Nonne langsam zu vergiften und sogar das entsprechende Gift zur Verfügung stellt. Doch auch Schwester Carmela möchte die neue Äbtissin werden. Sie hofft auf ihren heimlichen Liebhaber, der einen guten Draht zur lokalen Obrigkeit der Kirche hat. Giulia will die sündige Carmela wegen deren Liebschaft an den Pranger stellen, jedoch auch sie selbst von Sünde und Lust befallen, allerdings dem weiblichen Geschlecht zugetan. Die Intrigen und Machtspiele geraten immer weiter ausser Kontrolle. Der zuständige Kardinal lässt seine rechte Hand Carafo (Luc Merenda) von der Kette, der Fanatiker soll für Zucht und Ordnung sorgen...

"Die Nonne von Verona" (1973) wird dem Nunsploitation-Genre zugerechnet, jedoch sollte man in diesem Fall keine wilden Sex- und Gewaltorgien erwarten. Natürlich wird ein wenig gezüngelt und gehoppelt -später ein wenig gefoltert- allerdings wirken die Szenen nicht aufgesetzt, sondern passen perfekt und verstärken die Atmosphäre des Werkes. Die Kulissen sind herrlich und authentisch, die Darsteller machen ihren Job sehr gut. Anne Heywood sieht auch als Pinguin ansprechend aus, die damals noch sehr junge Ornella Muti ist ebenfalls zu sehen. Die kranke Doppelmoral der Kirche, die perversen Umtriebe dieser Institution werden angeprangert, glückerlichweise aber nicht auf nervige, moralinsaure Art und Weise. Das Drehbuch räumt den Protagonisten eine gewisse Tiefe und Glaubwürdigkeit ein, von mir aus hätte der überwiegend entspannt erzählte Film sich noch mehr Zeit nehmen sollen, die Charaktere und Handlungsstränge noch intensiver ausarbeiten können. Hektiker werden vermutlich bereits mit den vorliegenden 96 Minuten überfordert sein, denn Regisseur Domenico Paolella streut immer wieder ruhige Phasen in die Handlung ein.

Mir hat "Die Nonne von Verona" sehr gut gefallen. Die DVD von X-Rated kommt in einer grossen Hartbox, ein wenig Bonusmaterial ist ebenfalls enthalten. Es gibt auch eine gekürzte DVD mit FSK 16 Freigabe, diese ist selbstverständlich abzulehnen und anzuprangern!

Sehr schön, sehr gut = 8/10
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Re: Die Nonne von Verona - Domenico Paolella (1973)

Beitragvon buxtebrawler » 6. Nov 2019, 18:51

„Die Spanier plündern die gesamten Bodenschätze der neuen Welt!“

Der italienische Regisseur Domenico Paolella („Django – Die Bibel ist kein Kartenspiel“) drehte in der ersten Hälfte der 1970er gleich zwei klerikale Dramen, die an das Nunploitation-Genre angelehnt sind und beide 1973 in den italienischen Kinos anliefen: „Die Nonne von Verona“ und „Der Nonnenspiegel“. Der in italienisch-französischer Koproduktion entstandene „Die Nonne von Verona“ wartet mit der britischen Schauspielerin Anne Heywood auf, die bereits 1969 in „Die Nonne von Monza“ zu sehen war, und schildert einen Ausnahmezustand im Kloster:

Die Äbtissin des Klosters St. Angelo in Verona verstirbt im Jahre 1577, woraufhin ein Machtkampf um ihre Nachfolge entbrennt. Der verschlagene Don Carlos (Pier Paolo Capponi, „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“) wurde gern Schwester Giulia (Anne Heywood) installieren, um über sie Zugriff auf die Goldmine des Klosters zu erlangen. Daher schmiedet er den Komplott, dass Giulia Schwester Lavinia (Maria Cumani Quasimodo, „Die Farben der Nacht“), die älteste Nonne und somit heißeste Anwärterin auf den Posten, vergiftet. Aber auch Schwester Carmela (Claudia Gravy, „Marquis de Sade: Justine“) erhebt Anspruch auf die Nachfolge und setzt ihre Hoffnung auf den ihr zugeneigten Vikan Carafa (Luc Merenda, „Torso“), unterhält jedoch eine heimliche Liebesbeziehung zu Piedro (Duilio Del Prete, „Blutrausch“). Giulia weiß davon und plant, die Affäre zu enttarnen, gibt sich jedoch selbst einer gleichgeschlechtlichen Affäre mit Mutter Chiara (Martine Brochard, „Betrachten wir die Angelegenheit als abgeschlossen“) hin. Don Carlos wiederum fühlt sich sexuell zu Julias Nichte Isabella (Ornella Muti, „Zu Tode gehetzt“) hingezogen, die gegen ihren Willen ins Kloster gezwungen wurde, nachdem sie sich heimlich verlobt hatte…

„Die Spanier haben mit Gottes Hilfe das Christentum dorthin gebracht!“ – „…indem sie die Inkas ausgerottet und die Überlebenden gewaltsam bekehrt haben!“

Ein Mordkomplott, heteronormative und lesbische Liebe, Eifersüchteleien, Machtspiele und Intrigen – Sodom und Gomorrha hinter Klostermauern! Paolellas Film entzaubert provokant, jedoch kaum exploitativ die vermeintlich fromme Welt der katholischen Kirche und legt seiner Figur Carafa bereits unmittelbar zu Beginn die Verbrechen des Klerus auf den Punkt bringende Entgegnungen in den Mund. Mit grafischer Ausschlachtung hält er sich dabei sehr zurück und lenkt stattdessen den Fokus auf das Schauspielensemble sowie die Entwicklung der relativ komplexen Handlung, in deren Verlauf die Machtfrage vermeintlich geklärt wird und mit Novizin Agnes (Muriel Catalá, „Der Erlöser“), auf die Julia ein Auge wirft, eine weitere Figur an Bedeutung gewinnt, die die Gemengelage nicht unkomplizierter macht. Die Schauspielerinnen auseinanderzuhalten fällt zunächst schwer, da sie ihrem Nonnendasein entsprechend alle gleich angezogen sind. Da sie aufgrund ihrer Affären aber auch zum Ausziehen neigen und Paolella sich nicht davor scheut, ihre entblößten Oberweiten mit der Kamera einzufangen, sorgen sie in der Folge für einen gewissen Erotikfaktor, beweisen sich aber auch als seriösere Darstellerinnen, die den Film zu tragen verstehen. Leider müssen sie gegen eine schwächelnde Dramaturgie anspielen, die Spannung zu verurteilen und somit zu vermeiden scheint wie die Katholiken das Hinterfragen des Zölibats.

„König Philipp macht sie zu Sklaven!“

Die durch das authentisch anmutende Ambiente und Interieur begünstigte Atmosphäre der Klaustrophobie, des Misstrauens und der Grenzüberschreitungen bei gleichzeitigen sündhaften körperlichen Begehren kulminiert indes in einigen aufmerken lassenden Einzelszenen wie Selbstverletzungen im Zuge verzweifelter Bändigungsversuche der Lust oder Hetzjagden auf ein Liebespaar. Eine Zäsur wird schließlich von anonymen Briefen eingeleitet, die Carafa erreichen. Zusammen mit dem Erzbischof beruft er ein inquisitorisches Gericht ein, woraufhin „Die Nonne von Verona“ seinen Härtegrad anzieht: Man greift zu den bekannten unmenschlichen Foltermethoden gegen unbekleidete Opfer und fällt ein Todesurteil. Die dem Tode Geweihte hält noch eine nur allzu wahre Brandrede, bevor Paolella ihren Todeskampf inszeniert und mit einem Bibelzitat aus dem Off schließt.

Es ist schade, dass der musikalisch mit sakralen Gesängen und Kirchenorgelklängen stimmig unterlegte Film nicht etwas packender ausgefallen ist, denn im Großen und Ganzen weiß diese kluge Anklage der Kirche gerade auch aufgrund ihrer verglichen mit typischen Nunploitation-Vertretern seriöseren Herangehensweise sehr zu gefallen. Auf diese Weise ist er möglicherweise sogar provokanter als manch Sex-und-Gewalt-Orgie, weil ernstzunehmender – zumal er diese Themen auch alles andere als ausspart. Dass sich von den Figuren generell kaum jemand mit Ruhm bekleckert, vermeidet zudem allzu naheliegende Täter(innen)/Opfer-Klischees. 6,5 von 10 meiner Beichten, bei denen jeder Pfaffe sich die Inquisition zurückwünscht, widme ich daher Paolellas „Nonne von Verona“.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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