Ein Toter sucht seinen Mörder - Freddie Francis (1962)

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Ein Toter sucht seinen Mörder - Freddie Francis (1962)

Beitragvon Slim Naughton » 30. Jun 2012, 00:03

Da es sich vorrangig - trotz des stark angelsächsischen Casts - um eine Atze-Brauner-Produktion handelt, habe ich den Streifen, der nächste Woche von Pidax kommen wird, mal hier platziert ;-).

Wer Lust hat, schaut dazu auf Film Maniax vorbei, für den Rest gibt's wieder einen Auszug aus unserem Text zum Film:

Der gelernte Kameramann Freddie Francis wandte sich 1962 zunehmend der Regie zu, die er bald sehr erfolgreich unter anderem für die britischen Horrorstudios Hammer und Amicus praktizieren sollte. Für seinen dritten Streifen in seinem ersten Regie-Jahr drehte er ein Remake des 1953
erschienenen US-B-Klassikers „Donovan’s Hirn“. Die Roman-Vorlage lieferte Curt Siodmak bereits Anfang der 40er-Jahre.
Während aber die US-Version die Horror- und Science-Fiction-Elemente betont, konzentriert sich das deutsch-britische Remake auf den Krimiplot, was dem Streifen nicht so gut tut. Es geht noch ganz manierlich los. Wir lernen den fiesen Holt kennen, und beobachten den ambitionierten Doktor beim Affen-Verheizen. Später dann verlegt sich der Film leider von der optischen auf die sprachliche Ebene, sprich: Es wird verdammt viel geredet. Dementsprechend zurückhaltend ist auch die Visualisierung der Einflussnahme des Gehirns auf den braven Doc. Close-Ups auf die Augen, der ungeduldig trommelnde Daumen, den Corrie von Holt übernimmt sowie eine mit kräftigem Hall unterlegte, veränderte Stimme müssen ausreichen. Zwar hatte sich auch die US-Version zurück gehalten, doch Lew Ayres in der Rolle des Wissenschaftlers hatte die Wesensverwandlung allein mit schauspielerischen Mitteln klasse herausgearbeitet. Hier wäre für Peter van Eyck mehr auch mehr gewesen ;-).
Zum Ende hin verabschiedet sich der Film in Richtung 08/15-Krimi-Niveau: Corry hakt in bester TV-Hobbyermittler-Manier seine Pappenheimer ab und stellt am Ende den Mörder. Zwar hatte ich mir angesichts von Stab und Besetzung deutlich mehr versprochen, aber der Film hat auch seine guten Momente. So sind etwa die Szenen im Labor schön ausgeleuchtet, und der Tod des schmierigen Erpressers Furber (Jack MacGowan) kitzelt in bester Manier unser Trash-O-Meter: Arrgh! Gurgel.

Für einen ersten optischen Eindruck habe ich auch wieder einen Trailer gebastelt:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Ein Toter sucht seinen Mörder (Freddie Francis, 1962)

Beitragvon untot » 21. Jan 2013, 17:42

Ich mochte diesen Film, eine Mischung aus Frankenstein und der Mann mit den zwei Gehirnen, gewürzt mit einer Prise Mystik, was brauchts dann mehr?
Mir gefiel das ruhige, dialoglastige, nicht zu übertriebene des Films sehr, gerade das machte die Stimmung ja aus und manchmal ist weniger eben mehr.
Alles in allem wirklich sehenswert, wie ich finde.

7/10
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Re: Ein Toter sucht seinen Mörder (Freddie Francis, 1962)

Beitragvon buxtebrawler » 2. Mai 2014, 14:37

„Er war der größte Menschenverachter, den man sich vorstellen kann!“

Im Jahre 1962 debütierte der Brite Freddie Francis („Draculas Rückkehr“), der sich einen Namen als fleißiger Horror-Regisseur für diverse britische Filmstudios machte, als Regisseur von gleich drei Produktionen. Eine davon, die deutsch-britische Koproduktion „Ein Toter sucht seinen Mörder“, ist nach dem mir unbekannten „The Lady and the Monster“ aus dem Jahre 1944 und der US-Produktion „Donovans Hirn“ aus dem Jahre 1953 die dritte Verfilmung des mir ebenfalls unbekannten Romans aus der Feder des deutschen Schriftstellers Curt Siodmak. Unter Francis avanciert der Stoff zu einem Mystery-Krimi mit Mad-Scientist-Science-Fiction- und Gruselelementen.

Der ebenso vermögende wie skrupellose Industrielle Max Holt wird schwerstverletzt, als in seinem Privatflieger eine Zeitbombe explodiert. Dr. Peter Corrie (Peter van Eyck, „Der Spion, der aus der Kälte kam“), der mit Tierversuchen daran forscht, Gehirne auch ohne Körper am Leben zu erhalten, findet mit seinen Assistenten Frank (Bernard Lee, „Die Todeskarten des Dr. Schreck“) und Ella Shears (Ellen Schwiers, „Das Rasthaus der grausamen Puppen“) die abgestürzte Maschine und birgt Holt, den er in sein Labor bringt. Dort verstirbt das Bomben- und Absturzopfer kurze Zeit später. Entgegen des Willens seines Assistenten nutzt Dr. Corrie die Gunst der Stunde und entnimmt Holts Gehirn, das tatsächlich in der Nährlösung aktiv bleibt – in ungeahntem Ausmaße: Holt ergreift zunehmend Besitz von Corrie, der sich nun auf die Suche nach dem Attentäter begibt. Ein alles andere als ungefährliches Unterfangen, denn der Mörder hat ein gesteigertes Interesse daran, unerkannt zu bleiben und bringt einen Mitwisser nach dem anderen um die Ecke.

„Ich war Max Holts Freund!“ – „Dann haben Sie ja Sammlerwert!“

Schon nach 20 Minuten macht der Film unmissverständlich klar, dass Dr. Corrie unter Einfluss Holts bzw. dem, was von ihm übrig ist, steht. Visualisiert wird dies durch eine gruselige Großaufnahme Corries weit aufgerissener Augenpartie. Doch statt sich weiter auf den Grusel-Sci-Fi-Faktor der Handlung zu konzentrierten, entspinnt der noch in schwarzweiß gedrehte „Ein Toter sucht seinen Mörder“ einen dialoglastigen, nicht unkomplexen Whodunit?-Krimi, der relativ detailliert Holts (Geschäfts-)Umfeld und Familie durchleuchtet und eine Vielzahl Verdächtiger präsentiert. Für Dr. Corrie kommt erschwerend hinzu, dass er auch selbst Opfer einer Erpressung durch den Leichenwäscher Holts wird, der das Fehlen des Gehirns bemerkte. Über alle, im Verlauf des Films immer mehr eingeführten Personalien den Überblick zu behalten, erfordert zumindest ein Mindestmaß an Konzentration, jedoch werden viele bereits kurz nach ihrer Befragung durch Corrie schon wider aus der Handlung herausgetötet. Immer mehr verdichtet sich jedoch das Bild Holts als über Leichen gehender, gieriger Kapitalist, der nicht viele Freunde, dafür umso mehr Feinde hatte; der gute Schuss Sozialkritik wird also auch in dieser Verfilmung deutlich. Ein witziges Detail ist z.B. das von Holts Sohn persönlich gemalte, hässlich und fies aussehende Porträt seines Vaters, das sich Holt über den Schreibtisch hängte. Eigentlich malt Holt junior tolle Bilder gar schrecklicher Horror-Kreaturen und Monster, zu denen seines Erachtens anscheinend auch sein Vater zu zählen war.

Das in seiner Nährlösung schwimmende Gehirn und die klischeehafte Laborausstattung verfügen über einen naiven, trashigen B-Movie-Charme, aus dem leider nicht sonderlich viel herausgeholt wird. Wann immer Holt wieder Besitz von Dr. Corrie ergreift, wird die immer selbe Augen-aufreiß-Szene zwischengeschnitten, was etwas lieblos wirkt. Dafür gibt es aber nach 30 Minuten eine schöne Point-of-View-Einlage, sind die schauspielerischen Leistungen des namhaften Ensembles fast durchgehend ernstzunehmender Natur und entschädigt die durchaus überraschende Auflösung des Rätsels am Ende für die eine oder andere Länge, die aus den mitunter reichlich angestaubten, biederen Krimi-Passagen sowie aus dem Umstand, dass man mit einem Unsympathen wie Holt nun wirklich nicht mitfiebert, resultieren. Insofern ist „Ein toter sucht seinen Mörder“ mit ein paar Abstrichen sowohl für Freunde klassischer europäischer Kriminalfilmkost als auch für an der Geschichte des phantastischen Films im Allgemeinen und des Schaffens Freddie Francis‘ im Speziellen Interessierter empfehlenswerter Film, der sich meines Erachtens leicht über dem Durchschnitt ansiedelt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Ein Toter sucht seinen Mörder (Freddie Francis, 1962)

Beitragvon Prisma » 2. Mai 2014, 15:17

Schöne Beschreibung! Den Film habe ich schon sehr oft gesehen, weil ich ihn trotz der zurecht angesprochenen paar Defizite sehr unterhaltsam finde. Besonders die Darstellerriege finde ich mit den zeitgenössischen deutschen, aber auch den namenhaften englischen Stars sehr beeindruckend. Vor allem Ellen Schwiers hat mich doch jedes Mal wieder überrascht, da sie hier so vollkommen konträr zu ihren gängigen Rollen eingesetzt wurde, ich hätte sie eher im Part von Anne Heywood gesehen. Anfangs fand ich die Schwiers hier daher immer etwas zu langweilig. Ja, muss ich mir auch unbedingt nochmal anschauen, diese Suche eines unruhigen Toten. Das Finale, obwohl recht überraschend ausgefallen, halte ich übrigens für das schwächste Glied in dieser ansonsten so interessanten Assoziationskette, ging für meine Begriffe leider alles etwas zu glatt über die Bühne.
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Re: Ein Toter sucht seinen Mörder (Freddie Francis, 1962)

Beitragvon Lobbykiller » 2. Aug 2018, 15:30

Ein Toter sucht seinen Mörder (UK/GER 1962) R: Freddie Francis
D: Peter van Eyck, Anne Heywood, Cecil Parker, Bernard Lee, Maxine Audley, Ellen Schwiers, Siegfried Lowitz, Hans Nielsen, Jeremy Spenser, Jack MacGowran, ...
-> Die dritte Verfilmung des Curt Siodmak Romans "Donovans Brain" und entgegen anderen Kritiken eine richtig gute mit einem wie üblich grandios aufspielenden Peter van Eyck. Auch Siegfried Lowitz ist dabei und Bernard Lee. Im Gegensatz zur 2. Verfilmung von 1953 wurde der Plot hier mehr auf die Kriminalhandlung geeicht, als auf den Horror-Aspekt, was die ein oder andere Erwartungshaltung severaler Rezipienten möglicherweise ein bischen gesprengt hat. Mir persönlich hat diese Version besser gefallen als die von 1953 (sie swingt einfach etwas mehr :lol: ), die von 1944 hab ich leider noch nicht gesichtet.
(4,5/5 = sehr gut)
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