Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti (1989)

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

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Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti (1989)

Beitragvon sid.vicious » 7. Okt 2011, 22:09

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Alternativer Titel: La Casa 4
Alternativer Titel: Evil Encounters
Alternativer Titel: Ghost House 2
Alternativer Titel: Haunted House, The
Alternativer Titel: Hexenbrut
Alternativer Titel: Malefiche presenze
Produktionsland: Italien, USA
Produktion: Joe D'Amato,
Erscheinungsjahr: 1989
Regie: Fabrizio Laurenti
Drehbuch: Harry Spalding
Kamera: Gianlorenzo Battaglia
Schnitt: Kathleen Stratton
Spezialeffekte: Maurizio Trani
Musik: Carlo Maria Cordio, Randy Miller
Länge: ca. 93 Min.
Freigabe: FSK 18
Darsteller: David Hasselhoff, Linda Blair, Catherine Hickland, Annie Ross, Hildegard Knef und Leslie Cumming


In einem Haus auf einer Insel soll angeblich der Geist einer ehemaligen Filmdiva sein Unwesen treiben. Ein junges Paar befindet sich bereits in dem Haus, um dem Spuk auf den Grund zu gehen. Weitere Besucher kommen, um sich das zum Verkauf stehende Haus, anzusehen. Ein Unwetter verhindert, dass die Besucher die Insel verlassen können und der Geist der Filmdiva entpuppt sich als Hexe.

Eine italienisch, amerikanische Co-Produktion von Fabrizio Laurenti vereint David Hasselhoff, Linda Blair und Hildegard Knef als namentliche Aufhänger. Namen die den Ahnungslosen bereits abschrecken, zumindest wenn man Linda Blair und Hildegard Knef ausklammert. Was macht demnach der Knight Rider in einem Horrorfilm? Nicht ganz so nerven, wie man es erwartet. Hasselhoff war zu dem Zeitpunkt ja recht populär und wenig später mit Baywatch auf dem Höhepunkt seines Schaffens. In Witchcraft, spielt Hasselhoff, wie bereits zuvor in Terror at London Bridge eine tragende Rolle. Dieses macht er recht ordentlich. Linda Blair hält sich eher dezent zurück und konzentriert sich mehr auf ein klägliches Jammern. Zum Ende des Films hat aber auch Linda einen guten Moment.

Was Fabrizio Laurenti sich in dem Film zusammenschusterte, ist eine Mischung aus spröder Uli Lommel Mentalität, gepaart mit Anleihen bei Friedkins Exorzist und einigen recht guten Gore-Effekten. Der Storyaufbau ist bemüht, hat aber wegen seines Minimalismus, kaum eine Chance zur tragenden Instanz zu werden. Als Gesamtes gesehen ist Witchcraft, recht unterhaltsam, aber auch nicht mehr.


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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti

Beitragvon buxtebrawler » 9. Okt 2011, 23:54

Was für eine Besetzung! Würd ich mir gern mal ansehen. Ist vorgemerkt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti

Beitragvon Salvatore Baccaro » 20. Dez 2012, 11:52

WITCHCRAFT, dessen Alternativtitelliste sich liest wie die Reihe an Ehrenbezeichnuhen der römischen Kaiser oder Päpste, nur nicht ganz so klangvoll, ist wohl tatsächlich ein Film, der, außerhalb des wohl überschaubaren Kreises an Leuten, die selbst den unterirdischsten Spät-80er- oder Früh-90er-Italo-Trash-Horrormissversuchen noch etwas abgewinnen können (=ich), einzig und allein aufgrund seiner Besetzung noch so etwas wie einen Kuriositätenfaktor besitzt, der ihn dem völligen Vergessen entreißt. Jeder, der sich das Machwerk dann besieht, um Linda Blair, die nach ihrer Kinderrolle in THE EXORCIST scheinbar nichts besonders Ansehbares mehr zustandebrachte und hier eine völlig beliebige Figur verkörpert, die höchstens wegen ihrer typischen 80er-Frisur auffällt, Davids Hasselhoff, damals so etwas wie ein Superstar und hier der "Held" der Chose, ein Sunnyboy, der stets einen kühlen Kopf behält und dabei noch die Zeit hat, locker-charmante Sprüche zu klopfen, und - man mag es kaum glauben! - Hildegard Knef, die einstmals in deutschen Filmklassikern wie DIE MÖRDER SIND UNTER UNS mitwirkte und bereits einen von Umberto Lenzis frühen Streifen, nämlich KATHARINA VON RUSSLAND, in der Hauptrolle veredelte, gemeinsam in einem fesselnden Spukhaus-Schocker zu erleben, wird, sofern er nicht schon das eine oder andere italienische Delirium genossen und liebengelernt hat, maßlos enttäuscht sein. Gerade Frau Knef, bei der man sich nun noch mehr als bei Hasselhoff fragt, was die Dame denn geritten haben mag, sich auf ihre alten Tage für diesen Schund herzugeben, liefert eine Performance ab, die vor allem fragwürdig wirkt. Als "Lady in Black" hat sie nicht viel mehr zu tun als bedeutungsschwanger durch die Gegend zu geistern, finster dreinzuschauen und ihr eigenes Starimage zu demontieren.

Die Gegend, die sie sich als mehr oder minder furchterregende Hexe zum Heimsuchen aussuchte, ist eine winzige Insel vor der Küste Neuenglands. Das einzige, dort einsam und verlassen stehende und schon seit Ewigkeiten nicht mehr bewohnte Anwesen (interessanterweise wird beiläufig erwähnt, dass zuvor eine alternde Filmdiva dort hauste, die plötzlich mit dem Filmen aufhörte und gar mit Gloria Swanson verglichen wird = bittere Ironie, Knefs eigene Karriere rezipierend?!), reizt gleich zwei Parteien dazu, es eines Nachmittags zu besuchen: 1. Hasselhoff, der sich hier Gary nennt, nebst jungfräulicher, an einer regelrechten Sex-Antipathie leidenden Freundin, die offenbar, ob nun an einer zugelassenen Hochschule oder privat, irgendwelche nebulösen Okkult-Forschungen betreibt, deren Ziel es ist, ein sogenanntes "Hexenlicht" aufzuspüren, das auf dieser Insel zuweilen aufschimmern soll, wozu sie sich unerlaubt mit einem Haufen wissenschaftlicher Utensilien auf das Eiland stahlen, sowie 2. eine eher unsympathische Familie, bestehend aus dem Vater, der lüstern jedem Rock hinterhergafft, der vorrangig keifenden und bitterböse Gesichter ziehenden Mutter, einem Lausebengel von nicht mehr als fünf Jahren und einer farblosen Linda Blair, die oder besser: deren Oberhäupter es sich in den Kopf setzten, die Villa blind ohne vorherige Besichtigung zu kaufen, und nun staunend vor der Bruchbude stehen. Der Sohn des zuständigen Maklers sowie eine eigens von der Familie engagierte Maklerin, die eher wie eine Hostesse aussieht und im ganzen Film schätzungsweise nur vier, fünf Sätze sprechen darf, dafür mit einer Duschszene aufwartet, komplettieren die illustre Gemeinschaft, die, wie sollte es anders sein?, bald in den Bannkreis der Knef-Hexe gerät, die ihre Rückkehr aufs Festland vereitelt und sodann darangeht, einen nach dem andern vom Leben in den Tod zu befördern, das teilweise auf maue Art und Weise, zwischendurch jedoch auch mit der vollen Inbrunst italienischer Spezialeffekt-Sadisten, wenn bspw. der unliebsamen Familienmutter von zwei dämonenhaften Gestalten der Mund zugenäht und sie sodann kopfüber in den Kamin gehängt wird, den ihre eigene, nichts ahnende Familie entzündet und ihr somit einen qualvollen Erstickungstod bereitet.

Offensichtlich ist, dass auch WITCHERY zu jenem Subgenre des Italo-Horrors zu zählen ist, den auch Lenzis GHOSTHOUSE oder der von mir sehr geschätzte KILLING BIRDS repräsentieren. Eine Gruppe Leute gerät in ein verwunschenes Haus, bleibt dort die Nacht über eingesperrt, es spritzt das Blut in Fontänen, das alles hat irgendwas mit Hexerei zu tun und am nächsten Morgen bekommt der Zuschauer nicht mal eine plausible Aufklärung des Ganzen geboten, sondern steht vor tausend Fragezeichen. Daher liefert WITCHERY, trotz seiner "amerikanischen" Optik, immerhin handelt es sich auch hier um eine der in der Verfallzeit des italienischen Genrekinos so beliebten Co-Produktionen mit den USA, genau das, was man von einem Sensationsfilm, der von der berüchtigten FILMIRAGE produziert wird, aus dem Jahre 1988 erwarten darf: plakative Gewalttaten, unzählige Szenen, in denen nichts Handlungsrelevantes passiert, sowie natürlich eine "Story", die wirkt wie ein Flickenteppich aus Ideen, von denen sich niemand die Mühe machte, sie sinnvoll zusammenzusetzen. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass ich persönlich extrem begeistert bin von diesem miserablen Schaustück an unbewusstem Surrealismus.
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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti

Beitragvon jogiwan » 20. Dez 2012, 12:11

hui... der liegt schon seit Ewigkeiten daheim herum. Ich Dummerchen bin aber immer davon ausgegangen, dass es sich hierbei um eine Ami-Produktion handeln. Vielleicht hat mich da doch der Cast etwas irritiert und daher ist der in der falschen Kiste gelandet. Aber jetzt hab ich Lust, den zeitnah zu gucken...
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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti

Beitragvon jogiwan » 29. Sep 2013, 09:27

Eigentlich überraschend kurzweilige Genre-Produktion aus dem Jahre 1988 mit bekannten Gesichtern und einigen recht drastischen Momenten, die auch gerne darüber hinwegsehen lassen, dass einem die Story der "Lady in Black" und ihrem verfluchten Haus doch sattsam bekannt vorkommt. Die Geschichte ist ja bunt aus vielen Horrorfilm-Zutaten zusammengewürfelt und bietet ein bisschen Hexenzauber, Besessenheit, eine Vergewaltigung durch den Satan höchstpersönlich und jede Menge seltsame Charaktere, bei dem es eigentlich schwierig zu entscheiden ist, wem man als erstes den Abgang wünscht. Darstellerisch ist "Witchery" jedoch dank Hasselhof und Blair sehr passabel und Hildegard Knef darf in der englischen Fassung sogar ein paar Beschwörungen in Deutsch von sich geben, während Leslie Cumming ein furchtbares Englisch nuschelt, dass teilweise schwer zu verstehen ist. Doch jedes Mal, wenn der Film droht etwas dröge zu werden, biegt ein herber Moment um die Ecke, der "Witchcraft, das Böse lebt" dann auch aus der Masse vergleichbarer Werke herausragen lässt.
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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti

Beitragvon Santini » 3. Mai 2014, 22:51

Hier ein Artikel zum Film aus "Video Tip", Ausgabe Juni 1989.

Wie ihr dem Scan entnehmen könnt, heißt der Regisseur nicht Fabrizio Laurenti sondern "Martin Newlin". Bild

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Für Thomas Gaschler war "Witchcraft", vollkommen zu Recht, gar sein Tip des Monats:

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"Gaschli", wo immer Du jetzt auch sein magst - möge das Delirium ewig mit Dir sein. :verbeug: ;)
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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti

Beitragvon buxtebrawler » 4. Jun 2014, 15:22

„Dieses Haus ist ein Dreck!“

Fabrizio Laurenti („The Crawlers“) begann zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt seine Karriere als Regisseur: Als sein Debüt „Witchcraft – Das Böse lebt“ 1988 in italienisch-US-amerikanischer Koproduktion umgesetzt wurde, war vom Glanz vergangener italienischer Filmtage nicht mehr viel übrig und Schnell- und Pornokurbler wie Joe D’Amato („Porno Holocaust“) erhielten mit eigenen Produktionsfirmen wie „Filmirage“ den Genrefilm mehr schlecht als recht aufrecht. Der vorliegende Film wurde sowohl als weitere „Tanz der Teufel“-Möchtegern-Fortsetzung „La Casa 4“ vermarktet als auch als „Ghost House 2“ und „Ghosthouse 5“. Alles Kokolores, denn wie auch Lenzis im gleichen Jahr erschienener „La Casa 3“ alias „Ghosthouse“ handelt es sich um einen eigenständigen Film. Und was diesen besonders interessant macht, ist seine Besetzung: Linda Blair („Der Exorzist“), David Hasselhoff („Knight Rider“) und Hildegard Knef („Die Sünderin“)!

Fotograf Gary (David Hasselhoff) sucht mit seiner Freundin Leslie (Leslie Cumming, „Killing Birds“) ein altes Haus auf einer Insel vor der Küste Neuenglands auf, wo sie Nachforschungen in Bezug auf paranormale Phänomene anstellen wollen – das Gebäude war nämlich einst Schauplatz einer tödlich ausgegangenen Hetzjagd auf eine angeblich vom Teufel schwangere Hexe, die seither dort herumspuken soll. Zuletzt habe eine alte Filmdiva dort gelebt, doch seit geraumer Zeit steht das Haus leer. Leslie und Gary treffen schließlich auf die schwangere Jane (Linda Blair), ihren kleinen Bruder (Michael Manchester) und deren Eltern (Annie Ross und Robert Champagne), die das Haus kaufen möchten und deshalb auch ihren Immobilienmakler mitsamt Freundin (Catherine Hickland, „Ghost Town“) dabeihaben. Doch tatsächlich sorgt eine unheimliche, schwarzgewandte alte Hexe (Hildegard Knef) dafür, dass niemand mehr die Insel verlassen kann – höchstens im Sarg.

„Bei mir verursacht dieses Haus eine Gänsehaut!“ – „Machen Sie sich keine Sorgen, die Heizung kann im Handumdrehen repariert werden!“

Was zur Hölle macht Powerlocke The Hoff in einem italienischen End-‘80er-Horrorschinken?! Nun, er versucht, als Gary sein Jungfräulein Rührmichnichtan alias Leslie herumzukriegen („Du musst doch zugeben, dass Jungfräulichkeit einfach nicht normal ist!“) und sich so lange wie möglich gegen die finsteren Mächte zu behaupten. Und damit meine ich jetzt nicht D’Amato, Laurenti & Co. und erinnere gern daran, dass Hasselhoff auch schon bei Luigi Cozzis kultiger „Star Wars auf italienisch“-Sci-Fi-Trash-Sause „Star Crash“ mit von der Partie war und 1985 dem US-TV-Horror „Terror at London Bridge“ zur Verfügung stand. Dass er irgendwann zwischen „Knight Rider“ und „Baywatch“ in „Witchcraft“ landete, ist dennoch nicht unbedingt selbstverständlich und stellt ebenso ein Kuriosum dar wie die Beteiligung der großen deutschen Schauspielerin Hildegard Knef („Die Sünderin“), die hier etwas überschminkt die böse Hexe mimen darf, dabei nicht allzu viel zu tun bekommt und leicht fehl am Platze, fast schon bemitleidenswert wirkt. Etwas weniger überraschend ist die Verpflichtung Linda Blairs, die nach „Der Exorzist“ mehr oder weniger regelmäßig in Genre-B-Produktionen auftauchte. Kann ein Film angesichts dieses Darsteller-Ensembles der übliche Italo-Spät-‘80er-Horror-Schlonz sein? Ja und nein.

Zunächst einmal zeigt uns „Witchcraft“ eine aufregend gefilmte Hetzjagd des Mobs auf eine Frau – die sich als Alptraum entpuppt, jedoch die, nun ja, „Hintergrundgeschichte“ abgebildet haben dürfte. Die gute bzw. böse Knef erscheint zunächst immer wieder in irgendwelchen Spiegelungen, was zumindest schon einmal für eine grundsätzlich willige Kameraarbeit spricht, und das Himmelfirmament verzückt mit seltsamen Lichtspielen. Los geht der tödliche Reigen damit, dass der Kapitän, der die hauskaufwillige Familie auf die Insel brachte, sich nach seiner Begegnung mit der Hexe in erhängtem Zustand wiederfindet und somit nicht mehr fahrtüchtig ist. Jane hat derweil die Vision eines gegrillten Embryos und der Zuschauer erfährt, dass auf der Insel früher regelmäßig Hexenverbrennungen stattgefunden haben sollen. Während die Handlung so ein bisschen vor sich hindümpelt, immer wieder unterbrochen durch Knef’sche Kurzauftritte, hält sie doch auch einige Fiesheiten parat, die es in sich haben: So wird beispielsweise der Familienmutti vom Rest unbemerkt der Mund zugenäht, sie in den Kamin gehängt und unfreiwillig geröstet, als die Anwesenden nichts Böses ahnend denselben anfeuern. Ein 8-mm-Projektor beginnt selbständig ein Band abzuspielen und der Makler und seine blonde Bettgespielin geraten während des Vorspiels in einen Visionenstrudel, der zeigt, wie sie von Hexen gefesselt und wie er gekreuzigt wird. In der Realität taucht sie indes erstochen wieder auf und Leslie wird in einer starken, sehr eindringlichen Szene im Traum vergewaltigt. Der Makler findet sich in der Realität an einem brennenden, umgedrehten Kreuz wieder. Das erinnert alles an Wes Cravens „Nightmare on Elm Street“-Reihe und wertet den eigentlich nicht sonderlich spannenden Film deutlich auf. Hexe Knef (entschuldige, Hildegard…) beginnt, auch noch mit Voodoo herumzuhexen und bringt so Mr. Brooks zur Strecke.

Atmosphärisch ist „Witchcraft“ über weite Strecken überraschend ok, wenn auch sicherlich nicht die ganz große Gruselnummer. Interessante Kleinigkeiten tragen ihren Teil dazu bei und auch, wenn die Geschichte aus allerlei Genre-Vorbildern zusammengeklaubt wirkt, ist doch noch immer mal wieder eine eigene Kreativleistung erkennbar. Die Motive der Hexe werden mit Lust, Habgier und Zorn erklärt und dass der Film damit quasi posthum die Hexenverfolgung rechtfertigt, ist etwas schwach, sollte aber nicht überbewertet werden. Etwas trashig wird es, wenn die Hexe die Gestalt Janes annimmt – bis auf die Frisur… und die Rolle, die der Sesamstraßen-Kassettenrekorder des kleinen Tommy einnimmt, sollte besser auch nicht auf ihren Logikgehalt hin abgeklopft werden. Die Dialoge laden mitunter zum Schmunzeln ein, was zumindest zum Teil durchaus beabsichtigt gewesen sein dürfte. Auf ein seltsames, reichlich abruptes Ende folgt noch eine nette, aber nicht neue Pointe und setzt damit den Schlusspunkt hinter eine gar nicht einmal so sehr neben der Spur liegende, bisweilen überraschend gelungene und dankenswerterweise wesentlich weniger langweiligen Spukhaus-Sause als beispielsweise Lenzis „Ghosthouse“, die natürlich nicht allzu ernstgenommen und im Kontext ihrer Zeit betrachtet werden sollte. Und wann bekommt man schon einmal eine solche Darstellerriege präsentiert.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti (1989)

Beitragvon sergio petroni » 9. Aug 2016, 16:44

"Witchcraft" habe ich nun mal wieder gesehen, und zwar in der Fassung von Red Edition.
Hier ist der Film komplett, die ehemals gekürzten Szenen liegen in englischer Sprache vor.
Ich hatte vor Urzeiten die ungekürzte Ausstrahlung im Privat-TV gesehen, aber waren dort
die Szenen auch in englisch?
Jedenfalls hatte ich den wesentlich unterhaltsamer in Erinnerung. Cast und Effekte retten
den Streifen vor dem absoluten Bodensatz. Atmosphäre, Spannungsaufbau und mitreißende
Story sucht man hier vergebens. Und bis der Effektespezialist Maurizio Trani sich austoben
darf, vergeht mal locker eine Stunde. Natürlich macht es Spaß, den Mimen Hasselhoff, Knef
und Blair-Witch zuzuschauen. Müßig zu erwähnen, daß keiner von Ihnen eine Glanzleistung
abliefert. Lediglich Hasselhoff läßt noch so etwas wie Engagement erkennen, das
aber im Laufe des Films offensichtlich nachläßt. Woran das wohl lag?
Vielleicht weil er seine Filmpartnerin nicht rumgekriegt hat?
Übrigens war Werner Pochath für den Cast zuständig!
4/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti (1989)

Beitragvon jogiwan » 16. Sep 2016, 10:41

und jetzt bitte mit "Turbo Boost" eine schöne VÖ... ;)

schnittberichte.com hat geschrieben:Witchcraft - Das Böse lebt nun ab 16 Jahren

Witchcraft - Das Böse lebt (1988) mit Linda Blair und David Hasselhoff kam gekürzt in Deutschland auf VHS heraus und wurde in dieser Fassung 1989 indiziert. Nach 25 Jahren erfolgte die Listenstreichung, auf DVD gab es den Film uncut von X-Rated.

Nun wurde der Horrorfilm neu von der FSK geprüft und erhielt, der Laufzeit nach für die ungekürzte Fassung, eine Freigabe ab 16 Jahren.


quelle: schnittberichte.com
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Re: Witchcraft, das Böse lebt - Fabrizio Laurenti (1989)

Beitragvon buxtebrawler » 12. Dez 2016, 15:39

Erscheint voraussichtlich noch diesen Monat bei WMM noch einmal auf DVD:

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