Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Okt 2019, 18:24

Terminal Invasion

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Während eines Wintersturms kommt der Wagen eines Gefangenentransports ins Schleudern und der verurteilte Straftäter Jack landet mitsamt seinen beiden Wachbeamten im Graben. Diese sehe keine andere Möglichkeit als bei der Abflughalle eines nahen Flugplatzes Hilfe zu suchen, in dem ein paar wenige Menschen auf den Start einer kleinen Passagiermaschine warten, die wegen des Blizzards ebenfalls verschoben wurde. Doch schon wenig später kippt die Situation, als sich unter den Leutchen im abgelegenen Terminal auf einmal Aliens offenbaren, die wenig Gutes im Schilde führen. Abgeschnitten von der Außenwelt bleibt der Pilotin und den Passagieren auch nichts anderes übrig, als sich mit dem Jack zu verbünden um so auch der bevorstehenden Alien-Invasion entschieden entgegen zu treten.

Lustiger, von Sean S. Cunningham inszenierter und fürs Fernsehen produzierter Humbug, der sich eigentlich recht dreist an bekannten Vorbildern orientiert und wieder einmal nichts anderes ein altbekanntes Szenario auf Nuller-Jahre-TV-Niveau präsentiert. Ein bisschen „Der Anschlag“, ein wenig „Das Ding aus einer anderen Welt“ und dann noch ein, zwei bekannte Gesichter, jede Menge schlechter Effekte aus den Anfangstagen von CGI und eine kleine Prise Gore. Dass die Ereignisse immer vorhersehbar und hochgradig unlogisch erscheinen bzw. die Figuren mehr schlecht als recht gezeichnet sind, tut dem Unterhaltungswert aber eigentlich nur wenig Abbruch und irgendwie ist „Terminal Invasion“ gerade aufgrund seiner ganzen und sehr offensichtlichen Mängel eine schwer sympathische Geschichte. Das Budget war offensichtlich wesentlich geringer als der Anspruch, den sich Darsteller und Macher gesetzt haben und so ist man als Zuschauer auch gerne dabei, wenn sich der abgelegene Terminal für die eingeschlossenen Menschen als Todesfalle entpuppt. Ich bin ja kein großer Campbell-Fan, aber hier gefällt er mir eigentlich ganz gut und auch der Rest der Truppe müht sich brav ab und versucht die Lagerhalle wie ein Flughafengebäude aussehen zu lassen. Alles etwas doof, aber stets gerade noch im grünen Bereich und so wohl gerade richtig für Abende, an denen es auch mal etwas anspruchsloser sein darf.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Okt 2019, 18:24

Summer Party Massacre

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Holländischer Studenten-Slasher nach dem üblichen Strickmuster und Figuren, der aber natürlich dem Fan des Genres trotzdem durchaus zu gefallen weiß. Zwar ist die Geschichte über eine Gruppe Studenten und ein unrühmliches Geheimnis aus der Vergangenheit nicht sonderlich originell, aber das ist bei Filmen aus der Kiste ja auch nicht unbedingt erforderlich. Das neuzeitliche Setting bei der holländischen Sneekweek, der größten Segelveranstaltung Europas und die ständigen Verweise auf das Partyangebot, Alkohol und Medikamente stört jedenfalls nur begrenzt und auch das Ende ist spannend und überraschend packend ausgefallen. Leider ist „Summer Party Massacre“ mit knapp 110 Minuten Laufzeit aber gleichzeitig einfach viel, viel zu lange ausgefallen und vor allem in der ersten Hälfte hätte man viele ersatzlos streichen können, ohne den Erzählfluss groß zu gefährden. Hat man die erst einmal überstanden, ist der Streifen aber durchaus solide und bewegt sich härtetechnisch ebenfalls im mittleren Bereich. Als Slasher-Fan sollte man sich die europäische Variante nicht entgehen lassen. Der thematisch ähnliche „Die letzte Party deines Lebens“ ist trotzdem einen Ticken besser.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Okt 2019, 17:50

Detention - Nachsitzen kann tödlich sein

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Die für ihr Alter überraschend ernsthafte und abgeklärte Taylor geht auf die Grizzly Lake High und leidet darunter, dass sie von niemanden wahrgenommen wird und auch ihr Schwarm Clapton nur Augen für das Blondchen Iona hat. Die Stimmung auf der Schule kippt jedoch rasch, als auf einmal ein Killer in der Schule auftaucht und nach und nach die beliebtesten Schüler ermordet. Als sich der Killer auch hinter Taylor hermacht, bleibt ihr nichts anderes übrig, als hinter das Geheimnis des Mörders zu kommen, dass irgendwie auch mit der Vergangenheit der Schule zusammenhängt.

Mit „Detention – Nachsitzen kann tödlich sein“ erwartet den Zuschauer eine Mischung aus Slasher und Teenie-Komödie mit Zeitreise-Thematik und popkulturellen Zitaten im Sekunden-Takt. Das hohe Tempo mit dem die Geschichte erzählt wird, lässt ja weder Zeit zum Nachdenken, noch zum Durchatmen und wird auch gnadenlos bis zum Ende durchgezogen. Die unbändige Kreativität mit der alles vermischt und dargebracht wird, ist dabei durchaus bewundernswert, allerdings wird die ganze Sause schon nach zwanzig Minuten etwas unübersichtlich und als Zuschauer muss man auch ständig auf der Hut sein um nicht den Faden zu verlieren. Die Zeitreise-Thematik kommt ja auch erst relativ spät ins Spiel und wirkt auch so, als wollte man gegen Ende noch mal rasch durch die Decke gehen, damit auch noch der letzte Zuschauer mitbekommt, wie wenig man sich um die üblichen Genre-Konventionen und Zuschauererwartungen scherrt. Zurück bleibt man übersättigt und dem Gefühl, dass irgendwer 90 Minuten lang die Fast-Forward-Taste gedrückt hat und ob das nun gut oder schlecht ist, kann ich aktuell auch noch nicht beurteilen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Okt 2019, 18:20

Perkins' 14

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Sherriff Dwayne und dessen Familie leiden an dem Umstand, dass vor vielen Jahren der Sohn der Familie wie auch andere Kinder der Stadt unter mysteriösen Umständen entführt wurde und trotz intensivster Ermittlungen in alle Richtungen nie mehr aufgetaucht ist. Als er zum zehnjährigen Jahrestag der ersten Entführung Dienst schiebt, trifft er auch auf einen inhaftierten Apotheker, der sich mit seinem Verhalten verdächtig macht. Tatsächlich scheint der Mann auch mehr über die Entführungen zu wissen, als er zugibt und als sich Dwayne über seine Vorschriften hinwegsetzt und kurzerhand das Haus des Mannes durchsuchen lässt, kommt er tatsächlich dem Verbrechen auf die Spur. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnen weder der Polizist, noch die Stadt, was tatsächlich auf die Einwohner von Castle Rock zukommt, denn alles was geschieht, ist der Teil eines Plans, der den beschaulichen Ort in seinen Grundfesten erschüttern wird.

„Perkins‘ 14“ ist grimmiger Indie-Horror, der seine Geschichte über die Entführung von Kindern überraschend düster, hart und kompromisslos erzählt und irgendwann seine durchaus atmosphärische Geschichte einer turbulenten zweiten Halbzeit a la „The Crazies“ opfert. Dabei startet der Streifen relativ beschaulich und erzählt in Rückblenden die Geschichte eines Polizisten, dessen Sohn vor vielen Jahren entführt wurde und der die Hoffnung nicht aufgibt, diesen doch noch wiederzufinden. In der zweiten Hälfte wird „Perkins‘ 14“ dann jedoch zu einer Art Zombie-Vehikel, dass menschliche Monster auf die Stadt loslässt und dabei auch heftig mit der Gore-Keule schwingt. Dennoch wollen die beiden Teile nicht so wirklich zueinander passen und auch bei den Figuren bedient man vom gebrochenen Polizisten, über die untreue Ehefrau bis hin zur rebellischen Punk-Tochter auch wieder jegliches Klischee. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass man aus der Geschichte auch viel mehr hätte machen können und viel von dem Magenschwinger-Potential verschenkt wurde. So bleibt „Perkins‘ 14“ ein solider und erfrischend roher Indie-Horror in durchschnittlicher Aufbereitung, der in seiner zweiten Hälfte statt Atmosphäre auch mehr auf Gore setzt und sich so selbst und auch völlig unnötig ein Bein stellt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Okt 2019, 18:15

Kooky

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Der junge Ondra leidet an Asthma und muss sich daher schweren Herzens von seinem geliebten Teddy Kooky trennen, der verstaubt, abgegriffen und für das gesundheitliche Wohl des Jungen nicht gerade zuträglich ist. Der pinkfarbene Teddy landet im Müll und in weiterer Folge auf einer Deponie außerhalb der Stadt. Kooky lässt sich jedoch nicht so einfach entmutigen und beschließt Ondra zu suchen, der seinen Teddy ebenfalls schon sehnlichst vermisst. Kooky flüchtet von der Deponie und landet in einem magischen Wald bei dem Wächter Capitano, der die dortigen Wesen vor Angriffen schützt und mit weisem Rat zur Seite steht. Capitano beschließt Kooky zu helfen und so landen die beiden geradewegs in einem turbulenten Abenteuer, bei dem der etwas naive Teddy von dem besonnenen Capitano auch viel über das Leben lernen kann.

Wunderbarer Film von Jan Sverák, der Realfilm, Stop-Motion und Puppenanimation miteinander verbindet und eine herzerwärmende, wie Action-reiche Story über einen kleinen Teddy präsentiert, der wieder zu seinem jungen Besitzer zurückfinden möchte. Dabei ist es auch völlig egal, ob sich die Geschichte tatsächlich so abgespielt hat oder nur in der Fantasie des Jungen stattfindet, der sich in einer schwierigen Phase seines Lebens die wildesten Geschichten ausmalt. Was in „Kooky“ aber animationstechnisch so abgeht ist wirklich wunderschön anzuschauen und neben Verfolgungsjagden (!) gibt es allerlei kreative Figuren im Wald-Ambiente in Kombination mit Mensch und Tier zu bestaunen. Auch die Geschichte ist großartig und Capitano ist unschwer als Großvater zu interpretieren, der Kooky stellvertretend für seinen Enkel Geschichten über das Leben erzählt. „Kooky“ ist aber weit davon entfernt ein harmloser, belehrender oder gar seichter Kinderfilm zu sein, sondern ist eher eine vielseitig interpretierbare Fabel über Vielfältigkeit des Lebens und der Wertigkeit von Dingen, die in Zeiten wie diesen der Seele gut tun.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Okt 2019, 18:32

Malý pán

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Der kleine Mann lebt in einem kleinen Haus, dass er sich selbst gebaut hat und ist glücklich über den Umstand, dass er alles hat. Doch eines nachts träumt er einen seltsamen Traum von einem sprechenden Haus, das ihm mitteilt, doch nicht alles im Leben zu haben und ihn aus seinem Schlaf erwachen lässt. Als sich der Traum wiederholt, macht sich der kleine Mann auf dem Weg um nach der ominösen Sache zu suchen, die ihm angeblich fehlen soll. Zuerst begegnet er einem magischen Kopf, der ihn um einen Gefallen bittet und schon bald befindet sich der kleine Mann mitten in einem turbulenten Abenteuer, das ihn vielen freundlichen und weniger freundlichen Personen und Tieren begegnen lässt und am Ende erkennt der kleine Mann auch so, was ihm trotz aller materiellen Dinge gefehlt hat.

Das nächste Mitbringsel aus dem Prag-Urlaub, dass sich als wunderbares Animationsabenteuer mit herzlicher Geschichte entpuppt. Dabei ist „Malý pán“ auch sehr schön mit schrägen Gestalten und mit Puppenfäden animiert, dass wohlige Erinnerungen an tschechoslowakische Abenteuer aus der Kindheit wach werden lässt und sich auch angenehm von den technisch perfekten Animationsfilmen der Neuzeit abhebt. Dabei ist „Malý pán“ mindestens genauso schön in Szene gesetzt und überrascht mit extravaganten Szenen-Design und Mut zur Hässlichkeit. Auch die Geschichte, die anfänglich etwas seltsam erscheint, ist eine Ode and die Freundschaft und Gemeinschaft und am Ende wartet dann auch noch ein Indie-Popsong, der ebenfalls gute Laune verbreitet. Insgesamt alles richtig gemacht und dennoch scheint „Malý pán“ bislang nur im Osten veröffentlicht worden zu sein, aber die DVD hat zumindest englische Untertitel. Als Kind fand ich diese Puppenfilme mit ihren seltsamen Figuren und noch seltsameren Geschichten und Metaphern immer etwas zu gruselig, aber als Erwachsener habe ich eine große Freude daran, diese Filme nun wieder zu entdecken.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Okt 2019, 18:48

Die Verwandlung

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„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Aufgrund dieser Verwandlung ändert sich das Leben der kleinbürgerlichen Samsa schlagartig und die Familie sieht sich mit einem Ungeheuer und neuen Vermögensverhältnissen konfrontiert. Zuerst versucht man sich mit dem Monstrum zu arrangieren, doch das Mitleid weicht bald einer Gleichgültigkeit und gipfelt in einer offenen Anfeindung. Als der letzte Rest Menschlichkeit versiegt ist, versagt auch Gregors verwandelter Körper und die Familie sieht gelassen und ohne Trauer einer neuen Zukunft entgegen.

Franz Kafkas „Die Verwandlung“ zählt ja zu den bekanntesten Texten der Literaturgeschichte und die nüchtern erzählte Geschichte über eine Metamorphose lässt sich ja von existentiellen Ängsten, Familienkonflikten und Angst vor dem Unbekannten im kleinbürgerlichen Ambiente ja auf unterschiedlichste und vielfältige Art interpretieren. Regisseur Jan Nemec begeht in seiner filmischen Adaption aber nicht den Fehler, das Monster zu zeigen, sondern nimmt über weite Strecken die Perspektive von Gregor an, der sich über Nacht in einem neuen Körper wiederfindet. Das verfehlt auch seine Wirkung nicht und die Kamera nimmt für eine TV-Produktion aus den Siebzigern immer wieder sehr extravagante Positionen ein. Leider lässt „Die Verwandlung“ aber meines Erachtens die unheimliche Bedrohlichkeit des Romans außen vor und wirkt in seiner Inszenierung stets theatralisch überzeichnet. Klar ist der Film nie so gut wie das Buch, aber ich persönlich hätte mir eine ruhigere Erzählweise und eine Figurenzeichnung gewünscht, die auch den Schilderungen Kafkas entspricht und nicht z.B. einen Heinz Bennent, der für die Rolle des Vaters eigentlich viel zu jung ist und die skurrilen Zimmerherren, die schmatzend am Tisch ein Spanferkel zerlegen. So bleibt „Die Verwandlung“ mit seinen 52 Minuten Laufzeit auch für mich zwar interessant und doch unbefriedigend, aber bei der Vorlage kann man eigentlich auch nur verlieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Okt 2019, 18:08

The Living Skeleton

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Die junge und bescheidene Saeko lebt in den Glauben, dass ihre Zwillingsschwester vor drei Jahren bei einem Schiffsunglück im Sturm ums Leben gekommen ist. In Wirklichkeit wurde die Besatzung der „Dragon King“ aber von Gangstern ermordet um in den Besitz von Gold zu kommen, dass sich ebenfalls an Bord befand. Als eines Tages Saeko und ihrem Verlobten Knochengerippe bei einem Tauchgang erscheinen und die „Dragon King“ am Horizont auftaucht, begibt sich Saeko an Bord um ihre Schwester zu suchen und findet dabei jedoch die Geister der Vergangenheit, die in Saeka das willfährige Geschöpf sehen um nach dem erlittenen Grauen an den noch lebenden Gangstern grausame Rache zu nehmen…

Japanischer Horror-Streifen aus dem Jahr 1968, der ja nicht lange fackelt und gleich einmal mit einem grausamen Massaker an Bord eines Schiffes durch moderne Piraten beginnt. Doch wer glaubt, dass „The Living Skeleton“ da schon den Großteil seines Pulvers verschossen hat, irrt gewaltig. Auch danach kommt man als Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn Geisterschiffe und Skelette auftauchen, von jungen Frauenkörpern Besitz ergriffen wird und am Ende sogar noch Säuremorde warten, die auch Lucio Fulci nicht besser hinbekommen hätte. Hier wird ein Füllhorn an skurrilen Einfällen und Überraschungen ausgepackt und ohne Gnade über dem Zuschauer ausgeschüttet, bis dieser am Ende geplättet und mit offenem Mund im Sessel zurückbleibt. Ein überraschend dramatisch inszenierter Streifen der trotz schwarzweißer Bilder nicht bunter sein könnte und auch einfach alles mitnimmt, was das Geisterschiff-, Mad-Scientist und Geister-Genre nun mal so bietet und dieses auch noch in einem überraschend hohen Tempo serviert. Für mich jetzt schon eine der schönsten Horror-Entdeckungen des Jahres und danke an den edlen Spender, der mir die Sichtung dieses wunderbaren Streifens ermöglicht hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Okt 2019, 18:31

The Return of Captain Invincible

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Der Superheld Captain Invincible fällt nachdem der Amerika heldenhaft verteidigt in Ungnade, wird in einem Schauprozess verurteilt, verliert all seine Superkräfte und landet in Australien in der Gosse als versoffener Sandler. Als sich der Bösewicht Mr. Midnight den sogenannten Hypno-Strahler mit einem Überfall aneignet ist Gefahr im Verzug in Amerika und das Land besinnt sich wieder seines ehemaligen Helden, der jedoch weit entfernt von seiner früheren Form ist und auch kein Interesse hat, sich abermals gegen das Böse zu stellen. Als ihn der Präsident der Vereinigten Staaten jedoch an ein früheres Versprechen erinnert, bleibt Captain Invincible nichts anderes über, als wieder ins Cape zu schlüpfen, doch dass ich leichter gesagt, als getan und das Chaos nimmt seinen Lauf…

Schräge Superman-Persiflage aus Down Under, die in den besten Momenten herrlich skurril und völlig überzogen ist. Leider gibt es aber auch noch schlechtere Momente, in denen „The Return of Captain Invicible“ leider kalauernd und langatmig erscheint. So sehr man sich auch bemüht das Superheldentum aufs Korn zu nehmen, so wenig hat man darauf geachtet, dass letzten Ende auch ein stimmiges Ganzes herauskommt. So gibt es zum Schreien komische Momente, Gesangseinlagen und bewusst schlecht getrickste Momente, die auf eine Geschichte treffen, die nie so richtig in die Puschen kommt und ohne der Kenntnis der Superman-Filme mit Christopher Reeves wohl auch nur halb so gut funktioniert. Lustig ist das allemal und sehenswert ist der australische Streifen ebenfalls, aber zurück bleibt man doch mit dem unbestimmten Gefühl, dass „The Return of Captain Invicible“ zwar als Spoof-Movie, aber nicht als eigenständiges Werk überzeugen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Okt 2019, 18:34

Einmal in der Nacht

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„Einmal in der Nacht“ präsentiert in losen miteinander verwobenen Geschichten unterschiedlicher Laufzeit einsame Menschen und Kreaturen, die sich die nächtlichen Stunden mit exzentrischen Beschäftigungen vertreiben. Ein Mann liebt den Zirkus, ein anderer die Jagd, ein weiterer hat eine etwas seltsame Neigung zum Einäschern von Haustieren. Dazu kommt ein Baum mit suizidalen Tendenzen, der mit einem Karpfen befreundet ist, ein Musiker, der ein abgetrenntes Ohr findet und zwei Trinker, denen von einem Geist jeder Wunsch erfüllt wird.

Zweifelsfrei sehr bizarrer Puppen-Animationsfilm für Erwachsene, der nicht nur ohne Dialoge auskommt, sondern auch sehr seltsame Geschichten von Menschen in einer heruntergekommenen Großstadt zeigt. Dabei sind die Geschichten teils Momentaufnahmen, teils längere Geschichten, die von ihrem Geist etwas an die Filme von dem Franzosen Jean-Pierre Jeunet und die Animationsfilme von Tim Burton erinnern. Regisseur Jan Balej geht nicht minder exzentrisch zu Werke und präsentiert Verlierer, Kokser und Trinker und auch noch eine sehr schräge Geschichte von einem Baum, der mit einem Fisch befreundet ist und wieder Lebensfreude finden muss. Alles sehr ungewöhnlich und extravagant vom Figurendesign in Szene gesetzt und wer diese Art von Stop-Motion und Puppenanimation mag, bekommt hier einen sehr ungewöhnlichen und eigentlich sehr düsteren Vertreter präsentiert, der sich thematisch auch an ein erwachsenes Publikum richtet und bei der man wieder einmal aus dem Staunen nicht herauskommt. Zwar wirkt „Jedné noci v jednom meste“ schon wie eine Nummern-Revue bzw. Werkschau, aber das stört aufgrund der relativ kurzen Laufzeit von knapp 70 Minuten auch so überhaupt nicht.

Little from the fish shop

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Die Familie der kleinen Meerjungfrau Malá ist vor einiger Zeit aus den Tiefen des Meeres in eine Hafenstadt bzw. Exil gezogen, wo die Fabelwesen das heruntergekommene Rotlichtviertel mit frischem Fisch aus ihrem Laden versorgen. Als Malá sechzehn wird, darf sie gemeinsam mit ihren älteren Schwestern den Fisch ausliefern und entdeckt mit staunenden Augen die multikulturelle Gegend und schäbigen Bars und verliebt sich ausgerechnet in den Zuhälter und Barbesitzer Gabor. Die Meerjungfrau wünscht sich daraufhin nichts sehnlicher als selbst ein Mensch zu werden und mit der Hilfe einer Meereshexe wird Malá zum Mensch, verlässt ihre Familie um mit Gabor zusammen zu sein und muss erkennen, dass manches Glück nur von kurzer Dauer ist…

Ganz großartiger, tschechischer Animationsfilm von Jan Balej, der die bekannte Geschichte der kleinen Meerjungfrau von Hans Christian Anderson in ein modernes Hafenviertel verlegt und dabei ein großes Herz für exzentrische Figuren und Settings beweist. Dennoch ist der Film eher weniger für jungen Erdenbewohner geeignet und die Story mit Prostituieren, Zuhältern und Trinkern richten sich auch an ein erwachsenes Publikum. Die Geschichte wird dabei mit wenigen Worten und einem Erzähler begleitet, während die Figuren in unverständlicher Kunstsprache miteinander kommunizieren. Das wunderbar in Szene gesetzte Hafenviertel erinnert dabei unschwer an die Landungsbrücken und an St. Pauli und präsentiert die eigentlich sehr traurige Geschichte über unerfüllte und unerfüllbare Wünsche in einem modernen und auch sehr extravaganten Look. Von den Figuren, über die Musik bis hin zu den Settings spürt man zu jeder Sekunde das Herzblut und unbändige Fantasie der Macher, dass hier eingeflossen ist. Schade, dass diese Art von Animationsfilm außerhalb von Tschechien kaum Beachtung findet, auch wenn es sich hier um eine europäische Koproduktion handelt, bei der auch deutsches Geld im Spiel war. „Little from the Fish Shop“ ist ein fantasievoller, wunderbarer Animationsfilm, dem man auch einen höheren Bekanntheitsgrad und vor allem eine deutsche VÖ wünschen würde.
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