Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Dez 2019, 20:15

Butterfly Room

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Diese amerikanisch-italienische Produktion entpuppt sich doch tatsächlich als sehr kurzweiliger, vertrackt erzählter und giallo-esk angehauchter Thriller, in dem Barbara Steele eine undurchsichtige und resolute Frau gibt, die gleich ein paar Geheimnisse in ihrem titelgebenden „Butterfly Room“ zu haben scheint. Die abgründige Geschichte psychosexueller Natur ist eigentlich recht originell und ansprechend erzählt und auch wenn der sonnige Handlungsort in Kalifornien auf den ersten Blick nicht so recht zu den italienischen Filmen aus den Siebzigern zu passen scheint, so atmet „Butterfly Room“ inhaltlich meines Erachtens doch stark den Geist der Gialli und transportiert diesen ins neue Jahrtausend. Nebenher bietet die Story auch noch Platz für bekannte Gesichter wie Camille Keaton und PJ Soles und sogar Regisseur Joe Dante schaut in einer kurzen Rolle als Taxifahrer vorbei. Alles in allem eine sehr schöne Sache und ein erfrischend unkonventionell erscheinender und weiblich dominierter Film, der die Leutchen in diesem Forum auch mühelos zufrieden stellen sollte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Dez 2019, 18:30

Rupture

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Ich habe mich auch unvorbereitet an „Rupture“ herangewagt und der hübsch gemachte Streifen beginnt auch recht stark mit der völlig unvermittelt erscheinenden Entführung einer Hausfrau. Dabei spielt der Streifen hübsch auf der Klaviatur der Überwachungsparanoia und bietet sicherlich ein Szenario, das nachvollziehbar und erschreckend zugleich ist. Doch nach dem starken Auftakt tritt der Film im Mittelteil irgendwie bereits am Stand und versucht beim Zuschauer mit sehr ominösen Ereignissen in einem fremdartig erscheinenden Labor Neugier zu erzeugen, was aber mangels brauchbarer Informationen nur teilweise gelingt. Das letzte Drittel empfand ich dann eigentlich nur noch als doof und die eher miesen CGI tun da noch ihr übriges. Man will ja nichts verraten, aber die Ereignisse gehen dann schon in Richtung kruder Verschwörungstheorien, über die man sich normalerweise auf Social-Media-Plattformen amüsiert und so ein Drehbuch kommt wohl raus, wenn man im Netz zu viel auf den falschen Seiten unterwegs ist. Dabei wäre der Film eigentlich gar nicht so schlecht gemacht, hat hübsche Settings, tolle Darsteller und eine bava-eske Ausleuchtung, aber die Geschichte fand ich dann doch wenig überzeugend an der Kippe zu „ärgerlich“.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Dez 2019, 19:59

The Last Dead

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In der nahen Zukunft finden der in Scheidung lebende Psychologe Jaime vor seiner Ferienhütte einen schwerverletzten Mann, dessen Körper von Operationsnarben übersäht ist. Jaime beschließt dem Fremden zu helfen, versucht ihn in einem Krankenhaus unterzubringen und entdeckt dabei, dass dieser entgegen den Regeln seiner Zeit nirgends registriert ist. Als bei dem Fremden bruchstückhafte Erinnerungen zurückkommen, beginnt er zu forschen und kommt so auch einer Verschwörung auf die Spur, in dessen Zentrum der mysteriöse Fremde zu stehen scheint und schon bald wird Jaime und seine Freunde von einem übermächtigen Gegner verfolgt, der auch nicht lange zu fackeln scheint.

„Last Death“ wäre eigentlich ein passabler Thriller mit Sci-Fi-Zügen, wenn sich der hübsch gemachte Streifen nicht gleich zu Beginn selbst ein Bein stellen würde. Der Streifen und seine mysteriöse Geschichte soll ja wohl davon leben, dass man nicht genau weiß, welches Geheimnis den plötzlich auftauchenden Fremden umgibt, nur wird das dummerweise gleich in der ersten Szene verraten. Die Figuren bleiben oberflächlich und auch der Sci-Fi-Anteil wirkt etwas aufgesetzt bzw. fast schon aufdringlich und wäre für die Thriller-Handlung nur bedingt notwendig. Ergo hätte man „Last Death“ kompakter und besser machen können, als er letzten Endes geworden ist. So bleibt ein mittelprächtiger Thriller mit kleineren Überraschungen, der mich inhaltlich zudem noch stark an einem Film meines spanischen Lieblingsregisseurs erinnert, der wohl nicht ganz zufällig ein Jahr zuvor entstanden ist. Kann man gucken, aber da wäre schon auch viel mehr möglich gewesen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Dez 2019, 20:53

Barbarella

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Durch die Fotos spontan Lust auf den Streifen bekommen. Barbarella, unsere Fünf-Sterne-Astronavigatrice mit der Lizenz zur Liebe ist einfach ein riesiger, psychedelischer und sexuell aufgeladener Weltraum-Spaß, bei dem vom Eisplaneten bis hin zu So(dom&)Go(morrah) kein Stein auf dem anderen bleibt. Eine Orgel der Lust, ein Revoluzzer namens Dildano, Verzückungspillen und Frauen, die sich am Extrakt des Mannes berauschen. Meine Fresse, was war da in den Sechzigern nur los. Anschnallen, abheben und staunen... ein eigentlich sehr unglaublicher Film!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Dez 2019, 19:53

Incite Mill

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Sonderlich begeistern konnte mich „Incite Mill“ auch nicht und obwohl das Grundgerüst von Agatha Christies „Ein Unbekannter rechnet ab“ übernommen wird, krankt die Geschichte doch gleich an ein paar ziemlichen Schnitzern, die u.a. auch schon Adalmartschi erwähnt hat. Statt Krimifeeling und Rätseln gibt es eher erstauntes Kopfschütteln, wenn sich die Charaktere im sogenannten Paranoia-Haus auf einmal gegenseitig zu beschuldigen, anstatt die wohl einfachste und zugleich plausibelste Lösung in Betracht ziehen. Auch die Geschichte mit ihrer Mini-Kritik an der Sensationsgier der Menschen ist hanebüchen und spielt im weiteren Verlauf dann auch überhaupt keine Rolle. Eigentlich ergibt alles nicht wirklich Sinn und so kann man 100 Minuten einen hübsch gefilmten Streifen betrachten, bei dem man sich wundert, warum das Drehbuch nicht wieder an den Autor zurückgegangen ist, um wenigstens die gröbsten dramaturgischen Schnitzer noch zu entschärfen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Dez 2019, 17:45

The Killer of Dolls

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Paul ist der Sohn eines Gärtners und Parkwächters, der Medizin studieren möchte, um Herzchirurg zu werden. Da er aber beim Anblick von Blut die Kontrolle verliert, fliegt er jedoch von der Schule und verbringt den Sommer im Park der Contessa Olivia, wo er seine urlaubenden Eltern vertritt. Doch Paul trägt ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit in sich und hat sich über die Jahre zu einem psychopathischen Frauenhasser entwickelt, der außerdem auch eine seltsame Obsession für Puppen hegt. Als er nachts Hippies im Park bei sexuellen Akten beobachtet und auch von der Contessa bedrängt wird, tickt er endgültig aus und wird zum Mörder

Ibero-Horror der völlig strangen Sorte und das Psychogramm eines Frauenmörders und Psychopathen, bei dem der Zuschauer gleich zu Beginn erfährt, dass es bei Paul um einen Killer mit gespaltener Persönlichkeit handelt. Was danach folgt ist jedenfalls immer völlig neben der Spur, ziemlich gaga und überrascht mit allerlei Tabubrüchen und unbequemen Momenten, die angesichts der Entstehungszeit im Franco-Spanien doch sehr überraschen. David Rocha agiert wie von Sinnen und lebt seine Rolle als durchgeknallter Paul mit sehr seltsamen Anwandlungen, die von verdrängter Homosexualität, Pädophilie bis hin zu Nekrophilie auch kaum etwas auslassen und dennoch nie wirklich greifbar sind. Dazu kommt eine völlig sprunghafte Erzählweise, die Realität und Tagtraum mischt und auch nichts unversucht lässt, den Zuschauer zusätzlich zu verwirren. Und weil das alles noch nicht reicht, gibt es neben der wunderbar entrückten Location des Park Guells mittendrin auch noch eine psychedelische Musiknummer, die einem dann endgültig die Kinnlade herunterklappen lässt. Unterm Strich ein hundertminütiger Trip in die Welt eines psychotischen Killers und ein beeindruckender Film, den man so auch nicht alle Tage zu Gesicht bekommt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Dez 2019, 19:03

Bloody Sect / Secta Siniestra

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Frederick verliert das Augenlicht, als er eines Tages von einer wahnsinnig gewordenen Ex-Frau mit der jungen Helen im Bett erwischt wird und von ihr mit einem Schürhaken attackiert wird. Doch die Liebe ist groß und Helen bleibt bei dem blindem Ex-Söldner in seinem abgelegenen Haus, selbst als sie von ihm nicht schwanger werden kann. Beide beschließen eine Fruchtbarkeits-Klinik aufzusuchen, ohne zu ahnen, dass Helen dabei in die Fänge einer obskuren Sekte gerät, die Helen als den idealen Körper für die Geburt eines besonderen Babys auserwählt hat. Die Schwangerschaft ist schmerzvoll und Helen verändert sich, als zunehmend seltsame Dinge geschehen, die darauf schließen lassen, dass die Geburt des Antichristen kurz bevorsteht.

Gar nicht so einfach das Geschehen in „Bloody Sect“ in Worte zu fassen, denn was sich hier dem Zuschauer bietet ist wieder einmal ein ziemlich wilder Cocktail aus Horrorzutaten, die in bester Tapas-Manier in vielen Häppchen verabreicht wäre. Da wäre zuallererst ein Ex-Söldner, eine wahnsinnig gewordene Frau, die titelgebende und blutige Sekte, Telekinese, Mord und Todschlag und dann der Antichrist persönlich, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Einen Hang zu wilden Filmen samt holpriger Dramaturgie muss man aber schon mitbringen, da man ansonsten leicht den Überblick verlieren kann. Aber andererseits kommt man aus dem Staunen nicht heraus, was sich hier dem Zuschauer so alles bietet. Dabei ist bis auf eine entbehrliche Tiersnuff-Szene aber alles im grünen Bereich und das Ende ist dann ebenfalls nochmals der Höhepunkt schludriger Drehbuchkunst, dass so unvermittelt einsetzt, dass man sich beim Abspann ebenfalls nur verwundert die Augen reiben kann. Wohl kein sonderlich guter Film, aber doch sehr stimmig und einer, bei dem das Obskur-o-Meter auch ganz nach oben ausschlägt. Schön auch zu sehen, dass nun auch immer mehr spanische Genre-Perlen aus dieser Zeit ausgegraben werden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Dez 2019, 19:30

The Happytime Murders

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In Los Angeles leben Menschen und Puppen mit kulturellen Spannungen nebeneinander und auch Ex-Polizist Phil, der mittlerweile als Privatdetektiv sein Geld verdient, hat die Schnauze voll von der Tatsache, dass er von den Menschen nur belächelt wird. Als eines Tages jedoch vor seinen Augen ein Mitglied der 90er-Jahre-Show Happytime Gang ermordet wird, muss er aus bestimmten Umständen wieder mit seiner menschlichen Ex-Kollegin, der Polizistin Connie zusammenarbeiten, mit der auf den Fall angesetzt wird. Die Spur führt Phil und Connie in eine Welt aus Sex, Drogen und Gewalt und schon bald gibt es weitere Morde im Umfeld von Phil, die darauf hindeuten, dass auch er selbst in den bizarren Fall verstrickt ist.

Durchaus kuriose Mischung aus „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ und „Meet the Feebles“ aus der Feder von Brian Henson, dem Sohn des Muppet-Schöpfers Jim Henson. Jedoch ist „The Happytime Murders“ stehts immer etwas zu bemüht in dem Bestreben zotig, prollig und geschmacklos zu sein um auf Dauer als "erwachsenere" Version eines Muppet-Movies zu begeistern. Die Geschichte, die Film-Noir-Atmosphäre und das Set-Design wissen ja durchaus sehr zu gefallen, aber irgendwann ist es dann auch gut mit ejakulierenden Puppen, Drogen-Verweisen und dem ganzen sattsam bekannten Trallala aus einer abgeklärten Welt von gestrandeten Ex-Celebrities. Die wirklich interessanten Themen in dem Streifen wie kulturelle Spannungen oder bissige Kommentare zum glitzernden Showbusiness werden nur am Rande gestreift und dann auch kaum genutzt. So bleibt der Film zwar immer noch unterhaltsam für die eher geschmacksbefreiten Momente des Lebens, aber hier wäre doch sehr viel mehr möglich gewesen, wenn man nicht ständig diesem derb-pubertären Humorverständnis nachgegeben hätte, dass sich mit seinen ständigen Wiederholungen hierzulande dennoch kaum einen aufgeschlossenen Menschen so richtig schockieren wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Dez 2019, 19:36

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

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Eine von der bösen Schwiegermutter zur Dienstmagd degradierte Tochter eines verstorbenen Gutsbesitzers stalkt einen jungen Prinzen, der sich ebenfalls gegen das Establishment auflehnt und gegen sein Elternhaus rebelliert, das den jungen Mann so schnell wie möglich verheiraten möchte. Um den freiheitsliebenden Prinzen zu binden und ihr tristen Existenz zu entkommen behilft sich das bauernschlaue Aschenbrödel auch dunkler Magie in Form von drei verzauberten Haselnüssen, die der jungen Frau neben ihren tierischen Freunden in Krisensituationen mit materiellen Dingen auch über das schlimmste Mobbing hinweghelfen.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist ja bekanntermaßen ein tschechischer Märchenklassiker, den offensichtlich sehr viele Menschen untrennbar mit Weihnachten verbinden. Das liegt neben den winterlichen Settings wohl an den inflationären Ausstrahlungs-Terminen rund um das Fest der Liebe und die Abwandlung der Geschichte um Aschenbrödel ist auch eine kindgerecht aufbereitete und auf ein weibliches Zielpublikum hingezimmertes Filmchen für Leute, die darauf vertrauen, dass guten Menschen auch Gutes widerfährt und wahre Liebe zueinander findet. Hier ist es eine selbstbewusst erscheinende junge Frau und ein junger Prinz, die sich trotz aller Widrigkeiten des Lebens finden und mit etwas magischer Hilfe ineinander verlieben. Natürlich könnte man als Freund härterer Kost den harmlosen Streifen nun auch nach Herzenslust auseinandernehmen und aus der Ecke gibt es sicherlich Filme, die den Genre-Freund mehr ansprechen, aber der Streifen ist ja doch eine sympathisch-harmlose Angelegenheit für Träumer, wie geschaffen dafür um die oftmals ohnehin schon aufgeheizte Stimmung zu Weihnachten mit kontroversen Inhalten nicht noch zusätzlich zu befeuern. Und ich bin ja schon zufrieden, wenn ich wieder einmal Schnee sehe…

Robot Holocaust

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Nach einem Krieg mit Robotern liegt die Welt in Trümmern und im sogenannten New Terra werden die letzten Überlebenden von den Maschinen als Sklaven gehalten um riesige Generatoren am Laufen zu halten. In dieser Zeit macht sich ein junger Krieger namens Neo auf den Weg um die Menschen zu einer Rebellion zu führen. Der Weg führt nach New Terra, wo ein Wissenschaftler einen Weg gefunden hat, sich den Robotern in den Weg zu stellen. Doch der Wissenschaftler wird mit der Hilfe einer Seherin namens Valaria von Robtern entführt und gemeinsam mit dessen Tochter macht sich Neo auf den Weg in das Kraftwerk des dunklen Despoten und trifft dabei auf Amazonen, Mutanten und sonstige Wesen, die in der postapokalyptischen Welt nichts Gutes im Schilde führen.

Meine Fresse… wer meint, dass mit italienischen Schottergruben-Filmen schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist, hat wohl „Robot Holocaust“ noch nicht gesehen. Was sich hier vor dem Auge des überraschten Zusehers abspielt spottet ja jeglicher Beschreibung und neben überraschenden Handlungsort, fantasievoller Ausstattung und einem Cast, der mit „hölzern“ noch wohlwollend umschrieben ist, gibt es hier ein Füllhorn von fragwürdigen Momente, die wohl jeden Filmfan mit Hang zu Blödsinn in einen Zustand der äußersten Verzückung versetzen werden. Hier ging wohl wirklich alles schief und dennoch ist „Robot Holocaust“ mit seiner bemühten Ernsthaftigkeit ein riesiger Spaß für aufgeschlossene Menschen, der von der ersten Sekunde an völlig jenseitig und zugleich liebenswert um die Ecke biegt. Ein Film für den Kategorien wie „guilty pleasure“ wohl erst erfunden wurden und bei dem man gar nicht weiß, was man am liebsten mag. Ist es die dunkle Seherin Valaria, die männerhassende Amazone oder doch der C3PO-Verschnitt für Arme, der telepathisch mit dem Hauptdarsteller Neo kommuniziert, weil man am Set wohl nicht so viele Dialoge aufnehmen wollte oder sich der den Nonsens-Text nicht merken wollte oder konnte. Ich weiß nur so viel - ich habe in der Endzeit-Ecke wohl einen neuen Lieblingsfilm!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 26. Dez 2019, 19:06

The Wailing

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Ganz schön starker Tobak, den uns Regisseur Na Hong-jin hier mit „The Wailing“ vorsetzt und da weiß auch jemand, wie man die Eskalationsspirale ordentlich aufdreht. Beunruhigende Geschehnisse in einem kleinen Ort versetzten auch einen Dorfpolizisten in eine unerwartete Ausnahmesituation, als durch Gerüchte und der Angst vor einem Fremden auf einmal von Dämonen und dergleichen die Rede ist. Als sich dann auch noch die kleine Tochter sehr seltsam verhält und jeder so seine Meinung hat, ist auf einmal Schluss mit Vernunft und realer Denkweise. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte über Fanatismus, Fremdenhass und fehlgeleitete Gruppendynamik oder dem Wechselspiel zwischen wohlgemeinten Ratschlägen, resoluter Umsetzung und absoluter Hilflosigkeit. „The Wailing“ beginnt ja eher ruhig und geht dann völlig durch die Decke und wird dann zu einem richtigen Biest, das auch den Zuschauer immer mehr einzuschüchtern vermag. Irgendwann weiß man dann selber nicht mehr, was man glauben soll und was richtig, falsch, legitim oder notwendig ist. Ganz toller düsterer und unvorhersehbarer Film, aber sich aber als alles andere als leicht verdaulich präsentiert. Tipp!
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