Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci (1966)

Helden, Halunken, staubige Dollars, Pferde & Colts

Moderator: jogiwan

Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci (1966)

Beitragvon buxtebrawler » 27. Apr 2011, 21:29

Bild

Originaltitel: Navajo Joe

Herstellungsland: Italien / Spanien (1966)

Regie: Sergio Corburcci

Darsteller: Burt Reynolds, Aldo Sambrell, Nicoletta Machiavelli, Fernando Rey, Tanya Lopert, Franca Polesello, Lucia Modugno, Pierre Cressoy, Roberto Paoletti, Mario Lanfranchi, Nino Imparato, Ángel Álvarez u. A.

Eine Bande von Halunken zieht durch die nach wie vor unbesiedelteren Regionen der Vereinigten Staaten und versucht, durch den Mord an Indianern und den Verkauf von deren Skalps Geld zu verdienen. Hinter ihnen her ist jedoch ein junger Indianer (Burt Reynolds), der einen nach dem anderen umbringt. Als die Verbrecher einen größeren Coup planen und durchführen, stiehlt Navajo Joe die Beute, einen Zug mit einer halben Million US-Dollar an Bord, und bringt ihn an den ursprünglichen Bestimmungsort. Dort bietet er den Stadtbewohnern seine Hilfe gegen die skrupellose Bande an.


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 26573
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon buxtebrawler » 27. Apr 2011, 21:30

„Das amerikanische Gesetz muss von Amerikanern geschützt werden!“ – „Mein Vater wurde hier geboren, der Vater meines Vaters, genauso der Vater vom Vater meines Vaters wurde hier geboren. Wo ist dein Vater geboren?“ – „In Schottland.“ – „Dann bist du kein Amerikaner!“

Sergio Corbuccis Italo-Western „Navajo Joe“, in Deutschland auch bekannt als „Kopfgeld: Ein Dollar“, erschien 1966 zwischen seinen großen Genreklassikern „Django“ und „Leichen pflastern seinen Weg“ und trägt unverkennbar deren Handschrift. Unterstützt von den später berüchtigten Italo-Regisseuren Ruggero Deodato („Cannibal Holocaust“) und Fernando Di Leo („Milano Kaliber 9“) und gesegnet mit einem fantastischen Morricone-Soundtrack, lässt man den seinerzeit noch unbekannten, aber athletischen und stunterfahrenen US-Darsteller Burt Reynold als indianischen Rächer Jagd auf eine skrupellose, ausgerechnet von einem Halbblut angeführte Kopfgeldjägerbande machen. Die Jäger werden also zu Gejagten, doch die feige Stadtbevölkerung, der die Bande 500.000 Dollar stehlen will, schaut bis auf wenige Ausnahmen tatenlos zu.

Corbuccis „Navajo Joe“ ist eine ruppige, wütende, hass- und gewalterfüllte Abrechnung mit dem US-amerikanischen Völkermord an den Ureinwohnern, mit erbärmlichem Rassismus und bigotter Feigheit. Der Film zählte zu den ersten seiner Gattung, die einen Indianer als „Helden“ einsetzten und dürfte daher eine handfeste Provokation gegenüber dem verklärenden, die Indianer als unzivilisierte und hundsgemeine Wilde darstellenden US-Western gewesen sein. Von der ersten Minute an ist die Marschrichtung klar; „Navajo Joe“ beginnt mit der hinterhältigen Ermordung und anschließender Skalpierung einer unschuldigen Indianerin. Subtilität ist Corbuccis Sache nicht, er kommt ungeschönt auf den Punkt und sucht (und findet) die direkte Konfrontation mit dem Zuschauer. Dabei bleibt natürlich die Sorgfalt und Brillanz, die sein Namensvetter Leone jeder einzelnen Einstellung zukommen ließ und dadurch epische Bilderwelten erschuf, etwas auf der Strecke, dafür ist aber das Tempo hoch, der Bodycount rekordverdächtig und das Finale herrlich tragisch und pathosgetränkt.

Der zu einem dunkleren Teint geschminkte Reynolds, durch den ironischerweise tatsächlich auch indianisches Blut fließt, macht bei all dem eine gute Figur, Aldo Sambrell gibt einen herrlich fiesen Bösewicht ab und Nicoletta Machiavelli verzaubert den Zuschauer als wunderschöne Estella. Wie auch der Schweigsame aus „Leichen pflastern seinen Weg“ bietet Navajo Joe seine Hilfe nicht uneigennützig; die wahren Beweggründe erfährt man erst spät, sie sind aber keinesfalls überraschend. Der große „Aha-Effekt“ bleibt also aus, der Stoff ist sozusagen einerseits revolutionär, andererseits aber in gewisser Hinsicht Rache-Western-typisch konventionell – was dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch tut. Das tun eher die hin und wieder doch arg unrealistischen Szenen, in denen Joe von einer Art Schutzfeld umgeben scheint, das ihn auch den größten Kugelhagel unbeschadet überstehen lässt. Zudem werden vermutlich manch tierliebem Zuschauer die Pferde leid tun, die ohne Rücksicht auf Verluste die schlimmsten Stürze über sich ergehen lassen mussten und es wenig verwunderlich wäre, wenn sie zu Dutzenden ihr Leben für diesen Film gelassen hätten. Sicherlich, das ist bestimmt in vielen Western so, hier ist es mir aber aus irgendeinem Grund ganz besonders aufgefallen.

Neben der zynischen Brutalität und Kaltblütigkeit der Hauptgrund, weshalb mir „Navajo Joe“ wie das Bindeglied zwischen „Django“ und „Leichen pflastern seinen Weg“ erscheint, ist (Achtung, Spoiler!) der Umstand, dass
Django schwerverletzt wurde, am Ende aber seine Feinde zur Strecke brachte und überlebte, während Navajo Joe sich zwar ebenfalls gegen die Mörder behauptet, aber auch sein eigenes Leben lassen muss. Dieser Fatalismus wurde im pessimistischen „Leichen pflastern seinen Weg“ dann auf die Spitze getrieben, als die menschenverachtenden Kopfgeldjäger letztlich die Oberhand behalten, ein Massaker an unschuldigen Opfern verüben und ungeschoren davonkommen.
Inwieweit man daraus eine „Corbucci-Trilogie“ herleiten kann, die von Film zu Film in ihren Aussagen hoffnungsloser wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch kamen mir bei meiner Sichtung sowohl „Django“ als auch „Leichen...“ häufig in den Sinn, welche letztlich insbesondere was das Erzeugen einer fies unter die Haut kriechenden, aussichtslosen Stimmung aber die Nase vorn haben.

Fazit: Ein (nicht nur filmhistorisch) wichtiges, aussagekräftiges Statement in dreckiger Italo-Western-Manier, keinesfalls perfekt, aber unbedingt sehenswert.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 26573
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon Italo-West-Fan » 28. Apr 2011, 11:10

Mag den Film sehr gerne. Morricones Musik geht unter die Haut !
Tolle unterhaltung, und das ende am Indianerfriedhof ist aller erste Sahne :thup:
"Sag Aguilar, was für ein Mann bin ich ?...Ein fairer Mann!"
Bild
Benutzeravatar
Italo-West-Fan
 
Beiträge: 269
Registriert: 03.2011
Wohnort: Bayerwald
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon Nello Pazzafini » 28. Apr 2011, 12:27

Top der Film, Aldo Sambrell über alles! Burt ist auch ok, er selbst hält ja nichts mehr von dem Film hab ich mal wo gelesen, Depp der!
Ja, und der Score, alter Schwede, was für ein Hammer!!!! Wenn dir der gefällt kannst du auch bedenkenlos zu "Burn" also "Queimada" greifen, sehr sehr ähnlich. Ennio, mille grazie!!!!
"An seinen Stiefeln klebte Blut" war auch schöner Alternativ Titel davon, war aber schwer cut die Schosse damals auf Vvvideo. Die Koch DVDäää ist top! :thup:
Auf meiner Werteskala pendelt das Teil zwischen 8-9.
:popcorn:

Bild
Bild

"Ein Grab im K-Gebiet wünscht dir Dein Ugo"
Benutzeravatar
Nello Pazzafini
 
Beiträge: 4254
Registriert: 02.2010
Wohnort: Roma
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon Italo-West-Fan » 28. Apr 2011, 18:30

Ja, so 8 bis 8,5 würd ich auch geben.
Die Koch DVD ist Spitze. Obwohl es ja die Diskusion gegeben hat, da ein kleiner Satz fehlt ! Mir ist des aber wurscht. Der eine Satzt macht den Strifen nicht schlrechter.
"Sag Aguilar, was für ein Mann bin ich ?...Ein fairer Mann!"
Bild
Benutzeravatar
Italo-West-Fan
 
Beiträge: 269
Registriert: 03.2011
Wohnort: Bayerwald
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon buxtebrawler » 28. Apr 2011, 20:12

Italo-West-Fan hat geschrieben:Ja, so 8 bis 8,5 würd ich auch geben.


Ich gebe nur deshalb nur 7, weil die Konkurrenz in diesem Genre so irrsinnig stark ist...

Italo-West-Fan hat geschrieben:Die Koch DVD ist Spitze. Obwohl es ja die Diskusion gegeben hat, da ein kleiner Satz fehlt ! Mir ist des aber wurscht.


Welcher Satz fehlt denn?

Italo-West-Fan hat geschrieben:Der eine Satzt macht den Strifen nicht schlrechter.


Betrunken oder nur fremdartiger Dialekt? :lol: ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 26573
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon Italo-West-Fan » 29. Apr 2011, 08:29

buxtebrawler hat geschrieben:Welcher Satz fehlt denn?


Am Ende am Friedhof fehlt der der Satz von Joe zu Duncan : "Ich werde dich töten wie einen Indianer !"
Der Satz durfte aus Rechtgründen nicht verwendet werden.

buxtebrawler hat geschrieben:
Italo-West-Fan hat geschrieben:Der eine Satzt macht den Strifen nicht schlrechter.


Betrunken oder nur fremdartiger Dialekt? :lol: ;)


Das schnelle tippen mit einfluss einer Flasche Bier ! :D
"Sag Aguilar, was für ein Mann bin ich ?...Ein fairer Mann!"
Bild
Benutzeravatar
Italo-West-Fan
 
Beiträge: 269
Registriert: 03.2011
Wohnort: Bayerwald
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon buxtebrawler » 29. Apr 2011, 09:55

Italo-West-Fan hat geschrieben:Am Ende am Friedhof fehlt der der Satz von Joe zu Duncan : "Ich werde dich töten wie einen Indianer !"
Der Satz durfte aus Rechtgründen nicht verwendet werden.


Warum darf ein einzelner Satz einer Synchro aus irgendwelchen Rechtsgründen nicht verwendet werden?! :?
Hat sich jemand im Nachhinein das Copyright an diesem Spruch gesichert und horrende Lizenzgebühren verlangt, oder wie?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 26573
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon Onkel Joe » 29. Apr 2011, 10:09

Der Film war doch mal Indiziert, oder ??
Bild
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
Benutzeravatar
Onkel Joe
Forum Admin
 
Beiträge: 15786
Registriert: 11.2009
Geschlecht: männlich

Re: Navajo Joe (Kopfgeld: Ein Dollar) - Sergio Corbucci

Beitragvon buxtebrawler » 29. Apr 2011, 10:14

Onkel Joe hat geschrieben:Der Film war doch mal Indiziert, oder ??


Nicht, dass ich wüsste. Die dt. Kinofassung und die dt. VHS waren ja ohnehin geschnitten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 26573
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Nächste

Zurück zu "Italowestern"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste