Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon McBrewer » 2. Jul 2018, 21:15

Am Mittwoch geht es endlich mal wieder los, Festival Luft (Schweiß, Bier, Kippen) schnuppern.

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Musikalsich zwar nicht wirklich meine Baustelle, aber mit SODOM, KREATOR, EXODUS, CANNIBAL CORPSE, IN FLAMES, HAMMERFALL, AMORPHIS & PARADISE LOST ein paar nette Vertreter, die auch friedlich nebeneinander in meinem Plattenschrank stehen (oder was sollte ich mir davon doch noch mal anschauen???)
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 6. Jul 2018, 10:05

27.06.2018, Hafenklang, Hamburg:
HARD-ONS + BOLANOW BRAWL


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Mittwoch, der 27.06.2018, war ein geschichtsträchtiger Tag. Nein, nicht etwa, weil wir zusammen mit den HARD-ONS im Hafenklang spielten, sondern weil die deutsche Herrenfußballnationalmannschaft erstmals in ihrer Historie die Vorrunde einer Weltmeisterschaft nicht überstand. Der blamablen 0:2-Niederlage gegen Südkorea wohnte ich nach der Maloche bei Hermann im Osborne bei, von wo aus ich mich anschließend auf den Weg zum Hafenklang begab, wo sich die australische Punkrock-Legende bereits beim Aufbau befand. Nach kurzer Zeit trafen auch meine Mitstreiter ein, die mich diesmal freundlicherweise vom Equipmentschleppen befreit hatten, da die HARD-ONS bis auf eine Gitarrenbox die komplette Backline stellten und es somit endlich einmal wieder nur einen Bruchteil unseres Gelöts zu wuchten und zu transportieren galt. Die Aussies befanden sich mittlerweile beim Soundcheck und ihr offenbar koreanischstämmiger Bassist ließ keine Gelegenheit aus, seiner Freude über den Spielausgang Ausdruck zu verleihen. Mein Shirt des mexikanischen Teams, das ich während der Partie getragen hatte, hatte ich eigentlich längst gegen ein Punkshirt ausgetauscht, wechselte daraufhin jedoch noch einmal zurück, um ihn daran zu erinnern, wie Südkorea gegen die Mittelamerikaner gespielt hatte… Im Hafenklang lief die Organisation sehr entspannt und gleichzeitig professionell ab, unser Soundcheck stand alsbald an und als sowohl der Mischer mit dem Klang der P.A. als auch wir mit unserem Bühnensound zufrieden waren, konnten wir zum wirklichen wichtigen Teil des Abends übergehen: dem Catering. Im Goldenen Salon kredenzte uns der Koch raffiniert gewürzte Vleischbällchen mit von Curry geküsstem, gegartem Blumenkohl, einer frischen Salatkreation der Saison und gekochtem Reis, dazu frisches Brot mit köstlichem Dip. Während ich mir die Plauze vollschlug, hatte ein Teil meiner Band bereits wieder ignoranterweise im Vorfeld Fremdspeisen konsumiert, blieb also mehr für mich. Auf dieser Grundlage schmeckten dann auch die Getränke des Sponsors Jever ausnehmend gut, von uns aus konnte es also losgehen.

Es blieb natürlich noch genügend Zeit, an der Elbe herumzuhängen (wo Keith‘ Freundin ein schniekes Gruppenfoto schoss) und diejenigen bekannten Gesichter freudig zu begrüßen, die sich an diesem sonnigen Mittwoch zum „Bergfest“ aufgerafft hatten. Und diese waren glücklicherweise nicht allein, nach und nach fanden weitere Freunde der Punkmusique ihren Weg zum Hafenklang. Um Punkt 21:15 Uhr begannen wir vor etwa der Hälfte der zahlenden Gäste, die sich später die HARD-ONS reinzogen, mit unserem Set, das sich die letzten Gigs bewährt hatte. Mein Monitorsound war gut, der der Jungs offenbar auch, denn das Zusammenspiel funktionierte einwandfrei und da es mitten in der Woche war, war auch noch niemand übermäßig betrunken… Allerdings hatte ich die Hafenklang-Bühne von unseren vorausgegangenen Gigs dort irgendwie größer in Erinnerung, indes hat Christian seitdem auch an Körperfülle zugelegt – daran wird’s gelegen haben. Jedenfalls hatte ich die ganze Zeit etwas Sorge, die Bierpullen mit meinem Mikrokabel umzurocken, eine Bühnenüberschwemmung wie zuletzt im Molotow blieb aber aus. Zu unserer Freude befand sich im Publikum auch eine Handvoll Leute, die sich über Mitwippen hinaus zur Musik bewegte und sogar Anstalten unternahm mitzusingen. So wurd’s ein wieder mal sehr angenehmer Gig, den wir zudem nicht durchhetzen mussten, sondern der Zeit für kurze Verschnaufpausen, alberne Ansagen und Instrumentenstimmexzesse bot. Bei „Red Lips“ allerdings entfiel mir eine Strophe, sodass ich eine andere einfach doppelt sang – kommt vor. Dafür klangen unsere Background-Chöre besser aufeinander abgestimmt und harmonischer als zuletzt. Das HARD-ONS-Publikum zeigte sich empfänglich für Hamburger Streetpunk und ich mich nach einem überstürzten Abbau – Teile der Band mussten dringend los – für weiteres kaltes Jever und schließlich die HARD-ONS themselves.

Die HARD-ONS gibt’s mit einigen Unterbrechungen bereits seit 1981, mittlerweile ist auch Sänger Keish zurückgekehrt. Dieser konzentriert sich nun ausschließlich auf den Gesang, an den Drums sitzt ein neues Bandmitglied – man ist nun also zu viert. Musikalisch bewegt sich das Schaffen der Band zwischen ramoneskem Punkrock mit reichlich Surf-Pop-Einflüssen, einigen Prisen HÜSKER DÜ u.ä. sowie hartem Metal-Riffing und wer nicht glauben kann, dass das irgendwie zusammenpasst, hätte gut daran getan, sich diese Show anzusehen. Diese Kombination ermöglicht es der Band, eben nicht so zu klingen, als würde sie ein bestimmtes Rezept endlos neu auftischen und immer „den gleichen Song“ wieder und wieder zu spielen, sondern einen variablen, abwechslungsreichen Mix zu zocken, der den Musikern sowohl die Gelegenheit bietet, ihr technisches Können und ihre Offenheit Einflüssen gegenüber zur Schau zu stellen als auch Keish Pausen einzuräumen, wenn der Rest der HARD-ONS sich gerade durch feiste Metal-Instrumentals gniedelt. Auch der Drummer verschaffte sich übrigens später eine solche Pause, als er sich für eine kurze Auszeit hinter sein Kit legte… Ansonsten tänzelte Keish lässig hinter seinem Mikro und sang sich kräftehaushaltend durchs Set, das nämlich verdammt ausführlich ausgefallen war, inkl. „Wünsch dir was“-Abschnitt, in dem man auf Zuruf aus dem Publikum den einen oder anderen geforderten Song darbot. Fans der HARD-ONS dürften jedenfalls voll auf ihre Kosten (i.H.v. 15,- EUR AK) gekommen sein. Ich persönlich empfand nun gerade vom Pop-Punk-Material nicht jeden Song als unbedingt zwingend, es überwog jedoch der Eindruck sehr eingängigen Materials mit viel Variantenreichtum, auf die Bühne gebracht von einer lockeren, extrem spielfreudigen Band, die immer wieder für Überraschungen und Späßchen gut war, zudem augenscheinlich mit ausreichend Augenzwinkern und leichtem Hang zur Selbstironie gesegnet ist. Ich konnte das gesamte, bestimmt über 90-minütige Set allerdings nicht komplett konzentriert verfolgen, sondern verbachte einige Zeit auch in unserer Merch-Ecke. Deutlich wurde unterdessen, dass die HARD-ONS gegenüber ihren Popularitätsspitzen seinerzeit stark eingebüßt haben, denn ins Hafenklang hätten an diesem Abend trotz guter Stimmung im Publikum noch locker doppelt so viele Leute gepasst. Fakt ist aber auch: Es war nun mal ein verdammter Mittwoch.

Ich flößte mir noch diverse Jeverchen ein, hielt ‘nen Klönschnack mit dem Bassisten nach dem Gig und ging als Letzter, nachdem sich Christian und Keith längst verabschiedet hatten. Das ist der Vorteil, wenn man am nächsten Tag erst um 10:00 Uhr in der Uni sein muss… Danke an Fab und das Hafenklang inkl. Crew, an alle, die sich bereits von unseren akustischen Signalen angezogen fühlten und an Swaantje für die Fotos unseres Gigs – sowie an die Jever-Brauerei! Prost!

Mit diesem Auftritt haben wir übrigens unser Quartett an HH-Gigs in diesem Frühjahr/Sommer abgeschlossen. Wir konnten beweisen, dass wir wieder ready and loaded sind; Neu-Basser Keith konnte Live-Erfahrung sammeln und die Luft diverser relevanter Hamburger Bühnen schnuppern. Weiter geht’s voraussichtlich am 08.09. in der Rotenburger Villa, bis dahin schrauben wir an neuen Songs, machen Urlaub, gucken Fußball, betrinken uns und besuchen schlimme Festivals.

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/27-06-201 ... now-brawl/
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon McBrewer » 9. Jul 2018, 16:08

McBrewer hat geschrieben:Am Mittwoch geht es endlich mal wieder los, Festival Luft (Schweiß, Bier, Kippen) schnuppern.

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Musikalsich zwar nicht wirklich meine Baustelle, aber mit SODOM, KREATOR, EXODUS, CANNIBAL CORPSE, IN FLAMES, HAMMERFALL, AMORPHIS & PARADISE LOST ein paar nette Vertreter, die auch friedlich nebeneinander in meinem Plattenschrank stehen (oder was sollte ich mir davon doch noch mal anschauen???)


Um Dänny Glover zu zitieren: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“ - 5 Tage Campen auf einem Festival tun den Knochen nicht gut. aber was will ich mich beschweren..es waren fünf ganz tolle Tage. :prost:
Und ein paar Bands habe ich auch gesehen: die Opener MONUMENT erinnerten mich sehr stark (und positiv) an Iron Maiden, ROSS THE BOSS rockte mit einer mehr als weniger tollen Manowar Tribut Show einen tollen gig, mit vielen Hits aus der Zeit seines mitwirken . KREATOR verwandelten den Moshpit in eine staubige Arena, SODOM hatte ich soundtechnisch zu spät erkannt, AMORPHIS rockten handwerklich perfekt, langweilten mich aber leider mittlerweile musikalisch *sorry*, HAMMERFALL waren richtig gut drauf & beeindruckten mit einer Spezial "Harz on Fire"-Show (trotz der trockenheit gab es ordentliche Pyroshow) CANNIBAL CORPSE waren mir auf dem Festival mit am nächsten dran an meinem Sommer-Musikgeschmack, Nick Homes von PARADISE LOST leider stimmlich nicht auf dem Niveau der letzten (oder wenigsten ersten) Platten. KNORKATOR sorgten dafür wieder für ordentliche Gute-Laune & hatten mit "Zähne putzen, pullern - Ab ins Bett!" wieder einen neuen (?) Ohrwurm am Start. IN FLAMES waren dann auch für mich die einzig würdigen Jubiläums Headliner & rockten ein Lichtgewaltiges Set aus vielen Nummern der letzten Dekade, die mir persönlich am besten gefällt.

fazit:
"Wir sollten aufhören weniger zu trinken" :opa: :prost:
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Dick Cockboner » 9. Jul 2018, 16:41

McBrewer hat geschrieben: 5 Tage Campen auf einem Festival tun den Knochen nicht gut.


Als regelmäßiger Harz-Sommerurlauber (4x in Elend,1x in Sorge) zieh ich mal den Hut,denn die Nächte im Harz können verdammt kalt und nass sein.
[Ach so,für diejenigen,die noch nie da waren:Elend & Sorge sind zwei Ortschaften,relativ zentral im Mittelgebirge gelegen.]
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon McBrewer » 9. Jul 2018, 16:54

Dick Cockboner hat geschrieben:
McBrewer hat geschrieben: 5 Tage Campen auf einem Festival tun den Knochen nicht gut.


Als regelmäßiger Harz-Sommerurlauber (4x in Elend,1x in Sorge) zieh ich mal den Hut,denn die Nächte im Harz können verdammt kalt und nass sein.
[Ach so,für diejenigen,die noch nie da waren:Elend & Sorge sind zwei Ortschaften,relativ zentral im Mittelgebirge gelegen.]


Als Ortsansässiger (gottseidank NICHT in Elend oder Sorge :kicher: ) kann ich das zum teil bestätigen, heiße Tage - kühle Nächte. Witterungsbedingt hat aber mal so eine nasse Abkühlung von oben echt gefehlt
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 10. Jul 2018, 19:57

30.06.2018, Gängeviertel, Hamburg: Vier Jahre Beyond Borders mit DÖDELHAIE + SPEICHELBROISS + ABSTURTZ + LOSER YOUTH + ENDSTATION CHAOS

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Anlässlich ihres mittlerweile vierjährigen Bestehens gab die umtriebige Beyond-Borders-Konzertgruppe sich und allen, die Bock darauf hatten, eine Riesenparty in der Fabrique des Gängeviertels, als Headliner hatte sie sich die Duisburger DÖDELHAIE zu ihrem unfassbarerweise erst zweiten (!) Gig in Hamburg geangelt. Ich weiß nicht mehr, welches mein erstes Beyond-Borders-Konzert war. Wenn bereits OUT OF STEP + FIRM HAND + FAST SHIT damals von ihnen organisiert wurde, war es das, oder aber KEIN HASS DA + VIOLENT INSTINCT + THE JANE DOE INCIDENT + KIRA KANOA, erstmals das Logo auf dem Flyer gesehen habe ich aber bei LADEHEMMUNG + ABSTURTZ + THANHEISER. Seitdem habe ich eine Vielzahl ihrer Veranstaltungen besucht und mit BOLANOW BRAWL auch selbst 2x für sie die Bühne besudelt. Beyond Borders bereichern seither die Hamburger Konzertlandschaft um Punk-, Oi!- und Hardcore-Veranstaltungen und schrecken auch vor Ausflügen in genrefremde Gefilde nicht zurück. Bei alldem haben sie stets gute Arbeit geleistet und so natürlich auch an diesem Abend, der ziemlich pünktlich mit den Erzgebirglern ENDSTATION CHAOS begann. Statt Banner aufzuhängen wurden diesmal übrigens erstmals die Bandlogos an die Wand hinterm Drumkit projiziert – Punk Rock meets Hightech! Die Sachsen spielten deutschsprachigen Punkrock mit radikalem gesellschafts-, sozial- und politkritischem Anspruch, der z.B. in „Volk halt’s Maul“ Ausdruck fand. Anfänglich war das Gitarrengeschrammel eher fürs Hintergrundrauschen zuständig, dafür die Bassläufe sehr dominant und melodiegebend, wie’s bei Oldschool-HC-Punk ja häufig Usus war. Das kam schon mal ganz gut. Im weiteren Verlauf übernahm die Gitarre jedoch immer mehr Lead-Parts, monoton klang’s dadurch nie. Der raue Gesang des Frontmanns und gute, kräftige Chöre machten unmissverständlich klar, dass Flüchtlinge willkommen sind, Bullen, Nationalisten und ähnliche unliebsame Zeitgenossen hingegen weniger und mit einem tatsächlich verdammt geilen Song gegen Nazis bewies man, dass es sich auch in ästhetischer Hinsicht lohnt, dieses Feld weiterhin künstlerisch-musikalisch zu beackern. Einige Gesangsparts übernahm der Bassist, der Drummer integrierte immer mal wieder coole Breaks in sein Spiel und der Gitarrist wurde irgendwann flügge und tingelte durchs Publikum. Gelungener Gig einer Band mit sympathischem Auftreten. Schmunzeln musste ich angesichts des Texts, den die am Merchstand positionierte LED-Leuchtbox verriet: „Endstation Merch-Chaos“. Ich kann’s mir bildlich vorstellen: „Äh, keine Ahnung, was die Platte kosten soll. Und das T-Shirt in L? Müsste ich gucken… Welches wolltest du noch mal? Ja, die Aufnäher müssten hier auch noch irgendwo sein, ich kram‘ mal in den Kisten… Wie viel hattest du mir gegeben? Finde das Wechselgeld gerade nicht…“

Was genau die LOSER YOUTH nun eigentlich verloren hat, ist nach wie vor unklar, jedenfalls sicher nicht an Lungenvolumen und dem Gespür dafür, wie man die Meute in Bewegung versetzt: Der Riesenstrauß bunter Herzchen-Luftballons, mutmaßlich alle von den Bandmitgliedern nach strengem D.I.Y.-Kodex selbstaufgeblasen, sorgte für viele Schmetter- und Kick-Moves im Publikum, während das Trio seine kurzen HC-Punk-Kracher in deutscher Sprache von der Bühne schleuderte und zwischendurch mit lakonischen Ansagen garnierte. Wie auch bei BRUTALE GRUPPE 5000, LOSER-YOUTH-Thommys anderer Baustelle, gefällt mir der Humor der Band sehr, wobei die Songtexte hier auf einem wesentlich realitätsnäheren Fundament fußen als im Falle der paranoiden BG5000-Laserpunks und keinem derart festgezurrten Konzept folgen. Der Humor generiert sich neben dem Habitus der Band vielmehr aus dem Faible, bestimmte Sachverhalte in textlich unheimlich gekürzte, prägnante Form zu bringen, auf einfache Formeln zu reduzieren, gern angereichert mit Übertreibungen und Gepöbel – also das Gegenteil von verkopftem Wischiwaschi-Punk – und ist unterschwelliger Natur, dabei längst nicht bei jedem Song vorhanden: Eine Vielzahl beschreibt auch einfach Phänomene, Entwicklungen und Missstände, zu denen es tatsächlich keiner weiteren Worte bedarf. Wo andere Bands mit 2,5- bis 3-minütigen Songs die Aufmerksamkeitsspanne ihres reizüberfluteten Publikums auf eine harte Probe stellen würden, ist bei der LOSER YOUTH oft nach dem ersten Refrain schon wieder Schluss, weshalb man innerhalb eines regulären Gigs ca. 77 Songs unterkriegen würde. Da man so viele gar nicht hat, gehen die Gigs halt nicht so lang. In seinen besten Momenten erinnert das Ganze sogar ein bisschen an die DEAD KENNEDYS zu „In God We Trust, Inc.“-Zeiten. Auch unabhängig von den Ballons geriet der Mob in Bewegung; der Typ, der sich stattdessen regungslos vor die Bühne gesetzt hatte, übergab sich dort allerdings – wenngleich er dies sicher nicht als Statement zur Band missverstanden wissen will. Bester Song: „Punk und Polizei 2“, die inoffizielle Fortsetzung eines der beschissensten D-Punk-Schlagers. Ich mag die Idee, an bekannte Songtitel einfach eine 2 anzuhängen, deshalb demnächst von DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS: „Blitzkrieg Bop 2“.

Bei ABSTURTZ hat wurde die Besetzung auf Quartettgröße erweitert und auch die Instrumentenzuordnungen wurden neu ausgewürfelt: Der Neuzugang bei den Dithmarschern sitzt an den Trommeln (und spielt technisch verdammt lässig und erstaunlich versiert aus dem Handgelenk), Hannes übernahm dafür den Bass, der bisherige Bassist die nun zweite Gitarre. Damit lässt sich noch mehr Krach und Druck erzeugen, bisher stand Sänger und Gitarrist Heiner mit seiner Klampfe ja allein auf weiter Flur – was ihn nicht abhielt, diverse Soli zu gniedeln und sich die Seele aus dem Leib zu bölken. In Sachen Intensität stand dieser ABSTURTZ-Gig den vorausgegangenen also in nichts nach, eher im Gegenteil: Durch die neue Konstellation wird Heiner etwas entlastet, wodurch er sich noch mehr aufs Wesentliche konzentrieren kann. Aus Solidarität bestellte ich mir ein Dithmarscher (statt des von mir im Gängeviertel ansonsten bevorzugten Premiums) und zog mir den großartigen, stürmischen Sound der Band mit seinen durch die Gitarren-Leads dezenten Metal-Anleihen und den Fäusteballtexten rein und sang die hymnischen Refrains mit. Die Meute drehte nun endgültig durch und feierte, was die Kondition hergab. Gegen Ende waren ABSTURTZ überrascht, noch zehn Minuten Spielzeit zu haben (lag’s an den kurzen LOSER-YOUTH-Songs?) und schöpften sofort noch mal aus dem Vollen. Die Ansage „Jetzt mal was Schnelles zum Abgehen!“ ließ mich schmunzeln – als sei das Zeug davor balladesk gewesen. Vor einem neuen Song über Flüchtlinge weihte man das Publikum in technische Details ein: „Chrischan und ich müssen jetzt auf G runterstimmen!“ Der Kid-Punk-Klassiker aus den ABSTURTZ-Anfangstagen „Es ist schön, ein Punk zu sein“ wurde mit lautem „Sha la la la la!“ erwidert und rundete den Gig perfekt ab. Auf dass die Dithmarscher-Hamburger Freundschaft uns noch viele solcher Konzerte – und bald mal ‘ne neue Platte – bescheren möge!

Aus den Oberpfälzern von SPEICHELBROISS habe ich mir hingegen nie viel gemacht. In den 2000ern waren sie eine von unendlich vielen Bands auf dem unsäglichen „Nix Gut“-Label und spielten so’n typisches Deutschpunk-Ding mit metallischer Klampfe, dem’s mir am gewissen Etwas fehlte. Allerdings gehört meines Erachtens in jede Stadt eine Punkband, so auch nach Weiden; und ich habe Respekt davor, wie lange es die Band schon gibt – wenn ich mich nicht täusche, steht bald das 25-jährige Jubiläum ins Haus. Die Erfahrung merkte man ihnen dann auch an, das Live-Zusammenspiel klappte sehr „tight“, wie man so schön sagt. Die etwas höhere Stimmlage des rotzigen Hauptgesangs ist Geschmackssache, die Gangshouts saßen aber auf den Punkt. Das wird vermutlich eine Art Best-Of-Set durch alle vier Alben gewesen sein, mit dem man sich das Hamburger Publikum erspielte und zum Tanzen brachte. Bisweilen fühlte ich mich auch an jüngere Combos erinnert, die sich voll und ganz dem „Deutschpunk-Konzept“ verschrieben haben, was auch immer das genau sein mag. Live jedenfalls waren SPEICHELBROISS an diesem Abend völlig ok, wenn auch nicht so mitreißend wie ABSTURTZ.

Nun aber: Gute zwei Jahre nach ihrem HH-Debüt im Menschenzoo konnten es diverse verkehrstechnische Widrigkeiten im Verbund mit dunklen Mächten nicht verhindern, dass der schlimmste Schrecken seit dem Weißen Hai seine Schwanzflosse im Gängeviertel erblicken ließ, um einen zerstörerischen Sharknado zu entfachen. Das Set dürfte weitestgehend dasselbe wie damals gewesen sein, sprich: Das eingedeutschte russische Traditional „Heute Nacht“ eröffnete ein Spaßbad mit weiteren Kulthits wie „Weiter gehn“, „Radieschen auf Frischkäse“, dem Monty Python’schen „Holzfällerlied“, der Anti-Bullen-Hymne „Gerechtigkeit“, dem ebenfalls auf Deutsch adaptierten ANGELIC-UPSTARTS-Cover „Solidarity“, „Die letzte Schlacht“ von TON STEINE SCHERBEN und „Memmen“, einst bekannt als „Memory“ aus dem „Cats“-Musical, gesungen von Gastchanteuse Eva. Eingebettet wurde das Programm in ein Punk-Kabarett vom Gitarristen und dauergrinsenden Laberkopp Andy Kulosa, der sich die abstrusesten Geschichten um die Songs herum einfallen ließ – und damit auch wieder diesen einen Typen provozierte, der von Konzert zu Konzert durch die ganze Republik zieht, um bei jeder länger als 15-sekündigen Ansage „Halt’s Maul und spiel!“ zu brüllen. Gehört einfach dazu! Der Humor läuft mir ebenso gut rein wie der Sound mit seinen ebenfalls nicht immer ganz unmetallischen zwei Gitarren inkl. vielen eingängigen Leads. Die Stimmung erreichte erwartungsgemäß ihren Höhepunkt, ich war mittlerweile volltrunken und euphorisiert und ward lauthals die Songtexte skandierend vor der Bühne gesehen. Das war alles großes Punk-Entertainment, eben der Haifisch im Karpfenteich. Schade nur, dass wieder so viele Hits ausgespart wurden. So gab es wieder fast nichts vom unterbewerteten „Mitternacht“-Album mit seiner herrlich düsteren Atmosphäre, immer noch kein „Spiegelbild“, von „Feinde“ ganz zu schweigen. Mit diesem Set könnte man die DÖDELHAIE fast für eine Coverband halten. Da die Herren nun aber regelmäßig in Hamburg spielen werden, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass man auch mal wieder tiefer im eigenen Fundus fischen wird. Zwischendurch betrat der für diesen Abend auserkorene Konzertgruppensprecher die Bühne, um anlässlich des Jubiläums eine wohlformulierte Ansprache zu halten, die neben dem Spaß an den Gigs den Aspekt der gegenseitigen Vernetzung hervorhob – den ich nur bestätigen kann. Neben ABSTURTZ waren die Haie übrigens die mindestens zweite Band, bei der ein Brüderpaar auf der Bühne weilte: Andys Bruder Hardy an den Kesseln war gerade jugendliche 50 Lenze geworden. Glückwunsch noch mal an dieser Stelle und hoffentlich bis bald!

DJ-Sets hielten die Gäste im Anschluss noch in der Fabrique und ich glaube, eine Weile (auf die berühmten „Absacker“…) hing ich dort auch noch herum, bis wir uns ein Taxi zum Treibeis nahmen und uns dort den Rest gaben. Dass ich mich am nächsten Vormittag beim Brötchenholen noch immer betrunken fühlte, war so nicht geplant, wurde dem Anlass aber gerecht. Beyond Borders haben dick aufgefahren, es wurde eine absolut würdige Jubiläumsparty mit perfekter Stimmung, fettem P.A.-Sound, leckerem Bier und vielen fitten Gästen. Auch ich gratuliere an dieser Stelle noch mal, sage danke und drohe auch im fünften Jahr des Bestehens meine Partizipation an diversen grenzüberschreitenden Veranstaltungen an. Prost, auf euch!

Reich bebildert auch hier:
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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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