Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

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Moderator: jogiwan

Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon italostrikesback » 16. Jul 2018, 13:25

CALL ME BY YOUR NAME
Italien, Frankreich, USA 2017
Regie: Luca Guadagnino

Story:
Der altkluge 17-jährige Elio Perlman (Timothée Chalamet) genießt den norditalienischen Sommer des Jahres 1983 auf der im 17. Jahrhundert errichteten Villa der Familie. Seine Zeit verbringt der italoamerikanische Junge damit, klassische Musik zu spielen und zu transkribieren, zu lesen und mit seiner Freundin Marzia (Esther Garrel) zu flirten. Mit seinen Eltern ist Elio eng verbunden. Sein Vater (Michael Stuhlbarg), ein angesehener Professor, hat sich auf die griechisch-römische Kultur spezialisiert. Elios Mutter Annella (Amira Casar) arbeitet als Übersetzerin. Gemeinsam bringen sie ihrem Sohn die Errungenschaften der Hochkultur nahe und bereiten ihm ein sorgenfreies Leben mit allen Vorzügen. Dank seiner Weltklugheit und seiner intellektuellen Begabungen wirkt der Junge nach außen bereits wie ein Erwachsener, doch dem Anschein entgegen ist Elio in mancherlei Hinsicht durchaus noch sehr unerfahren – besonders in Herzensangelegenheiten. Eines Tages trifft der 24-jährige amerikanische Doktorand Oliver (Armie Hammer) als neuer Sommer-Praktikant von Elios Vater auf der Villa ein. Inmitten jener prächtigen, sonnengetränkten Szenerie entdecken Elio und Oliver die berauschende Schönheit aufblühenden Verlangens im Verlauf eines Sommers, der ihre Leben für immer verändern wird.

Meine Einschätzung:
Bei der Oscarverleihung war der Film in vier Kategorien nominiert, wobei James Ivory in der Kategorie Drehbuch ausgezeichnet wurde.
Der Film scheint wie ein endloser Sommer im Nord Italien des Jahres 1983 und nimmt sich Zeit für seine Charaktere und besonders viel Zeit für seine wunderschönen sommerlichen Bilder, übrigens auf 35mm gedreht.
Eine Geschichte über das Erwachsenwerden und die erste Liebe, sehr zurückhaltend inszeniert und irgendwie fühlt man sich als Zuschauer an die endlosen Sommer seiner Kindheit und Jugend erinnert. Eine Zeit als die Sommerferien nicht enden wollten.... Das alles wurde unglaublich gut eingefangen und die Filmmusik ist ein Hammer. Die Songs von Sufjan Stevens gehen fast schon beängstigend gut ins Ohr.
Die kompletten 132 Minuten sind einfach nur ein Fest für Augen und Sinne, gerade heutzutage, in der das kommerzielle Hollywood Kino sich keine Zeit mehr nimmt, einen Film auf diese Weise zu erzählen.

Überragend und von seltener Schönheit
10/10


Seitdem mir klar wurde das CALL ME BY YOUR NAME Regisseur Luca Guadagnino das SUSPIRIA Remake gedreht hat, glaube ich dass da ein Hammer auf uns zu kommt. :)


Zur Blu-ray:

Der auf 35mm gedrehte Film kommt auf der Blu-ray voll zur Geltung und das Bonusmaterial ist ebenfalls qualitativ hochwertig. Audiokommentar mit deutschen Untertiteln, Gesprächsrunde (25 min.), Making of (10 min.) Kino Trailer etc.
Kauftipp!

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 19. Jul 2018, 02:26

Ich kann italostrikesback nur zustimmen...

Was für eine zärtlich erzählte, in schönen 35mm-Bildern eingefangene, und auf die Details fixierte Liebesgeschichte ist das denn! Dieser herzzereißende Abschied am Bahnhof! Oder wie der greise Professor am Ende seine Karten relativ offen auf den Tisch legt! Das Zirpen der Insekten im Sommertaumel, und das Flirren der Luft nebenbei! Esther Garell, wie sie sich hingibt, und dann anbiedert! All der Stillstand, wo die Dinge regelrecht darauf warten: Gleich passiert etwas! Natürlich: All die nackten oder halbnackten Männerkörper in Jeans oder ohne!

Vielleicht ist CALL ME BY YOUR NAME die Einlösung des Versprechens, das Bertolucci mit seiner antiquierten Männer-Phantasie STEALING BEAUTY von 1996 zwar gegeben, aber nie eingelöst hat.

Ich könnte mir vorstellen: Wäre Walerian Borowczyk homosexuell gewesen, und hätte er im Jahre 2017 noch gelebt und *dieses* Budget zur Verfügung gehabt, wäre sein Film wesentlich kürzer, aber ähnlich affizierend ausgefallen: Die Jeans-Hosen über strammen Hintern, hinüberrobbend über pulsierende Körper, und die Kamera guckt einfach zu, ohne mir das Gefühl zu geben, mich explizit erregen zu wollen.

Noch eine Vorstellung: Wenn Herr Guadagnino beim SUSPIRIA-Remake nur eine Handvoll von dem Spitzengefühl für Bildkomposition, Schauspielerführung und Kamera-Direktion in sein dort agierendes Team hinüberretten kann, dann bin ich tatsächlich auch gespannt, wenn nicht sogar gethrillt, was denn hierbei herauskommen möchte....
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon italostrikesback » 24. Jul 2018, 01:05

Salvatore Baccaro hat geschrieben:
Ich kann italostrikesback nur zustimmen...

Was für eine zärtlich erzählte, in schönen 35mm-Bildern eingefangene, und auf die Details fixierte Liebesgeschichte ist das denn! Dieser herzzereißende Abschied am Bahnhof! Oder wie der greise Professor am Ende seine Karten relativ offen auf den Tisch legt! Das Zirpen der Insekten im Sommertaumel, und das Flirren der Luft nebenbei! Esther Garell, wie sie sich hingibt, und dann anbiedert! All der Stillstand, wo die Dinge regelrecht darauf warten: Gleich passiert etwas! Natürlich: All die nackten oder halbnackten Männerkörper in Jeans oder ohne!

Vielleicht ist CALL ME BY YOUR NAME die Einlösung des Versprechens, das Bertolucci mit seiner antiquierten Männer-Phantasie STEALING BEAUTY von 1996 zwar gegeben, aber nie eingelöst hat.

Ich könnte mir vorstellen: Wäre Walerian Borowczyk homosexuell gewesen, und hätte er im Jahre 2017 noch gelebt und *dieses* Budget zur Verfügung gehabt, wäre sein Film wesentlich kürzer, aber ähnlich affizierend ausgefallen: Die Jeans-Hosen über strammen Hintern, hinüberrobbend über pulsierende Körper, und die Kamera guckt einfach zu, ohne mir das Gefühl zu geben, mich explizit erregen zu wollen.

Noch eine Vorstellung: Wenn Herr Guadagnino beim SUSPIRIA-Remake nur eine Handvoll von dem Spitzengefühl für Bildkomposition, Schauspielerführung und Kamera-Direktion in sein dort agierendes Team hinüberretten kann, dann bin ich tatsächlich auch gespannt, wenn nicht sogar gethrillt, was denn hierbei herauskommen möchte....


Es freut mich ja, dass Du den Film ebenso genial findest wie ich, aber Du schreibst "Die Jeans-Hosen über strammen Hintern, hinüberrobbend über pulsierende Körper" oder "All die nackten oder halbnackten Männerkörper in Jeans oder ohne!" ???
Daran kann ich mich jetzt gar nicht erinnern, obwohl ich den Film gleich zwei mal angesehen habe.
Das liest sich als sei es eine Art Gay Erotik wie beim Basketball Spiel in Top Gun mit Tom Cruise.
Passt auch nicht zusammen, mit dem was ich gesehen habe.
Du schreibst auch "Oder wie der greise Professor am Ende seine Karten relativ offen auf den Tisch legt!"
In dem Film gibt es tatsächlich gar keinen" greisen" Professor.
Oder meinst Du Michael Stuhlbarg, der den Vater des 17 jährigen Elio spielt? Der war zur Drehzeit 48 Jahre alt und wird als toleranter und junggebliebener Vater dargestellt.
Auch aus einer Teenagerperspektive wird ein 48 jähiger noch nicht als Greis angesehen.

Zumindest sind wir derselben Meinung und zwar dass der Film absolut überragend ist. :)
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 24. Jul 2018, 20:37

italostrikesback hat geschrieben:Du schreibst auch "Oder wie der greise Professor am Ende seine Karten relativ offen auf den Tisch legt!"
In dem Film gibt es tatsächlich gar keinen" greisen" Professor.
Oder meinst Du Michael Stuhlbarg, der den Vater des 17 jährigen Elio spielt? Der war zur Drehzeit 48 Jahre alt und wird als toleranter und junggebliebener Vater dargestellt.
Auch aus einer Teenagerperspektive wird ein 48 jähiger noch nicht als Greis angesehen.


Den Einwand lasse ich natürlich gelten, und die Formulierung "Greis" in dem Zusammenhang ("alter oder alt wirkender [körperlich hinfälliger] Mann", laut Duden) passt in dem Zusammenhang tatsächlich überhaupt nicht.

italostrikesback hat geschrieben:Du schreibst "Die Jeans-Hosen über strammen Hintern, hinüberrobbend über pulsierende Körper" oder "All die nackten oder halbnackten Männerkörper in Jeans oder ohne!" ???
Daran kann ich mich jetzt gar nicht erinnern, obwohl ich den Film gleich zwei mal angesehen habe.
Das liest sich als sei es eine Art Gay Erotik wie beim Basketball Spiel in Top Gun mit Tom Cruise.


Möglicherweise bin ich auch bei der Formulierung übers Ziel hinausgeschossen. Immerhin gibt es aber doch einige - wenn auch nicht sonderlich explizite, eher zärtliche - Liebesszenen zwischen den beiden Protagonisten, in denen deren Körper durchaus sexualisiert inszeniert werden. Auch einige "alltäglichere" Momente wie am Pool-Rand oder beim Radeln etc. habe ich durchdrungen von einer unterschwelligen Erotik empfunden - und manchmal sind die Protagonisten dabei (halb-)nackt, oder tragen Jeans. ;-)

Ich hatte den Film sehr spät gesehen, und in einem Euphorie-Rausch meine Eindrücke gleich danach diesen heiligen Hallen anvertraut. Daher wohl der überspitzte Übermut. Im Nachhinein kommt mir meine Borowczyk-Referenz auch gar nicht mehr allzu plausibel vor. Da liegen doch Welten zwischen dessen Oeuvre und vorliegendem Film.

Vielleicht folgt bald mal eine etwas längere, etwas geerdetere Fassung meiner Sichteindrücke.
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon italostrikesback » 26. Jul 2018, 12:48

@Salvatore

Ok, ich verstehe. Wahrscheinlich eine rein subjektive Wahrnehmung.
"Eine etwas längere geerdete Fassung" wird es nicht geben ABER dafür tolle Neuigkeiten:
Luca Guadagnino wird eine Fortsetzung inszenieren und den zweiten Teil des Buches verfilmen.
Das italienische Setting wird gewechselt und die Protagonisten werden um die Welt reisen. Bei Guadagninos feinsinnigem Inszenierungsstil wird das bestimmt toll. Da kann man sich auf eine stimmige Weltreise freuen. :)

https://www.musikexpress.de/call-me-by- ... l-1025545/
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon jogiwan » 26. Jul 2018, 14:18

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Vielleicht folgt bald mal eine etwas längere, etwas geerdetere Fassung meiner Sichteindrücke.[/align]


italostrikesback hat geschrieben:@Salvatore

"Eine etwas längere geerdete Fassung" wird es nicht geben[...]


:? :pfeif: :kicher:
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon italostrikesback » 26. Jul 2018, 15:36

jogiwan hat geschrieben:
Salvatore Baccaro hat geschrieben:Vielleicht folgt bald mal eine etwas längere, etwas geerdetere Fassung meiner Sichteindrücke.[/align]


italostrikesback hat geschrieben:@Salvatore

"Eine etwas längere geerdete Fassung" wird es nicht geben[...]


:? :pfeif: :kicher:


Ich habe es gerade selbst bemerkt, dass ich ihn falsch verstanden hatte. Ich dachte, er hofft auf einen längeren Cut aber er meinte wohl damit eine erneute Sichtung. Bevor Du aber "kicherst" hättest Du mir das aber auch schreiben können. ;)
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 26. Jul 2018, 20:15

italostrikesback hat geschrieben:aber er meinte wohl damit eine erneute Sichtung.


Eigentlich meinte ich, dass ich irgendwann - vielleicht auch nach einer erneuten Sichtung - einen Text zu Papier bringe, der den Film etwas differenzierter angeht als meine obigen euphorischen ad-hoc-Eindrücke direkt nach dem Abspann... ;-)
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Re: Call me by your name - Luca Guadagnino (2017)

Beitragvon italostrikesback » 31. Jul 2018, 08:11

Salvatore Baccaro hat geschrieben:
italostrikesback hat geschrieben:aber er meinte wohl damit eine erneute Sichtung.


Eigentlich meinte ich, dass ich irgendwann - vielleicht auch nach einer erneuten Sichtung - einen Text zu Papier bringe, der den Film etwas differenzierter angeht als meine obigen euphorischen ad-hoc-Eindrücke direkt nach dem Abspann... ;-)



Mittlerweile habe ich es verstanden. Das kommt davon, wenn man zu schnell liest. Übrigens soll ein zweiter Teil von Luca Guadagnino kommen, der die Protagonisten auf Weltreise gehen lässt. Doch bis dahin wird wohl noch etwas Zeit vergehen, so daß wir uns erstmal auf ein 150 Minuten episches Suspiria freuen können.
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