Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Dez 2019, 19:35

Assault - Anschlag bei Nacht / Das Ende

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jogiwan hat geschrieben:Grandioser und sauspannender Thriller von John Carpenter, der hier auf sehr eindringliche Weise Gang-Kriminialität thematisiert und dabei eine klaustrophobische Stimmung aufbaut, die wirklich ihresgleichen sucht. Das Besondere an dem Streifen ist sicherlich die Tatsache, dass die Bösen nicht charakterisiert oder groß gezeigt werden, was zur Folge hat, dass ihre Taten noch unberechenbarer erscheinen und in unerwarteten Momenten auf die Zuschauer und Protagonisten hereinbrechen. Die Darsteller sind absolut top, die Musik stimmig und das magere Budget sieht man "Assault on Precinct 13" eigentlich gar nicht an. Carpenter macht hier einfach alles richtig und holt auch auch das Maximum aus seiner Geschichte heraus. Effektives, kompromißloses und dreckiges Siebzigerjahre-Kino - ein Film, genau nach meinem Geschmack!


Ja, und das würde ich auch sieben Jahre später und trotz der mauen Tatort-Hommage noch immer so schreiben.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 28. Dez 2019, 20:00

Raw

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jogiwan hat geschrieben:Kannibalismus ist ja eines der großen, wenn nicht das größte Tabu der menschlichen Gesellschaft, bei dem schon allein der Gedanke daran bei vielen Menschen höchstes Unwohlsein hervorruft. Denen sei von „Raw“ auch dringend abgeraten, da die französisch-belgische Koproduktion dem Zuschauer trotz der FSK-16-Freigabe doch so einiges zumutet. Dabei ist dieser höchst spannende und ziemlich ungewöhnliche Beitrag eigentlich kein herkömmlicher Horrorfilm über Kannibalismus, sondern ein Drama über eine junge Frau, die in einer Selbstfindungsphase einen schwer zu kontrollierbaren Heißhunger auf Menschenfleisch entwickelt. Dabei streift „Raw“ neben seinem „Coming-of-Age“-Auftakt auch Elemente des Zombie-und Werwolf-Films ohne sich in fantastischen Gefilden zu bewegen und statt billiger Schocks erinnert mich Julia Ducournaus Streifen viel mehr an die Werke von Giorgios Lanthimos, der ebenfalls seine komplexen, aber auch wieder völlig jenseitigen Welten formal sehr streng, mit schwärzesten Humor und voller Ernsthaftigkeit entwirft. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich durch die Herangehensweise viele schwer tun, diesen Film in einem Genre-Kosmos einzuordnen und Distanz zu wahren und der durchaus verstörende „Raw“ wirkt natürlich sehr abstoßend, während man für seine Figuren durchaus Mitgefühl entwickelt. Eigentlich ein Widerspruch und doch auch das greift eigentlich auch wieder inhaltlich viel zu kurz für diesen nachhaltig erschütternden Streifen, der sicherlich zu dem interessantesten Beiträgen der letzten Zeit gehört.



Gestern noch mal mit meinem netten Besuch geguckt, der hinterher doch auch etwas verschreckt gewirkt hat. Aber dieser ungewöhnliches Streifen ist doch auch sehr gut angekommen. Ein Film über das Erwachen von Fleischeslust... nur eben etwas anders wie erwartet... ;)
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Dez 2019, 19:16

Die Neun Leben des Tomas Katz

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Ein mysteriöser Fremder namens Tomas Katz entsteigt am Tag einer Sonnenfinsternis dem Londoner Kanalsystem und nimmt sich ein Taxi Richtung Innenstadt. Dort übernimmt er auf wundersame Weise dessen Identität und schlüpft später auch in die Rolle eines Ministers um für allerhand Wirbel zu sorgen. Doch das ist erst der Anfang einer Reihe von sehr seltsamen Ereignissen, die in einem größeren und kosmischen Zusammenhang stehen, da mit der Sonnenfinsternis auch die Apokalypse ins Haus steht.

Bemüht auf originell und außergewöhnlich gemachte Komödie, die mich aber weder optisch, noch inhaltlich sonderlich begeistern konnte. Die Geschichte über den Untergang der Welt ist natürlich größtmöglich skurril und auch die Darreichungsform mit schwarzweißen Bildern, schnellen Schnittfolgen und optischen Verfremdungen zeugt ebenfals von einem sehr ambitionierten Zugang des Regisseurs. Obwohl ich derartigen Dingen eigentlich sehr aufgeschlossen bin, konnte mich das Gesamtergebnis aber nicht wirklich überzeugen, sondern ist leider ziemlich langweilig in seinem Bestreben, den Zuschauer stets immer mit noch originelleren Wendungen zu überraschen. „Die Neun Leben des Tomas Katz“ ist auf Dauer mit seinem Videoclip-artigen Stil aber eher ermüdend als interessant und einfach viel zu vollgestopft mit optischen und inhaltlichen Ideen, die einzeln zwar spannend sein mögen, aber in ihrer Gesamtheit überhaupt nicht mehr entsprechend zur Geltung kommen. Überambitioniert, überfrachtet und leider auch ziemlich langweilig.

Time Breaker

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Der Jogi hat es wieder einmal mit einem Western versucht, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob „Time Breaker“ jetzt überhaupt noch diesem Genre zuzuordnen ist. Der Streifen fängt zwar wie ein Western an und hat auch die üblichen Figuren und ein an sich typisch von Habgier getriebenes Handlungsgerüst, doch anstatt schweigsame Auftragskiller oder sonstige Bösewichter hat man es hier auf einmal mit Prinzessinnen, Buckligen und Barbaren in fernen Spanien zu tun. Was wohl originell sein soll, entpuppt sich aber rasch als episodenhaftes Sammelsurium an vermeintlich schrägen Ideen, die aber nie so richtig funktionieren wollen. Ein Werk, dass Westernfans im Grunde ordentlich eins vor den Latz knallt sollte ich ja eigentlich spannend finden, aber im Falle von „Time Breaker“ ist das Ergebnis tatsächlich dann noch schlimmer als erwartet und der Schuss geht trotz des sehr explosiven Finales sowas von hinten los, dass man sich nur verwundert die Augen reiben kann. Ein Genre-Bastard, bei dem der Western-Anteil den Rest ganz gehörig in den Abgrund reißt als Totalausfall auf der Unterhaltungsskala, der vielleicht gerade noch als Kuriosum durchgeht, aber ich fand den trotzdem ganz furchtbar.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Dez 2019, 19:54

The Sect

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jogiwan hat geschrieben:Dank eines sehr netten Menschens bin ich nun auch in den Genuß der ungekürzten Scheibe mit englischer Tonspur gekommen. Mich hat "The Sect" jedenfalls gleich einmal in seinen Bann gezogen und auch gar nicht gestört, dass die Geschichte in seiner Mischung aus "Rosemary's Baby" und "Manson-Family" nicht sonderlich logisch um die Ecke biegt. Die zahlreichen Kamerafahrten erinnern eindeutig an die besseren Tage von Argento und zeigen, dass Herr Soavi als Regie-Assistent gut aufgepasst hat. Die deutschen Locations und Settings - vom Frosch-Reiniger bis zum deutschsprachigen Hasen-Buch - fand ich auch recht witzig und was dem Streifen Story-technisch an Orginalität fehlt, macht er duch seine hübsche Optik und den bekannten Gesichtern wieder mehr als wett. Schade nur, dass die deutsche DVD für die Tonne ist! Hier wäre eine vernünftige VÖ wirklich wünschenswert!


Ich find den gestern zwar nicht mehr ganz so toll wie bei meiner Erstsichtung - gefallen hat er mir aber immer noch gut! Schön auch, dass es die vernünftige VÖ mittlerweile auch schon gibt. :nick:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 31. Dez 2019, 18:37

The House That Jack Build

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Nach „I Saw the Devil“ nun mit “The House That Jack Built” nun bereits der zweite Serienkiller-Streifen binnen kurzer Zeit aus der Perspektive des Täters mit unterschiedlichem Zugang und ähnlichen Ergebnis. Abermals bleibe ich als Zuschauer etwas ratlos zurück, wenn man anhand fünf Ereignisse aus dem Leben und in Zwiegesprächen mit einer vorerst unbekannten Figur die Befindlichkeiten des Täters erfährt, die dabei auch unschwer als überhöht und abgewandelt autobiografisch zu interpretieren sind. Die Episoden sind brutal, teils skurril und irgendwie auch immer etwas seltsam, wenn sich die Opfer teilweise etwas zu willig verhalten. Doch aus der Sicht des Täters erzählt mögen diese mit ihren seltsamen Untertönen auch wieder Sinn ergeben, selbst wenn ich wie auch beim südkoreanischen Gegenstück abermals nicht wirklich angesprochen fühle. Auch beim Ende, das ich hier natürlich nicht spoilern möchte, hat Lars von Trier meinen Geschmack nicht getroffen, sondern greift abermals sein Lieblingsthema auf, die er bereits in seinen vorangegangenen Filmen ausgiebig behandelt hat. Dabei lässt er es sich auch nicht nehmen um sich eine Spur zu selbstherrlich und ausgiebig in seiner Lieblingsrolle als künstlerischer Outlaw zu inszenieren. Zurück bleibt zwar ein durchwegs interessanter und überraschend kurzweiliger Film, der sich auch perfekt im kontroversen Schaffen des Regisseurs einpendelt, aber für Fans des Regisseurs auch keine sonderlich großen Überraschungen bereit hält.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Jan 2020, 18:50

Caligula

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Meine Güte, was für ein Film und mit „Caligula“ wollte man wohl das ultimative Erwachsenenfilm-Epos herstellen und hat dafür auch keine Kosten, Mühen und Statisten gescheut. Doch wie so oft, kam dann irgendwie alles anders und der Film wurde aufgrund unterschiedlicher Interessen umgeschnitten, zerstückelt, verschmäht, verrissen und was weiß ich noch alles. In der vorliegenden Fassung von 156 Minuten ist aber immer noch genug übrig geblieben um den Zuschauer mühelos in Erstaunen zu versetzen und mit surrealen Bilderwelten voller Sex und Gewalt zu plätten. Der kurze Aufstieg und Fall eines römischen Tyrannen, der sich selbst als Gott sah, steht ja sinnbildlich für andere Karrieren und ist eigentlich ein Fest für die Sinne und niederen Triebe, bei der sich die Frage auch gar nicht mehr stellt, ob man den Streifen jetzt gut oder schlecht finden soll. So viel nackte Haut sieht man jedenfalls auch nicht alle Tage und das Prädikat Skandalfilm begnügt sich hier auch nicht nur mit einer reißerischen Szene oder zwei, sondern wird auch konsequent über die volle Länge durchgezogen. Eigentlich ein Projekt mit höchst interessanter Entstehungsgeschichte, dass wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt war und Hut ab, dass die das trotzdem durchgezogen haben. Besser kann man dann auch gar nicht in das neue Jahr starten!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Jan 2020, 19:44

Das Haus der lebenden Leichen

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Die teils doch recht negativen Worte zu dem Streifen kann ich nur bedingt nachvollziehen und zu denen möchte ich mich auch nicht anschließen. Klar zählt „Haus der lebenden Leichen“ sicherlich nicht zur A-Liga, aber ist im Grunde doch ein sehr düsterer Schocker aus der Sicht eines körperlich und psychisch missbrauchten Jungen, der später selbst vom Opfer zum Täter wird. Die Stimmung ist eher deprimierend und so wie das einsame Leben des Protagonisten ist auch der Film von einer seltsamen Leere bevölkert, die immer wieder durch die „fantastische“ Elemente unterbrochen werden, die auf eine drastische Persönlichkeitsspaltung und Schizophrenie hinweisen. Ganz klar neben den Verweisen auf „Psycho“ auch die Ähnlichkeiten zu „Maniac“, der jedoch erst einige Zeit später entstanden ist, aber ganz klare Parallelen aufweist. Hier sind die reißerischen Elemente aber wesentlich zahlreicher und grafischer, sodass man als Fan sicherlich eher zu William Lustigs Werk tendiert. Das heißt aber nicht, dass „Don’t go in the House“ nicht ebenfalls auch ein durchaus passabler Streifen ist, der nur etwas subtiler um die Ecke biegt. Zudem gibt es auch noch eine coole Disco-Szene und mit „Struck by Boogie Lightning“ von „L'Ectrique“ auch noch eine der besten Nummer der Disco-Ära. Auch etwas, was man sich in einem Streifen mit Serienmörder-Thematik nicht unbedingt erwarten würde. Ein interessanter, spannender und meines Erachtens auch etwas unterschätzter Streifen, dem man durchaus eine (zweite) Chance geben sollte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Jan 2020, 19:28

Sing

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Der Koala Buster führt seit vielen Jahren ein Theater, dass jedoch aufgrund wirtschaftlicher und künstlerischer Fehlentscheidungen vor dem Bankrott steht. Als die Bank wieder einmal vor der Türe steht um die Raten einzutreiben, setzt Buster daher auf einen tierischen Casting-Wettbewerb, der mit neuen Talenten auch wieder das Interesse an seinem Theater wecken soll. Doch gleich zu Beginn geht einiges schief und neben einem viel zu hohen Preis als Gewinn auf der Einladung, gibt es aufgrund der unterschiedlichsten Befindlichkeiten der hoffnungsfrohen Talente und ihren Problemen im Alltag bald zahlreiche Verwicklungen, ehe auf der großen Showbühne die Träume in Erfüllung gehen können.

Turbulenter Animationsstreifen mit sehr viel Musik aus dem Hause der „Ich, einfach unverbesserlich“-Macher, der hier natürlich die zahlreichen Casting-Formate etwas aufs Korn nimmt. Die Figuren sind gut getroffen, die einzelnen Charaktere natürlich liebenswert und auch die Geschichte über die Höhen und Tiefen im Showbusiness kann man durchaus so lassen. Herausgekommen ist dann auch ein tierischer, aber auch etwas unübersichtlicher Spaß mit viel popkulturellen Zitaten, der vor allem musikalisch auf eine weite Bandbreite und absoluten Overkill setzt. Neben jeder Menge Teenie-Pop von der Stange gibt es aber auch Ennio Morricone, etwas Punkrock und Senor Coconut zu entdecken bzw. zu lauschen und auch sonst macht „Sing“ mit seinem Feelgood-Finale eigentlich schon immer großen Spaß. Wer Filme aus der Ecke mag, wird hier bestens bedient und bekommt hier einen lustigen Film für die ganze Familie und Musikbegeisterte, auch wenn es die zahlreichen Action-Einlagen für meinen Geschmack dazu eigentlich nicht gebraucht hätte.

Hotel Transilvania: Summer Vacation

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Um ihren Vater und den Rest der Familie etwas vom Alltagsstress abzulenken, organisiert Mavis für sich und die Belegschaft des Hotel Transilvanien einen Urlaubstrip, der die ganze Horde an Monstern in einem Kreuzfahrtschiff ans Bermuda Dreieck bringt. Dort wird auch ordentlich Party gemacht und Dracula verguckt sich in die Kapitänin, die sich jedoch relativ rasch an Nachfahrin der Vampirjäger Van Helsings entpuppt, die mit ihrem Urgroßvater einen perfiden Plan ausgearbeitet hat. Doch davon ahnt der verliebte Dracula nichts und hofiert die junge Dame, die ebenfalls zunehmend Zweifel bekommt, ob der Racheplan des Urgroßvaters der richtige ist.

Auch der dritte Teil ist natürlich technisch perfekt und lustig erzählt, auch wenn sich die inhaltlichen Überraschungen mittlerweile doch etwas in Grenzen halten. Der Streifen lebt ja noch immer vom Culture-Clash und der Tatsache, dass auch Monster sich mit ganz alltäglichen und trivialen Problemen auseinandersetzen müssen, die hier ausgiebig für skurrile Situationen genutzt werden. Dazu gibt es auch wieder die übliche Geschichte, dass ein Miteinander besser ist, als ein Gegeneinander, die es ebenfalls schon in den beiden Teilen davor gab. Doch das stört in dem turbulenten Durcheinander auch nur bedingt und die Figuren sind einem ja mittlerweile schon sehr ans Herz gewachsen und die positive Message gilt ja immer noch. Im englischen Original gibt es ja auch noch ein paar bekannte Stimmen zu hören und auch das Finale ist doch wieder eine sehr schöne Sache. Wer die beiden Teile davor mochte, wird auch mit dem Dritten bestens bedient. Und sogar die Gremlins schauen einen Sprung vorbei – was will man mehr.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Jan 2020, 20:20

Black Past

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Auf dem Speicher ihres neu bezogenen Hauses entdeckt der Schüler Thommy eine mit Ketten umschlungene Kiste, in der sich ein Tagebuch mit Aufzeichnungen und ein Spiegel befindet. Als er diesen bei sich im Zimmer aufhängt, beginnt er von schrecklichen Dingen zu träumen und auch seine neue Freundin läuft nach dem Blick in den Spiegel völlig verstört aus dem Haus, vor ein Auto und verstirbt noch an Ort und Stelle. Für Thommy bricht eine Welt zusammen und nach weiteren schrecklichen Visionen und nächtlichen Träumen verliert er zum Leidwesen seiner Freunde und Familie immer mehr den Boden unter seinen Füßen und gerät in den Einfluss dämonischer Ereignisse aus der Vergangenheit, die sich in dem bayrischen Ort auf schreckliche Weise zu wiederholen scheinen.

Das Ittenbach-Debüt ist ja schon eine sehr gelungene Sache, bei der man sich gut vorstellen bzw. sehen kann, wie viel Herz- und Kunstblut in dessen Produktion investiert wurde. Die Geschichte über einen dämonischen Spiegel ist durchwegs passabel, auch darstellerisch okay und durch das nachträgliche Vertonen klingt „Black Past“ auch etwas professioneller, als vieles vom Rest aus der Amateur-Ecke. Bei den Effekten dreht Olaf ja so richtig auf und präsentiert herben Schmodder am laufenden Band, der sich auch vor größeren Produktionen nicht wirklich zu verstecken braucht. Die sind in den knapp 80 Minuten auch gut verteilt, sodass auch der Film nicht allzu viel Anlaufzeit braucht bzw. Durchhänger leistet. Während meiner Sichtung musste ich ja auch des öfteren an die beiden Dämonen-Filme von Lamberto Bava aber auch Werke wie „Tanz der Teufel“ denken, was hier auch sehr positiv gemeint ist. Endlich mal ein deutscher Amateur-Film, für den man sich nicht zu genieren braucht und der auch nicht mit der üblichen Talentlosigkeit hausieren geht, sondern beweist, dass man auch als junger Nachwuchsregisseur mit Mut, Kreativität und der richtigen Portion Größenwahn einen richtig guten Film aus der Amateur-Ecke drehen kann.

Jack Brooks: Monster Slayer

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Hier kann ich mich den positiven Stimmen leider nicht anschließen und auch sonst hat „Jack Brooks: Monster Slayer“ so überhaupt nicht meinen Geschmack getroffen. Das beginnt bei dem furchtbar cholerischen Charakter, der sich kaum als Sympathieträger eignet und endet bei der Geschichte, die nie richtig in die Gänge kommt und auch mehrfach zu Tode erklärt wird. Sollte in der als Horrorkomödie angekündigten Werk tatsächlich Humor vorhanden sein, so habe ich diesen leider nicht als solchen erkannt. Wenn nach lähmend langen 40 Minuten dann die ersten gelungenen Effekte kommen, ist es für den Streifen auch schon längst zu spät und selbst das turbulente und tricktechnisch gelungenere Finale fand ich ziemlich mau und rettet den Film ebenfalls nicht mehr vor dem Niedergang. Insgesamt ein sehr unterdurchschnittliches Vergnügen, das zwar angenehm an Monsterfilme an vergangene Jahrzehnte erinnert, diesen aber zu keiner Sekunde auch nur annähernd das Wasser reichen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Jan 2020, 19:47

Love

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Jaja, die Liebe ist schon etwas Seltsames… so sehr sie einem in den Himmel hievt, so schnell kann sie einem auch wieder den Boden unter den Füßen wegreißen. In „Love“ sehen wir das Paar Murphy und Elektra, von dem wir gleich zu Beginn an erfahren, dass die Beziehung in die Brüche gegangen ist. Rückblickend wird von einer großen Liebe erzählt, die dann so groß doch nicht war und auch wenn die Geschichte in schönen Bildern und realen Sexszenen präsentiert wird, so ist sie doch vor allem eines: etwas, dass auf der Welt jeden Tag in dieser oder abgewandelter Form millionenfach passiert. Menschen verlieben sich, Paare trennen sich und ein Teil davon bleibt traurig zurück. Im Falle von „Love“ handelt es sich dann auch noch um Personen, von denen man sich eigentlich sowieso fernhalten möchte und die egozentrisch, hedonistisch und selbstzerstörerisch unterwegs sind. Ein Film über eigentlich beziehungsunfähige Menschen, der auch sehr rauschhaft daherkommt und den Begriff Liebe auf den Akt körperlicher Vereinigung reduziert und zeigt, dass es nun eben auch die Momente vor und nach dem Orgasmus zu füllen gilt. Und das ist nun einmal sehr schwer, wenn man sich im Grunde wenig zu sagen hat und einem die Befindlichkeiten des anderen auch völlig fremd und noch dazu ziemlich egal sind. Für diese Erkenntnis braucht es aber keine 130 Minuten „Love“, sondern einfach ein bisschen Selbstreflektion, Aufmerksamkeit und Empathie – etwas, was den Figuren und dem Film jedoch völlig zu fehlen scheint.
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