Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Sep 2018, 18:42

The Endless

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Vor vielen Jahren sind die Brüder Justin und Aaren einem vermeintlichen Todeskult entkommen und führen seitdem ein Leben am Rande des Existenzminimums. Als die finanziellen, wie psychischen Probleme immer größer werden äußert Aaron den Wunsch noch einmal zu dem Camp zu fahren, dass beider Leben so maßgeblich negativ beeinflusst hat um endgültig mit seinen verklärten Erinnerungen daran abschließen zu können. Obwohl Justin wenig begeistert ist, willigt er ein und die beiden Brüder erreichen das Camp, dass sich auf den ersten Blick als friedliche Kommune präsentiert, die sich in all den Jahren kaum verändert hat…

„The Endless“ ist mir in letzter Zeit ja mehrfach empfohlen worden und das von Leuten, die meinen Filmgeschmack wohl richtig einschätzen können. Der Film ist nämlich nichts anderes als eine der größten Überraschungen der letzten Zeit und hat mir mit seinem unkonventionellen und vor allem ziemlich unvorhersehbaren Genre-Mix auch ausnehmend gut gefallen. Je weniger man über „The Endless“ weiß, desto mehr wird man wohl in die unheimlichen Ereignisse rund um die beiden Brüder genießen können. Dabei beginnt der Streifen wie ein klassisches US-Indie-Drama, entwickelt dann Thriller-hafte Züge, wird immer mysteriöser um dann irgendwann mal kurzerhand durch die Decke zu gehen. Herrlich auch der Kontrast zwischen den herbstlichen Bildern und der originellen Handlung, die sich dem geneigten Zuschauer wie ein Puzzle präsentiert, das es mit zahlreichen Hinweisen zusammenzusetzen gilt. Viel mehr gibt es auch nicht zu sagen, außer dass man sich als aufgeschlossener Zuschauer „The Endless“ schleunigst besorgen sollte. „Spring“ und „Resolution“ sind auch schon auf den Weg und bei den beiden Jungs und Lovecraft-Fans darf man wohl auch noch in Zukunft auf Großartiges hoffen. Tipp!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Sep 2018, 18:27

Lovers Beyond Time

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Die hübsche Sylvia trennt sich eines Abends von ihrem Freund Angelos, der wie besessen von der jungen Frau ist und dabei auch vor seltsamen Liebesbekundungen nicht zurückschreckt. Drei Jahre später ist das jedoch vergessen, Angelos spurlos verschwunden und die Angestellte eines Musikverlages mittlerweile mit dem Arzt Mihalis verheiratet. Doch eines Tages taucht der Name Angelos im Zusammenhang mit einem mysteriösen Musiker wieder auf und Sylvia erlebt seltsame Momente, in denen sie wie aus heiterem Himmel und auf unerklärliche Weise Orgasmen erlebt. Als wenig später aber auch Leute aus ihrem Umfeld verschwinden, scheint alles darauf hinzuweisen, dass Angelos zurückgekommen ist, um seine ehemalige Liebe auf sehr drastische Weise wieder für sich zurück zu gewinnen…

Auch wieder ein sehr stranges Filmchen, das die Leutchen von Mondo Macabro hier mit „Lovers Beyond Time“ ausgegraben haben. Einen griechischen Film über paradoxe Zeitreise-Phänomene, gepaart mit erotischen Ereignissen in Form einer sehr seltsam erscheinenden Liebesgeschichte, die sich auf eher unspektakuläre und nüchterne Weise dem Zuschauer präsentiert. Hier stehen sich Erotik, Drama und Sci-Fi als gleichberechtige Partner gegenüber und auffällig ist vor allem das Farbkonzept des Films, das an Mario Bava und Dario Argento erinnert. Dennoch ist „Lovers Beyond Time“ meines Erachtens kein wirklicher Genre-Film, sondern setzt sich irgendwie auf spannende Weise zwischen alle Stühle, während sich die Ereignisse auch nur teilweise klären und am Ende in eine doch etwas sehr seltsame Weise entwickeln. Der griechische Streifen, der offensichtlich auch nicht einmal auf der OFDB einen Eintrag besitzt ist aber trotz sperriger Figurenzeichnung durchaus interessant ausgefallen und Menschen die sich für seltsame Filme aus allen Ecken und Enden der Welt und Zeitreise-Filme interessieren, können auch ruhigen Gewissens einen Blick riskieren, ohne enttäuscht zu werden.

Satan's Playground

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jogiwan hat geschrieben:Indie-Horror-Regisseur Dante Tomaselli hat ja mit "Desecration" und "Horror" zwei durchaus interessante Filme abgeliefert, die trotz kostengünstiger Realisierung aufgrund ihrer unkommerziellen Herangehensweise durchaus interessant ausgefallen sind. Umso enttäuschtender ist daher "Satan's Playground", der mich so gar nicht überzeugen konnte und statt eigenständiger Ideen einen ziemlich lahmen, uninspirierten und scheinbar willkürlich zusammengezimmerten Genre-Mix mit Versatzstücken aus Mystery, düsteren Legenden und Filmen wie "Evil Dead", "Wrong Turn" und "TCM" präsentiert. Technisch mag "Satan's Playground" ja für Indie-Verhältnisse gar nicht mal so schlecht ausgefallen sein, aber die Geschichte kann ja leider gar nix und auch Felissa Rose ("Sleepaway Camp") und Ellen Sandweis ("Evil Dead") und die wie immer großartige Irma St. Paule agieren da eher auf verlorenen Posten. Öd!


Dem gibt es auch fünf Jahre später nichts hinzu zu fügen. "Devil's Playground" ist lahm, uninspiriert und alles was Dante Tomaselli bei seinen beiden vorangegangenen Filmen richtig gemacht hat, macht er hier falsch. Ich weiß ja gar nicht was schlimmer ist - die dämliche Geschichte oder die furchtbar überzeichneten Figuren, die einem sowieso fällig am A. vorbeigehen. Ein Satz mit X - der Film ist nix!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Sep 2018, 18:57

Spring

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„Spring“ ist wohl weniger ein Monsterfilm mit Liebegeschichte, sondern wohl eher eine Liebesgeschichtemit Monsteranteil und erinnert in seinen Motiven stark an Filme wie „Dagon“ oder ähnliches um dann aber genau die Erwartungshaltung des Horrorfans eben nichts zu erfüllen. Hier ist das Tentakelmonster nur ein fast schon beiläufiger Teil der Geschichte über Liebe in Ausnahmesituationen und der Film lässt sich dankenswerterweise auch sehr viel Zeit für seine Figur, die irgendwie alles verloren hat und im fernen Italien nach einer Auszeit bzw. einem Neubeginn sehnt. Wenn die Hormone verrücktspielen ist bekanntermaßen auch vieles möglich und „Spring“ lässt sich hier auch mit schönen Bildern viel Zeit um seine bizarre Beziehungsgeschichte mit Lovecraft-Motiven zu erzählen, die auch erst auf die eher harte Tour zusammenfinden müssen. Möglicherweise ist „Spring“ aber vielleicht einen Ticken zu lange und vielleicht hätte er mir ohne seine CGI-Genre-Zugeständnisse noch etwas besser gefallen, aber insgesamt betrachtet zählt der Streifen auch dank seiner beiden Hauptdarsteller und der eher zurückhaltenden Inszenierung für mich neben Filmen wie „Raw“ oder auch „When Animals Dream“ zu den originelleren Genre-Beiträge der letzten Zeit, die auch dem ausgelutschten Monster-Genre noch neue Facetten abluchsen können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Sep 2018, 19:29

Do you like Hitchcock?

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Solider, fürs Fernsehen gedrehter Thriller von Dario Argento, der hier mit Motiven aus Hitchcock-Filmen eine nette Hommage an den Meister der Suspense macht, der auch seine eigenen Trademarks nicht verleugnet. Mit dem Filmfan Guido als Titelfigur hat Argento ja auch gleich die Sympathien auf seiner Seite und der Streifen erinnert auch etwas an bessere Zeiten, selbst wenn die Story bei näherer und zweiter Betrachtung vielleicht nicht ganz so originell erscheint. Doch das Tempo ist nach dem völlig unnötigen Prolog durchaus okay, spannend ist es zwischendurch auch und auch die Locations in Turin sind wieder sehr hübsch eingefangen. Darstellerisch und technisch geht das auch alles in Ordnung und der erste Mord ist für TV-Verhältnisse ja auch eher herb ausgefallen. Insgesamt sicher kein Meisterwerk, dass an vergangene Tage anschließt, aber durchaus unterhaltsame Krimi-Ware, der wohlige Erinnerungen an vergangene Zeiten aufwärmt und sich gut gucken lässt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Sep 2018, 20:06

Tricked

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Rund um den fünfzigsten Geburtstag des Maklers Remco überschlagen sich die Ereignisse und das schöne Hochglanz-Leben des etwas umtriebigen Geschäftsmannes aus Haarlem droht auf elegante, wie unangenehme Weise zu entgleiten. Bei der von seiner Gattin Ineke ausgerichteten Geburtstagsfeier taucht die hochschwangere Ex-Affäre Nadia auf und behauptet das Kind sein von ihm, die aktuelle Geliebte bandelt mit seinem Sohn an und seine beiden Geschäftspartner planen hinter seinem Rücken die Firma an einen asiatischen Investor zu verscherbeln. Obwohl Remco in allen Dingen quasi vor vollendete Tatsachen gestellt wird wendet sich das Blatt, als sich weitere Menschen ins Geschehen mischen und so auch weitere Geheimnisse der angesehenen Familie ans Tageslicht befördert werden.

Mit „Elle“ hat sich Paul Verhoeven ja erst vor kurzen sehr eindrucksvoll zurückgemeldet und in dem kontroversen, wie unterhaltsamen Streifen mit Isabelle Huppert ist ja irgendwie nichts wie es auf den ersten Blick erscheint und die Figuren verhalten sich ebenfalls nicht so, wie man es sich vielleicht erwarten würde. Insofern könnte man den 2011 entstandenen „Steekspel“ bzw. „Tricked“ ja quasi als Vorstufe zu diesem Film sehen und auch hier erwarten den Zuschauer so einige Überraschungen im Umfeld einer angesehenen Familie, die man sich so vielleicht nicht erwarten würde. Dabei ist der knapp fünfzigminütige (!) Film wohl irgendwie über Crowdfunding und mit Ideen und der Mitarbeit von hunderten Leutchen über das Internet entstanden. Andererseits trägt der Streifen auch sehr eindeutig die Handschrift von Verhoeven und ist auch sehr flott und stimmig erzählt. Auf der Blu-Ray-Disc kann man sich mit dem Feature „Paul’s Experience“ auch über die Entstehungsgeschichte des Streifens informieren, was ich aus Zeitgründen jedoch gestern nicht mehr geschafft hab. Aber auch so ist „Tricked“ ein netter, wenn auch etwas kurzer Film irgendwie zwischen Drama , Komödie und bissige Gesellschaftssatire, der wie auch „Elle“ auf originelle, kurzweilige und schöne Weise davon zeugt, dass man auch in Zukunft noch mit Herrn Verhoeven rechnen darf.

Trolljäger - Staffel 1

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Der fünfzehnjährige Jim ist ein herzensguter Schüler und lebt mit seiner vielbeschäftigten Mutter in Arcadia, wo er die meiste Zeit mit seinem tollpatschigen Kumpel Toby verbringt. Als er eines Morgens auf dem Weg zur Schule ein Amulett findet, ahnt er noch nicht, dass dieses sein Leben völlig auf den Kopf stellen wird. Das Amulett hat nämlich nicht nur magische Fähigkeiten, sondern öffnet Jim auch die Tür in eine bislang verborgene Welt und macht ihn zum ersten, menschlichen Trolljäger. Dieser hat die Aufgabe die Menschheit und guten Trolle vor bösartigen Wesen aus dem Dunkeln zu schützen und so bleibt Jim auch nichts anders übrig, als mit seinen neuen Freunden aus der Trollwelt über sich hinaus zu wachsen und sich der dunklen Bedrohung zu stellen.

Mit der ersten Staffel und seinen 26 Folgen sind wir nun durch und der positive Eindruck der ersten Folgen bleibt auch die ganze Zeit über gewahrt. Zwar wird der „Coming-of-Age“-Anteil ab der Staffel-Hälfte von einer etwas Fantasy-Action-lastigeren Inszenierung etwas in den Hintergrund gedrängt, aber das tut der kurzweiligen Unterhaltung keinen Abbruch. Die Geschichte über den menschlichen Trolljäger ist fantasievoll, herzlich und farbenfroh erzählt und die menschlichen Protagonisten sind quasi die Underdogs, in einer Fantasie-Parallelwelt, die es trotz Vorurteilen von allen Seiten vor allerlei Bedrohungen zu beschützen gilt. Daneben gibt es auch noch das Leben als Jugendlicher inklusive Troubles in der Schule, der ersten Liebe und so wachsen einem die Charaktere auch rasch ans Herz. Zwar mögen die Animationen nicht immer ganz gelungen erscheinen, aber ehe man sich versieht ist man schon mittendrin in der Geschichte, die sich zumindest in der ersten Staffel keinerlei Durchhänger erlaubt. „Trolljäger“ ist wohl ideal für große und kleine Kinder oder am besten für beide gemeinsam. Ich freu mich schon auf Staffel 2.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Sep 2018, 18:33

Viy - Spirits of Evil

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jogiwan hat geschrieben:Wunderbare Mischung aus Märchen-, Geister- und Horrorfilm über den Mythos einer Hexe, die gleich ganze Dämonen-Herrscharen herankarrt um sich der Seele eines Theologie-Studenten zu bemächtigen. Obwohl der durchaus gruselige Streifen dabei eher etwas gemächlich anfängt und auch das Ambiente und die Figuren der russischen Kolchose etwas exotisch wirken, ist das Finale ganz, ganz, ganz großes Kino und es wird getrickst, dass sich die Balken der alten Kirche nur so biegen. In welchen Film sieht man schon sonst schon mal eine Hexe in einem offenen Sarg durch eine Kirche surfen, ohne dass es lächerlich wirkt und das letzte Drittel ist wirklich mal eine absolute Geisterbahnfahrt. Dass der sowjetische Streifen dabei neben tschechischen Märchenfilme auch noch an die Gothic-Werke von Mario Bava erinnert, erfreut das Herz des aufgeschlossenen Zuschauers natürlich ebenso und auch wenn ich normalerweise auf die russisch-orthodoxe Kirche gar nicht gut zu sprechen bin, ist diese wunderbare Verfilmung einer russischen Sage einfach nur grandios.


Die Zweitsichtung bestätigt die obigen Eindrücke und auch wenn „Viy“ doch relativ gemächlich beginnt, die zweite Halbzeit hat es doch in sich. Nach dem eher ruhigen Start wird dann auch ein FX-Feuerwerk abgefeuert, dass der Zuschauer nur noch mit den Ohren schlackern kann. Ganz großartiges World-Cinema-Grusel-Vergnügen mit exotischen Hintergrund und einer Extraportion „Witchcraft“.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Sep 2018, 18:25

Antiporno

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Die Künstlerin Kyôko lebt in einem stylischen Apartment und erhält morgends Besuch von ihrer Assistentin Noriko, die ihr über den Verlauf des durchgeplanten Tages berichtet. Doch das Verhältnis der Beiden ist angespannt und Kyôko entwickelt sadistische Züge und hat Spaß Noriko zu quälen und zu degradieren. Das ändert sich auch nicht, als eine Zeitungsverlegerin und eine hippe Fotografin samt Team ebenfalls in der Wohnung erscheint und gemeinsam wird die ältere Dame weiter bloßgestellt, bis sich die Szenerie auf unerwartete Weise wendet.

Bei Sion Sono weiß man ja mittlerweile schon im Vorfeld, das man sich auf einen exzentrischen und seltsamen Film einlassen muss und auch das Nikkatsu-Roman-Porno-Reboot unter seinen Fittichen ist natürlich nicht der übliche Softsex-Streifen mit fragwürdigen Frauenbild, den sich vielleicht noch so manch Zuschauer erwarten würde. Vielmehr ist „Antiporno“ ein inhaltlich sehr fordernder Streifen, der bereits im Titel grob die Richtung vorgibt, in der die mehr als merkwürdigen Szenenabfolgen gehen. Männerphantasien werden hier ja auch weniger bedient und stattdessen thematisiert Sono die Frauenfeindlichkeit dieser Filme und des Genres und setzt dabei inhaltlich zwar auf dieselbe Schemata, nur um seine Aussage dann ins Gegenteil zu verkehren. Sex und nackte Leiber sind hier auch wenig erotisch und die weiblichen Protagonistinnen erzählen von den limitierten Freiheiten in Frauen, in einer Gesellschaft, in denen Sex, Gewalt, Schulmädchen-Entjungferungs- und Vergewaltigungsfantasieren wahlweise mit oder ohne Tentakelmonster quasi zum popkulturellen Alltag gehören. Dabei überzeugt der Streifen auch mit seinen extrem künstlichen Look, den sperrigen Figuren und der ungewöhnlichen Art und Weise, wie das ganze Geschehen mit mehreren Erzählebenen dem Zuschauer nähergebracht wird und bei dem man sich auch nie sicher sein kann, in welche Richtung sich das alles weiter entwickelt. Ein richtiger Sono eben!

Hazard / Big Apple

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Nachdem der Streifen knapp fünf Jahre bei mir abgelegen ist, ist „Big Apple“ a.k.a. „Hazard“ nun gestern auch endlich im Player gelandet. Leider muss ich Adalmar recht geben und der Streifen hat mir leider so gar nicht zugesagt. Irgendwie geht es um generelle Vorurteile und Rassismus, den unser japanischer Charakter in den Staaten erleben muss und New York als Sehnsuchtsort für ein wildes und unangepasstes Leben. Doch wenig später trifft er im Big Apple auf weitere Exil-Japaner, die sich scheinbar ihren eigenen kleinen, multikulturellen und Tarantino-esken Kosmos geschaffen, der irgendwie völlig daneben erscheint. Dabei vermischt Sono scheinbar einfach alles, was ihm zu diesem Thema in den Sinn kommt und kombiniert sein Kulturschock-Märchen mit seinen eigentlich furchtbaren Charakteren und wackeligen Handkamerabildern, auf denen man aufgrund der schlechten Ausleuchtung meist nur die Hälfte erkennen kann. Die Reise des jungen und sehr naiv erscheinenden Japaners in die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate (was ja auch nicht stimmt) ist jedenfalls nicht sehr stimmig und der Sonos Brückenschlag zwischen Ost und West geht doch eher ziemlich in die Hose und trägt wohl kaum zum beiderseitigen Verständnis bei. Und außerdem ist mir bei „Big Apple“ auch etwas passiert, was mir sonst noch bei keinem Sono-Film passiert ist: ich habe mich doch tatsächlich und ernsthaft gelangweilt*.


* was wohl auch mit der deutschen DVD zu tun, hat die lediglich die Option bietet, sich den Streifen mit deutscher Synchro oder im japanisch/englischen Origianalton zu gucken. Untertitel zum O-Ton - Fehlanzeige... :roll:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Sep 2018, 18:15

Spetters

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Paul Verhoevens buntes Sammelsurium aus jugendlichen Dummheiten, das anhand dreier junger, draufgängerischer und motorradbegeisterten Männern in dem kleinen Ort Maasseluis präsentiert wird. Dabei ist die Handlung von „Spetters“ eher episodenhaft angelegt und Lachen, Weinen und Erschrecken liegen hier wie bei dem Regisseur üblich auch sehr nah beieinander. Fast so, als hätte Paul Verhoeven hier einen Gegenentwurf zu sommerlichen „Eis-am-Stiel“-Reihe entworfen, nur dass sich die Geschehnisse hier wesentlich zynischer und abgeklärter präsentieren. Die allseits begehrte Frau ist eine durchtriebene Goldgräberin, der Sex auch gleichgeschlechtlich und jugendliche Träume zerplatzen am grauen Alltag, der im Holland der frühen Achtziger halt auch viele Verlierer kennt. Dennoch ist „Spetters“ nicht nur freizügig, sondern natürlich auch schwer unterhaltsam und als Zuschauer kommt man angesichts einiger fragwürdiger Ideen auch aus dem Staunen ohnehin nicht heraus. Einzig und allein das Umfeld von Motorcross-Rennen fand ich persönlich in den etwas zu lang ausgefallenen Streifen nicht so prickelnd – der Rest diese gesellschaftlichen Bestandsaufnahme hat mich ja wieder mal schwer begeistert zurückgelassen. Wer sonst, als der so ruhig und besonnen wirkende Verhoeven mit seiner gewinnenden Art könnte auch so etwas bringen?

Take an easy Ride

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In Zeiten, in denen noch nicht jeder Jugendliche sein eigenes Auto hatte und auch der öffentliche Transport noch nicht so ausgebaut war, erfreute sich Autostoppen bei jungen Menschen großer Beliebtheit um Land und Leute kennenzulernen, oder einfach nur auf günstige Weise von A nach B zu gelangen. Doch leider gibt es im Straßenverkehr nicht nur freundliche Menschen, sondern auch böse Individuen, die nur darauf warten, dass naive Menschen mit erhobenen Daumen am Wegesrand warten oder auch Autostopper, die ebenfalls nichts Gutes im Schilde führen. „Take an easy ride“ präsentiert mit drastischen Fallbeispielen und im dokumentarischen Stil, was beim Autostoppen auch so alles schieflaufen kann.

„The most notorious British Sexploitation Film ever“ steht in großen Lettern auf der DVD dieses kleinen cineastischen Kuriosums, dass als TV-Produktion gedacht und dann mit Sex und Gewalt aufgepeppt als vierzigminütiger Kurzfilm in verruchten Kinos gelandet ist. Angesichts der doch sehr strikten Zensur in Großbritannien darf man sich aber dennoch nicht zu viel erwarten und „Take an easy Ride“ punktet auch eher durch seine doch etwas unbedarfte wie tendenziöse Herangehensweise und viel Zeitkolorit, wenn junge Damen und Herren mit erhobenen Daumen geradewegs ins Verderben laufen ähm… fahren. Dazu gesellen sich Interviews über das Autostoppen in aller Welt, wobei auch die Situation in Deutschland zur Sprache kommt und die dem ganzen dann auch einen authentisch-dokumentarischen Touch verleihen sollen. Unterhaltsam ist auf jeden Fall die Episode der jungen Damen, die eigentlich zu ihrem Freund möchte und in den Fängen eines Pärchens mit durchtriebenem Plan landet. Dazu gesellen sich erwartungsgemäß Kriminelle, Sexualverbrecher und ein erhobener Zeigefinger, der auch eindringlich davor warnt, sich zu unbedarft und fremden Menschen ins Auto zu setzen. Alles recht unterhaltsam, aber für heutige Verhältnisse auch eher unspektakulär in Szene gesetzt ist „Take an easy Ride“ auch eher für Leute, die sich für seltsame Werke aus aller Welt interessieren, als für Exploitaton-Fans, die sich aufgrund der Thematik und dem reißerischen Cover gegebenenfalls etwas Falsches erwarten könnten.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Sep 2018, 18:19

Thriller - A Cruel Picture

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Irgendwie hätte ich mir bei „Thriller –A cruel Picture“ ja schon einen etwas herberen Grindhouse-Streifen erwartet, doch was sich da gestern vor meinen Augen bot, passt ja irgendwie so gar nicht in die Kiste der cool-abgeklärten Schmuddelfilme aus den Siebzigern. Auf der einen Seite berührt natürlich das Schicksal der jungen Frau mit ihren engelsgleichen Zügen, auf der anderen Seite wirkt das Schicksal wie ihr herber Rachefeldzug mit seiner Gewalt in Zeitlupe auch völlig überzogen und – zugegeben - auch wenig realistisch – fast schon wie eine Rachephantasie in Gedanken einer gepeinigten Frau. Dazu gesellen sich eine Hauptdarstellerin, die mit ihrer Augenklappe ikonenhaft in Szene gesetzt wird, eine Kamera aus der Ich-Perspektive, unerotische Hardcore-Szenen und schöne herbstliche Bilder und hippes skandinavisches Design, das wie im völligen Widerspruch zur düsteren Geschichte erscheint. Spaß oder Unterhaltungswert hat „Thriller“ jedenfalls nur bedingt und üblicherweise sind „Rape’n Revenge“-Filme ja so gestrickt, dass man als Zuschauer – wenn man den Rape-Part überstanden hat – auch inneren Seelenfrieden darin findet, wenn die Bösewichter ordentlich eins vor den Latz bekommen. In „Thriller“ ist aber auch der Rachepart alles andere als „befriedigend“, sondern eigentlich genauso unerträglich, wie das vorangegangene. Zurück bleibt für mich die Antithese eine Rape-and-Revenge-Films mit atonalen Soundtrack, der sich eher in der Tradition eines völlig überzogenen „Roughies“ präsentiert und dafür aber eigentlich viel zu kunstvoll und überlegt erscheint und den Zuschauer hauptsächlich mit einem schlechten Gefühl zurücklässt.

Night of Death

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Acht Jahre sind seit meiner letzten Sichtung vergangen und irgendwie scheint dieser ungewöhnliche, wie empfehlenswerte Film ja hierzulande noch immer nicht bekannter. Dabei zählt „Night of Death“ mit seiner Geschichte über eine junge Krankenpflegerin und dem Altersheim voller skurriler Charaktere sicherlich zu den originelleren Beiträgen aus der Genre-Kiste bzw. aus Frankreich, wo diese ja ohnehin überschaubar sind. An der Qualität des Films mit seiner resolut-sympathischen Hauptdarstellerin kann es jedenfalls nicht liegen und auch sonst besticht der Streifen mit seiner gelungenen, abgründigen Atmosphäre und überraschenden Momenten, die sich sogar Platz für eine musikalische Darbietung leistet, die man sich in einem gorigen und erwachsen erscheinenden Streifen abseits von Teenie-Gekreische wohl nicht erwarten würde. Wer für ungewöhnliche Horrorfilme jenseits ausgetretener Genre-Pfade ausgeschlossen erscheint ist hier jedenfalls an der richtigen Adresse und sollte sich dieses kleine und sträflich unterschätzte Juwel auch nicht entgehen lassen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Sep 2018, 17:58

Planet des Schreckens / Galaxy of Terror

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Schräg-trashiges Sci-Fi-Vergnügen, dass den Zuschauer gleich von Beginn an mit sehr seltsamen Ereignissen konfrontiert, die im weiteren Verlauf eigentlich nie so genau erklärt werden. Irgendwie geht es wohl um eine Rettungsmission auf einem fernen Planeten, wo seltsame Schattenwesen und eine mystische Pyramide auf unsere unbedarften Weltraumhelden warten. Dazu gibt es eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus bekannten Gesichtern aus der zweiten Reihe, glibbernde Tenktakel-Raupenmonster im Paarungsmodus, Psi-Phänomene und sonstige Ideen, die hier mit jeder Menge Matte-Paintings zu einem absolut wirren Cocktail zusammengeschraubt werden. Die Hirnsynapsen glühen da bald genauso wie das Gesicht „des Meisters“ und irgendwie ergibt die Handlung auch nie wirklich Sinn und wird stetig mit noch seltsameren Ideen nach vorne getrieben. Dennoch macht „Galaxy of Terror“ gerade wegen seiner völligen Jenseitigkeiten großen Spaß und als Zuschauer kommt man aus dem Zustand der Verwunderung auch bis zum Ende nicht heraus. Nach 80 Minuten ist man zwar irgendwie noch immer genauso schlau wie zu Beginn und die Sci-Fi-Geisterbahnfahrt ist vorbei, aber man wurde zweifelsfrei gut unterhalten und ist irgendwie erstaunt, was man mit Sex und Gewalt in den Achtzigern nicht so alles Spaßige bringen konnte.
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