Django, der Rächer - Ferndinando Baldi (1966)

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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon dr. freudstein » 28. Aug 2011, 21:18

Ja, der doc2 hat ja schon einige sehr interessante Aspekte herausgezogen, manches wäre mir gar nicht so in den Sinn gekommen :thup:
Den Wechsel vom AW zum IW indess schon. Der Soundtrack ist klasse, besonders der Opener. Ansonsten auch hier wiéder eine eher düstere Atmossphäre, die keinen Klamauk zuläßt. Also, die Bardame sollte eher frustiert sein, weil wer zahlt nun die Drinks? Aber Sauberkeit geht über alles. "Ich geh in den Saloon, bis später" Was ist falsch an dem Satz??? Richtig, das "..bis später" Das weiß man ja nie vorher :kicher:

Nun, natürlich auch kein richtiger Django, eigentlich ist es hier Burt Sullivan. Aber da Corbuccis Django die Kinokassen klingeln ließ, war ein Neuer Django, zumindest im Titel und in der Synchro natürlich werbestrategisch unabdingbar. Egal, Franco Nero ist ja wieder der Titel-Antiheld, der Rächer, wortkarg, dreckig, treffsicher - also warum nicht...

Die Story ist zwar abgekaut bis zum gehtnichtmehr, aber doch immer wieder wirkungsvoll und hier auch gut ungesetzt.
Der Sohn zieht mit seinem Bruder los, um den Mörder seines Vaters zu rächen, viele Jahre später. Auch wieder ein skrupelloser Machthaber, der mit Gewalt eine ganze Stadt beherrscht und alle sich unterwerfen, bis auf ein Anwalt, der jedoch einer Revolution nicht wirklich gewachsen ist. Happy-End gibt es keines, dafür ein gnadenloses Schießduell, das einer dann völlig durchsiebt aufgibt. Ja, hat denn da keiner mehr Schiß vor dem Tod, zählt nur die Ehre :roll:
Was mir nicht ganz so gut gefiel, das der Film einige Zeit brauchte um in Fahrt zu kommen, aber das war ja dann auch der Part, den doc2 dann auch treffend als den amerikanischen Part bezeichnete.
Da ich aber nicht wirklich was neues, innovatives, aber dafür gut umgesetzte altbekannte Story sichtete und dieser Stoff kalt, düster, dreckig etc. daher kam, gibt es leider nur

7/10
von mir, dessen Wertung ich aber noch überdenken werde. Die volle Punktzahl wäre mir zuviel, denke aber, daß eine erneute Sichtung sicher noch 1-1,5 Punkte mehr zuläßt. Irgendwie hab ich das Gefühl, daß ich diesem Film Unrecht antue. Wobei 7 Punkte für mich ein sehr gut darstellt, einen Film, den man öfter sehen kann und nicht viele Kritikpunkte zuläßt, aber nicht frei dessen ist.
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon DrDjangoMD » 28. Aug 2011, 22:30

dr. freudstein hat geschrieben:7/10
von mir, dessen Wertung ich aber noch überdenken werde. Die volle Punktzahl wäre mir zuviel, denke aber, daß eine erneute Sichtung sicher noch 1-1,5 Punkte mehr zuläßt. Irgendwie hab ich das Gefühl, daß ich diesem Film Unrecht antue. Wobei 7 Punkte für mich ein sehr gut darstellt, einen Film, den man öfter sehen kann und nicht viele Kritikpunkte zuläßt, aber nicht frei dessen ist.


Als ich ihn zum ersten Mal sah, hab ich ihn auch ähnlich benotet! Du hattest vollkommen recht damit, dass der Amerikanische Teil ein kleiner Downer am Anfang ist, aber mitlerweile kommt er mir als Übel nur noch winzig vor, da ich weiß, was mich dann erwartet ;) :rambo:
Believe it or not, ich habe das Western-Genre GEHASST, es war mein letztliebstes Filmgenre, bis ich auf die Italiener stieß, die es zu meinem Liebsten machten, wobei ich um die Amerikanischen immer noch einen großen Bogen mache. Daher ist es nur verständlich, dass man die ersten zwanzig Minuten von "Texas, Addio" nicht gut findet. Erst im Nachhinein betrachtet seh ich darin eine gelungene Zuseherverwirrung, die das Publikum anfangs mit einem ulkigen Kutscher; einem jugendlichen Liebhaber (der bei mir Brechreiz hervorruft); und endlos andauernden Schießerein einlullt, bevor es ihn dann von einer Minute auf die nächste mit Leichenbergen konfrontiert. :D
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon buxtebrawler » 27. Feb 2012, 23:49

„Hier herrscht weder Recht noch Gesetz. Hier gibt es nur Korruption, Gewalt und Intrigen. Hier werden Morde nicht aufgeklärt, hier lebt jeder in Angst.“

Eigentlich noch vor Sergio Corbuccis Meisterstück „Django“ entstanden, wurde der erste Western des Italo-Regisseurs Ferdinando Baldi („Blindman – Der Vollstrecker“) aus dem Jahre 1966 erst nach dem Erfolg von Corbuccis Film in Deutschland aufgeführt und von „Texas addio“, so der Originaltitel, in „Django 2“ bzw. „Django, der Rächer“ umbenannt, um auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Ausschlaggebend hierfür war sicherlich auch, dass Franco Nero in beiden Filmen die Hauptrolle spielt.

Django (im Original Burt) Sullivan ist ein gerechter texanischer Sheriff, der nach langen Jahren den Entschluss fasst, nach Mexiko zu gehen, um den Tod seines Vaters zu rächen. Dieser wurde seinerzeit von Cisco Delgado (José Suárez, „Seine Kugeln pfeifen das Todeslied“) erschossen, der mittlerweile zu einem ebenso reichen wie grausamen Großgrundbesitzer geworden ist, der seine Arbeiter wie Sklaven ausbeutet und mithilfe seiner schießwütigen Männer ein Schreckensregime errichtet hat. Widerwillig erlaubt Django seinem jugendlichen Bruder Jim (Alberto Dell'Acqua, „Töte alle und kehr allein zurück“), ihn zu begleiten. Ziel seiner Rache ist die Verhaftung Delgados, um ihn nach Texas zu bringen und vor ein Gericht zu stellen.

Seinen genrekonformen Racheplot baute Baldi laut eigener Aussage nach dem Vorbild einer griechischen Tragödie auf, was deutlich zum Tragen kommt, als Django endlich bis in Delgados private Gemächer vorgedrungen ist. Zunächst einmal beginnt „Django, der Rächer“ aber auf irritierende Weise wie ein kitschiger US-Western, der mehr verklärender Heimatfilm als alles andere ist. Hierzu passt auch das Bild Mexikos, das Baldi seinen Zuschauer präsentiert: Sobald Django und Jim die Grenze überschritten haben, müssen sie sich gegen unmenschliche Banditen behaupten und werden Zeuge zahlreicher Gräuel, wie sie sie vom idealisierten Zuhause nicht kennen, so dass das Schießeisen häufig zum Einsatz kommt. Ein Menschenleben scheint nicht viel wert zu sein im Land der Kakteen und Sombreros und gezwungenermaßen muss sich Django dem grassierenden Zynismus anpassen. Baldi symbolisiert dies, indem er Django seinen Sheriffstern abnehmen lässt.

Andererseits bietet dieses Ambiente nun endlich reichlich Raum für die typischen Italo-Western-Charakteristika, wobei Django aber nie gänzlich zum abgeklärten Anti-Helden mutiert. Man lässt ihn sich von seinem ehrbaren Unterfangen, Delgado nicht hinzurichten, sondern Richtern vorzuführen, nicht abbringen, allen Widerständen zum Trotz. Damit wirkt „Django, der Rächer“ trotz aller unerbittlicher Härte wie ein Hybrid aus klassischen Westernmotiven und der pessimistischen Weltsicht herausragender europäischer Genreproduktionen.

Zweifelsohne sind es gerade die italienischen Momente, die zu gefallen wissen. Die kompromisslose Grausamkeit der reichen und mächtigen Herren und ihrer Handlanger in einer verrohten Gesellschaft wird konsequent ungeschönt gezeigt, Baldi beweist ein gutes Händchen für derartige Szenen. Die Kampfszenen bei vollem Körperkontakt wurden sehr ansprechend choreographiert, auf Albernheiten verzichtet und manch brutaler Moment erinnerungswürdig inszeniert. Dass der Heranwachsende Jim ausgerechnet durch das Erschießen eines Gegners zum Mann zu werden scheint, ist der zynische Kommentar zu einem Umfeld, das ein behütetes Aufwachsen nicht erlaubt.

Auf der anderen Seite galoppiert „Django, der Rächer“ nicht dramaturgisch stringent auf sein Finale zu, sondern gerät dann und wann ins Holpern, wenn er manchen Charakter sich arg schnell wandeln, sich in anderen Momenten aber unproportional viel Zeit lässt und gegen Ende gar die Handlung um einen revolutionären Aufstand ergänzt, der ein bisschen so wirkt, als wäre er in erster Linie Aufhänger für eine zünftige Massenschießerei gewesen. Atmosphärisch reicht der Film nicht an die großen Namen des Genres heran, lange Zeit bleibt er distanziert und emotional oberflächlich. Die tragische Familienkonstellation indes, die sich herauskristallisieren wird und ich hier nicht spoilern werde, ist eine gelungene Wendung der Geschichte, die sie sowohl auf emotionaler als auch psychologischer Ebene auf ein höheres Level hievt und aus Baldis Film tatsächlich eine klassische Tragödie im staubigen Italo-Western-Gewand macht.

Franco Nero trägt durch seine Präsenz und sein Talent ebenfalls entschieden zur Qualität des Films bei; ihm zur Seite stehen zahlreiche Film-Gringos und -Mexikaner, die ausfallfrei den Ton des Films beibehalten. Kameramann Enzo Barboni, der später erfolgreich als Regisseur von Spencer/Hill-Komödien auftrat, leistet solide Arbeit. Das Titelstück, gesungen von Don Powell, ist hörenswert, pendelt aber – passend zum Film – zwischen melancholischem Pathos und Kitsch. Hätten sich die Drehbuchautoren Baldi und Rossetti um eine deutlichere Charakterzeichnung bemüht und die Figur Djangos mit etwas mehr Pepp versehen sowie den Ami-Schmonz gegen mehr knisternde Spannung getauscht, wäre bestimmt ein qualitativ höheres Ergebnis erzielt worden; insbesondere vor dem Hintergrund einer von Klassengefälle und Ausbeutung bestimmten Geschichte, die auch für Delgado die Botschaft bereithält, dass man ganz oben kaum echte Freunde hat und der Preis des gierig zusammengerafften Besitzes Isolation und Hass sind, der in die Verhältnisse durchrüttelnde Aufstände münden kann, während derer man schneller als man glaubt auf sich allein gestellt ist. Dank dieses interessanten, weil Täter zu Opfern werden lassenden Aspekts der Handlung und Neros Schauspiel gebe ich knappe 7/10 Punkte für einen Film, den ich lieber als konsequent dreckigen Italiener gesehen hätte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon DrDjangoMD » 28. Feb 2012, 00:05

Allgemein: Schöne Kritik, auch wenn der Film in meinem Herzen seinen Stand der absoluten Perfektion nicht verlieren wird ;)

buxtebrawler hat geschrieben:und gegen Ende gar die Handlung um einen revolutionären Aufstand ergänzt, der ein bisschen so wirkt, als wäre er in erster Linie Aufhänger für eine zünftige Massenschießerei gewesen.


Hierzu: Prinzipiell würde ich dir recht geben, aber ich werde mich über kein Handlungselement beschweren, so unpassend es auch sein mag, solange es uns einen Auftritt von Luigi Pistilli beschert :D
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon reggie » 28. Feb 2012, 00:19

DrDjangoMD hat geschrieben:Believe it or not, ich habe das Western-Genre GEHASST, es war mein letztliebstes Filmgenre, bis ich auf die Italiener stieß, die es zu meinem Liebsten machten, wobei ich um die Amerikanischen immer noch einen großen Bogen mache.


:prost: Genau so muss das auch sein! ;)

Mit dem hier tue ich mir etwas schwer da hat Baldi besseres Gezaubert, aber auch schlechteres...
Muss ihn mir bei gelegenheit mal wieder ansehen.
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon DrDjangoMD » 28. Feb 2012, 00:24

reggie hat geschrieben:Mit dem hier tue ich mir etwas schwer da hat Baldi besseres Gezaubert, aber auch schlechteres...


Wenn man mal von seinen Western ausgeht (auch wenn die anderen Arbeiten, die ich von ihm kenne auch gelungen sind), so würde ich sogar so weit gehen zu behaupten, dass Baldi der fähigste Westernregisseur, welcher nicht Sergio im Vornamen heißt, ist :nick: ... :? das heißt natürlich solange er darauf verzichtet Rita Pavone in seinen Filmen zu haben, Gott, ich hasse "Blaue Bohnen für ein Halleluja" :palm:
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon reggie » 28. Feb 2012, 00:41

Seine Kugeln ... ist ja einer meiner Lieblinge, ein Meisterwerk wie ich finde!
Auch Blindman sowas von Episch, genial..
Django und die Bande der Gehenkten finde ich ist Hills bester Western ;)
Hasse deinen Nächsten ist solide.
Tim Breaker sehr Trashig :lol:
Selbst den Film mit der Rita, wo er alle unser Italohelden auf die Schippe nimmt finde guckbar...
Einzig vergessen kanste seine Coby und Smith filme, die sind das letzte, was ihn da geritten hat????

Was er aushalb des Westerns gedreht hat war auch nicht so mein fall, aber im Genre war er einer der Besten! Gleich nach den beiden Sergios ;)
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon buxtebrawler » 28. Feb 2012, 00:48

reggie hat geschrieben:Gleich nach den beiden Sergios ;)


Nach den drei Sergios :opa:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon dr. freudstein » 28. Feb 2012, 01:22

buxtebrawler hat geschrieben:
reggie hat geschrieben:Gleich nach den beiden Sergios ;)


Nach den drei Sergios :opa:


Er kanns nicht lassen, aber ich kenne nur 2 :?
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Re: Django, der Rächer - Ferndinando Baldi

Beitragvon McBrewer » 28. Feb 2012, 01:40

dr. freudstein hat geschrieben:
buxtebrawler hat geschrieben:
reggie hat geschrieben:Gleich nach den beiden Sergios ;)


Nach den drei Sergios :opa:


Er kanns nicht lassen, aber ich kenne nur 2 :?



Sergio Sollima!!! :opa: :basi:
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