Hell Hunters - Ernst R. von Theumer (1987)

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Hell Hunters - Ernst R. von Theumer (1987)

Beitragvon Canisius » 17. Nov 2018, 00:17

Hell Hunters
Rage to Kill


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Herstellungsland: Deutschland/USA/1987

Regie: Ernst Ritter Von Theumer

Darsteller: Candice Daly, Romulo Arantes, Stewart Granger, George Lazenby, Maud Adams, William Berger...

Story:
Quelle: Covertext

Mexico-City, International Airport: auf der Damen-Toilette liegt eine Frau: erdrosselt. 
Rio de Janeiro: ein Liquidationskommando mäht eine ganze Trauergemeinde nieder. 
Los Angeles, USA: das Trinkwasser wird mit einem tödlichen Serum vergiftet. Das Leben von Millionen ist in Gefahr. 

Für alle Attentate ist ein Mann verantwortlich, dessen blutige Vergangenheit bis in die KZ´s zurückreicht. Nur eine Handvoll knallharter Elite-Einzelkämpfer, ausgerüstet mit modernsten Waffen und dem eisernen Willen zum Töten können diesen Größenwahnsinnigen auslöschen ...

(Covertext Eurovideo)
OFDb von blacklion
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
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Re: Hell Hunters - Ernst R. von Theumer (1987)

Beitragvon Canisius » 17. Nov 2018, 18:37

Gestern als Betthupferl gesehen. Die prominente Besetzung lässt aufhorchen:.
Karl (William Berger) heiratet Amanda (Maud Adams). Karl ist der Neffe von Altnazi Martin Hoffmann (Stewart Granger). Der böse Onkel versteckt sich im Urwald irgendwo in Paraguay.
Was niemand weiß: Amanda ist Nazijägerin und ihre 5. (!) Ehe („eine Frau, die sich was vom Leben nimmt!“) dient nur dazu, Hoffmann über Bande ausfindig zu machen. Gleich nachdem die Hochzeitsglocken in Rio verklungen sind, stürzt sich das frisch vermählte Paar in den dortigen Karneval* und tanzt mit. Doch schon bald hat es sich ausgeschwoft, denn Hoffmann bekommt durch einen Tipp von „Altnazikumpel 1“ Johann (Herb Andress) heraus, dass man ihm auf den Fersen ist. Er reagiert so, wie man es von ihm erwartet und lässt sowohl Amanda (gewollt) als auch Karl (ungewollt) beseitigen. Chefkiller „El Pasado“ (Eduardo Conde), ein Latinoschmierlappen mit veritabler „Guildo Horn Gedächtnisfrisur“, hatte seinen Befehl „nur die Frau“ umzunieten kurzerhand erweitert und Karl „für die Sache“ ebenfalls ausradiert.
Das ist die Stelle, an der Amandas hübsche Tochter Ally (Candice Daly) ins Spiel kommt. Diese arbeitet in einem Krankenhaus und geht privat gerne „in Judo“. Zufällig ist sie auch Hobbyschützin. Auf der Beerdigung ihrer Mutter, auf der auch Karl erschossen wird, trifft sie die Exekutive der Nazijäger in Person von Tonio (Rômulo Arantes). Dieser verhilft ihr zur Flucht, und notgedrungen schließt sie sich ihm an. Dass die beiden sich erst nicht ausstehen können und sich später verlieben, muss ich nicht extra erwähnen oder? Dass beide aber komplett blank ziehen und in einem Urwaldgewässer kitschig-turtelnd zusammenfinden, möchte ich dennoch ansprechen.
Die Nazijäger um Tonio und Ally wachsen noch um 2 Personen an. Dazu gesellen sich Tonios knackige Bekannte Nelia (Nelia J. Cozza) und der in vielen Actionfilmen obligatorische „Exil-Haudegen“, der sich hier Kong (Russ McCubbin) schimpft und Bootsfahrten anbietet. Die Verantwortlichkeiten sind flugs abgesteckt: Nelia zeigt Popo und Busen :knutsch: und Kong fährt Boot. Und ist für einige Kalauer zuständig, über die er selbst am lautesten lacht. Ein bisschen schrägen Humor gibt es noch in der Schmugglerspelunke zu sehen, in der Kong angeheuert wird. Dort steigt ein zwergwüchsiger Afroamerikaner zu 2 tanzenden Stripperinnen auf ein Podest und wird nach einigen Annäherungsversuchen herunter geschubst. Hahaha! Die Szene ist wirklich lustiger, als ich sie hier wiedergeben kann. :nick: Was mich generell stört, ist, dass die gesamte Truppe der Nazijäger aus relativ blassen Charakteren besteht. Mitreißen tut mich hier niemand. :|
Weiterhin ist festzuhalten, dass George Lazenby als „Altnazikumpel 2“ Heinrich komplett verschenkt wird. Er darf nur 2 oder 3 Mal kurz auftauchen und seinen angeklebten Bart in die Theumer'sche Linse halten.
Star des Films ist ganz klar Stewart Granger als NS-Kriegsverbrecher im Exil, der sein Esszimmer mit Führerportrait (er bezeichnet Hitler als „gütigen Mann“) und Hakenkreuzflagge ausstaffiert hat. Sein Overacting ist putzig anzusehen, und es gibt etliche dämlich-zitierwürdige Sprüche.
An Karl gewandt, meint er bspw.: „Hitler ist auch nur ein Philosoph gewesen. Aber ich bin kein Philosoph. Ich bin Praktiker. Und jetzt komm essen.“ :doof:
Die Synchro, gerade was die NS-Thematik angeht, schwankt zwischen leichtfertig daher geplappert und saudämlich. So ist die geäußerte Motivation von Nazijäger Tonio rein persönlich: Seine Mutter fiel einst einem rechtsterroristischen Bombenattentat Hoffmanns zum Opfer.
Allys anfänglich ablehnende Haltung kommt über kindliches Unverständnis nicht hinaus:
„Warum machst Du das eigentlich? Warum jagst Du gerade Nazis?“
Und die genannten Überzeugungen der Exil-Altnazis, die beim Ansehen alter Aufmärsche schwärmen: „Mit welcher Freude alle in eine bessere Zukunft marschieren. HAHAHAHAHA!“ fallen allesamt naiv und/oder wirr aus.
Zum Kopfschütteln und Lachen reicht es locker. :lol:
Zum Kopf an die Wand schlagen und reflexartigen Ausspucken von Johannisbeerschorle wie bei Andrea Bianchis Commando Mengele langt es nicht ganz. :bang:
Da kommt mir gerade noch ein Verdacht metageographischen Charakters: der finale Kampf in Martin Hoffmanns Festung könnte in dem gleichen Gebäude stattgefunden haben wie die Endschlacht in Jungle Warriors. Da aber seit meiner letzten Sichtung einige Jahre vergangen sind, bleibt meine Aussage im Konjunktiv. Wer das bestätigen oder widerlegen kann, bitte hier im Thread melden!

Fazit: Thematische Gemeinsamkeiten mit Angel Of Death und Parallelen zu Jungle Warriors in der Machart (Produktion, Setting) sind nicht von der Hand zu weisen. Leider wird weder der debil-kaputte (Eurociné bedingte) Charme des Erstgenannten noch der hohe Action- und Sleazeanteil des Zweitgenannten erreicht. Eurokultisten geben diesem ungeniert Altstars verheizenden Unfug natürlich trotzdem mindestens eine Chance.
Um es mit einer Analogie von Mischgetränken auf den Punkt zu bringen:
Wenn Jungle Warriors Rum/River-Cola ist, dann ist Commando Mengele Fanta/Doppelkorn. Jeweils separat genossen echte Rachenputzer.
Zusammengepanscht, erhitzt und etwas länger offen stehen gelassen, ergibt sich allerdings ein teilweise verwässertes Gebräu wie Hell Hunters. Es ist trinkbar, doch haben sich die charakteristischen Stärken der Ausgangszutaten verflüchtigt. Die Kohlensäure hat sich verdünnisiert, und es prickelt nicht mehr so schön.
Rage to Kill löscht zwar den delirianischen Durst, munden tut es aber wie eine fade Spezi-Light mit Schuss.

*Dazu wird kurz ein ziemlich cooles 80er Synthiepop Lied angespielt. Laut Abspann ist es „Carnival“ von Larry Fallon. Netter Track!
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
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