Liebe ohne Stundenplan - Silvio Amadio (1976)

Klamauk, Satire & jede Menge Gags

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Liebe ohne Stundenplan - Silvio Amadio (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 12. Apr 2018, 00:07

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Originaltitel: Il medico e la studentessa

Herstellungsland: Italien / 1976

Regie: Silvio Amadio

Darsteller: Gloria Guida, Jacques Dufilho, Pino Colizzi, Nieves Navarro, Riccardo Miniggio, Augusto Bonardi, Nicoletta Amadio, Antonietta Caputo u. A.

Studentin Claudia (Gloria Guida) möchte die Sommerferien in London verbringen, aber ihr Vater (Jacques Dufilho) hält die britische Metropole für einen Sündenpfuhl und verbietet die Reise. Was er jedoch nicht ahnt: Seine behütete Tochter ist in den Nachbarn verknallt, einen Herrn Doktor (Pino Colizzi), der zudem an Claudias Uni doziert. Sie versucht mit allen Mitteln, ihn herumzukriegen – ohne Erfolg. Als sie eines Tages herausfindet, dass ihre Stiefmutter Luisa (Nieves Navarro) eine Affäre mit ihm hat, ändern sich die Verhältnisse: Nun hat sie etwas gegen ihn in der Hand und beginnt, ihn zu erpressen...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

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Re: Liebe ohne Stundenplan - Silvio Amadio (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 12. Apr 2018, 00:11

„Ich möchte mit dir bumsen!“

Die vierte und letzte Zusammenarbeit des italienischen Regisseurs Silvio Amadio („Sonne, Strand und heiße Schenkel“) mit der blonden Erotikdarstellerin Gloria Guida („Oben ohne, unten Jeans“) stammt aus dem Jahre 1976. Es handelt sich um die Erotikkomödie „Liebe ohne Stundenplan“, die zudem mit der nicht minder zeigefreudigen Spanierin Nieves Navarro alias Susan Scott („Die Farben der Nacht“) aufwartet.

„Weißt du, was London bedeutet für ein junges Mädchen?! Drogen, Sex Perversionen!“

Studentin Claudia (Gloria Guida) möchte die Sommerferien in London verbringen, aber ihr Vater (Jacques Dufilho, „Nosferatu - Phantom der Nacht“) hält die britische Metropole für einen Sündenpfuhl und verbietet die Reise. Was er jedoch nicht ahnt: Seine behütete Tochter ist in den Nachbarn verknallt, einen Herrn Doktor (Pino Colizzi, „Die Kröte“), der zudem an Claudias Uni doziert. Sie versucht mit allen Mitteln, ihn herumzukriegen – ohne Erfolg. Als sie eines Tages herausfindet, dass ihre Stiefmutter Luisa (Nieves Navarro) eine Affäre mit ihm hat, ändern sich die Verhältnisse: Nun hat sie etwas gegen ihn in der Hand und beginnt, ihn zu erpressen…

„Wie schön, Pornofotos! Jeden Tag erfindest du etwas Neues, du Lustmolch!“

Die Titelmelodie ist vergnügt, Claudias Papa, der alte Faschist Colonnello Raselli, ist’s weniger: Wenn er nicht gerade vom Krieg erzählt, wird er von Alpträumen geplagt, in denen man seine Tochter zu vergewaltigen versucht und er als römischer Feldherr mit seinem Säbel einschreiten muss. Da dieser Traum visualisiert wird, hat der Zuschauer auch etwas davon, zeigt sich die Guida hier doch erstmals unbekleidet innerhalb dieses Films. Folgerichtig verbietet er seiner Tochter ihre geplante Reise nach London, doch diese schwört Rache. Abends strippt sie quasi vorm Fenster des Herrn Doktor, sie fingiert einen leichten Straßenverkehrsunfall, damit er sie untersucht und macht ihr Interesse an ihm eigentlich unmissverständlich deutlich, doch er wehrt sie ab. Aber Claudia gibt nicht auf, spielt bauchkrank, um ihn wieder zu einer Untersuchung zu locken und zeigt ihm dabei ihre attraktive Oberweite. Beim Essen befummelt sie ihn unterm Tisch und sie legt eine weitere Striptease-Nummer vor seinem Fenster ein, doch er reagiert irrwitzig, indem er ihre Posen imitiert. Claudia weiß nun, dass sie schwerere Geschütze auffahren muss und dringt mit einer Freundin in seine Wohnung ein, um Kompromittierendes zu finden. Und tatsächlich: Sie findet heraus, dass ihre Stiefmutter, mit der es ebenfalls ständige Konflikte gibt, etwas mit ihm hat. Als sie sich erneut Zutritt zur Wohnung verschafft, beobachtet sie beide beim Cowboy-und-Indianer-Rollenspiel, in dessen Rahmen der Zuschauer Nieves Navarro nackt zu Gesicht bekommt. Vom anschließenden Geschlechtsakt schießt sie reichlich Fotos, mit denen sie das heimliche Paar anonym konfrontiert.

„Kannst du sonst keinen Mann bekommen?“

So trivial der Humor auch ist, der Dialog zwischen Herrn Doktor und Luisa, bei dem es lange dauert, bis ihr die Situation bewusst wird, ist köstlich. Ebenso bizarr wie witzig ist es auch, wenn der Vater den TV-Nachrichtensprecher (Luigi Bonos, „Im Staub der Sonne“) vom Sofa aus bepöbelt und dieser tatsächlich auf ihn reagiert. Gloria belästigt ihren Nachbarn telefonisch, indem sie als Erpresserin auftritt und gibt sich schließlich zu erkennen. Wie verlangt sucht Herr Doktor die Familie als Indianer verkleidet auf und nutzt die Gelegenheit, Claudia zu drohen. Nun soll er in Unterhosen an der Uni dozieren. Nicht minder bizarr: Ein echter Patient wird zu Anschauungszwecken in den Hörsaal gekarrt. Endlich lässt sich Claudias Objekt der Begierde darauf ein, mit ihr Sex zu haben, inszeniert als Rollenspiel. Jedoch: Sie lässt ihn abblitzen! Damit hat er nicht gerechnet und als Konsequenz muss er nun ständig an sie denken: Sie hat ihn ganz verrückt gemacht, er erleidet regelrechte Wahnvorstellungen. Aus dem Film ist nun so etwas wie ein Lehrstück dahingehend geworden, wie man einen widerspenstigen Mann gefügig macht. Der nun liebestolle Doktor will Claudia tatsächlich heiraten, doch diese hat daran zwar kein wirkliches Interesse, will jedoch immer noch ihre Stiefmutter loswerden. So landet man also doch noch vorm Altar. Kurz vor Ultimo gesteht Claudia dort alles, ihr Vater geht daraufhin auf den Doktor los, verletzt sich dabei jedoch, bekommt seinen Arm eingegipst und muss ihn fortan permanent wie zum „römischen Gruß“ hochhalten...

Natürlich erinnert „Liebe ohne Stundenplan“ mit seiner Thematik an die unsägliche deutsche „Schulmädchen-Report“-Reihe: Eine Schülerin bzw. Studentin versucht, eine deutlich ältere, erwachsene Person, zu deren Schutzbefohlenen sie zählt, zu verführen. Das Amoralische der sich daraus ergebenden Beziehung wird jedoch abgefedert, weil ja die böse Stiefmutter Claudias Vater mit ihm betrügt. Generell hat dieser Film weniger von schmieriger, fragwürdiger Altherrenfantasie-Erotik als vielmehr von einer frechen, spöttisch karikierenden Sicht auf italienische Familienentwürfe, in denen nach außen hin Zucht und Anstand gewahrt werden, hinter deren Kulissen jedoch ewiggestrige Kriegsverlierer sich von ihren Frauen an der Nase herumführen lassen, ohne in ihrer Naivität das Geringste zu ahnen. So bringt es Amadios überdrehter, eigentlich viel zu oft nach Schenkelklopfer in Kombination mit Nacktnummernrevue müffelnder Film dann doch auf einige tatsächlich humorvolle Szenen, veralbert mit größtem Vergnügen in zahlreichen persiflierenden Zwischenschnitten Claudias Fascho-Opa, der so gern über den Krieg schwadroniert oder ihn sogar spielt, und zeigt, was das Publikum Mitte der 1970er viel eher mit Italien in Verbindung bringen sollte: Selbstbewusste, freie, hübsche Frauen, die er in Nieves Navarro und einmal mehr allen voran Gloria Guida fand, welche die sehenswerten erotischen freizügigen Akzente setzen. 5,5 von 10 Punkten ist mir das inkl. Fan-Bonus wert, normale Menschen ziehen 0,5 oder gar einen Punkt ab und gehen zum Lachen (bzw. Filmegucken) in den Keller.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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