Rohtenburg - Martin Weisz (2006)

Moderator: jogiwan

Rohtenburg - Martin Weisz (2006)

Beitragvon buxtebrawler » 23. Dez 2010, 19:48

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Originaltitel: Rohtenburg

Herstellungsland: Deutschland /USA (2006)

Regie: Martin Weisz

Darsteller: Keri Russell, Thomas Kretschmann, Thomas Huber, Rainier Meissner, Angelika Bartsch, Alexander Martschewski, Nils Dommning, Markus Lucas, Pascal Andres, Helga Bellinghausen, Tatjana Clasing, Stefan Gebelhoff u. A.

Die amerikanische Kriminalpsychologiestudentin Katie Armstrong wählt für ihre Abschlussarbeit einen berüchtigten Fall: Oliver Hartwin wuchs bei seiner psychisch kranken Mutter auf, der Vater hatte die Familie verlassen und anstelle von einem realen Freund sprach Hartwin stets mit einem imaginären. Nachdem seine Mutter verstarb, übernahm er das abgelegene Haus und baute den Keller um, in dem er seinen Wünschen, dem Schlachten von Menschen, nachgehen will. In Simon Grombeck hat er ein freiwilliges Opfer gefunden. Während ihrer Recherchen, die im Heimatdorf Hartwins beginnen, stößt die junge Studentin auf das während des Mordes gedrehte Video und somit an ihre eigenen Grenzen. Gemeinsam mit ihr erfährt auch der Zuschauer die Geschichte des kannibalischen Mörders – bis hin zu der grausamen Tat selbst. [Quelle: Wicked-Vision]


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon buxtebrawler » 23. Dez 2010, 19:48

Diese deutsch-amerikanische Koproduktion, die 2006 unter der Regie von ex-Videoclip-, jetzt Exploitation-Filmer Martin Weisz entstand und zunächst in Deutschland mit einem später wieder aufgehobenen Aufführungsverbot belegt wurde, weil sich der tatsächliche „Kannibale von Rotenburg“ in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlte, fußt auf jenem ungewöhnlichen Kriminalfall zweier homosexueller Männer, von denen der eine gern gegessen werden wollte und der andere der Bitte gern nachkam. Leider entpuppt sich dieser Versuch der einnahmeträchtigen Ausschlachtung der Thematik als ein über weite Strecken billiges und langweiliges Pseudo-Psychogramm, für die eine Rahmenhandlung frei erfunden wurde, innerhalb derer eine US-amerikanische Studentin nach Deutschland reist, um die Hintergründe dieses Falls zu recherchieren. „Rohtenburg“ gibt sich betont düster und ernsthaft, kommt aber einfach nicht in Fahrt und vergrätzt den Zuschauer mit einer völlig misslungenen Dramaturgie und viel zu viel Alibi-Handlung voller halbgarer Psycho-Klischees. Alles wirkt sehr gekünstelt und wenig authentisch und zieht sich, lediglich die eigentlichen Hauptdarsteller Kretschmann und Huber lassen ihr Talent an einigen Stellen erahnen. Erst im Finale, als es endlich zu dem kommt, weshalb sich der Großteil des Publikums diesen Film überhaupt ansehen dürfte, offenbart „Rohtenburg“ seine Qualitäten, denn das hat es allein schon aufgrund der Thematik in sich, wurde aber auch ansprechend inszeniert. Ein versöhnlicher Abschluss eines ansonsten ziemlich vermurksten Films. Man hätte besser daran getan, einen Kurzfilm draus zu machen. „Cannibal“ von Marian Dora ist eine weitaus bessere Umsetzung des Stoffs und sei allen Hartgesottenen, die von Weisz’ Spielfilmdebüt enttäuscht waren, ans morbide, sensationsgeile Herz gelegt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon untot » 23. Dez 2010, 20:47

Ich bin da ja, wie fast immer, ganz anderer Meinung! :mrgreen:

Ich kenne "Cannibal" und "Rohtenburg" und ich finde beide Produktionen haben ihre Stärken, während "Cannibal" schwerpunktmäßig darauf aus ist das Publikum mit derben Szenen zu schocken, fährt "Rohtenburg" die psycholigische Schiene und versucht zumindest ansatzweise eine Erklärung dafür zu finden, wie es zu einer solchen Tat hat kommen können.
Also ich fand "Rohtenburg" keine Minute langweilig, im Gegenteil, es baute sich sogar eine gewisse Spannung auf. Ich denke, das der Film dem trostlosen Leben, das beide führten, sogar ziemlich nahe kam und das diese Tat weit weniger spektakulär wie sie in "Cannibal" gezeigt wurde, abgelaufen ist.
Deswegen ziehe ich "Rohtenburg" vor, weil ich denke, das dieser Film der Realität wesentlich näher kommt.

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Zuletzt geändert von untot am 24. Dez 2010, 01:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon buxtebrawler » 24. Dez 2010, 01:25

untot hat geschrieben:Ich kenne "Cannibal" und "Rohtenburg" und ich finde beide Produktionen haben ihre Stärken, während "Cannibal" schwerpunktmäßig darauf aus ist das Publikum mit derben Szenen zu schocken, fährt "Rohtenburg" die psycholigische Schiene und versucht zumindest ansatzweise eine Erklärung dafür zu finden, wie es zu einer solchen Tat hat kommen können.


Ja, und zwar voller Klischees...

Obwohl "Cannibal" sich nicht so vordergründig um den psychologischen Aspekt bemüht, ist dieser - wenn mich meine Erinnerung nicht trügt - dennoch selbst dort gehaltvoller als in "Rothenburg".

untot hat geschrieben:Also ich fand "Rohtenburg" keine Minute langweilig, im Gegenteil, es baute sich sogar eine gewisse Spannung auf. Ich denke, das der Film dem trostlosen Leben, das beide führten, sogar ziemlich nahe kam und das diese Tat weit weniger späktakulär wie sie in "Cannibal" gezeigt wurde, abgelaufen ist.
Deswegen ziehe ich "Rohtenburg" vor, weil ich denke, das dieser Film der Realität wesentlich näher kommt


Ist zwar reine Spekulation, lass ich aber gelten. :) ;)
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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon untot » 24. Dez 2010, 01:46

buxtebrawler hat geschrieben:
untot hat geschrieben:Ich kenne "Cannibal" und "Rohtenburg" und ich finde beide Produktionen haben ihre Stärken, während "Cannibal" schwerpunktmäßig darauf aus ist das Publikum mit derben Szenen zu schocken, fährt "Rohtenburg" die psycholigische Schiene und versucht zumindest ansatzweise eine Erklärung dafür zu finden, wie es zu einer solchen Tat hat kommen können.


Ja, und zwar voller Klischees...
Was ist daran Klischee, es ist doch erwiesen und erforscht, wie gewisse psychische Anomalien sich äußern und wie sich gewisse Täter verhalten.

Obwohl "Cannibal" sich nicht so vordergründig um den psychologischen Aspekt bemüht, ist dieser - wenn mich meine Erinnerung nicht trügt - dennoch selbst dort gehaltvoller als in "Rothenburg".
Cannibal ist ja auch nicht oberflächlich, das kann man nicht sagen.

untot hat geschrieben:Also ich fand "Rohtenburg" keine Minute langweilig, im Gegenteil, es baute sich sogar eine gewisse Spannung auf. Ich denke, das der Film dem trostlosen Leben, das beide führten, sogar ziemlich nahe kam und das diese Tat weit weniger späktakulär wie sie in "Cannibal" gezeigt wurde, abgelaufen ist.
Deswegen ziehe ich "Rohtenburg" vor, weil ich denke, das dieser Film der Realität wesentlich näher kommt


Ist zwar reine Spekulation, lass ich aber gelten. :) ;)

Bei einer solchen Tat kann man immer nur spekulieren, es sei denn man ist der Täter!
(Späktakulär :oops: peinlich!)
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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon buxtebrawler » 24. Dez 2010, 14:42

untot hat geschrieben:Was ist daran Klischee, es ist doch erwiesen und erforscht, wie gewisse psychische Anomalien sich äußern und wie sich gewisse Täter verhalten.


Klar, aber deshalb muss man es doch nicht in "Psychologie für Anfänger - Die neue Serie in BILD"-Manier darstellen...
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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon untot » 25. Dez 2010, 22:52

buxtebrawler hat geschrieben:
Klar, aber deshalb muss man es doch nicht in "Psychologie für Anfänger - Die neue Serie in BILD"-Manier darstellen...


Ich hab das wirklich nicht als so schlimm empfunden, na ja, da scheiden sich eben die Geister!
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Re: Rohtenburg - Martin Weisz

Beitragvon jogiwan » 11. Mär 2019, 07:30

Ich muss ja ehrlich zugeben, dass mich die Ereignisse des „Kannibalen von Rotenburg“ ja seinerzeit auch beschäftigt haben, wobei mich da weniger der Täter, sondern viel mehr das Opfer interessiert hat. Viel zu abstrakt ist die Vorstellung, dass sich jemand im Kannibalen-Chat freiwillig einer ihm unbekannten Person anbietet um verstümmelt und gegessen zu werden. Wer sich jedoch den Film von Martin Weisz ansieht, bekommt hier jedoch nur eine plakative Abhandlung der Ereignisse in Kombination mit einer entbehrlichen und fiktiven Rahmengeschichte und einer großen Portion Hinterhof-Psychologie präsentiert. Schicksalsschläge in der Jugend, Einsamkeit und ein imaginärer Freund müssen für beide Figuren als Begründung für ihr Handeln herhalten und viel mehr psychologischer Background wird den Figuren auch nicht zugestanden. Dazu gibt es regenverhangene Himmel, triste Bilder, schwere Streicher im Soundtrack und eine junge Studentin, die in den Abgrund blickt und dann verwundert feststellen muss, dass die Ereignisse nicht spurlos an ihr vorbeigehen. Keine Ahnung ob es eine allumfassende Erklärung für eine eigentlich derart unerklärliche Tat überhaupt geben kann, aber „Rohtenburg“ ist ein filmisches Nix, dass weder als Drama, Psychogramm oder Exploitationfilm taugt und dabei für mein Empfinden zudem auch noch äußerst heuchlerisch zu Werke geht.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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