Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Okt 2019, 18:55

Unter Wölfen

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Sebastian arbeitet bei deiner Firma für Jagdartikel und wird gemeinsam mit seiner Freundin Iris von Firmenchef Otto zu einem Jagdausflug nach Tschechien eingeladen. Am ersten Tag läuft auch alles entspannt, auch wenn innerhalb der restlichen und ebenfalls anwesenden Arbeitskollegen durchaus Spannungen vorhanden sind. Am nächsten Tag wird Otto während der Jagd erschossen aufgefunden, doch die Gruppe beschließt im fremden Land nicht die Polizei zu rufen, sondern noch abzuwarten. Es dauert auch nicht lange, bis nach gegenseitigen Vorwürfen auch die schlechten Seiten hervorbrechen, als jeder den anderen verdächtigt und gleichzeitig auch nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Als dann auch noch der tschechische Förster den Leichnam entdeckt, muss rasch gehandelt werden und der Ausflug nimmt eine weitere unglückliche Wendung.

Auch so ein deutscher Streifen, von dem ich bislang noch nichts gehört habe und der sich als durchaus solider Psychothriller bzw. Kammerspiel entpuppt. Man nehme eine Handvoll Arbeitskollegen, einen Jagdausflug ins Ausland, Waffen und einen Todesfall und lasse das Ganze dann gemütlich köcheln bis die ersten Vorwürfe und Verdächtigungen im Raum sind. So etwas funktioniert ja eigentlich immer und auch unter der Regie von René Sydow & Daniel Hedfeld dauert es nicht lange, bis alles auf spannende und dennoch nachvollziehbare Weise eskaliert. Der Streifen ist ja auch eine Abschlussarbeit und mit kleinem Budget entstanden, aber das merkt man „Unter Wölfen“ nicht unbedingt an. Die Darsteller aus der Theaterecke spielen solide, die Figuren sind glaubhaft und auch das Setting im Wald bzw. in der begrenzten Hütte sind ebenfalls gut eingefangen. Zwar hätte es am Ende nicht ganz so turbulent sein müssen, aber das verzeiht man dem Streifen der beiden Nachwuchsfilmer ja gerne. Hier ist alles im grünen Bereich und wer sich für deutsche Indie-Filme aus der Genre-Ecke und jenseits von großen Studioproduktionen interessiert sollte durchaus einen Blick riskieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Okt 2019, 18:55

Thanksgivin', die nachtblaue Stadt


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Der junge Mick, streunt durch den Wiener Prater und abends durch den Park und begegnet dabei Prostituierten, lüsternen Greisen und auch der Klofrau Veronika, die sich wie Mick von allerlei Schicksalsschlägen im Leben nicht unterkriegen hat lassen. Am nächsten Tag begegnen sich die beiden Seelenverwandten wieder, allerdings hat Mick da schon einen sinnlosen Mord begangen, für den er aber nicht einmal belangt wird. Doch Veronika urteilt nicht und ist lieber fürsorglich zu dem Jungen, der ebenfalls schon so viel Leid in seinem Leben erleiden musste. Als Mick wenig später zu Unrecht einer Vergewaltigung bezichtigt wird, ist sie auch bereit, alles für den Jungen zu tun, der trotz aller Widrigkeiten auch schon zukünftige Pläne mit Veronika schmiedet.

„Thanksgivin‘, die nachtblaue Stadt“ ist auch wieder so ein Film, der wie aus dem Nichts zu kommen scheint und auf der OFDB nicht einmal eine einzige Bewertung hat. Der österreichische Streifen aus dem Jahr 2000 bietet auch keine gemütlichen Themen und auch nicht den üblichen und tiefschwarzen Humor, mit denen in Ösien normalerweise unbequeme Inhalte erträglicher gemacht werden, sondern ist ein eher ein düsterer Ausflug ins nächtliche Wien, dass vorwiegend von Menschen bevölkert ist, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat. Der junge Mick lässt sich treiben und begeht große und kleine Dummheiten um dann in den Armen der herzensguten Klofrau zu landen. Was nach Märchen klingt, ist hier aber eher nüchtern und ohne viel Schnickschnack inszeniert und erinnert auch eher an Ulrich Seidl, der sich in Wiens undergroundige Technoszene verirrt. Offensichtlich wurde der Streifen auch für wenig Geld und ohne jegliche Förderung inszeniert, was angesichts des Ergebnisses doch auch wieder beachtlich ist. Das hier auch noch österreichische Ungerechtigkeiten angesprochen werden überrascht, selbst wenn man „Thanksgivin‘“ mit seiner episodenhaften Machart die Limitierungen des Budgets durchaus ansieht. Schon schräg, was alles so aus Österreich kommt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Okt 2019, 18:55

Tatort: Angriff auf Wache 08

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In einer aufgelassenen Polizeistation am Rande von Offenbach, die mittlerweile als Museum dient besucht Kommissar Murot am Tage einer anstehenden Sonnenfinsternis seinen Jugendfreund Brenner, der hier mit seiner Kollegin Cynthia die letzte Tage Schicht schiebt. Als wenig später ein verstörtes Mädchen auf der Wache erscheint und ein Gefangenentransport mit Reifenschaden an der Wache kurze Pause machen möchte, ahnt noch niemand, dass hier Sekunden später die Hölle losbrechen wird. Ein Gangster-Clan hat nach einem Massaker an Gang-Mitgliedern durch die Polizei Rache geschworen und sich ausgerechnet die aufgelassene Station als Ziel ausgesucht. Diese wird während der Sonnenfinsternis heftig unter Beschuss genommen und als es die ersten Toten gibt, bleibt Murot und seinen Kollegen von der Polizei nichts anderes übrig, als sich mit den Gefangenen des Transport zu arrangieren sich gemeinsam der Belagerung entgegen zu stellen.

Ich bin ja nicht der Tatort-Gucker, aber wenn eine Folge schon im Vorfeld auf positive Weise Staub aufwirbelt und meinem Lieblings-Carpenter huldigt, muss man wohl auch dabei sein und dann ist das auch einen Sonder-Fred wert. Es ist auch sicher positiv, dass sich ein TV-Format eines Klassikers des Thriller-Genres besinnt und neu interpretiert, auf der anderen Seite handelt es sich bei „The Assault“ einfach um den perfekten Spannungsfilm, den man auch gar nicht besser machen kann. Das versucht „Angriff auf Wache 08“ auch gar nicht, sondern nimmt die Story als Grundgerüst für eine modernisierte und leicht augenzwinkernde Version mit angenehmem Vintage-Flair, der sich sowohl in Ton und Bild widerspiegelt. Die Figuren sind ganz tief aus der Klischee-Kiste, die Ereignisse erscheinen völlig überzogen und natürlich wird mit ganz viel Pathos auch ziemlich dick aufgetragen. So wirkt diese Tatort-Episode auch wie ein klassisches B-Movie, dass jedoch immer wieder ironisch in Richtung Mainstream gebrochen wird und dennoch ganz ordentlich in Szene gesetzt wurde. Wie so oft verschwimmen auch hier irgendwann die Grenzen zwischen Hommage und Plagiat und für große Fans des Originals ist diese Tatort-Episode zwar eine durchaus sympathische Sache aber zugleich doch auch keine große Bereicherung. Macht aber große Lust auf das Original und das ist ja auch eine gute Sache.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Okt 2019, 19:12

Alex und der Löwe

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Okt 2019, 18:46

Urlaub in der Hölle

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Super funktionaler Grindhouse-Reißer mit viel Kollateralschaden, der wieder einmal auf hübsche Weise die Angst vor Fremden thematisiert, die hier in Jack Starretts Streifen aber auch berechtigt erscheint. Statt in Aspen Schi zu fahren, sehen sich zwei Ehepaare im vermeintlichen Traumurlaub im neuen Wohnmobil auf einmal gewaltbereiten Satansjüngern ausgesetzt und obwohl die Polizei die Aufklärung verspricht, greift innerhalb der Gruppe rasch die Paranoia um sich. Dabei kippt der Film zuerst völlig unvermittelt in die Horrorecke um in der zweiten und Blechschaden-lastige Hälfte auch die Action-Fans zu bedienen. Zwar könnte man in der Mitte ein paar Längen kritisieren, aber die braucht es wohl auch, damit der Film am Ende dann so richtig seine Trümpfe ausspielen kann. Dazu das abrupte Finale fertig ist der meines Erachtens sehr gelungene Beitrag zum Mitternachtskino, dass trotz oder gerade aufgrund seiner minimalen Charakterisierung und Story und viel Kawumm auch alles richtig macht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 26. Okt 2019, 18:55

See No Evil

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In allen Belangen doch recht durchschnittlicher Slasher, der lediglich versucht mit recht brutaler Marschrichtung aus der Masse an gleichwertigen Filmen und seinen formelhaften Prinzipien herauszustechen. Verhaltensauffällige Jugendliche die an einen psychopathischen und nicht gerade wortgewaltigen Mörder a la Michael Myers geraten hatten wir ja auch schon ein paar Mal und auch sonst gibt es die zu erwartenden Ereignisse, die hier brav heruntergebetet werden und kaum einen Fan des Genres sonderlich überraschen werden. Die austauschbaren Charaktere und Darsteller sind nicht viel mehr als dankbare Opfer für den Killer, der hier auch nicht lange fackelt und eine Blutspur durch das abgebrannte Hotel zieht, dass immer eine Spur zu abgefuckt ausschaut und in dem trotzdem überall Licht zu brennen scheint. Wer solche Filme mag, wird ganz gut bedient und „See No Evil“ versucht zwar mit seinem grimmig dreinblickenden Hauptdarsteller auch den Bogen zur WWE zu spannen - funzt aber auch ganz gut, wenn man sich für Wrestling nicht interessiert. Funktionaler Horror-Slasher, der nicht lange fackelt und der dank herber Momente, flotten Tempo und kaum Leerlauf für knapp 80 Minuten recht gut vergessen lässt, dass man das alles auch schon anderswo gesehen hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Okt 2019, 19:41

House of the Seven Corpses

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„House of the seven corpses“ ist genau genommen kein sonderlich spektakulärer Film, aber dennoch fand ich den durchaus charmant und der Streifen punktet ja nicht nur mit seinen schönen Settings, sondern vor allem mit seiner Film-in-Film-Thematik, die Basis für ein paar nette Überraschungen ist. Die Geschichte des kleinen Filmteams, dass unabsichtlich Untote beschwört ist ja eigentlich nicht sonderlich gelungen und „Beschwörung“ braucht ja auch sehr lange, bis er überhaupt einmal in Fahrt kommt. Statt Horror im Film, steht auch eher der Horror am Set im Vordergrund und vom überambitionierten Regisseur, versoffenen Co-Star bis hin zur zickigen Hauptdarstellerin, die ihren künstlerischen Zenit längst überschritten hat, ist auch alles dabei. Gegen Ende kommt dann noch ein Untoter ins Spiel, der dafür sorgt, dass der Streifen seinem englischen Titel letzten Endes doch noch gerecht wird. Alles in allem kein Must-See, aber nette Unterhaltung aus den Siebzigern, die man sich dank der Darsteller auch durchaus anschauen kann. Gediegen mittelprächtig!

Among the Living

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Was macht man, wenn man als Filmemacher nicht genau weiß, ob man lieber einen Coming-of-Age-Streifen a la „Stand by me“, einen rabiaten Home-Invasion-Schocker oder doch lieber einen Horror-Streifen mit Ausgestoßenen der Gesellschaft drehen möchte? Man murkst alles drei zusammen in einem Streifen, der zwar gut ausschaut und gut gespielt ist, aber ansonsten eine Gelegenheit auslässt um unsympathisch und himmelschreiend unlogisch zu sein. „Among the Living“ kreiert andauernd Spannungsmomente, die sich dann stets anders als erwartet auflösen, was hier jedoch nicht kreativ, sondern mit zunehmender Laufzeit sehr nervig ist. Wenn man schon mit dem Zuschauer Katz und Maus spielen möchte, dann sollte man auch ein kreatives Drehbuch vorweisen können und nicht so eine Mischung aus einzelnen Versatzstücken, die im Gesamten nicht so recht funktionieren mögen und bei der die Spannungskurve sukzessive nach unten geht. Zurück bleibt ein doch sehr unbefriedigender Streifen, den man mit viel Wohlwollen zumindest eine gewisse Ungewöhnlichkeit attestieren könnte, aber Spaß macht der Streifen nicht und ist inklusive Husch-Pfusch-Finale doch eine höchst unbefriedigende Sache.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 28. Okt 2019, 19:23

Aquarius / Stage Fright

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Regie-Debüt von Michele Soave zu dem Luigi Montefiori a.k.a. George Eastman das Drehbuch geschrieben hat und welches von Joe D’Amatos Produktionsfirma Filmirage produziert werden. Da kann ja eigentlich nicht viel schiefgehen und „Aquarius“ ist auch ein gelungener Slasher aus italienischer Produktion, der viele US-Produktionen ähnlicher Machart ganz schön alt aussehen lässt. Filme im Theater-Setting habe ich ja sowieso sehr gerne und natürlich gibt es auch hier die üblichen Grabenkämpfe unter den ambitionierten Darstellern und viele Kostüme und Requisiten, die von dem psychopathischen Mörder genutzt werden können. Die simple Story ist recht flott erzählt, die blutigen Effekte sehr gelungen und das Ende fand ich ebenfalls gelungen. Ja, hier gibt es im Grunde nicht viel zu meckern und wer italienische Filme und US-Slasher mag, bekommt hier eine gute Symbiose aus beiden serviert, der alle paar Jahre Freude verbreitet.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Okt 2019, 19:56

Die Kinder der Toten

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In dem kleinen obersteirischen Ort Neuberg an der Mürz scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Man sitzt im Dorfgasthaus, trinkt Puntigamer und isst Schnitzel und die wenigen Fremden kommen als spendierfreudige Touristen im luxuriösen Reisebus und sind ebenso schnell wieder verschwunden. Auch Karin ist mit ihrer dominanten Mutter in diesem beschaulichen Ort zur Sommerfrische, doch ein Unfall verändert nicht nur das Leben der Beiden, sondern das des gesamten Ortes. Auf einmal sieht sich Karin mit einer Doppelgängerin konfrontiert, vor den Toren des Dorfes stehen Ausländer, die abgewiesen werden und wenig später kehren die Toten des Ortes mitsamt ihren unliebsamen Erinnerungen an vergangene Zeiten als Zombies zurück.

Herrlich schräger Streifen ohne Dialoge, der im Rahmen des Steirischen Herbstes im Jahr 2017 in Zusammenarbeit mit dem „Nature Theater of Oklahoma“, einem New Yorker Künstlerkollektiv und den Bewohnern von Neuberg an der Mürz gedreht wurde. Diese haben sich den unverfilmbaren Roman von Elfriede Jelinek zur Brust genommen und aus Fragmenten daraus mit einer großen Gruppe an Laiendarstellern ein unterhaltsam schräges Potpourri an Ideen gedreht, das den Zuschauer auf eine tollkühne Reise mitnimmt. Gefilmt in Super-8 und mit Anleihen bei Urlaubsvideos ist „Die Kinder der Toten“ eine lustige Sache irgendwo zwischen Heimatfilm, Zombie-Trash und Vergangenheitsbewältigung in Form eines ambitionierten Kunstprojekts, wobei hier der Unterhaltungswert nie zu kurz kommt. Nach einem eher zaghaften Beginn waren dann von der Freiwilligen Feuerwehr bis zum Trachtenverein alle mit vollem Herzblut dabei und herausgekommen ist wohl einer der ungewöhnlichsten Filme, die jemals in Österreich produziert und hergestellt wurden. So selbstironisch und aufgeschlossen kennt man die steirische Bevölkerung ja nicht und was man mit Palatschinken so alles machen kann, war mir bislang auch nicht bewusst. Ich bin begeistert!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Okt 2019, 19:17

Das gestohlene Luftschiff

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Während der Vorführung eines Luftschiffs in einem Prager Vergnügungspark im Jahr 1891, wird das neuartige Gefährt mehr durch Zufall von fünf draufgängerischen Jungs entführt. Diese fliegen mit dem Luftschiff Richtung Süden Richtung Meer und landen wenig später auf einer geheimnisvollen Insel, während in ihrer alten Heimat das Interesse an dem Schicksal der fünf Burschen bereits Zeitungen und Gerichte beschäftigt. Da der eigentliche Eigentümer des Luftschiffs fälschlicherweise behauptet, dass sein Luftschiff mit nicht brennbarem und explosionssicheren Gas betrieben wird, ist auch bald der Geheimdienst ausländischer Mächte hinter dem Schiff und den Jungen her. Diese erleben derweil aber das Abenteuer ihres Lebens, treffen auf Piraten und Captain Nemo und denken auch gar nicht daran, so schnell wieder nach Prag zurückzukehren.

Mein Interesse an tschechischen Animationsfilmen ist ja ungebrochen und auch „Das gestohlene Luftschiff“ von Karel Zeman entpuppt sich als cineastische Wundertüte, bei der einem wieder einmal der Mund offensteht. Zeman verbindet Animation, Realfilm und Stop-Motion zu einem fantasievollen Spektakel, der zwar vordergründig als familientauglicher Abenteuerfilm erscheint, aber immer wieder augenzwinkernde Momente bietet, bei denen man nie so genau weiß, wie man diese jetzt so einordnen soll. Ganz so brav wie erwartet ist „Das gestohlene Luftschiff“ ja auf keinen Fall. Dazu kommt eine turbulente Geschichte, mit Versatzstücken aus dem Jules Verne-Universum, die hier aber eher lose miteinander verbunden werden. Die abenteuerlustigen Jungs erleben jedenfalls das Abenteuer ihres Lebens und der Zuschauer eine oldskoolige Wundertüte der Effektkunst, das großen Spaß macht und bei der man ständig am Grübeln ist, wie das damals wohl getrickst wurde. Insgesamt ein schöner Film für große und kleine Kinder, der eindrucksvoll zeigt, dass man mit Kreativität und viel Fantasie auch ganz ohne Computer sehr eindrucksvolle Bilder zaubern kann.
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