Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 16. Okt 2018, 15:17

8. Oktober 2018, Tower Bremen
Die anscheinend alleits beliebten (und mir unbekannten) japanischen Postrocker MONO kamen nach BRemen und wurden mir allerseits empfohlen.
Ich hatte allerdings noch gen abend zu tun, doch aufgrund von 2 Vorgruppen (die, wie man mir versicherte, ich zum Glück verpasste), kam ich zum Hauptact genau pünktlich.
Und so was hab ich auch noch nicht erlebt: Als das Licht ausging war es absolut still, auch zwischen den Liedern wurde zwar applaudiert aber so gar nicht geredet. Als ich diesen Umstand mit einem Freund diskutierte, gab es halbernste Psssts.
Auf der Bühne: Zwei Gitarristen, beide meist sitzend, ein Schlagzeuger, auch sitzend, eine Bassistin, zum Glück stehend, und so die einzige, die ich sah. Ab und an gab es noch Keyboard.
Sie fingen sehr pathetisch an: Im Gegensatz zu anderen Postrockern geht es bei MONO tatsächlich viel Metalliger vor, und bei den ersten beiden Songs gepaart mit Pathos. War nicht so ganz meins, aber danach war ich drin. Ähnliches Laut-Leise Prinzip wie bei Mogwai, aber eben mit eher schweren Riffs als mit TheCure-EInflüssen. Dazu immer wieder kleine fiese Melodien wie aus fiesen italienischen Filmen, dann hatten sie mich auch. Toll und mitreissend. ShoegazeMetal? Egal, wie man sowas nennt, das war groß. Wieder mal eine harte Instrumental Band (bis auf ein Song), seh ich in letzter Zeit häufiger und gefällt fast immer.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 16. Okt 2018, 17:23

02.10.2018, Menschenzoo, Hamburg:
ZUNAME + BOLANOW BRAWL


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Ich bin ja noch ein paar Konzerttagebucheinträge schuldig, also geb‘ ich jetzt mal bischn Gas:

In der Nacht auf den sog. Tag der Deutschen Einheit bekamen wir die Gelegenheit, die russischen Folk-Streetpunks von ZUNAME (sprich: Tsunami) zu supporten. Auf ihrer letztjährigen Tour hatte ich sie mir erstmals im Menschenzoo angeschaut, um eine Woche später mit ihnen im Potsdamer Archiv die Bühne zu teilen. Daraus wurde eine großartige Party, auf der man sich anfreundete – umso geiler, dass sie dieses Jahr wieder eine großangelegte Herbsttour unternahmen und man im Menschenzoo fand, dass wir musikalisch gut zueinander passen würden. Dabei sah es kurzzeitig leider sogar danach aus, dass das Konzert evtl. gar nicht stattfinden würde können: Bassist Kostya war zwei Tage zuvor aus einem Hochbett gestürzt und derart böse auf dem Kopf gelandet, dass er im Krankenhaus behandelt und der Gig am nächsten Tag abgesagt werden musste. In Hamburg allerdings biss er schon wieder die Zähne zusammen und verbarg unter seiner Kapuze einen kopfumfassenden Verband, der ihn nicht daran hinderte, die weiteren Gigs durchzuziehen. Show must go on! Optimalerweise konnten wir ZUNAMEs gemietetes Tour-Equipment mitnutzen, sodass wir mit kleinem Gepäck zum Menschenzoo reisten. Dort legten ZUNAME einen sauberen Soundcheck hin, während unserer auf sich warten ließ, weil Ole herumtrödelte und erst kurz vorm Einlass dazustieß. Norman schleuste uns dann aber recht flott durch seine tausend Schieberegler und gab sein Ok, woraufhin sich die Schleusen öffneten und sich der Zoo langsam aber sicher füllte. Zeit für Verpflegung: ein reichhaltiger Eintopf erwies sich als wohltuend für Rachen, Hals und Plauze.

Als wir mit „Total Escalation“ in unser Set einstiegen, war die Bude verdammt gut besucht und nach ein paar Songs legte sich sogar ein kleiner, aber feiner Pogomob vor der Bühne ins Zeug, zu dem sich auch einer aus der Crew der Russen gesellte, der die Songs unserer EP lauthals mitsang. Das befeuert einen natürlich und der Alkoholgenuss hatte sein Übriges dazu beigetragen, dass zwischen den Songs wieder reichlich Humbug von meinen Bandkollegen abgesondert wurde, was immer noch besser ist als so’n eher steifes Auftreten wie zuletzt in Rotenburg. Wir wollten und konnten unser komplettes aktuelles Probeset durchzocken, haben uns am Ende aber entschlossen, die letzten beiden Songs zu tauschen – was Ole nicht so richtig mitbekommen hatte und schon nach der vorletzten Nummer seine Gitarre abstöpselte und einpackte. Später kommen und früher gehen – so nicht! Also kurzerhand den Mann zurückgepfiffen und ordnungsgemäß mit der Zugabe „Fame“ den Gig beendet, von dem Gar-nicht-mehr-so-neu-Zugang Keith – wie so oft nach Konzerten mit seiner Beteiligung – fand, er sei unser bisher bester gewesen. Soweit würde ich nun nicht gehen, einmal hab‘ ich mich verträllert und hier und da hat’s auch musikalisch etwas gehakt, z.B. bei der Livepremiere unseres jüngsten Songs „2 Day Session“. Dessen Text hatte ich mir noch als Spickzettel neben die Box gehängt, den sich gegen Ende interessanterweise jemand stibitzte, mit fragendem Gesichtsausdruck durchlas und schließlich gegen eine Setlist eintauschte. Besonders mit dem Publikumsandrang und den positiven Reaktionen hatte ich in diesem Ausmaß nicht gerechnet, insofern war ich vollauf zufrieden.

ZUNAME ließen im Anschluss nicht lange auf sich warten, die Umbaupause fiel recht kurz aus. Rechtzeitig zu ihrem ersten Song kam sogar noch ein ganzer Rutsch weiteren Publikums, das die Band verdientermaßen abfeierte. Astreiner, flotter, hymnischer Streetpunk mit rauem englischem und russischem Gesang, dem nötigen Maß an Aggression, dem Druck von zwei Klampfen und Marinas Dudelsackspiel als Alleinstellungsmerkmal, der für den unverkennbaren Celtic-Folk-Anteil sorgt. Vor der Bühne war viel Bewegung, ich irgendwann mittendrin, Pogo und Crowdsurfing, verschwitzte Körper, Biergespritze – perfekt! Und größter Respekt an Kostya, der absolut souverän sein Ding durchzog, als sei nichts gewesen. Ich hoffe, er ist mittlerweile wieder vollständig genesen und falls noch nicht, weiterhin gute Besserung! „Whisky Bottles“, einer von so vielen ZUNAME-Hits, wurde noch mal als Zugabe gespielt, bis die Band, die einmal mehr alles gegeben hatte (auch wenn’s wie eine blöde Floskel klingt – keine Spur von einem Tourkater o.ä.), in den verdienten Feierabend entlassen wurde. Diesmal hatte ich Glück am Merchstand und mein Lieblings-Shirtmotiv gab’s noch in meiner Größe. Zusammen mit der CD, einer schönen Zusammenstellung von Singles und Sampler-Beiträgen, gleich mal gesichert und es nicht bereut. Spitzenband, immer wieder gerne, und ein klasse Abend, bei dem wir mal wieder kein Ende fanden und noch die Nacht zum Tag machten.

Danke an die Menschenzoo-Wärterinnen und -Wärter, an ZUNAME, ans geile Publikum sowie natürlich wie immer an Flo für die Live-Schnappschüsse! На здоровье!

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 24. Okt 2018, 16:14

06.10.2018, Sauerkrautfabrik, Hamburg:
VIOLENT INSTINCT + BOLANOW BRAWL
06.10.2018, Menschenzoo, Hamburg:
LUCIFER STAR MACHINE


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Am 03.10., also einen Tag nach unserem Gig mit ZUNAME im Menschenzoo, hatte mich René von VIOLENT INSTINCT gefragt, ob wir am Samstag für die Band mit dem originellen Namen EDGAR ALLAN POGEN einspringen könnten, die mit ihnen in der Harburger Sauerkrautfabrik hätte spielen sollen – aber leider krankheitsbedingt absagen musste. Ab und zu klappt‘s bei uns spontan und so entschlossen wir uns, dem von uns bisher komplett vernachlässigten Süderelbebereich mal einen Besuch abzustatten und dafür auf die für den Sonntag geplante vorletzte gemeinsame Probe vorm Irland-Ausflug zu verzichten. Und in der Sauerkrautfabrik zu spielen hatte ich ohnehin schon lange mal Bock. Inmitten Harburgs werden dort selbstverwaltet und unkommerziell in lockerer, angenehmer Atmosphäre alternative Kultur, ein Treffpunkt sowie ein Infoladen, für dessen Ausbau es sich um ein Solikonzert handelte, geboten.

Als ich mit Ole vor Ort eintraf – der Rest kam mit der Bahn hinterher –, hat VI-Drummer Stefan gleich kräftig mitangepackt, um unser Equipment in den Laden zu wuchten und schließlich auch geholfen, unseren Banner anzubringen. Danke, Keule – kollegial wie immer! VI-Chanteuse Aga hatte leider mit einer fiesen Erkältung zu kämpfen, die sie jedoch nicht vom Gig abhielt. Als ich ihr eine Gelo Revoice anbot, entgegnete sie, sie habe bereits sieben (!) intus…

Nach einem stärkenden Seitangulasch (seltsamerweise ohne Sauerkraut) machten wir uns an den Bühnenaufbau. Bis auf die Gesänge wurde nichts abgenommen und letztere mussten wir uns selbst über ein lüttes Mischpult in der Drummer-Ecke regeln. Anfänglich skeptisch von uns beäugt, entpuppte sich diese Lösung als völlig ausreichend und herrlich unkompliziert. Der ungefilterte Soundcheck klang gut und anschließend konnten wir uns in Ruhe ein paar Pilsetten reinschrauben und zusehen, wie sich die Bude nach und nach füllte. Ein Frühkonzert wie ursprünglich angedacht wurd’s dann doch nicht, aber ziemlich pünktlich um 21:00 Uhr fingen wir an. Wir spielten das gleiche Set wie am Dienstag im Menschenzoo, inklusive unseres jüngsten Ergusses „2 Day Session“. Die Chancen standen gut, diesen diesmal pannenfrei zu präsentieren, doch irgendwie schaffte ich es, mir selbst das Mikro aus der Hand zu reißen, indem ich versehentlich mit dem Fuß am Kabel zog oder so… Und passenderweise verpatzte Christian seinen Einstieg in „Brainmelt“, einem Song über alkoholbedingte Ausfallerscheinungen, mehrfach. Irgendwas ist halt immer. Alles andere dürfte aber ganz gut geflutscht haben und das Publikum war gut drauf, bekam seine Zugabe und konnte sich im Anschluss mit uns auf VIOLENT INSTINCT freuen.

Im Gegensatz zu mir hielt sich Aga gar nicht erst mit dem begrenzten Platz auf der Bühne auf, sondern gesellte sich zum Mob davor. Von ihrer Erkältung war nichts zu hören, absolut souverän sang sie sich durch die hauptsächlich deutschsprachigen Oi!-Punk-Hits des Debütalbums, unter die sich nun aber auch die englischen Songs der kurz vor der Veröffentlichung stehenden neuen EP mischten. Was starke, direkt ins Ohr gehende Melodien betrifft, stehen diese dem älteren Material in nichts nach, stilistisch wirken sie auf mich noch etwas stärker im klassischen UK-Punk verwurzelt. Wird man nichts mit falsch machen können, wenn die Scheiblette aus der Presse kommt! Seit VI die Kraft der zwei Klampfen haben, ist der Sound auch live stets schön drückend. Stefan peitscht die Schießbude wie eh und je kräftig durch und liefert dabei auch was fürs Auge, Ätzer am Bass rollt versiert den Tieftonteppich dazu aus. Sackstarke Band, die die Meute zu Recht zum Tanzen und Mitsingen brachte, während Teile meiner Band schon wieder versuchten, mich kräftig abzufüllen. Dabei hatte ich doch noch was vor, schließlich hatte ich schon vor der Gig-Zusage dem Menschenzoo versprochen, dort heute aufzulegen…

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Dorthin hatte die Turbojugend Hamburger Berg die Bands THE BEASTS, POISON HEART und LUCIFER STAR MACHINE zitiert und offenbar nicht gerade übertrieben früh zum Angriff geblasen, denn als ich eintraf, wurde ich noch Zeuge eines fast kompletten LUCIFER-STAR-MACHINE Gigs. Nach zweijähriger Pause sind Tor & Co. wieder am Start, spielen weiterhin ihren Bad-Ass-Death-Punk’n’Roll und tragen verdammt dick auf. Teile des Publikums im recht gut ge-, aber nicht überfüllten Keller-Etablissements hatten natürlich schon kräftig einen im Tee und wirkten nicht mehr allzu aufnahmefähig, aber Tor tat alles, um die Meute noch mal kräftig anzustacheln – z.B. per TURBONEGRO-Cover „Good Head“. Ein weiteres in Form von GG ALLINs „I Kill Everything I Fuck“ war ebenso zu vernehmen wie eigenes Material à la „Eat Dust“, dem für mich vielleicht herausragendsten LCF-Song (ohne mit ihrem Werk bis ins Detail vertraut zu sein). Das LCF-Zeug tritt live allgemein ganz gut Arsch, macht Laune und ist hübsch asozial, wenn auch mir persönlich etwas zu sehr auf Badboy-Macker-Image gebürstet, wobei ich sowat wie ‘ne selbstironische Distanz etwas vermisse. Solange aber immer noch genügend Asi-PUNK-Charme durchblitzt und sich die Band musikalisch voll ins Zeug legt, kann ich da live schon Spaß mit haben. Den hatten LCF offenbar, denn man ließ sich nicht lumpen und brachte noch diverse Zugaben unters Volk, das ich anschließend mit meiner Musikauswahl noch ‘ne Weile in der Kneipe halten konnte. Eigentlich hatten sich noch drei meiner Bandkollegen, teilweise mit Begleitung, angekündigt, doch nach der Equipment-Rückfuhr machten die Luschen kollektiv ‘nen Abknicker… Um kurz nach 4:00 Uhr oder so war dann Feierabend nach einer sehr ausgefüllten Nacht – viel mehr geht nicht.

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P.S.: Fotos aus der Sauerkrautfabrik gibt’s hier keine, da ich den Wunsch der Betreiberinnen und Betreiber respektiere, dort keine zu schießen. Danke an alle, die den dortigen Gig ermöglicht haben – gerne wieder!
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon FarfallaInsanguinata » 9. Nov 2018, 02:58

buxtebrawler hat geschrieben:08.09.2018, Villa, Rotenburg (Wümme):
HEIAMANN + THE HAERMORRHOIDS + BOLANOW BRAWL


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Freud und Leid lagen rund um dieses Konzert nah beieinander: Aufs Urlaubszeitende bedingte Leid folgte die Vorfreude auf dieses Konzert, verbunden mit eingerosteten musikalischen Fähigkeiten und einem allgemeinen Ungeprobtsein, worunter der Gig zu leiden drohte. Immerhin hatten die Mitglieder meiner kleinen Stimmungskapelle so rechtzeitig ihren Müßiggang beendet, dass man zumindest noch ein einziges Mal zum Proben zusammenfand. Erfreulich war, dass die ganze Lala noch ganz gut saß. Zu einer leidvollen Erfahrung wurde wiederum der berüchtigte innerstädtische Stau Hamburgs, der uns nur wenige Kilometer vom Probebunker entfernt auf dem Weg gen Niedersachsen aufhielt. Die Freude wiederum war umso größer, dass wir trotzdem sogar noch deutlich vor der Zeit am Ort des Geschehens eintrafen. In das Konzept der sich diametral gegenüberstehenden Emotionen passt dann auch, dass es einen freudigen Anlass zu feiern gab – den jeweils 30. Geburtstag unserer sich natürlich wesentlich jünger gehalten habenden Gastgeberinnen Julia und Nelly –, der jedoch zugleich die letzte Veranstaltung überhaupt in der altehrwürdigen Rotenburger Villa sein sollte: Das Gemäuer wird in Kürze dem Erdboden gleichgemacht und die Zukunft für D.I.Y.-Konzerte in der Region ist ungewiss.

Vor Ort begrüßten wir neben Nelly den Wedeler Mario, der beim Banneraufhang helfend zur Hand ging, und konnten die ersten Getränke zu uns nehmen. Kurz darauf nahm Nelly alle Hungrigen an die Hand, wahlweise zum Anatol oder zum Ostasiaten, und sorgte für volle Mägen. Das Leid meldete sich, als man uns eröffnen musste, dass der Soundmischer kurzfristig absagen hatte müssen. Dafür sollte jedoch ein Freund des Hauses einspringen und sein Bestes versuchen. Das tat der gute Mann auch, hatte mit einem Mischpult, mit dem er nicht vertraut war und das zudem offenbar technische Macken aufwies, jedoch sicherlich nicht das allergrößte Los gezogen. Dabei ging’s eigentlich „nur“ um den Gesang, der Rest brauchte ohnehin nicht abgenommen werden. Nach einem sich hinziehenden Sound- und Linecheck inklusive zahlreichen Kabel- und Mikrotauschs und unter tatkräftiger Mithilfe der HAERMORRHOIDS hatte ich dann endlich einen Hauptgesang, den sowohl ich und meine Musikanten ein bisschen, der Mob vor der Bühne jedoch laut und deutlich vernehmen konnte. „Die spielen als Erste, die wollen saufen!“, hieß es über uns – soweit korrekt. Naja, und außerdem hatte ich bisher die Erfahrung gemacht, dass in Rotenburg der jeweils ersten Band die meiste Aufmerksamkeit zuteilwird. Konnte ja niemand ahnen, dass es diesmal umgekehrt sein würde: Locker die Hälfte aller Anwesenden ignorierte uns geflissentlich und zog es vor, im Erdgeschoss am Tresen bei DJ Sascha, Kickertisch und Dartscheibe zu feiern. Alle anderen bekamen jedoch elf Mal BOLANOW BRAWL, denen sie vielleicht auch noch etwas die Sommerpausenhüftsteife anmerkten. Zwar saßen Mucke und Texte weitestgehend, als Frontsau war ich aber sicherlich schon mal lockerer und schlagfertiger und wir als Band insgesamt kommunikationsfreudiger. Laune gemacht hat’s trotzdem! Schade, dass es für unseren jüngsten Song „Two Day Session“ noch nicht ganz zur Live-Premiere gereicht hatte – vielleicht am 02.10. im Menschenzoo?

THE HAERMORRHOIDS, ebenfalls aus Hamburg, zogen dann im Anschluss einige Leute mehr. Das Trio zockt QUEERSigen, NOFXigen, RAMONESken, garagigen Pop-Punk US-amerikanischer Prägung, gern flott und kurz, aber prägnant. Drummer und Gitarrist wechselten sich am Gesang ab und wenn der Bassist ‘ne Ansage machte, klang’s durch die P.A., als würde er gerade anrufen – zum Amüsement des Publikums. Gecovert wurde „Havana Affair“ vonne RAMONES. Diese alte schnörkellose One-two-three-four-Let’s-Go!-Schule macht nach wie vor Spaß, sorgt für Kurzweil und geht ins Bein. Die melodischen Refrains kamen bisweilen mehrstimmig, ließen sich schnell mitsingen – und sämtliche drei Akkorde wurden so oft neu arrangiert, dass es für drölfzig Songs reichte, die die Band allesamt auf ein Tape gezwängt hat, das ich mir im Tausch gegen eine unserer EPs sicherte und vielleicht auch endlich mal hören kann, sobald sich unser Merchbeutel und ich wieder zeitgleich im Proberaum befinden.

HEIAMANN schließlich wollten dann alle sehen, die noch stehen konnten. Die Band um ex-VOLXSTURM-, ex-SMEGMA-Stahmer sowie SMALL-TOWN-RIOT-/ex-SUICIDE-QUEENZ-Klampfer Endorsement-Andy spielt nun auch schon seit ein paar Monden ihren melodischen deutschsprachigen Streetpunk, kreuzte, wie’s manchmal eben so ist, bisher aber noch nicht meine Konzertwege. Umso gespannter war ich auf mein „erstes Mal“, zumal ich mir das jüngst veröffentlichte Album „Wir sind nicht zum Spaß hier“ noch gar nicht angehört hatte. Tja, Aller, dass die Jungs das nicht zum ersten Mal machen, merkte man ihnen vom ersten Song an an. Zwei spielfreudige Gitarren zaubern eine eingängige Melodie nach der anderen aus dem Hut, Bass und Drums machen Druck und Stahmer übernimmt den aufgekratzten Hauptgesang, unterstützt von den genreimmanenten Chören in den dominanten Refrains. Im Gegensatz zu mancher für meinen Geschmack zu gesetzt und abgeschmackt klingenden zeitgenössischen Band dieses Bereichs haben HEIAMANN noch ordentlich Pfeffer im Arsch und verstehen es auch, diesen aufs Publikum zu übertragen. Ok, so ca. ab der Hälfte war ich eh nicht mehr wirklich zurechnungsfähig und befand mich fest im Griff meines euphorisierenden Lieblingsgetränks – Freibier! –, beschloss aber kurzerhand, die Platte einfach mal mitzunehmen, allein schon, um meinen Eindruck auch mal nüchtern und in Ruhe überprüfen zu können. Doch die Freude über den Neuerwerb währte nicht allzu lang, denn als irgendwann kollektiver Ortswechsel anstand, fiel mir noch ein, dass ich meine Plünnen noch im Abrissgebäude stehen habe, fand den HEIAMANN-Dreher aber nicht mehr. Die fiese Type, die mir stets heimlich folgt und sich aus meinen liegengelassenen oder verlorenen Tonträgern eine eigene Sammlung aufbaut, dürfte um ein weiteres Exemplar reicher sein.

Wo wir hinwollten, war übrigens zu. Teile meiner Band waren aufgrund von Krankheit (Christian spielte mit 100 °C Fieber und TBC) oder leichtfertig getätigten Zusagen fürs weitere Wochenende leider schon frühzeitig abgehauen oder taten es spätestens jetzt , also begaben Flo und ich uns lediglich zusammen mit Sascha in den Garten unserer freundlichen Herbergsdame, der wir vermutlich noch ein bisschen auf die Nerven gingen, bis irgendwann echt kein Bier mehr in uns hineinpasste und wir uns in die Horizontale begaben. Bei allem beschriebenen Leid überwog definitiv die Freude über die geile Party. Danke noch mal an die Geburtstagskinder, alle, die organisiert und mitgefeiert haben, unsere Herbergsdame für die luxuriöse Unterkunft sowie Flo für die Schnappschüsse unseres Gigs! Außerdem an alle, die sich so großzügig bei der Spendensammlung für die Bands gezeigt haben, dass sogar noch bischn wat für die Bandkasse rumkam! Bleibt zu hoffen, dass sich schnell ein adäquater Ersatz für die Villa findet – alles andere wäre verdammt traurig.

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/08-09-201 ... now-brawl/


Was ich nun auch wieder einigermaßen beeindruckend finde, da es mir zeigt, wie sehr ich mich in meinem menschenfeindlichen Gespinst zurückgezogen habe. Deine Band tritt in meinem Kaff auf und ich kriege absolut nix davon mit. Aber eben auch konsequent, von daher.
Die Villa sagt mir natürlich was.
Vor einigen Jahren hatte ich die Symptomatik bereits, da hatten mir Leute aus HH sogar kundgetan, eine von ihnen befreundete Band würde in der Villa auftreten. Ich sollte gefälligst meinen Hintern dahin bewegen. Und ich kenne tatsächlich auch Leute, die da involviert sind. Tat ich dann aber trotzdem nicht. Wetter zu schlecht, persönlich indispioniert, zu faul etc.
Schade. Deine Band hätte mich dann doch interessiert. Wenn auch nur, um dich mal persönlich kennenzulernen und zu nerven.
Die Haemorrhoids hatte ich tatsächlich bereits im Hafenklang gesehen und fand sie nicht sooo toll. Und Volxsturm hatte ich auch schon live gesehen mit durchaus positiven Erinnerungen. Aber wie irgendwas Skinhead-kompatibles sich mit meinem Kaff anfreunden sollte, wäre mir dann nicht wirklich klar. Bin ich jetzt nicht mehr der böse Nazi, den alle anspucken dürfen, weil sie ja so gute Menschen sind? Dann hab ich offensichtlich was falsch gemacht.
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