Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Dez 2019, 20:03

Dämon - Dibbuk

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Ungewöhnlicher Genre-Mix aus der Mystery-Ecke als Statement zur polnischen Gesellschaft und seiner Weigerung, sich mit seiner näheren Vergangenheit zu beschäftigen bzw. Verantwortung zu übernehmen. Das alles in Form eines offensichtlich sehr skandinavisch inspirierten Films über eine seltsame Hochzeitsgesellschaft, die glaubt, alle Probleme im Alkohol ertränken zu können. Doch Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit und so dauert es auch nicht lange, bis unausgesprochene und verleugnete Dinge auf das Licht des Hochzeitparketts dringen und sich nicht mehr verleugnen lassen. Dabei lässt die Geschichte sehr viele Fragen offen, bietet bedeutungsschwangere und doch sehr nüchtern gehaltene Bilder und verbreitet doch ein sehr unbehagliches Gefühl, wenn gegen Ende die ganze Hochzeitsgesellschaft dabei ist, munter zu vertuschen oder wegzusehen. Und auf einmal ist die Geschichte nicht mehr nur eine bizarre Geistergeschichte aus der Genre-Ecke, sondern ein Spiegel, den man der Gesellschaft vorhält und aus dem eine hässliche Fratze entgegenlacht. Ein verdammt großartiger Film.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Dez 2019, 19:47

Ragman

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Eddie ist glühender Metal-Fan und verehrt sein Idol Samy, der aufgrund seiner kontroversen Texte und seiner Inszenierung immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Diesem schreibt er Briefe, in denen er gleichfalls Gewaltfantasien teilt, die er als gehänselter Außenseiter seiner Schule als kreativen Ausgleich zu Papier bringt. Als Samy eines Tages bei einem Hotelbrand verstirbt, hinterlässt der Musiker eine Acetat-Platte seines neuestens Werks, dass durch Zufall bei Eddie landet. Auf der Platte befindet sich jedoch nicht nur Musik, sondern auch satanistische Botschaften und als Eddie das gute Stück rückwärts spielt, holt er Samy aus der Hölle zurück, der nun zum Schrecken seines größten Fans die Rachefantasien seinen Schützlings in die Tat umsetzen möchte.

Zu einer Zeit in der die breite Masse Metal noch als seltsam, musikalisch anspruchslos und teils gewaltverherrlichend sah, wollte man mittels „Ragman“ diesbezüglich anscheinend wohl alle Vorurteile bestätigen. Herausgekommen ist ein Film über einen Außenseiter, der mittels rückwärtsgespielter Musik einen bösen Musiker aus der Hölle zurückholt, der daraufhin in einer Kleinstadt ordentlich aufmischt. Dazu gibt es Ozzy Osbourne und Gene Simmons in eher ungewöhnlichen Rollen und ein Drehbuch, dass sich für meinen Geschmack etwas zu sehr an Stephen Kings „Carry“ orientiert. Sehr schade fand ich neben der leider etwas unoriginellen Geschichte auch die Tatsache, dass die Musik hier viel, viel, viel zu kurz kommt und sich der Film irgendwie nicht entscheiden kann, ob er jetzt eher Parodie, Teenie-Soap oder Horror sein möchte und sich so auch immer zwischen die Stühle setzt. Aus „Ragman“ hätte ja mit einer besseren Geschichten, mehr Cameos und mehr Musik ja ohne weiteres auch der ganz große Achtziger-Wurf werden können, aber so ist das alles zu verhalten, zu kommerziell und zu lahm. Schon sehr schade.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Dez 2019, 20:04

Kite

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Nach dem gewaltvollen Tod ihrer Eltern gerät die achtzehnjährige Sawa in die Fänge des sadistischen Kommissars Akai, der die junge Frau zu seiner Geliebten und einer brutalen Auftragskillerin konditioniert. Im Auftrag von Akai und dessen zwielichtigen Kumpanen Kanie ermordet sie gemeinsam mit anderen Auftragskillern fortan Menschen, die es nach der Meinung von Akai verdient zu haben, auf sehr gewaltvolle Weise zu sterben. Als sie eines Tages gemeinsam mit dem jungen Oburi einen Auftrag erledigen soll, entsteht zwischen den beiden Killermaschinen eine Art Freundschaft, die auch Sawas sehr seltsame Beziehung zu Akai in ein neues Licht rückt…

Dass die Japaner mitunter einen an der Waffel zu haben scheinen, wenn es um die Darstellung von Sex und Gewalt geht, ist ja nichts Neues und in Falle von „Kite“ gibt es Beides in schier überbordendem Ausmaß. Hier explodieren Köpfe, fliegen Körperteile durch die Gegend und gutbestückte Männer vergewaltigen Frauen, als wäre es die normalste Sache der Welt. Aber Kite ist dabei eigentlich auch sehr ansprechend Noir-mäßig erzählt und bietet eine hoffnungslos düstere Geschichte über eine junge Auftragskillerin und ihrem gewaltvollen Weg, den sie nach dem Tod ihrer Eltern eingeschlagen hat. Die Story ist natürlich hoffnungslos over-the-Top und passt somit sehr gut zu den animierten Bildern, die ebenfalls kaum etwas der Fantasie des Zuschauers überlassen. Ich habe ja normalerweise nix gegen Sex und Gewalt in Filmen, aber hier stellt sich teilweise schon die Frage, inwieweit man es in diesen Dingen übertreiben kann bzw. muss und warum bei manchen das Menschenbild so derart kaputt erscheint. In jungen Jahren wäre ich von diesem grellen Mix sicherlich „geflasht“ gewesen, aber mit Mitte Vierzig finde ich das ehrlich gesagt nun nicht mehr ganz so pralle.

Kite Liberator

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Monaka ist die Tochter eines Astronauten Orudo, der sich seit Jahren auf einer Weltraummission befindet und dort aufgrund falscher Nahrung eine grauenvolle Metamorphose durchmacht. Doch davon ahnt die Tochter nichts, die nach außen hin wie eine tollpatschige Studentin erscheint, die in Wirklichkeit im Auftrag einer Organisation als Todesengel arbeitet und psychopathische Killer und sonstige Kriminelle ermordet. Als es auf der Raumstation zu einem blutigen Zwischenfall kommt und die dezimierte Besatzung mitsamt einem Monster auf der Erde notlanden muss, wird die nichtsahnende Monaka auf den Fall angesetzt, die noch keine Ahnung hat, wer ihr übermächtiger Gegner auf diesem Himmelfahrtskommando in Wirklichkeit ist.

Teil 2 aus der „Kite“-Reihe von Regisseur Yasuomi Umetsu, der wie im ersten Teil versucht, jede Menge Stilrichtungen in einem wilden Mix zusammenzubringen. Was bei „Kite“ noch halbwegs gut funktioniert hat, gerät bei „Kite Liberator“ aber eher zu einem etwas mäßigen Mix aus Auftragskiller-Glorifzierung, Sci-Fi, Teenie-Laberei und eher peinlicher Schulmädchen-Erotik aus der Tollpatsch-Ecke. Die Geschichte beginnt zwar eher überraschend, in dem erst einmal völlig andere Figuren im All präsentiert werden, ehe der Bogen zur Erde bzw. der Auftragskillerin inklusive dezente Verweise zum Vorgänger gemacht werden. Wo der Vorgänger ja in allen Belangen übers Ziel hinausschießt ist „Kite Liberator“ aber eher zurückhaltender und nicht mehr ganz so over-the-Top, was aber auch dazu führt, dass man die lahme Geschichte viel schneller als solche verorten kann, weil man nicht ständig von explodierenden Köpfen und großen Schwänzen abgelenkt ist. Für einen Nachfolger, der nach knapp 9 Jahren nachgeschoben wurde, ist „Kite Liberator“ auch eher eine maue Sache, die bestenfalls durchschnittlich ausgefallen ist.

Fantasex

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Bernard Lipshitz ist ein schüchterner Lektor, der ausgerechnet in einem Verlag für pornografische Bücher in New York arbeitet. Dort hat der introvertierte Mann den ganzen Tag mit heißen Geschichten zu tun und traut sich dabei nicht einmal seine Kollegin Jane um ein Date zu bitten, die ebenfalls mit ihrer zurückhaltenden, jungfräulich erscheinenden Art völlig fehl am Platze zu sein scheint. Doch was Bernard in der Realität an Mut fehlt, macht er in seinen Tagträumen und seiner überbordenden Fantasie wieder wett, in welchen er nicht nur der potente Hengst mit Durchhaltevermögen ist, sondern auch noch an seinem cholerischen Chef und dessen Assistentin grausame Rache nimmt.

Erwachsenenfilm aus der Blütezeit des Genres, der zwar etwas aus dem Einheitsbrei des Genres heraussticht, aber für meinen Geschmack leider in seinem Verlauf doch zu wenig krude Ideen bietet um auch den Fleischfilmfreund aus der Exploitation-Ecke dauerhaft zu begeistern. So gibt es neben den durchaus ansprechend gefilmten Sexszenen ja noch ein paar lustige Ideen, wie die nicht ganz ernstgemeinte Kastration des Chefs zu Beginn, oder die unterschiedlichen Szenarien, die hier für die Sexszenen entworfen werden - insgesamt ist es für knapp 76 Minuten Laufzeit aber doch etwas zu wenig und etwas mehr Abwechslung bei den Männern hätte auch nicht geschadet, auch wenn Fellknäuel Jeffrey Hurst durchaus passabel seinen Mann steht. Terri Hall sieht man auch immer gerne, auch wenn sie hier ihre Parade-Rolle des schüchternen Mauerblümchens mit sexuellen Abgründen etwas zu überzogen darstellt. Sonst gibt es nicht viel zu meckern und Roberta Findlay geht eigentlich auch immer. Für Fans sicherlich okay – ich hätte mir an diesem Abend dann doch etwas mehr erwartet.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Dez 2019, 19:52

Diabolical

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Im Haus der alleinerziehenden Mutter Madison kommt es immer wieder zu rätselhaften Spukereignissen, die sich nicht erklären lassen. Zuerst kommt es zu einer Energieentladung und dann ist auf einmal schemenhaft ein schreckliches Wesen zu sehen, dass sich immer weiter materialisiert. Doch Madison kann sich aus finanziellen Gründen keine andere Bleibe suchen und wenig später leiden ihre Kinder auch noch an einer seltsamen Allergie, wenn sie das Haus mehr als ein paar Meter verlassen. Als sich Madison nach immer schlimmer werdenden Attacken des grauenhaften Wesens ihrem Freund Nikolai anvertraut, scheint der aber mehr über die Phänomene zu wissen und gemeinsam kommt man der Lösung auf die Spur, die weit über die Vorstellungskraft der jungen Familie hinausgeht.

Filmemacher neigen bei ihrem Debüt ja leider sehr oft dazu, einfach zu viel in ihren Film hineinzupacken und ach Alistair Legrand, der hier auch noch das Drehbuch mitverfasst hat, begeht den Fehler, die eigentlich gute Idee einfach mit zu viel dramaturgischen Ballast zu beladen, die den Film aber unnötig behindern. Was sehr spannend und vielversprechend anfängt, wird in seinem Verlauf immer verfahrener und bietet Entwicklungen und Charaktere, die es vielleicht gar nicht gebraucht hätte um einen spannenden Streifen mit stringenten Handlungsverlauf zu schaffen. So wirkt „The Diabolical“ nach seinen starken Auftakt auch einfach etwas zu verfahren, bietet Charaktere und Wendungen, die es imho nicht gebraucht hätte und lässt den Zuschauer letzten Endes doch etwas unbefriedigend zurück. Trotzdem würde ich mit „The Diabolical“ und seinem Stil-Mix nicht so hart ins Gericht gehen wie andere Menschen und der Streifen ist immer noch besser als vieles aus der Ecke - zum großen Wurf hat es leider aber auch nicht gereicht.

Dead Mine

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Eine Gruppe von Archäologen und Soldaten begibt sich auf einer indonesischen Insel auf die Suche nach einem Goldschatz, der hier in einer Mine versteckt sein soll, die im zweiten Weltkrieg als Gefangenenlager gedient haben soll. Als die Truppe an der Mine ankommt, wird sie jedoch von Piraten angegriffen und es bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als sich in der stillgelegten Mine zu verbarrikadieren. Doch die Mine ist nicht so verlassen und bald stoßen die Archäologen und Soldaten auf feindselige Wesen, die in den dunklen Gängen hausen. Doch diese mutierten Wesen sind nicht das Einzige, dass den Besuchern unter Tage nach dem Leben trachtet, da das schreckliche Geheimnis der Mine noch seiner Entdeckung harrt…

Das Filmland Indonesien hat in letzter Zeit ja mit einer Reihe von Filmen aufhorchen lassen, die Fans von Action- und Splatterfilmen mit ihrer düsteren Kompromisslosigkeit in Erstaunen versetzt haben. „Dead Mine“ zählt da leider aber nicht dazu und bietet dem Fan lediglich eine durchschnittliche Geschichte in Ego-Shooter-Manier, die trotz internationalen Cast und ein paar netten Ideen nicht wirklich überzeugen kann. Zwar gibt es mit Ario Bayu und Joe Taslim zwei bekannte Gesichter, aber die erste HBO-Produktion für den asiatischen Raum geht sonst immer etwas zu sehr auf Nummer sicher und hält sich auch in Punkt Gewalt mehr als zurück. Die Geschichte mischt jedenfalls herkömmliche Gruben-Romantik mit Indiana Jones und asiatischen Mythen zu einem Cocktail, der bestenfalls durchschnittlich ausgefallen ist und kaum Überraschungen bietet. Zwar gibt es am Ende noch einen netten Schwenk, aber auch dann bietet der Streifen nicht mehr als das übliche „Stalk’n Slash“ durch Minenschächte, die immer etwas zu sehr nach Studio aussehen. So bleibt unterm Strich ein Genre-Snack für Zwischendurch, der auch ohne Weiteres als Sci-Fi-Channel-Produktion durchgehen würde.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Dez 2019, 19:26

The Returned

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Sehr interessanter, erwachsener, ruhig und unaufgeregt erzählter Streifen über Tote, die völlig überraschend aus ihren Gräbern zurückkehren und wieder ihren Platz im Leben einnehmen wollen. Allerdings ist „The Returned“ kein Streifen über Zombies, sondern ein Drama, dass sich einerseits mit dem Thema Verlust und Trauer beschäftigt und andererseits unschwer auf die Migrationsdebatte umlegen lässt. Dabei zeigt der Streifen Personen, die den Trauerprozess bereits abgeschlossen haben bzw. sich im Leben weiterentwickelt haben und auf einmal wieder mit dem verstorbenen Partner oder Kind auseinandersetzen müssen. Das so etwas nicht ohne bittere Konsequenzen abgeht, liegt dabei auf der Hand und von Euphorie bis Ablehnung ist alles dabei und die Szenerie kippt immer weiter, da auch die Wiederkehrer einen bestimmten Plan zu verfolgen scheinen. Dabei ist alles vollkommen nüchtern und ernsthaft erzählt und doch zugleich völlig unheimlich und irritierend. Ungewöhnlich erscheint ja auch das Entstehungsjahr 2004, das im Film selbst überhaupt nicht wahrzunehmen ist und aufgrund der Thematik hätte ich an eine aktuelle Produktion gedacht. Sicherlich einer der ungewöhnlichsten Filme der letzten Zeit, der mich doch ziemlich beeindruckt und nachdenklich zurückgelassen hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Dez 2019, 20:14

Nacht der Gejagten

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Jean Rollin mag man oder eben nicht und an trüben Tagen in leicht melancholischer Stimmung sind die Werke des französischen Regisseurs einfach wunderbar, während man diese an sommerlich leichten Tagen leicht langweilig finden kann. „Night of the Hunted“ überzeugt auch noch nach vielen Jahren als nüchtern inszeniertes, sperriges Werk über eine Gruppe von Menschen, die ihre Erinnerungen und schließlich auch ihre menschliche Identität verlieren. Warum und wieso lässt der Film über weite Teile offen und Rollin konfrontiert den Zuschauer auch mit vielen Fragezeichen, die sich erst nach und nach langsam auflösen oder eben auch nicht. Dabei hat „Night of the Hunted“ mit seinen menschenleeren Hochhaus-Settings einen sehr eigenen und entrückten Look, der den speziellen Charakter der Geschichte sehr gut unterstützt und mit seinem retrofuturistischen Look ebenfalls zu Gefallen weiß. Natürlich ist das Schaffen des Regisseurs ohnehin schon speziell und dieser Film hier nimmt dann noch einmal eine Ausnahmestellung ein, aber wer sich an manchen Tagen gerne bei trostlos nüchtern wirkenden Bildern mit einem Ambiente der Verzweiflung, Trost- und Hilflosigkeit irritieren und verstören lassen mag, ist hier definitiv an der richtigen Adresse.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Dez 2019, 20:09

Citadel - Wo das Böse wohnt

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Ich würde ja mit „Citadel“ nicht so hart ins Gericht gehen und der britische Streifen ist einerseits eine Paranoia-Studie, auf der anderen Seite ein überspitztes Statement zur Verrohung der Gesellschaft, die hier in sehr strangen Bildern dargestellt wird. Ich habe ja nach dem Streifen kurz in die Interviews reingeschaut und Regisseur Ciaran Foy litt jahrelang selbst an den dargestellten Angstattacken, nachdem er in jüngeren Jahren grundlos von einer Gruppe Minderjähriger angegriffen und mit einer verdreckten Spritze verletzt wurde. Dann wirkt der Inhalt von „Citadel“ auf einmal gar nicht mehr so abstrakt, sondern wie eine autobiografisch gefärbte und künstlerische Aufarbeitung, die dabei aber – zugegeben – vor allem in der ersten Hälfte auch etwas zu sperrig ausgefallen ist. Gegen Ende, wenn es dann in die konventionelle Horror-Richtung geht, fand ich „Citadel“ dann nicht mehr ganz so spannend, sondern eher etwas mau. Dennoch durchaus okay, und wer prinzipiell mit Filmen wie „Babadook“ etwas anfangen kann, kann auch hier einen Blick riskieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Dez 2019, 20:10

Pitch Perfect 2

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Der erste Teil ist ja ein recht spaßiger Teenie-Spaß, der seine triviale Außenseiter-Geschichte mit flotten Accapella-Arrangements überdeckt. Der zweite Teil wiederholt quasi die Story des erfolgreichen Vorgängers und erzählt diese eins zu eins nochmals neu und bietet dabei wieder tonnenweise Klischees, Zoten, Fremdschäm-Momente und schlechte Gags, die abermals mit viel Musik aufgelockert werden. Die Herzlichkeit des ersten Teils ging aber bei der flott erzählten Geschichte irgendwie verloren und auch die Charaktere sind hier nicht mehr so liebevoll gezeichnet, sondern hoffnungslos überzeichnet. Musik gibt es aber immer noch genug, doch auch die Mash-Ups kennt man bereits vom Vorgänger, sodass auch hier keine Überraschungen zu erwarten sind. Unterm Strich bleibt ein auf Nummer sicher gefahrenes Sequel mit vielen bekannten Gesichtern und Cameos, dass zwar immer noch unterhaltsam daherkommt, aber auch keinerlei Überraschungen zu bieten hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Dez 2019, 19:52

Arrival

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Wunderbar unaufgeregter Sci-Fi-Streifen über zwei universelle Themen wie Sprache als Schlüssel zum gegenseitigen Verstehen und der Tatsache, dass sowohl positive als auch negative Erlebnisse den Charakter formen und unvermeidbar zum Leben gehören. Denis Villeneuve präsentiert diese Themen in Form einer Alien-Invasion der etwas anderen Art die die Menschheit, insbesondere eine Sprachwissenschaftlerin vor besondere Herausforderungen stellen. „Arrival“ vermeidet laute Töne und konzentriert sich auf die Frage, wie man einer Spezies näherkommen kann, deren Sprache man nicht versteht und offenbart dabei auch noch eine persönliche Tragödie. Alles in wunderbaren Bildern mit dem düster-melancholischen Soundtrack des verstorbenen Isländers Jóhann Jóhannsson erzählt ist „Arrival“ dann auch zugleich ein optimistisches und zeitgleich auch sehr trauriges Werk, dass in Zeiten hysterischer Diskussion und Online-Empörungsmafia erfrischend wohltuend und auch etwas ganz Besonderes ist: ein Ausnahmefilm!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Dez 2019, 19:31

Ich piss' auf deinen Kadaver

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Ein junger Mann wird nach einem Unfall von einem Arzt gerettet und schwört diesem daraufhin zu helfen, falls er sich jemals in Schwierigkeiten befinden sollte. Das geht auch schneller als gedacht, als der Arzt von korrupten Militärmenschen dazu auserwählt wird, einen biologischen Kampfstoff weiter zu entwickeln, der zuvor schon einigen Menschen das Leben gekostet hat. Doch der Arzt weigert sich und versteckt den Kampfstoff, ehe er sich bei seinem loyalen und neuen Freund versteckt. Wenig später bricht das Grauen auf die Kleinstadt herein, als sich Horden an Militärmenschen und sonstigen Security-Leuten auf den Weg machen um den Kampfstoff wieder in ihren Besitz zu bringen und dabei auch nicht gerade zimperlich vorgehen.

Jochen Taubert und sein ewiggleiches Muster einen Film zu gestalten besteht darin eine Idee für einen Drehbuchentwurf zu haben, dieses über Bord zu werfen und dann immer dieselben Verfolgungsjagden mit etwas Kollateralschaden zu gestalten. Hier geht es um einen Kampfstoff und einen Arzt mit zwei Töchtern, die von einem Paten und korrupten Militär verfolgt werden. Natürlich entpuppt sich auch „Ich piss‘ auf deinen Kadaver“ als die sattsam bekannte Mischung aus Laienspieltheater, fragwürdigen Humorverständnis, schlecht inszenierten Verfolgungsjagden und Schmodder mit FX aus der Halloween-Ecke der örtlichen Müller-Filiale. Die Darsteller sind ohnehin immer die gleichen, der Billig-Techno dröhnt in nahezu jeder Szene und von den zahlreichen Anschlussfehlern und sonstigen Dingen will ich ja erst gar nicht anfangen. Soweit so unlustig macht „Ich piss‘ auf deinen Kadaver“ auch keinen Spaß und ist wieder einmal ein abschreckendes Beispiel aus der Amateur-Ecke bei dem es lediglich verwundert, dass er noch Darsteller findet, die sich für so etwas hergeben und vor der Kamera zum Affen machen. Taubert versucht ja auch gar nicht, sich irgendwie zu steigern oder kreativ zu verbessern, sondern hat offensichtlich Gefallen an seiner Nische gefunden. Es ist aber wohl an der Zeit mich als Zuschauer nun endgültig aus dieser zu verabschieden.

The Cemetery

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Im Jahre 1671 wurden in den tiefsten Wäldern von Pennsylvania hunderte Menschen im Auftrag der Kirche gefoltert und gequält, die im Verdacht standen vom Glauben abgefallen und von Dämonen besessen zu sein. Tatsächlich waren diese Kreaturen erst zu töten, wenn man den Kopf vom Rumpf abgetrennt hat. Jahrhunderte später macht sich ein kleines Kamerateam samt Medium auf den Weg, um dieser Geschichte nachzugehen, nur um festzustellen, dass diese Wesen auch heutzutage alles andere als tot sind. Nach einer kurzen Beschwörung auf dem nächtlichen Friedhof fährt einer der Dämonen in den Körper einer jungen Frau und sorgt dafür, dass niemand von der Crew diesen Ausflug so schnell vergessen wird.

„Tanz der Teufel“ gilt ja immer noch als leuchtendes Paradebeispiel für junge Filmemacher aus der Horror-Ecke und auch Adam Ahlbrandt begibt sich mit „The Cemetery“ in die übergroßen Fußstapfen von Sam Raimi. Bis auf die Hütte und sie sympathischen Charaktere gibt es auch hier eine technisch durchaus ansprechend gestaltete Geisterbahnfahrt mit jeder Menge Gore, die aufgrund des schlechten Drehbuchs trotzdem nicht so richtig zünden will. Für eine niedrig budgetierte Indie-Produktion wäre das nämlich alles gar nicht mal so übel, hätte man einfach nur das miese Drehbuch nochmals etwas überarbeitet. Warum junge Filmemacher heutzutage ihre Figuren immer so daneben gestalten müssen, wissen wohl nur die Filmgötter und auch hier gibt es eigentlich sympathische und halbwegs talentierte Darsteller, die furchtbare Sätze aufsagen müssen und sich immer daneben benehmen dürfen. Wenigstens die Gore-Fraktion kommt auf ihre Kosten, doch auch das hilft wenig, wenn der Rest nix taugt. Natürlich gibt es „The Cemetery“ auch nicht für ein paar Euro, sondern als limitierte wie aufgeblasene 3-Disc-Edition, bei wenigstens das Artwork gelungen ist. Der Rest ist Indie-Splatter von der Stange mit viel Schmodder und wenig Herz.
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