Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Okt 2018, 20:11

Sprich mit ihr

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„Sprich mit ihr“ ist auch ein Film, der irgendwie schwer greifbar ist und erzählt man den Inhalt in einer Kurzfassung, so könnte man glatt meinen, es handle sich um einen schmerzhaften und sehr dramatischen Film. Doch eigentlich ist „Sprich mit ihr“ das genaue Gegenteil davon und eher melancholisch statt traurig und doch stets mit einer gehörigen Portion Optimismus, die signalisiert, dass es im Leben immer weiter geht und das eigene Leben durch andere Menschen und Perspektiven auf oftmals ungeahnte Weise bereichert wird. Natürlich greift auch Almodóvar hier wieder zu überzeichneten Elementen, die geradewegs aus der Sensationspresse stammen könnten, springt munter in der Zeit hin- und her und dennoch ist „Sprich mit ihr“ eher leise und zugleich auch ungemein berührend. Ich hab ja an andere Stelle schon geschrieben, dass mir die Werke mit starken Frauenrollen zwar persönlich eher liegen, aber „Sprich mit ihr“ ist schon ein ungemein schöner Film über Freundschaften und Liebe, der auch beweist, dass sich Anspruch, Unterhaltung und große Gefühle nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Der Moment in dem Marco gegen Ende realisiert, dass Alicia aus dem Koma erwacht ist, packt mich ja immer wieder aufs Neue...
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Okt 2018, 20:32

La Mala Educación - Schlechte Erziehung

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Der homosexuelle und aufstrebende Regisseur Enrique erhält eines Tages in seinem Produktionsbüro überraschend Besuch von einem jungen Mann, der sich als ehemaliger Schulkollege Ignacio vorstellt und dennoch nur mit seinem Künstlernamen Angel angesprochen werden möchte. Mit einer selbst verfassten Geschichte namens “Der Besuch” in der Hand, die auf der gemeinsamen Kindheit basiert, bittet der arbeitslose Schauspieler und Autor um eine Rolle in Enriques nächsten Film, der seine ehemalige Jugendliebe aber nicht wiedererkennt. Dennoch entwickelt sich ein Projekt und während die beiden auch privat ein Paar werden, kommen Enrique ernsthafte Zweifel, sein Partner und Hauptdarsteller auch wirklich der ist, der er vorgibt zu sein.

Kaum vorzustellen, dass ich „Schlechte Erziehung“ seinerzeit im Kino „nur ok“ fand – ein Schicksal, dass sich das Werk auch bei „Volver“ teilt. Die Gründe dafür habe ich in diesem Fall ja schon oben vermerkt und in dem Streifen sucht man Almodóvars Frauenfiguren, sonstige Sympathieträger und den üblichen Optimismus seiner Filme auch eher vergeblich. Davon abgesehen ist „La Mala Educación“ aber ein hübsch verschachtelter Film-Noir-Thriller, bei dem vor allem die „Film-im-Film“-Thematik begeistert, die langsam die Ereignisse im Leben zweier Schulfreunde und weiteren Personen in deren Umfeld in mehreren Ebenen aufrollt. Mit dem Thema Missbrauch in der katholischen Schule als Aufhänger erzählt Almodóvar eine Geschichte voller Abgründe, die in den Sechzigern und in den Achtzigern spielt und mit gewohnt tollen Darstellern und hübschen Settings glänzen kann. Auf so bunte Weise eine so düstere Geschichte zu erzählen, schafft wohl auch nur einer und trotz der wilden Themen, Figuren und Wendungen wirkt dass alles überraschend schlüssig, spannend und auch so gar nicht sensationsheischend. Mittlerweile mag ich den „La Mala Educación“ natürlich auch sehr gerne und mit jeder Sichtung rutscht der in der Liste der Lieblings-Almodóvars ein Stücken weiter nach oben.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Okt 2018, 06:49

Volver

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jogiwan hat geschrieben:„Volver“ ist auch einer meiner absoluten Lieblinge, selbst wenn der Streifen von Pedro Almdodóvar seinerzeit etwas Anlaufzeit gebraucht hat und im Vergleich zu seinen früheren Werken fast schon überraschend unaufgeregt daherkommt. Penelope Cruz agiert als geplagte Raimunda, die nach dem Tod ihres Mannes mit allerlei Problemen und Geistern aus der Vergangenheit zu tun bekommt und dabei nie ihren Mut, Optimismus und Tatendrang verliert. „Volver“ ist dabei ein Streifen, der die Verrücktheit seiner früheren Filme mit der Dramatik seiner späteren Werke verbindet und obwohl es um durchaus herbe Themen geht, wird alles mit der üblichen Leichtigkeit, farbenfrohen Look und optimistischen Weise abgehandelt. Dabei ist alles auf den weiblichen Cast insbesondere Frau Cruz zugeschnitten und Almodóvar zaubert für seine Darstellerinnen auch einen unvergesslichen Moment nach dem anderen auf die Leinwand. Ein wunderschöner Film!


Zu "Volver" ist ja eigentlich auch schon alles gesagt. Ein Film, in dem Männer nur die Nebenrolle spielen und der voll und ganz auf seinen weiblichen Cast insbesondere Penelope Cruz zugeschnitten ist. Die Thematik ist typisch Almodóvar und selbst das schlimmste Ereignis ist noch immer gut genug, um sein Leben neu zu ordnen und mit der Vergangenheit reinen Tisch zu machen. Viele Schicksale und viele Geschichten, die hier erzählt und verwoben werden und mit Optimismus und farbenfroher Leichtigkeit erzählt werden. Vielleicht nicht mehr ganz so grell, wie in jungen Jahren, aber immer noch schwer sympathisch, interessant und vor allem sehr schön anzuschauen. Aber ich wiederhole mich ja schon wieder.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Okt 2018, 09:28

Deliria över Köln (12.10 und 13.10.2018)

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Invasion der Zombies:


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In der Riege der Zombie-Filme nimmt „Invasion der Zombies“ sicherlich eine Sonderstellung ein und hat mit den eher schmuddeligen Werken aus italienischer Produktion nachfolgender Jahr(zehnt)e auch erst einmal wenig gemeinsam. Hier ist das ganze Szenario überraschend ernst und neben der ökologischen Botschaft gibt es auch das Aufeinandertreffen von konservativen Ansichten und moderner Lebensweise im schottischen Hochland, das hier auch den wunderschönen Rahmen für die Geschichte bietet. Allerdings gibt es hier auch einige Elemente, die mir leider weniger zusagen und so wirkt die verbissene Ernsthaftigkeit doch etwas bemüht und passt nicht so recht zum – meiner Meinung nach – eher schludrigen Drehbuch, dass den Untoten nicht nur ein eigenes Bewusstsein und kollektiv-geplantes Handeln zugesteht, sondern diese auch sehr überraschend auf- und abtauchen lässt. Auch hätte ich mir irgendwie einen Sympathieträger gewünscht, der sich jedoch weder bei den männlichen, noch bei den weiblichen Darstellern findet und das Ende ist mir dann auch zu sehr von „Night of the Living Dead“ inspiriert. So bleibt ein gut aussehender Streifen mit tollen Darstellern und atmosphärischen Momenten, der mir insgesamt zu unausgewogen erscheint. Doch was mir als Nachteil erscheint, ist wiederum für andere der Grund, diesen Film noch mehr zu mögen und seine Stärke darin zu sehen, was die Sichtung im Rahmen von „Deliria över Köln“ doch sehr bestätigte. Was nach fundierter Einführung von Kai Krick als Auftaktfilm über die große Leinwand flimmerte ist naturgemäß bei den zahlreich anwesenden gut angekommen und danach wurde auch eifrig über Untote und die Arroganz der Wissenschaft diskutiert und auch die bedrohlich-beunruhigende Schlusssequenz hat sich nun wohl auch auf ewig in mein Bewusstsein eingebrannt. Von den Filmen, die ich aus unerfindlichen Gründen nicht so mag, ist mir „Das Leichenhaus der lebenden Toten“ mittlerweile nun auch der Liebste. ;)

Zeig mir wie man's macht

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Als zweiter Film an diesem fast schon sommerlich anmutenden Freitag im Oktober stand ein Film am Programm, den wohl fast niemand der Besucher kannte und der sich inhaltlich auch etwas von den Programm vergangener Jahre abhob. „Zeig mir wie man’s macht“ wurde dabei am Plakat mit Laura Gemser und jeder Menge Erotik angekündigt, entpuppte sich dann auch als durchaus gut guckbare Mischung aus Erotik, Coming-of-Age und Komödie, die eine gutbürgerliche Familie aus Barcelona in den Fokus stellt. Dabei geht es sowohl um das sexuelle Erwachen des Sohnes, einem lesbischen Pärchen, einen hypochondrischen Familienvater, sowie dessen umtriebige Gattin mit Vorliebe für Liebhaber und Pelzfabrikate. Dabei hat „Zeig mir wie man’s macht“ auch durchaus spaßige und dann wieder etwas ernsthaftere Momente und einen ungewöhnlichen Auftakt inklusive Sexkino-Besuch, der bei internationalen Auswertungen auch etwas entschärft werden musste. Den Delirianern und restlichen Zuschauern wurde nach der gewohnt eloquenten Einführung vom werten Salvschi inklusive Kohlrabi-Verlosung (!) aber natürlich der Streifen in seiner ganzen Pracht gezeigt und ist bei den Anwesenden, mit denen ich in den darauffolgenden Tagen gesprochen habe, auch ganz gut angekommen. Zwar ist „El Periscopio“ sicher kein Kandidat für die Kiste der Lieblingsfilme und auch inhaltlich vielleicht doch etwas zu unentschlossen, aber dem Unterhaltungswert tut dieses keinen Abbruch und in der richtigen Runde und ist sowas schon eine sehr lohnende Sache, vor allem auch, weil eine etwaige Auswertung auch noch immer weit und breit nicht in Sicht ist.

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Für ein paar Dollar mehr

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Nach einer etwas kurzen Nacht und einem strahlenden Sightseeing-Vormittag stand mit „Für ein paar Dollar mehr“ am frühen Nachmittag des zweiten Tages ein Film am Programm, der sich in Western-Kreisen ja größter Beliebtheit erfreut und bis auf meine Wenigkeit von der restlichen Meute und zahlreichen neuen Gesichtern auch sehnsüchtig erwartet wurde. Leider wich dieses jedoch rasch einer bestimmten Ernüchterung, da sich die vorliegende Filmrolle als grob geschnitten und sehr braunstichig präsentierte. Die zeitsparende Fassung führte ja rasch zu Mutmaßungen, dass ich mich am Vorabend mit der Schere an den Filmrollen zu schaffen gemacht haben sollte, was natürlich ähm… in keiner Weise der Wahrheit entspricht. Auch wenn der Streifen selbst meine Vorurteile über Western nicht revidieren konnte, so war es jedoch beim Western-affinen Publikum der Fall, dass sich trotz der widrigen Umstände und Stümmel-Fassung aber wider meiner Erwartung ohnehin nicht die gute Laune vermiesen ließ und tapfer bis zum Ende ohne Unmutsbekundungen oder dergleichen durchgehalten hat. Diese fast schon surreal anmutende Fassung, in der 50 % der Sterbeszenen und sonstige, für die Handlung wichtige Schlüsselszenen einfach entsorgt wurden, war aber schon irgendwie wieder ein schräges Ereignis und ohne der umfassenden Einführung von werten Lars hätte ich wohl wenig mitbekommen. Mit zunehmender Laufzeit fand ich das ja fast schon unterhaltsam, wenn bestimmte Protagonisten im Film einfach nicht mehr auftauchten und ich aber nur erahnen konnte, was mit den Protagonisten so alles passiert sein könnte. Sozusagen eine „Wünsch-dir-was“-Fassung eines Films, den ich sonst wohl ohnehin nicht so schnell geschaut hätte und bei dem ich mir aber an diesem sonnigen Tag fix vorgenommen habe, diesen in Kürze auch noch einmal in der vollständigen Fassung zu schauen um dann erst meine finale Einschätzung zum Film abzugeben.

Thunder

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„Thunder“ fand ich ja schon 2012 bei meiner ersten Sichtung schwer okay und auf großer Leinwand in geselliger Runde gewinnt der pyromanische Action-Reißer von Larry Ludman bzw. Fabrizio de Angelis gleich noch eine ganze Reihe von Sympathiepunkten dazu. Mit mehr Explosionen und Schmackes kann man den Kampf gegen Unterdrückung der indigenen Minderheit auch kaum erzählen und auch wenn Mark Gregory als Navajo-Indianer am Schirm kaum präsent ist, so reißt er den bösen Jungs, Rassisten und Kapitalisten ja doch auf recht hübsche Weise den Arsch auf und legt von Baustelle bis Polizei-und Bankgebäude auch alles in Schutt und Asche. Zwar ist der sozialkritische Touch hier nur ein loser Aufhänger, aber dafür hatten wir ja auch unsere Bremer Jungs, die das Publikum bei der Einleitung nochmals auf die Vielzahl der Unterdrückungen hinwies, der die Indianer in und außerhalb ihrer Reservate noch immer ausgesetzt sind. Der Film selbst ist natürlich bei allen sehr gut angekommen und auf großer Leinwand war „Thunder“ dann auch der ideale, cineastische Abschluss des diesjährigen Treffens mit viel Kawumm und Krach, der danach mit gemütlichen Beisammensein im Brauhaus und dem obligatorischen Kofferraumbier einen gemütlichen Ausklang fand. Den ganzen Tag, den ganzen Abend und auch noch in der Nacht waren stets nur gut gelaunte Menschen zu sehen, die sich zu späterer Stunde auch schon vom Zungenschlag nicht vom fröhlichen Fachsimpeln und Quatschen abhalten ließen und das machte wohl nicht nur bei mir bereits sehr große Lust auf das Treffen im nächstes Jahr, wo es dann auch das zehnjährige Jubiläum der allseits beliebten Deliria-Forentreffen zu feiern gilt. Ich freu mich drauf!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Okt 2018, 19:39

Kolobos

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Schon die ersten Minuten von „Kolobos“ machen klar, dass wir uns im Neunzigerjahre-Indie-Horrorfilm befinden und die beiden Regisseur konfrontieren den Zuschauer mit Bildern aus der Ich-Perspektive einer schwer verletzten Frau, die in ein Krankenhaus geliefert wird. Wenig später erfahren wir dann auch die näheren Hintergründe und das die Frau mit Verletzungen im Gesicht mit vier anderen Bewerbern an einem „Big Brother“-Experiment teilgenommen hat. Bis dahin ist der Film auch ganz okay und durchaus interessant. Doch dann wird „Kolobos“ zunehmend wirr und kann sich auch nicht entschließen, ob er jetzt eher straighter Slasher, Horror, oder surreales Psycho-Drama sein möchte und verzettelt sich immer mehr in Nebensächlichkeiten, die auch nur dazu dienen, ein paar herbe Abgänge zu präsentieren. Dazu haben sich die Macher auch sehr offensichtlich vom italienischen Genre-Kino vergangener Jahrzehnte inspirieren lassen und selbst die Musik klingt wie eine Hommage an Goblin und Keith Emerson und die Soundtracks von „Suspiria“, „Profondo Rosso“ und „Inferno“. Dennoch ist man davon aber natürlich meilenweit entfernt und vor allem im letzten Drittel kommt der lahm erzählte „Kolobos“ dann irgendwie inhaltlich überhaupt nicht mehr weiterm wirkt dabei völlig beliebig und reiht Schreckmomente , Splatter und Visionen scheinbar willkürlich aneinander, ohne dabei auf Atmosphäre, Logik, den Figuren oder etwaiges Potential der Geschichte zu achten. Und so bleibt dann auch ein inhaltlich sehr zwiespältiger Streifen, der gar nicht mal so schlecht beginnt, auf dem Gore-o-meter und unverbrauchten Darstellern punkten kann und dann irgendwie alles mit einem miesen Drehbuch völlig an die Wand fährt.

Danke an dieser Stelle nochmals an den werten Dänschi, dass ich nun auch diese Lücke füllen konnte! :prost:
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