Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Jul 2018, 19:22

Frankenstein

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Keine Ahnung wie viele Jahr(zehnt)e es her ist, dass ich die Frankenstein-Verfilmung aus dem Jahr 1931 gesehen habe, aber es dürfte doch schon so einige her sein. Filmhistorisch ist dessen Rang ja unbestritten, die Settings super und Boris Karloff als tragisches Monster natürlich ikonenhaft und auch wenn sich die Sehgewohnheiten des Zuschauers stark geändert haben, funzt „Frankenstein“ nach seinem etwas ruppigen Start in die Welt eines fanatischen Wissenschaftlers mit Gott-Komplex ja noch immer sehr gut. Wer weiß, wie sich die Welt der Wissenschaft und des Horrors entwickelt hätte, wenn Fritz nicht so schusselig das „normale“ Hirn fallengelassen hätte und statt Sympathien für das Monster, sein Schöpfer den ganzen Glanz und Ruhm abgekommen hätte. Sei’s drum – der Rest ist zum Glück für das phantastische Genre Film-Geschichte und „Frankenstein“ ein Streifen, der auch noch 87 Jahre nach Erscheinen den Fan mühelos begeistert. Go Franky, go!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Jul 2018, 20:03

Killing Birds

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Eine Gruppe von jungen Studenten macht sich mit einem Ranger auf den Weg in die Sümpfe von Louisiana um dort nach einem Vogel zu suchen, der schon fast als ausgestorben gilt. Obwohl es innerhalb der bunt zusammengewürfelten Truppe zu kleineren Spannungen kommt, ist die Stimmung prinzipiell gut und durch die Hilfe eines blinden Ornithologen kommt man dem gesuchten Bernsteinspecht auch rasch auf die Spur. Als jedoch der Wagen im dichten Nebel liegenbleibt, findet die Truppe nicht nur einen mumifizierten Leichnam in einem Auto, sondern auch ein abgelegenes Haus mit scheinbar düsteren Geheimnis und die jungen Leute erwartet eine Nacht des Grauens, als die Toten scheinbar voller Zorn nach den Lebenden greifen…

Auf „Killing Birds“ trifft im Großen und Ganzen eigentlich auch alles zu, was auf italienische Genreprodukte aus der Zeit so besonders oder eben auch so gewöhnlich machen und entweder man kann mit dieser Art selbstreferenzieller Horror-Schnellschuss-Produktionen etwas anfangen oder wird das alles furchtbar langweilig finden. Im Falle von „Killing Birds“ wird von Zombie, Haunted-House, Tier-Horror und Poltergeist einfach alles im Drehbuch-Mixer zusammengerührt und von junge, austauschbaren und zumeist unbekannten Jung-Darstellern dargeboten. Die Geschichte gewinnt ja kleinen Blumentopf und die meiste Zeit laufen unsere Akteure durch leere Zimmer, ehe einer nach dem anderen einer dunklen Macht zum Opfer fällt. Dabei gibt es jede Menge bekannt erscheinender Momente, die aus erfolgreicheren Filmen ausgeborgt wurden und ein haarsträubendes Ende, dass ja auch schon von unserem Salvschi lobend erwähnt wurde. Insgesamt betrachtet ist „Zombie 5“ auch sicher kein Highlight, aber Lara Wendel, ein paar reißerische Momente und eine durchwegs solide Atmosphäre machen aus „Killing Birds“ durchaus zu einem Streifen, den man sich mit entsprechender Erwartungshaltung durchaus angucken kann, ohne groß enttäuscht oder überrascht zu werden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Jul 2018, 20:19

Grizzly - Tödliche Klauen

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Der Indian Falls-Nationalpark ist normalerweise ein ruhiges und idyllisches Plätzchen, dass daher auch von entsprechend vielen erholungssuchenden Wanderern und Campern frequentiert wird. Als jedoch zwei Frauen auf einem Berg von einem Bären angefallen und tödlich verwundet werden, ist nicht nur Park-Ranger Michael hochgradig alarmiert und versucht mit seinem Team den Übeltäter ausfindig zu machen und wieder ins Hochland zu treiben, wo der Bär eigentlich sein sollte. Doch obwohl der Bär scheinbar riesige Ausmaße hat, lässt sich dieser nicht so einfach ausfindig und wenig später tritt auch der Naturkundler Scottie auf den Plan, der vermutet, dass es sich bei dem Bären um einen ausgewachsenen Grizzly handelt, der sich auf Nahrungssuche befindet. Später bewahrheiten sich auch die schlimmsten Vermutungen und als weitere Leichen werden gefunden, muss auch zu schlimmeren Waffen gegriffen werden, um den Frieden im Park wieder herzustellen.

Der herbstliche Tier-Horror-Streifen „Grizzly“ ist ein ziemlich mittelprächtiges Vergnügen, dass auf eher durchschaubare und auch durchschnittliche Weise versucht, die Ereignisse von „Der weiße Hai“ vom Meer mit ähnlichen Figuren-Konstellation und riesigen Grizzly-Bären in einen nordamerikanischen Naturpark zu verlegen. Die Geschichte plätschert trotz der Bären-Angriffe eher unspektakulär dahin und obwohl der Bär ziemlich wütet und er Bodycount nach oben steigt, scheint das irgendwie niemanden so richtig zu berühren. Stattdessen wird um Kompetenzen und Verantwortung gestritten und auf so etwas wie eine ökologische Botschaft, die sich aufgrund des Zusammentreffens von Mensch und Tier im geschützten Reservat eigentlich anbieten würde, wird schlicht und ergreifend ebenfalls völlig vergessen. Zwar lässt sich „Grizzly“ immer noch gucken, aber ein Großteil der eigentlichen Möglichkeiten wird von dem lahmen Drehbuch mit seinen klischeehaften Figuren und unglaubwürdigen Ereignissen verschenkt. Da helfen dann auch keine hübsche Gegend, kein gern gesehener Christopher George und auch kein richtiger Bär, ähm… Grizzly.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Jul 2018, 19:36

Der Tod steht ihr gut

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jogiwan hat geschrieben:Herrlich tiefschwarze (Horror-)Komödie, in der Robert Zemeckis den Jugendwahn und die eitlen Befindlichkeiten von Reich und Schön ganz ordentlich auf die Schaufel nimmt. Los Angeles als Schauplatz ist wohl nicht zufällig gewählt und im Verlauf des Streifens über ein Serum das jugendliche Schönheit mit einem kleinen Haken ist ja auch ein Streifen über den man nicht mehr viel Worte verlieren muss. Hat mir seinerzeit im Kino schon gut gefallen und auch heutzutage ist die Mischung aus bitterbösen Humor, tollen Darstellern und gelungenen Effekten auch noch immer so unterhaltsam wie schon vor zwanzig Jahren. Das liegt vor allem an einer herrlich selbstironisch agierenden Meryl Streep, die man ja in jeder Rolle gerne sieht und der flotten Regie von Robert Zemeckis, die mit allerlei bösen Einfällen bis zum bekannten Ende auch keinen Durchhänger bietet. Ein Streifen, der imho über die Jahre sogar noch gewonnen hat. Spassig!


Gefällt mir auch noch immer gut, auch wenn ich den Streifen mittlerweile gar nicht mehr so sehr als Komödie sehen würde. Dafür gibt es eigentlich zu wenig zum Lachen und Satire passt angesichts der völlig überzeichneten Momente über generell vorherrschenden Jugendwahn auch irgendwie besser. Spaß macht "Der Tod steht ihr gut" aber immer noch. Alle paar Jahre muss der einfach sein.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Jul 2018, 19:54

Lizard in a Woman's Skin

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Carol ist die Tochter eines einflussreichen Politikers und die sexuell frustrierte Gattin eines Anwalts, die von seltsamen Träumen gequält wird. Diese sind voller nackter Haut, Lust, Symbolik und handeln von der Nachbarin Silvia, die in ihrer Wohnung wilde und freizügige Hippie-Partys feiert. Als Carol jedoch träumt, dass sie Silvia in ihrem Schlafzimmer erdolcht, ihrem Psychoanalytiker davon erzählt und diese tatsächlich wenig später ermordet in ihrer Wohnung gefunden wird, gerät die biedere Frau in den Kreis der Tatverdächtigen. Tatsächlich weisen der Mord im Traum und das grausame Verbrechen erstaunliche Parallelen auf und nicht nur Carol zweifelt langsam an ihrer eigenen Wahrnehmung, während ihre Familie versucht, ihre Unschuld zu beweisen und sich damit auch selbst verdächtig macht.

Mit „Lizard in a Woman’s Skin“ hat Lucio Fulci nicht nur einen hübsch vertrackten Thriller geschaffen, sondern beweist einmal mehr, dass er viel mehr als nur Schmodder auf den Kasten hat. Der 1971 in London gedrehte Streifen handelt nicht nur von unterbewussten Träumen und verdrängter Lust, sondern präsentiert uns zu wunderbar komponierten Bildern auch zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite gibt es Carol aus der Oberschicht, die ein gediegenes Leben in einer noblen Gegend lebt – auf der anderen Seite Silvia, die eine Tür weiter ihre Lebensfreude mit sexueller Freizügigkeit, Drogen und Alkohol zelebriert. Das Zusammentreffen beider Welten bleibt natürlich nicht ohne Konsequenzen und als Zuschauer erlebt man hier ebenfalls eine überraschende Wendung und verliert sich wie die Protagonistin Carol bald ebenfalls in einer Welt, in der Traum und Realität zunehmend zu verschwimmen scheinen. Zwar mag der Krimi-Anteil und seine Auflösung wirklich etwas konstruiert erscheinen, aber der Rest ist stets wunderbar anzuschauen, und erinnert mich an das klassisches Krimi-Kino eines Alfred Hitchcock, das man jedoch mit Sex, Drogen und Gewalt ganz gehörig aufgepeppt hat. Die neue Blu-Ray-Disc aus den Hause Mondo Macabro mit wunderbaren Bild ist dankenswerterweise codefree und bietet den Streifen wahlweise in italienischer und englischer Fassung und jeder Menge exklusiven Bonus.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Jul 2018, 19:41

Vertigo

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„Vertigo“ wird ja oft mit Superlativen überhäuft und auch von zahlreichen anderen Filmemachern als große Inspiration genannt, wenn es um ihre eigenen Werke geht. Hitchcock hat hier auch einen sehr faszinierenden Film gemacht, der auch nur vordergründig eine Kriminalgeschichte mit Mystery-Elementen präsentiert. Viel mehr geht es um Besessenheit und dem unweigerlich bösen Ende, das den Getriebenen in diesen Dingen oftmals erwarten kann. Fast 70 Minuten „lullt“ Hitchcock förmlich mit einer Mischung aus etwas Mystery, Thriller und Romantik ein, ehe der Streifen eine unerwartete Wendung nimmt und der Protagonisten John Ferguson nach einem eingangs bereits traumatischen Erlebnis neuerlich den Boden unter den Füssen verliert. Dabei lässt sich der Regisseur überraschend viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und präsentiert dem Zuschauer nebenher auch noch ein paar sehr schöne Ecken in und um San Francisco. Der Krimi-Anteil wird dann überraschend früh aufgelöst und vernachlässigt und der Film konzentriert sich völlig auf den traumatisierten Ex-Polizisten mit Höhenangst, der versucht Vergangenes wieder richtig zu stellen und gleichzeitig sein Idealbild einer Frau wieder neu zu erschaffen. Die optischen Tricks inklusive dem geschickten Spiel mit Farben sind natürlich ebenfalls gelungen, die Darstellerleistung super und auch wenn „Vertigo“ über die Jahre sicherlich doch etwas Staub angesetzt, so gibt es bei diesem Klassiker der Filmgeschichte auch nichts zu meckern.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Jul 2018, 11:48

Repo! The Genetic Opera

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In einer nicht allzu fernen Zukunft sind die Menschen durch ein Virus von multiplen Organversagen bedroht und der Konzern GeneCo hat sich darauf spezialisiert, gegen Kredit gesunde Organe zu vermitteln und einzupflanzen. Soweit so gut, nur bleiben die Organe bis zur gänzlichen Bezahlung weiter im Eigentum von GeneCo und wenn der Empfänger die horrenden Raten nicht mehr leisten kann, kommt der sogenannte Repo-Man um diese wieder zurückzuholen. Zur gleichen Zeit leidet die junge Shilo an einer ominösen Blutkrankheit und obwohl sie ihr Zimmer nicht verlassen soll, startet diese immer wieder Ausflüge in die nähere Umgebung, wo sie auf Grabräuber und sonstige skurrile Gestalten trifft, ehe Shilo auch schreckliche Dinge über ihre eigene Vergangenheit, die direkt im Zusammenhang mit dem korrupten Konzern, ihrem Vater, dem Repo-Man und dem Tod ihrer Mutter stehen…

Mit Rock-Musicals aus der Horror-Ecke ist es ja immer so eine Sache und ein Genre-Publikum ist bekanntermaßen schwer für die Mischung aus Musik und Gewalt zu begeistern. Noch dazu hat hier auch noch Darren Lynn Bousman am Regiestuhl Platz genommen, der ja mit „Saw“-Beiträgen und „The Collector“ ja bei mir auch nicht den besten Ruf als Geschichtenerzähler besitzt. Herausgekommen ist ein künstlich wirkender Streifen mit relativ hohen Gewaltgrad, der seinen überdrehten, aber nicht unoriginellen Inhalt auch eher holprig präsentiert. Als Vorbilder dienen dabei wohl die „Rocky Horror Picture Show“ oder auch „Phantom of the Paradise“ und man hat sich auch viel Mühe bei den Kostümen, Splatter-Effekten und Ausstattung gegeben. Leider ist die Geschichte über den Organ-Eintreiber, den korrupten Konzernboss und das junge Mädchen aber eher episodenhaft bzw. mau und die unterschiedlichen Erzählstränge und Charaktere werden mehr schlecht als recht zusammengebracht. Auch die Musik, die ja als Herzstück einer Rock-Oper sein sollte, fand ich nicht sonderlich prickelnd und eher zu vernachlässigen. Zwar gibt es zwei, drei einprägsame Songs, die durchaus positiv hervorstechen wie z.B. „Seventeen“ oder „I don’t know I’d love you so much“, aber der Rest ist eher wenig gehaltvolles Industrial-Breakbeat-Rock-Gedudel, über das dann die Dialoge gesungen werden. Mit einem besseren Drehbuch, besser entwickelten Figuren und einem fähigeren Regisseur hätte ja durchaus was werden können, aber so ist das Ergebnis eher zwanghaft auf cool und gory getrimmtes Schmodder-Musical, dass sein Hauptaugenmerk statt wie üblicherweise statt Herzschmerz und Gefühl auch eher auf Ausweidungen und herumfliegende Organe legt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Jul 2018, 19:29

Murder Rock

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In der Tanzschulde der strengen Candice geht ein Mörder um, der junge und hoffnungsfrohe Schülerinnen zuerst betäubt und dann eine Hutnadel ins Herzen treibt. Lt. Borges sticht bei seinen Ermittlungen auch in ein Wespennest und ist über den Konkurrenzkampf innerhalb der Truppe schockiert, sodass er aus seiner Geringschätzigkeit den Künstlern gegenüber auch keinen Hehl macht. Dennoch bleibt der Mörder unbekannt und schreitet weiter zur Tat und reduziert die Liste an ambitionierte Tänzerinnen auf erhebliche Weise. Zur selben Zeit entdeckt Candice aber auch das Plakat eines Mannes und träumt davon, dass sie von diesem ermordet wird. Tatsächlich schafft sie es die Identität des Mannes herauszufinden, der scheinbar ebenfalls mehr mit den Morden zu tun hat, als dass man eigentlich annehmen könnte…

Anfang der Achtziger waren Tanz- und Musikfilme a la „Flashdance“ ja beim Publikum sehr beliebt und daher ist es auch wenig verwunderlich, dass diese Richtung auch im Genre-Film weiter verfolgt wurde. Mit „Murder Rock“ hat Lucio Fulci ja einen Disco- und Tanz-Giallo geschaffen, der jedoch sein Tanz-Pulver schon fast gänzlich in den ersten Minuten verschießt und die Choreografien in weiterer Folge eher dazu nutzt, dem vorwiegend männlichen Publikum verschwitze Körper in eindeutigen Posen zu präsentieren. Der Krimi-Anteil ist ebenfalls nicht sonderlich stark ausgeprägt und die Versuche, die ganze Geschichte in Richtung Mystery zu schieben, scheinen ebenfalls nicht gänzlich gelungen. Dennoch lässt sich der Streifen dank bekannter Gesichter, seines stark gewöhnungsbedürftigen Soundtracks von Keith Emerson und der wie üblich eher haarsträubenden Auflösung aber recht gut gucken und die Morde mit der Hutnadel sind in ihrer Geräuschuntermalung auch ziemlich böse ausgefallen. Schade nur, dass man nach dem starken Beginn das ganze Tanz- und Aerobic-Dingens hier quasi nur als losen Aufhänger für einen Giallo mit typischen Merkmalen seines Entstehungsjahres nimmt und das dann nicht weiter verfolgt. Mit mehr Mut zum Musikfilm und noch mehr Gehopse, wäre da meines Erachtens ja sogar noch mehr drinnen gewesen.

Dämonia / Aenigma

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In einer exklusiven Mädchenschule in Boston wird die Außenseiterin Kathy das Opfer eines gemeinen Scherzes ihrer Mitschüler und landet nach einem vermeintlichen Date mit dem Sportlehrer im Koma, als sie bloßgestellt in ein entgegenkommendes Fahrzeug läuft. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende und obwohl Kathy regungslos im Spital liegt, schafft es ihr Geist von anderen Leuten Besitz zu ergreifen. Und dieser Geist kennt auch nur ein Ziel: Rache an ihren Peinigern zu nehmen, die ihr das Leben an der Elite-Schule zur Hölle gemacht haben. Schon wenig später beginnt mit der Ankunft einer neuen Schülerin auch eine Serie an ominösen Todesfällen, bei denen junge und scheinbar kerngesunde Menschen auf seltsame Weise ums Leben kommen.

Das italienische Genre-Kino Ende der Achtziger-Jahre hat ja keinen sonderlich guten Ruf und dennoch bin ich irgendwie doch immer wieder überrascht, dass sich die Filme mit der entsprechenden Erwartungshaltung ja dennoch ganz gut gucken lassen. Auch „Aenigma“ a.k.a. „Dämonia“ ist da keine Ausnahme und präsentiert sich als illustre Mischung aus „Carrie“ und „Patrick lebt!“ mit einer Prise Mobbing- und Besessenheitsthematik, die unter der Hand von Lucio Fulci mit starker jugoslawischer Beteiligung entstanden ist. Die Geschichte ist simpel, aber lustig und die Dialoge der deutschen Fassung sorgen mit kessen Lebensweisheiten ja ebenfalls für Erheiterung. Die Schneckenszene ist in ihrer ganzen Pracht ja eigentlich auch eine ziemlich einzigartige Angelegenheit, die ja immer noch für offene Münder und ungläubiges Staunen sorgt. Dennoch ist der zweifelsfrei unterhaltsame „Dämonia“ mit seiner Mischung aus ernsten Themen, lustigen Einfällen und jugendlicher Besetzung ja eine durchaus spaßige Angelegenheit, die bis zum tragischen Finale natürlich nicht enttäuscht und meines Erachtens auch durchaus einer (Wieder-)Entdeckung lohnt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Jul 2018, 20:18

Zabriskie Point

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Am Zabriskie Point, dem gleichnamigen Aussichtspunkt im Death Valley treffen zwei junge Menschen aufeinander, die eine kurze Zeit lang gemeinsames Glück, Unbeschwertheit und körperliche Liebe erleben. Mark ist ein Student aus vermutlich reichem Hause, der sich dem Uni-Streik angeschlossen hat, gegen Polizeigewalt und das System rebelliert und vielleicht einen Polizisten erschossen hat. Daria hingegen ist eine hübsche Sekretärin, die für einen Boss arbeitet, der Luxussiedlungen in der Wüste bauen möchte und irgendwann erkennen muss, dass sie ihre einstigen Ideale einem gut bezahlten Job geopfert hat. Das Zusammentreffen der beiden Leute in der unberührten Wüstenlandschaft ist zwar von eindringlicher, jedoch nur kurzer Dauer, ehe der amerikanische Alltag zwischen gesellschaftlichen Zwängen, fragwürdigen Gesetzen, Konsum und Kapitalismus die Beiden unsanft wieder einholt.

Wunderbar bildgewaltiger Klassiker von Michelangelo Antonioni, der einerseits als Hommage an die Hippie-Bewegung gilt, auf der anderen Seite auch sehr gut die Widersprüchlichkeit der amerikanischen Gesellschaft einfängt. Hier ist es auf einer Seite das versmogte Los Angeles mit seinen überfüllten Straßen, üppig dimensionierten Werbeplakaten und den blutig niedergeschlagenen Studentenprotesten, die dem unberührten und fast schon unwirklich wirkenden Dünen im Death-Valley gegenübergestellt wird, der hier zum Sehnsuchtsort für die beiden Protagonisten wird. Dabei gibt es in „Zabriskie Point“ keine geradlinige Geschichte, plakative Konsum- und Kapitalismuskritik, oder eine gut ausformulierte Figurenzeichnung - viel mehr schwinden immer wieder die Grenzen zwischen Realität, Traum und drogengeschwängerter Wahrnehmung und gipfelt alles in einem Finale, das man wie die wunderbar psychedelischen Momente am Zabriskie Point schon einmal im Leben gesehen haben sollte. Ein Klassiker voller Kinomagie, den man nicht erklären muss, sondern erleben sollte und der mit schönen, einprägsamen und durchkomponierten Bildern einen Kommentar zur gespaltenen, amerikanischen Gesellschaft abgibt, die seitdem leider nicht mehr zusammengefunden hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Jul 2018, 19:40

Death Valley

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Das beschauliche und ruhige Leben der hübschen und bescheidenen Motel-Angestellten June wird eines Tages durch die Ankunft der selbstbewussten und resoluten Sam aus Los Angeles gestört, deren Auto im Death Valley den Geist aufgibt. Als Sam ein paar Tage zwangsweise im Motel verbringen muss, nutzt diese die Gelegenheit um den ruhigen Ort aufzuwirbeln, June näher zu kommen und von der großen und weiten Welt zu erzählen, die voller Möglichkeiten steckt. Was June jedoch nicht weiß, ist die Tatsache, dass Sam gerade einen Überfall verübt hat, vermeintlich ihren Partner verloren hat und auch noch immer die Beute bei sich führt. Als wenig später aber alte Bekannte von Sam im Death Valley auftauchen, spitzt sich die Lage weiter zu und obwohl June in ihrer jugendlichen Naivität weiter zu ihrer neuen Freundin hält, muss auch sie bald erkennen, dass Sam nicht mit offenen Karten spielt…

Es kommt ja nicht oft vor, dass die IMDB mit keinem einzigen Review zu einem amerikanischen Film aufwarten kann, aber angesichts des eher arg durchschnittlichen Plots und vergebenen Möglichkeiten ist das eigentlich kein Wunder, dass hier noch niemand eine Einschätzung abgeben wollte. Trotz bekannter Darsteller wie Sheryl Lee und Grace Zabriskie (Mutter und Tochter aus „Twin Peaks“, der bezaubernden Guinevere Turner („Fetish Club“) und dem spannenden Handlungsort kommt die Mischung aus Thriller, Road-Movie und Drama nie so richtig in die Puschen und ein Großteil des Potentials verpufft so einfach in der heißen Wüstensonne. Zwar gibt es technisch nicht viel zu bemängeln und Regisseur Steven A. Adelson ist mittlerweile wohl erfolgreicher Kameramann, aber das Drehbuch zu seinem Langfilm-Debüt langweilt mit Klischee-lastigen Figuren und einer vorhersehbaren Handlung, die so etwas wie dramaturgische Höhepunkte und/oder Action leider vermissen lässt. Kaum eine der Figuren erweckt beim Zuschauer Interesse und selbst in der hintersten Einöde würde man so eine egozentrische und zwielichtige Figur wie Sam wohl eher vor die Türe setzen, als sie so derart zu hofieren, wie es im Film der Fall ist. Hier kommt dann also auch noch die Unglaubwürdigkeit der Geschichte dazu und so bleibt unterm Strich doch ein eher unterdurchschnittliches Thriller-Vergnügen aus der Spätneunziger-Tarantino-Kiste, dass nicht nur fast sein ganzes Potential verschenkt, sondern auch bei mir lediglich durch die Darsteller und den Handlungsort etwas punkten konnte.
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