Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Jan 2019, 19:32

Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen

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Nachdem die blinden Templer aus den Gräbern gestiegen sind und in zwei Teilen das spanisch-portugiesische Grenzgebiet unsicher gemacht haben, schickt sie Regisseur Amando de Ossorio im dritten Teil mit dem Titel „Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ kurzerhand auf die hohe See und verbindet iberische Sagen lose mit dem Thema Bermuda Dreieck. Der Ortswechsel bekommt den Templern aber so gar nicht gut und so verkommt der Streifen leider zu einer höchst lahmen Angelegenheit, dass inhaltlich und optisch vor Fehlern nur so strotzt und irgendwie auch nie so richtig in die Puschen kommt. Die Sache mit den Models und einer missglückten PR-Aktion als Aufhänger sind ja eigentlich völlig gaga und die Art und Weise, wie sämtliche Protagonisten bereitwillig ins Verderben schippern, verdient ja ebenfalls Respekt. Leider ist der ganze Streifen aber eine totale Graupe und nervt neben dem katastrophalen Drehbuch auch noch mit breit ausgewalzten Szenen, in denen so gut wie gar nichts passiert oder etwas Kurzes passiert, dass dann minutenlang förmlich zelebriert wird. Selbst mit viel Wohlwollen fällt es schwer, den kruden Ereignissen etwas abzugewinnen und sympathisch ist hier meines Erachtens leider auch nichts. Ein entbehrlicher Nachfolger einer Reihe, die mal durchaus gut begonnen hat und hier zu Tode geritten bzw. eher geschwommen wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Jan 2019, 19:45

Das Blutgericht der reitenden Leichen

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Mit „Blutgericht der reitenden Leichen“ wird die Reihe der untoten Templer auf halbwegs harmonische Weise zu Ende geführt und nach dem eher lahmen dritten Teil zu hoher See wird hier von den Untoten wieder das gemacht, was sie am besten können: aus ihren Gräbern steigen, in der Gegend herumreiten und junge Frauen opfern. Das portugiesisch-spanische Grenzgebiet ist nun einem kleinen Dorf am Strand gewichen in das es einen jungen Arzt mit seiner Gattin verschlägt, der hier nicht nur auf eine Mauer des Schweigens, sondern gar seltsame Rituale trifft. Statt ständiger Gore-Keule wird eher versucht, das ganze atmosphärisch anzugehen und immer wieder funzt die Mischung aus okkulter Sage, Hinterwäldler-Drama und Culture-Clash dank der Darsteller auch ganz gut. Den ein- oder anderen Durchhänger kann sich aber auch „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ nicht ganz verkneifen und die Szenen, wie die Templer aus den Gräbern steigen wurde hier von Herrn Ossorio mittlerweile auch bereits zum dritten Mal verwurstet. Unterm Strich ist hier aber noch alles im grünen Bereich und wer die drei Vorgänger halbwegs mochte, wird hier auch gut bedient, selbst wenn die untoten Templer meines Erachtens zum Abschluss ihres Franchise ein wesentlich aufsehenerregenderes Finale verdient hätten.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Jan 2019, 20:00

Loving Vincent

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Ein Jahr nach dem Tod von Vincent van Gogh soll auf Geheiß des Postmeisters Joseph Roulin, dessen Sohn, der Schmied Armand Roulin den letzten Brief Vincents an dessen Bruder Theo zustellen. Eher widerwillig tritt Armand die Reise an und erfährt dabei durch Bekannte und Freunde des Malers mehr über den mysteriösen van Gogh, der Zeit seines Lebens als Sonderling galt und von seiner Umwelt angefeindet wurde. Als Armand jedoch auch von Theos Tod durch Krankheit erfährt, beschließt er den Brief der Witwe zu überreichen, während er weiter versucht, die letzten Tages des Malers anhand der Zeugenberichte zu rekonstruieren.

Aus Ölbildern (!) animierte Mischung aus Biopic und Fiktion über die Reise eines jungen Mannes um mehr über das Leben des Malers Vincent van Gogh zu erfahren, der Zeit seines Leben ja nicht den Ruhm und die Ehre erfahren durfte, der ihm erst seit seinem Tod, seiner ungewöhnlichen Werke und seiner tragischen Lebensgeschichte gewiss ist. Wer einmal im Amsterdamer Van-Gogh-Museum war, kennt ja den Hype um den Maler, der Zeit seines Lebens nur ein paar Bilder verkaufen konnte und dessen Tod nicht gänzlich geklärt ist. Der mit Motion-Capture-animierte „Loving Vincent“ versucht anhand seiner Bilder und dem Briefwechsel mit seinem Bruder die Ereignisse zu rekonstruieren und bedient sich visuell voll und ganz dem Stil des holländischen Malers. Die Bilder van Goghs werden hier lebendig und optisch ist „Loving Vincent“ auch ein absoluter Hochgenuss, der den Zuschauer ständig staunen lässt, was hier im Hintergrund für ein Aufwand betrieben wurde. Inhaltlich hingegen bringt die polnisch-britische Ko-Produktion jedoch keine großartig neuen Erkenntnisse und beleuchtet anhand von Gesprächen mit damaligen Zeitzeugen mögliche Varianten zu den letzten Tagen des Malers, die auch hinlänglich bekannt sein dürften. Der Freude an den Bildern tut das jedoch keinen Abbruch und wer so wie ich von den Werken van Goghs nicht genug bekommen kann, der darf hier neunzig Minuten lang in wundervollen Bildern und strahlenden Farben schwelgen und auf melancholische Weise ein tragisches Malerleben an sich vorbeiziehen lassen, dass erst später ein künstlerisch-versöhnliches Ende fand.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Jan 2019, 19:14

Bird Box

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Malorie befindet sich mit zwei Kindern auf der Flucht vor einer unheimlichen Macht, die die Welt vor fünf Jahren ins absolute Chaos gestürzt und die Zivilisation zerstört hat. Wer seine Augen nicht rechtzeitig schließt, sieht etwas, das jeden Menschen Selbstmord auf grausame Weise Selbstmord begehen lässt und von einer ehemaligen Zweckgemeinschaft aus unterschiedlichsten Charakteren kurz nach dem ersten Auftreten des Phänomens sind augenscheinlich nur noch Malorie und die zwei Kinder übriggeblieben. Nun soll die letzte Reise die drei zu einer Gruppe von Überlebenden führen, doch dieser Weg führt einen reißenden Fluss entlang, der mit einem kleinen Boot und ohne die Möglichkeit die Augen zu öffnen bewältigt werden muss.

Der neueste Netflix-Hype inklusive fragwürdiger Challenge als zusätzlichen Marketing-Gag entpuppt sich als solider, aber nicht gänzlich geglückter Horrorfilm, der sich eindeutig im Fahrwasser von dem Genre-Überraschungserfolg „A Quiet Place“ bewegt. Dort waren es Außerirdische, die Jagd auf Menschen machen, sofern sie nur einen Mucks von sich geben und hier ist es eine unbekannte und unsichtbare Macht, die Menschen in den Selbstmord treibt, sofern man außerhalb von Gebäuden seine Augen nicht verschließt. Wo „A Quiet Place“ jedoch hochfunktionales Spannungskino war, ist „Bird Box“ eher eine etwas unausgegoren erscheinende Mischung aus bekannten Versatzstücken des Genres und besteht aus zwei Teilen, die sie nicht auf ähnlichen Level bewegen. Einerseits die durchaus spannende Reise von Malory im Blindflug den Fluss entlang und die in Rückblenden erzählte Ereignisse, die die damals noch schwangere Malory mit allerlei klischeelastigen Charaktere in einem großen Haus zusammenführt. Diese Rückblenden sind auch die dem Film immer wieder unnötig Tempo nehmen und lediglich ein bereits dutzendfach durchgekautes Belagerungsszenario inklusive fehlgeleiteter und zwischenmenschlicher Gruppendynamik liefert, die man bei einem innovativen Horrorfilm einfach nicht mehr sehen möchte. Bei „A Quiet Place“ hatte man in 90 Minuten kaum Zeit zum Durchatmen, während dem Zuschauer bei „Bird Box“ in den etwas zu langen zwei Stunden zu oft die Möglichkeit geboten wird, über die nicht immer logisch erscheinenden Szenario und den etwas zu großem Zeitsprüngen nachzudenken. Meines Erachtens hätte es dem Film auch wesentlich besser bekommen, wenn man sich mehr auf die zweifelsfrei spannenden Momente konzentriert hätte, und die Geschichte dafür im Gegenzug von unnötigem Ballast befreit hätte. Durchschnitt!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Jan 2019, 19:32

Creatures from the Abyss

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Durch einen am Strand vergessenen Benzinkanister geraten zwei Männer und drei Frauen in einem Schlauchboot an der Küste Floridas in Seenot und können sich während eines Gewittersturms und dem Fund einer Wasserleiche mit letzter Kraft auf eine Luxusyacht retten. Diese scheint ein Labor für Meeresbiologen zu sein und ist völlig verlassen, sodass es sich die feierwütigen Jugendlichen erst einmal gemütlich machen und sich am Kühlschrank und der Bar bedienen. Während Mike davon überzeugt ist, dass die Yacht zum Drogenschmuggel benutzt wurde und die Crew aus Angst vor der Küstenwache das Schiff verlassen hat, glaubt Bobby jedoch, dass hier an sehr seltsamen Fischsorten aus ungeheurer Tiefe geforscht wurde und eines der Experimente schief gegangen sein könnte. Schon wenig später wird er recht behalten, als das Grauen in Form von fleischfressenden Fischen und Mutationen über die Jugendlichen hereinbrechen wird.

Eigentlich schon ein unglaubliches Filmchen, den uns hier Al Passeri kredenzt und das Drehbuch – falls vorhanden - ist immer so herrlich neben der Spur, dass man nicht weiß, ob man jetzt lachen oder weinen soll. Die Geschichte über Fisch-Mutationen auf hoher See ist ja nicht nur hochgradig gaga, sondern wird auch noch völlig seltsam erzählt. Oberste Prämisse war es wohl, die Mädchen leichtbekleidet herumlaufen zu lassen und die Jungs blöde Sprüche aufsagen zu lassen, während allgemein so getan wird, als wäre es die normalste Sache der Welt Wasserleichen, verlassene Yachten und Labor-Mutationen zu finden. Am Schlimmsten ist aber das Set-Design, das völlig jenseits des guten Geschmacks ausgefallen ist und in Worte kaum zu fassen ist. Was man sich angesichts des lebensgroßen Plüsch-Bären (!), der Zwergenpenis-Leuchte (!) und der Dusch-Assistentin (!) gedacht hat, kann man ja nur erahnen – dem Spaß tut es hingegen keinen Abbruch. Selbst der geeichte Italo-Fan wird hier mühelos in Staunen versetzt und verglichen mit dem hier, wirkt wohl fast jeder andere italienische Horrorfilm aus der gleichen Schaffensperiode inhaltlich noch wie ein Meisterwerk. Al Passeri bürgt eben für Qualität und auch „Creatures from the Abyss“ ist unterhaltsamer Blödsinn für große Kinder und Menschen mit Humor, der im Verlauf der achtzig Minuten kaum Durchhänger beinhaltet und so ausgefallen ist, dass man ihn schon mit eigenen Augen gesehen haben sollte. Bombe!

Das Grauen aus der Tiefe

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In dem beschaulichen Küstenort Noyo gehen die Wogen hoch, da durch den neu geplanten Standort einer Fischkonservenfirma die Bevölkerung tief gespalten ist. Während einige Bewohner den Fortschritt und die damit geschaffenen Arbeitsplätze befürworten, gibt es auch welche die erhöhte Fangquoten eher mit Skepsis betrachten und befürchten, dass dieses nicht im Einklang mit der Natur zu bewältigen ist. Als sich wenig später seltsame Ereignisse häufen werden von den beiden Parteien gegenseitige Schuldzuweisungen gemacht, ohne zu ahnen, dass ganz etwas anderes hinter getöteten Haustieren und verschwundenen Jugendlichen steckt. Gemeinsam mit einer Wissenschaftlerin versucht ein Fischer hinter das Geheimnis der dubiosen Angriffe aus dem Wasser zu kommen, doch als dieses entdeckt wird, ist es für die Küstenbewohner fast schon zu spät…

Nach Al Passeris „Creatures from the Abyss“ hatte ich gestern noch spontan Lust auf „Das Grauen aus der Tiefe“, das ja ebenfalls mit einer kruden Story und ein paar hübschen Mutationen, sowie leiser Kritik an der Industrialisierung des kommerziellen Fischfangs aufwarten kann. Die menschlichen Fischmonster, die in einem Küstenort Jagd auf Menschen machen und die Männer zu killen und die Frauen zu vergewaltigen sind ja schon der absolute Knaller und obwohl die Ereignisse ja völlig haarsträubend sind, werden diese von den Darstellern auch stets mit der notwendigen Ernsthaftigkeit präsentiert. Im Making-of ist ja die Rede, dass der Streifen ja ursprünglich wesentlich ernster hätte ausfallen sollen und danach mit nachgedrehten Szenen auf sleazige Weise aufgepeppt wurden. Dem Film selbst merkt man seine bisweilen etwas turbulente Entstehungsweise aber nicht an und in der relativ kurzen Laufzeit gibt es auch alles, was man sich in einem derartigen Film erwartet und bis zum Knaller am Ende kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Das Creature-Design ist großartig, die Figuren hübsch gezeichnet und bei der Massenpanik gegen Ende des Streifens hat man ebenfalls keine Gefangenen gemacht. Hier stimmt einfach alles und mit der Blu-Ray-Disc aus dem Hause OFDB Filmworks hat der Klassiker nun auch endlich eine würdige Veröffentlichung erfahren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Jan 2019, 19:42

Tanz der Vampire

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„Tanz der Vampire“ ist ja einer der großen Klassiker, der mir leider so gar nicht munden mag. Die Gothic-Horror-Parodie zündet leider so gar nicht und abgesehen von ein paar netten Szenen ist mir das alles viel zu kindisch ausgefallen. Die Figuren sind albern und völlig überzeichnet und auch der Slaptstick-Humor gefällt mir in dem Zusammenhang gar nicht. Da ein Stolperer, da eine Wurst auf den Kopf und Buckliger mit Überbiss – irgendwie ist Herrn Polanski ja nichts wirklich Originelles eingefallen und da hilft auch kein hübsches Set-Design und massenhaft Schnee. Dem Film fehlt, was Vampire eigentlich haben sollte und zwar der Biss oder die Liebe zum Genre, die ich hier so überhaupt nicht erkennen kann. Not my cup of tea!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Jan 2019, 19:50

Balduin, der Sonntagsfahrer

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Der Politiker und Bauspekulant Henri Roubrier ist ein Egoist wie er im Buche steht und gerade dabei auf einer Geschäftsreise den Deal seines Lebens abzuschließen, als er durch eine Verkettung unglücklicher Umstände gemeinsam mit einem jungen Autostopper und der Frau eines Ex-Generals und deren Schoßhündchen mit seinem Auto von der Straße abkommt und über eine Klippe rast. Wie durch ein Wunder zerschellt der Wagen jedoch nicht auf den Felsen, sondern landet auf dem Wipfel einer einzigen Pinie, die das Auto davon abhält, noch weiter in die Tiefe und den sicheren Tod zu stürzen. Die Lage ist aber trotzdem wenig entspannt, da Roubrier mit seiner miesen Laune die Stimmung nicht verbessert und alle Versuche auf sich aufmerksam zu machen misslingen…

Der nächste Louis de Funés-Streifen, der im deutschen Raum den Beinamen Balduin verpasst bekommen hat und dennoch zu einer Reihe von Filmen zählt, die miteinander außer dem Hauptdarsteller wenig gemeinsam haben. Hier geht es um einen egoistischen Spekulanten und Politiker, der mit zwei jungen Leuten in eine sehr skurrile Lage gerät, in der auch Geld und Macht wenig helfen um dort wieder ein wenig auf den Boden der Realität zurückgeholt zu werden. „Balduin, der Sonntagsfahrer“ hat dabei eine zweifelsfrei sehr spaßige Ausgangslage, die gepaart mit minimaler Kapitalismuskritik aber den Film nicht die kompletten achtzig Minuten tragen kann. Zwar gibt es ein paar sehr lustige Momente, etwas Spannung, Action und ein gewohnt turbulentes Finale, aber zwischendrin machen sich in dem kammerspielartigen Streifen, der quasi nur in einem Auto in luftiger Höhe spielt, schon auch ein paar Längen bemerkbar und die drei Figuren von Louis de Funés, seinem Sohn Oliver und die von der gewohnt bezaubernden Geraldine Chaplin hätte man für meinen Geschmack durchaus etwas sympathischer zeichnen können. Für die Dreharbeiten hat man ebenfalls viel Aufwand betrieben und ein Auto auf einen Baum im Abgrund gesetzt, auch wenn die Stunt-Doubles dabei kaum Ähnlichkeiten mit den drei Darstellern haben. So bleibt eher ein Streifen für den verregneten Nachmittag, der meines Erachtens nur mittelprächtig ausgefallen ist und für mich nicht zum Besten zählt, was Herr Funés in seiner Karriere gemacht hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Jan 2019, 18:29

Der Gendarm vom Broadway

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Die exzentrische Truppe von Gendarmen aus St. Tropez wird auserkoren, die französische Republik bei einem internationalen Gendarmen-Kongress in New York zu vertreten. Dazu reist die Delegation unter der gestrengen Leitung von Adjutant Gerber und seinem Stiefellecker Cruchot trotz mangelnder Sprachkenntnisse in die Millionenmetropole, wo der Kulturschock natürlich nicht lange auf sich warten lässt. Doch Cruchot und seine Mannen lassen sich auch von der beeindruckenden Größe der Stadt, der Gendarmerie-Konkurrenz und von allerlei anderen Widrigkeiten im Big Apple unterkriegen und trotz Heimweh wird gesorgt, dass der Kongress natürlich zum vollen französischen Erfolg wird.

Teil zwei der Gendarmen-Reihe ist trotz dem eigentlich unverzeihlichen Fehlen von Nudisten-Truppe natürlich eine unterhaltsame Sache und die Konfrontation von französischen Befindlichkeiten in der großen Millionenmetropole New York bleibt natürlich nicht ohne entsprechende Folge. Dabei sind die Ereignisse sehr episodenhaft aneinandergereiht und bieten vom traditionellen Sightseeing der schönsten Plätze, über den „West Side Story“-Spoof bis hin zur etwas seltsamen Psychoanalyse natürlich viel Platz für jede Menge „Culture Clash“, der auch immer hübsch selbstironisch daherkommt und die Polizisten in die unterschiedlichsten Ecken der Stadt bringt. Die französische Truppe ist zwar trottelig, hat aber das Herz am rechten Fleck und hält zusammen und auch Cruchot ist hinter der Fassade des cholerischen Polizisten ein liebender Vater und Kollege, der die anderen nicht in Stich lässt und im richtigen Moment mit Butter zur Seite steht. „Der Gendarm vom Broadway“ ist dabei vielleicht insgesamt einen Ticken zu lange und verzettelt sich am Ende etwas, aber gleichzeitig glänzt der 1965 entstandene Streifen mit viel Zeit- und Lokalkolorit und ist so auch ein unterhaltsamer Spaß für alle Fans von Louis de Funés und französischen Klamauk.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Jan 2019, 20:06

Hardcore - Ein Vater sieht rot

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Möbelfabrikant Jake VanDorn ist streng religiös, erzkonservativ und lebt als angesehenes Mitglied mit seiner Tochter Kristen in einer kleinen Gemeinde im mittleren Westen der USA. Als Kristen eines Tages während eines Ausflugs spurlos verschwindet ist Jake hochgradig alarmiert und engagiert auf Empfehlung der Polizei einen Privatdetektiv, der später auch die ersten Ermittlungserfolge vorweisen kann. Doch diese erschüttern Jake in seine moralischen Grundfesten und zeigen Kristen als Darstellerin in einem billig produzierten Porno, der irgendwo in Los Angeles produziert wurde. Jake beschließt selbst nach seiner Tochter zu suchen, nimmt Urlaub und taucht in der Rotlichtszene Kaliforniens ab um seine vermeintlich gegen ihren Willen festgehaltene Tochter zu retten…

Mit „Hardcore“ hat Paul Schrader schon einen höchst interessanten, weil auch sehr zwiespältigen Film mit ambivalenten Charakteren geschaffen, der zwei höchst unterschiedliche Welten für kurze Zeit zusammenbringt. Als Identifikationsfigur und Sympathieträger taugt der erzkonservative Jake ja eigentlich überhaupt nicht und da der Streifen aus seiner Perspektive erzählt ist, überträgt sich seine vorgefasste Meinung über Schmuddel auch auf den ganzen Film. Im Gegensatz zu Blapschi würde ich aber nicht bestätigen, dass Pornografie und Rotlicht generell als schlecht dargestellt wird - eher ist „Hardcore“ die Reise eines Mannes in seine höchstpersönliche Hölle und der Streifen scheint auch nicht das Ziel zu verfolgen gegenseitiges Verständnis zu generieren oder zu vermitteln. Zu grundverschieden, zu unversöhnlich scheinen hier Moralvorstellungen und Lebensauffassungen und so auch ein gesellschaftlicher Bruch, der durch die amerikanische Bevölkerung geht und ja heutzutage noch offensichtlicher ist. Der Einblick in die Rotlichtszene von Los Angeles, San Diego und San Francisco fand ich wie die Figuren sehr spannend und auch das Ende ist da nur konsequent und betont noch einmal den Standpunkt der Konservativen, dass man im Fall des Falles die Hand den liberaleren Menschen aus Stolz und Glaube nicht reichen und auch nicht über seinen Schatten springen kann. Woran erinnert mich das nur gerade tagespolitisch?
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Jan 2019, 19:44

Der Wolf hetzt die Meute

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Wes Block ist einerseits ein liebender Vater, der sich rührend um seine beiden Kinder kümmert, seit ihm die Frau abhanden gekommen ist – andererseits ist er auch der abgeklärter Ermittler des Morddezernats, der nachts im Rotlichtviertel von New Orleans ebenfalls auf seine Kosten kommt. Als es eine Reihe von Morden an Prostituierten gibt, ahnt Wes jedoch noch nicht, dass auch er im Fokus des Killers steht und dieser seine Kontakte im Rotlicht in der letzten Zeit ausgiebig studiert hat. Als eine Prostituierte ermordet wird, mit der auch Wes Kontakt hatte, zieht sich das Netz um den Mann immer weiter zusammen und als der ruppige Wes dann während der Ermittlungen auch noch der Kollegin Beryl von der Sitte näher kommt, bringt er sich und sein Umfeld in größte Gefahr.

Ich kenne ja die „Dirty Harry“-Reihe noch nicht, aber mit „Der Wolf hetzt die Meute“ wollte man wohl irgendwie dem Image des Rechtsaußenkonservativschwulenhasserfrauenfeindmitknarre entgegen wirken und Clint Eastwoods Ermittler-Rolle hier etwas mehr Tiefe geben und weitere Facetten verleihen. Gelungen ist das Gesamtergebnis aber weniger und der 1984 entstandene Streifen wirkt von der Charakterzeichnung her eigentlich ziemlich missglückt und stets wenig glaubhaft. Die Figur des Wes Block ist Zuckerbrot und Peitsche für den Zuschauer und die Mischung auch Alltags- und Charakterstudie eines geschiedenen Mordermittlers inklusive einer aufkeimenden Liebesgeschichte und Serienkillerfilm im Rotlicht-Milieu wirkt inhaltlich auch völlig verfahren. Weder als Drama, Rotlichtstudie oder auf der Thriller-Ebene kann der Film so wirklich punkten und kommt bis zum Finale auch nie so wirklich in Fahrt. Mit knapp zwei Stunden Laufzeit ist der Film auch zu lange ausgefallen und Regisseur und Drehbuchautor Richard Tuggle will hier in seinem Gegenentwurf zu Eastwoods eigentlicher Paraderolle augenscheinlich einfach zu viel mitnehmen und wechselt inhaltlich auch ständig die Marschrichtung, ohne dabei auf Dinge wie Tempo, Glaubwürdigkeit oder Spannungsbogen zu achten. Andererseits hat der Streifen dann auch wieder ein paar nette Momente und ist insgesamt schon zu gucken, sodass obige Worte für diesen Versuch eines facettenreichen Polizeifilms schon fast ein bisschen zu harsch erscheinen. Eigentlich finde ich auch gut, dass Eastwood diesen Film gemacht hat. Entscheidet selbst.
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