Die Milchstraße - Luis Buñuel (1969)

Moderator: jogiwan

Die Milchstraße - Luis Buñuel (1969)

Beitragvon dr. freudstein » 8. Aug 2013, 14:54

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Originaltitel: La Voie lactée

Herstellungsland: Deutschland / Frankreich / Italien 1969

Regie: Luis Buñuel

Darsteller: Paul Frankeur, Laurent Terzieff, Alain Cuny, Edith Scob, Bernard Verley,
François Maistre, Claude Cerval, Muni, Julien Bertheau u.a.

Story:
Auf ihrer Reise nach Santiago de Compostela treffen die Pilger Pierre und Jean auf einen mysteriösen Fremden mit Umhang, den sie um ein Almosen bitten. Dieser prophezeit den beiden Gläubigen, dass sie mit einer Hure zwei Kinder mit den Namen „Keine Gnade mehr“ und „Ihr seid nicht mein Volk“ zeugen werden. Etwas irritiert setzen Pierre und Jean ihre Reise fort und treffen, losgelöst von Zeit und Raum, auf historische Personen und christliche Dogmen, die sie manchmal in ihrem katholischen Glauben bestärken, aber auch Zweifel aufwerfen.

http://www.ofdb.de/film/24064,Die-Milchstra%C3%9Fe
dr. freudstein
 
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Re: Die Milchstraße - Luis Buñuel

Beitragvon dr. freudstein » 10. Aug 2013, 02:38

Die Pilger Jean und Pierre befinden sich auf ihrem Pfad nach Santiago und begegnen dort einem unheimlichen Unbekannten, der ihnen den Auftrag erteilt, am Zielort (das Ende des Jacobsweg, wie auch die Milchstraße, die Galaxie genannt wird ) eine Prostituierte beiderseits zu schwängern und die Jungen (es wurden wohl Knaben gewünscht) folgendermassen zu taufen: DU BIST NICHT MEIN VOLK und KEINE BARMHERZIGKEIT MEHR. Warum? Dieses bleibt unbegründet und ob sich dieses bewahrheitet, schaut einfach den Film bis zum Ende durch, ihr werdet es nicht bereuen. Unlösbar auch, warum grade der ein Almosen bekommt, der noch über Kleingeld verfügt.

Die beiden Pilger verfolgen weiter ihrem Zielort entgegenstrebend, stossen hierbei auf immer mehr auf geschichtliche Ereignisse und begegnen sogar Jesus persönlich. Während dem einen immer mehr Zweifel aufkommt, was die religiöse Historie angeht und dem Glauben, bleibt der andere unbestärkt dessen. Sie müssen sich weiter durchschlagen, nach einem Unterschlupf und einer Magenfüllung suchen, doch sie stossen oft auf Ablehnung.

Oft wird auch durch die historischen Personen die Frage laut, gibt es einen Gott wirklich und wie liesse sich dieser beweisen. Natürlich wird dieses wie selbstverständlich durch Bibelsprüche gekontert, dort steht es geschrieben, also muss es ja auch stimmen.
Einfacher geht es nicht. Eben solche Widersprüche dort wie könnte ein Gott, denn Mord und Qualen zulassen, werden dann ebenso leichtfertig damit abgetan, Gottes Wege seien halt unergründlich. Weitere Diskussionen dieser Art finden dann auch in allen erdenklichen Gesellschaftsschichten statt, aber Zweifler werden ebenso abgetan wie andernorts auch.
Zu manchen Zeiten werden diese sogar mit Folter und Mord beantwortet, es werden nicht einmal berechtigte Zweifel diskutiert, sondern gleich mit der Todesstrafe beantwortet. Oder aber man zieht seine Zweifel zurück. Grotesk auch, die Antwort " Im Zustand der gefallenen Natur kann man sich nicht gegen die Gnade wehren", denn diese führt zugleich zu einem Duell. Dann treffen wir bzw. unsere Pilger auf eine Gemeinschaft von Nonnen, wo eine beschliesst, sich selbst ans Kreuz nageln zu lassen um das Leiden Jesu Christi am eigenen Leib zu spüren. Welchen Nutzen man daraus ziehen sollte, weiss nur die Betroffene.

Fakt jedoch ist, man stellt die Existenz von Gott niemals in Frage, so unsinnig modern aufgeklärten Menschen diese Frage auch erscheinen mag, sind doch viele Phänomene wie auch das Leben selbst durch wissenschaftliche Fakten erklärbar. Doch man nicht jeden damit überzeugen und seinen Unmut zu spüren bekommen, wenngleich der Gesprächspartner in die nächste Heilanstalt (zu Recht) abtransportiert wird.

Pierre träumt derweil nach wie vor davon (wie ich auch), das der Papst erschossen wird. Aber wohl ein unerfüllter Traum dies bleiben wird.
Jesus selbst sprach dann: Wer seine Mutter und seinen Vater mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.
Soviel narzistisches Spruchwerk lässt nur einen Schluss zu, traue keinem Gebetsmann. Denn wie kann man Nächstenliebe predigen und gleichzeitig einen Gott oder den Jesus (sind die beiden nicht eh eine Person?) zwanghaft verehren müssen, aber gleichzeitig Zweifler und Andersliebende ausstossen oder gar mit Folter und Tod zu bestrafen?
Viele Bibelzitate finden sich hier und der Film zeigt vor allem eins, wie unsinnig doch die (insb. katholische) Religion doch sein und wie scheinheilig doch die (unbefriedigenden) Antworten dann auch sind. Und wie sinnlos Pilgerfahrten sind.
Glaubt nur an euch selbst. Gott sei Dank bin ich Atheist.
dr. freudstein
 
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Re: Die Milchstraße - Luis Buñuel

Beitragvon ugo-piazza » 10. Aug 2013, 18:31

dr. freudstein hat geschrieben:Gott sei Dank bin ich Atheist.
:? :? :?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Die Milchstraße - Luis Buñuel

Beitragvon buxtebrawler » 4. Mai 2018, 08:43

Erschien mutmaßlich am 03.05.2018 bei Arthaus noch einmal auf Blu-ray und DVD:

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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