Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 11. Sep 2019, 18:22

31.08.2019, SZ Norderstedt:
SZ-Sommerfest


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Am letzten August-Wochenende veranstaltete das selbstverwaltete SZ Norderstedt sein zweitägiges Sommer-Open-Air. Freitag habe ich es zu Bands wie ABSTURTZ oder CONTRAREAL nicht geschafft; der Samstag aber war ein willkommener Anlass, nach längerer u.a. urlaubsbedingter Abstinenz mal wieder vom Live-Exzess-Kuchen zu naschen. Fast schon peinlich pünktlich war ich mit dem Bus angereist und konnte vor Ort noch Zeit totschlagen („in Ruhe ankommen“), zumal der Opener UNFINISHED BUSINESS krankheitsbedingt ausgefallen war. Die Aufgabe, den Festivaltag zu eröffnen, wurde nun also dem Trio CASE 39 zuteil. Die seit 2016 existenten Schleswiger zockten eine englischsprachige Punk’n’Roll-Variation unter erhöhtem Einsatz des Wah-Wah-Pedals und mit schön asozial kehligem Gesang. In Sachen Geschwindigkeit legten sie auch gut einen vor und bekamen zudem einen fetten Sound vom Mischer. Die Coverversion „Dancing With Myself“ stand an dritter Position, später folgte eine coole Version des RAMONES-Klassikers “I Just Wanna Have Something To Do”. Eine Südstaaten-Boogie-Nummer handelte von einem toten KKK-Mann im Kofferraum und mir dann doch etwas zu entspannt war das „Summertime“-Stück. Viel besser lief mir der Song über die Flüchtlingsmisere im Mittelmeer rein und mit „It’s Getting Dark“ zog man noch etwas von THE BATES aus dem Cover-Koffer. Guter Einstand!

Sehr wuchtig trieben’s anschließend die 2017 gegründeten CHOPSTICK KILLER aus Hamburg: Moderner englischsprachiger Hardcore (die Band bezeichnet ihren Stil als Melodic Post-Hardcore) mit sehr ausdrucksstarker Shouterin, die in ihrem derben Geschrei bisweilen von einem Zweitshouter unterstützt wurde. Technisch ziemlich präzise, dennoch leidenschaftlich vorgetragen, auf der Bühne und auf der Rasenfläche, auf die es die Mitglieder bisweilen zog. Um etwas Bewegung vor der Bühne zu provozieren, verloste man ein T-Shirt an denjenigen, der sich am meisten bewegt. Das Leibchen wechselte den Besitzer, so richtig kam das Publikum dennoch nicht aus sich heraus – beobachtete die Band aber durchaus fasziniert. Musikalisch nicht ganz meine Baustelle, aber eine beeindruckende Performance!

Voll mein Ding hingegen waren natürlich CRASS DEFECTED CHARACTER. Während der ersten ein, zwei Songs musste der Bass noch eingepegelt werden, ansonsten wurde auch hier druckvoll losgeschrotet. Die Mischung aus wüstem und gezügelterem HC-Punk mit überwiegend deutschsprachigen Texten profitierte zudem von der klaren Verständlichkeit letzterer. Die Band hat etwas zu sagen und hat dies in gute, durchdachte Texte verpackt, von deren Qualitäten man sich also vor der Bühne überzeugen konnte. Den stärksten Eindruck machte an diesem Abend „Wollt ihr?“, bei dem ich tatsächlich Gänsehaut bekam. Mit einem gewissen Nachdruck wurde schließlich auch eine Zugabe eingefordert, um genau zu sein: der Song „CDC“ vom Demo, der dann ungeprobt zum Besten gegeben wurde. Sehr geiler Gig!

Ähnlich, aber doch ganz anders sind EAT THE BITCH, deren Alleinstellungsmerkmale Tims Krach für zwei machende Klampfe sowie Jonas Gesang und Texte sind. Zu einem splitternden HC-Punk-Brett gesellen sich dezente Melodien und Chöre, denn die Band beherrscht nicht nur das Hauruck-Verfahren. Immer wieder sehens- und hörenswert, so natürlich auch an diesem Abend, wenngleich noch immer nicht so recht Bewegung ins tiefenentspannte Publikum kommen wollte. Mit zwei, drei anderen sprang ich ein bisschen herum und freute mich über die Songs mit ihrer desillusioniert urbanen Sicht aufs Weltgeschehen und die persönliche Rolle darin. Ach, und Neubasser Bommy war bei Weitem nicht mehr so aufgeregt wie vor seiner Feuertaufe im März – und hatte die Haare schön!

Zeit für Entspannung: ARRESTED DENIAL kombinierten den Texteversteh-Faktor von CDC mit einer lässig rockenden Variante des Streetpunks/-rocks, der bei Geniestreichen wie „Nationalisten aller Länder“ den lyrischen Inhalten ausgiebig Raum zur Entfaltung bietet. Leider streikte Timos Bass anfänglich, bis sich nach Kabeltausch etc. der Amp als Ursache herausstellte und ausgetauscht wurde. „Und es war Sommer…“ rief irgendjemand während dieser Phase. Daraufhin ging’s unterbrechungsfrei weiter, lässige, aber auch mal flottere Songs, gute Texte, sympathisches Auftreten, unterstützenswerte Band, erschreckend unprätentiös, schlau und klischeefrei. Kennt eh jeder, brauche ich nicht lange zu schwadronieren. Nicht unbedingt gerechnet hatte ich mit dem TOCOTRONIC-Cover „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ inkl. spontanem Gastsänger. Den Song hatte ich wahrscheinlich zuletzt 1997 gehört, als ich für mich beschloss, mit TOCOTRONIC nichts anfangen zu können. Dennoch ein durchaus willkommenes Wiederhören… Apropos Cover: Als Zugabe verlangte ich natürlich lautstark nach der schwedischen Crust-Legende ROXETTE und bekam schließlich das ersehnte „Sleeping in my Car“/ „Dressed for Success“-Medley.

Mit dem wütenden deutschsprachigen Hardcore der Eisenacher GLOOMSTER mit zwei Shoutern und Metal-Klampfe stieg das musikalische Aggressionslevel deutlich, allerdings war ich mittlerweile auch ziemlich angetrunken und pausierte erst mal ‘ne Runde. Den Gig nahm ich daher eher als Hintergrundbeschallung wahr. Mein Pausieren bezog sich allerdings nicht aufs Trinken, sodass ich völlig besoffen war, als der BRUTALE-GRUPPE-5000-Gig vermutlich wegen Lärmauflagen ins Ladeninnere verlegt wurde. In Erwartung des heftigen, paranoiden Laserpunks war mir nach Tanzen zumute, dem ich dann auch nachging. Auch ein paar andere hatte der Bewegungsdrang gepackt. Ich moshte und pogte mir die letzten Energiereserven raus, bis mich nach Ende der Veranstaltung Holli Abschaum freundlicherweise im Auto zurück nach Hamburg nahm (danke noch mal). Alles in allem ‘ne klasse Veranstaltung mit leckerer Verpflegung (frische ungarische Langos), günstigem Bier und einwandfreien Bands, für die ich allerdings mitunter mehr Publikumszuspruch und -reaktionen erwartet hatte – verdient hätten sie’s gehabt. So ist das bei Sommerfestivals auf der grünen Wiese aber nun mal: Man neigt zur Tiefenentspannung und statt Durch- ist Tütedrehen angesagt. Ich habe übrigens zufällig genau 77 Fotos geschossen! (Jaja, inkl. Ausschuss…)

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/31-08-201 ... ommerfest/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 30. Sep 2019, 16:08

Nach mehreren auf allen Ebenen anstrengenden Tagen war mir so richtig nach einem entspannten Tag voll lauter Musik und Bier bei gutem Wetter:

31.8.19 Überseefestival am Hansator.
Ich weiß nicht genau, wann ich dort zu letzt war, bei diesem hübschen umsonst und draussen mit regionalen Bands, direkt vor einem Proberaumgebäude inklusiver eigener Bühne. Zumindest war damals nur eine Bühne und kein Imbiss. Jetzt gab es eine kleine und eine große Bühne draussen und die Zollkantine drinnen wurde auch mit einbezogen.
Und Imbisse gab es eine handvoll erlesenen leckeren Kram.
Der Hunger trieb mich früher hin als gedacht ud so gab es leckeren balinesisches Street Food und dazu CHARLIE LEVIN, angenehmer Indie Pop mit guter Sängerin, melancholisch und sympatisch.
Dann tauchten Arkschi und ein Kumpel auf und zusammen gaben wir uns DIE ABSAGE. Die Vorgängergruppe Sunny Cold Day gefiel mir live sehr gut und so war ich gespannt. Die Musik war noch sehr ähnlich, wave punk, knietief in den 80ern, mit noisigen Ausflügen. Der GEsang wandelte nicht nur von englisch nach deutsch sondern auch vom Robert Smithige, morrisseyhafte zu Jens Rachut/Jan Windmeier. Sehr schmissig, sehr gut, laut. Am Ende gab es Unterstützung von der LATENT GENERVT SÄngerin.
Die im Anschluss drinnen spielten, was Überwindung kostete, da es draussen richtig knallig sonnig war. Während die anderen beiden eine Progrock Band draussen probierten, aber bald nachkamen, gab ich mir diese hier: Es fing an mit einer RocknRoll Aerobic Show, dann rumpeliger vergüglicher Punk von einem Trio. Lustig, aber mit Humor. Wirkich prima.
Im Anschluss drinnen THE BERNIE & THE JÖRGI, die es richtig krachen liessen, allle Hits spielten und ein paar neue. Wir sind hier im NDW, Elektro-Punk-Schlager Millieu! Super Party. Der Sänger bedankte sich irgendwann nachts bei mir fürs MItsingen *rotwerd
Dann erst mal Pause noch was essen, auch mal quatschen und Atmosphäre geniessen.
Dann wieder drinnen KEIL. Post Stoner Rock oder so. Instrumental. Sehr stark, hat mich voll mitgerissen.
Draussen auf der großen Bühne dann WEZN.
Langsamer atmosphärischer Elektro-Pop, sehr schön auch von Lichtspielen begleitet. Hat uns aber leider so gar nicht erreicht, war vielleicht zum falschen Zeitpunkt. Sehr voll jetzt draussen.
MÖRSER, so eine Brüllmetallband, sehr bekannt hier, wollte ich mir immer schon mal live geben. Aber als letzte Band ohne Konkurrenz drinnen war es allzuvoll und eigentlich mit nach Mitternacht auch allzuspät.
Insgesamt ein großartiges Fest, was die Vielfalt und ualität der Bremer Musikszene zeigt, toll auch organisiert, man mußte nirgendwo ewig warten, kam überall rein, obwohl es schon am frühen Abend total voll aussah.
GROßARTIG!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 6. Okt 2019, 23:10

Bevor (endlich wieder) das nächste Konzert ansteht, schnell noch die Chronistenpflicht erfüllt und das Überseefestival (Motto: 100% Bremen - weil dort nur Bremer Bands spielen) abhaken. Ist ja auch schon wieder etwas her. Erstmals habe ich beide Tage mitgenommen, was sich vollauf gelohnt hat. Schwerpunktmäßig waren beide Tage auch recht unterschiedlich. Während an Tag 1 die schweren Stoner-Rock-Gitarren dominierten, war es am zweiten Tag punkiger. Aber der Reihe nach,

30.8. ÜBERSEEFESTIVAL, Hansator/Zollkantine, Tag 1

Das war erst einmal ein harter Kampf, da hinzukommen. Denn gerade an dem Tag bekamen wir Besuch aus Warschau, der gerade auf der Rückreise vom Frankreich-Urlaub war. Aber nach gutem Zureden, konnte ich unsere Gäste,sowie den Rest meiner Familie überreden, gemeinsam zum Überseefestival zu gehen. Denn dort spielten als Opener die tollen DR. ORGEL, die ich im Dezember als Vorgruppe der "Liga der gewöhnlichen Gentlemen" sah und die mir mit ihrer schwer definierbaren Mischung aus Soul, Punk und Blues mit deutschen Texten (oder instrumental) gut gefallen haben. Das hört sich zwar alles recht heterogen an, aber dementsprechend auch extrem abwechslungsreich. Das klingt mal nach Booker T & the MGs, dann nach Family 5. Letzteres darf man sicherlich auf den Einfluss vom Sänger/Gitarristen Wolfinger zurückführen, der in den ebenfalls grandiosen Bands "Defekt Defekt", "Cool Jerks", "Lord Super" usw. usf. eher Beatig/Punkig unterwegs ist. Und das "Paul" der Saxophonistin ist großes Kino (leider nicht auf der CD zu finden). Dem Nachwuchs, den ich abwechselnd auf den Schultern tragen musste, hat es auch gefallen. Auch wenn Töchterchen meinte, ihr sei das zu laut. Aber das sagt sie eigentlich immer. Söhnchen schien jedenfalls begeistert und stürmte nach dem Konzert Bühne und Backstage-Bereich.

Danach musste ich mich erst einmal um unseren Besuch kümmern und schaute mir daher nicht die "International Removals" an. Was herüberwehte schien ganz okayer Rock zum Nebenbeihören zu sein. Hätte ich mir aber vielleicht mal genauer anhören sollen, immerhin ist da ein Drittel von "DefektDefekt" dabei - was ich erst später herausfand.

Unbedingt anhören sollte ich mir GOODYEAH COLLECTIVE. Diese wurde mir von mehren Seiten empfohlen - und die guten Leute hatten recht. Die firmieren zwar unter Folk (eine der wenigen Musikarten, mit der ich nicht so viel anfangen kann) begeisterte mich aber schnell, da hier auch ein dunkles Blues-Element dabei war und den Songs eine ganz eigentümlich-packende Atmosphäre gab. Der Sänger (dem man in der Fußgängerzone wahrscheinlich ohne viel Federlesen einen Euro in den Hut geworfen hätte - wobei ich später hörte, dass er gerne mit dem Penner-Image spielt) hat eine großartig dunkle, raue Stimme, die live an Tom Waits, auf CD an Peter Gabriel und Paul Weller erinnert. Aber auch was ganz eigenes hat. Definitiv ein guter Tipp und sollten die irgendwo mal wieder spielen, bin ich sicherlich in der ersten Reihe dabei.

Mittlerweile hatten sich die Familie und der Besuch verabschiedet und ich hatte "freie Bahn". Da lief mir auch Forenmitglied Fritz Caraldo über den Weg.Und Neu-Forenmitglied Kriddel war auch anwesend. Kein Wunder, sollte er doch am selben Abend noch auf der Bühne stehen.

Weiter ging es mit NOISECAPE, von denen mir ebenfalls schon viel berichtet wurde, von denen ich aber bisher noch nichts gehört hatte. Stoner Rock. D.h. tiefergelegte Gitarren und ebensolcher Gesang. Das ging mit ziemlichen Druck nach vorne. Gespielt wurde nicht unten Open-Air auf einer der Bühnen, sondern in der kleinen Zollkantine, die schon nach dem ersten Lied kochte. Noisecape vermengen tolle Melodien mit aggressiver Härte. Die Songs bleiben im Ohr hängen und die Energie überträgt sich auf den Hören und geht direkt in den Körper. An der Gitarre entdeckte ich den Gitarristen von "Waran", auf die obige Beschreibung ja auch zutrifft, aber mehr in Richtung Hardcore geht. Schade, dass Noisecape scheinbar - trotz jahrelanger Bandgeschichte - noch nichts veröffentlicht haben. Da würde ich gerne mehr hören. Tolles Ding.

Danach gab es draußen Altherren-Punk mit deutschen Texten. Leider konnten mich PLAY THE SEEDS nach den grandiosen Noisescape nicht wirklich überzeugen. Das war alles nett, aber auch gefällig. Ging in ein Ohr ein, zum anderen raus. Also lieber die Zeit genutzt, um sich vor der nächsten Band zu stärken und etwas zu fachsimpeln.

Die nächste Band war dann nämlich die des Kollegen Kriddel, ETA LUX habe ich jetzt zum dritten oder vierten Mal gesehen (ich komme da nicht mehr mit). Wieder Stone Rock mit Betonung auf Rock. Tolle Phrasierung, epische Soundwände und natürlich ein toller und sehr sympathischer Sänger. Zu ETA LUX habe ich an anderen Stellen mehr geschrieben, darum nur kurz: Die Jungs haben eine echt tolle Fan-Base in Bremen, was man an dem zahlreich erschienen, mitsingendem und enthusiastischen Publikum merkte. Außerdem gab es einige neue Songs, die Appetit auf das nächste Album wecken.

Und dann gab es noch meine Entdeckung des Festivals: JUDAS HENGST. Erst war ich ja etwas skeptisch, weil der Hauptsänger in gepflegten Grundgesang verfiel, den ich eigentlich nicht so mag. Aber dieser Sound! Wow! Harte, dynamische Gitarren, aber auch flirrende Soundlandschaften. Gerade die Instrumentalparts trieben einen weg in eine andere Welt. Das hätte von mir aus ewig so gehen können. Kein Prog, aber auch kein Metal oder Stoner Rock. Irgendwie eine Mischung aus all dem mit einer Prise Space Rock und Death Metal. Schwer zu beschreiben. Der zweite Gesangspart (hart, rau ohne Grunzen) ergänzte den ersten dann kongenial. Wow!

Noch völlig berauscht lief ich zum Merch-Stand, wo ich mir neben dem "Überseefestival 2019"-Sampler, noch die CDs von "Dr. Orgel" und "Goodyeah Collective" (Vinyl gab es jeweils nicht) und die LP von Judas Hengst holte.

Danach traf ich noch einige Bekannte, wurde zu fiesen Schnäpsen eingeladen und klönte noch ein bis zwei Stunden mit allen möglichen Musikern. Ein toller Abend. Und am nächsten tag ging es dann weiter - aber davon berichte ich dann später.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 8. Okt 2019, 21:40

Nun aber...

31.8. ÜBERSEEFESTIVAL, Hansator/Zollkantine, Tag 2

Da ich wie gesagt am Freitag mit Familie und Besuch da war, hatte ich meine sonst übliche Begleitung ) auf Samstag geschoben und damit eine Ausrede, um auch am zweiten Tag da zu sein. Perfekt!

Am Hansator angekommen traf ich neben meinem Bekannten noch den guten KarlAbundZu, was schon mal einen guten Abend einläutete. Wie auch die erste Band. DIE ABSAGE gefiel mir sehr gut. Seltsam nur, dass ich jetzt - nach gut 2,5 Monaten - mich kaum noch an einen Song erinnere. Derjenige, der auf dem "Überseefestival 2019"-Sampler ist, war eher ungewöhnlich und nicht der stärkste. Aus der Erinnerung kommt gute, post-punkige und ins Ohr gehende Mucke mit guten deutschen Texten und einem charismatischen Sänger hoch. Aber wie gesagt, bis auf das und die Tatsache, dass ich die echt gut fand, herrscht da gerade Leere im Kopf.

Danach trennten sich kurz die Wege von Karl und uns. Ich hatte nämlich meinen Bekannen überredet sich TOELKE anzusehen. Die hatte ich vorher im Netz angehört und war sehr angetan gewesen. Und auch jetzt muss ich sagen, dass ihr Song auf oben erwähnten Sampler richtig stark ist. Laut eigener Aussage machen sie "Phoner Rock", was immer das auch sein soll. Beim Auftritt sprang der Funke aber so gar nicht rüber. Das klang schlapp und der Sänger erinnerte mich irgendwie von der Stimme und Gesang an Bela B. allerdings ohne dessen Drive und Witz. Alles wichtig und bedeutsam. Nach 2,5 Songs hatten wir beide keine Lust mehr und machten uns auf in die Zollkantine, wo eine Band mit dem tollen Namen LATENT GENERVT zeitgleich spielte.

Und die waren SUPER! Die eine Sängerin hatten wir schon bei einem Lied der ABSAGE (dessen Sänger hier auch anwesend war und gut abging) erlebt. LATENT GENERVT machen DIY-Punk der nicht immer schön ist, aber unheimlich Spaß macht und direkt in die Beine geht. Komplett mit klug-ironischen Texten. Zwischendurch gab es noch Aerobic-Übungen, Teebeutel-Weitwurf und zum Schluss wurde den Willigen aus dem Publikum Sahne in den Mund gesprüht. Grandios und ich werde die beiden gut aufgelegten Damen und den Herren am Schlagzeug sicherlich im Auge behalten.

Danach runter zur großen Bühne am Hansator. Dort spielten RUBBER TEA. Und die waren unglaublich. Eine vielköpfige Band, die aussah, als ob die Milchbubis und das kleine Mädel gerade zum Konfirmationsunterricht wollten. Man, waren die jung! Und, Mann.. was haben die für geile Mucke gemacht. Karl (?) meinte, die hätten aber gut die Plattenschränke ihrer Eltern durchgehört. Worauf ich meinte: Das wären bei denen dann schon die Großeltern gewesen. Denn RUBBER TEA watete knietief in den späten 60ern/frühen 70ern. Etwas Prog, etwas Psych, viel Flower Power, ein Hauch von Folk. Alles in höchster Perfektion und mit viel Spaß an der Sache dageboten. Großartig. Man ist ja mittlerweile auch in dem Alter, indem man dann gerührt und mit einer Träne im Augenwinkel sich über "die jungen Leute" freut. Das Publikum war auch sichtlich angtan von der Band und der sehr guten, saxophonspielenden Sängerin. Und auch ein alter, gestandener Stoner-Rocker und Freund der härteren Gangart kam an mir vorbei und war sichtlich beeindruckt von der Band. Toll. Ich frage mich nur, warum der Karl in seinem Nachbericht vergessen hat? Anekdote am Rande: Ich hätte mir von denen gerne einen Tonträger geholt, aber am Merch-Stand gab es von denen nur... genau... Tee (!!!!).

Dann wieder for something completly different. In der Zollkantie konnte ich endlich mal THE BERNIE AND THE JÖRGIE sehen, deren "Album für die Jugend" schon etwas länger als Vinyl-Scheibe bei mir Zuhause steht und oft gehört wurde. Auch auf YouTube habe ich schon manche Stunde Videos von den Beiden geguckt. Gegeben wird "Tanz Punk". Also gut tanzbarer Electro-Punk mit einer Gitarre. Bernie ist eine Rampensau vor dem Herren, gibt die Diva und ist dabei herrlich selbstironisch. Da ist gute Laune vorprogrammiert. Bernie und Jörgie hatten auch sichtlich Spaß an der Sache und die enge, heiße Zollkantine kochte, hüpfte und gröhlte die Texte mit. Das hätte noch ewig so weitergehen können. War dann aber leider nach 45 Minuten vorbei. Allerdings mussten die beiden (eigentlich ein No-go beim eng getakteten Überseefestival) noch eine Zugabe geben.

Draussen an der frischen Luft hatte es leider eine Bandabsage geben. Dafür spielten jetzt "Créme de la Brême" von denen ich immer noch nicht weiß, ob das jetzt eine echte Band oder nur ein kurzfristiger Zusammenschluss von Musikern war, die schnell eingesprungen sind. Könnte Beides sein, denn es gab eine schöne entspannte jam-Session die in sanft soulig-funkige Gefilde ging. Die ideale Hintergrundmusik, um zu verschnaufen, sich was zu essen und trinken zu holen und etwas zu Quatschen.

Dann wieder rein in die Zollkantine zu KEIL. Wieder so drei ganz junge Burschen, die aber ein heftiges Brett fuhren.
Zwar bezeichnen die sich selber als "Post Punk, Wave", aber ich finde, die sind mehr am Hardcore dran. Da krachen die Gitarren, da schrubbelt der Bass und knallt das Schlagzeug. Dazu wütender Punk-Gesang. Hinter dem Lärm verbergen sich aber tolle und abwechslungreiche Melodien. Auch hier war das Publikum sichtlich angetan und wir natürlich auch. Noch so eine Band, die man im Auge behalten muss.

Danach ein ziemlich starker Kontrast draussen. WEZN sind eine junge Dame mit Keyboard und elfenhaftem Gesang und ein junger Mann am Schlagzeug. Ich mag diese Kombi ja eigentlich und finde Synthizier plus echtes Schlagzeug kann sehr interessant sein. Waren WEZN auch. Zumindest anfangs. Die Musik ist leichter, ambiente angehauchter Pop, leicht sphärisch. Aber so ist eben jeder Song. Keine Höhepunkte, kaum Tempowechsel. Zunächst findet man das noch ganz gut, dann langweilt es aber auch schnell, weil da halt nichts anders kommt. Und warum der Drummer es geschafft hat bei der langsamen Musik seine Sticks zu zerhauen ist mir auch ein Rätsel. Ich glaube, sehr viele fanden das alles gut, ich habe mich dann irgednwie mehr auf die gelungene Lightshow konzentriert.

Danach wollte ich eigentlich nach Hause, war aber noch ganz fit und neugierig. In der Zollkantine gab es MÖRSER. Die sind eigentlich nicht so meins. Sehr hart und mit dreifachem Brüll-Grunz-Gesang. Aber live kannte ich die nicht und ausprobieren kann man das mal. Vor allem, weil Karl und ich letztes Jahr eine nette Begenung mit einem Band-Mitglied hatten. Aber daraus wurde dann nichts, weil die Zollkantine bereits hoffnungslos überfüllt war und die Leute schon gar nicht mehr reinkamen. War das ein Gedränge! Wir wollten dann von draußen zuhören, aber da war die Akustik so mies und vor allem kam man sich eher vor wie in einer Bahnhofshalle (okay, eine sehr, sehr kleine Bahnhofshalle), da sollte es dann auch mal gut für den Tag sein. Noch ein paar Bekannte begrüßt und dann ging es ab nach Hause.

Fazit: War wieder super, und ich bin jedesmal überrascht, viel vielfältig und vor allem, auf welchem hohem Niveau die Bremer Musikerszene agiert. Zahlreiche neue Lieblingsbands einkassiert, und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr!
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 9. Okt 2019, 07:41

Wenn man das hier so liest, bekommt man den Eindruck, in Bremen sind gefühlt permanent Gratis-Festivals mit Bands von Post-Punk bis Stoner und immer spielt irgendjemand von DEFEKT DEFEKT mit :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 9. Okt 2019, 13:53

Arkadin hat geschrieben:Danach runter zur großen Bühne am Hansator. Dort spielten RUBBER TEA. Und die waren unglaublich. Eine vielköpfige Band, die aussah, als ob die Milchbubis und das kleine Mädel gerade zum Konfirmationsunterricht wollten. Man, waren die jung! Und, Mann.. was haben die für geile Mucke gemacht. Karl (?) meinte, die hätten aber gut die Plattenschränke ihrer Eltern durchgehört. Worauf ich meinte: Das wären bei denen dann schon die Großeltern gewesen. Denn RUBBER TEA watete knietief in den späten 60ern/frühen 70ern. Etwas Prog, etwas Psych, viel Flower Power, ein Hauch von Folk. Alles in höchster Perfektion und mit viel Spaß an der Sache dageboten. Großartig. Man ist ja mittlerweile auch in dem Alter, indem man dann gerührt und mit einer Träne im Augenwinkel sich über "die jungen Leute" freut. Das Publikum war auch sichtlich angtan von der Band und der sehr guten, saxophonspielenden Sängerin. Und auch ein alter, gestandener Stoner-Rocker und Freund der härteren Gangart kam an mir vorbei und war sichtlich beeindruckt von der Band. Toll. Ich frage mich nur, warum der Karl in seinem Nachbericht vergessen hat? Anekdote am Rande: Ich hätte mir von denen gerne einen Tonträger geholt, aber am Merch-Stand gab es von denen nur... genau... Tee (!!!!).

Oh, peinlich, das kommt davon, wenn man den Bericht so lange danach schreibt, ansonsten unterschreibe ich das so, und ich hab doch etra Fotos als Erinnerungsstütze gemacht, hätte ich mal reinschauen sollen....
Alter halt....
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 10. Okt 2019, 14:02

Fotos habe ich auch noch. Von dem und vielen anderen Konzerten. Mal gucken, ob ich da mal irgendwann irgendwas daraus mache.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 14. Okt 2019, 21:04

04.10.2019, Semtex, Hamburg:
THE IDIOTS + SCUMFUCK OUTLAWS + BOLANOW BRAWL


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„Schneller, härter, konzerter!“

Wir hatten schon im Skorbut gespielt, im Kraken, im Menschenzoo und nun auch im Semtex. Dabei handelte es sich um den immer selben laden, der alle paar Jährchen Namen und Betreiber wechselt, aber glücklicherweise bisher immer eine feste Adresse für Punk und Artverwandtes auf dem Kiez blieb. An eben diesem Ort sah ich vor zweieinhalb Jahren erstmals und endlich THE IDIOTS aus Dortmund, eine der dienstältesten deutschen Punkbands und fester Bestandteil meiner persönlichen musikalischen Punk-Sozialisation. Das war definitiv einer der Konzerthöhepunkte jenes Jahres. Mittlerweile hat die Band um Frontmann Sir Hannes das neue Album „Schweineköter“ am Start und betourt es ausgiebig – und in Hamburg durften wir die Vorturner machen!

An Equipment befand sich bereits fast alles vor Ort, sodass wir diesmal keine überdimensionierten Lautsprecher aus unserem Proberaum im sechsten Stock zu wuchten brauchen – das war schon mal äußerst angenehm. An fester Nahrung servierte man ein spitzenmäßiges Seitan-Gulasch ganz nach meinem Geschmack. Norman machte ‘nen 1A-Soundcheck mit den IDIOTS und anschließend mit uns, woraufhin wir noch auf ein Gezapftes bei Hermann im Osbourne einkehrten und herumalberten. Nach unserer Rückkehr gegen 21:45 Uhr scheuchte man uns sofort auf die Bühne. Da wir es leider in den letzten Wochen vorm Gig nicht mehr geschafft hatten, alle gemeinsam zu proben (irgendjemand fehlte immer), verschoben wir die Live-Präsentation eines generalüberholten Songs und spielten dasselbe Set unserer Mini-Tour mit THE NILZ aus dem Frühjahr. Während des Soundchecks hatte mein Gesang auf dem Weg von der Kehle in die P.A. irgendwo einen Wackelkontakt erlitten, weshalb das Kabel ausgewechselt worden war. Während unseres zweiten Songs „Brigitte Bordeaux“ stellte sich heraus, dass mitnichten das Kabel, sondern das Mikro schuld war. Nachdem auch das ausgetauscht worden war, gab’s glücklicherweise höchstens noch selbst verursachte Probleme wie ein paar wenige Verspiele oder die obligatorischen Nachstimmpausen, ansonsten flutschte der Gig gut durch. Die Bude war mehr als ordentlich gefüllt, vorne brachten wir nach der technischen Panne ein paar Leute zum Tanzen und konnten uns auf einen stilsicher in ein 1323-Shirt gewandeten Herrn verlassen, der fast jede unserer Darbietungen mit „Da geht noch was!“ oder „Schneller! Lauter! Härter!“ in unterschiedlichen Variationen kommentierte – und tat er es mal nicht, fragten wir ihn nach seiner Einschätzung, bevor wir weiterspielten. Kurioserweise stand unmittelbar neben diesem Partyboy ein Pokerface, das uns den gesamten Gig über skeptisch beäugte, ansonsten aber keine Miene verzog und sich keinen Millimeter bewegte. Welch Kontrast! Da unsere Monitorbox ihre Belastungsgrenze erreicht hatte und ich mich nur ziemlich leise hörte, bin ich dann und wann wieder in den Gegenanbrüllmodus verfallen, Spaß gemacht hat’s aber allemal und anschließend wat verkauft ham‘ wir auch.

„Semtex, Bier lauter!“

Im Vorfeld so gar nicht auf dem Schirm hatte ich die SCUMFUCK OUTLAWS, die die gesamte Tour mit den IDIOTS bestreiten, aber bis kurz vor Ultimo gar nicht in der Konzertankündigung genannt worden waren. Die aus Lünen/Dortmund/Bochum stammende fünfköpfige Band existiert bereits seit 2006 und zockt ‘ne ziemlich wuchtige Mischung aus Scumpunk/-rock à la ANTISEEN und Konsorten und aggressiver Hardcore-Kante – auf einem technisch beachtlichen Niveau. Ok, ist man nicht tatsächlich ein fertiger Südstaatenzottel, läuft diese Art von Musik Gefahr, aufgesetzt und gekünstelt statt authentisch zu wirken. Aber auch ohne mit Kot um sich werfen oder sich nackt in Reißzwecken zu wälzen konnten SCUMFUCK OUTLAWS kräftig auf die Kacke hauen und klasse Entertainment bieten, dem ich nicht vollständig und schon gar nicht konzentriert beiwohnen konnte, der aber schwer Laune machte und vor allem dazu einlud, den Gig mit reichlich Bier zu begießen. Würde ich mir auch noch mal gezielter und aufmerksamer anschauen.

Als THE IDIOTS loslegten, war ich längst komplett durcheuphorisiert und erwartungsfroh betrunken. Während Sir Hannes & Co. seinerzeit eine Art um die Hits des Comeback-Albums erweitertes Best-of-Set spielten, legten sie nun selbstbewusst den Fokus auf das neue Album „Schweineköter“. Wenn ich nicht irre, waren „Verseucht“ und „Fleischwolf“ vom „Amok“-Album weiterhin dabei, ansonsten noch ein paar alte Schoten vom Schlage „Der Idiot“, „Der S04 und der BVB“, „Tage ohne Alkohol“ und „EDEKA“. Die Stimmung war prächtig, ich schwang vor der Bühne nicht nur das Bein, sondern den ganzen Körper und brüllte lauthals mit, was mir an Texten geläufig war und die Stimmbänder noch hergaben. Sir Hannes trug mal Sonnenbrille und Plastiktüte überm Kopf, mal behängte er sich mit Wurst oder wanderte durchs Publikum. Fragt nicht nach Details, aber es ging wohl nicht ganz so chaotisch rund wie damals, und auch die Merch-Dame in Nonnenkluft blieb diesmal ohne Bühneneinsatz – doch auch mit dem neuen Album sind THE IDIOTS live eine absolute Macht um einen in aller Punkrock-Würde gereiften Frontmann, die eine unheimlich unterhaltsame, musikalisch wie optisch abwechslungsreiche Show bietet und aus einem breiten Repertoire an Hits schöpfen kann. Ich war jedenfalls sehr zufrieden mit allem, hab’s ordentlich krachen lassen und bedanke mich an dieser Stelle noch mal bei allen, die sich uns reingezogen haben, beim Semtex-Kulturkollektiv, beiden Bands und natürlich Flo für die Schnappschüsse unseres Gigs!

Reich bebildert auch hier:
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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 20. Okt 2019, 17:21

10.10.2019
KING KHAN AND THE SHRINES
Lagerhaus, Bremen

King Khan habe ich schon lange auf dem Bildschirm. Seine erste Kollaboration mit BBQ aka „The King Khan & BBQ Show“ habe ich mir damals gekauft, als sie rauskam und seitdem häufig im Player gehabt. Das war sehr Low-Fi-Rumpel-Rock’n’Roll mit Soul-Einlage. King Khan and the Shrines kannte ich von einem phänomenalen Auftritt, den es mal auf ARTE (ich meine in der Mediathek, wo man ja auf sehr, sehr viele großartige Konzertaufnahmen stoßen kann, wenn man sich die Mühe macht) gesehen und war von der Power dieser Band, die hier schwitzigen Soul mit Punk-Attitüde und Blues-Rock Elementen vermischen begeistert. Leider waren die Platten immer so teuer, dass sie in meinem virtuellen Warenkorb in der Hoffnung auf ein Preissturz vor sich hin schimmelten. Al ich sah, dass King Khan in Bremen spielt, drückte ich auf Facebook spontan auf „Interessiert“, was der Vater eines Freundes meines Sohnes sah, der daraufhin einen gemeinsamen Besuch des Konzerts vorschlug. Und so kam es dann auch.
 
Als ich pünktlich vor den Türen des großen Konzertraums im Bremer Lagerhaus stand, hatten sich dort erst eine Handvoll Leute eingefunden. Viel mehr waren es dann auch nicht, als sich die Türen mit 20 Minuten Verspätung öffneten. Mittlerweile war mein Bekannter nebst charmanter Gattin eingetroffen und wir stöberten erst einmal beim Merch-Stand, tranken ein Bierchen und fachsimpelten über Musik und spekulierten, ob eine Vorband auftreten würde. Da am Merch-Stand die Platte von King Khans Tochter Saba Lou auslag, hatten wir da Hoffnung. Doch auf einen Einheizer verzichtete der King. Als der Saal halb gefüllt war (mehr wurden es dann leider nicht) enterte die 8-Köpfige Band (Gitarre, Bass, drei Bläser, ein Perkussionist, Drummer und King Khan himself, der auch mal zur Klampfe griff)  die Bühne und gab mit „Bite My Tongue“ gleich Vollgas. King Khan erschien im goldenen Anzug und war sichtlich gut drauf. Der Mann ist einfach die geborene Rampensau und ein Vollblut-Entertainer. Nach drei-vier Liedern verschwand er hinter der Bühne und kam im neuen, atemberaubenden Outfit wieder zurück. Da trug er dann eine riesige Federkrone, einen hautengen (der verbarg echt nichts – da gab es keine Geheimnisse mehr), bis zum Schamhaar ausgeschnittenen, schwarzen Spandexanzug der an den Po-Backen zwei kreisrunde Öffnungen aufwies, sowie einen schwarzen Nylonumhang. Dazu muss man sagen, dass King Khan eine recht korpulente Figur hat und man den nackten, schweißnassen Bauch immer schön vor Glück hüpfen sah. Zwischen den Songs gab es mal Ansagen wie „Morrissey is a Nazi!“, zotige Wortspiele („In-der Vagina“), Begrüßungen langjähriger Fans und Weggefährten oder Liebeserklärungen an seine Tochter (die wie gesagt leider nicht anwesend war). Immer wieder rauschte King Khan durchs Publikum, holte sich eine ziemlich angetrunkene Dame als Duett-Partnerin auf die Bühne und sang sich die Lunge aus dem Hals. Das Publikum war hocherfreut und machte alles mit. Die Stimmung war (trotz der gähnenden Leere im hinteren Teil des Saals) hervorragend und überall sah man nur glückliche, lachende Gesichter und Menschen am Abtanzen. King Khans Band war auch hervorragend. Insbesondere hat es mir der wahnsinnige Keyboarder (Franzose) angetan, der ebenfalls des Öfteren ins Publikum sprang – mit einem Musikinstrument!!! Das habe ich auch noch nie gesehen, wie es überhaupt ziemlich verrückt war, was er damit alles anstellte. Die Bläser-Sektion sorgte für ordentlich Druck, übertönten aber nicht die anderen Instrumente. Ein Kompliment an den Ton-Mischer. Irgendwann stand King Khan dann nur noch in Shorts vor uns und nach sehr guten, spaßigen 2 Stunden war dann Ende.

Danach ging es an den Merchendise-Stand, wo ich lange überlegte, ob ich viel Geld in zwei Vinyl-Platten oder etwas weniger in drei CDs stecke. Die CDs haben gewonnen, aber Zuhause bestellte ich mir dann noch eine Vinyl-Scheibe seines Solo-Projekts „The King Khan Experience“. Wir bleiben noch etwas länger, tranken noch in Ruhe ein, zwei Bier, schnacken kurz mit dem Saxophonisten, der am Merch-Stand verkaufte und dann suchten wir draußen noch ein Plätzchen zum Verweilen. Leider stellte sich heraus, dass das Viertel von Erstsemestern geflutet war, welche die Bars verstopften. Wir fanden dann doch noch irgendwo einen freien Tisch, quatschten noch bis weit nach Mitternacht – und stellten dann erschrocken fest, dass es ja Donnerstag ist und wir alle am nächsten Morgen früh raus mussten. Hups.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 25. Okt 2019, 13:32

19.10.2019, Bambi Galore, Hamburg:
F.K.Ü. + SPACE CHASER + FIRST AID


Bild

Thrash-Sause im Bambi, und das auch noch auf ‘nem Samstag, also Erkältung ignoriert und sämtliche Bedenken in Bezug auf den tags zuvor frisch tätowierten Fußrücken über Bord geworfen und nix wie hin! Man hatte gut daran getan, sich Karten im Vorverkauf zu sichern, denn im Laufe des Abends musste die Abendkasse tatsächlich „Ausverkauft!“ vermelden. Ähnlich sah es kurioserweise offenbar im angrenzen Kulturpalast aus, in dem irgendeine Rockband, die eigentlich niemandem geläufig ist (jemals von TAKIDA gehört?), bereits im Vorverkauf 750 Tickets abgesetzt hatte. Scheint sich um den jüngsten Hype der Musikindustrie zu handeln. Gänzlich ungehypt sind FIRST AID, jene seit Ende des vergangenen Jahrtausends aktiven Berliner Thrasher, die kurzfristig ins Aufgebot gerutscht waren und pünktlich den Abend vor beachtlicher Zuschauerzahl eröffneten. Geboten wurde, um diesen Begriff einmal auf dieses Subgenre auszudehnen, flotter Kumpel-Thrash mit zwei Klampfen, der nicht nur aufgrund des T-Shirts des Bassmanns an alte TANKARD erinnerte: Punkiger Touch, paar Sauflieder dazwischen, an der Flasche hängender Sänger. Dieser hatte anfänglich Probleme, sich stimmlich gegen das Geschrote der Saiten- und das Geboller der Drum-Fraktion durchzusetzen, was die Mischer aber im Laufe des Sets in den Griff bekamen. Idealer Opener, der in die richtige Stimmung versetzte und entsprechend goutiert wurde!

Den Merch-Tresen hatte man in den Restaurantbereich verlagert, dessen Theke ebenfalls geöffnet war und Gezapftes anbot, die Terrasse war mit regengeschützten Sitzmöglichkeiten ausgestattet worden und lud auch dank eines warmen Feuerchens zum Verweilen ein. Zwischen den Räumen trieb sich Traummann Freddy Krueger höchstpersönlich herum. Hielten wir ihn zunächst für einen Show-Act des schwedischen Headliners, dessen Name ein Akronym für „Freddy Kruegers Ünderwear“ ist, entpuppte er sich als eigens vom Veranstalter gebuchter Darsteller Sven Martensen, der sich bereitwillig mit einem fotografieren ließ und im Gegenzug lediglich darum gab, ihm ein Facebook-Like dazulassen, um seine Popularität zu steigern. Er ist auch als Fantomas, Stormtrooper, Spiderman etc. zu haben. Ein schöner Spaß!

SPACE CHASER, ebenfalls aus Berlin, erfreuen sich einiger Beliebtheit und stechen seit jeher aus dem Wust aktueller Thrasher hervor. Zwar ist der AGENT-STEEL-beeinflusste Speed-Thrash der Ufo-Paranoiker und „Skate Metal Punks“ mit Bruce-Dickinson-Gesang nicht hundertprozentig mein Fall, aber mit der Split-LP mit DISTILLATOR hatten sie auch mich und live knallt das sowieso alles gut. Den Gesangsstil empfand ich zu Beginn wieder als gewöhnungsbedürftig, aber das legte sich schnell und war spätestens mit dem äußerst gelungenen NEGATIVE-APPROACH-Cover „Tied Down“, das bereits als dritter Song von der Bühne schepperte, komplett vergessen. Die Band spielte sich in einen einzigen Rausch, steigerte das Aggressionslevel und nahm das Publikum mit. Sänger Siggi ging voll und ganz in seiner Performance auf, lieferte ein irres Mienenspiel, gestikulierte aufgekratzt und sang, was die Kehle hergab. Auch seine Bandkollegen waren echte Aktivposten, Gitarrist Leo machte den Propeller und crowdsurfte gegen Ende gar durchs Publikum, das seinerseits ausgelassen zappelte und moshte. ‘ne Zugabe war Pflicht und als die Stimmung auf dem Siedepunkt war, war Schluss. Pause, Bierchen, Kippchen.

Das schwedische Quartett F.K.Ü. gründete sich anscheinend bereits 1987, existierte aber zunächst nur für eine kurze Zeit und wurde erst ab 1997 wirklich aktiv. Mittlerweile hat man bereits fünf Alben veröffentlicht, die sich vornehmlich mit Horrorfilmen auseinandersetzen. Mit der jüngsten Langrille „1981“ widmet man sich gar ausschließlich Horrorfilmen aus eben jenem Jahr, das, wie ein Blick auf die Titel zeigt, ein für das Genre gutes war. Seltsamerweise wurde ich erst mit „1981“ auf die Schweden mit dem albernen Namen aufmerksam, zu unterrepräsentiert waren sie in der hiesigen Fachpresse. Ich frohlockte angesichts des nerdigen Konzepts sowie des zu erwartenden Oldschool-Thrashs irgendwo zwischen EXODUS und BLOOD FEAST sowie etwas ‘80er-Crossover und wollte außerdem die Gelegenheit nutzen, mir endlich das „1981“-Vinyl einzutüten. Die Vier schienen bis kurz vorm Gig noch im Kohlenkeller des Bambis geschuftet oder sich als Schornsteinfeger verdingt zu haben, denn völlig verrußt betraten sie die Bühne. Dazu erklang ein an ‘80er-Genrefilm-Soundtracks gemahnendes Synthie-Intro – und kurz nachdem ich dachte, dass es in diesem Stil eigentlich auch gern weitergehen könnte, ritten die Unterhosenfetischisten ihre erste Thrash-Attacke. Auch nicht verkehrt, ganz im Gegenteil. Der Sänger in seiner Vestron-Video-Kutte stellte seine Band als „Eff! Käi! You!“ vor, woraufhin Teile des Publikums widersprachen, doch das „Ü“ konnte der Gute offenbar nicht aussprechen. Dafür verstand man es aber perfekt, einen Kracher nach dem anderen herauszubrettern, aufgrund der würzigen Kürze vieler Songs in beträchtlicher Quantität. Die meisten Songs handelten erwartungsgemäß von Horrorfilmen und stammten vom aktuellen Album, ein paar kündeten aber originellerweise auch vom Moshen und von Metal. Ob „Nightmare in a Damaged Brain“, „The Funhouse“ oder die Abrissbirne „The Prowler“ über den unterbewerteten gleichnamigen Slasher – das lief alles genauso gut rein wie ein B-Movie-Videoabend. Zwischendurch zitierte man Freddy (s.o.) auf die Bühne oder machte ein paar prägnante Ansagen, ansonsten gab’s permanent gut auf die Zwölf. Vor der Bühne war ordentlich Bewegung, fußbedingt zog ich es aber vor, mich weiter hinten aufzuhalten – was indes auch nicht verhinderte, dass mir zumindest einmal jemand voll draufstolperte. Egal, ich erfreute mich am grandiosen DEATH-Cover „Evil Dead“ und beteiligte mich am Ende bei den erfolgreichen Forderungen nach einer Zugabe. Anschließend sackte ich das Vinyl ein, genehmigte mir zusammen mit meiner ebenfalls sehr angetanen Freundin ‘nen Absacker und wunderte mich darüber, dass eine Band dieser Qualität und mit dieser langen Historie, die mal eben das Bambi ausverkauft, sich tatsächlich erstmals nach Deutschland begeben hat. Tags zuvor hatten F.K.Ü. in Rostock gezockt, einen Tag später ging’s nach Berlin – das waren die ersten drei Deutschland-Gigs überhaupt! WTF?! Umso schöner, dabeigewesen zu sein; ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen! (Oder ein Konzeptalbum über 1982…)

Reich bebildert auch hier:
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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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