Die Zeit der Wölfe - Neil Jordan (1984)

Moderator: jogiwan

Re: Die Zeit der Wölfe - Neil Jordan (1984)

Beitragvon horror1966 » 19. Mär 2013, 20:06

untot hat geschrieben:So ist brav!! :troest: :kicher:
Bin schon gespannt was Du dazu sagst...



Du bist zu gütig meine kleine Foren-Amazone. :thup:
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Re: Die Zeit der Wölfe - Neil Jordan (1984)

Beitragvon buxtebrawler » 20. Nov 2013, 14:09

„Altweibergeschichten! Hinterwäldlerischer Aberglaube!“

Das Fantasy-/Horror-Märchen „Zeit der Wölfe“ des irischen Regisseurs Neil Jordan, entstanden im Jahre 1984 in britisch-US-amerikanischer Koproduktion, basiert auf den Kurzgeschichten „Der Werwolf“ und „Die Gesellschaft der Wölfe“ der britischen Autorin Angela Carter, die sich auch am Drehbuch beteiligte. Es war nach „Angel - Straße der Angst“ Jordans zweite Regiearbeit.

Die Heranwachsende Rosaleen (Sarah Patterson, „Schneewittchen“) träumt sich in eine mittelalterliche Märchenwelt, in der ihr ihre Großmutter (Angela Lansbury, „Mord ist ihr Hobby“) fantastische Geschichten von Wolfsmenschen erzählt und sie vor Männern mit zusammengewachsenen Augenbrauen warnt. Und tatsächlich begegnet sie derartigen Wesen und gerät in Gefahr…

Das Grimm’sche Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf wird gern als Allegorie auf das Erwachen der weiblichen Sexualität interpretiert: Das Rotkäppchen als jungfräuliches Mädchen, der Wolf als Verführer. Einen ganz ähnlichen Weg schlägt Jordans auf mehreren Ebenen erzähltes Grusel-Fantasy-Märchen ein, das ab einen bestimmten Zeitpunkt die Erzählung vom Rotkäppchen aufgreift und auf eine eigene Weise interpretiert. Dramaturgisch eher leise führt Jordans Film durch seine verträumten, märchenhaften Kulissen, bis eine wirklich gut umgesetzte Häutungs-/Verwandlungsszene ein erstes tricktechnisches Ausrufezeichen setzt und den Film ein Stück weit in den Horrorbereich verlagert. Bis zur nächsten Wolfs-Action vergeht dann allerdings eine ganze Weile, effektkünstlerisch naiv ging man hier zu Werke und zog Hunden Kostüme an. Weitere Spezialeffekte muten auch eher eigenartig an: Da entledigt sich ein Wolfsmensch des Kopfes der Oma per Handkantenschlag und das Greisenhaupt zerschellt wie Porzellan. Lange Zeit bleibt die Handlung nur lose zusammenhängend, dabei optisch stets interessant genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Erst im letzten Drittel wird die Rotkäppchen-Geschichte aufgegriffen und geschickt variiert. Die Verwandlungsszene am Ende fiel indes etwas unbeweglich aus, dafür bereiten Wölfe mit leuchtenden Augen ein gewisses Unbehagen. Es folgt eine sehr schöne, quasi neue und erneut nur lose mit den vorausgegangenen Ereignissen verflochtene Geschichte einer verwundeten Wölfin, die nichts Böses wollte. Die eigentliche Pointe des Films passt ebenfalls prima, wird hier aber natürlich nicht verraten.

Ja, psychologisch lässt sich an „Zeit der Wölfe“ und seinen Freud’schen Bildern viel in Bezug auf das Heranreifen der weiblichen Sexualität heruminterpretieren, alternativ lässt man schlicht die weltliche Logik weitestgehend hinter sich gelassen habenden Bilder auf sich wirken und genießt einen bestimmt nicht rundherum perfekten Film, der jedoch durch seine einzigartige Mischung aus klassischer Märchenverfilmung, Fantasy-Stimmung, Horrorbildern und interessanter Kontextsetzung bekannter Erzählungen und Metaphern aufmerken lässt und aufgeschlossenen Freunden des phantastischen Films durchaus empfohlen sei – nicht zuletzt dank überzeugender schauspielerischer Leistungen der kleinen Sarah Patterson und der für ihre Rolle prädestinierten Angela Lansbury.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Zeit der Wölfe - Neil Jordan (1984)

Beitragvon buxtebrawler » 17. Okt 2016, 15:10

Erschien am 13.10.2016 bei Concorce Home auf Blu-ray und auch noch einmal auf DVD:

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Zeit der Wölfe - Neil Jordan (1984)

Beitragvon Arkadin » 3. Dez 2018, 11:43

Lange nicht mehr gesehen. Das erste und letzte Mal im TV, wo er wohl gekürzt war. Noch ein ganz wundervolelr Film. Damals mochte ich ihn so halb. Da hat mich wohl seine sehr komplexe Erzählstruktur (Geschichten in Geschichten in Träumen) irritiert oder ich habe wirklich einen Werwolf-Film erwartet. Ist aber ein Märchen. Bzw. die Essenz eines Märchens. Nämlich jene, die mit Psychologie, Moralvorstellungen und Sexualität zu hat. Kaum ein Bild, welches nicht mit entsprechenden Symbolen aufgeladen ist. Auch interessant: Der Film atmet an jeder Ecke Sex - ohne dass dies nur einmal eplizit erwähnt wird. Aber wie soll man die riesigen Pilze, die Schlangen, die mächtigen, irgendwie fleischig aussehenden Bäume, die Schnecken und Kröten, die Eier aus der kleine Babyfiguren kommen anders interpretieren. Großartiger Film, der viel mehr zeigt und erzählt, als man an der atmosphärischen Oberfläche sieht. Und gleichzeitig eine tiefe Verbeugung vor dem Geschichtenerzählen und den Märchen unserer Kindheit.
Früher war mehr Lametta
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