Black Zombies - Umberto Lenzi

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

Moderator: jogiwan

Re: Black Zombies - Umberto Lenzi

Beitragvon Blap » 2. Aug 2012, 22:11

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Kleine Hartbox (#94, Cover A) aus der Trash Collection von CMV



Black Zombies (Italien 1991, Originaltitel: Demoni 3)

Bizarre Rituale beleben fauliges Fleisch

Dick (Joe Balogh), Jessica (Sonia Curtis) und Kevin (Keith Van Hoven) sind im Auftrag einer Plattenfirma in Brasilien unterwegs, sie sollen möglichst viele Samba-Rhythmen per Tape festhalten. Während sich das Liebespaar Jessica und Kevin gut versteht, trägt Jessicas Bruder Dick seine Unzufriedenheit offen zur Schau. Der junge Mann interessiert sich für den Macumba-Kult und dessen Bräuche, stösst bei seinen Mitreisenden allerdings auf taube Ohren. Tatsächlich gelingt es Dick einer Zeremonie beizuwohnen, er verliert jedoch das Bewusstsein, wacht am nächsten Morgen zerknirscht in seinem Hotelzimmer auf. Eile zum Aufbruch ist geboten, die Reise soll die kleine Gruppe weiter nach Belo Horizonte führen. Auf einer abgelegenen Nebenstrecke streikt das Auto, weit ausserhalb jeder Ortschaft. Glücklicherweise tauchen Jose (Philip Murray) und Sonia (Juliana Teixeira) auf, die ganz in der Nähe ein altes Anwesen gemietet haben. Hausmädchen Maria (Maria Alves) erblickt ein Amulett um Dicks Hals, blankes Entsetzen packt die Dienerin im Genick. Bald streifen grauenvolle Gestalten durch die Gegend, gnadenlos und blutrünstig stellen sie den Anwesenden nach...

Umberto Lenzi zählt zu den wichtigsten Regisseuren des italienischen Genrekinos, seine grössten Erfolge feierte er in den siebziger und achtziger Jahren. Als Beispiele sprechen der starke Giallo "Spasmo" (1974), der grandiose Polizei-/Gangsterfilm "Die Viper" (Roma a mano armata, 1976) und der Kannibalen-Reisser "Lebendig gefressen" (Mangiati vivi!, 1980) für sich, die Aufzählung wäre ohne Schwierigkeiten um zahlreiche Edelsteine erweiterbar. "Black Zombies" wurde der Originaltitel "Demoni 3" verpasst, ein weiterer/tatsächlicher Bezug auf die Filme von Lamberto Bava besteht freilich nicht. In einem ländlich-waldigen Umfeld scheucht Umberto Untote aus den Gräbern. Mit viel gutem Willen könnte man eine Brücke in Richtung Rassenkonflikt in das Treiben interpretieren, handelt es sich bei den Zombies doch um ehemalige Sklaven, arme Seelen die von perversen Großgrundbesitzern wie Vieh gehalten und gequält wurden. Jedem halbwegs ernsthaften Ansatz hält diese Betrachtung kaum stand, hier wurde lediglich ein geeigneter Aufhänger gesucht und gefunden.

Auf der DVD ist ein Interview mit Lenzi zu finden, der sich nicht allzu positiv über seinen Film äussert. Hauptsächlich führt er seine negativen Erinnerungen auf die Schauspieler zurück, die Damen und Herren entsprachen aus Geld- und Zeitnot überwiegend nicht seinen Wünschen. Gewisser Frust scheint nicht unverständlich, immerhin arbeitete Lenzi in den vorherigen Jahrzehnten mit vielen der grössten Genrestars zusammen, hier muss er sich mit der dritten Garde begnügen. Es ist nicht zu leugnen, hohen Wiedererkennungswert oder gar grossartige Leistungen hat das Ensemble nicht zu bieten. Ich komme indessen recht gut mit den Darstellern klar, keiner der Mitwirkenden nervt, allesamt gehen sie in der durchaus ansprechenden Atmosphäre auf. Eben wegen der Unscheinbarkeit beschränke ich mich auf die kleinen Glanzlichter. Maria Alves kann herrlich panisch aus der Wäsche schauen, Keith Van Hoven sorgt für den sympathischen Anker. Stars sind die knuffig anzuschauenden Zombies, schlufernd tragen sie ihre Hack- und Stechwerkzeuge durch die Kulissen, Augen sind besonders begehrt. Untote wollen Satisfaktion, gewissermaßen Zombies auf Vergeltungstour, warum nicht.

"Black Zombies" stellt für Sammler und Fans eine schöne Ergänzung zu den Klassikern des Genres dar. Es muss nicht immer ein Zombie am Glockenseil hängen, auch Streifen aus der hinteren Ecke der Schublade können Freude machen. Trotz ungünstiger Umstände gelingt Lenzi der Aufbau einer runden Atmosphäre, die Musik aus der Feder von Franco Micalizzi gefällt. Obendrein sind die Zombies nett anzuschauen, obligate Schlurfer des Todes, keine hektischen Neo-Beisser mit athletischen Fähigkeiten. Wer nicht genug von derartigen Ergüssen bekommen kann, der sollte sich diesen späten Lenzi ins Blut drücken. Ehrlich, es bereitet keine Pein, berauscht zwar nur in gemäßigten Bahnen, tut aber schlicht gut und geht locker rein.

CMV hat das Filmchen als #94 der hauseigenen Trash Collection veröffentlicht, die gebotene Qualität ist ordentlich, der Bonusbereich gibt Trailer und das oben erwähnte Interview mit Umberto Lenzi her (welches bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat, es scheint noch aus der VHS-Ära zu stammen). Zwei unterschiedliche Cover stehen zur Auswahl, wie üblich kommen die DVDs in kleinen Hartboxen ins Haus.

Ich mag diese kleinen Knuffelchen aus der "Endphase" des italienischen Genrekinos. Ergo setzt es wohlgestimmte 6/10 (Wohlfühlbonus fliesst nicht in die Zahlenwertung ein, wird aber in meinen Herzkammern an die Wände geschrieben).

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Re: Black Zombies - Umberto Lenzi

Beitragvon jogiwan » 19. Aug 2012, 08:49

Blap hat geschrieben:Stars sind die knuffig anzuschauenden Zombies, schlufernd tragen sie ihre Hack- und Stechwerkzeuge durch die Kulissen, Augen sind besonders begehrt. Untote wollen Satisfaktion, gewissermaßen Zombies auf Vergeltungstour, warum nicht.


Jupp! Lenzis etwas obskure Voodoo-Zombie-Sause ist wirklich ein recht netter Spass für zwischendurch, dem zwar irgendwie die großen Höhepunkte fehlen, aber bei dem auch trotzdem keine Langeweile aufkommt. Die Darsteller sind passabel, die Geschichte halbwegs originell und bietet neben okkulten Riten und etwas Schmodder auch noch schönen Aufnahmen von Rio de Janeiro. Interessant auch das erwähnte Interview auf der CMV-Scheibe, in dem sich Herr Lenzi wenig wohlwollend über zwei seiner Hauptdarsteller äußert. Unterm Strich ein System-erhaltendes Vergnügen der leicht überdurchschnittlen Art, das man sich als Italo- und Zombie-Fan natürlich nicht entgehen lassen sollte.
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Re: Black Zombies - Umberto Lenzi

Beitragvon jogiwan » 2. Sep 2012, 15:35

Hier noch die verlängerte Fassung meiner Eindrücke:

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Die beiden Geschwister Dick (Joe Balogh) und Jessica (Sonia Curits), sowie ihr Freund Kevin (Keith van Hoven) reisen im Auftrag einer Schallplattenfirma nach Brasilien, um der dortigen Kulturszene nach neuen Samba-Rhythmen Ausschau zu halten und diese auf Band aufzunehmen. Nach einigen Tagen Aufenthalt und Recherche kommt es jedoch innerhalb der Gruppe zum Streit, da sich Dick von dieser Aufgabe gelangweilt fühlt und sich lieber für Okkultismus und Aberglaube interessiert, den es in der Millionenmetropole Rio auch zuhauf gibt.

Er verlässt die Gruppe und stößt wenig später in einem der Favelas auf die Spuren eines Kultes, nimmt an einer schwarzen Messe teil, nimmt diese magischen Beschwörungen mittels Rekorder auf und erhält von einem blinden Mann ein mysteriöses Amulett mit Schlagen-Symbol bevor er bewusstlos zusammenbricht. Am nächsten Tag erwacht Dick ohne Erinnerung an die vergangene Nacht in seinem Hotelzimmer, wo er von Jessica und Kevin auch schon erwartet wird, da an diesem Tag ein Trip nach Belo Horizonte auf dem Programm steht.

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Obwohl Dick in keiner guten Verfassung scheint, machen sich die drei mit einem Jeep auf den Weg und bleiben wenig später auf einer Landstraße mit Motorschaden liegen. Da in der Abgelegenheit wohl keine Hilfe zu erwarten ist, sind die Touristen froh, als sie auf Jose (Philip Murray) und Sonja (Juliana Teixeira) treffen, die in der Nähe eine heruntergekommene Bananenplantage gemietet haben, die sie wieder auf Vordermann bringen möchten. Die Einladung, die Nacht in ihrem Hause zu verbringen wird dankend angenommen und obwohl dessen abergläubische Haushaltshilfe Maria (Maria Alves) von finsteren Vorahnungen geplagt wird, richten es sich die drei gemütlich ein.

Als Dick jedoch bei einem nächtlichen Spaziergang die Tonbandaufnahme der okkulten Messe des –Vortages ausgerechnet auf einem alten Friedhof abhört, setzt er damit einen uralten Fluch in Gang, der wie eine dunkle Wolke über der abgelegenen Plantage schwebt. Vor vielen Jahren wurden an diesem Ort von den Großgrundbesitzern zahlreiche Verbrechen an den Sklavenarbeitern verübt und sechs von ihnen wurden auf besonders grausame Weise gequält und anschließend ermordet. Diese erheben sich nun aus den Gräbern des verlassenen Friedhofs um an ihren ehemaligen Peinigern Rache zu üben und gehen dabei auch äußerst blutig zu Werke…

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Den italienischen Regisseur Umberto Lenzi ist schon ein Guter. Seit dem Jahre 1953 dreht der werte Herr Film ohne Genre-Berührungsängste unermüdlich seine Filme und lieferte gleich mehrere unverzichtbare Klassiker des einschlägigen Kinos ab. Egal ob seine zahlreichen Beiträge zum Giallo-Genre wie „Spasmo“ oder „Labyrinth des Schreckens“, seine Poliziecscos („Die Kröte“), Kannibalen-Kracher wie „Lebendig gefressen“, bis hin zu Western und Abenteuer-Streifen - ein Großteil seiner Filme ist auch nicht mehr aus dem kollektiven Bewusstsein der Italo-Fangroup wegzudenken

Auch der 1991 entstandene „Black Zombies“ macht hier auch keine Ausnahme und bietet solide, blutige und kurzweilige Zombie-Action, der etwas anderen Art. Den hier schlurfen die schwarzen Untoten nicht wahllos auf der Suche nach frischen Innereien oder körpertemperierter Gehirnmasse durch die Gegend, sondern sind wie schon die Kollegen bei „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“ unterwegs um für erlittenes Leid Rache zu üben und gehen dabei recht forsch ans Werk. Die rasch erzählte Geschichte aus der Feder von Olga Pehar orientiert sich statt den ewig gleichen und bereits zu (Un-)Tode variierten Romero-Grundregeln dann auch eher an populären Aberglauben der brasilianischen Bevölkerung und Voodoo, den es ja auch noch zuhauf zu geben scheint.

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Dabei stand die Entstehung des Streifens laut Bonusmaterial unter keinen guten Stern und auch Lenzi ist mit dem Endprodukt nicht wirklich zufrieden, was größtenteils an der Besetzung liegt. So hat er als Hauptdarstellerin eine andere Schauspielerin gecastet, doch dem Flieger in Rio entstieg eine andere, mit der man aus Budget- und Zeitgründen vorlieb nehmen musste. Dass Sonia Curtis aber so farb- und talentlos daherkommt, kann ich jetzt nicht unbedingt bestätigen und mir persönlich hat die Dame auch durchaus gefallen, die ihrerseits wohl auch keine guten Erinnerungen an den Dreh hat.

Auch bei den männlichen Darstellern gab offenbar es Stunk und zwischen Keith van Hoven und Joe Balogh ein paar Spannungen, die sich ebenfalls auf das Werk auswirkten. Dennoch ist „Black Zombies“, der auch als dritter Teil von Lambertos „Dämonen“-Sause vermarktet wurde, obwohl er keinerlei Bezug hat, durchaus gelungen und bietet auch technisch systemerhaltende Kost, die den aufgeschlossenen Italo-Fan auch nicht enttäuschen wird. So gibt es anfänglich ein paar schöne Shots von Rio inklusive Favelas und auch danach überzeugt der Streifen mit netten Locations, blutigen Momenten und guten Tempo.

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Im Gegensatz zur bisher erhältlichen Bootleg-Veröffentlichung aus dem Land der Rösti und dem Käse-Fondue, bietet die ungekürzte Scheibe aus dem Hause CMV-Laservision den Streifen auch in eigentlich sehr guter Bildqualität und erscheint nach einer kleinen Internet-Abstimmung auch als Nummer 94 der Trash-Collection, wo das Italo-Spätwerk auch bestens aufgehoben ist. Als Bonus gibt es ein interessante Interview mit Umberto Lenzi und Olga Pehar, den Originaltrailer, Bildergalerie und weitere Trailer aus dem spannenden Programm des Berliner Labels. Zwei geschmackvolle Cover-Varianten, wahlweise unter dem Titel „Black Zombies“ oder „Dämonen 3“ runden das positive Gesamtbild harmonisch ab.

Unterm Strich bleibt ein sympathischer und System-erhaltender Zombie-Schocker mit Voodoo-Komponente und sechs untoten Ex-Sklaven, die unsanft mittels Tonbandaufzeichnung aus ihren Gräbern gerüttelt werden und danach ordentlich schlechte Laune haben. „Black Zombies“ ist zwar sicherlich kein Meilenstein des Genres und Zombie-Puristen werden sicherlich auch bei der ein- oder andere Szene Ausschlag bekommen, aber irgendwie machen solche Streifen doch immer wieder Spaß und auch in dieser Hinsicht ist Lenzis Spät-Italo keine Ausnahme. Die schwarzen Zombies rocken die Plantage, sodass man nicht nur als Mitwirkender durchaus mal ein Auge riskieren kann.

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Re: Black Zombies - Umberto Lenzi

Beitragvon Adalmar » 19. Nov 2012, 06:57

Unterhaltsamer Film, der aus meiner Sicht z. B. bei der OFDb zu schlecht wegkommt. Aber wenn man sich die dortigen Rezensenten anguckt, beweisen die auch teils wenig Sachverstand, beispielsweise indem sie Lenzi auf seine Kannibalenfilme reduzieren. Hier gibt es jedenfalls Untote mit Rachegedanken, was vom typischen Fresszombie stark abweicht, so dass die Frage ist, ob man überhaupt noch von Zombies reden sollte. Die Aufmachung der Untoten ist jedenfalls klasse, sehr dreckig und verkrustet kommen sie dahergeschlurft mit ihren Mordwerkzeugen. Auch die Darsteller sind sympathische Zeitgenossen, Lenzis Unzufriedenheit mit ihnen kann ich nicht so ganz verstehen, wenn man mal vom unangenehmen Dreh absieht. Ein recht stimmungsvolles und nett ausgeleuchtetes verfluchtes Haus tut sein Übriges.
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