ZUM FREIWILD ERKLÄRT - Yves Boisset (1975)

Moderator: jogiwan

ZUM FREIWILD ERKLÄRT - Yves Boisset (1975)

Beitragvon McBrewer » 22. Jul 2013, 22:52

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Originaltitel: Folle à tuer
Alternativtitel: Una Donna da uccidere, Mad Enough to Kill, Teufelskreis der Gewalt
Herstellungsland: Frankreich/Italien
Erscheinungsjahr: 1975
Regie: Yves Boisset
Darsteller: Marlène Jobert, Tomas Milian, Thomas Waintrop, Michel Peyrelon, Victor Lanoux, Jean Bouchaud, Jean Bouise, Michael Lonsdale, Loredana Nusciak, Henri Poirier...

"Julie wurde als junges Mädchen von einem Polizisten vergewaltigt und wurde fünf Jahre in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik behandelt. Als sie entlassen wird hat sie jedoch dieses traumatische Erlebnis immer noch nicht überwunden. Sie hat weiterhin panische Angst vor Männern in Uniform. Nach der Entlassung wird sie als Hauslehrerin in das Haus des reichen Unternehmers Stéphane Mostri vermittelt. Dort soll sie den Mostris Neffen unterrichten. Dieser ist ebenso traumatisiert wie Julie. Er verlor seine Eltern. Eines Tages wird Julie gemeinsam mit dem Neffen entführt. Der Entführer versucht Julie als eigentliche Entführerin darzustellen. Sie muss einen Lösegeldbrief schreiben und gerät so tatsächlich in Verdacht. Doch Julie kann mit dem Jungen aus der Gefangenschaft fliehen. Ihre Angst vor der Uniform der Polizisten jedoch verhindert, dass sie die Geschichte glaubhaft erklären kann und so verstrickt sie sich ungewollt immer stärker."

Ich hatte den Film vor Monden das letzte Mal gesehen & für gut befunden, leider ist mein Gedächtnis eine Bierschaumkrone voller Blasen und ich konnte mich daher auch nicht mehr erinnern, warum dieser Film mir nun ein wohlwollendes grinsen auf mein Gesicht zauberte. Die paar Zeilen die ich damals zu italo-cinema.de-Zeiten ins www. tippelte sind ja längst Datenstaub, daher musste ich mir den dringend einmal wieder vor Äuglein führen...
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Nach diesem wohlklingenden Zitat steigt der Film gleich rasant mit einem eiskalten Tomas (nicht: THOMAS!) Milian ein, so das gleich klar gestellt wird: der Milian ist hier kein besonders herzlicher Mensch !
Wir lernen in den ersten langen Minuten ziemlich viel unsympathische Charaktere kennen: den Auftraggeber, den Chauffeur, das Kindermädchen, das Kind...! Etwas sleaze wird angedeutet, aber kaum ausgeführt: wir sind ja schließlich auch bei den züchtigen Franzosen. Das ganze wirkt leider etwas dröge, aber sobald der Akt des Verbrechens geschieht, beginnt die spannende Hatz durch`s Unterholz.
Kindermädchen Julie aka Marlène Jobert (die damals wirklich süße rothaarige Mutter von Sweetheart Eva Green) sammelt dabei von Kilometer zu Kilometer Sympathiepunkte bei mir Zuschauer und selbst der anfangs vorlaute Bengel wird mit seinem losen Mundwerk zum Publikumsliebling. Da kann der Tomas als "eiskalt und ohne Gnade"-Killer noch so bös drein schauen. Daher wird ihm ein wirklich schmierigen Michel Peyrelon zur Seite gestellt, den man sich lieber nicht als Zimmernachbar wünscht.

Resümee: ein spannender Thriller von Altmeister Yves Boisset , der Anfangs ein wenig schlaucht, dann aber mächtig in Fahrt kommt um am Ende im oberen Drittel zu Punkten :thup:
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Re: ZUM FREIWILD ERKLÄRT - Yves Boisset (1975)

Beitragvon ugo-piazza » 23. Jul 2013, 06:10

McBrewer hat geschrieben: leider ist mein Gedächtnis eine Bierschaumkrone voller Blasen

:lol:

Geht mir in Bezug auf diesen Film allerdings ebenso... :oops:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: ZUM FREIWILD ERKLÄRT - Yves Boisset (1975)

Beitragvon sergio petroni » 23. Apr 2018, 12:30

Julie (Marlène Jobert) wurde als junges Mädchen vergewaltigt und brachte daraufhin ihren Peiniger um.
Seither lebt sie im Sanatorium des Dr. Rosenfeld. Der Dr. plant allerdings eine Rehabilitation für
Julie und hilft ihr, eine Stelle bei dem Industriellen Mostri (Michael Lonsdale) zu bekommen.
Sie soll auf dessen Neffen Thomas aufpassen. Thomas' Eltern kamen um's Leben, deren Tod wird jedoch vor
Thomas noch geheim gehalten.
Die Lösegeldforderung soll nahelegen, daß Julie die Entführerin ist. Es entwickelt sich
ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Julie, Thomas und Thompson. Und bald
wird klar, daß die Entführung einem ganz anderen Zweck dienen soll...

Tomas Milian ist hier in seiner wohl gnadenlosesten Rolle zu sehen. Zu Klängen
von Verdi vollbringt er seine Untaten. Marlène Jobert gibt die undurchsichtige Julie,
die sich durchaus zu wehren weiß. Mit Kindern und Frauen wird hier nicht gerade zimperlich
umgesprungen. Nach einer Stunde weiß man zwar ungefähr, wo der Hase langläuft,
möchte natürlich trotzdem wissen, wie sein weiterer Weg aussieht.
Dabei legt Boisset in "Folle a tuer" (Eine Frau zu töten) eine gehörige Portion
Zynismus an den Tag. Auch über mangelndes Tempo kann mann sich nicht
beklagen und es gilt auch hier wie bei den meisten anderen Boisset-Filmen, daß der Streifen
längst eine gescheite Veröffentlichung verdient hätte.
Allerdings muß man auch konstatieren, daß "Freiwild" nicht an
die absoluten Boisset-Kracher wie "Kommando Cobra", "Ein Bulle sieht rot" und
"Die Affäre Sadiel" heranreicht.
6,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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