Convoy Busters - Stelvio Massi (1978)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Re: Convoy Busters - Stelvio Massi (1978)

Beitragvon Arkadin » 19. Jan 2015, 10:55

Kommissar Olmi (Maurizio Merli) ermittelt in Rom in der Mordsfall eines jungen Mädchens. Schnell stellt sich heraus, dass diese aus dem Weg geräumt wurde, da sie zu viel über die illegalen Tätigkeiten des Vaters ihres Freundes wusste. Olmi unternimmt alles, um die Übeltäter gefangenzunehmen und gerät dabei selber ins Fadenkreuz. Als er aufgrund der korrupten Justiz einen Fluchtversuch nicht verhindern kann, lässt er sich in eine kleine Stadt am Meer versetzen, wo er schon bald einer Schmugglerbande auf die Schliche kommt…

Maurizio Merli ist eine Ikone des italienischen Polizeifilms, dem sogenannten Polizieschi. Dabei betrat er relativ spät diese Bühne. Ursprünglich war er nur in der Hauptrolle des Films „Verdammte heilige Stadt“ (auch bekannt als „Gewalt rast durch die Stadt“) besetzt worden, weil er Franco Nero ähnlich sah, der nach dem Erfolg von „Tote Zeugen singen nicht“ den Produzenten einfach zu teuer wurde. So versah Merli seinen ersten Einsatz in als Nero-Lookalike mit ähnlichem Rollennamen (Belli/Betti) und Kostüm. Doch augenblicklich gewann der zupackende Merli das Herz der Fans, und noch heute wird sein Name fast schon synonym für den „Polizieschi“ verwendet. Vor allem allerdings auch für die Stereotypen, die man hier erwartet. Den Supercop, der alles niederknallt, was ihm vor den Lauf kommt. Der sich nicht um Regeln und Gesetzt schert und links wie rechts Backpfeifen verteilt. Ein italienischer „Dirty Harry“ auf Speed.

Die Hauptaufgabe des Films „Convoy Busters“ scheint es zu sein, eben jene Klischees zu bebildern. Merlis Kommissar Olmi kennt weder Gnade, noch Dienstvorschriften. Legt er einmal los, stapeln sich um ihn herum die Leichen und bei Zeugenbefragungen rutscht ihm regelmäßig die Hand aus. Ganz egal, ob er nun Männlein oder Weiblein befragt: Will jemand nicht redet, dann setzt es erst einmal was. Mit der Dienstwaffe geht er ähnlich sorglos um. Einmal streckt er mal eben so einen unschuldigen Radfahrer nieder, nur weil dieser sich ihm arglos von hinten näherte. Es ist typisch für das konfuse Drehbuch, dass diese Tat keine Konsequenzen nach sich zieht. Ja, noch nicht einmal weiter thematisiert wird. Zwar schaut Olmi später einmal melancholisch seine Waffe an, um sie dann zu entladen und im Schreibtisch verschwinden zu lassen, doch dass die ein Akt der Reue ist, muss der Zuschauer sich schon selber zusammenreimen. Und wenn Olmi einmal eine Zeugin verdrischt, kann man dies im Vergleich zu seiner lockeren Dienstwaffe schon fast als lediglich „unorthodoxe Verhörmethode“ abtun.

Natürlich spielt „Convoy Busters“ in einer Fantasie-Welt, die (hoffentlich) nichts mit dem Alltag der italienischen Polizei 1978 zu tun hat. Unangenehm stößt diese brutale Polizeiwillkür einem aber trotzdem auf. Auch wenn Merli dabei nicht ganz das Niveau seiner asozialen Kollegen Marc Porel und Ray Lovelock aus Ruggero Deodatos „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ erreicht. Dafür hat ihm die Drehbuchautoren einige schöne Turtel-Szenen mit der schönen Olga Karlatos in das Drehbuch geschrieben, welche Regisseur Stevio Massi angemessen albern-kitschig inszeniert. Wer die recht ähnlich anmutenden Szenen zwischen Leslie Nielsen und Priscilla Presley in „Die nackte Kanone“ kennt, hat eine Idee, wie das hier aussieht. Dazu hat der ansonsten ausgesprochen zuverlässige Stelvio Cipriani eine entsprechend süßliche Musik geschrieben. Generell zählt der Score zu „Convoy Busters“ aber nicht zu Ciprianis besten Arbeiten, auch wenn er über weite Teile Stücke verwendet, die bereits in anderen Filmen vorkamen.

Das Drehbuch etwas anders einen losen Flickenteppich zu nennen, wäre eine böse Untertreibung. Episodenartig hängt Massi eine Szene an die andere. Eigentlich simple Handlungsstränge werden gedehnt, bis sie kaum noch einen Sinn ergeben. Oftmals aber verlaufen sie nach kurzer Zeit im Nichts, nur damit augenblicklich ein neuer Faden aufgenommen werden kann. Figuren treten auf und verschwinden. Was eben noch wichtig war, ist jetzt schon wieder vergessen. Gerade in der ersten Hälfte scheint jede Sequenz nur dazu da, Olmi in Action zu zeigen, und der Leichenhalle neue Kunden zuzuführen. Ein großer Zusammenhang besteht dabei allerdings nicht. Erst in der zweiten Hälfte entwickelt sich so etwa wie eine stringente Handlung, was das Tempo des Filmes aber auch ausbremst.

Ein Großteil der Konfusion entsteht durch den, vorsichtig ausgedrückt, eigenwilligen Schnitt. Da werden einige Szenen, die am Ende keine Signifikanz für die Geschichte haben, breit ausgewalzt, während man bei anderen das Gefühl hat, sie wären irgendwie abgehackt und würde gleich komplett fehlen. So scheint ein Teil der Handlung, erst am Schneidetisch in eine halbwegs nachvollziehbare Form gebracht worden zu sein. Beispielsweise wird die von Olga Karlatos gespielte Figur der Anna einmal in einer scheinbar völlig unpassend in den Film montierten Szene mit einer Gruppe Kindern gezeigt, obwohl ihr Beruf – offensichtlich Lehrerin – zuvor nicht erwähnt wurde. Dann ein Schnitt und Olmi erhält die Nachricht, Anna würde mit den Kindern in einem Gebäude gefangengehalten. Das Ganze wirkt im fertigen Films so, als habe man während des Drehs völlig vergessen, warum sich denn bitteschön Anna mit einer Gruppe Kindern in dem Gebäude aufhält, woraufhin man die vorher beschriebene Szene mal eben hastig nachgedreht habe.

Trotz des katastrophalen Drehbuchs und der konfusen Montage kann der Film aber trotzdem gut unterhalten, da er in seinen starken Übertreibungen schwelgt und dabei ein hohes Tempo – zumindest in der ersten Hälfte – an den Tag legt. Zudem mag Stevio Massi vielleicht ein mäßiger Erzähler sein, doch als gelernter Kameramann hat er ein sehr gutes Auge für einprägsame und starke Bilder. Allein die Szene, in der Olmi mit seinen Männern im Gegenlicht ein ausgebranntes Auto samt verkohlter Leiche (ein recht überzeugender Spezialeffekt) untersuchen, versöhnt für so manche arg willkürliche Holprigkeit in der Dramaturgie.

Eine ansprechende Kameraarbeit, reichlich Action und ein gut aufgelegter Maurizio Merli entschädigen etwas für ein katastrophales Drehbuch und einen willkürlichen Schnitt. Positiv ausgedrückt könnte man auch sagen, der Film verweigert sich starrköpfig einer klassischen Erzählstruktur. Das hohe Tempo und die absurden, teils an eine Parodie erinnernden Situationen dürften Merli-Fans aber trotzdem recht gut unterhalten.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2014/11/ ... y-busters/
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Re: Convoy Busters - Stelvio Massi (1978)

Beitragvon jogiwan » 29. Mai 2018, 11:09

Demnächst bzw. vorraussichtlich Anfang Juli 2018 von Koch Media die 4-Disc-"Eurocrime"-Box mit drei Polizittokovski-Filmen und Doku

:arrow: "Stadt in Panik" (Regie: Guiseppe Rosati)
:arrow: "Gewalt über der Sadt" (Regie: Carlo Ausino)
:arrow: "Convoy Busters" (Regie: Stelvio Massi)
:arrow: + "Eurocrime"-Doku von Mike Malloy

Bild

Waffenhandel, Pornografie, Erpressung und Mord: Im Italien der 70er Jahre hat das Verbrechen Hochkonjunktur und mit ihm die sogenannten "Poliziotteschi", die als brutale und kompromisslose europäische Variante des amerikanischen Gangsterfilmes das kriminalistische Äquivalent zum Spaghetti-Western wurden. Die "Eurocrime"-Box vereint erstmals drei blutige Klassiker des Genres in einer Box, die mit Mike Malloys umfangreicher Dokumentation gleichen Titels den Beweis antritt, dass Sodom und "Gomorrha" fest in europäischen Crime-Traditionen verankert sind.

Italienische Metropolen und ihre kriminelle Organisationsstruktur bilden das verbindende Fundament der "Eurocrime"-Einträge: Sei es Rom als "Stadt in Panik" (Regie: Guiseppe Rosati), die von einer Bande aus dem Gefängnis geflohener Schwerkrimineller terrorisiert wird und auf die Dienste eines schießwütigen Commissario (Maurizio Merli) vertrauen muss. Oder das brutale Turin, das in "Gewalt über der Sadt" (Regie: Carlo Ausino) zum Schauplatz von Vergewaltigungen, Mord und Drogenkriminalität wird. Schließlich abermals die italienische Hauptstadt für "Convoy Busters" (Regie: Stelvio Massi), in der erneut Maurizio Merli mit ein paar besonders skrupellosen Waffenhändlern fertig werden muss: Das Verbrechen zeigt sich stets von seiner schmutzigsten Seite, dem die Polizei mit ebensolchen Mitteln begegnen muss. Willkommen in der wunderbar moralfreien Zone der „Poliziotteschi“!


quelle: dtm.at
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