Shivers - David Cronenberg (1975)

Moderator: jogiwan

Shivers - David Cronenberg (1975)

Beitragvon horror1966 » 27. Jun 2010, 23:42

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Parasiten-Mörder
(Shivers)
mit Paul Hampton, Joe Silver, Lynn Lowry, Allan Kolman, Susan Petrie, Barbara Steele, Roland Mlodzik, Barry Baldaro, Camil Ducharme, Hanka Posnanska, Wally Martin, Vlasta Vrana, Silvie Debois, Charles Perly, Al Rochman
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Robert Saad
Musik: Keine Informationen
FSK 16
Kanada / 1975

Ein Wissenschaftler ist auf der Suche nach einem Parasiten, der Organverpflanzungen überflüssig macht. Er möchte einen Organismus erschaffen, der den triebhaften Urinstinkt des Menschen neu beleben soll. Als er an einer jungen Frau experimentiert, gerät das Experiment außer Kontrolle. Der Parasit schaltet den Verstand der Frau vollkommen aus, sie wird zu einer blutrünstigen und Menschenfleisch fressenden Sexbestie. Sie verkehrt mit unzähligen Männern, in denen sich der Parasit vermehrt und somit ausbreitet. Alle die vom Parasiten befallen werden, verwandeln sich in sexbesessene, mordlüsterne Bestien mit andersartigen sexuellen Phantasien.


Heutzutage als Meilenstein des Genres angesehen, löste dieser Film zur damaligen Zeit durch seine radikale Art eher Empörung in gewissen Gremien aus. Bei "Shivers" handelt es sich um den Film, der David Cronenberg zum endgültigen Durchbruch als Regisseur verholfen hat und in dem sein ewiges Thema "Body-Horror" nahezu perfekt zur Geltung kommt. Wie so oft in seinen Filmen nimmt auch hier das Thema Sex einen zentralen Punkt der erzählten Geschichte ein, ist aber keineswegs zu stark in den Vordergrund des Geschehens gerückt. Cronenbergs Art, das parasiten-Thema zu bearbeiten, mag aus heutiger Sicht für viele eher als harmlos wirken, obwohl der Film einige recht blutige Passagen beinhaltet, doch zur damaligen zeit wirkte dieses werk für viele doch eher wie eine Radikalkur. Auf jeden Fall aber hat dieses Werk bleibende Maßstäbe gesetzt, an denen sich auch weitere Filme orientiert haben, die eine ähnliche Thematik vorzuweisen haben.

Als Schauplatz der Geschichte dient hier ein neumodischer Wohnkomplex mit allem denklichen Komfort, der etwas ausserhalb von Montreal auf einer Insel angesiedelt ist. Es ist insbesondere die kalte, ja teilweise fast steril anmutende Ausstrahlung dieser Location, die dafür Sorge trägt, das sich eine erstklassige und teils sehr beklemmende Atmosphäre entfalten kann, die sich auch auf den Zuschauer überträgt und in ihm ein gefühl des Unwohlseins auslöst. Denn dieser Appartement-Komplex, der als Oase der Ruhe und der Abgeschiedenheit dienen soll, entwickelt sich mit der Zeit zu einem sexuellen Tollhaus und zur absoluten Todesfalle, aus der es anscheinend keine Rettung gibt. Die durch die Parasiten befallenen Menschen verwandeln sich richtiggehend in eine Art Sexmonster und infizieren dadurch immer mehr unschuldige Menschen.

Es entwickelt sich eine Menschenjagd, bei der keiner vor den ekelhaften Parasiten sicher ist. Dabei wird der vorhandene Spannungsbogen immer straffer gezogen, die unheilvolle Stimmung, die der Film aussendet, verdichtet sich fast minütlich, so das man sich als Betrachter phasenweise sehr stark in das Geschehen involviert fühlt, da es auch trotz der enthaltenen SCI/FI Elemente erschreckend realistisch und glaubwürdig wirkt. So bekommt man durchaus den Eindruck vermittelt, das man jederzeit selbst ein Teil des hier stattfindenden Wahnsinns sein könnte. Dadurch wirkt die Geschichte noch intensiver, es geht eine extrem starke Faszination von ihr aus, die sich zwangsläufig auf einen selbst überträgt und ein flaues Gefühl in der Magengegend entstehen lässt. So kann man im Endeffekt von einem sehr intensiven Filmerlebnis sprechen, das auch in der heutigen Zeit rein gar nichts von seiner Faszination und seinem Reiz verloren hat.

Dazu trägt auch die Darsteller-Riege bei, bei der es sich zwar nicht unbedingt um die ganz großen Namen handelt, was aber nichts an den überzeugenden und authentischen Schauspielleistungen ändert, die man hier geboten bekommt. Insgesamt gesehen hat man es also mit einem rundum gelungenem Gesamtpaket zu tun, das regisseur David Cronenberg den Weg für seine weitere Karriere geebnet hat und sicherlich als Meilenstein in seiner Filmografie anzusehen ist, in der sich ja mehrere erstklassige und teilweise aussergewöhnlich gute Werke befinden.


Fazit:


"Shivers" ist ein Horrorfilm, der besonders durch seine excellente Atmosphäre, aber auch durch seine phasenweise radikal wirkende Darstellung der vorhandenen Thematik überzeugen kann. Ein Film, der nicht umsonst in Fankreisen Kultstatus besitzt und auch nach mittlerweile über 30 Jahren immer wieder sehenswert ist. Einige Szenen wirken sogar in der heutzutage von Härte geprägten Horrorlandschaft ziemlich eklig und können durchaus für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend sorgen. Auf jeden Fall aber ist "Shivers" ein Horrorfilm, den jeder Fan des Genres gesehen haben sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 1.0
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 84 Minuten


7/10
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Re: Shivers - David Cronenberg

Beitragvon Santini » 28. Jun 2010, 22:18

Shivers war in den ganz frühen 80iger Jahren meine erste Berührung mit Cronenberg-Filmen.

Die kalte, düstere Atmo & Inszenierung gefallen mir bis heute ausgesprochen gut.

Ein Meister seines Fachs mit einem individuellem Stil & hohem Wiedererkennungswert.

Cronenberg's Klassiker stehen für mich den Klassikern eines John Carpenter's in nichts nach.
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Re: Shivers - David Cronenberg

Beitragvon buxtebrawler » 28. Mär 2011, 08:39

Ältere Notizen:

David Cronenbergs Spielfilmlängendebüt ließ bereits 1975 seine Vorliebe für handgemachte Ekeleffekte in Verbindung mit Veränderungen des menschlichen Körpers erkennen. Wie auch im Folgewerk "Rabid" dreht es sich um entartete, primitive Sexualität und die Angst vor den Ausbrüchen selbiger bzw. ihre Konsequenzen: Tod, Wahnsinn und Vernichtung. Im Groben kann man "Shivers" also als Metapher für Geschlechtskrankheiten durch ungezügelte Triebhaftigkeit bezeichnen, darüber hinaus sind aber auch Anspielungen auf Wissenschaft und Fortschritt und damit einhergehenden Gefahren zu erkennen. Die wurmartigen Geschöpfe, die Cronenberg als Parasiten auf und in die Körper seiner Schauspieler jagt, erinnern Genre-Kenner an so manchen Sci-Fi-/Horrorfilm späteren Datums, ebenso sind Parallelen zu Romero-Filmen wie "Crazies" oder Zombie-Schockern wie "Woodoo" erkennbar. Insofern dürfte "Shivers" großen Einfluss auf seine Genrekollegen ausgeübt haben. Dass es in Cronenbergs Erstling noch nicht ganz so ästhetisch und stilsicher wie in seinen folgenden Werken zugeht, ist natürlich kaum verwunderlich und sorgt für eine dreckige 70er-Atmosphäre mit reichlich Blut und nackter Haut, die auch heute noch bestens zu unterhalten weiß.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Shivers - David Cronenberg

Beitragvon untot » 28. Mär 2011, 12:52

Auch ein sehr guter Film, den ich mir immer wieder ansehen kann!

7,5/10
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Re: Shivers - David Cronenberg

Beitragvon AL NORTHON » 28. Mär 2011, 15:19

Die originale dt. Kinosynchro gibt es weiterhin nur auf Video (oder nat. im Kino).Das Bildformat der DVD(s) müsste auch falsch sein (d.h. beschnitten auf 16:9).
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Re: Shivers - David Cronenberg

Beitragvon jogiwan » 28. Okt 2014, 10:49

Für alle, die sich dieser Tage die Anschaffung der englischen Blu-Ray überlegen: das zugrunde liegende Master basiert leider - Versehen oder nicht - auf einer gekürzten Kinofassung! :|

:arrow: http://www.schnittberichte.com/schnittb ... ?ID=819977

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Re: Shivers - David Cronenberg (1975)

Beitragvon Adalmar » 29. Okt 2014, 14:18

Peinlich. Hätte den schon gerne auf BD. Wie fast alles von Cronenberg ein sehr sehenswerter, ungewöhnlicher Genrebeitrag. "Rabid" mit Marilyn Chambers gefällt mir aus dieser Phase aber noch besser. Wobei man in "Shivers" immerhin mit Barbara Steele und Lynn Lowry verwöhnt wird.
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Re: Shivers - David Cronenberg (1975)

Beitragvon jogiwan » 6. Dez 2018, 08:52

David Cronenbergs augenscheinliche „Night of the Living Dead“-Variation, wobei hier die Fleischeslust als Triebhaftigkeit und nicht auf die kannibalische Weise ausgelegt wird. Hier ist es auch ein von Menschenhand gezüchteter Parasit, der die Bewohner eines exklusiven Wohnresorts in den kollektiven und sexuell getriebenen Wahnsinn stürzt und „Shivers“ ist für einen kleinen Film auch ungemein effektiv und hübsch in Szene gesetzt. Ich mag ja diese bisweilen sehr nüchtern erscheinende Schaffensperiode von Cronenberg besonders und hier wirkt der Körperhorror auch noch weniger perfekt, sondern fügt sich mit seiner kostengünstigen Herstellung eher beiläufig in eine Handlung ein. Barbara Steele und Lynn Lowry haben ja meines Erachtens auch irgendwie etwas Abgründiges in ihren hübschen Gesichtern und passen als Besetzung auch hervorragend zur Thematik der Geschichte, die man wieder einmal als Abgesang auf die moderne Zivilisation deuten kann. Neben Jean Rollins „Night of the Hunted“ ist „Shivers – Der Parasitenmörder“ auch ein Film, der als Romero-Variation unter Horror-Fans eigentlich viel stärker wahrgenommen und wertgeschätzt werden sollte.
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