Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Apr 2019, 19:30

The Incident

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In der Nacht von Sonntag auf Montag besteigen zwei auf Krawall gebürstete Kleinkriminelle in Brooklyn einen U-Bahn-Waggon, in dem bereits einige Leute sitzen, die ebenfalls ihre Probleme mit sich herumschleppen und eigentlich nur so rasch wie möglich nach Manhattan möchten. Doch schon bald heizt sich die Situation im Waggon auf und zuerst ist es ein betrunkener Obdachloser, der von den beiden Rowdys drangsaliert wird, dann ein Schwuler und in weiterer Folge auch die restlichen Fahrgäste. Obwohl diese gegenüber den Rabauken eigentlich in der Überzahl sind, traut sich kaum jemand in die Situation einzugreifen bzw. in die Schranken zu weisen und als das Geschehen im Innern des Waggons immer weiter eskaliert, wird klar, dass die Rolle des großen Helden in dieser Nacht wohl für niemanden reserviert ist.

Ein hochgradig unangenehmer Streifen, den Larry Peerce hier mit „The Incident“ geschaffen hat und der in seinem vielschichtigen Verlauf Themen wie Zivilcourage und gesellschaftliche Bequemlichkeit aufgreift, ohne dabei mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. Hier sind es ganz gewöhnliche Menschen mit ihren eigenen Problemen, die hier auf einmal in eine Ausnahmesituation kommen, die mit kollektivem Handeln wohl rasch erledigt gewesen wäre. Doch niemand der Fahrgäste ergreift Initiative bzw. toleriert das Handeln der Krawallbrüder, solange man nicht selbst davon betroffen ist wahlweise in einer Mischung aus Sicherheitsbedenken, Unterlegenheit, gekränktem Stolz und Feigheit. Doch Peerce konfrontiert auch den Zuschauer mit seiner Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Befindlichkeiten in Punkto Toleranz und Notwehr noch mit weiteren Fragen und scheut dabei auch vor bitterbösen Antworten nicht zurück. Spannend auch, dass der Streifen dabei eben nicht in die Exploitation-Ecke geht, sondern auf fast nüchterne Art und Weise die Eskalationsschraube immer weiter andreht, in dessen Verlauf auch fast alle ihr Fett abbekommen und in die Ausnahmesituation involviert flugs auch noch andere Konflikte hervorbrechen. Das Ende mag dann zusätzlich zynisch anmuten, aber ist aber wohl auch nicht so weit von heutigen Realitäten entfernt. Keine Ahnung, warum ich den Streifen bisher so überhaupt nicht am Radar hatte. Und ja, natürlich nochmals danke für den Tipp! Was für ein hochgradig unangenehmer Streifen…
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Apr 2019, 19:22

Primal Rage

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Nach einem einjährigen Gefängnisaufenthalt wird Max nach seiner Entlassung von seiner Frau Ashley abgeholt. Doch das Wiedersehen verläuft frostig und es scheint, als hätte sich das junge Paar mit einem gemeinsamen Kind auseinandergelebt. Wenig später läuft ihnen ein schwer verletzter Mann ins Auto und Max wird von einem Unbekannten mit einem Stein getroffen und fällt bewusstlon den Abhang hinunter in einen reißenden Fluss. Als Ashley ihm nachspringt, verlieren sich die beiden immer weiter in den dichten Wäldern und es wird langsam klar, dass sich neben einer Horde prolliger Jäger noch etwas anderes in der Gegend herumschleicht und nach Opfern sucht.

Eigentlich recht passabler Horrorstreifen über den Bigfoot-Mythos und weiteren Indianer-Legenden, die hier Effektmeister Patrick Magee in seinem Regie-Debüt geschaffen wurde. Üblicherweise sieht man in solchen Filmen das Monster ja eher nur kurz und wenn, stammt dieses zumeist noch aus dem Rechner. Hier scheint aber alles handgemacht und das Monster bekommt auch genügend Screentime um sich so richtig austoben. Die FSK hatte wohl ebenfalls einen guten Tag und so gibt es bei dieser Mischung aus Monsterfilm und Backwood-Survival auf der technischen Seite auch nicht viel zu meckern. Inhaltlich ist „Primal Rage“ aber doch etwas konventionell geraten und bietet das übliche Figurenkarussel mit einer Prise Indianer-Ehtno-Mystik, die hier aber nur am Rande angerissen wird. Der Film bietet zwar durchaus interessante Figuren, die er aber dann zugunsten anderer Momente vernachlässigt werden. Mit den auseinandergelebten Pärchen, den Hinterwäldler-Jägern und dem Sherriff, der zwischen Tradition und Job hin- und hergerissen ist, gibt es drei dramaturgische Elemente, die von Magee nicht gleichwertig abgehandelt werden. Der Fokus liegt hier eindeutig auf Horror und der Rest hat sich dementsprechend unterzuordnen. Wen man die kleineren Holprigkeiten bei der Story und Figurenzeichnung akzeptieren kann, ist „Primal Rage“ aber ein sehr solider Beitrag, der überraschend hart um die Ecke biegt und den man Fans von derartigen Werken durchaus ans Herz legen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Apr 2019, 19:53

Don't Count on Us

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Eines Tages streift der junge Flauto mit seinem Auto fast die junge Maria, die torkelnd am Straßenrand spaziert. Als der besorgte Flauto die junge Frau daraufhin mit zu sich nach Hause nimmt, entsteht eine Beziehung, die jedoch rasch durch die Drogensucht von Maria und ihrem kriminellen Umfeld beeinträchtigt wird. In einer Mischung aus Neugier und Gleichgültigkeit landet Flauto ebenfalls in diesen dubiosen Kreisen und lernt Robby, den musikalisch begabten Freund Marias kennen. Gemeinsam gibt man sich mit anderen dem Stoff hin und versucht das langweilige und perspektivenlose Leben der trostlosen Vorstadt hinter sich zu lassen, ehe die Träume und Hoffnungen der jungen Leute immer mehr durch die Sucht und Suche nach Heroin beeinträchtigt und schließlich zerstört werden.

Sergio Nutis autobiografisch gefärbtes Drogen-Drama „Non contate su di noi“ aus dem Jahre 1978 ist ein Streifen, der bis vor kurzen wohl niemand in Fokus hatte und nun von unserem Wiener Alex und seinem Label Cineploit in einer weltweiten Erstveröffentlichung unter die Leute gebracht wird. Der Streifen lief ja nur auf ein paar Festivals und hatte einen sehr limitierten Kinostart, ehe das Werk völlig in der Versenkung verschwand. Die Welt war damals wohl noch nicht bereit für das Thema Drogensucht und dem ungeschönte Einblick in die Welt der Süchtigen und ihrer Flucht vor der tristen Realität und der stetigen Suche nach dem nächsten Schuss. Regisseur Sergio Nuti, der auch die Hauptrolle übernahm inszeniert den Streifen aber als neutraler Beobachter diverser Ereignisse, ohne moralischen Zeigefinger und präsentiert dabei auch auf authentisch anmutende Weise die damalige Drogenszene der römischen Vorstädte. Flauto gerät durch die Liebe zur jungen Maria in die diese Kreise und diese ist zuerst eine willkommene Abwechslung im tristen und perspektivenlosen Alltag, eher das Heroin kollektiv das Talent, die Träume und schließlich die Zukunft der jungen Leute zerstört. Dabei ist der kostengünstig inszenierte „Don’t count on us“ mit der melancholischen Musik von Maurizio Rota kein Werk aus der Exploitation-Kiste, sondern eher eine nüchterne Sozialstudio, die auf reißerische Elemente verzichtet und unaufgeregt vom sozialen und menschlichen Abstieg berichtet. Diese lässt dem Zuschauer zwar kaum eine Aussicht auf Hoffnung für seine Protagonisten, ist aber dennoch weit von einem destruktiven Drogendrama entfernt. Ein durchaus ungewöhnlicher Streifen und schon ein kleiner Schatz, der da gehoben wurde und in dieser wunderbaren Darreichungsform nun hoffentlich die Aufmerksamkeit erfährt, der im seinerzeit aus unerfindlichen Gründen verweigert wurde.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Apr 2019, 19:58

Rhea M... es begann ohne Warnung

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Eigentlich kaum vorstellbar, dass „Rhea M. …es begann ohne Warnung“ im Jahr 1986 anscheinend als ernsthafter und vor allem gruseliger Horrorfilm verkauft wurde. Das Bedrohungsszenario ist ja mit haarsträubend noch untertrieben und irgendwie hat man ständig das Gefühl, dass jeden Moment jemand den Film unterbricht und „Reingelegt!“ schreit. Tut es aber nicht und so geht es hier tatsächlich um eine Handvoll Leute, die an einer Autobahntankstelle von selbstständig fahrenden und kollektiv handelnden Trucks in Schach gehalten werden. Die Darsteller machen gute Miene zu nicht ganz so bösen Spiel und immerhin kracht und scheppert es auch an allen Ecken und damit ist nicht einmal die Musik von AC/DC gemeint. Dazu noch die üblichen Figuren von der Tanke, ein Keller voller Kawumm, eine zart aufkeimende Liebesgeschichte und einen Jungen auf einem BMX-Rad. Als simple Erklärung gibt es lediglich den titelgebenden Meteoriten und einen grünen Himmel. Warum eigentlich nicht? Da gibt es eindeutig Schlimmeres und ich muss ehrlich gestehen, dass ich Spaß an dem Streifen hatte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Apr 2019, 19:53

Mannequin

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„Mannequin“ hatte ich ja auch noch positiv in Erinnerung und die Auffrischung hat die durchaus gute Meinung über die turbulente Komödie aus den Achtzigern neuerlich bestätigt. Die Geschichte über den sympathischen Träumer, dessen Schaufensterpuppen-Kreation eines nachts auf wundersame Weise zum Leben erwacht um gemeinsam ein heruntergekommenes Kaufhaus wieder auf Vordermann zu bringen, ist ja eine sehr positive Sache und was der Hauptgeschichte an Pep fehlt, werten die Nebenfiguren humorvoll auf. Hervorzuheben ist neben dem Hund Rambo da ja zweifelsfrei auch Hollywood, die schwuchteltuckigste Dekorateuse aller Zeiten, die im Original überraschenderweise weit weniger schrill daherkommt, als in der deutschen Synchronfassung, die es hier fast schon etwas zu gut mit dem Zuschauer meint. Die Geschichte selbst ist flott erzählt und besitzt jede Menge lustiger Ideen und Lacher, die auch vergessen lassen, dass die märchenhafte Liebesgeschichte dahinter ja kaum Ecken und Kanten besitzt. Dazwischen gibt es wieder den bewährten Achtzigerjahre-Materialismus und die die obligatorische Botschaft, dass man alles erreichen kann, wenn man nur fest daran glaubt. Am Ende singen dann Starship auch noch ihren Hit „Nothing‘s gonna stop us now” und alles ist gut. Im positivsten Sinne nett!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Apr 2019, 20:13

Das Erwachen der Sphinx

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Im Jahr 1952 befindet sich der Archäologe Corbeck mit seiner schwangerer Frau Anne und seiner Assistentin Jane in Ägypten und findet durch Zufall das Grab eine ominösen Pharaonentochter Kara, deren Name aus unerfindlichen Gründen aus der Geschichte getilgt wurde. Diese war eine schreckliche Herrscherin und versprach bei ihrem frühen Tod nach 31 Sonnenfisternissen die Rückkehr und Rache aus dem Reich der Toten. Als Corbeck das Grab öffnet erleidet seine Frau eine Frühgeburt und bekommt eine Tochter, während sie in eine Art apathischen Zustand verfällt. Achtzehn Jahre später ist Corbecks Tochter zu einer jungen Frau herangereift, er selbst mit seiner ehemaligen Assistentin verheiratet und erfolgreicher Professor in England, als er feststellen muss, dass zumindest astrologisch die Zeit für Karas Rückkehr gekommen ist. Als weitere und unerklärliche Dinge im Umfeld der Ausgrabungsrelikte geschieht, keimt in Corbeck der Verdacht, dass doch nicht alle Geschichte um die Rückkehr der grausamen Herrscherin bloße Legende sein könnten…

Die seinerzeitige Präsentation in der „Bravo“ hat ja seinerzeit mit all den blutigen Details doch etwas Eindruck hinterlassen und dennoch hat es mehrere Jahrzehnte gedauert, bis ich den Film endlich vor die Linse bekommen habe. „Das Erwachen der Sphinx“ ist ja sehr frei nach Bram Stroker und im Fahrwasser von Filmen wie „Das Omen“ oder sonstigen Weltuntergangs- und Bedrohungsszenarien entwickelt. Hier ist es eine grausame Pharaonentochter, die im Umfeld eines besonnenen Archäologen mit grausamen Vorzeichen ihre Rückkehr auf die Welt plant und dabei auch vor allerlei als böse Unfälle getarnte Morde nicht zurückschreckt. Die Handlung erstreckt sich über die halbe Welt und hübsch sind hier auch die Drehorte in Kairo und die archäologischen Settings inklusive unberührter Grabkammer, die sehr authentisch erscheinen. Die Geschichte selbst ist da eher nicht so spannend und einerseits erscheint der Prolog viel zu lange und dafür das Ende viel zu abrupt. Mehr als mäßige Gruselstimmung mit einer großen Prise Abenteuerfilm will sich ja nicht einstellen und trotzdem geht der Streifen mit kleinen Nostalgie-Bonus bei mir ohne Weiteres als solider und vor allem unterhaltsamer Achtzigerjahre-Horror mit bekannten Gesichtern und ein paar bösen Momenten durch, auch wenn man hier zweifelsfrei sicherlich vieles besser hätte machen können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Apr 2019, 20:18

Herkules & Sherlock

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Der smarte Vincent und der dusselige Bruno arbeiten im Dienst eines Gangster-Syndikat, dessen Boss bei einer Falschgeld-Übergabe verhaftet wird. Die Beiden können hingegen flüchten, doch dummerweise landet die unbeschriftete Kiste mit dem Falschgeld jedoch in einem riesigen Lagerhaus. Als der inhaftierte Boss im Gefängnis von zwei Zoll-Hunden namens Sherlock und Herkules erfährt, die an der Grenze Falschgeld erschnüffeln beauftragt er das ungleiche Duo die beiden Hunde zu entführen um die Kiste doch noch zu finden. Bruno ist mit Herkules sichtlich überfordert, während Vincent durch Sherlock der hübschen Nachbarin Marie näherkommt. Die gibt vor Lehrerin zu sein, während sie in Wirklichkeit als Polizistin zufällig ebenfalls hinter Drogen und Falschgeld her ist. Ein turbulentes Chaos nimmt seinen Lauf, an dem die beiden quirligen Hunde ebenfalls nicht unschuldig sind.

Ich mag ja Christopher Lambert sehr gerne und Hunde auch, sodass mich der Streifen trotz Billig-Cover mit seiner Mischung aus beidem ja sogleich angesprochen hat. Die französische und tierische Gangster-Komödie „Herkules & Sherlock“ dürfte ja zu der Zeit entstanden sein, als der österreichische Kommissar Rex bereits sehr erfolgreich war und hier sind es zwei putzige Hunde im Dienste des Guten, die das Leben von zwei Möchtegern-Gangstern auf den Kopf stellen. Die Geschichte ist von Regisseur Jeannot Szwarc recht flott, augenzwinkernd und witzig erzählt und neben den beiden Hunden gibt es ebenfalls Gags, die auch für Erwachsene ganz gut funktionieren. Die wahren Stars des Films sind aber natürlich die beiden Hunde, denen in der zweiten Hälfte auch ausreichend Zeit eingeräumt und die beiden Wauwaus sind ja so putzig, dass man die am liebsten gleich selbst adoptieren würde. Der Streifen ist jedenfalls überraschend unterhaltsam, macht Laune und ist auch gar nicht mal so harmlos, wie man eigentlich annehmen könnte. Kurzum ein lustiger Streifen für Hundeliebhaber und mit Philippine Leroy-Beaulieu ist auch noch die Tochter von Philippe Leroy am Start. An manchen Tagen darf es auch ruhig mal etwas seichter sein, die DVD hat auch weniger als einen Euro gekostet – kurzum eine durchwegs positive Überraschung.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Apr 2019, 20:20

Tschick

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Der vierzehnjährige Maik ist ruhig, introvertiert und wohnt mit seiner alkoholkranken Mutter und seinem materialistischen Arschloch-Vater in einem schicken Heim. In der Schule wird er von allen nur Psycho genannt und sein großer Schwarm Tatjana nimmt ihn nicht einmal zur Kenntnis. Als eines Tages ein neuer Mitschüler erscheint, der zu Maik gesetzt wird, scheint sich die Abneigung seiner Mitschüler sogar noch zu verstärken. Der Neue, der mit seinem unaussprechlichen Namen von allen nur Tschick genannt wird, kommt aus Russland, riecht und sieht seltsam aus und inszeniert sich nicht nur als voller Draufgänger. Als die Ferien beginnen, die Mutter in die Entzugsklinik fährt und der Vater mit der neuen Freundin auf „Geschäftsreise“ geht, steht auf einmal Tschick mit einem gestohlenen Lada vor der Tür. Der Beginn eines wunderbaren Abenteuers…

Wunderbarer „Coming-of-Age“-Streifen von Fatih Akin, der hier das Buch von Wolfgang Herndorf las sonniges Roadmovie durch Deutschland inszeniert. Der Streifen lebt dabei größtenteils von den beiden jugendlichen Darstellern, die ich ganz toll fand und der erfrischend unverkrampften Inszenierung, die auch wunderbar den Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit findet. Im Trailer sind ja alle lustigen Momente zusammengeschnitten, sodass man meinen könnte, es handelt sich bei dem Streifen um eine reine Lausbuben-Komödie, während der restliche Film mit seinen vielen Charakteren durchaus ernstere Töne anschlägt und melancholisch erscheint. Trotzdem bleibt „Tschick“ weitgehend positiv und für den Zuschauer ist es ein großer Spaß den beiden Jungs bei ihrem Roadtrip mit dem gestohlenen Lada und ihren Abenteuern zu begleiten. Ganz groß auch die Hommage an "Atemlos vor Angst" und die Gespräche über "Starship Troopers". Der introvertierte Junge lernt aus sich herauszugehen und der Verhaltensauffällige bleibt sich selber treu – so macht „Coming of Age“ auch großen Spaß und selbst wenn man vor deutschen Filmen für ein jugendliches Zielpublikum ansonsten zurückschreckt, sollte man sich diesen Film wohl nicht entgehen lassen. Am Ende gibt’s dann noch eine Coverversion von Stereolab und (fast) alles ist gut!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Apr 2019, 19:31

Climax

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„Climax“ ist schon ein sehr seltsamer Film und zwischen lieben und hassen ist für diese Mischung aus Tanzfilm, Horror, Drama und experimentell gefilmte Aufnahme gesellschaftlicher Zustände wohl wie üblich nicht viel Platz. Die Gruppe von Tänzern, die sich rasch als verlogener und opportunistischer Haufen Selbstdarsteller entpuppt, taugt ja kaum als Identifikations-Figuren und so toll sie auch tanzen mögen, so blickt man doch besser nicht hinter die Fassade dieser Schlangengrube, die wohl auch als Querschnitt der französischen Gesellschaft gesehen werden kann. Die unbekannte Droge im Sangria scheint ja dann auch nur der Katalysator für verdrängte Aggressionen, Vorurteile, mangelnder Wertschätzung und sonstige Befindlichkeiten zu sein, der schließlich die Stimmung in Richtung Inferno kippen lässt. Dabei ist die zweite Hälfte des Streifens wohl wie ein böser Drogentrip inszeniert, an dem der Zuschauer teilhaben darf. Die pumpende Musik wird schräger, die Kameraperspektiven extravaganter und ist die Eskalationsstufe erst einmal überschritten, wird es wohl auch eher nix mehr mit dem geplanten Engagement und der Tour durch die Staaten. Dabei ist der Streifen bis zur Mitte sehr mitreißend gestaltet und die Einblendung der Darsteller-Namen nach knapp 45 Minuten ist wie der Punkt am Abend, an dem man selbst die Tanzfläche entern möchte, nur um dann die ganze Szenerie in weiterer Folge genüsslich kippen zu lassen. Wie üblich alles in der typischen Handschrift von Gaspar Noé und technisch versiert, der hier wiederum sehr augenscheinlich und vielleicht ebenfalls etwas selbstverliebt seine popkulturellen Einflüsse präsentiert. So kommt auch Gerald Kargls unterschätzter Ösi-Schocker "Angst" wieder zu besonderen Ehren. Überraschend auch die Tatsache, dass sich Noé hier vergleichsweise zahm erscheint, auch wenn der „Climax“ eher die aufgeschlossene Fraktion an Zuschauern ansprechen wird, die auch nichts dagegen hat, wenn die Kamera für mehrere Minuten auf dem Kopf steht. Für die ist "Climax" wie auch für mich eine durchwegs spannende wie eindrucksvolle Erfahrung!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Apr 2019, 19:05

Saat des Wahnsinns - Clonus Horror

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In einer geheimen Forschungseinrichtung wird eine Gruppe von Menschen in dem Glauben trainiert, dass sie eines Tages in das gelobte Land namens Amerika reisen dürfen. Zu diesem Zweck werden die sehr naiv erscheinenden Menschen in Ausdauer trainiert und bekommen seltsame Propaganda-Videos präsentiert, die sie auf dieses Leben vorbereiten sollen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um Klone, die nur zu einem bestimmten Zweck am Leben sein dürfen. Als sich der Klon Richard verliebt und im Fluss ein seltsames Objekt findet, beginnt der die Aussagen der Aufseher und Ärzte zu hinterfragen und findet wenig später auch Hinweise, die sein Leben und das seiner Kameraden in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lassen…

Der weitgehend unbekannte Streifen „Saat des Wahnsinns – Clonus Horror“ ist einer der vielen Horrorfilme, die sehr direkt vor den Gefahren der Wissenschaft und der Überheblichkeit der Menschheit warnen. Hier ist es das reproduktive Klonen von Menschen und Fragen der Menschlichkeit, Menschenrechte und Lebensverlängerung, die im Verlauf des 1979 entstandenen Streifens abgehandelt werden. Ganz schön große Themen für einen kleinen Low-Budget-Film aus der Sci-Fi-Ecke, der jedoch dafür überraschend solide und stimmig daherkommt. Der Vorläufer zu „Die Insel“ macht ja auch kein großes Geheimnis um die Klone, die gutgläubig in dem Glauben trainiert werden, die Reise in ein wunderbares Land antreten zu dürfen und in Wirklichkeit auf dem Operationstisch landen um einflussreichen Amis als Organspender dienen. Zwar kann „Saat des Wahnsinns“ sein kleines Budget nie wirklich verheimlichen und man hätte den Stoff sicherlich auch zwischendurch weniger Action-orientiert anlegen können, aber insgesamt betrachtet fand ich Robert S. Fivesons Streifen überraschend gelungen und auch sehr stimmig. Das Geschehen stimmt nachdenklich, das Schicksal macht durchaus betroffen und das Ende ist dann ebenfalls sehr konsequent. Das hätte ich mir in der Form eigentlich nicht erwartet und man sollte sich hier auch meines Erachtens keinesfalls von den eher zurückhaltenden Bewertungen im Netz und schlechten Bildqualität der deutschen DVD abschrecken lassen.

The Bunny Game

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Nachdem die „limitierte“ Blu-Ray trotz Gratiswerbung der BBFC ja mittlerweile für ein paar Euro verramscht wird und ich für Skandalfilme dummerweise generell empfänglich bin, war es wohl an der Zeit mir nun selbst ein Bild dieses umstrittenen Werks zu machen. „The Bunny Game“ erscheint mit seinem trostlosen Look, seiner Schnittfolge und schwarz-weißen Bildern eher wie ein Videoclip einer Industrial-Band und bietet mit seinem auf Krawall gebürsteten Thema der sexuellen Gewalt und Erniedrigung natürlich ausreichend Potential für kontroverse Diskussionen. Zuerst sieht man den tristen Lebensablauf der obdachlosen Bunny, die sich aufgrund ihrer Drogensucht für wenig Geld prostituiert und dann nach 20 Minuten in die Fänge eines sadistischen Truckers gerät. Dann folgt ein eher durchschaubares Spiel auf dem Klaviatur der Provokation und knapp 50 Minuten sexuell angedeutete Gewalt, die jedoch nie sonderlich explizit wird. Zwei Darstellerinnen wird der Kopf geschoren und ein Brandzeichen verpasst und nach 76 und sehr lang erscheinenden Minuten ist „The Bunny Game“ schon wieder vorbei, ohne dass man als Zuschauer irgendwie berührt oder schlauer als zuvor ist. Der eher anstrengend zu schauende und inhaltlich bescheidene Streifen langweilt auch rasch mit seinem Versuch ambitioniert und grenzüberschreitend zu sein und ist bei näherer Betrachtung doch nur eine weitere, arty-farty und holprig konstruierte Sado-Maso-Fantasie, die ihren Machern und Darstellern trotz No-Budget-Produktion natürlich wieder einmal die angepeilte Aufmerksamkeit beschert.
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