Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Sep 2019, 18:31

It stains the Sands red

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Nach einer weltweiten Zombie-Pandemie befindet sich die Stripperin Molly mit ihrem Freund auf der Flucht von Las Vegas zu einem Flughafen in der Wüste, von wo aus die Beiden in eine sichere Region gebracht werden sollen. Als der Porsche jedoch in der Wüste zum erliegen kommt und Molly Freund von einem Zombie attackiert und gebissen wird, findet der Plan ein jähes Ende. Zu Fuß macht sich Molly auf den Weg und wird dabei von einem Zombie verfolgt, der nicht locker lässt und Molly auch fortan nicht mehr aus den Augen lässt. Obwohl der Zombie und die Stripperin unterschiedlicher nicht sein könnten, entsteht aus dem ungleichen Paar in der Wüste eine Art Zweckgemeinschaft und die Zeit mit dem namenlosen Untoten nutzt die Stripperin auch dazu, ihr bisheriges und verpfuschtes Leben nochmals Revue passieren zu lassen.

Eigentlich würde ich „It stains the sands red” ja eigentlich gut finden wollen und der Streifen schafft es tatsächlich dem hoffnungslos ausgelutschten Zombie-Genre noch neue Facetten abzugewinnen. Leider durchkreuzen eher schwache Drehbuchideen die guten Intentionen, in dem es gegen Ende dann doch noch recht konventionell wird und der Streifen nach einem durchaus spannenden Mittelteil dann erst wieder lediglich ausgetretenen Pfaden folgt. Auch optisch und darstellerisch wäre der Streifen ganz solide und vor allem die Locations in der Mojave-Wüste sind natürlich ein Leckerbissen für die Augen. Sehr gelungen fand ich auch die Tatsache, dass hier zwischen der Frau und ihrem Zombie-Verfolger eine Art sonderbare Beziehung entsteht, doch dieser Part schafft es leider nichts ins Finale und auch zwischen drin wirken die Ereignisse teilweise so konstruiert, als müsste man unbedingt Raum für Zombie-Angriffe finden müssen um das Genre-Publikum und die "The Walking Dead"-Fraktion bei Laune zu halten. Insgesamt pendelt sich „It stains the sands red“ dann auch leider nur im Mittelfeld ein und lässt den erfahrenen Zombie-Fan mit etwas Anspruch auf Genre-Originalität doch unbefriedigt zurück. Mit etwas mehr Mut und viel weniger Klischee wäre hier sicher mehr möglich gewesen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Okt 2019, 20:05

Malastrana

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Während meines Prag-Urlaubs habe ich mich schon die ganze Zeit auf Aldo Lados Streifen gefreut und jetzt nach Sichtung tut es mir wieder leid, dass ich den Mini-Drehortvergleich aus 2011 nicht nochmal ausführlicher gemacht habe. Der Geschichte des Streifens fängt ja irgendwie hübsch den entrückten Charme von Prag ein, auch wenn die Stadt mittlerweile doch arg stark überlaufen erscheint. Wie auch der Reporter Gregory Moore verliert man sich hier aber gerne in einem Gewirr aus Straßen und Plätzen und manchmal fühlt man sich um Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückversetzt. Doch „Malastrana“ ist mehr als nur eine filmische Huldigung an die Stadt der Brücken, sondern zugleich auch ein eigentlich sehr gemeines Stück Thriller, der mir mit seinem Ende auch jedes Mal aufs Neue den Boden unter den Füßen wegreißt. Dabei bleibt der Inhalt bewusst vage, vielseitig interpretierbar und unverkennbar auch eine Kritik der politischen Verhältnisse der damaligen Tschechoslowakei. Dennoch funktioniert der Film mit seiner Mischung aus Krimi, Mystery und dem Spiel menschlicher Urängste wohl auch ohne politische Komponente und bleibt einer der originellsten und ungewöhnlichsten Streifen, die das Giallo-Gerne zu bieten hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Okt 2019, 20:19

Lajka

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Mischlingshündin Lajka lebt mit ihren drei Jungen in den Straßen einer verschneiten, russischen Stadt, als sie eines Tages von zwei Männern gefangen und in ein Labor gebracht wird. Dort wird die Hündin zahlreichen Tests unterzogen und landet später in einer Rakete, die Lajka im Wettlauf um die Vorherrschaft im All in dem Weltraum befördert. Zusammen mit zahlreichen Tieren aus anderen Raketen landet Lajka jedoch in einem schwarzen Loch und in weiterer Folge auf einem lebenswerten Planeten, wo die unterschiedlichen Tiere mit außerirdischen Wesen auch eine Zeit lang friedvoll zusammenleben. Als jedoch mit Juri ein Astronaut ebenfalls auf dem Planeten landet ist es mit dem Frieden vorbei und wie üblich beginnt der Mensch die Alleinherrschaft für sich zu beanspruchen…

Was für ein hochgradig seltsamer Streifen, der hier mit einem putzigen Cover unter die Leute gebracht wird: erwartet habe ich mir einen tschechischen Animationsfilm mit herzlicher Geschichte über den ersten Hund im Weltraum – bekommen habe ich einen bizarren Film über friedvolle Tiere und böse Menschen im All, der eigentlich so überhaupt nicht kindgerecht daherkommt und auch erst für Leutchen ab 12 empfohlen wird. Die Geschichte ist ja eigentlich das Gegenteil von herzlich und zwischendrin gibt es auch immer wieder gesellschaftliche Kritik und sonstige Dinge, die man sich in so einem derartigen Film eigentlich nicht erwarten würde. Außerdem wird noch brav gesungen, wobei auch die Songs mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Gesang und Instrumentierung eher nach tschechischer Trinkhalle als Musical-Bühne klingen. Mit seiner Stop-Motion-Technik ist „Lajka“ aber natürlich schon sehr schön gemacht und erinnert im Stil stark an Wes Anderson. Jedoch setzt sich der Streifen von Aurel Klimt mit seinen Themen doch arg zwischen die Stühle und etwas mehr Herzlichkeit in der bizarren Welt der tierischen Astronauten und Außerirdischen hätte sicherlich nicht geschadet – so bleibt ein origineller, sperriger aber auch unvergesslicher Streifen, den ich selbst am Tag danach noch nicht so richtig einordnen kann.

The Call of Cthulhu

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Ein junger Mann bekommt am Sterbebett seines Großonkels neben Unterlagen zu seinem Nachlass auch einen Schlüssel zu einem Tresor, der seltsame Unterlagen beinhaltet. Diese befassen sich mit einem seltsamen Kult und bringen eine Kreatur namens Cthulhu in die Nähe von menschlichen Katastrophen auf dem gesamten Erdball. Obwohl nahezu alle Menschen, die sich jemals mit diesem Kult befasst haben, entweder verschwunden oder wahnsinnig geworden sind, ist die Abenteuerlust und Neugier des jungen Mannes geweckt und so beginnt auch er mit Nachforschungen, die ihn schon bald an den Rand des Wahnsinn bringen…

Mit „The Call of Cthulhu“ bekommt der Zuschauer eine H. P. Lovecraft-Adaption vor die Linse, die nicht nur von sehr ambitionierten, sondern auch sehr kreativen Menschen gemacht wurde. Die als unverfilmbar geltende Geschichte wird hier zweifelsfrei auf höchst atmosphärische und charmante Weise dargebracht und aus der Budget-Not kurzerhand eine Tugend gemacht. Der ganze Streifen präsentiert sich als Stummfilm aus den Anfängen der bewegten Bilder mit entsprechender Musikbegleitung und Texttafeln und auch bei den FX greift man auf durchschaubare Tricksereien zurück, die mit liebevoll und exzentrisch noch am besten beschrieben sind. Alles wunderbar gemacht, gespielt und entrückt und traumartig in Szene gesetzt, sodass man aus dem Staunen eigentlich gar nicht mehr rauskommt. Neben Lovecraft-Fans sollten daher auch alle einen Blick riskieren, die sich für außergewöhnliche Werke der Filmgeschichte interessieren, die sich in Form und Farbe doch sehr deutlich von neuzeitlichen Werken unterscheiden. „The Call of Cthulhu“ mag mit knapp 47 Minuten etwas kurz ausgefallen sein, aber diese Dreiviertelstunde ist eigentlich pures Vergnügen für alle Fans des Lovecraft-Universums und die, die es noch werden wollen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Okt 2019, 19:58

Rok dábla / Das Jahr des Teufels

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Während den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm in einer tschechischen Entzugsklinik trifft der niederländische Filmemacher Jan Prent unter den Patienten auf den schrulligen Karel und dessen Freund Jaromir Nohavica, der sich als bekannter Poet und Musiker entpuppt und von seinen Fans fast kultisch verehrt wird. Kurzerhand wir Jaromir zum neuen Thema seiner Doku erklärt, der wenig später mit der Folk-Band Čechomor auf Tour geht. Doch auch hier sind die Mitglieder alles andere als pflegeleicht und vor allem der Sänger Karel bekommt die Nähe zu dem charismatischen Jaromir gar nicht gut und es entstehen Spannungen, die jeder für sich auf eigene Weise zu verarbeiten hat.

„Rok dábla“ ist nicht nur eine fiktive Doku über reale Musiker bzw. ein tschechischer Kultfilm, sondern auch ein sehr seltsamer Film im Spannungskreis von Mockumentary, Tour-Film, Road-Movie und musikalischer Helden-Verehrung eßender Demontage mit viel seltsamen Humor, der den Nerv der tschechischen Landsleute getroffen hat. Die Figuren sind ja real, die Geschichte um sie herum inklusive dem vermeintlichen Dokumentarfilmer jedoch offensichtlich erdacht und mit einem gewöhnungsbedürftigen Humor versehen, dessen Verständnis wohl zum Teil auch Kenntnis der tschechischen Geschichte und Gesellschaft bedarf. Für Außenstehende wirkt „Das Jahr des Teufels“ erst einmal ziemlich schräg und präsentiert seltsame Figuren, die sich noch seltsamer verhalten. Dazwischen schaut auch immer wieder Jaz Coleman von „Killing Joke“ vorbei und es gibt tschechische Musik mit Texten, die bei den Menschen auch sehr starke Emotionen auslösen. Die episodenhafte Geschichte über eine Tour verbindet die zahlreichen Episoden aus dem Leben der Musiker mit vielen Cameos und sind manchmal lustig, tragisch, melancholisch, befremdlich oder einfach nur auf sonderbare Weise unterhaltsam. Einen richtigen Spannungsbogen gibt es eigentlich nicht und mit Werken wie „Spinal Tap“ braucht man „Rok dábla“ auch erst gar nicht zu vergleichen. Wer aber wohl einen interessanten Einblick in die tschechische Volksseele inklusive Liedgut haben möchte und nichts gegen groteske Momente und sonstige Übertreibungen hat, ist hier sicherlich gut bedient.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Okt 2019, 19:27

Die Ahnungslosen

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Nachdem ihr Mann bei einem Autounfall getötet wurde, entdeckt Antonia in den Sachen ihres Mannes ein Bild mit einer mysteriösen Widmung einer Person und den Dank für sieben gemeinsame Jahre. Doch die Widmung stammt nicht von einer Nebenbuhlerin, sondern von Michele, mit dem ihr Mann sie offensichtlich betrogen hat. Für Antonia bricht zuerst eine Welt zusammen und dennoch nähert sie sich wenig später an Michele und dessen schrille Wohngemeinschaft aus Schwulen, Transsexuellen und Flüchtlingen an, die ebenfalls mit vielen Problemen zu kämpfen haben und die Begegnung führt dazu, dass auch Antonia ihre Trauer überwinden und ihr Leben neu ordnen kann.

m Jahr 1999 hat Pedro Almodóvar „Alles über meine Mutter“ gedreht - mein absoluter Lieblingsfilm - der nicht nur den Auslands-Oscar abgeräumt hat, sondern wohl auch bei Ferzan Ozpetek ziemlich Eindruck hinterlassen hat. Der hat mit „Die Ahnungslosen“ kurze Zeit drauf einen Film gedreht, der in hunderten Dingen Parallelen aufweist und eigentlich fast wie ein dreistes Remake daherkommt. Von den Figuren, über die Settings, den inhaltlichen Themen wie Verlust, Trauer, Solidarität bis HIV und sogar der Score wirkt alles von Almodóvar inspiriert, nur dass es im Falle von „Die Ahnungslosen“ immer etwas weniger schrill, weniger herzlich und weniger kompakt daherkommt. Die Figuren bleiben blass, die Geschichte über große und kleine Lügen etwas seltsam und auch der vermittelte Toleranz-Gedanke wirkt hier meines Erachtens etwas zu aufgesetzt. Zwar lässt sich der Film immer noch gut schauen und bietet auch Erica Blanc in einer Nebenrolle, aber so richtige Freude wollte sich bei der Sichtung nicht einstellen und im Vergleich zu „Alles über meine Mutter“ wirkt „Die Ahnunglosen“ bemüht, bieder und schon fast wie ein schlecht gealtertes Zeitdokument des gesellschaftlichen Umbruchs Anfang der Nullerjahre.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Okt 2019, 20:56

Hausu

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jogiwan hat geschrieben:Frage an den Genrefan: Welcher Film beginnt als zuckersüßes Teenie-Drama vor gemalten Kulissen, entwickelt dann eine gruselige Haunted-House-Thematik und endet dann als surrealen Alptraum und ist dabei die ganze Zeit gleichzeitig quietschbunt, grell-psychedelisch, brutal-blutig und comichaft-überdreht, dass man ihn keine Sekunde lang Ernst nehmen kann? Keine Ahnung? Doch! Dieses cineastische Kinderüberraschungsei von Nobuhiko Obayashi aus dem Jahre 1977 lautet auf den Namen “Hausu” und topt wohl alles, was ihr bisher gesehen mit Leichtigkeit. Vergesst wirklich alles, was ihr bisher über weirdes Asia-Kino gesehen, gelesen oder gehört habt und holt euch diese Achterbahnfahrt. Der Film ist definitiv ein kultiges und einzigartiges Filmvergnügen, dass sich selbst und den Zuseher keine Sekunde lang Ernst nimmt. Mir fiele jetzt auch spontan kein ähnliches oder gar vergleichbares Werk ein. Ein absurder Trip auf Zelluloid, der absolut keine Rücksicht auf irgendwelche Konventionen, Richtlinien, geschweige denn irgendwelche Sehgewohnheiten nimmt. “Hausu” überfordert den Zuseher mit all seinen Einfällen und optischen Raffinessen und lässt ihn doch begeistert zurück. Ein bisserl irre sollte man schon sein… aber sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? :thup:


Nohubiko Obayashis „Hausu“ ist wirklich ein ziemlicher Trip und auch erneute Sichtung auf Blaustrahl bestätigt mühelos meine obigen Worte zu diesem ungewöhnlichen Streifen, der wie ein bonbonfarbener (Alb-)Traum daherkommt. Der mit allerlei optischen Einfällen überladene Streifen ist ein Genuss für aufgeschlossene Zuschauer, die sich hier an einem Füllhorn von Ideen erfreuen können, die mit einer Geschichte über eine Gruppen Jugendlicher in einem mysteriösen Haus zusammengehalten werden. Vom Kochbären in der Nudelküche über menschenverschlingendes Bettzeug bis hin zum Pony beim Schuster kommt man aus dem Staunen nicht heraus und da spielt es auch keine Rolle, dass so etwas wie ein Spannungsbogen gar nicht vorhanden ist und sich die Geschichte auch niemals ernst nimmt. Ein wahrhaft wunderbarer Film, der mit wohl nichts zu vergleichen ist.

Alien Predator

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Auf ihrer Reise quer durch Europa landen die Freunde Damon und Michael sowie ihre weibliche Begleitung Samantha in einer beschaulichen Kleinstadt Duarte in Spanien, in dessen Nähe fünf Jahre zuvor eine Raumsonde bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre zerschellt ist. Als sich die wenigen Bewohner aggressiv gegenüber den amerikanischen Touristen verhalten, glauben die drei noch an die üblichen Vorurteile, doch schon wenig später erfahren die Urlauber von dem Nasa-Experten Tracer, dass ein außerirdischer Parasit für das seltsame Verhalten verantwortlich ist und dafür sorgt, dass die Einwohner aggressiv werden und wenig später mutieren. Da sich jedoch auch die Amerikaner bei dem Kontakt mit einem toten Tier bereits infiziert haben, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

„Alien Predator“ ist ja ein kleiner Sci-Fi-Film mit spanischen Handlungsort, der sich etwas stark an „Das Ding aus einer anderen Welt“ orientiert ohne annähernd dessen Klasse zu erreichen. Abseits der gelungenen und ekligen Effekte ist „The Falling“ ja leider arg durchschnittlich und langweilt den Zuschauer mit erwartbaren Ereignissen, uninteressanten Figuren und einer entbehrlichen Liebesgeschichte, die auch noch auf halblustige Weise erzählt wird. Die ziemlich unlogisch erscheinende Geschichte ist ja der übliche Genre-Standard und alles was von Regisseur und Drehbuchautor Deran Sarafian zusätzlich hinzugefügt wird, ist entweder entbehrlich oder nicht gerade funktional. Der ganze Streifen zieht sich von Beginn an wie Alien-Mutationsgewebe und irgendwie hätte man das alles besser machen und erzählen können, wenn man etwas ernsthafter zur Sache gegangen wäre und das Potential genutzt hätte, dass Geschichte, Figuren und Handlungsort eigentlich hätten hergeben können. So bleibt ein eher uninteressanter Streifen aus der Alien-Mutationskiste, der abseits von ekligen Blubber-Effekten und dem netten Monster-Design dem Zuschauer nicht wirklich etwas Nennenswertes oder Erinnerungswürdiges zu bieten hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Okt 2019, 20:18

Bulgarian Lovers

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Daniel vertreibt sich die Zeit mit Drogen und Alkohol im angesagten Schwulenviertel in Madrid, als er eines Tages auf Kyril trifft. Der ist mit seiner stürmischen Männlichkeit so etwas wie das Idealbild seines sexuellen Verlangens und außerdem aufgrund seines stürmischen Temperaments und bulgarischen Herkunft auch noch auf undurchschaubare Weise interessant. Die beiden kommen zusammen und bald wohnt Kyril auch in Daniels Wohnung und bittet ihn um Gefallen, die den eigentlich seriösen Geschäftsmann in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Doch dieser toleriert alles für diese doch etwas einseitige Beziehung und lässt sich auch nicht davon entmutigen, als Kyril seine Verlobte mit in die Wohnung bringt und bald auch die Polizei in seinem Büro steht…

Der spanische Regisseur Eloy de la Iglesia hat in den Siebzigern ja Filme wie „Cannibal Man“ oder auch „Dead Angel – Einbahnstraße in den Tod“ gedreht und viele seiner hierzulande unveröffentlichten Filme aus den Siebzigern und Achtzigern stehen ja noch immer auf meiner Wunschliste. Umso verwunderte war ich, als ich bei „Bulgarian Lovers“ auf seinen Namen gestoßen bin, den ich für ein paar Cent in einem Bündel Filme aus der Queer-Kiste gekauft hab. Der 2003 entstandene Streifen ist das letzte Werk des 2006 verstorbenen de la Iglesia und erzählt die Geschichte einer ungesunden Liebe eines spanischen Geschäftsmannes zu einem bulgarischen Stricher. Dabei kann sich der Streifen aber nie so richtig entscheiden, ob er jetzt eher witzig, dramatisch, spannend oder semi-dokumentarisch einen schwulen Lifestyle beschreiben möchte und setzt sich so auch prompt zwischen alle Pole. Die Geschichte ist zwar nicht sonderlich glaubwürdig, aber immerhin unterhaltsam und wird auch auf hübsche und stets turbulente Weise präsentiert. Der Geschäftsmann Daniel lässt sich ja auch von sämtlichen Alarmsignalen und guten Ratschlägen nicht davon abhalten, sich in Kyril zu verlieben und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man sich nicht immer vernünftig verhalten muss, solange der Unterhaltungswert stimmt und niemand groß zu Schaden kommt. Wer das Drama liebt, soll es bekommen und so eine Drama-Queen hat wohl jeder Schwule in seinem Bekanntenkreis und schlechte Erfahrungen gehören im Leben ja auch dazu. Also alles im grünen Bereich und auch wenn man „Bulgarian Lovers“ inhaltlich mit seinen zelebrierten Klischees und Vorurteilen durchaus doof finden kann, so ist er zumindest unterhaltsam und irgendwie spaßig.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Okt 2019, 19:35

Der Golem - Wie er in die Welt kam

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Rabbi Löw sieht in den Sternen schweres Unheil für das jüdische Volk im Prager Ghettos und tatsächlich steht wenig später ein Gesandter des Königs mit schlechten Nachrichten vor dem Tor des Viertels. Daher beschließt der Rabbi zum Schutz seines Volkes den Golem zum Leben zu erwecken und trotzt den dunklen Mächten auch das Geheimnis für die Wiederbelebung der Kreatur aus Lehm ab. Der Golem ist zwar groß und stark, aber von sehr simpler Intelligenz und statt die jüdischen Feinde in Angst und Schrecken zu versetzen, wird er von Rabbi Löw als Hausdiener verwendet. Doch wenig später kommt Golems Stunde, als er den König und sein Gefolge bei einem Fest vor einer drohenden Katastrophe rettet. Der König verspricht Rabbi Löw und sein Volk zu schützen, doch als dieser daraufhin den Golem wieder ins Reich der Toten zurückschicken möchte, gibt es unerwarteten Widerstand…

Stummfilme sind ja normalerweise nicht unbedingt mein bevorzugtes Interessensgebiet, aber da der Golem nun mal in Prag sehr präsent ist, ich im selben Gebäude war auf dessen Dachboden sich die Überreste befinden sollen und das Büchlein über Sagen aus dem jüdischen Ghetto im Zug flugs gelesen war, hat mich natürlich auch die erste filmische Umsetzung des Stoffes interessiert. Die Geschichte von Golem unter der Regie und Paul Wegener und Carl Boese weicht zwar inhaltlich sehr von meinem Sagenbuch ab, aber das ist bei überlieferten Geschichten wohl ohnehin üblich. Die Umsetzung hingegen ist sehr gelungen, auch wenn man den 1920 gedrehten Streifen natürlich nicht nach herkömmlichen Punkten bewerten kann. Überraschenderweise bietet „Der Golem – Wie er in die Welt kam“ aber überraschenderweise auch ein paar nette Tricks und vor allem die Szenen mit den dunklen Mächten sind schon sehr gelungen. Dazu ein paar zauselige Darsteller, eine Liebesgeschichte und ein Ende, dass nicht von ungefähr stark an Frankenstein erinnert. Also alles richtig gemacht und auch die neue Blu-Ray die eine aus mehreren Quellen rekonstruierte Fassung bietet, ist ebenfalls sehr hübsch anzusehen und anzuhören.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Okt 2019, 19:49

Das Kovak Labyrinth

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Anlässlich seines neuen Romans wird David Norton zu einem Kongress nach Mallorca eingeladen, wo der Sci-Fi-Autor seiner Freundin spontan einen Heiratsantrag macht. Doch am Abend erhält Jane im Hotel einen Anruf und springt für alle Beteiligten völlig überraschend aus dem Fenster. Zur gleichen Zeit unternimmt auch die junge und lebensfrohe Silvia einen ähnlichen Selbstmordversuch, den sie nur durch eine Markise überlebt und sich im Anschluss nicht erklären kann. Als das Schicksal David und Silvia zusammenführt, entdecken sie weitere Parallelen und unerklärliche Selbstmorde und kommen auch so einer Verschwörung auf die Spur, deren Schlüssel in Davids Schaffen zu suchen ist.

Eine Zeitlang habe ich ja mit Begeisterung fast alle spanische Genre-Filme der Neunziger und Nullerjahre geguckt, wobei mir „The Kovak Labyrinth“ aus unerfindlichen Gründen nicht vor die Linse gekommen ist. Das wurde jetzt zum Glück nachgeholt (danke Reini!) und der Streifen entpuppt sich auch als sehr gelungener Mystery-Thriller, der bis zum Ende unberechenbar bleibt. Zwar könnte man die sicherlich arg konstruierte Geschichte mit Sci-Fi-Bezügen und Verschwörungsthematik sicherlich etwas bemängeln, aber ich fand die wirklich sehr packend erzählt. Zu viel möchte ich an dieser Stelle auch nicht verraten, aber was recht harmlos beginnt, ufert gegen Ende ja dann doch ziemlich aus, ohne das Regisseur Daniel Monzón die Fäden aus den Händen gibt oder man als Zuschauer den Überblick verliert. Dazu kommen noch die wunderbaren Schauplätze auf Mallorca, jenseits vom Ballermann, die mit ihrer unterschiedlichen Optik auch recht gut zum Charakter der Geschichte und seiner ambivalenten Figuren passt. Warum die Resonanz auf den Streifen teils eher verhalten erscheinen, kann ich mir jedenfalls nach Sichtung nicht ganz erklären und ich fand den düsteren Thriller mit seiner unheimlichen Atmosphäre auf der sonnigen Ferieninsel nicht nur sehr spannend, sondern auch überraschend originell. Vom hässlichen und lieblos erstellten Cover der deutschen DVD sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Okt 2019, 20:11

The Sender

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In der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses wird eines Tages ein junger Mann eingeliefert, der kurz zuvor einen Selbstmordversuch unternommen hat und sich an nichts mehr erinnern kann. Als sich die ambitionierte Ärztin Gail des Falles annimmt, entdeckt diese, dass der junge Mann die Fähigkeit hat, mittels einer Form von Telepathie mit anderen Menschen kommunizieren kann. Allerdings geschieht das nur unkontrolliert und während er schläft oder nicht bei Bewusstsein ist und da die Träume des Mannes nicht gerade die schönsten sind, erlebt sein Umfeld in der Klinik inklusive Gail schreckliche Visionen. Während Gails Kollegen den Mann mit Elektroschocks ruhigstellen wollen, gibt die junge Ärztin aber nicht auf und versucht weiter hinter die tragische Vergangenheit ihres Patienten zu kommen und den Rätseln seiner Albträume zu kommen, der sich partout nicht an seine Vergangenheit erinnern möchte.

Bei Albträumen in der Realität, schreckliche Visionen und Achtziger denkt man wohl automatisch an „Nightmare on Elm Street“ und auch „The Sender“ hat mich inklusive Musikuntermalung doch stark an Wes Cravens Film erinnert. Allerdings ist „The Sender“ bereits zwei Jahre vor dem ersten „Nightmare“-Teil und dem ersten Auftritt von Freddy Krüger entstanden, was mich doch sehr verwundert hat und dennoch nimmt der britische Streifen schon vieles vorweg, was später da noch so alles kommen sollte. Während die zahlreichen Visionen aber sehr gut und effektreich in Szene gesetzt sind, wird der Rest der Geschichte eher etwas dröge erzählt und der Streifen kommt mit seiner Mischung aus Horror, Kriminalgeschichte, Sci-Fi und Familiendrama auch nie so richtig in Fahrt. Hätte sich Roger Christian mehr bei David Cronenberg orientiert, so hätte aus „The Sender“ auch ein richtig düsterer Streifen werden können, so ist es aber nur eine etwas halbgare Angelegenheit geworden, bei der auch die sympathischen Darsteller und ein paar toll getrickste Momente nicht darüber hinwegtäuschen können, dass man sich hier auf die eher uninteressanten Elemente der Geschichte konzentriert und letzten Ende auch nicht konsequent pessimistisch zu Werke gehen wollte. Mittelprächtig!
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