bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 13. Sep 2018, 00:35

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Mad Max II - Der Vollstrecker

„Ein dreckiger Söldner!“

Zwei Jahre nach George Millers Spielfilmdebüt „Mad Max“, mit dem zugleich das Endzeitaction-Genre begründet wurde, wurde dessen Fortsetzung veröffentlicht: Für „Mad Max II – Der Vollstrecker“ hatte der australische Regisseur George Miller ein nun höheres Budget von vier Millionen Dollar zur Verfügung – und schuf damit nicht weniger als den Archetypen des Endzeitactioners.

„Töten! Töten! Töten! Töten!“

Die nahe Zukunft: Drei Jahren nach den Ereignissen des ersten Teils ist die Zivilisation endgültig Geschichte. In den postapokalyptischen australischen Outbacks ist Ex-Bulle Max Rockatansky (Mel Gibson, „Tim – Kann das Liebe sein?“) zusammen mit seinem Hund im Ford XB Falcon GT Hardtop V8 Interceptor Pursuit Special unterwegs, immer auf der Suche nach dem neuen Gold: Treibstoff ist so wertvoll geworden, dass für ihn getötet wird. Marodierende Banden führen Kriege gegen die wenigen Siedler, die noch über Öl- und Benzinreserven verfügen. So verteidigt eine Gruppe Siedler ihre Raffinerie tapfer gegen die Banditen um den brutalen und skrupellosen Humungus (Kjell Nilsson, „The Pirate Movie“), der sich selbst als den Herrscher der Wüste betrachtet und die Siedler belagert. Diese bitten Max um seine Hilfe, widerwillig lässt er sich auf einen Pakt ein: Er besorgt einen Tanklaster, damit sie das Öl aus der Wüste an die 2.000 Meilen entlegene, als paradiesisches Refugium idealisierte Küstenregion transportieren können und erhält im Gegenzug dafür eine hohe Menge Benzin. Gesagt, getan – doch die Banditen erwischen ihn und verletzen ihn schwer. Ein Tragschrauberpilot (Bruce Spence, „Dimboola“), den Max bereits unter anderen Umständen kennengelernt hatte, bringt ihn zu den Siedlern zurück – und Max entschließt sich, den Truck selbst zu steuern…

In schwarzweißen Nachrichtenbildern offenbart eine Rückblende die Hintergründe, die dem Publikum im Vorgänger noch verwehrt geblieben waren: Verheerende Kriege um Öl hatten die Apokalypse heraufbeschworen. Ein Sprecher aus dem Off führt in die Handlung ein, in der sich Max eine Dose Hundefutter mit seinem Hund teilt und in homoerotischer Lederkluft durch die Lande streift. Dramatische Orchestermusik zieht sich durch den Film, dessen Prämisse (erneut) an klassische Western-Topoi erinnert: Ein wortkarger Einzelgänger hilft fried- und redlichen Siedlern im Kampf gegen eine Gefahr unzivilisierter Gesetzloser von außen. Doch Miller macht aus „Mad Max II“ – ausgehend vom alten Missverständnis, Punks seien so etwas wie Rocker mit anderem Aussehen und per se asozialem Verhalten – eine von eben genannten Subkulturen stark inspirierte Freakshow, die irrwitzige Figuren in die australische Wüste verpflanzt und darüber hinaus motorisierte Gefährte auf eine Weise fetischiert, dass manch Hobbyschrauber aus dem Staunen nicht mehr herauskam: Bizarre Gestalten liefern sich mit archaischen Waffen, jedoch auf zu echten Endzeitboliden umfrisierten Böcken und Karren eine wahre Materialschlacht. Blech, Benzin, Blut, Leder, Feuer und Staub gehen unheilvolle Allianzen ein; Stunts und Explosionen geben den Ton an, hat „Mad Max II“ erst einmal Fahrt aufgenommen.

Der absolute Wahnsinn wird jedoch erst im letzten Drittel von der Leine gelassen: Dieses ist dem Ausbruch aus der Belagerung reserviert, der zu einer vollkommen irren Verfolgungsjagd der Kolonnen beider Parteien wird. Eine perfekt durchchoreographierte Orgie aus Stunts und Explosionen en masse, die in einen wahren Rausch versetzt und bis dato ihresgleichen sucht (bzw. höchstens in „Mad Max IV: Fury Road“ fand). Das reinste Spektakel! Mit dieser extrem geladenen Mischung aus Erscheinungsbild und Action definierte erst der zweite „Mad Max“-Film sein Genre, an dem sich vor allem in der 1980ern zahlreiche Low-Budget-Nachahmer versuchten, dabei jedoch Präzision, Perfektion, vor allem aber Dimension und Klasse vermissen ließen. Zu dieser Definition gehört aber auch, das Hauptaugenmerk auf möglichst bunte Action und viel Krawall zu legen und gesellschafts-, politik- oder kriegskritische Betrachtungen wenn überhaupt lediglich in kurzen Erläuterungen zur Vorgeschichte oder gar nur im Subtext unterzubringen. War „Mad Max“ noch stärker in einer Realität verwurzelt, wie wir sie kennen, ist „Mad Max II“ wesentlich abstrakter und dabei zugleich ferner, was das Publikum ihn emotional anders wahrnehmen lässt. Seines dem Western entlehnten und bei genauerer Überlegung evtl. dem rassistischen Kampf Cowboy versus Indianer verhafteten Topos zum Trotz läuft diese Fortsetzung andererseits kaum noch Gefahr, als reaktionäres Loblied auf die Selbstjustiz wahrgenommen zu werden.

Der immer mal wieder zu Wort kommende Off-Kommentator entpuppt sich schließlich als der Max hier begleitende kleine Wolfsjunge (Emil Minty, „Jenseits von Australien“) im Erwachsenenalter, was unweigerlich über die hier gezeigte Zukunft hinaus und damit womöglich. bereits an eine weitere Fortsetzung denken lässt – die jedoch erst vier Jahre später folgen sollte. Besagter Junge wuchs genauso ans Herz wie manch andere Figur dieses fulminanten Endzeitensembles, mein persönlicher Favorit aber ist der Hund. Allein schon für ihn vergebe ich hier 8/10 Dosen Chappi – guten Appetit!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 14. Sep 2018, 09:19

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Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel

„Du wirst doch noch Scheiße schaufeln können!“

Mit einem verdreifachten Budget wurde die zweite „Mad Max“-Fortsetzung, diesmal auch mit US-amerikanischen Geldern, produziert. Bereits im Vorfeld verstarb jedoch Produzent und enger Freund George Millers, Byron Kennedy, bei einem Helikopterabsturz. Daraufhin hatte Miller weitestgehend das Interesse am Film verloren, die Hauptregie an George Ogilvie abgetreten und sich lediglich noch um die Actionszenen gekümmert. Dem 1985 veröffentlichten Film tat das nicht gut.

„Brich den Vertrag und du drehst am Rad!“

Einzelgänger Max Rockatansky (Mel Gibson, „Ein Jahr in der Hölle“) wird sein fahrbarer Untersatz gestohlen, weshalb er sich auf die Suche nach dem Dieb in die Stadt Bartertown begibt, wo wie auf einem großen Basar reger Tauschhandelt herrscht. Dort schwelt ein Konflikt zwischen Stadtoberhaupt Aunty Entity (Tina Turner, „Cocksucker Blues“) und dem für die Methanenergiegewinnung aus Schweinekot zuständigen Master (Angelo Rossitto, „Nenn' einen Liliputaner niemals Zwerg“). Nachdem Max in Scherereien geraten war, beschließt Entity, ihn in der Donnerkuppel, einer großen Arena, gegen Master Blaster, ein Zweigespann aus dem kleinwüchsigen, doch hochintelligenten Master und dem tumben Riesen Blaster (Paul Larsson, „Der Höllentrip“), antreten zu lassen, um sich ihres Rivalen zu entledigen. Im Gegenzug verspricht sie Max sein Fahrzeug und die Freiheit. Als Max aus dem erbitterten Kampf als Sieger hervorgeht, jedoch feststellt, dass Blaster ein geistig Zurückgebliebener ist, der von Master gesteuert wird, weigert er sich, ihn zu töten. Diese Entscheidung bestraft Entity mit Max‘ Verbannung in die Wüste, wo er in einer Oase auf die überlebenden Minderjährigen eines Flugzeugabsturzes trifft, die ihn für ihren Messias halten...

Das weitaus höhere Budget sieht man „Mad Max III“ an: Die Kulissen wirken wie opulente Fantasy-Welten. Ein Teil des Gelds floss in eine alberne Langhaarperücke für Gibson, in Promis aus dem Musikgeschäft wie Tina Turner und Rose-Tattoo-Sänger Angry Anderson (als einer aus Turners Gefolge) sowie in weitere fast schon nur noch entfernt menschliche Kreaturen, die einer Freakshow entsprungen scheinen. Durchaus interessant ist es, wie das postapokalyptische Konzept weitergesponnen wurde: Urbanes Leben entwickelt sich gerade wieder, ebenso so etwas wie eine Wirtschaft, und dem Kampf um Öl und Benzin begegnet man mit alternativen Energiequellen. Der Kampf in der Donnerkuppel wurde furios inszeniert; die neue Glücksrad-Variante, der man dort nachgeht, hat indes nichts mehr Peter Bond oder Maren Gilzer zu tun… Tina Turners „We Don’t Need Another Hero“, das prominent auf dem Soundtrack platziert wurde, wurde zum Megahit und ertönt noch heute täglich aus zahlreichen Radiostationen, ansonsten hat Maurice Jarre das musikalische Potpourri aus vornehmlich orchestraler Untermalung u.a. um Saxofonklänge erweitert. Irgendwie anders ist das alles schon, aber nicht unbedingt verkehrt.

Das wird es jedoch, sobald Max auf die Wüstenhottentotten trifft, die ihn zunächst einmal seiner langen Haare entledigen, weil sie seinen verlotterten Anblick nicht mehr ertragen. Leider verwechseln sie ihn mit Walker, Texas Ranger, den sie religiös verehren, auch wenn er sich bei ihnen wie der letzte Soziopath benimmt, herumballert, Frauen schlägt und einem viel zu kleinen Kind, das ihm durch die Wüste folgen will, pädagogisch haarsträubend lediglich entgegnet, es müsse wissen, was es tue. Mir nichts, dir nichts latscht man nach Watertown, statt einfach in der wohligen Oase zu bleiben, um schließlich das zerstörte Sydney zu entdecken. Seit Max Bartertown verlassen hat, ist der Film – man kann es nicht anders sagen – verdammt öde und doof. Was unter anderen Umständen vielleicht eine intelligente Parabel auf die Entstehung von Religionen und die für viele mit ihnen verbundene hoffnungspendende Kraft hätten werden können, verkommt hier zu Big-Budget-Trash der ärgerlichen Sorte, der hier mehr oberflächliche Sonntagnachmittagsunterhaltung denn Midnight Movie ist und sämtliche Grimmigkeit, jeglichen Punk-Faktor zugunsten anbiedernden Kitsches aufgibt. Und Tina Turner stackst auf High Heels durch den Wüstensand…

Glücklicherweise schafften es dann doch noch einige Stunts und Explosionen in den Film, zudem gibt es ein Wiedersehen mit Figuren aus Teil 2 sowie das eine oder andere nette Detail, was neben der wirklich annehmbaren ersten Hälfte „Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel“ davor bewahrt, komplett als religiöser Bullshit „für die ganze Familie“ unterzugehen. Ein unwürdiger Abschluss der Trilogie ist er dennoch nicht. George Miller widmete sich am Anschluss gänzlich der Familienunterhaltung: „Die Hexen von Eastwick“, „Schweinchen Babe in der großen Stadt“, „Happy Feet“… Mel Gibson tat seine Rolle als Messias offenbar nicht gut, denn er wurde zum fundamentalistisch-religiösen Eiferer und Alkoholiker, homo- und xenophobe sowie antisemitische Ausfälle und Fortschrittsfeindlichkeit inklusive, und versuchte, uns die Leiden Christi näherzubringen. 2015 erschien dann endlich der lange angekündigte „Mad Max: Fury Road“, der unter der Regie Millers zu alter Stärke zurückfand, jedoch ohne Gibson auskommen musste.

P.S.: Bin ich eigentlich der einzige, der bei „Donnerkuppel“ zuerst an einen Lokus denkt?
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 19. Sep 2018, 22:56

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Curtains - Wahn ohne Ende

„Ich werde dich jetzt erschießen und mich ergötzen am langsam hervorquellenden Blut aus deinem erbärmlich daliegenden Kadaver!“

Das Regiedebüt des gebürtigen Belgiers und „Ilsa – Die Tigerin“-Kameramanns Richard Ciupka ist die Slasher/Psycho-Thriller-Mischung „Curtains - Wahn ohne Ende“, die ursprünglich bereits 1980 gedreht, jedoch nach einigen produktionsbedingten Querelen und zahlreichen Nachdrehs erst 1983 fertiggestellt und veröffentlicht wurde. Diesem Umstand mag es geschuldet sein, dass Ciupka nicht mit seinem echten Namen mit dem Film in Verbindung gebracht werden wollte, sondern als Pseudonym den Namen der Hauptrolle Jonathan Stryker wählte – evtl. ist dies jedoch auch schlicht ein Gag, ein Spiel mit der Meta-Ebene. Das Drehbuch stammt vom genreaffinen „Prom Night“-Autor Robert Guza Jr.

„Was haben wir nur alle gemeinsam?“ – „Sex?“

Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon, „Dirty Harry“, „Das Unheimliche“) will die weibliche Hauptrolle seines neuen Films nur höchst ungern mit seiner Affäre, der alternden Theaterschauspielerin Samantha Sherwood (Samantha Eggar, „Die Brut“), besetzen. Als diese sich in ihrem Eifer überreden lässt, sich in eine psychologische Anstalt zwecks Erlernens des Method Actings einliefern zu lassen, wittert Stryker seine Chance, sie auf diese Weise loszuwerden. In seinem Anwesen auf dem Lande veranstaltet er ein Casting, zu dem er mehrere Schauspielerinnen eingeladen hat. Doch zur allgemeinen Überraschung gesellt sich Samantha dazu, die aus dem Irrenhaus fliehen konnte und nach wie vor Feuer und Flamme für die Rolle der Audra ist. Als eine unheimliche und brutale Mordserie beginnt, steht sie unter dringendem Tatverdacht. Doch würde sie für die Rolle wirklich über Leichen gehen?

„Was würden Sie denn tun?“ – „Für diese Rolle morden!“

„Curtains“ spielt gern mit der Erwartungshaltung des Publikums: Der Prolog entpuppt sich als Filmprobe und als Samantha auf Stryker loszugehen scheint, tut sie nur so, denn der ist, wie man nun erfährt, ihr Liebhaber. In der Klapse trifft sie auf wahre Bilderbuchbekloppte und man fragt sich, ob sich der Film nun eventuell in Richtung eines Anstaltsthrillers entwickelt…? Nein, Szenenwechsel: Irgendjemand verbrennt Fotos, ein Frauenpaar scheint einen Komplott gegen Stryker zu planen. Ein sich in Point-of-View-Perspektive heranschleichender mutmaßlicher Mörder mit Strumpfmaske und schwarzen Handschuhen entpuppt sich jedoch wieder als Finte, genauer: als ein makabrer Scherz des Liebhabers einer jungen Schauspielerin. Diese hat daraufhin einen Alptraum von einer Gruselpuppe und wird nach dem Erwachen von einem Mörder unter einer Greisinnenmaske umgebracht. Die Zeit der Finten und False Scares ist vorbei.

„Alles ist erlaubt – für eine Filmrolle!“

Nach dieser Exposition im Stile eines multiplen Prologs befindet man sich endlich in der eigentlichen Handlung, einem sehr eigenwilligen Casting, in dem der androgyne Matthew (Michael Wincott, „Strange Days“) bizarrerweise ebenfalls als Frau gilt (sich jedoch auch gern mit einer drallen Oben-ohne-Schönheit im Bumsbrunnen vergnügt), die wortgewaltigen Dialoge vom Beginn reichlich entrückt wirkenden Gesprächen weichen und die Casting-Teilnehmerinnen jedes Klischee erfüllen, wenn sie sich übertrieben ehrgeizig, vor allem aber skrupellos gerieren. Konkurrenzdenken und Jugendwahn bestimmen die Szenerie und es dauert nicht lange, bis ein schwarzer Handschuh zur Sichel greift. Idyllische winterliche Bilder werden kontrastiert von einer Mordsequenz, die den inszenatorischen Höhepunkt des Films darstellt: Zur Musik aus ihrem Ghettoblaster unternimmt eine der Jungschauspielerinnen eine ausgedehnte Schlittschuhfahrt, bis die Musik unerwartet verstummt, sie die Puppe aus dem Prolog unterm Schnee findet und ihr Mörder plötzlich ebenfalls auf Schlittschuhen zur Tat schreitet, geschützt von der Greisinnenmaske. Ein abgetrennter Kopf landet im Abort, bevor das ausgedehnte Finale um das durch Requisiten stapfende Beinahe-Final-Girl noch einmal Maßstäbe in Sachen Atmosphäre setzt. Das akustisch besonders hervorgehobene schwere Atmen unter der Gummimaske erinnert dabei sicherlich nicht von ungefähr stark an den Subgenre-Begründer „Halloween“, genauso wenig das sich in einer Art Schrank versteckende Opfer, das durch die Tür lugt.

Ob es an der schwierigen Entstehungsgeschichte des Films liegt, dass er zumindest unkonventionell strukturiert wirkt und sich etwas schwer damit tut, seine Prologe mit der Kernhandlung zu verknüpfen, ist Spekulation. Auch vermag ich nicht abschließend zu beurteilen, ob „Curtains – Wahn ohne Ende“ hauptsächlich die Filmbranche satirisch reflektieren und aufs Korn nehmen möchte oder in erster Linie das Klischee karrieregeiler Frauen aufgriff, um es im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode zu reiten. Dafür müsste man stärker durchs psychologisch derangierte Dickicht dringen, das „Curtains“ einem mit seinen Figuren präsentiert. Mit Gewissheit konstatieren kann ich aber, dass es angesichts der herausstechenden Kameraarbeit und der stark ästhetisierten, künstlerischen audiovisuellen Komponenten überhaupt nicht stört, dass es recht wenig roten Lebenssaft oder selbstzweckhafte brutale Exzesse zu sehen gibt, die Auflösung des Whodunit? stattdessen überrascht und man nicht nur aufgrund der Mörder-Dopplung näher am italienischen Giallo denn am US-amerikanischen Haudrauf-Slasher ist. Dass die Szenenübergänge mittels Theatervorhängen visualisiert werden, erinnert wiederum stets mit Nachdruck daran, dass der Zuschauer einer Inszenierung beiwohnt, was aufgrund ihres artifiziellen Charakters jedoch wenig irritiert und einen somit nicht aus der Handlung reißt. Überdurchschnittlich agiert auch das Ensemble, für das sich erfahrene Schauspielerinnen und Schauspieler zusammenfanden. Namen wie Lynne Griffin oder Lesleh Donaldson kennt man aus artverwandten Werken wie „Black Christmas“ oder „Ab in die Ewigkeit“, Sandee Currie aus „Monster im Nachtexpress“ – die Materie war ihnen also nicht fremd. Auch mir als Genre-Aficionada blieb dieser Film nicht fremd, dennoch wäre es zu erfahren interessant, ob er ohne Nachdrehs etc. einen etwas kohärenteren Eindruck gemacht hätte.
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