Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

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Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon jogiwan » 3. Mär 2019, 09:38

Sex Education

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Originaltitel: Sex Education

Herstellungsland: Großbritannien / 2019

Regie: Ben Taylor & Kate Herron

Darsteller: Asa Butterfield, Gillian Anderson, Emma Mackey, Ncuti Gatwa

Story:

Nach den Sommerferien sieht sich der junge Otis, der Sohn einer Sexualtherapeutin in der Schule auf einmal mit der Tatsache konfrontiert, dass irgendwie alle um ihn herum bereits Sex hatten, während er schon damit hadert, sich selbst zu befriedigen. Dennoch scheint er das therapeutische Talent seiner Mutter geerbt zu haben und als er eines Tages von der Mitschülerin Maeve das Angebot bekommt, anderen Schülern anonym und gegen Geld bei ihren sexuellen Problemen zu helfen, willigt er widerwillig ein. Die ersten Versuche gehen auch in die Hose, aber schon bald wird Otis tatsächlich zum Retter in der Not bei großen und kleinen Problemen, die sich auch zuhauf in seinem Umfeld bieten.
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Re: Sex Education [Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon jogiwan » 3. Mär 2019, 09:43

Eigentlich doch recht bemerkenswerte Netflix-Serie, die angenehm auf die John Hughes-Filme aus den Neunzigern erinnert, jedoch ein zeitgemäßes Setting mit wesentlich wilderen Problemen bietet. Die Stärke von „Sex Education“ liegt ja in seinen großartigen Figuren, die von einer überzeichneten Situation in die nächste geschickt werden. Doch hinter all den grellen Momenten steckt immer eine tiefere Wahrheit, die hier dem Zuschauer auf eher plakative Weise näher gebracht wird. Dabei ist die Geschichte natürlich auf ein jugendliches Publikum ausgelegt, aber auch der erwachsene Zuschauer kommt hier dank unverbrauchter Gesichter und unverklemmter Herangehensweise auf seine Kosten, auch wenn es die Geschichten manchmal doch etwas zu sehr in Richtung „liberale Gutmenschenutopie gehen“. Das mag man „Sex Education“ aber gerne verzeihen, weil hier einfach ein sehr stimmiges „Coming-of-Age“-Gesamtbild kreiert wird, dass auch alles mitnimmt, was sich popkulturell so bietet. Und offen und ehrlich über Sex zu reden, kann ja nie schaden. Ich freu mich schon auf die zweite Staffel.
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Re: Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon purgatorio » 1. Jun 2019, 16:08

Nach deinem Tipp habe ich die Serie auch begonnen. Jetzt suchte ich die mal eben durch, bin schon bei Episode 6. Gefällt mir ausgesprochen gut - also wirklich, wirklich gut :nick:
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Re: Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon purgatorio » 2. Jun 2019, 09:05

oh, sind ja nur 8 Episoden :o na dann bin ich jetzt durch. Schwer unterhaltsam 8-)
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Re: Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon buxtebrawler » 13. Nov 2019, 18:08

„Ich bereite gerade einen Vagina-Workshop vor!“

Zu einer der populärsten Serien-Eigenproduktion des US-Video-on-Demand- bzw. Streaming-Anbieters Netflix avancierte die britische Sexualdramödien-Serie „Sex Education“, die seit Januar 2019 bereitsteht und deren erste Staffel acht Episoden mit einer durchschnittlichen Länge von einer knappen Stunden umfasst. Die Regie führten Kate Herron („Daybreak“) und Ben Taylor („In the Flesh“). Inhalte sind das sexuelle Erwachen und die daraus resultierenden Wünsche, Träume und Irritationen Jugendlicher.

Ausgerechnet der 16-jährige Otis (Asa Butterfield, „Der Junge im gestreiften Pyjama“), Sohn der renommierten Sexualtherapeutin Jean Milburn (Gillian Anderson, „Akte X“), ist sexuell derart gehemmt, dass es noch nicht einmal zur Selbstbefriedigung reicht. Während Jean ihren Sohn interessiert beobachtet, ihre Erkenntnisse in ihre Forschungsarbeiten einfließen lässt und sich mit wechselnden Partnern vergnügt, ist Otis das alles hochnotpeinlich. Sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa, „Stonemouth - Stadt ohne Gewissen“) hingegen hat sich für das neue Schuljahr fest vorgenommen, seine Jungfräulichkeit abzulegen, jedoch ist die Auswahl potentieller Sexualpartner aufgrund seiner Homosexualität überschaubar. Wie fast alle Mitschüler fürchten sie sich vor dem soziopathischen Adam (Connor Swindells, „Keepers - Die Leuchtturmwärter“), der zudem Sohn des Schulleiters (Alistair Petrie, „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“) ist. Als dieser jedoch Hilfe in sexuellen Fragen benötigt, kann Otis ihm zunächst mehr schlecht als recht helfen, kommt die aus ärmlichen Verhältnissen stammende, als Schlampe verschriene Trailerpark-Bewohnerin Maeve (Emma Mackay, „Badger Lane“) aber auf die Idee, daraus Kapital zu schlagen: Otis erteilt seinen Mitschüler(innen) mehr oder weniger fachkundigen Rat und kassiert dafür ein Salär. Er ist schließlich selbst davon überrascht, wie rege seine Dienstleistung nachgefragt wird…

Während Teile der westlichen Gesellschaft immer prüder werden, übt sich „Sex Education“ in demonstrativer Offenheit ohne falsche Scham und ist damit zunächst einmal ein provokatives Statement. Dieses will jedoch mit Inhalt und Substanz gefüllt und untermauert werden, woran es zu Beginn noch hapert: Die Figuren erscheinen wie Abziehbilder, die Pointen sind plump. Im weiteren Verlauf schlägt die Serie jedoch einen Weg über frechen Brachialhumor (man denke an die Kotzparty in Episode 2 „wie im alten Rom“) hin zu differenzierteren Charakterzeichnungen, klügeren Gags und intelligenten, sexpositiven Aussagen ein, der in von immer mehr ans Herz wachsenden Figuren getragenen, aufeinander aufbauenden Episoden ein komplettes Schuljahr lang konsequent gegangen wird. Unwahrscheinlichkeiten und Übertreibungen dienen immer weniger der Konstruktion von Witzen auf Kosten der Figuren, sondern sollen die unterschiedlichen Facetten sexueller Identitätsfindung veranschaulichen und beleuchten.

Zu diesem Zwecke werden viele Themen abgedeckt, beispielhaft seien neben Blockaden und Verklemmtheit Orgasmusschwierigkeiten, unterdrückte Neigungen, Mobbing wegen Verstoßes gegen Schönheitsideale und das verkrampfte Erzwingenwollen der Entjungferung genannt, aber auch Enttäuschungen, unsensibler Umgang untereinander, unglückliches Verliebtsein und Liebeskummer werden angesprochen. Als auffallend selbstverständlich skizziert die Serie sog. interkulturelle Beziehungen, also zwischen Menschen verschiedener Hautfarben, und Homosexualität – letztere jedoch mit gewissen Einschränkungen, indem man nicht den Blick vor homophoben, in Gewalttätigkeit mündenden Ressentiments verschließt und damit nicht zu utopistisch zu werden droht.

Zwischen Situationskomik, Offenherzigkeit, persönlichen Dramen und unerwarteten Wendungen tummeln sich neben den drei jugendlichen Hauptfiguren diverse schräge Nebenrollen, die mal mehr, mal weniger im Fokus einzelner Episoden stehen. Allen voran sei die nerdige Fantasy-Comic-Zeichnerin Lily (Tanya Reynolds, „Delicious“) genannt, die ihr erstes Mal mit Nachdruck zu erzielen versucht. Die große Gillian Anderson, die in Promoaktionen gern als Aufhänger für die Serie hervorgehoben wurde, gibt eine liebevolle Karikatur einer Sexualtherapeutin, der die Jungmimen jedoch in nichts nachstehen. Das Ensemble war ein echter Glücksgriff und zeigt sich zum Teil hier und da oben ohne, was jedoch nie selbstzweckhaft ausgeschlachtet wird. Der Intimbereich bleibt aller nackter Haut (auch der Jungs) zum Trotz stets ausgespart.

Der Spagat zwischen inhaltlichem Anspruch, Freizügigkeit, Drama und Humor gelingt indes nicht immer. Je nach persönlicher Auffassung werden sich Momente finden, in denen man sich mehr Mut, mehr Ernsthaftigkeit, weniger Klamauk oder divergierende Schwerpunktsetzungen gewünscht hätte – oder sich fragt, inwieweit das eine oder andere ausgewalzte Klischee gerade im Rahmen einer progressiven Serie wie dieser wohl den Test der Zeit überstehen wird, oder ob diese Hyperfokussierung von Sexualität nicht nur Ausdruck von Pubertät, sondern letztlich auch von Prüderie ist, die zu Unterhaltungszwecken ins Gegenteil verkehrt werden soll, womit die Akzeptanz eines gesellschaftlichen Normalzustands einhergehen würde. Bisweilen irritiert auch etwas der fiktionale Handlungsort, der offenbar eigentlich im Vereinigten Königreich angesiedelt, jedoch derart abstrakt gestaltet wurde, dass er sich – vermutlich als Entgegenkommen dem avisierten US-Publikum gegenüber – relativ problemlos auch auf die Verhältnisse von Highschools in typischen Kleinstädten der Vereinigten Staaten übertragen lässt. Das geht etwas zu Ungunsten eines individuellen Charakters. Nichtsdestotrotz erweist sich „Sex Education“ als angenehm enttabuisierte Unterhaltung beispielsweise für verkaterte Sonntagnachmittage, die zum einen dem Netflix-Image als junges, fortschrittliches Unternehmen, das weniger Risiken scheut als andere, zuträglich ist, und zum anderen einen Eindruck davon vermittelt, wie beispielsweise die unsägliche „Schulmädchen-Report“ theoretisch auch hätte aussehen können… Und wenn es gelingt, Teilen der Jugend zu vermitteln, wie normal ihre Probleme, über denen ihre Welt zusammenzubrechen droht, eigentlich sind und ihnen vielleicht sogar dabei hilft, früher oder später über sie lachen zu können: umso besser.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon buxtebrawler » 5. Jan 2020, 22:41

Die zweite Staffel startet am 17.01.2020!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon Dr. Monkula » 5. Jan 2020, 22:43

Super, habs durchgesuchtet ! Freu mich auf Staffel 2.
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Re: Sex Education [Web-Serie] - Ben Taylor & Kate Herron (2019)

Beitragvon jogiwan » 6. Feb 2020, 08:14

Staffel 2

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Auch die zweite Staffel von „Sex Education“ präsentiert sich insgesamt auf sehr hohem Niveau, auch wenn die Leichtigkeit der ersten Staffel zugunsten ernsterer Themen etwas in den Hintergrund rückt und auch der bisweilen etwas grell erscheinende Humor zurückgenommen wird. Die lebendigen Figuren hat man ja bereits ins Herz geschlossen und in Staffel zwei geht es statt reiner Aufklärung nun etwas mehr in die Tiefe und die Figuren dürfen mit ihren ersten Erfahrungen nun auch Dinge tun, die man vielleicht nicht von ihnen erwarten würde. Statt sich nur auf Jugendprobleme bzw. Aufklärung und auf Erwachsenen nur am Rande zu konzentrieren, bekommen die Eltern und Lehrer nun mehr Raum für ihre Befindlichkeiten. Statt die Erfolgsformel zu wiederholen, geht es insgesamt in eine etwas dramatischere Richtung, was aber nicht sonderlich stört und die Serie trotz ihrer gar nicht mal so neu gefundenen Ernsthaftigkeit zu einem großen Vergnügen macht, den man am liebsten in einem Rutsch durchschauen möchte. Der Look ist noch immer großartig, die Darsteller und Figuren grandios und auch die Mischung aus Humor, Drama, Beziehungsproblemen und überzeichneten Momenten mit wahren Kern macht „Sex Education“ nicht nur zu einer stets sehr liebenswerten Sache mit optimistischer Botschaft, sondern meines Erachtens zu einer der originellsten Serien der letzten Jahre.
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