Shrew's Nest - Juanfer Andrés & Esteban Roel (2014)

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Shrew's Nest - Juanfer Andrés & Esteban Roel (2014)

Beitragvon jogiwan » 6. Nov 2019, 11:46

Shrew's Nest

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Originaltitel: Musarañas

Herstellungsland: Spanien / 2014

Regie: Juanfer Andrés & Esteban Roel

Darsteller: Macarena Gomez, Nadia de Santiago, Hugo Silva, Luis Tosar

Story:

Spanien in den 50er Jahren: Die streng religiöse Schneiderin Montse leidet an Agoraphobie, der Angst vor öffentlichen Plätzen. Bereits der Flur des Hauses ist für sie dadurch unerreichbar, so dass ihre gesamte Welt nur aus ihrer Wohnung besteht. Einzig ihre jüngere Schwester, um die sie sich zwar mit Hingabe, aber auch mit einer gewissen Strenge kümmert, ist Teil ihres tristen Lebens. Der immergleiche und ereignisarme Alltag wird jäh unterbrochen, als der im oberen Stockwerk wohnende Nachbar Carlos die Treppe herunterstürzt und schwer verletzt vor Montses Tür liegen bleibt. Montse, getrieben von ihrer christlichen Nächstenliebe, kann sich trotz ihrer Ängste nicht davor verschließen, dem Verletzten zu helfen. Doch was als Gesundpflegen beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer Obsession. Als Montse merkt, dass sich Carlos offenbar stärker zu ihrer Schwester hingezogen fühlt, sieht sie sich mit bislang unbekannten Gefühlen konfrontiert, die unaufhaltsam in eine Spirale der Gewalt führen… (quelle: ofdb.de)
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Re: Shrew's Nest - Juanfer Andrés & Esteban Roel (2014)

Beitragvon jogiwan » 6. Nov 2019, 11:47

Ansehnliche Mischung aus Drama und Thriller, der nicht nur auf den ersten Blick stark an Stephen Kings „Misery“ erinnert. Die Grundkonstellation ist quasi die gleiche, nur dass hier der Handlungsort ins Spanien der Fünfzigerjahre verlegt wird, in der eine bigotte Schneiderin mit allerlei Problemen und einem zweifelhaften Verständnis von Nächstenliebe versucht, die unrühmlichen Geheimnisse ihrer Familie zu verdecken. Dabei ist „Shrew’s Nest“ mit seiner verzweifelten Hauptfigur und auch kein Wohlfühl-Film, sondern ist stets sehr düster und deprimierend und wird am Ende auch arg unbequem, wenn es dann wirklich ans Eingemachte geht. Wer sich bei dem Kammerspiel-artigen Streifen einen Thriller erwartet, könnte aber enttäuscht werden, da hier eher das Augenmerk auf die Verzweiflungstaten der Schneiderin und weniger auf die Befindlichkeiten des Opfer gelegt wird und „Shrew’s Nest“ mit seinem Nachkriegs-Setting im diktatorischen Franco-Regime nebenher auch zeitgeschichtliche Ereignisse beleuchtet. Irgendwie fand ich das letzte Drittel und seinen spekulativen Ereignissen aber doch etwas überzogen und hier verliert die Geschichte mit seinen Zugeständnissen ans Genre-Publikum doch auch einiges von seiner Wirkung. Irgendwie bekommt man auch "Misery" nicht aus dem Kopf und für mein Empfinden hat auch die von mir sehr geschätzte Macarena Gómez in der Hauptrolle nicht wirklich gepasst, sodass zumindest für mich ein zwiespältiger Eindruck zurückbleibt.
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Re: Shrew's Nest - Juanfer Andrés & Esteban Roel (2014)

Beitragvon Adalmar » 6. Nov 2019, 17:26

An "Misery" musste ich komischerweise gar nicht denken, obwohl ich sowohl das Buch als auch den Film kenne. Alles in allem geht es hier trotz teilweise ähnlicher Ereignisse letztlich doch um ganz andere Themen. Eine bessere Hauptdarstellerin als Gómez könnte ich mir hier gar nicht vorstellen. Ich gebe dir aber recht in der Beobachtung, dass im letzten Drittel einige Ereignisse etwas übertrieben sind und sich eher an ein Horrorpublikum richten. Trotzdem ein für mich überzeugender Film zwischen Drama und Thriller.
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Re: Shrew's Nest - Juanfer Andrés & Esteban Roel (2014)

Beitragvon Adalmar » 14. Nov 2019, 14:30

Ich habe mich auch nach längerer Zeit wieder zu einer relativ kurzen OFDb-Rezension durchgerungen und (offen gestanden stellenweise von Jogi inspiriert, hoffe mal, dass das ok ist) folgendes abgesondert:

Besonders eingeprägt hat sich mir aus dem Film "Shrew's Nest", oder wie er im Original heißt: "Musarañas" ("Spitzmäuse"), das Zitat aus einem Rückblick von Nia, der jüngeren von beiden Schwestern, die im Mittelpunkt des Films stehen. Sinngemäß sagt sie, ihre (deutlich ältere) Schwester habe ihr vor dem Schlafen immer etwas aus einem Buch vorgelesen, in dem Menschen einander böse Dinge antun und ein allmächtiger Dämon diese Menschen unablässig beobachte. Bei dem adäquat beschriebenen Buch handelt es sich um nichts anderes als die Bibel. Wie sich schon zu Beginn herausstellt, hängt über dem gesamten Filmgeschehen der böse Schatten des sexuellen Missbrauchs, dem die ältere Schwester Montse, beklemmend intensiv gespielt von Macarena Gómez, von ihrem Vater (kongenial von unter dicken Brauen finster hervorblickenden Luis Tosar gespielt, den Fans des spanischen Genrekinos aus dem fiesen Thriller "Mientras duermes" - "Sleep Tight" - kennen könnten) unterworfen wurde, wovon sie bis hin zum Wahnsinn psychisch deformiert ist und unter anderem unter einem agoraphobischen Zwang leidet, niemals die eigene Wohnung verlassen zu können.

Der Film nimmt vor allem die Perspektive ihrer jüngeren Schwester ein, die von ihrer Schwester vor dem Bösen in ihrem Elternhaus geschützt wurde und so die psychisch gesunde Perspektive auf das Geschehen repräsentiert. Oberflächlich gesehen erinnert ein Teil des Geschehens an Stephen Kings psychodramatischen Roman "Sie" - "Misery" -, das Handeln von Montse erfolgt aber unter anderen Aspekten, nicht zuletzt da sie selbst kaum minder gefangen in ihren Ängsten ist, als sie es dem zufällig in ihre Fänge geratenen Carlos bereitet. Es entwickelt sich eine Dreiecks- und Eifersuchtsgeschichte zwischen Montse, Nia und Carlos, die in einem explosiv gewalttätigen Ende kulminiert, das mancher Zuschauer wohl eher kritisch beäugen dürfte und mit bizarren Gewaltakten ein bisschen wie ein Zugeständnis an Fans des Horrors anmutet, der im Großteil des Films ja in erster Linie subtil in den drohenden Blicken von Luis Tosar und im verzweifelten Ausdruck von Macarena Gómez seine einschneidende Wirkung entfaltet.

Starkes Psychodrama mit Thriller- und Horrorelementen, eine Bestätigung des hohen aktuellen spanischen Genrefilmstandards.
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Re: Shrew's Nest - Juanfer Andrés & Esteban Roel (2014)

Beitragvon jogiwan » 14. Nov 2019, 16:46

Adalmar hat geschrieben:Ich habe mich auch nach längerer Zeit wieder zu einer relativ kurzen OFDb-Rezension durchgerungen und (offen gestanden stellenweise von Jogi inspiriert, hoffe mal, dass das ok ist) folgendes abgesondert:.


für mich vollkommen ok :thup: Ich muss gestehen, dass mich der Film doch auch sehr nachhaltig beschäftigt hat und ich nun das Gefühl habe, doch etwas zu hart mit dem Streifen ins Gericht gegangen zu sein...
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