Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Moderator: jogiwan

Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Beitragvon sid.vicious » 16. Aug 2011, 21:54

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Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Produktion: Horst Wendlandt
Erscheinungsjahr: 1961
Regie: Josef von Báky, Jürgen Roland
Drehbuch: Robert A. Stemmle
Kamera: Richard Angst
Schnitt: Hermann Ludwig
Musik: Peter Thomas
Länge: ca. 91 Minuten
Freigabe: FSK 12

Joachim Fuchsberger: Michael Dorn
Brigitte Grothum: Margaret Reedle
Lil Dagover: Gräfin Eleanora Moron
Klaus Kinski: Stuart Bresset
Marianne Hoppe: Mary Pinder
Rudolf Fernau: Dr. Tappat
Richard Häussler: Chesney Praye
Edith Hancke: Lizzy Smith
Eddi Arent: Lord Selwyn Moron
Fritz Rasp: Rechtsanwalt Shaddle
Reinhard Kolldehoff: Butler John Addams
Alexander Engel: Patient in der Irrenanstalt
Albert Bessler: Gefängnisdirektor
Eva Brumby: Mary
Kurt Jaggberg: Sammy
Werner Buttler: Mackenzie

Die Sekretärin Margaret Louis Reedle freut sich darauf, eine neue Stellung bei der Gräfin Moron antreten zu können. Doch ihre Freude trübt sich, als sie Morddrohungen per Telefon erhält und den ersten Mordanschlägen knapp entgehen kann. Inspektor Michael Dorn nimmt sich der Sache an, er findet Spuren die zur Gräfin und zu einer Irrenanstalt führen.

Der Wallace-Verfilmung aus den frühen 60ern fehlt es an einigem. In erster Linie ist hier die Logik angesprochen. Des weiteren wirkt das Spiel einiger Hauptdarsteller sehr uninspiriert und aufgesetzt. Es gelingt deshalb auch nicht, den Funken auf den Zuschauer überspringen zu lassen. Brigitte Grothum macht jedoch ihre Sache als Margaret Louis Reedle durchaus gut und vermittelt den Part ansprechend. Man nimmt ihr die Rolle der verängstigten und unsicheren Person in der Opferrolle, durchaus ab. Joachim Fuchsberger kommt in der Rolle des Michael Dorn, einfach nur seiner Pflicht nach und es gelingt ihm nicht einen Glanzmoment zu setzen. Diese, in diesem Film sehr spärlichen Glanzmomente, hat allerdings Klaus Kinski zu bieten. Kinski spielt die Rolle des Psychopathen Stuart Bresset absolut überzeugend. Das Spiel ist ihm sozusagen auf den Leib geschrieben. Im Prinzip kein Wunder, da Kinski sich später mal äußerte, dass wenn er kein Schauspieler geworden wäre, er sonst als Serienmörder geendet hätte. Na ja, wer Kinskis Verhaltensweisen an den Sets der Herzog-Filme kennt, der…

Lil Dagover legt in der Rolle der Gräfin Eleanora Moron ein sehr überzogenes Overacting an den Tag, das in meinen Augen schon an den Grenzen der Peinlichkeit anzusiedeln ist. Mag sein, dass hier noch der dramatische Weg der Theatralik eingeimpft wurde. Immerhin wirkte Frau Dagover ja in einigen Stummfilmen mit und arbeitete mit Regiegrößen wie Murnau und Lang zusammen. Aber zurück zur Gräfin Moron: Ein Name, der den Zuschauer bereits erkennen lässt, dass es sich hier um eine geistig, nicht ganz astreine Person, handelt.

Fazit: Ein Film der irgendwie nicht so richtig in die Gänge kommt und nur ein paar kleine Highlights zu bieten hat.


6,5/10
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Re: Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Beitragvon DrDjangoMD » 16. Aug 2011, 22:06

Volle Zustimmung, Sid: Nicht sonderlich super, aber mit Kinski!

Hier mein üblicher Edgar Wallace FFfF (Fun Fact for Fans): Wusstet ihr, dass drei Regisseure am Film beteiligt waren? Die Drehs wurden nämlich sorgfältig vor Beginn der Dreharbeiten durchgeplant, so dass für das Filmen selbst nur wenig Zeit gegeben wurde. Als Regisseur Josef von Báky einen Herzinfarkt bekam, sorgte ein Anruf Horst Wendlandts bei Jürgen Roland für schnellen Ersatz. Doch Zeit ist Geld und unter diesen Motte soll kein Vormittag, den der gute Jürgen zum Kofferpacken und zum Drehort Reisen benötigt, verschwendet werden, weshalb man an die paar Stunden zwischen dem Anruf bei Roland und seinem Eintrudeln Otto Kunze provisorisch auf den Regiestuhl gesetzt hatte.
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Re: Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Beitragvon sid.vicious » 17. Aug 2011, 08:29

Da wäre ich bei der Preisfrage voll daneben gewesen. Ich war schon stolz zu wissen, dass mit Josef von Báky und Jürgen Roland, zwei Regisseure am Werk waren.
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Re: Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Beitragvon Adalmar » 17. Aug 2011, 09:14

Das angebliche "Overacting" der Figur von Lil Dagover habe ich immer so verstanden, dass diese aufgrund ihres Charakters sich so überzogen-theatralisch verhält, was m. E. auch sehr zu ihrem sonstigen Temperament passt: Neigung, andere zu manipulieren (besonders ihren Sohn), das Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen. Elisabeth Flickenschildt (die m. E. jede Rolle gleich spielt) hätte ich in dieser Rolle weit weniger gern gesehen.

Auch ansonsten kann ich an der Besetzung kaum Negatives finden. Viele Szenen sind ungewöhnlich düster, vor allem Kinski als irrer Anrufer ist klasse in Szene gesetzt. Der Film gehört zum erweiterten Kreis meiner Lieblings-Wallacefilme.

Übrigens danke für die Info, dass Jürgen Roland und der mir ansonsten unbekannte Herr Kunze beteiligt waren, das wusste ich bislang nicht.
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Re: Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Beitragvon Blap » 17. Aug 2011, 12:02

DrDjangoMD hat geschrieben: Wusstet ihr, dass drei Regisseure am Film beteiligt waren?


Nö, aber jetzt. :D

***

Der Kurzkommentar aus dem Filmtagebuch (inkl. unvollständigen Angaben zu den Regisseuren):


Die seltsame Gräfin (Deutschland 1961, Originaltitel: Die seltsame Gräfin)

Die hübsche Sekretärin Margaret Reedle (Brigitte Grothum) wird von einem seltsamen Anrufer (Klaus Kinski) tyrannisiert, der ihren baldigen Tod androht. Margaret zeigt sich davon zunehmend beunruhigt, ihre Mitbewohnerin Lizzy (Edith Hancke) hat grösste Mühe die junge Frau zu beschwichtigen. Zu allem Überfluss wird an einer Baustelle tatsächlich ein Anschlag auf Margaret verübt, ein sympathischer Fremder namens Mike Dorn (Joachim Fuchsberger) kann sie vor einem Unglück bewahren. Da die Sekretärin in den nächsten Tagen zu einer neuen Arbeitgeberin wechseln wird, sie soll für Gräfin Leonora (Lil Dagover) tätig werden, hofft sie auf eine Entspannung der Lage. Zuvor schickt ihr alter Chef, der angesehene Rechtsanwalt Shaddle (Fritz Rasp), seine Mitarbeiterin dienstlich ins Frauengefängnis, eine zu entlassende Insassin soll ein wichtiges Dokument unterzeichnen. Die Gräfin empfängt ihre neue Angestellte sehr freundlich, doch Mike Dorn, der seine Brötchen als Polizei-Inspektor verdient, macht sich noch immer grosse Sorgen um die Sicherheit Margarets. Völlig zu Recht, denn ein weiterer Anschlag erfolgt umgehend. Wer trachtet der jungen Frau nach dem Leben? Warum fühlt sich Margaret zu der angeblichen Giftmörderin Mary Pinder (Marianne Hoppe) hingezogen? Welche Rolle spielt der groteske Bursche Selly (Eddi Arent), der Sohn der alten Edeldame...???

Bei der achten Wallace Verfilmung aus dem Hause Rialto Film, führte ein gewisser Josef von Báky Regie. Es sollte seine einzige Regiearbeit im Rahmen der Reihe bleiben, sogar die letzte seiner gesamten Karriere. "Die seltsame Gräfin" fährt erwartungsgemäß eine recht beeindruckende Besetzung auf. Erneut ist Joachim Fuchsberger in der Rolle des Ermittlers und "Helden" zu sehen. Die weibliche Hauptrolle bekleidet Brigitte Grothum, deren Auftritt man heute mit dem Siegel "Scream Queen" belegen würde. Klaus Kinski zeigt sich hier völlig durchgedreht, spielt den massiv manipulierten Patienten eines fragwürdigen Mediziners. Lil Dagover überzeugt in ihrer Rolle als verschrobene, undurchsichtige Edeldame, Eddi Arent ist weniger albern als man es erwartet. Alle anderen Mitwirkenden spielen ihren Part solide, lediglich Edith Hancke ging mir ein wenig auf die Nerven. Das ist aber kein spezielles Problem dieses Films, Frau Hancke nervt mich grundsätzlich. Die Handlung erscheint ein wenig verworren, nicht wirklich gut erdacht und umgesetzt. Statt einen wirklich cleveren Kriminalfilm zu präsentieren, verliert man sich hier teils in Nebensächlichkeiten, an echter Spannung und Atmosphäre mangelt es ebenso recht häufig. War bisher "Der grüne Bogenschütze" das Schlusslicht meiner persönlichen "Wallace Hitliste", nimmt die Gräfin dem Bogenschützen die rote Laterne nun aus der Hand. Auch wenn die Akteure vor der Kamera ihre Jobs ordentlich ausüben, fehlen dem Film echte Glanzlichter, die das Gesamtbild ein wenig positiver gestalten könnten. "Der grüne Bogenschütze" konnte durch den phantastischen Gert Fröbe einige Schwächen kaschieren. Dies gelingt bei "Die seltsame Gräfin" nicht, da kann Kinski chargieren wie er will.

Selbst die musikalische Untermalung hat mir bei dieser Wallace Verfilmung nicht sonderlich zugesagt. Sie kommt teils unpassend und vor allem recht belanglos daher. Insgesamt bietet der Film -trotz einiger Kritikpunkte- durchaus sehenswerte Kriminalfilmunterhaltung, im Vergleich zu den vorherigen Beiträgen der Reihe fällt er aber spürbar ab. Für die "Edgar Wallace Edtion 2" spreche ich trotzdem eine ganz klare Empfehlung aus, denn die drei anderen Beiträge sind weitaus stärker geraten! Ergo kann man sich auf:

- Die toten Augen von London
- Das Geheimnis der gelben Narzissen
- Der Fälscher von London

ohne Reue freuen! "Die seltsame Gräfin" geht als nette Beigabe und Vorspiel zur nächsten Box durch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Für diesen "Mittelklasse-Krimi" reicht es für 6/10. Ein kleines Zwischentief, welches ich dieser herrlichen Filmreihe gern verzeihe!

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Re: Die seltsame Gräfin - Josef von Báky, Jürgen Roland

Beitragvon buxtebrawler » 3. Jan 2019, 16:44

Die "Edgar Wallace Blu-Ray Edition 6" ist mutmaßlich am 07.12.2018 bei Tobis erschienen:

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Enthaltene Filme:
Der grüne Bogenschütze
Die seltsame Gräfin
Neues vom Hexer

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... &vid=91185
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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