Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 30. Jul 2018, 12:50

BREMINALE 2018, der Donnerstag 26.7.18
Die Breminale ist ein jährlich stattfindendes Fest an der Weser in Bremen, umsonst und draussen, mit mehreren Bühnen, vielen Essbuden jeglicher Coleur, Kinderbespassung und neben viel Musik auch anderer Kram.
Nach internen Querelen war es eine Weile nicht klar, ob es stattfindet und die (neuen) Organisatoren hatten dann erst ab dem 1.1. ein GO. Änderte nicht viel, ein paar weniger bekannte Bands, auch einige, die schon mal da waren, ein bißchen weniger Kultur neben Musik, aber bei dem Wetter proppenvoll. Jedenfalls a ersten Tag, am Mittwoch.
Ich hatte mir ein bißchen etwas am Donnerstag ausgesucht und war schon unsicher, mir war es die letzten Jahre tatsächlich zu überfüllt, man kam kaum in die Zelte zum Gucken, oder wenn man drin war, nicht raus und wieder rein, was bei Getränkenachschub wichtig war. Und sehr lange Schlangen bei den vielen leckeren Esensachen....
Doch war es dem Bremer so um Achte noch zu heiß. Mein Plan: Ein wenig rumbummeln und dann zu Ihr Wichser um 21:30 und Die Nerven um 22:45.
Gleich vor Beginn spielten ein Junge von geschätzten 12 Jahren und ein älterer Mann auf dem Weg. Auch das eine hübsche Tradition, das immer wieder Strassenmusikanten auftreten, eine prima Grungeband hab ich zwei Jahre hintereinander so gesehen, irgendwelche Rapper haben einfach mal aus Sperrholz eine Bühne gebaut, aus der dann die DreiMeterBrettBühne entstand, inzwischen eine der größten auf der Breminale.
Der Junge spielte Geige ohen af die Seiten zu schauen, sondern mit Tanzbewegungen und Blick aufs Publikum, der Mann begleitete auf der Acoustic Gitarre. Es gab moderne Hits, deren Namen mir alle nicht einfallen, außer dem nicht ganz so modernen MJ-Song Smooth Criminal, und er spielte eine teuflische schnelle Geige. Das gefiel.
Dann trollte ich mich übers Gelände, Bierähnliches trinkend, und hörte ein Sound, der mir gefiel aus einer kleinen Bühne. Ein Blick und mir fiel wieder ein, das auch Rumble on the BEach angesagt waren, zwar chon um sieben und es war eher so 20:30, aber sie waren gut dabei. ROTB sind in Bremen Lokalmatadoren, haben Ende 80er Anfang 90er die Neo Rockabilly Szene gerockt, und da dachte ich oje, das wird ja knackig. Ausserdem gefiel mir ihr Comebackkonzert nicht ganz so gut, dass ich sie links liegen lassen wollte. Aber ich hatte Zeit, es war doch nicht zu voll (zu heiß wohl, die Sonne knallte ordentlich runter) und Bekannte trieben sich da auch herum. Die Jungs hatten Spaß und gaben alles, so dass eine Amp, die 34 Jahre durchhielt durchbrannte.... Es gab Hits aus eigener und fremder Feder, bei einer Publikumsbefragung etzten wir uns mit "Rumble on the beach" durch nicht stoppendes Singen gegen die eher maue Time Warp Coverversion durch (die später kam) Rumble zeichnet sich eh durch eher undogmatisches aus, da gibt es Wave-Einflüsse und Punkiges, der Drummer gibt seine Sticks schon mal ans Publikum (nagut an Mirko von den Tauben) und stoppt nicht. Shr viel Spaß und gegen 21 Uhr wurde es dann richtig voll. Natürlich gab es auch die Purple Rain Teils Pogo Version, auf die sich alle einigen können.
Gutgelaunt ging es dann weiter zur nächsten Bühne, die große 3Meter, zum Glück mit Hanglage, so dass ich auch mal sitzen konnte und wieder war es eher leer, obwohl Ihr Wichser schon angefangen hatten. Die sind aber auch sehr speziell. Schlagzeuger, Bassistin (ihr wißt...), Keyboarderin und Sängerin. Ziemlich jung. Das im NDW (also frühe experimentelle bzw. "wir können nichts, haben aber was zu sagen und Humor, und machen einfach"-NDW, nicht fertig produzierte NDW) mit eher derben Texten. Es ging um Alkoholismus, graue Muschis, Bullen, so genau hab ich es von meiner Sitzposition nicht verstanden, so dass ich doch irgendwann aufstand, um genauer zu zu hören. Denn Speziell mag ich ja. Es machte mir und denen auf der Bühne sehr viel Vergnügen, es blieben auch ein paar mehr stehen. Irgendwo zwischen Ficki Facki Fruchteis und Schnipo Schranke. Supi. Nachdem Konzert half ich der Sängerin von der Bühne und kaufte ihr ein Tape ab!
Die Wege und Imbisswiesen waren jetzt schon echt voll und ich wollte zur ganz anderen Seite zur Flutbühne, ansonsten sowie so mein Heimstand bei der Breminale. Pünktlich fünf Minuten vor Die Nerven angekommen und gespannt.
DIe Stuttgarter wurden die letzten Jahre überall gehypt und ein paar Songs sah ich mir schon mal vorab an, und das gefiel. Und sie gaben ein Brett von Sound ab zu dritt. Also schon Punk, aber mit starken Noise (SY?) und auch Hard Rock Einflüssen und guten Texten, die ich erstaunlicherweise auch gut verstand. Druckvoll, druckvoll! Könnte das Linie sein? Fehlfarben (erste Alben) - Blumfeld (die ersten beiden) - Tocotronic - Die Nerven? Man wird sehen, oder nur die Euphorie des tollen Liveerlebnis.
So ging dann pünktlich um Mitternacht die Breminale zu Ende, die Leute dachten aber nicht daran bei endlich erträglichen Temperaturen nach Hause zu gehen. Schön.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 30. Jul 2018, 15:22

BREMINALE 2018, der Samstag 28.7.18

Da ich in der Woche noch in Breslau weilte und der Sonntag schon verplant war, musste ich zwangsläufig den samstag nehmen, der mir musikalisch eigentlich am wenigsnten zusagte. Mit Ausnahme der Mellow-Soulband "Rhonda", die einst aus den Trümmern der von mir sehr geliebten "Trashmonkeys" entstand, mit der Sound derer aber nullkomanullnix mehr zu tun haben.

Während meiner drei Wochen bei unserem östlichen Nachbarn, keinte es das Wetter nicht so gut mit uns. Während man aus Detuschland immer neuere Hitzewitze hörte, regenete es bei uns allzu häufig. Das setzte sich dann leider auch am Samstag fort. Statt endlich auch mal was von der Sonne zu haben, kam es hier mittags schon kübelweise runter. Für den Abend hörte man mal dies (wird alles wieder gut) und das (Weltuntergang). Aber sowas hält den Bremer ja nicht davon ab, zur Beminale zu gehen. Was das genau ist, halt Karl ja schon oben beschrieben.

Während ich auf meine Begleitung wartete, schallten vom Dreimeterbrett schon die erste Klänge herüber, die mir sehr gut gefielen. Somit war diese Bühne auch gleich der erste Anlaufpunkt. Dort spielten WILSON&JEFFREY. Die hatte ich gar nicht auf meinem akribisch ausgearbeiten "Laufzettel", da sie unter Hip Hop fielen, was nicht ganz so mein Ding ist. Tatsächlich entpuppte sich die Band aber eher in der Tradition von Rage Against The Machine stehend. Also fette, rockige Band mit zwei Rappern. Natürlich hinkt der Vergleich, da bei W&J definitv der Spaß und keine politische Botschaft im Vordergrund steht - und das ganze auch weit weniger aggressiv, sondern eher radio-kompatibel vorgetragen wird. Trotzdem machte das Spaß, wenn auch die letzten Songs nicht an die Klasse derer heranreichte, die ich während des Wartens aufgeschnappt habe. Allein am Bühnenoutfit (Jeanswesten auf weißen T-Shirts, einer der Rapper mit Brille und Stirn-Schweißband), sollten sie noch arbeiten ;)

Dann kam der große Regen. Erst noch tröpfchenweise, dann peitschten die Wassermassen quer über den Platz. Wir wollten erst Zuflucht in einem der großen Zelte finden, doch die waren alle zu. Also rein in eine der Fressbuden, die ein Überdach hatten und wo schon weit mehr Leute kauerten, als man aufgrund der beschränkten Quadartmeterzahl denken sollte. Krampfhaft wurde zugehalten, was zuzuhalten war - aber es half nichts. Wer zuletzt kam, wie wir, wurde zuminderst von einer Seite bis auf die Haut nass. Trotzdem finde ich in solchen Augenblicken immer wieder meinen Glauben an die Menschheit wieder. Keiner meckerte, überall herrschte eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft und die widrigen Umstände wurden mit viel Humor kommentiert.

Als es endlich aufhörte, wollte wir wieder Musik hören, aber nix da. Alle Zelte weiterhin zu - aber Null Info warum. Auch auf der Breminale App nix. auf der Homepage nix. Auf Facebook keine ofizielle Ansage... lediglich bei Twitter fand man den Hinweis, dass aufgrund einer Unwetterwarnung (welches Unwetter?) die Zelte bis 20:00 Uhr geschlossen blieben. Da fing es wieder an zu regnen, allerdings weitaus harmloser als noch zuvor. Wir stellten uns erst einmal wieder hinter einen Getränkenstand und warten ab. Als laut Twitter die Zwangspause noch einmal um eine Stunde verlängert wurde, zogen wir ins benachbarte Viertel, setzten uns in ein fürchterliches Yuppie-Bistro und tranken erst einmal im Trockenen ein Bier und erledigten andere Geschäfte. Um kurz nach 9 setzten wir uns wieder in Bewegung, um "Rhonda" zu sehen. Aber da spielte gerade eine ganz, ganz fürchterliche Deutsch-Pop-Trulla, weshalb wir weiterzogen. Scheinbar war das ganze Programm jetzt so durcheinander (einige Sachen fielen aus, andere wurden einfach nach hinten geschoben, wieder andere gekürzt), dass mein schöner Plan jetzt eh für die Katz war.

Also erst einmal zur Wohnzimmer-Bühne, wo "Drunk Motorcycle Boy" spielen sollten, die ich auf meiner Liste hatte. Aber da war jetzt ein Singer/Songwriter. Auf dem Schild stand "Hack Mack", aber das war auch jemand anderes. Nach einigem recherchieren im Nachhinein, weiß ich nun, dass das JOHN ALLEN war. Dieses Folk- und Countrygepägte Songwriterzeug ist ja eigentlich nicht mein Bier, aber der Typ hatte so eine unfassbare geile Stimme, dass man nur fasziniert an seinen Lippen hängen konnte. Wenn der den Mund aufmachte, dann dachte man, der Schalldruck der dunklen, sehr vollen und rauen Stimme würde einen so in die Weser pusten. Großartig. Sein Liedgut (ich erkannte u.a. ein Stones- und ein Springsteen-Cover - beides aber mit sehr eigener Note) trug er mit viel Seele und Inbrunst vor. Ganz toll! Lange blieben wir trotzdem nicht, denn hitner uns beim Dreimeterbrett war ordentlich was los. Neugierig zogen wir dahin.

Dort bot ALLTAG gerade eine unglaubliche Show. Das junge Duo (ich schätze mal höchstens Mitte 20) spielt ziemlich energetischen Electro-Punk und der Sänger (in einem weißen Brautkleid mit Puffärmeln!!!) gab mächtig Gas. Holla, die Waldfee! Die musikalisch eher stumpfen, textlich aber durchaus interessanten Songs gingen dann auch gleich in die Beine und man hüpfte quasi wie von selbst. Das Publikum jedenfalls rastete wunderbar aus. Power, Spaß und gar nicht dumm, denn es ging teilweise recht politisch zur Sache und auch Gender-Thematiken wurden nicht ausgespart. Über allem hüpfte, schwitze, wandt sich aber der Sänger. Stürzte sich ins Publikum und wenn mal ein Song total verkackt wurde, dann war das höchst sympathisch und eigentlich nur ein Ausdruck der großen Euphorie. Schön, dass die Band auch CDs feilbot. Eine habe ich mir gleich mal gesichert.

Daanch endlich zu RHONDA. Blöderweise hätte der Bruch zwischen der Power von "Alltag" und den stimmungsvoll-melancholischen Balladen von RHONDA nicht größer sein können. Im Vergleich zur erste CD (die ich oft gehört habe), schienen Rhonda das Tempo bei der (mir bislang unbekannten) zweiten Scheibe noch einmal gedrosselt zu haben. Musikalisch perfekt und Sängerin Milo hat eine sehr kraftvolle, einschmeichelnde Stimme. Aber irgendwie musste man sich doch gewaltig umstellen, was bei den langsamen Liedern schwer fiel. Meine Begleitung war jedenfalls nur am Meckern, dass das doch gar nicht passt und man sich sowas vielleicht Zuhause, aber doch nicht auf der Breminale anhören könne. Dem möchte ich heftigst widersprechen, liess mich dann aber nach vier-fünf Songs weiterziehen. Schweren Herzens. Andererseits - so richtig war ich jetzt auch nicht reingekomen, was u.a. daran lag, dass die Bühne sehr flach, Milo SEHR klein und die vielen Leute vor mir SEHR groß waren.

Also zurück und wieder am Dreimeterbrett vorbei, wo gerade POLIZEI spielten. Deren Entscheidung nicht AUF sondern VOR der Bühne zu spielen fand ich etwas merkwürdig. Auch weil die dreiköpfige Band ziemlich über ihre Instrumente (Synthizier, Electro-Drums und E-Bass) gekrümmt waren. Gespielt wurde Musik, die mich sowohl an Prog-Sachen wie Alan Parsons; Emmerson,Lake und Palmer, immer wieder Italo-Endzeit/SF-Filme der frühen 80er und frühen Techno erinnerten. Eine sehr reizvolle, energiereich treibende und ins Blut gehende Mischung. Gefiel mir sehr gut und könnte ich mir auch bei einem Label wie Cineploit vorstellen ;) Allein der Drummer, der wie eine Mischung aus Das Tier und einem Duracell-Hasen mit neonglühenden Sticks auf seine Drums eindrosch war es wert, hier länger zu verweilen.

Dann ging es weiter durch die Nacht. Ich konnte meine Begleitung noch von einem Techno-DJ wegziehen und bei der Santana-Coverband war Gottseidank gerade Schluss (sonst hätte ich da länger stehen müssen. Das Prnzip von Coverbands, die das Original Ton-für-Ton nachspielen und damit durch die Lande ziehen erschließt sich mir eh nicht so wirklich). Am Ende landeten wir bei einem jungen Londoner mit dem (wie ich finde unglücklichen Namen) L.A. SALAMI. Den hatte ich auch auf meiner Liste und im Vorfeld mein reingehört. Der macht Soul-Funk, mal weich mal mit Rock-Elementen. Was ich hörte schwankte zwischen genial (dann aber wirklich) und na ja. Auf der Flut-Bühne ging es dann aber gehörig ab, denn der Soul wurde hintenangestellt und dafür ein mächtiges Rock-Brett gefahren, dass einem die Ohren wegflogen. Fand ich super, auch wenn die durchaus komplexen Songstrukturen nicht sofort ins Ohr gingen. Würde ich mal irgendwo bei "Bloc Party" einordnen, hier nur härter. Aber hatte man sich erst einmal eingehört, war das alles richtig, richtig gut. Dachte ich zumindest, bis ich von der Seite hörte "Wollen wir weiter?". Da klappte mir erst einmal die Kinnlade runter. Ich schlug noch zwei Songs heraus, aber als Herr Mettwurst dann die Akkustische ergriff, hatte ich kein Argument mehr in petto und ich wollte mich jetzt auch nicht auf die Hinterbeine stellen und bocken. Immerhin hatte ich fünf Songs mitbekommen. Ausserhalb des Zelts stellte ich dann aber fest, dass der Aufbruch jetzt ganz gut war, da so die Chance bestand noch eine Nachtlinie zu bekommen. So ging es dann um 1:00 Uhr nach Hause und das war dann auch okay.

Insgesamt: Trotz widriger Umstände und geringer Erwartung ein gelungener Abend.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 30. Jul 2018, 15:46

Arkadin hat geschrieben:Dann ging es weiter durch die Nacht. Ich konnte meine Begleitung noch von einem Techno-DJ wegziehen und bei der Santana-Coverband war Gottseidank gerade Schluss (sonst hätte ich da länger stehen müssen. Das Prnzip von Coverbands, die das Original Ton-für-Ton nachspielen und damit durch die Lande ziehen erschließt sich mir eh nicht so wirklich).


Naja, bei Interpreten, die sonst nur selten bis gar nicht oder wenn, dann nur auf riesigen Kommerzbühnen zu sehen sind, kann so'ne Coverband schon sehr viel Spaß machen. Mein Tipp: 'ne fähige AC/DC-Coverband in 'nem kleinen Club - Partyalarm!

Arkadin hat geschrieben:Am Ende landeten wir bei einem jungen Londoner mit dem (wie ich finde unglücklichen Namen) L.A. SALAMI.

Wat 'ne Wurst :kicher:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 13. Aug 2018, 09:35

11.August 2018
Schaulust
Viererpack: KRÄLFE, TERRA FLOP, STEAKKNIFE, SNOB CLUB

E lud ein: Das alte Wehrchloß-Konzertteam. Das Wehrschloß war ein Jugend - und Kulturzentrum, das or einigen Jahren von der Stadt ob der guten Lage direkt an der Weser für ein Taschengeld verschleudert wurde, und in dem jetzt ein Bayernstyle Biergarten ist, in dem die armen Serviererinnen in Dirnds herumlaufen müssen.
Das treibt mir ja dauernd die Tränen in die Augen, weil ich dort viele viele groß Konzerte sah. Das Wehrschloß hatte eine Konzertgruppe, die sehr gut vernetzt war und unglaubliche Künstler dorthin holte.
U. a. viel amerikanisches aus der Noise Rock Ecke: Stichwort Amphetamin Reptile. Das ging bei mir auch durchgehend!
Im Keller probten Bands, am bekanntesten wohl die Noiser vom Party Diktator und personenüberschneidenden Projekten wie Saprize.... Und die haben anscheinend wieder Lust, Konzerte zu machen und starten eine Reihe in der Schaulust. In zwei der vier Bands am Abend waren dann auch Party Diktatoren....
Ich selbst war vorher bei bestem Wetter um die Ecke in Bremen schönstem Stadion beim Lottopokalspiel Bremer SV (Serienmeister) gegen Brinkumer SV (Aktueller Meister) und feierte ein sehr schönes 3zu0.
Pünktlich um acht sollte das Konzert anfangen, um 20:20 Uhr machte ich mich auf den Weg, um kurz or dem Ziel eine Viertelstunde an heruntergelassenen Bahnschranken zu stehen, in Sichtweise zum Konzert....
Angekommen spielte schon die erste Band (die Punker heutzutage fangen doch pünktlich an) KRÄLFTE, zwei Personen, Schlagzeug und Bass, kein Gesang. DIe beiden entwickelten ein unheimlichen Druck und der Bassist holte einiges aus einem Instrument, mit vielen Effektgeräten behaftet war er Bassist, Rhythmus- und Sologitarrist glichzeitig. Und ich habe noch nie eine so gut gelaunte Schlagzeugerin gesehen. Immer an lächeln bei ihren hartem und komplziertem Spiel. Die Berliner hauten mich um, toll.
Dann Terra Flop aus dem Party Diktator Umfeld, die ich schon mal live sah, und nur so mäßig begeistert war. An diesem Abend viel besser. Hier eher im traditionellen alten Noise Rock AmRep-Stil viel Gitarre (obwohl nur zu dritt) laut, schnell, schräger Sprechgesanggeschrei. Und es funtkionierte sehr gut. DIe Stimmung war auch toll, viele viele Bekannte von den alten Wehrschloss Zeiten, ausgelassen, günstig Bier! Gute, diesmal eher kurze Song von Terra Flop ballerten ordentlich durch.
Dann die fünf HCirigen von Steakknife. Schneller heftiger PUNK im Dead Kennedeys Minor Threat Style, also an dem Abend die andere Band, viele waren auch für die da. Lee Hollis, auch schon älter, gab wieder alles, prima Sänger, gute alte und tolle neue Songs!
Dann die Veranstalter von SNOB CLUB, die nur alle paar Jahre auftreten, da einer von denen in Australien weilt, und ihre SplitLP mit Terra Flop mitbrachten. Und auch die machten unheimlichen Druck: Am Schlagzeug der wohl härteste und versierteste Drummer (mindestens) Bremen, Bass (Gitarrist von TF) und Gitarre pielten zusammen und gegeneinande rund es war unglaublich, auch das blies mich um. Gesanglos mit sehr sehr tollen Songs! Was für verrückte und der Gitarrist war wirklich weird unterwegs. Hach.
Nur der lange Tag und meine Kondition zollten Tribut. Um kurz vor 1, zur ersten Zugabe besuchte ich den Verkaufsstand, nahm von jeder Band was mit, hoffte (erfolgreich) auf eine offene Schranke, und fuhr beseelt nach Hause.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Onkel Joe » 13. Aug 2018, 11:12

Lucille Crew am 23.07. in der Brotfabrik
Eine interessante Band aus Israel mit einem schwarzen Frontman, einer hübschen Sängerin plus zwei Jungs mit Balkan Gebläse, nem Schlagzeuger und nem Gitarren Hero. Irgendwie ein bisschen 90er Massive Attack und das ganze mit ordentlich Balkan Beat gemixt. Sehr locker das ganze, ordentlich viel Sound und einigen Songs die im Ohr bleiben. Empfehlung!
Bild
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 28. Aug 2018, 19:18

26.-28.07.2018, Brande-Hörnerkirchen:
HEADBANGERS OPEN AIR


Auf ‘nem zünftigen Metal-Open-Air-Festival war ich seit 2016 nicht mehr gewesen und so langsam hatte mein Körper mal wieder nach einem verlangt. Vom Headbangers Open Air irgendwo auf’m Dörben hinter Elmshorn (im Garten des Organisators) hatte ich bisher nur Gutes gehört, zudem ist’s gewissermaßen gleich umme Ecke. Nach Rücksprache mit der besseren Hälfte also frühzeitig die Tickets gesichert, ein Zimmer reserviert (Zelten ertrage ich nicht mehr) und schließlich am Donnerstag, dem 26.07. unter die abgeranzten Kutten, stolz präsentierten Bierbäuche und das Spandex-und-Schnurri-Revival gemischt, um mir ‘ne Überdosis Schwermetall zu injizieren. Da ich zumindest über Kutte und Plauze selbst verfüge, sollte ich auch nicht negativ auffallen. Zunächst hieß es aber, erst mal anzukommen, und das war dank unserer Verpeiltheit gar nicht so trivial: Wir verspäteten uns bei unseren Gastgebern, nicht jedoch etwa aufgrund der Signalstörung, die auf diesem Streckenabschnitt, wie später die Rückfahrt zeigen sollte, offenbar eher die Regel denn die Ausnahme ist: Nachdem wir in Altona in die Regionalbahn gestiegen waren, hatten wir uns in unsere Lektüren vertieft und glatt den Ausstieg in Elmshorn verpasst – wer kann denn auch ahnen, dass die Bahn plötzlich so flink ist?! Also nächste Station raus, die Vermieter in Kenntnis gesetzt und dasselbe Stück wieder zurückgefahren… Unsere Gastgeber indes erwiesen sich als so cool, uns kurzerhand am Bahnhof Osterhorn mit dem Auto abzuholen, sodass wir einiges an Zeit wieder gutmachten. In der komfortablen Unterkunft also aufgrund der Affenhitze kräftig eingeschmiert, Tascheninhalte aus- und umsortiert und per Taxi zum ca. 5 km entfernten Festivalgelände.

Tag 1: Lost in Necropolis

Da es am Eröffnungstag erst um 16:00 Uhr losging, lagen wir perfekt in der Zeit. Kurze Stärkung an der Fischbrötchenbude (deren Verkäuferin nebenbei ihre aufgrund der Hitze kollabierte Mutter versorgen musste), die ersten Freunde und Bekannten aus der HH-Metal-Szene begrüßt und einen groben Überblick übers Gelände verschafft – jo, is’n gemütliches, fast schon familiäres Festival mit Besucherzahlen im unteren vierstelligen Bereich und fairen Preisen! Den Opener machten die postapokalyptischen Power-Metaller SHADOWBANE aus Hamburg, die für die Speedsters von VULTURE eingesprungen waren, welche leider hatten absagen müssen. Scheiße, ist’s wirklich schon mehr als fünf Jahre her, dass ich SHADOWBANE zuletzt gesehen hatte?! Damals, im Bambi, als Support für BLAZE BAYLEY… Mit ihren Show-Einlagen erwiesen sie sich jedenfalls als die perfekte Vorhut: Typen in ABC-Schutzanzügen (bei der Hitze…) betraten fahnenschwenkend die Bühne, hatten radioaktivgrünen Schnaps in Reagenzgläsern dabei, den sie der Band einflößten, und standen ansonsten postapokalyptisch am Bühnenrand herum. Die Band zockte derweil ihren flotten, manchmal leicht thrashigen, immer vollkommen unpeinlichen, sich dem „Happy Metal“ verweigernden Power Metal, hatte Synchronposen wie einstmals ACCEPT einstudiert, und Dieter Bohlen am Mikro überzeugte mit kräftigem Klargesang. Ein gelungener Einstieg ins Festival, zu dem die regionale Spezialität „Kirschbier“ gut mundete.

SPEED QUEEN aus Belgien ist keine amphetaminabhängige Monarchin, sondern eine belgische Speed-Metal-Hoffnung, deren im letzten Jahr veröffentlichte Mini-LP gut eingeschlagen hat. Dass der Sänger mal nicht in den höchsten Tonlagen quäkt, ist ‘ne willkommene Abwechslung zu anderen Speed-Bands. Live ließen sie’s hier ebenfalls gut krachen: Auf zweimal Hochgeschwindigkeit folgte eine Boogie-Nummer „for the girls“, wie man das Publikum wissen ließ. Dann wurde das Gaspedal wieder durchgetreten. Die Songs des Vinyls wurden mit einem sehr geilen Instrumental sowie den Coverversionen „Nice Boys Don’t Play Rock’n’Roll“ (ROSE TATTOO) und „Doctor Doctor“ (UFO) angereichert, der Stimmungspegel blieb stets gleichbleibend hoch. Neben „Kids of Rock'N Roll“ hatte es mir besonders „Fly High“ angetan und der letzte Song „Stay Drunk“ wurde mit einer der lässigsten Ansagen des Festivals angekündigt: „Stay sexy, stay drunk!“ Logen, Digger!

Wir blieben im Tempo: Die Überzeugungstäter SEAX aus Massachusetts haben seit 2012 alle zwei Jahre ein Album veröffentlicht und sich mit Haut und Haaren dem Speed Metal verschrieben, erweitert um eine gewisse HC-Punk-Kante. One, two, three, four, gib ihm! Sänger und Schönlingsblondchen Carmine kreischt dazu in den höchsten Tönen, das Background-Shouting setzt die nötigen Kontraste dazu. Ist mir persönlich manchmal bischn zu „drüber“; gern weniger Gekreische und mehr Hooks in den Riffs. Ihre Hits hat die Band aber zweifelsohne („Livin‘ Above the Law“, „Speed Metal Mania“, „Fall to the Hammer“) und live lief mir an diesem Nachmittag „Nuclear Overdose“ am besten rein – Knaller!

Den Drummer und den Gitarristen teilen sich SEAX mit ihren Nachbarn RAVAGE, die seit 1995 im Underground herumrödeln und seit einiger Zeit auf Metal Blade auch richtige Studioalben veröffentlichen. Allein schon wegen ihrer geilen Plattencover will ich sie eigentlich mögen: Auf „Return of the Spectral Rider“ schießt ein Mutant auf einem Endzeitmotorrad und mit einem Riesenhammer bewaffnet aus Castle Grayskull heraus – ich mein‘, wie geil ist das denn?! Hat aus der Konserve nur leider bisher nicht so geklappt, das Abfeiern, und auch live wähne ich mich erst mal im falschen Film: Der Sänger erweist sich als hinterletzter Poser, der, die Matte streng zurückgekämmt, zum Zopf zusammengebunden und mit Sonnenbrille auf dem Zinken, kaugummikauend (!!!) sein Set absolviert. Er wäre wohl gern ein großer klassischer Metal-Sänger, hat dafür aber einen viel zu geringen Stimmumfang. Musikalisch mäandert man irgendwo zwischen Heavy, Speed und Thrash, doch wo sind die erhabenen Melodien, wo die Killerrefrains? Den Rest gibt den belanglosen Kompositionen dann meist besagter Sänger, der stimmlich durch die Songs eiert und ständige „Wohohos“ und „Yeahyeahyeahs“ unterbringt, bis irgendwann fast alles danach klingt – auch wenn er ganz etwas anderes singt. Ich hatte die Band schon abgeschrieben, als sie plötzlich für zwei Songs mächtig Gummi gab, was zumindest musikalisch arschtrat. Und gegen Ende dann endlich der Hit der Band, bei dem sich der Sänger darauf besinnt, einfach giftig zu keifen: „The Shredder“! Eine astreine Thrash-Nummer, die für einiges entschädigte. Würden RAVAGE so oder so ähnlich dauerhaft klingen, wäre ich der Erste, der sich eines ihres Grayskull-Shirts holt – versprochen!

Der schwedische Multiinstrumentalist und Band-Tausendsassa Cederick Forsberg hat einen Narren an den ollen Hamburger Metal-Piraten RUNNING WILD gefressen und ein nach einem deren Alben BLAZON STONE benanntes Projekt gegründet, um möglichst genauso zu klingen. Die einen nennen’s Plagiat, die anderen Hommage, mir war’s bisher reichlich wumpe. Nun hat Ced eine Liveband zusammengestellt und seinem Bruder Erik das Mikro in die Hand gedrückt, der auch auf den letzten Alben gesungen hat. Optisch hat Rock’n’Rolf mit seiner Pudelfrise schon mal bischn wat mehr hergemacht als der untersetzte, kurzhaarige Moppel. Auch hat Rolf eine etwas dunklere, tiefere Stimme. Dafür scheinen BLAZON STONE aber tatsächlich die besseren RUNNING-WILD-Songs als Angelo Sassos Cheffe zu schreiben, zumindest zu bestimmten, hoffentlich überwundenen Phasen. Die fetten Chöre, die zwingend dazugehören, kamen aus der Konserve, was ich ziemlich daneben finde: Only live is live. Nichtsdestotrotz hat Ced sehr ordentliche Gitarrenarbeit geleistet, wovor ich meinen Piratenhut ziehe. Manch flott gezocktes Double-Lead versetzte dann auch wirklich in Verzückung. Auf „Branded and Exiled“ habe ich trotzdem vergeblich gewartet…

Dass es der letzte MANILLA-ROAD-Auftritt werden würde, hatte niemand geahnt. Umso glücklicher bin ich, diesem beigewohnt zu haben – schließlich war es nicht nur mein letzter, sondern auch mein erster! Aus Epic Metal mache ich mir normalerweise nicht viel. Klar haben z.B. MANOWAR ihre Hits wie „Black Wind, Fire and Steel“, aber ansonsten hat sich mir diese Band genauso wenig erschlossen wie weniger populäre Bands dieses Subgenres. IRON MAIDEN sind für mich episch, nicht aber Bands, die sich selbst diesen Stempel aufdrücken und überflüssiges Fantasy-Zeug singen. Dass die so lange vom Gros der Szene verkannten, im Untergrund stets als Geheimtipp gehandelten MANILLA ROAD aber irgendwie anders sind, hatte ich bereits während meiner ersten Phase der Beschäftigung mit ihnen erkannt. Diese liegt noch nicht lange zurück, beschränkte sich auf die zum Kult erkorenen ‘80er-Alben und förderte deren offensichtlichste Hits zutage. Einer dieser Ohrwürmer ist „Divine Victim“, zu dem wir mit leichter Verspätung zu diesem Gig stießen. Die Band um Subgenre-Mitbegründer und kauziges Urgestein Mark „The Shark“ Shelton, seit den 2000ern verstärkt um Sänger Bryan Patrick, spielte ein Co-Headliner-Set, das mich in seinen Bann zog. Shelton schien völlig in seiner eigenen Welt zu sein, einer Welt, die er mit seinem Gitarrenspiel erschuf und an der er das Publikum teilhaben ließ. Viele Stücke klangen sehr getragen, aber auch sehr wuchtig, einnehmend. Sie versetzten einen beinahe in eine Art Trance-Zustand, wenn man sich auf sie einließ. Zwischendurch verstummten seine Mitmusiker für ein Gitarrensolo Marks, obwohl bei einigen Stücken ohnehin auf jede Strophe ein Gitarrensolo folgte. Fasziniert beobachtete ich diesen alten Mann mit seiner Gitarre und was er alles mit ihr anstellte, welche Klänge er ihr entlockte. Die meisten Songs wurden von Bryan Patrick mit seiner dunklen, sonoren Stimme gesungen, andere teilte er sich mit Mark. Eine tolle Halbballade vom aktuellen Album wurde hauptsächlich von Mark gesungen, bei „Necropolis“ übernahm er die Strophen. Zum Höhepunkt des Sets avancierte „Crystal Logic“ in einer unfassbar geilen Version mit massiver Publikumsunterstützung, bei der man Gänsehaut bekam. Ohne Zugabe ließ man die Band nicht zurück auf die Straße und so beschallte noch der krönende Abschluss „Heavy Metal To The World“ das Gelände. Während dieses Auftritts hatte es endgültig bei mir Klick gemacht und ich begab mich zusammen mit vielen anderen Freaks auf die lange, staubige MANILLA ROAD, die mich demnächst zum Plattenladen führen wird.

Die seit 2012 wiedervereinten Schweden MORGANA LEFAY konnten das natürlich nicht mehr toppen. Ich habe mir aus dieser Band nie etwas gemacht und das sollte sich auch an diesem Abend nicht ändern. Für meine Ohren stinklangweiliger ‘90er-Groove-Metal zum Abgewöhnen. Nee, so gar nicht mein Ding. Doch nicht nur meine Freundin, auch große Teile der Headbanger-Fraktion empfanden das anders und hatten viel Spaß mit dem Gig. Es sei ihnen gegönnt. Nach erneutem Intro-Brimborium folgte nicht nur eine Zugabe, sondern derer drei. Uff.

Danach war’s dann stockduster, aber irgendwie immer noch nicht kälter, die Hitze stand in der Atmosphäre und wollte nicht weichen. Da wir bereits mit dem Taxi angefahren waren, wollten wir das nicht einreißen lassen und begaben uns auf einen nächtlichen Spaziergang zurück zu unserer Unterkunft, vorbei an riesigen Maisfeldern. Dass Mark Shelton zu dieser Zeit um sein Leben kämpfte oder es gar bereits verloren hatte, wussten wir noch nicht.

Tag 2: Rock’n’Roll Crazy Night

Erst mal war auspennen angesagt… Motiviert machten wir uns schließlich erneut zu Fuß auf den Weg zum Festivalgelände durch Dorfstraßen, in denen die wenigen Einheimischen freundlich grüßen und auch der Betreiber des örtlichen Edeka-Markts jeden Kunden persönlich bemoint. Für uns hat sich der gute Herr Boost dann sogar noch persönlich dafür eingesetzt, dass wir an der Käsetheke frisch geschmierte Frühstücksbrötchen bekommen, die wir auf dem Weg verzehrten. PSYCHOPRISM, die erste Band des Tages, ließen wir PSYCHOPRISM sein und als wir langsam aber sicher in Hörweite zum Festival gerieten, hörten wir die Texaner SYRUS zunächst beim Soundcheck und schließlich während ihrer ersten Stücke inkl. über die Felder dringenden Falsettgesangs. Im Biergarten dann erst mal ‘ne Cola gekippt und eine gedampft; anschließend ging’s vor die Bühne, um den restlichen SYRUS-Songs beizuwohnen: Progressiver US-Metal, den ich, um ihn richtig beurteilen zu können, mir mal in Ruhe anhören müsste – wobei ich mich mit diesem Stil schwertue, Ausnahmen (QUEENSRŸCHE – Operation: Mindcrime!) bestätigen die Regel. SYRUS existieren anscheinend bereits seit 1983, haben aber erst letztes Jahr ihr Debüt-Album veröffentlicht. Der Sänger fischt in den höchsten Tonsphären und seine Band gniedelt sich dazu gut einen ab. Sie wähnten sich, wie aus den Ansagen hervorging, übrigens in Hamburg – klar, die Elbmetropole ist bekannt für ihre Kuhweiden, Äcker und Getreidefelder sowie ihre Heavy-Metal-Gartenpartys! ;)

Als wir uns in der Umbaupause zum Camp unserer Bekannten begaben, erfuhren wir das Unfassbare: Mark Shelton hatte nach seinem Auftritt einen Herzinfarkt erlitten und war kurz darauf im Krankenhaus gestorben. Vor unserer Ankunft hatte die Festivalleitung offenbar eine entsprechende Bekanntgabe gemacht und an diversen Verkaufstresen Spendenboxen für die Überführung der sterblichen Überreste des mit seiner Musik unsterblich gewordenen Mannes aufgestellt. Was dieser Tod bedeutet, wird mir erst im Laufe des Tages so richtig bewusst, zunächst klingt das für mich einfach nur ziemlich irreal. Überrascht war ich auch, dass er erst 60 war, denn er sah doch deutlich älter aus. Welch ein Verlust für die Musikwelt im Allgemeinen und die Metal-Szene im Speziellen. Rest in Power, Mark, and thank you for the music…

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Auf der Bühne blieb’s US-metallisch, ANCIENT EMPIRE buhlten nun um unsere Gunst, eine noch relativ junge, jedoch von erfahrenen Musikern betriebene Band aus Kalifornien mit Silent Bob am Gesang. Dieser sang größtenteils in normaler Tonlage, was ich ganz angenehm fand, musikalisch wollte der Funke aber nicht auf mich überspringen, ich fand die Songs eher öde. Eine Ausnahme war „Other World“, den ich mir gleich mal notiert hatte: Ordentlich Dampf und ein Killerrefrain, der besonders live bestens zur Geltung kam. Ihren Auftritt beschloss die Band mit dem Instrumentalstück „Bound to Fail“ von ACCEPT – war das als Hommage gedacht oder habt ihr dafür echt nix eigenes?

In der folgenden Umbaupause verpassten wir anscheinend eine Ansprache des ehemaligen RUNNING-WILD-Gitarristen Preacher mit anschließender Gedenkminute zu Ehren Mark Sheltons, die spontan anberaumt worden war. Zu TRANCE fanden wir uns aber wieder vor der Bühne ein. Die Rheinland-Pfälzer, gegründet 1977 (!), gibt’s ja wie so viele alte Recken nun auch wieder. Eigentlich sitzt der deutsche MANILLA-ROAD-Drummer Neudi auch dort hinter der Schießbude, wurde aus verständlichen Gründen jedoch von Ur-Drummer Jürgen Baum ersetzt. Schön, dass das angesichts der beschissenen Situationen so schnell und anscheinend unkompliziert geklappt hat. TRANCE haben sich mit einem Jungspund am Gesang verstärkt, Nick Hollemann ist ein ziemlicher Springinsfeld und gut bei Stimme. Ein paar durchaus gefällige Melodien gaben sich mit doofem Hardrock-Gestampfe die Klinke in die Hand. „We are the Revolution“ wurde per Mitsingspielchen ausgedehnt, eine Halbballade klang ganz geil und bei „Break the Chains“ sprang Hollemann im Fotograben herum, um der ersten Reihe das Mikro hinzuhalten. Etwas später verstand ich dann auch das Glasflaschenverbot: Bei Hollemanns hohem C wären die alle gesprungen.

Bereits seit Anfang der 1980er sind auch die Schweden DESTINY aktiv, allerdings mit einigen längeren Unterbrechungen. Sie haben sich um einen Jüngling am Gesang verstärkt, der mich optisch, bis auf die Frisur, an irgendwen erinnerte – war’s der junge Joey Tempest (EUROPE)? Der Heavy/Power Metal des Quintetts war technisch gut, songschreiberisch jedoch schwach und mir insgesamt zu verhalten. Erst gegen Ende gelang es ihnen, sich langsam meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu erspielen: Der vorletzte Song schien mir der „härteste“ zu sein, dem konnte ich noch am ehesten etwas abgewinnen. Und auch die letzte, auf Schwedisch gesungene Nummer für die Crew lief ganz gut rein.

SORCERER sparten wir uns, denn es handelte sich leider nicht um die (hörenswerten) argentinischen Power-Metaler, von denen einer mit seiner Freundin vor Ort war und fleißig Flyer für die Debüt-EP verteilte, sondern um die schwedischen „Epic-Doomer“ – und für mich gibt es kaum eine überflüssigere Metal-Spielart als diese: Lahmarschig geschrubbte Riffs zu Opern-Geträller – nee, danke. Die Zeit nutzten wir u.a., um noch mal in aller Ruhe die Verkaufsstände zu inspizieren, wobei ich einer meiner Lieblingsaktivitäten nachgehen konnte: dem Kauf von Aufnähern. Auch manch Klönschnack mit bekannten Gesichtern war nun drin. Zu den alten Hasen von TKO waren wir aber wieder am Start: Sänger Brad Sinsel hat einige verdiente Mucker von Bands wie FIFTH ANGEL und Q5 um sich geschart und präsentiert seinen sleazigen US-Hardrock/-Metal einem interessierten Publikum, das mit den drei Alben aus den Jahren 1979 (!), 1984 und 1986 vertraut sein dürfte. Ich war’s weniger, denn so ganz mein Stiefel ist das nun nicht. In erster Linie sind mir TKO aufgrund ihres geschmacklosen Frauenwegklopp-Covers der ‘84er LP in Erinnerung geblieben. Live machten sie nun jedenfalls gut Alarm, spielten technisch versiert und sololastig. Mitsingkompatible Refrains wurden von der Anhängerschaft frenetisch mitgebrüllt und die Metalfists dazu geraist. Der erste Block an ungestümeren Songs wurde von einer pathetischen, aber nicht üblen Ballade abgelöst, später bescherte ein Angeber-Gitarrensolo (inkl. schräger Version der „Ode an die Freude“) den anderen Bandmitgliedern eine verdiente Pause. Auf einige hardrockigere Stücke folgte ‘ne weitere Ballade. Schade allerdings, dass Brads Gesang nicht lautergedreht wurde, als er konditionell etwas an Stimmkraft einbüßte. Saß der ansonsten einen guten Job machende Mischer da auf seinen Ohren? Brad schien das zu bemerken und gegenanzubrüllen zu versuchen, was ihm zwischenzeitlich ‘ne hochrote Rübe und mir die Sorge bereitete, dass hier bald der nächste Senior umkippt – was zum Glück ausblieb. Dennoch: Hier hätte ich mir mehr Sensibilität seitens des P.A.-Menschen gewünscht. Insgesamt ‘ne unterhaltsame Show mit einem sich wacker schlagenden Shouter vom alten Schlag, für die man jedoch gut und gerne auf das totgenudelte „Born to be Wild“-Cover hätte verzichten können.

Nun war’s aber Zeit für mein erstes Highlight des Tages und die Band, auf die ich mich im Vorfeld mit am meisten gefreut hatte: Endlich mal wieder TANKARD live! Das Innengelände füllte sich radikal und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, eröffneten die Frankfurter Kampftrinker mit dem Titelsong ihres neuen Albums, „One Foot in the Grave“! Klassiker wie „The Morning After“ und „Zombie Attack“ ließen die Thrasher im Pit komplett durchdrehen, Dreck und Staub wurden aufgewirbelt, Körper knallten aufeinander, Brillen barsten. Jüngeres bzw. nicht ganz so altes Material wie „Not One Day Dead (But Mad One Day)“, „Rapid Fire“ oder „Minds on the Moon“ stand dem kaum nach und bewies, dass TANKARD auch heute Wert darauf legten, möglichst viele Phasen ihrer extrem umfangreichen Diskografie abzudecken. Das live immer schön groovende „Rules for Fools“ wurde als Disconummer angekündigt, „Rectifier“ als Ballade, bei „R.I.B. (Rest in Beer)“ ließ sich bestens mitgrölen, „Chemical Invasion“ legte die Geschwindigkeitslatte wieder verdammt hoch und für „A Girl Called Cerveza“ bildete sich ein amtlicher Circle Pit. Gerre rannte mit den gewohnten Hummeln im Arsch über die Bühne, machte Faxen, tanzte mit einer blonden Dame und kloppte das Mikro auf seine Fleischschürze. Seine witzigen Ansagen wurden lediglich einmal ernst, als es um Sheltons Tod ging und er das Publikum bat, sich an der Spendenaktion zu beteiligen. Mit „Freibier“ und „(Empty) Tankard“ zum Ende ging man auf Nummer sicher und irgendwann im Laufe des Gigs hatte sich auch der anfänglich leider alles andere als optimale Sound eingepegelt. Toller, schweißtreibender Auftritt der ewig jungen Frankfurter, die in dieser Besetzung nun auch schon gefühlt ewig zusammenspielen und ein ums andere Mal beweisen, welch klasse Liveband sie sind.

LOUDNESS hatten bereits im letzten Jahr das Headbangers Open Air beehrt – mir egal, ich war ja nicht da. Außerdem spielten sie diesmal ein spezielles, um nur wenige aktuelle Songs erweitertes Set aus den Alben „The Law of Devil's Land“ (1983) und „Disillusion“ (1984). Ich muss zugeben, LOUDNESS immer ein bisschen vernachlässigt zu haben. Mit dem Œuvre der Japaner bin ich kaum vertraut und live gesehen hatte ich sie bisher schon gar nicht. Mit einem unheimlich guten, druckvollen Sound nahmen sie mich jedoch sofort gefangen. So verzichtete ich auf das Blutmond-Schauspiel (eine seltene Mondfinsternis wäre zu beobachten gewesen, wäre man irgendwo aufs weite Feld gelaufen – vom Festivalgelände war nichts zu sehen) und beschloss, mir davon am nächsten Tag Fotos anzusehen, um den ebenso unwiederbringlichen, jedoch vermutlich nicht konservierten LOUDNESS-Gig zu genießen. Deren pervers guter Gitarrist Akira Tagasaki, Sänger Minoru Niihara mit seiner leicht heiseren Stimme und die Rhythmussektion inkl. eines Ersatzdrummers lieferten nicht einfach nur ab, sondern erzeugten eine regelrecht magische Stimmung, in der sich mir die Atmosphäre ihrer klassischen und doch exotischen Songs erschloss und mich so bald nicht mehr losließ. Das klang alles knackfrisch und nach großem Metal-Entertainment mit emotionalem Tiefgang. Die HOA-Gäste waren trotz vorgerückter Stunde und TANKARD-Gig in den Knochen bester Dinge und hielten die Stimmung permanent weit oben, die ihren Zenit bei „Rock’n’Roll Crazy Night“ erreicht gehabt haben dürfte. Gegen Ende wurde mit „Go For Broke“ ein Stück vom neuen Album gezockt, im Anschluss folgte der erste und einzige schwache Song (der Titel ist mir entfallen). „The Sun Will Rise Again“ aus dem Jahre 2014 (vom 26. (!) Studioalbum) wurde Mark Shelton gewidmet und zum Abschluss gab’s noch mal einen superben Uptempo-Kracher mit langgezogenem Outro auf die Löffel. Als Rausschmeißer aus dem Off erklang „Lo Chiamavano Trinita“ aus dem Spencer/Hill-Klopper „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, zu diesen Klängen verließ ich völlig geflasht und schwer begeistert das Areal. Das war groß, LOUDNESS! Gäb’s von diesem Gig ein Live-Album – ich würd’s kaufen.

Zurück in unsere Pension ging’s diesmal per Taxi…

Tag 3: Weniger schwätze, mehr singe

…dafür am nächsten Vormittag wieder zu Fuß aufs Gelände, natürlich nicht ohne Frühstücksschlenker zum Edeka. Die Band, die bereits um 11:00 Uhr auf dem Zeltplatz ein Coverset zockte, war damit einfach zu früh für uns dran, ebenso EXISTANCE aus dem Land der Franzosen. Zu MILLENNIUM jedoch trudelten wir ein. Die Briten haben sich der NWOBHM verschrieben und waren 1984 mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum selbst dabei. Dann folgte allerdings die Auflösung, seit der Reunion 2015 sind jedoch zwei weitere Alben erschienen. Das Quintett spielte erdigen, kräftigen, aber etwas hüftsteifen, meist im Midtempo verharrenden NWOBHM mit angenehm kehligem Gesang und einem totalen Jungspund an der Leadgitarre, der immer sehr konzentriert dreinblickte. Altes Material wurde mit neuerem gemischt, mir war’s aber häufig zu viel Midtempo-Gestampfe. Als nominell letzten Song zockte man den Titeltrack des jüngsten Albums „Awakening“ und ließ sich im Anschluss noch zu einer überraschenden Zugabe hinreißen: „Lies All Lies“ vom selben Album, einem doch ziemlich guten, inhaltlich medienkritischen Song (auch wenn mich so etwas heutzutage immer unweigerlich an das undifferenzierte „Lügenpresse“-Geplärre der Pegidioten erinnert, soweit ist’s schon gekommen...). Insgesamt ein netter Einstieg in den letzten Festivaltag.

Then we got hit by HITTEN – die Spanier hatte ich wie so vieles auf diesem Festival gar nicht auf dem Schirm, meine Süße jedoch hatte Bock auf die Iberer und war damit nicht allein: Die Meute empfing sie mit offenen Armen und Haaren, die Band wiederum die Meute mit offenen Hemden, klassischem Twin-Guitar-lastigem Metal an der Grenze zum Speed, also mit ordentlich Hummeln in der (nicht offenen) Hose. Sehr agil stratzte man über die Bretter, übte sich im synchronen Gitarrengepose und legte eine extreme Spielfreude an den Tag. Lachende und grinsende Musiker bestimmten das Bühnenbild, besonders der Basser schien voll in seinem Element. Der Sänger fischte nicht nur nach den höchsten Tönen, sondern traf diese auch mit betonter Lässigkeit. Wer auf die speedigen RIOT oder jüngere Bands wie ENFORCER & Co. steht, aber HITTEN noch nicht kennt, sollte dringend mal reinhören, was die Band seit Beginn des Jahrzehnts so veröffentlicht hat. Die letzten Schlaffalten haben sie uns jedenfalls mit Nachdruck weggebügelt. Ich werde beizeiten ihr bisheriges Schaffen mal in Ruhe goutieren.

Mein lieber Scholli: Die Briten WITCHFYNDE haben sich bereits 1973 gegründet, in den glorreichen ’80ern vier Alben veröffentlicht und sind seit ihrer Reunion 1999 wieder mit neuem Material am Start und hier und da live anzutreffen. Wir wurden Zeugen eines supersympathischen Auftritts: Luther Beltz, Sänger der Okkult-NWOBHMer wusste mit tollem Klargesang in normaler Stimmlage zu gefallen und sorgte mit Mimik, Gestik und Kostüm für ein bisschen Theatralik. Zudem gerierte sich die gesamte Band als perfekte Gentlemen, die ihr Publikum stets fest im Griff hatten. Die regste Publikumsbeteiligung dürfte bei der Halbballade „Leaving Nadir“ zu verzeichnen gewesen sein, wobei generell manch Refrain ausschließlich von den textsicheren Worshippern vor der Bühne gesungen wurde. Das Songmaterial bewegte sich zwischen den Polen „unverkennbarer NWOMBH-Vibe“ und „getragen britisch-doomig“ und hätte für meinen Geschmack dann und wann etwas mehr Pfeffer vertragen können, wurde jedoch auch nie belanglos oder langweilig. Die Band hat definitiv etwas – u.a. erwähnten Sänger, der kurioserweise einen auf die Bühne gefeuerten Pfandbecher nutzte, um sich sein Wässerchen hineinzufüllen und aus ihm zu trinken. Und gegen Ende süppelte er einfach jemandem aus dem Publikum das Bier weg und gab nicht mal den Pfandbecher zurück, sondern speiste den Durstigen mit einer Setlist ab... Dafür gab’s in der zweiten Sethälfte Wunschkonzertblöcke, in denen Songs auf Zuruf aus dem Publikum gespielt wurden – so auch die Zugabe „Conspiracy“, die der straffe Zeitplan der Band zugestand. Zwischendurch kam übrigens der Sicherheitsbeauftragte des Festivals auf die Bühne und gab (auf Deutsch und Englisch) eine Sturmwarnung durch. Metallisiert wie ich dieses Wochenende war, schoss mir sofort Rob Halfords schneidendes Organ durch den Kopf: „Storm Warning! But there’s no fear...“ Angst hatte ich tatsächlich keine. Das gesamte Festival über hatte das Höllenfeuerlicht erbarmungslos auf uns niedergebrannt und wäre der Bereich vor der Bühne nicht großzügig überdacht gewesen, hätte ich diese Zeilen nicht mehr schreiben können, sondern wäre als Häufchen Asche zusammen mit anderem Unrat irgendwann aus dem Garten gefegt worden. Tatsächlich passte das nun aufkommende Gewitter atmosphärisch perfekt zur Untermalung des WITCHFYNDE-Gigs, der vorher etwas unter dem guten Wetter an Wirkung eingebüßt hatte. So rückte man unterm Dach einfach eine Zeitlang näher zusammen und die Band dürfte den einen oder anderen Zuschauer mehr bekommen haben. Weniger erfreut waren indes so manche Camper, denen es die Zelte entheringt und unter Wasser gesetzt hatte. Ich weiß schon, warum ich partout nicht mehr zelte...

Die Ruhrpott-Thrasher DARKNESS, obwohl mit drei Alben in den ’80ern am Start, besetzten stets die zweite Reihe hinter den „Big Teutonic Four“ SODOM, DESTRUCTION, KREATOR und TANKARD, lösten sich Anfang der ’90er auf, kamen 2016 aber mit neuem Sänger und dem neuen Album „The Gasoline Solution“ zurück. In dezimierter Besetzung – der Bassist war leider ausgefallen – machte die Band um Gitarrist Meik (der mich optisch stark an Phil Kettner von LÄÄZ ROCKIT erinnerte) das Beste aus den widrigen Umständen und gab unter dem Motto „No more discussion!“ einfach Gas. Unter das ’80er-Material, von dem mein Favorit „Faded Pictures“ dem verstorbenen Sänger Olli gewidmet wurde und das mit „Staatsfeind“ meinen zweiten Alltime-DARKNESS-Höhepunkt enthielt, mischten sich Songs vom neuen Langdreher – und alles klang wie aus einem Guss. Wer den TANKARD-Pit halbwegs überstanden hatte, fand sich auch hier wieder moshend vor der Bühne ein und verausgabte sich nach allen Regeln der Kunst. „Burial at Sea“ wurde um ein Mitsingspielchen ergänzt, „Tinkerbell Must Die“, der Opener des aktuellen Albums, knallte unbarmherzig, der Klassiker „Iron Force“ hielt das Aggressionslevel und der junge „This Bullet Is For You“ stand dem in nichts nach. Meiks Stimme, die einzelne Textzeilen sang, bildete einen geilen Kontrast zu Leadsänger Lees tieferem Organ, welcher es sich übrigens nicht nehmen ließ, mitten im Set ein Selfie mit dem Drummer zu knipsen... Alles in allem ’ne schöne Abrissbirne staatsfeindlichen, auch textlich radikalen Aggro-Thrashs, der heutzutage unbedingt benötigt wird! Bin aufs nächste Album gespannt, das in den Startlöchern steht.

Auf dem Areal machte ein Besucher mit Rauch gefüllte Seifenblasen, die beim Platzen Rauchwolken von sich gaben, was es jeweils wie kleine Explosionen aussehen ließ – aber das nur am Rande. Bei METAL INQUISITOR, jener Koblenzer Institution zur Bewahrung des echten und wahren Metals seit 1998, war’s noch zu keinem Aha-Erlebnis gekommen, als ich mich mal durch einige Songs gehört hatte. Nun live mit ihnen konfrontiert, fiel mir auch wieder ein, weshalb: Unheimlich präziser Edelstahl, dem ein paar wirklich große, zu den flotten echtmetallischen Strophen passende Refrains gut zu Gesicht stünden. Technisch ist das nah an der Perfektion, aber mir fehlt die Magie. Dafür war Sänger El Rojo mit sehr viel Spaß bei der Sache, suchte auch immer wieder die Kommunikation mit dem Publikum, beschloss jedoch irgendwann: „Weniger schwätze, mehr singe!“ Nachdem er die Fans gebeten hatte, die Band trotz des dafür etwas ungeeinigten Bandnamens mehr anzufeuern („METAL INQUISITOR lässt sich natürlich nicht so gut brüllen wie „Priest!“, „Priest!“, „Priest!“), avancierte zum Running Gag, aus einer Vielzahl Kehlen „Priest!“, „Priest!“, „Priest!“ zu skandieren – genau mein Humor. Mit fortschreitender Spielzeit wurden die Songs meines Erachtens auch stärker. „Call The Banners“ entpuppte sich als veritabler Hit und auch „Daze Of Avalon“, das El Rojo von einem unheimlich heiseren, dennoch hysterisch den Titel brüllenden Fan in der ersten Reihe ansagen ließ, packte mich. So wurd’s eine nach hinten raus noch wirklich lohnende Angelegenheit.

Inquisitoren haben früher keinen Metal gespielt, sondern Mädels wie die von GIRLSCHOOL verfolgt. Diese sollte ich nun auch endlich mal live sehen, All-Girl-NWOBHM since 1978, bis auf Jackie Chambers an der zweiten Axt in Originalbesetzung! Mit „Demolition Boys“ und „C'mon Let's Go“ stiegen sie mit altbekannten Klassikern ein, wurden im Anschluss aber ein bisschen langweilig, als sie drohten, im Midtemposumpf zu versinken. Der MOTÖRHEAD-Tribut „Take It Like a Band“ vom 2015er-Album riss es dann jedoch wieder raus, das Ding ist im unverkennbaren Stil Lemmys & Co. geschrieben und komponiert und haut gut auf die Kacke. Je schneller GIRLSCHOOL spielen, desto besser gefallen sie mir, „Race With The Devil“ und „Emergency“ sind natürlich über jeden Zweifel erhaben. Auf dem Gelände war’s mittlerweile übrigens proppevoll und die Stimmung absolut großartig, was die Band mit „Take It All Away“ vom Debüt als Zugabe quittierte. Und ich wurde zwischendurch in ein nettes Spiel verwickelt: „Wie gut kennst du deine Kutte?“ Da tippt einem jemand von hinten auf einen Rückenaufnäher und man muss erraten, welcher es ist. Bei Maiden lag ich richtig, auf Cro-Mags kam ich aber nicht...

Auf ANVIL hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut, hatte ich ihre bisher einzige Show, auf der ich zugegen war (damals im Knust), doch als extrem unterhaltsam in Erinnerung. Das kanadische Trio um Sänger und Gitarrist Lips, dem der famose Dokumentarfilm „The Story of Anvil“ einen zweiten Frühling beschert hat, ist inzwischen natürlich weiter gealtert – schon seit 1981 spielt man im Metal-Zirkus mit –, jedoch glücklicherweise keinen Deut reifer geworden. Dies beweist Lips bereits beim ersten Song, dem Instrumental-Klassiker „March of the Crabs“: Der wieder eingesetzte Regen hatte die Leute eng unterm Vordach zusammengetrieben, Bewegungsfreiheit gab’s keine mehr. Trotzdem sprang er direkt ins Publikum, machte seine Ansage durch den Tonabnehmer seiner Klampfe und griff in die Saiten. Zurück auf der Bühne ging’s mit „666“ klassisch weiter, mit dem Feelgood-Rocker „Ooh Baby“ griff man sogar aufs Debütalbum zurück. „Badass Rock’n’Roll“ markierte das erste Stück neueren Datums und „Winged Assassin“ wurde von einem wahnsinnigen Basssolo des enthemmt herumspringenden neuen Bassisten Chris Robertson eingeleitet. Vor „Free as the Wind“ gab Lips eine schöne Lemmy-Anekdote zum Besten und im Vorfeld zu „This is Thirteen“, jener schön wuchtigen Doom-Nummer, gleichzeitig Titeltrack des seinerzeitigen Comeback-Albums (das ich übrigens sehr empfehlen kann), sprach er über den Anvil-Film und was er für die Band bedeutete, aber auch, wer von den Mitwirkenden mittlerweile leider bereits verstorben sei. Während „Mothra“, einem weiteren unkaputtbaren Klassiker, duellierte er sich mit Robertson und packte den Vibrator aus, mit dem er auf den Saiten solierte, sang auch wieder durch den Tonabnehmer, ständig schelmisch grinsend. So geriet der Song fast zu einer Art Theateraufführung – innerhalb einer Freakshow, die ein ANVIL-Gig auch immer irgendwie ist. Dazu trägt auch Robertson bei, permanent körpergroovend und irre Grimassen schneidend, womit er an Scrat aus „Ice Age“ erinnert. Einmal hakte er sich gar bei Lips unter und tanzte mit ihm Ringelreigen. „Bitch in the Box“ stammt vom neuen Album „Pounding the Pavement“, „Swing Thing“ ist lediglich ein Alibisong für ein ausgiebiges Drumsolo Rob Reiners, „the best Heavy Metal drummer in the world!“ Und, beim Metal-Gott: Wenn jemand eines spielen darf, dann er! „Metal on Metal“ besiegelte den Klassikerreigen mit einem nicht minder ausgiebigen Mitsingpart. Damit war der offizielle Teil beendet und mein Fazit lautete: Geiler Gig, hochgradig unterhaltsam, von charismatischen, schwer sympathischen Musikern. Aber auch: ANVIL haben noch bessere Songs im Repertoire, gerade aus der Phase zwischen den Klassiker-Alben und dem erfolgreichen Comeback werden sehr viele Hochkaräter unterschlagen. Und wie bei so vielen Bands habe ich auch bei ANVIL das Gefühl, dass es besser gewesen wäre, aus den jeweils drei letzten Alben lediglich eines, dafür mit höherer Hitdichte, zu machen. Die Zugabe „Running“ stimmte mich dann aber endgültig versöhnlich!

Dass der Festivalabschluss viel mehr als nur ein Nachgesang, stattdessen eine Lehrstunde in Sachen Metal werden würde, stand von vornherein fest: Die fünfte Inkarnation der New Yorker Heavy/Speed-Metal-Legende RIOT (est. 1975!), die sich seit dem Tod des letzten verbliebenen Originalmitglieds, Mark Reale, RIOT V nennt, hatte mich vor zwei Jahren auf dem Rock Hard Festival positiv überrascht und trat heute mit einem Spezialset an, das das Klassikeralbum „Thundersteel“ aufgrund seines 30-jährigen Jubiläums besonders berücksichtigen sollte. Es begann bereits zu kribbeln, als die Bühne mit dem Artwork des neuen Albums „Armor of Light“ versehen wurde – bei dem ich mich allerdings abermals fragte, was der Robbenfetisch der Band im Allgemeinen und das Artwork mit einem Bodybuilder mit Robbenkopf, Streitaxt und Schutzschild im Speziellen soll (RIOT zeichnen tatsächlich für einige der hässlichsten Metal-Plattencover überhaupt verantwortlich) ... Um ja nichts zu verpassen, zogen wir uns den kompletten Aufbau inkl. Linecheck etc. rein, bis es mit dem Opener der neuen Langrille endlich losging: „Victory“. Bereits „Flight of the Warrior“ sang ich dann inbrünstig mit, weitere meiner Faves wurden mit „Outlaw“ und „Johnny’s Back“ sowie „Take Me Back“ innerhalb des auch einige Überraschungen in Form selten gespielter Songs von weniger populären Alben offenbarenden Sets berücksichtigt. So kam beispielsweise von „Born in America“ „Heavy Metal Machine“ zum Zuge, danach mit „Road Racin‘“ sogar ein Stück von 1979! Lange Zeit wurde das Gaspedal permanent durchgetreten, bis man ein paar Midtempo-Stücke und sogar eine Powerballade einstreute. Maximal fünf Songs von insgesamt um die 20 dürften es vom neuen Album gewesen sein, „Set the World Alight“ war leider nicht darunter. Doch wie auch immer: Was RIOT V da ablieferten, war ein Musterbeispiel an technischer Perfektionen, an Tightness und Energie. Schade nur, dass Mike Flyntz‘ Gitarre während seiner Soli zu leise war. Die Band drückte das gesamte Festival durch ihre Saiten wie Eier durch einen Eierschneider, übrig blieb eine fein filetierte Masse, die zum Schlussdrittel aus „Swords and Tequila“, „Warrior“ und „Thundersteel“ noch einmal richtig auf ihre Kosten kam und noch lange später „Shine on, shine on, Warrior“ spontan auf dem Gelände anstimmte. Todd Michael Hall ist einer der besten aktuellen Metal-Sänger und während sich seine Bandkollegen zunehmend am Tequila verlustierten, entledigte sich Hall irgendwann seines Oberteils und stellte offen zur Schau, dass er nicht nur mit Gesangstalent und Musikgeschmack gesegnet ist, sondern zu allem Überfluss auch noch mit einem Adonis-Körper. Es ist einfach ungerecht verteilt! RIOT V sind eine perfekte Liveband und bildeten den nicht minder perfekten Abschluss dieses Festivals.

Das ganze Headbangers Open Air war für mich wie eine Reise in die ‘80er, allem voran natürlich aufgrund der Bandauswahl: Auch jüngere Bands hatten sich allesamt traditionellen Stilen verschrieben und jegliche musikalischen Entwicklungen ab den 1990ern ignoriert (ok, mit Ausnahme MORGANA LEFAYs). Dementsprechend gestalteten sich natürlich auch die Besucher, die sich hauptsächlich aus echten Musikfreaks zusammensetzten und kaum Event-Publikum aufwiesen. Zahlreiche Mitglieder der auftretenden Bands mischten sich nach ihren Gigs als Fans unters Volk, vor allem der SEAX-Sänger, der ständig mit ‘ner anderen Perle im Arm oder auch mal volltrunken angetroffen wurde. Party hard! Das Gelände ist schön übersichtlich, in Sachen Verpflegung dürfte für jeden etwas dabei gewesen sein und die Preise sind überwiegend bezahlbar. Der Trinkwasserspender erwies sich besonders angesichts der Hitze als häufig frequentierte Möglichkeit, seinen Flüssigkeitshaushalt gratis und ohne Alkohol auszugleichen. Einziger Kritikpunkt: Die Bierbecher waren im Innenbereich an der Bühne selten wirklich voll, meist einen Schluck unterm Eichstrich. Wenn die Becher schon lediglich 0,3 Liter fassen, fällt das durchaus ins Gewicht. In Sachen Suff so richtig krachen lassen haben wir’s aber ohnehin nicht, zu unattraktiv erschien die Vorstellung, verkatert dort herumzuhängen und die Bands nur noch als Lärmbelästigung zu empfinden. Selbst am letzten Abend siegte irgendwann die Vernunft und wir seilten uns ab, als ein Bekannter volltrunken eine junge Dame im Arnold-Schwarzenegger-T-Shirt (!) zum Armdrücken herausforderte – es wäre sicher noch eine extrem lustige Nacht geworden, aber wir mussten bereits morgens die Pension räumen…

Mehr als deutlich wurde wieder einmal, welch großer Unterschied zwischen dem Nebenbeihören von Studioaufnahmen und dem Live-Erlebnis besteht: Ein unterhaltsamer Gig lässt über manch songschreiberische Schwäche hinweghören, manch Song zündet erst live so richtig, das eine oder andere in der Diskografie versteckte Juwel offenbart sich. Und Trüffelschweinen wie mir bietet sich die Gelegenheit, die eine oder andere Band überhaupt erst zu entdecken, was insbesondere hier auf dem HOA der Fall war. Ich hoffe, dass all diese Aspekte durch meinen Konzertbericht veranschaulicht wurden. Ein Jammer ist es jedoch, dass dieses sympathische, wohlorganisierte Festival vom Tod Mark „The Shark“ Sheltons überschattet wurde… Davon unabhängig behalte ich es mir vor, wiederzukommen. Die bereits für nächste Jahr bereits bestätigten MANDATOR beispielsweise würden mich sehr reizen…

P.S.: Ich habe leider kein Programmheft mehr abbekommen. Falls jemand eines übrig hat und es mir vermachen würde, schreibt mir bitte eine Mail an guenni@pissedandproud.org – danke!

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/26-28-07- ... -open-air/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 6. Sep 2018, 16:34

MÜSSEN ALLE MIT FESTIVAL, Stade, 1.9.2018
Schon seit 2013 veranstaltet das Tapete Label, irgendwo im Indierockpoppnk verankert ein Festival, auf dem ich erst aber letztes Jahr stiess. Was kein Wunder ist, da mich Festivals eigentlich auch nicht mehr so interessieren. Nun war Stade so gelegt, dass ich bequem mit meiner Begleitung mit dem Zug an einem Tag hin und her konnte.
Das Line Up reizte mit ROCKO SCHAMONI, DIE NERVEN, TURBOSTAAT, THE NOTWIT, 2RAUMWOHNUNG. Vorher spielten die mir unbekannten ZIMT, SWUTCHER und GOLDROGER. Ein Tag vorher erreichte mich noch die Nachricht, dass Turbostaat absagten wegen Krankheit, dafür aber KETTCAR spielten. So sehr ich Turbostaat live mag, freute ich mich auf ein Wiedersehen mit Marcus Wiebusch, dessen Band Kettcar ich mich live noch nicht traute. Mit dem ich aber angenehme Erinnerungen verbinden.
Einigermassen zeitig angekommen, ging es vom Bahnhof in 2 Minuten zum Stader Bürgerpark. Es war überraschend klein und noch ziemlich luftig gefüllt, so dass man sich in Ruhe das kulinarische Angebot anschauen konnte, und dabei den letztn Song von Swutscher anhören konnte. Das klang ganz gut, so zwischen Rio Reiser und Element of Crime. Bei einem Song ist natürlic nix zu beurteilen, aber die kommen demnächt nach Bremen. Dann bei einem Kaffee einen Schattenplatz gesucht, was leider nicht klappte. Daher meine Begleitung noch mal los zum Sonnencreme kaufen, es füllte sich ein wenig mehr, während ich den Platz freihielt, und GOLDROGER zuhören mußte. Gar nicht mein Ding, vermischte das schlimmste von deutschen Niedlichrap mit dem schlimmsten vom 70er Schmiegelrock. brrr. Nebenbei: Hitze und so: Es gab umsonst Trinkwasser. Find ich gut. In Gedanken versucht die Musik wegzudrücken (was leicht gelang, es war ein eher leises Festival), und überlegt, ob, wann und wieviel ich beim Merch-Stand an Platten einkaufen soll. (Es wurde am Ende nur eine Handtache, lustigerweise such ich schon länger eine passende, und ausgerechnet finde ich sie in Stade aufm Festival bei einer sehr netten Designerin, so ein Ding aus Judomatten).
Dann ging es musikalisch für uns los: ROCKO trat in Begleitung von Matthias TEx Strzoda auf, zugeschaltet wurde ein großes Orchester. Beide mit Gitaren und fußbedienten Schlaginstrumenten. Super sympatisch und sehr gut aufgelegt der King, Tex passte auch. Sie spielten von der Die Vergessenen, also hübsche Coverversionen, vom Duft der Anarchie und natürlich Mond. EIn kleines HIghlight war auch die KAFFEE-Version, dass im original ja von Tex ist. Eigentlich mein Song! Vor der Bühne war es angehm ungefüllt, so dass ich da bequem stehen konnte. Das hat Spaß gemacht.
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Auch die Umbaupausen waren fluffig geplant, und so konnte man was essen oder trinken nd sich unterhalten. Dann DIE NERVEN, die mich ja auf der Breminale schwer unterhielten. Hier mit einem ähnlichen, aber kürzeren Programm, aber insgesamt erinnerten sie mich diesmal mehr an Sonic Youth und EA80, die Songs waren prima und druckvoll, doch irgendwie waren die Jungs nicht so gut drauf, es gab glich so ansagen wie: ich warte eigentlich auch nur auf Kettcar und ein Publikumsmitklatsch-Veralberungsteil gerit auch viel zu lange. Hm, schade, aber gut.
Dann was leckeres essen. Handbrot, vegetarische Würstchen und Pommes und Jever vom Fass! Herrlich. Es wurde voller und dann kamen auch schon Kettcar mit ihrem korrekten Deutschpoprock, was so geschrieben fies klingt. Es lebt aber von Marcus Texten und kleinen Melodien und vorne wurde es schon enger. Die Musik ist mir ja oft zu sanft, aber live machte es richtig Spaß, und ewig hat es keiner geschafft, mir bei einem SOng die Tränen in die Augen zu treiben, was mit allerhand zu tun hatte, aber eben auch mit der Energie, die von der Bühne kam. Es war beim Song Der Tag wird kommen
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UNd dann wurde mir klar, warum ich Festials eigentlich nicht so mag (oder eine der Gründe): Die Band spielen viel zu kurz, Kettcar hätte ich gerne noch eine Stunde gesehen.
Dann NOTWIST, die ich da letzte mal vor hundert Jahren in einem mittleren Punkschuppen sah, und sie noch irgendwo zwischen Hardcore, Dinosaur und Jesus&MC waren. Inzwischen sind sie ja als Song - und Soundtüftler bekannt. UNd so waren sie auch live: Schleifen, Melodien, Sounds und alles analog und live hergestellt mit allen möglichen an witzigen Gerätschaften, aber darunter auch mit einem meiner Lieblinge ONE DARK LOVE POEM von der zweiten LP, die noch tief in Gitarren watete, aber hier war er auch gut. Inzwischen wurde es dunkel und das passte. So sind sie die Nachfolger von frühen Kraftwerk, Can, Neu!, Michael Rother. Sehr geil. Leider gab es immer wieder PA-Ausfälle, zum Teil heftig, so dass eine ganze Seite weg war. Und halt immer wieder. Da hätte man doch unterbrechen und reparieren sollen. Das gab dann doch einen bitteren Beigechmack. UNd auch hier: zu kurz
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Dann die Entscheidung den Zug um 10 oder noch 2Raumwohnung, die ja ganz knuffig und Frau Humpe ja liebenswert finde, und dann um 11 weg. Der Tag war lang, und IC statt RE zog, dann um 22 Uhr los.
Ein schönes kleines Festival, was nicht unbedingt für mich wiederholt werden muss, aber Spaß machte.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 17. Sep 2018, 17:47

08.09.2018, Villa, Rotenburg (Wümme):
HEIAMANN + THE HAERMORRHOIDS + BOLANOW BRAWL


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Freud und Leid lagen rund um dieses Konzert nah beieinander: Aufs Urlaubszeitende bedingte Leid folgte die Vorfreude auf dieses Konzert, verbunden mit eingerosteten musikalischen Fähigkeiten und einem allgemeinen Ungeprobtsein, worunter der Gig zu leiden drohte. Immerhin hatten die Mitglieder meiner kleinen Stimmungskapelle so rechtzeitig ihren Müßiggang beendet, dass man zumindest noch ein einziges Mal zum Proben zusammenfand. Erfreulich war, dass die ganze Lala noch ganz gut saß. Zu einer leidvollen Erfahrung wurde wiederum der berüchtigte innerstädtische Stau Hamburgs, der uns nur wenige Kilometer vom Probebunker entfernt auf dem Weg gen Niedersachsen aufhielt. Die Freude wiederum war umso größer, dass wir trotzdem sogar noch deutlich vor der Zeit am Ort des Geschehens eintrafen. In das Konzept der sich diametral gegenüberstehenden Emotionen passt dann auch, dass es einen freudigen Anlass zu feiern gab – den jeweils 30. Geburtstag unserer sich natürlich wesentlich jünger gehalten habenden Gastgeberinnen Julia und Nelly –, der jedoch zugleich die letzte Veranstaltung überhaupt in der altehrwürdigen Rotenburger Villa sein sollte: Das Gemäuer wird in Kürze dem Erdboden gleichgemacht und die Zukunft für D.I.Y.-Konzerte in der Region ist ungewiss.

Vor Ort begrüßten wir neben Nelly den Wedeler Mario, der beim Banneraufhang helfend zur Hand ging, und konnten die ersten Getränke zu uns nehmen. Kurz darauf nahm Nelly alle Hungrigen an die Hand, wahlweise zum Anatol oder zum Ostasiaten, und sorgte für volle Mägen. Das Leid meldete sich, als man uns eröffnen musste, dass der Soundmischer kurzfristig absagen hatte müssen. Dafür sollte jedoch ein Freund des Hauses einspringen und sein Bestes versuchen. Das tat der gute Mann auch, hatte mit einem Mischpult, mit dem er nicht vertraut war und das zudem offenbar technische Macken aufwies, jedoch sicherlich nicht das allergrößte Los gezogen. Dabei ging’s eigentlich „nur“ um den Gesang, der Rest brauchte ohnehin nicht abgenommen werden. Nach einem sich hinziehenden Sound- und Linecheck inklusive zahlreichen Kabel- und Mikrotauschs und unter tatkräftiger Mithilfe der HAERMORRHOIDS hatte ich dann endlich einen Hauptgesang, den sowohl ich und meine Musikanten ein bisschen, der Mob vor der Bühne jedoch laut und deutlich vernehmen konnte. „Die spielen als Erste, die wollen saufen!“, hieß es über uns – soweit korrekt. Naja, und außerdem hatte ich bisher die Erfahrung gemacht, dass in Rotenburg der jeweils ersten Band die meiste Aufmerksamkeit zuteilwird. Konnte ja niemand ahnen, dass es diesmal umgekehrt sein würde: Locker die Hälfte aller Anwesenden ignorierte uns geflissentlich und zog es vor, im Erdgeschoss am Tresen bei DJ Sascha, Kickertisch und Dartscheibe zu feiern. Alle anderen bekamen jedoch elf Mal BOLANOW BRAWL, denen sie vielleicht auch noch etwas die Sommerpausenhüftsteife anmerkten. Zwar saßen Mucke und Texte weitestgehend, als Frontsau war ich aber sicherlich schon mal lockerer und schlagfertiger und wir als Band insgesamt kommunikationsfreudiger. Laune gemacht hat’s trotzdem! Schade, dass es für unseren jüngsten Song „Two Day Session“ noch nicht ganz zur Live-Premiere gereicht hatte – vielleicht am 02.10. im Menschenzoo?

THE HAERMORRHOIDS, ebenfalls aus Hamburg, zogen dann im Anschluss einige Leute mehr. Das Trio zockt QUEERSigen, NOFXigen, RAMONESken, garagigen Pop-Punk US-amerikanischer Prägung, gern flott und kurz, aber prägnant. Drummer und Gitarrist wechselten sich am Gesang ab und wenn der Bassist ‘ne Ansage machte, klang’s durch die P.A., als würde er gerade anrufen – zum Amüsement des Publikums. Gecovert wurde „Havana Affair“ vonne RAMONES. Diese alte schnörkellose One-two-three-four-Let’s-Go!-Schule macht nach wie vor Spaß, sorgt für Kurzweil und geht ins Bein. Die melodischen Refrains kamen bisweilen mehrstimmig, ließen sich schnell mitsingen – und sämtliche drei Akkorde wurden so oft neu arrangiert, dass es für drölfzig Songs reichte, die die Band allesamt auf ein Tape gezwängt hat, das ich mir im Tausch gegen eine unserer EPs sicherte und vielleicht auch endlich mal hören kann, sobald sich unser Merchbeutel und ich wieder zeitgleich im Proberaum befinden.

HEIAMANN schließlich wollten dann alle sehen, die noch stehen konnten. Die Band um ex-VOLXSTURM-, ex-SMEGMA-Stahmer sowie SMALL-TOWN-RIOT-/ex-SUICIDE-QUEENZ-Klampfer Endorsement-Andy spielt nun auch schon seit ein paar Monden ihren melodischen deutschsprachigen Streetpunk, kreuzte, wie’s manchmal eben so ist, bisher aber noch nicht meine Konzertwege. Umso gespannter war ich auf mein „erstes Mal“, zumal ich mir das jüngst veröffentlichte Album „Wir sind nicht zum Spaß hier“ noch gar nicht angehört hatte. Tja, Aller, dass die Jungs das nicht zum ersten Mal machen, merkte man ihnen vom ersten Song an an. Zwei spielfreudige Gitarren zaubern eine eingängige Melodie nach der anderen aus dem Hut, Bass und Drums machen Druck und Stahmer übernimmt den aufgekratzten Hauptgesang, unterstützt von den genreimmanenten Chören in den dominanten Refrains. Im Gegensatz zu mancher für meinen Geschmack zu gesetzt und abgeschmackt klingenden zeitgenössischen Band dieses Bereichs haben HEIAMANN noch ordentlich Pfeffer im Arsch und verstehen es auch, diesen aufs Publikum zu übertragen. Ok, so ca. ab der Hälfte war ich eh nicht mehr wirklich zurechnungsfähig und befand mich fest im Griff meines euphorisierenden Lieblingsgetränks – Freibier! –, beschloss aber kurzerhand, die Platte einfach mal mitzunehmen, allein schon, um meinen Eindruck auch mal nüchtern und in Ruhe überprüfen zu können. Doch die Freude über den Neuerwerb währte nicht allzu lang, denn als irgendwann kollektiver Ortswechsel anstand, fiel mir noch ein, dass ich meine Plünnen noch im Abrissgebäude stehen habe, fand den HEIAMANN-Dreher aber nicht mehr. Die fiese Type, die mir stets heimlich folgt und sich aus meinen liegengelassenen oder verlorenen Tonträgern eine eigene Sammlung aufbaut, dürfte um ein weiteres Exemplar reicher sein.

Wo wir hinwollten, war übrigens zu. Teile meiner Band waren aufgrund von Krankheit (Christian spielte mit 100 °C Fieber und TBC) oder leichtfertig getätigten Zusagen fürs weitere Wochenende leider schon frühzeitig abgehauen oder taten es spätestens jetzt , also begaben Flo und ich uns lediglich zusammen mit Sascha in den Garten unserer freundlichen Herbergsdame, der wir vermutlich noch ein bisschen auf die Nerven gingen, bis irgendwann echt kein Bier mehr in uns hineinpasste und wir uns in die Horizontale begaben. Bei allem beschriebenen Leid überwog definitiv die Freude über die geile Party. Danke noch mal an die Geburtstagskinder, alle, die organisiert und mitgefeiert haben, unsere Herbergsdame für die luxuriöse Unterkunft sowie Flo für die Schnappschüsse unseres Gigs! Außerdem an alle, die sich so großzügig bei der Spendensammlung für die Bands gezeigt haben, dass sogar noch bischn wat für die Bandkasse rumkam! Bleibt zu hoffen, dass sich schnell ein adäquater Ersatz für die Villa findet – alles andere wäre verdammt traurig.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 28. Sep 2018, 16:08

22.09.2018, Schlemmereck, Hamburg:
DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS


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Zu diesem Gig kamen wir wie die Jungfrau zum Kinde: Am Montag fragte RACCOON-RIOT-André an, ob wir kurzfristig im Schlemmereck auf dem Hamburger Berg spielen könnten, und obwohl Spontanität sonst nicht so unser Ding ist, sagten wir am Mittwoch zu (nicht ohne abzuklären, ob man dort wisse, worauf man sich einlässt). Hintergrund: Nach dem bedauerlichen Ableben des ursprünglichen Schlemmereck-Betreibers, unter dem sich die Speis-und-Trank-Kneipe zum Hauptquartier der Hamburger Turbojugend entwickelt hatte, wurde der Laden zu einer seelenlosen Billigspelunke verunstaltet, bis der neue Besitzer erkennen musste, dass damit kein Staat zu machen ist. Daraufhin übertrag er die Verantwortung Freunden des ursprünglichen Konzepts und ließ ihnen freie Hand, sodass diese – wenn auch unter kieztypisch eher ungünstigen Bedingungen – nun versuchen, den alten Charme im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu restaurieren und wieder Schwung in die Bude zu bringen. Ein hehres Unterfangen, zu dem u.a. der Plan zählt, eine regelmäßige Konzertreihe an jedem dritten Samstag eines Monats zu etablieren. Als der erste Termin, der zudem aufs Reeperbahn-Festival fiel, verdammt nahegerückt war, man jedoch noch nichts organisiert hatte, bat man André um seine Hilfe, der uns schließlich ins Boot holte. Bischn Internet-Propaganda war schnell gemacht und so wurden flugs die letzten Absprachen getätigt, bevor wir uns tatsächlich am Samstagnachmittag auf „die andere Seite“ des Kiezes begaben. Kai war sogar entgegen allen Punk-Klischees so dermaßen überpünktlich, dass er zunächst vor verschlossener Tür stand, wir anderen kamen mit unserem Equipment nach, wie üblich per Taxi. Da André Schlagzeug und Anlage zur Verfügung stellte, mussten wir uns keinen Bruch heben und konnten entspannt zum ersten Bierchen greifen, während er zusammen mit der Schlemmereck-Crew alles aufbaute und verkabelte. Tische und Bänke im hinteren Bereich der Kneipe wurden entfernt und zur Bühne umfunktioniert. Dr. Tentakel vervollständigte das Drumset und Kai sowie Mike schlossen ihre Äxte für erste Soundchecks an. Dabei musste Kai feststellen, sein Effektgerät offenbar geschrottet zu haben, sodass er sich ausschließlich am Amp um einen achtbaren Klang bemühen musste, während Mike einen der Glaslampenschirme der tiefhängenden Leuchten versehentlich per Headbanging zerstörte – woraufhin die verbliebenen Lampen sicherheitshalber höhergehängt wurden („Hängt sie höher!“).

Gemeinsam tüftelte man schließlich den Gesamtsound inkl. Gesängen aus, was nach einem letzten Mikrotausch auch ganz gut zu gelingen schien. Im Endeffekt hatten wir überraschenderweise einen klaren, differenzierten Sound wie vermutlich nie zuvor, man konnte wohl sogar jedes einzelne Wort, das ich so ins Mikro keifte, verstehen. Damit hatte ich nun nicht unbedingt gerechnet. Zeit für ‘ne Pizza aus der gegenüberliegenden Trattoria (die Schlemmereck-Küche war geschlossen geblieben) und ein paar Pilsetten zum Warmtrinken. Das Gratis-Frühkonzert war für 19:30 Uhr angesetzt worden, was wir noch etwas nach hinten verzögerten. Ich war gespannt, wer so alles überhaupt derart kurzfristig etwas von diesem Gig mitbekommen haben würde – und wie viele sich so früh aufraffen würden, um sich pünktlich zum Herbstbeginn eine Dosis Hasspunkkrawall abzuholen. Wurden dann doch so einige, die ihren Weg in den geschmackvoll zwischen rustikal und Rock’n’roll dekorierten Laden fanden. Unter die Klientel, die von uns bisher vermutlich noch nie etwas gehört hatte, mischten sich zu meiner Freude auch einige Waffenbrüder und -schwestern. Kurz nach acht dürfte es gewesen sein, als unser Intro gefolgt von „Pogromstimmung“ erklang, über die üblichen altbekannten Nummern sowie Neuzugang „Spaltaxt“ über die seltener Gespielten „Victim of Socialisation“ und „Montag der 13.“ bis zur Hommage an den sozialistischen Plattenbau „Ghettoromantik“. Lief wohl alles relativ pannenfrei, hier und da holperte es etwas oder ich drohte, übers Mikrokabel zu stolpern, ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Die Connaisseurs im Schlemmereck ließen es sich munden, spendeten Applaus und beschwerten sich meines Wissens hinterher auch nicht beim Chefkoch. Obwohl wir unser komplettes Set gespielt hatten (das für die vorausgegangenen Gigs jeweils hatte gekürzt werden müssen), kam es sowohl uns als auch den Gästen plötzlich verdammt kurz vor, so als einzige Band des Abends… Bis wir genug Material für zweieinhalbstündige Stadionshows haben, müssen wir also noch ein paar Songwriting-Sessions abhalten, vorher sollten wir uns allerdings vielleicht doch mal wieder was für ‘ne potentielle Zugabe überlegen. Vielleicht einen Song über Zugaben? Gibt’s so was schon?

Auch nach dem Gig zeigte man sich seitens des Schlemmerecks stets um unser Wohl bemüht und ein erkleckliches Sümmchen für die Bandkasse kam auch zusammen. Besten Dank für alles! Das Schlemmereck mit verzerrter Stromgitarre zu entjungfern hat Laune gemacht, wenn es auch gewöhnungsbedürftiges, bisher unbetretenes Terrain war. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Premiere für alle gelohnt hat und wir niemanden verschreckt haben. Unabhängig davon, wie man zur Turbojugend u.ä. steht, ist das eine empfehlenswerte Kiezbude, die von korrekten Leuten betrieben wird und die man ruhig mal aufsuchen kann – ob nun mit oder ohne Konzert. Für die Zukunft wünsche ich gutes Gelingen! Apropos Zukunft: Mit BOLANOW BRAWL bin ich am Dienstag, 02.10. (dem Abend vorm Feiertag) im Menschenzoo, Mission: Support für die russischen Celtic-Folkpunks und Potsdam-Trinkkumpanen ZUNAME – komma rum da!

Reich bebildert auch hier:
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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 28. Sep 2018, 17:58

Lila Eule, 27.9.18, 20:30
DER SCHNECKENGOTTT
Livehörspiel von Jens Rachut, mit ihm, Susanne Jansen (Stimme und Gesang); Thomas Wenzel (Die Sterne, Die Goldenen Zitronen)(Musik und Gesang), Pencil Quincy (Videos, Geräusche, Percussion)
Jens Rachut (Punk Tausendsassa und Schauspieler) schrieb schon ein paar Hörspiele und entführt uns hier in die destruktive Welt der Schnecken und erklärt uns mit Hilfe seiner Mitstreiter, warum wir nicht als solche wiedergeboren werden wollen.
Das ist alles wie eine Lesung angeordnet, Susanne (die für Laura Tonke einsprang) und Jens lasen an einem Tisch, manchmal sangen die beiden auch, hinter ihnen liefen selbstgemachte Videos, dazu Musik und Geräusche.
Eine eher an Aoziationsketten angelehnte Erzählung, die sich hier- und dorthin trieben liess und wir trieben gerne mit. Es ging nicht nur um Schnecken, aber immer wieder, auch um Soziales, einen selbständigen Körüerfleck und einem Furz im Saharawind. Ich fand es erheiternd und spannend.
Insgesamt hätte ich mir von Pencil mehr live gemachte Diaprojektionen erhofft, wie ich sie von ihm schon bei Digger Banes sah. Aber die Videos waren auch sehr gut.
Toller Abend.
Lustige Anekdote: Im der eher spärlich besuchten Eule lief Jens am Anfang herum und fragte, ob man 20 Euro Eintritt bezahlt hätte, das wäre zu viel und man sollte sich ein Freigetränk am Tresen abholen, was so auch funktionierte!
https://vimeo.com/252329355
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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