Escondido - Franco Rosetti (1967)

Helden, Halunken, staubige Dollars, Pferde & Colts

Moderator: jogiwan

Re: Escondido - Franco Rosetti (1967)

Beitragvon DrDjangoMD » 31. Aug 2012, 00:00

Ich war fast zu tränen gerührt als ich diesen Film sah, da mir auf die schnelle kein anderes Django-Rip-Off einfällt, welches die Läuterung des Helden, welche meinem Lieblingsfilm "Django" unter anderem so toll macht aufgreifen: Als einen der coolsten Aspekte an "Django" empfand ich, dass es dem Protagonisten anfangs nicht wirklich um die Rache geht. Er will halt Geld haben, da ist es ihm nicht so wichtig ob der Mörder seines Liebchens jetzt unter die Erde gebracht wird, und ob derselbe unschuldige Mexikaner abschlachtet ist Django erst recht wurscht. Erst als er das Geld, welches er schon in sicherem Gewahrsam dachte verliert und seine Hände zerstört werden, als es ihm schlechter geht als an irgendeiner anderen Stelle, ereilt ihm die Erkenntnis, dass er nur glücklich werden kann, wenn er den Major seiner gerechten Strafe zuführt.
Die meisten Filme, die sich an "Django" anlehnen haben diesen Twist nicht. Viele italienische und deutsche Djangos sind nur hinter Geld her (bsp. "Django - Ein Sarg voll Blut") und noch viele viele mehr beschränken sich auf die Rache (auch einige italienische wie "Django und die Bande der Bluthunde"). "Escondido" schafft es aber wunderbar seinen Helden als wirklich egozentrischen skrupellosen Mistkerl auftreten zu lassen, der bereit ist einen armen Blinden zu betrügen, nur um sich selbst zu bereichern. Die übermenschliche Grausamkeit der Schurken bewirkt aber auch bei ihm (ich glaube im Film heißt er Desperado) eine Läuterung und er tritt am Ende für die gute Sache ein.
Sonst gibt der Film auch verdammt viel her. Ich liebe die schlammige Landschaft, der man eine schön trübsinnige Atmosphäre abgewinnen konnte. Allzu viele Tote gibt, dafür wird jeder Mord bis ins letzte ausgekostet, was die Schurken umso böser erscheinen lässt. Wir haben zwei nette Damen in wichtigen Nebenrollen, die wesentlich mehr sind als billige 0815-Frauenrollen, und ich stimme dem Blap auch zu, dass Piero Lulli (wie immer) eine Freude sondergleichen ist. Wenn man dem Gutsten keine Größe wie Garko, Gemma, Steffen, etc. gegenüberstellt, bleibt er meist der spaßigste unter den Schauspielern.

P.S.
Blap hat geschrieben:Genregrößen wie z. B. Anthony Steffen

:nick: :prost: :prost: :prost:
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Re: Escondido - Franco Rosetti (1967)

Beitragvon buxtebrawler » 15. Mär 2013, 21:08

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Escondido - Franco Rosetti (1967)

Beitragvon buxtebrawler » 18. Mär 2013, 16:37

„Es ist eine gottgefällige Tat, wenn man einen Desperado in die Hölle schickt!“

Das Regie-Debüt des Italieners Franco Rossetti ist der 1967 in italienisch-spanischer Koproduktion realisierte Italo-Western „Escondido“ alias „Django – Die im Schlamm verrecken“. Anscheinend blieb es Rossettis einziger Beitrag zum Genre. Das „Django“ im deutschen Titel ist natürlich wieder einmal Etikettenschwindel, wenngleich der Film stark von Sergio Corbuccis Meisterwerk inspiriert worden zu sein scheint:

Steve (Andrea Giordana, „Django – Die Totengräber warten schon“) ist ein gesetzloser Desperado, der Dank der List eines Freundes einmal mehr dem Galgen entkommen konnte. Während seiner Flucht trifft er auf einen sterbenden Soldaten, der ihm von seinem Vater (Piero Lulli, „Mein Name ist Nobody“) erzählt, der in der Geisterstadt Escondido lebt und blind ist, aber zusammengespartes Geld hortet, von dem er sich und seiner Familie eine Ranch kaufen will. Der Soldat bittet Steve, seinen Vater aufzusuchen und ihm zuzureden, dieses Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen. Steve jedoch wittert das schnelle Geld und gibt sich dem blinden Sam gegenüber als dessen aus dem Krieg zurückgekehrter Sohn aus. Jedoch hat Steve die Rechnung ohne die Banditen gemacht, die in Escondido auf den Goldtransport der Armee warten…

„Escondido“ ist ein zwar nicht sonderlich origineller, dabei jedoch unheimlich ambitionierter Western aus der B-Riege, der die „Läuterung“ eines kleinen Ganoven, dem andere Menschenleben nichts bedeuten, zum mitfühlenden, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn entwickelnden Rächer beschreibt. Dabei fährt Rossetti zunächst einmal Achterbahn mit den Empfindungen, die der Zuschauer der Hauptrolle des Gesetzlosen entgegenbringt. Empfindet man zu Beginn Mitgefühl für das Beinahe-Opfer von Lynchjustiz, verkehrt sich dies jedoch bald ins Gegenteil durch das perfide Spiel, das er mit dem alten, blinden Vater des toten Soldaten spielt. Sympathisch wird uns Steve erst wieder, als wesentlich finsterere Buben einige sadistische Grausamkeiten verüben und Steve durch diese Erlebnisse seine Rache – nicht nur für sich persönlich, sondern auch für den blinden Sam und dessen Haushälterin Katy (Rosemary Dexter, „Für ein paar Dollar mehr“), mit der sich ein Techtelmechtel angebahnt hat – wichtiger wird als schnöder Mammon. Zwar wurden die Schießereien weitestgehend unblutig gefilmt, manch letztlich weitaus fiesere Idee, die den deutschen Titel „Die im Schlamm verrecken“ wortwörtlich wie die Kugel ins Herz passen lässt, geht jedoch ziemlich an die Nieren. Ein weiterer Höhepunkt ist ein Duell, bei dem sich die Kontrahenten in gleißender Sonne unmittelbar gegenüberstehen, mit zitternden Händen und voller Todesangst. Der Adrenalinausstoß wird quasi spürbar, die Anspannung überträgt sich auf den Zuschauer – genial! Ferner fanden sehr viele Schlägereien in den Film, während der ernsthafte Ton für eine Massenschlägerei in der Dorfkneipe leider vorübergehend aufgegeben und man stattdessen komödiantisch wird.

Der vor dem Hintergrund des endenden US-Bürgerkriegs der Nord- gegen die Südstaaten spielende Film, der parallel zu Steves persönlicher Entwicklung die wenig patriotischen Nutznießer des Bürgerkriegs thematisiert und zwischen den Zeilen Kritik am vermeintlichen Sinn eines solch blutigen Konflikts erkennen lässt, gewinnt stark an Stimmung durch seine aus dem üblichen Durchschnitt herausragende Tonkulisse bestehend aus einer wunderbar kräftig gesungenen Titelmelodie, atmosphärischer Musik und unheilschwangerem Windgeheul. Wie ein roter Faden durchzieht die Handlung, dass nicht jeder derjenige oder das ist, wer oder was er vorgibt zu sein. Das beginnt bei Steves windigem Kumpel, der mal als Priester, mal als Richter auftritt, um sich den Respekt der einfachen Bevölkerung zu sichern und Steve aus der Bredouille zu helfen, zieht sich über Steve, der sich als Sams Sohn ausgibt, bis hin zu falschen Soldaten. Eine interessante Rolle wird auch der holden Weiblichkeit zuteil: Während Steve mit der verwegenen Gangsterbraut Lucy (Dana Ghia, „Vier Fäuste für ein Halleluja“) bereits in der Vergangenheit etwas laufen hatte und ihr Interesse ungebrochen ist, fühlt er sich nun vielmehr zur bildhübschen, aber zurückhaltenden, unscheinbaren Katy hingezogen. Kaum ein Zweifel wird indes daran gelassen, dass Steve nicht der Mann für eine feste Bindung ist, er ist und bleibt ein rastloser, auf sich allein gestellt seiner Wege ziehender Wolf. Die Gegenüberstellung zwei gänzlich unterschiedlicher Frauentypen ist das Salz in Charaktersuppe bzw. der Pfeffer in der Darstellerriege, die ungewöhnlicherweise mit Andrea Giordana von einem No-Name angeführt wird, der hiermit anscheinend seine erste Hauptrolle bekam. Zwar macht er seine Sache grundsätzlich gut und engagiert, kann jedoch nicht ganz mit den wahren Charakterfressen des Genres mithalten. Und solange Sam noch lebt, droht Piero Lulli ihm bisweilen glatt, die Show zu stehlen.

Ein arg pathetisches Ende besiegelt einen meines Erachtens etwas unterbewerteten Italo-Western aus der zweiten Reihe, der intelligent geschrieben und konstruiert sowie sorgfältig umgesetzt wurde, gehobene Unterhaltung bietet und sich keineswegs lediglich auf die x-te Variation einer genreüblichen Rache-Story beschränkt.

7,5/10 Punkten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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