Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Sep 2019, 18:54

Dolan's Cadillac

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Elizabeth beobachtet eines Tages bei einem Ausritt in der Wüste den Menschenhändler und Gangsterboss Dolan, der gerade mit seinem Team dabei beschäftigt ist, ein paar Leute zu exekutieren. Als Elizabeth daraufhin bereit ist, bei der Polizei eine Aussage zu machen, geraten sie und ihr Mann Robinson in Schussfeld und wenig später stirbt Elizabeth trotz Zeugenschutzprogramm und ständiger Überwachung. Als sich der friedliebende Robinson daraufhin in bitterer Verzweiflung an Dolan rächen möchte, muss er jedoch rasch feststellen, dass er sie damit einen übermächtigen Gegner ausgesucht hat…

Eher mäßig gelungenes Rachedrama nach einer Kurzgeschichte von Stephen King mit einem Tarantino-esken Figuren-Ensemble, dass trotzdem irgendwie nie so richtig in die Gänge kommt. „Dolan’s Cadillac“ lebt ja hauptsächlich davon, dass die beiden Gegner unterschiedlicher nicht sein könnten und man bis zum Ende nie so richtig weiß, wie der finale Racheplan des eigentlich friedlichen Lehrers ausfallen wird. Gar so überraschend ist es aber nicht, sondern eher etwas unglaubwürdig und das „spannende“ Finale wirkt doch arg gestreckt und dauert auch viel zu lange. Da hat der werte Stephen schon bessere Geschichten geschrieben und auch Christian Slater fand ich in der Rolle des eloquenten und völlig abgeklärten Bösewichts nicht wirklich passend, sondern ziemlich deplatziert. Dafür punktet der Streifen mit netten Handlungsorten, einem passablen Look und der ein oder anderen inhaltlichen Überraschung, die den Film aber auch nicht aus seiner Mittelmäßigkeit helfen. In der langen Liste von Stephen King-Verfilmungen würde ich den Streifen daher auch im unteren Mittelfeld platzieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Sep 2019, 18:37

Das geheime Fenster

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Der Schriftsteller Mort steckt mitten in einer hässlichen Scheidungssache, als eines Tages ein fremder Mann vor der Türe seines Seehauses steht und behauptet, dass der Schriftsteller eine Geschichte von ihm kopiert habe. Doch Mort verneint und bezichtigt den Fremden der Lüge, der seinerseits aber keine Fragen offenlässt, wie ernst er es meint. Wenig später liegt nicht nur Morts Hund tot vor dem Haus, sondern der Schriftsteller fühlt sich ernsthaft in seinen vier Wänden bedroht, sodass er Hilfe bei einem Privatdetektiv sucht. Doch die Beweggründe des Fremden bleiben vage und wenig später keimt in Mort der schrecklicher Verdacht, dass doch mehr hinter der ganzen Sache stecken könnte…

Die nächste Stephen King-Verfilmung, die wohl erfolgreich gelaufen ist, gut aussieht und in der Johnny Depp wieder einmal seine bewährte und mittlerweile überbeanspruchte Mischung aus exzentrisch und abgefuckt präsentieren darf. Das war es dann aber auch schon mit den positiven Dingen – die Geschichte selbst ist ziemlich lahm, zu keiner Sekunden wirklich spannend und als erfahrener Zuschauer weiß man ja bald einmal, worauf die Sache hinausläuft. Leider ziehen sich die Ereignisse aber wie ein Schweizer Raclette-Käse und irgendwie fand ich das alles wenig ergiebig. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass auch Timothy Hutton mit von der Partie ist, der ja auch Erfahrungen mit Stephen King und gebeutelten Schriftstellern mitbringt. Aber insgesamt betrachtet ist das schon ein Big-Budget-Mainstream-Luftbeutel auf Nummer sicher, der weitgehend überraschungsfrei wohl bis auf wenige King-Hardliner niemanden aus unserer Ecke so wirklich begeistern wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Sep 2019, 18:20

Der goldene Handschuh

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In den Siebzigern lebt Fritz Honka in der Nähe der Reeperbahn und verkehrt im „Goldenen Handschuh“ einer Kiez-Kneipe, in der sich Alkoholiker, Obdachlose und sonstige Menschen treffen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Doch Fritz ist ein Sadist und Mörder und macht es sich zum Vorteil, dass die weibliche Kundschaft der Kneipe nicht vermisst wird. Mit der Aussicht auf Gratis-Schnaps lockt er die Frauen in seine Dachgeschosswohnung, wo er sie vergewaltigt, misshandelt und ermordet. Als er dem Alkohol abschwört und eine neue Stelle als Nachtwächter bekommt, scheint Fritz dem Ausstieg aus dem Milieu geglückt zu sein, doch der Rückfall lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten…

Fatih Akins „Der goldene Handschuh“ geht ja in Richtung körperliche Erfahrung und führt den Zuschauer geradewegs an den Rand der Gesellschaft bzw. die Reeperbahn der Siebziger, in der Fritz Honka unbemerkt obdachlose Frauen ermorden und deren Teile unterm Dach verstauen konnte. Der Film wirkt dabei relativ nüchtern und versucht auch nicht Sympathie für seine Hauptfigur zu entwickeln. Persönliches erfährt man nur wenig und so beschränkt sich der Film auf das Aufzeigen der Ereignisse, die sich hier natürlich alles andere als schön präsentieren. Hervorzuheben sind dabei vor allem die weiblichen Figuren, die hier mit viel Mut zur Hässlichkeit agieren und die Settings, die das versiffte Feeling geradewegs in die eigenen vier Wände holen. Dazu tönen Schlager von Heintje, Daliah Lavi und den Flippers aus der Jukebox und als Zuschauer ist fertig ist das deutsche Serial-Killer-Movie, dass man sich so eigentlich nicht erwartet hätte. In seiner ganzen Hoffnungslosigkeit schon ein ziemlicher Schlag in die Magengrube, den man auch erst einmal verdauen muss.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Sep 2019, 17:59

City of Lust

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Arianna ist nach traumatischen Ereignissen in ihrem Leben nach Chicago gezogen um dort als Friseurin zu arbeiten und wieder Ruhe zu finden. Doch in der großen Stadt findet die stille und introvertierte Frau keinen Anschluss und auch im Job wird Arianna von ihren Kollegen und Kolleginnen eher schlecht behandelt. Als sie eines Abends in einem traurigen Moment den Hörer abhebt um eine Sex-Hotline anzurufen, landet sie bei einer mysteriösen Frau, die Verständnis zeigt und Arianna erstmals das Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Wenig später beginnt im Umfeld der jungen Frau eine Mordserie, doch wer steckt hinten den Angriffen, oder ist es gar die psychisch labile Arianna selbst, die zum Messer greift um ihrer verdrängten Aggressionen und Sexualität Ausdruck zu verleihen?

Kostengünstig gemachter Neo-Giallo aus den Staaten, der in seinen besten Momenten gut aussieht und auch sehr viel aus seinem Mini-Budget herausholt. Weniger gelungen scheinen manch Darsteller, der Soundtrack und die verworren erscheinende Geschichte aus psychosexuellen und Slasher-Motiven, die statt dramatisch eher konstruiert erscheinen. Wieder einmal werden die italienischen Vorbilder eher auf brutale Messermorde und Farbgebung reduziert und mit einem eher uninspiriert erscheinenden Drehbuch kombiniert, dass allerlei abgelutschte Motive aus dem Genre miteinander vermengt. Gar so überraschend ist der Verlauf ja nicht gerade und so etwas wie Spannung sucht man auch eher vergeblich. Mit etwas Wohlwollen zählt „City of Lust“ aber trotzdem zu den etwas gelungeneren Beiträgen aus der Kiste der Neo-Gialli, aber irgendwie wurde ich während meiner Sichtung das Gefühl nicht los, dass hier alles mit angezogener Handbremse serviert wird und mit einer besseren Geschichte und durchdachteren Psychologie der Figuren doch wesentlich mehr möglich gewesen wäre.

Night of the Scarecrow

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Hanford ist ein beschaulicher Ort irgendwo in den USA, dessen Bürgermeister gerade dabei ist, mit einer großen Mall zu expandieren und neben Landwirtschaft für seine Bevölkerung ein zweites Standbein zu schaffen. Doch auf dem Ort liegt seit Jahrhunderten ein Fluch, als vor Jahrhunderten ein grausamer Magier von den Bewohnern unter die Erde gebracht wurde. Als dessen Grab im Maisfeld durch das unachtsame Verhalten einiger Halbstarker zerstört wird, kehrt er als Vogelscheuche zurück um Rache an den Nachkommen zu üben, die ihn einst unter die Erde geschickt haben.

Kurzweiliger Neunziger-Horror über Landeier und Vogelscheuchen, der durchaus Spaß macht und mich stark an Stephen King-Verfilmungen aus der Zeit erinnert hat. Doch der hat mit der Geschichte nichts zu tun und dennoch wird man das Gefühl nicht los, er wäre Pate für die ganzen Ereignisse gestanden, die sich hier durchaus herb präsentieren. Was der Geschichte an Originalität fehlt, wird ja mit blutigen Effekten wieder ausgeglichen und auch bei den Figuren greift man auf Bewährtes zurück. Herausgekommen ist ein kurzweiliges, wenn auch nicht sonderlich nachhaltiges Vergnügen, dass bei seiner Laufzeit von 80 Minuten kaum Durchhänger hat. Zwar hat man schon auch das Gefühl, das alles irgendwie in anderen Filmen schon einmal gesehen zu haben, aber in Kombination mit nett getricksten und blutigen Effekten wird der Fan schon sehr gut unterhalten. Nur die DVD aus der „Blood Edition“ ist bildtechnisch absolut nicht mehr zeitgemäß und würde ein HD-Update sicherlich vertragen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Sep 2019, 19:15

Arthur und Minimoys

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Der zwölfjährige Arthurs vermisst seinen Großvater, der als Erfinder und Anthropologe in Afrika unterwegs ist und sich mit Erfindungen einen Namen gemacht hat. Gemeinsam mit seiner Großmutter lebt er in einem abgelegenen Haus in den Staaten und träumt ebenfalls von großen Erfindungen und Abenteuern. Diese begegnen ihm auch schneller als gedacht, als er gemeinsam mit seiner Großmutter vor der Delogierung steht. Voller Tatendrang macht er sich auf die Suche nach einem vermeintlichen Schatz und kommt dabei auch den Minimoys auf die Spur, einem Volk von winzig kleinen Wesen, von denen auch sein Großvater berichtete…

Mäßig gelungene Mischung aus Real- und Animationsfilm von Luc Besson, der hier dem Publikum eine kindgerechte Mischung aus Fantasy und Abenteuer serviert. Die Realsequenzen mit Freddie Highmore sind zwar recht gelungen, die animierten Sequenzen fand ich weniger gut und der bisweilen aufgesetzt extravagant wirkende Look der Wesen hat mir nicht wirklich gefallen. Bei der Geschichte der Minimoys verzichtet man auf zu große Ecken und Kanten und irgendwie funzt der Spannungsbogen in der Welt der Minimoys nicht so wirklich. Keine Ahnung ob das junge Erdenbürger besser finden, aber als Erwachsener wirkt das doch alles mau. Auch die Zugeständnisse an popkulturelle Ereignisse (House und Disco in einem Streifen, der wohl in den Sechzigern spielt, sowie den Kiffer-Kobold) fand ich daneben und das Schlimmste ist wohl die deutsche Synchronstimme von Bill Kaulitz, die so überhaupt nicht zum zwölfjährigen Arthur passt. Für einen verregneten Nachmittag mag das schon okay sein und technisch ist das alles passabel, aber mehr auch nicht und dass es mittlerweile zwei Nachfolgerfilme und eine Serie gibt, liegt sicher nicht an der Qualität der Geschichte.

Zombi 3

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Bei einem Überfall gerät der biologische Kampfstoff „Death One“ in die Hände von Terroristen, der jedoch bei der Flucht angeschossen und kontaminiert wird. Wenig später taucht er in einem Hotel unter und sorgt so für eine Ansteckung unter den Gästen. Zwar kann das Hotel evakuiert und die Infizierten erledigt werden, doch als der Leichnam des Terroristen verbrannt wird, gelangt „Death One“ neuerlich in die Atmosphäre und wird durch Vögel weiter im Land übertragen. Wenig später geraten ein Trupp junger Leute und eine Handvoll Soldaten in das Geschehen und während das Gebiet weiträumig abgeriegelt wird, beginnt in der evakuierten Zone der Kampf ums Überleben.

Statt Lucio Fulci erwarten hier wohl eher Mattei und Fragasso den Zuschauer bzw. die „Zombies im Dampfbad“, wie diese Graupe wohl besser betitelt worden wäre. Die Geschichte über einen chemischen Kampfstoff ist mit ein paar Sätzen erzählt und eigentlich geht es in dem Film nur darum, dass irgendwer irgendwo hinkommt und dort dann irgendwelche kontaminierten Zombies lauern, die wahlweise im Schneckentempo oder blitzschnell und auf splattrige Weise über ihre Opfer hermachen. Dazu gibt es sinnbefreite Dialoge zwischen Wissenschaft und Militär, massenhaft Weichzeichner und Trockeneisnebel und auf den Philippinen scheint es ja sowieso in der Natur und in allen Räumen (!) permanent und überall zu dampfen oder milchig trüb zu sein. Warum weiß wohl nur Claudio Fragasso, der diesen Murks als Drehbuch verbrochen hat. Die Inszenierung ist schlecht, die Darsteller mies oder auf verlorenen Posten, die Story kompletter Mist und statt Spannung und Grusel gibt es eben Splatter, etwas Action, Logiklöcher und philippinische Komparsen soweit das Auge reicht. Auch die Qualität der Blu-Ray ist meines Erachtens eher durchwachsen und aufgrund des Nebels und dem ständigen Einsatz von Weichzeichner ist von HD auch keine Spur und auch die Synchro mehr als dürftig. Hier gibt es auch nichts zu beschönigen und ein etwaiger Unterhaltungswert tendiert hier meines Erachtens jedenfalls komplett in die falsche Richtung und wird nur noch vom Nachfolger unterboten, den ich noch schlechter in Erinnerung habe.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Sep 2019, 13:37

Nachtrag der letzten Tage:

Männer al dente

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Nette Mainstream-Komödie über eine italienische Industriellenfamilie, deren beiden männlichen Nachkommen homosexuell sind, was dem Familienoberhaupt natürlich so gar nicht gefällt. Spannende wie klischeelastige Figuren, ein nettes Drehbuch und ein paar Wahrheiten in einem kurzweiligen Film verpackt. Schön auch, dass „Männer al dente“ weder die eine, noch die andere Gruppe in ein besseres Licht stellt und vieles im Ausgang offen lässt – so kann sich auch jeder selbst Gedanken zu dem Thema machen.

Akira

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Der große Klassiker des Genres und auch mein erster Anime. Immer noch großartig dystopisch, auch wenn mir der Action-Anteil mittlerweile doch etwas zu überrepräsentiert erscheint. Etwas weniger Verfolgungsjagden und ein etwas strafferes Ende hätte dem Film wohl nicht geschadet – aber das ist meckern auf höchsten Niveau. Nicht umsonst ein Meilenstein.

5 cm per second

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Wunderbar melancholischer Anime über Menschen und die Zeit, die nicht auf der Seite der Liebenden zu sein scheint. Alles wunderbar hübsch gezeichnet und schwelgerisch anzuschauen, die auch darüber hinwegsehen lassen, dass mir ein Happy End eigentlich lieber gewesen wäre.

Closet Monster

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Der neunjährige Oscar wird eines Tages nach der Schule Zeuge eines furchtbaren „Hate Crimes“, welches gemeinsam mit der überraschenden Scheidung seiner Eltern nachhaltig das Leben des jungen Menschen beeinflusst. Als er als Heranwachsender seine eigene Homosexualität entdeckt flieht der Special-Effect-begeisterte Oscar in seltsame Tagträume und Aggression, die ihn zum Einzelgänger werden lassen. Als er neben der Schule einen Job in einem Kaufhaus beginnt, trifft er auf Wilder, der mit seiner lockeren Art so ziemlich das Gegenteil von Oscar darstellt. Oscar verliebt sich in den Kollegen, der ebenfalls Interesse zeigt, doch die Ereignisse aus der Vergangenheit holen Oscar wieder ein, dem nichts anders übrigbleibt, als sich nun endgültig seinen verdrängten Ängsten zu stellen.

Schön gemachter „Coming-of-Age“-Film mit der üblichen Geschichte über einen jungen Mann, der durch ein Erlebnis in seiner Kindheit mit Vorurteilen und Ängsten heranwächst und dann irgendwann in seinem Leben erkennen muss, dass er davon nicht länger davonlaufen kann. Dabei hat der kanadische „Closet Monster“ immer wieder Ausflüge in surrealistische Gefilde und so spricht der Protagonist nicht nur mit seinem Hamster (Stimme von Isabella Rossellini) sondern hat erlebt auch andere Dinge, die metaphorisch erzählt werden. Elegant ist die Art und Weise, wie die Stimmung des Filmes trotz ernster Themen eher positiv bleibt. Wunderbar dabei auch die Drehorte in Neufundland und die Settings, toller Soundtrack und Darsteller - weniger originell hingegen das Drehbuch, dass man in abgewandelter Form und so oder so ähnlich schon in dutzend anderen Filmen gesehen hat. Aber das ist ja generell das Problem, wenn man im Laufe seines Lebens einfach schon zu viele Filme aus der Kiste gesehen hat. Das soll aber trotzdem niemanden abhalten, sich bei Interesse diesen durchwegs gelungenen Streifen anzuschauen.

Dorian Blues

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Der junge Dorian leidet nicht nur unter seinem erzkonservativen Elternhaus, sondern auch unter der Tatsache, dass sein jüngerer Bruder Nicky dank sportlicher Erfolge in der Highschool die ganze Wertschätzung seines Vaters bekommt. Als er sich eingestehen muss, dass er auf Männer steht, führt das zu inneren Konflikten und sein Bruder ist der Erste, dem er sein Geheimnis erzählt. Der rät ihm strikt davon ab, die Homosexualität seiner Umwelt zu offenbaren und dennoch lässt sich Dorian nicht davon abhalten, sein Leben weiter nach seinen Vorstellungen zu leben…

Der typische Coming-of-Age-Film aus den Staaten mit der üblichen Outing-Problematik, der sein ernstes Thema mit ein paar überspitzten Momenten aufzulockern versucht. Teils ist „Dorian Blues“ ja ganz lustig, dann wieder ernst und irgendwie immer sympathisch, auch wenn mir das Ganze doch zu episodenhaft und belanglos ausgefallen ist. Irgendwie ist weder Dorian, noch der Rest der Figuren sonderlich interessant ausgefallen und die Handlung plätschert erwartungsgemäß dahin, bis am Ende dann wieder die übliche Erkenntnis auf den Zuschauer wartet. Man kann seine sexuelle Identität nicht ändern und man kann auch nicht vor seinen Problemen davonlaufen. Das Ganze in der x-ten Variation für nachfolgende Generationen bzw. für Leute aus konservativem Elternhaus und für das schwule Publikum mit geringer Erwartungshaltung. Nett, belangslos und morgen vergessen.

Männer zum Knutschen

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Der eher schüchterne und ernsthafte Ernst Knuddelmann ist erst vor kurzem nach Berlin gezogen und hat sich dort Hals über Kopf in den extrovertierten Lebenskünstler Tobias verliebt, der als Szene-Original mit seinem nicht minder verhaltensauffälligen Freundeskreis auch sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Doch die glückliche Beziehung der beiden unterschiedlichen Männer ist bedroht, als auf einmal Uta, die Jugendfreundin von Ernst auf der Bildfläche erscheint, die ganz unverhohlen einen Keil zwischen die Beiden treiben möchte. Während Tobias die Absichten von Uta relativ rasch durchschaut, interpretiert Ernst das Verhalten seines Freundes auf falsche Weise, was die noch junge Beziehung auf die harte Probe stellt.

Eigentlich würde man „Männer zum Knutschen“ ja recht sympathisch finden wollen und in der Inhaltsangabe liest sich auch alles recht ordentlich. Die Berliner Schauplätze sind authentisch, die Darsteller bemüht und auch die ein oder andere Szene ist zum Schmunzeln. Zu mehr reicht es dann aber auch nicht und das sehr episodenhaft gestrickte Drehbuch lässt einen durchgehenden Handlungsfaden eher vermissen und auch die Geschichte mit der Jugendfreundin wirkt da eher aufgesetzt und bemüht. Auch darstellerisch ist nicht immer alles top und warum die Nebendarsteller wie Statisten besetzt sind, weiß man wohl auch nicht so genau. Neben den beiden männlichen Hauptfiguren verkommt der Rest zum Stichwortgeber, was ich schade fand, weil „Männer zum Knutschen“ recht interessante Figuren hat, die teils überhaupt nicht näher beleuchtet werden. Teils wirkt das Ganze auch recht soapig und das schmale Budget lässt sich ebenfalls nicht verleugnen. So bleibt ein Streifen, der mit Gastauftritten und Lokalkolorit ziemlich auf die Queer-Community zugeschnitten ist um dann doch nur wieder die üblichen und ausgelutschten Klischees zu bedienen.

Party Night

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Gemeinsam mit vier weiteren Schulfreunden beschließen das Paar Molly und Andrew die Prom-Feierlichkeiten ihrer Schule in der abgelegenen Hütte eines entfernten Verwandten am See zu verlängern. Doch dort angekommen will sich die Partystimmung aber nicht so recht einstellen und schon bald gibt es kleinere Konflikte, weil man sich von der Party offensichtlich mehr erwartet hat, als irgendwelche Kartespiele und leichtalkoholischen Getränke. Zu spät merken die Teens auch, dass sich in dem Haus noch eine weitere Person eingenistet hat, der den Feierwütigen schon bald mit Machete und sonstigen Gerät nach dem Leben trachtet.

Hoffnungslos unorigineller Low-Budget/Amateur-Slasher, der genau alles so bringt, was man in einem Film eigentlich nicht mehr sehen mag. Die Darsteller sind untalentiert, die Geschichte loser Aufhänger für ein paar blutige FX und so etwas wie schlüssiges Motiv, Auflösung oder dergleichen darf man sich neuerdings wohl auch nicht mehr erwarten. An dem Neo-Slasher aus der Billigkiste sind auch lediglich die blutigen Effekte halbwegs interessant, während man den Rest getrost vergessen und in die Tonne kippen kann. Dämliche Dialoge, billige Settings, vier Kanister Kunstblut und nach siebzig Minuten ist alles wieder vorbei und keine siebzig Minuten später auch schon wieder alles vergessen. So machen Indie-Filme wirklich keinen Spaß und „Party Night“ ist auch ein Film, auf den die Welt sicherlich nicht gewartet hat und den man sich auch mit allem Alkohol der Welt nicht schön saufen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Sep 2019, 19:17

Deliria över Hamburg - Tag 1:

Das Geheimnis des gelben Grabes

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Der Archäologe Jason Porter ist nicht nur auf der Suche nach Etruskischen Gräbern ein Getriebener, sondern auch im Leben sehr exzessiv, wenn es um Frauen und Alkoholkonsum geht. Bei einem seiner Einsätze trifft er in Perugia auch wieder auf seine Ex-Freundin Myra, die mittlerweile mit dem Star-Dirigenten Nikos liiert ist und gemeinsam mit einem Trupp künstlerisch bewanderter Personen in einer geräumigen Villa lebt. Als Jason mit seinem Team ein Grab entdeckt und mittels Sonde Fotos des Inneren macht, entdeckt er Wandmalereien eines etruskischen Todesgottes und präsentiert dieses auch Myra und ihren Freunden. Wenig später geschieht ein grausamer Mord und ein Pärchen wird grausam erschlagen und die Leichen im Stil der entdeckten Wandmalereien drapiert…

Der Auftaktfilm des heurigen Forentreffens in Hamburg war ein herrlich kruder Kriminalfilm in italienisch-deutsch-jugoslawischer Koproduktion, der im deutschsprachigen Raum auch als Bryan Edgar Wallace-Verfilmung vermarktet wurde. Die Geschichte über die On-Off-Beziehung eines Alkoholikers und Archäologen und andere seltsame Menschen würde ja eigentlich noch gehen, aber das Motiv des Killers setzt hier ja doch allem noch die Krone auf. Darüber wurde ja auch noch am nächsten Tag gerätselt und irgendwie ergibt die Motivsuche bei Kindheitstraumata, Sexualängsten, Rachegelüsten und verdrängten Aggressionen ja für mich noch immer keinen Sinn. Auch sonst gab es immer wieder Szenen, wo man nicht so genau wusste, wie man diese jetzt verorten soll. Doch das ist eigentlich auch eher nebensächlich bei einem Film, der mich bei der Erstsichtung auf der großen Leinwand doch auch begeistert hat. Ich habe ja ein großes Herz für Gialli mit seltsamen Geschichten und noch seltsameren Auflösungen und darstellerisch und von den Locations war „Das Geheimnis des gelben Grabes“ doch eine sehr hübsche Sache, die meines Erachtens auch durchaus positiv aufgenommen wurde. Sicher kein Highlight, aber ein netter Film mit bekannten Gesichtern, fragwürdigen Handlungsverlauf und einem Ende, dass selbst aufgeschlossene Zuschauer doch eher ratlos zurücklässt.

New York Ripper

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Fred Williams ist Kriminalbeamter in New York, der es eines Tages mit einem obskuren Fall zu tun bekommt. Ein Sexualmörder ermordet scheinbar wahllos junge Frauen auf grausame Weise und imitiert bei den Bekenneranrufen die Stimme Donald Ducks. Da die Polizei bei den Ermittlungen nicht weiterkommt, wendet sich Williams an den Psychologen Paul Davis, der mit seinem Rat zu Seite stehen soll. Als eines Tages eine junge Frau namens Fay mit Glück dem Ripper entkommen kann, ist das die erste Spur zum Verbrecher, der sich dadurch aber nicht von weiteren Morden abhalten lässt und als sich die Schlinge immer weiter zuzieht, gerät auch das Umfeld des Inspektors in das Visier des scheinbar psychopathischen Killers.

Über Fulcis Streifen muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren und es wird hier kaum jemanden geben, der den Streifen noch nicht kennt bzw. kannte. Auf großer Leinwand ist das natürlich etwas anderes und hier entfaltet „New York Ripper“ dann fraglos eine noch intensivere und schmuddelige Wirkung, die den Streifen auch sicher nicht für die Kategorie „Lieblingsfilm“ prädestiniert. Warum der biedere Mathematiker aufgrund der Leukämie-Erkrankung seiner Tochter zum Sexualmörder wird und die Stimme von Donald Duck imitiert ist zwar nicht gänzlich geklärt, aber über die Jahre hat man das einfach so akzeptiert. Über die Gewaltdarstellung und frauenfeindlichen Ton des Streifens kann man ja im fortgeschrittenen Alter ja ebenfalls geteilter Meinung sein und irgendwie geht die Zeigefreudigkeit der Morde meines Erachtens auch zu Lasten der Spannung, die hier ja nicht wirklich vorhanden ist. So ist „New York Ripper“ auch eher an eine technisch gut gemachte Nummern-Revue von FX-Künstlern für sensationslüsterne Pathologen und misogyne Menschen und erinnert an ein heruntergekommenes New York, dass so auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert. Die Kopie der Kinorolle war zwar etwas rotstichig, aber dafür bis auf wenige Handlungsschnitte vollständig und als Zuschauer fühlte zumindest ich mich ebenfalls kurzfristig in eine Zeit versetzt, als solche schundigen Filme noch in heruntergekommenen Kinos liefen um niedere Instinkte zu bedienen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Sep 2019, 18:49

Deliria över Hamburg - Tag 2:

Nachtschwester müsste man sein

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Als eines Tages überraschend der reiche wie kranke Onkel im Hause der Familie von Dr. Vincento erscheint um dort seinen Lebensabend zu verbringen, sieht der überdrehte Zahnarzt endlich die Möglichkeit an das große Geld zu kommen. Doch den bereits sehr turbulenten Alltag zwischen eifersüchtigen Gattin, der hübschen Geliebten, unfähigen Personal in der Praxis und seinem studierenden Sohn macht der familiäre Neuzugang nicht gerade leichter - auch nicht als Dr. Vincento für den schwerkranken Onkel die hübsche Angela als Nachtschwester engagiert, die zusätzlich allen den Kopf verdreht.

Am zweiten Tag des Forentreffens stand mit der italienischen Sexkomödie „Nachtschwester müsste man sein“ eher leichte Kost am Programm, die sich aber als überraschend unterhaltsam entpuppte. Die turbulente Geschichte über einen Zahnarzt, eine dralle Nachtschwester, einen falschen Patienten und einen Brillanten im Kronleuchter war herrlich neben der Spur und bot viel Platz für hyperaktives Herumgefuchtel, hysterische Charaktere, Situationskomik und einen blumigen Umgang mit der Sprache in der deutschen Synchro. Zwar merkt man hier schon, dass eher die Kalauer im Vordergrund stehen, die mittels dünner Story zusammengehalten werden, aber kurzweilig war das allemal und die Ereignisse gipfelten in einer Disco-Nummer, die von Gloria Guida höchstpersönlich zum Besten gegeben wurde. Ich kannte den Song mit seinen eher rotzig dargebrachten Lyrics ja schon von DuRöhre, aber im Kino waren wohl einige wohl etwas irritiert. Die werte Gloria mag zwar wie eine liebreizende Erscheinung daherkommen – im Geiste ist sie aber wohl eher auf Punkrock gebürstet (siehe oben). Also auch ein Film voller Überraschungen, der in der Gruppe auch herrlich funktionierte. Es wurde geschmunzelt und gelacht und auch wenn das Genre der italienischen Sexklamotte nie mein liebstes Genre werden wird, so war das an diesem sonnigen Nachmittag im schönen Hamburg und noch schöneren Metropolis-Kino schon eine sehr schöne Sache.

Ein achtbarer Mann

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Nach einem zweijährigen Zuchthausaufenthalt wegen Einbruchs kehrt der passionierte Safeknacker Stephen Wallace zu seiner Frau Anna in Hamburg zurück und erhält sogleich von Gangsterboss Müller das Angebot ein großes Ding zu drehen und den Safe einer großen Bank zu knacken. Doch Stephen ist hin und hergerissen zwischen dem Wunsch ein normales Leben zu führen und dem Wunsch nach einer unbeschwerten Existenz und seiner Passion, ausgeklügelte Sicherheitssysteme zu knacken. So beschließt er trotz der Einwände von Anna das Ding selbst durchzuziehen und sich mittels dem jungen Artisten Marco ein bombensicheres Alibi zu verschaffen, den Stephen unter seine Fittiche nimmt. Als der große Tag gekommen ist, läuft zuerst auch alles nach Plan, doch dann lässt ein kleiner Fehler die Sache gänzlich aus dem Ruder laufen.

Der Abschlussfilm des heurigen Treffens bzw. Michele Lupos „Ein achtbarer Mann“, den ich im Vorfeld noch nicht kannte, entpuppte sich als absolut großartiger Film mit Hamburg-Bezug, der in allen Belangen ein Gewinner ist. Von den Darstellern, den Drehorten „on location“ über den Soundtrack von Morricone bis zu seiner eher dramatisch gehaltenen Geschichte über einen frisch entlassenen Safeknacker, der noch einmal ein großes Ding drehen möchte. Die Mischung aus Drama, Action und Heist war auch großartig und die deutsche Kinofassung bietet zur grottigen und vermutlich nicht ganz legalen DVD-Veröffentlichung auch die 110minütige Fassung, die mich nach einem eher ruhigen Start in der die Charaktere eingeführt werden auch richtig mitgenommen hat. Im zweiten Teil gibt „Ein achtbarer Mann“ ja richtig Gas und dreht die Spannungsschraube auch unerbittlich an. Schön auch das triste Ende, dass zwar etwas vage bleibt, aber den Zuschauer noch länger beschäftigt und mit seinen schuldbeladenen Figuren, dramatischen Entwicklungen und finalen Hoffnungslosigkeit genau mein Dingens ist. Schade und unverständlich, dass dieser Streifen noch nicht in einer schönen und vollständigen Fassung veröffentlicht wurde, die den inhaltlichen und technischen Qualitäten des Streifens gerecht wird. Selten hat bei einem Forentreffen für mich ein Film so derart gut gepasst wie „Ein achtbarer Mann“ mit seinem Hamburg-Bezug, darstellerischen und inhaltlichen Qualitäten, der diesen Streifen auch für mich zum absoluten Highlight gemacht hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Sep 2019, 18:49

Freaks of Nature

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In dem kleinen Ort Dilford leben Menschen, Vampire und Zombies in beinahe friedlicher Koexistenz und der Alltag der kleinen Stadt zwischen Vorstadt-Flair und Rippchen-Fabrik lässt vergessen, dass die drei Spezies untereinander eigentlich unverträglich sind. Der Frieden scheint auch äußert brüchig und als eines Tages auch noch Aliens auftauchen ist es vorbei mit dem friedlichen Miteinander und die Bewohner gehen gegenseitig aufeinander los. Als die Situation völlig außer Kontrolle gerät, liegt es an drei Teenager, der Mensch Dag, die Vampirin Petra und dem Zombie Ned die Dinge wieder zu richten und den kleinstädtischen Frieden wiederherzustellen.

Warum nicht mal ein Film, der Menschen, Zombies und Vampire in friedlichem Zusammensein zeigt, ehe Aliens und andere Wesen auftauchen um eine Kleinstadt ordentlich aufzumischen. Hier in Form einer Teenie-Komödie die größtenteils gelungen und auch sehr unterhaltsam daherkommt. Natürlich sollte man sich keine garstigen Splattereien erwarten, aber „Freaks of Nature“ macht Spaß und Laune und auch die Darsteller haben sichtlich Spaß am völlig jenseitigen Drehbuch, dass vor nichts halt zu machen scheint. Doch „Freaks of Nature“ sprüht nur so vor Ideen und bringt auch scheinbar unvereinbare Dinge logisch und konsequent unter einen Hut, auch wenn man natürlich hier und da etwas besser hätte machen können. Aber in der Kiste der Teenie-Komödien mit großem Genre-Bezug ist „Freaks of Nature“ sicher vorne dabei und besticht durch sympathisch überzeichnete Charaktere, einer netten Botschaft und viel Gekröse, dass niemals ausufert um nicht den humoristischen Ton des Streifens zu gefährden. Ja, hat Spaß gemacht!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon Günni Von Fettamsel » 25. Sep 2019, 10:15

Kirk in Hamburg beim Dreh.

jogiwan hat geschrieben:Deliria över Hamburg - Tag 2:

Nachtschwester müsste man sein

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Als eines Tages überraschend der reiche wie kranke Onkel im Hause der Familie von Dr. Vincento erscheint um dort seinen Lebensabend zu verbringen, sieht der überdrehte Zahnarzt endlich die Möglichkeit an das große Geld zu kommen. Doch den bereits sehr turbulenten Alltag zwischen eifersüchtigen Gattin, der hübschen Geliebten, unfähigen Personal in der Praxis und seinem studierenden Sohn macht der familiäre Neuzugang nicht gerade leichter - auch nicht als Dr. Vincento für den schwerkranken Onkel die hübsche Angela als Nachtschwester engagiert, die zusätzlich allen den Kopf verdreht.

Am zweiten Tag des Forentreffens stand mit der italienischen Sexkomödie „Nachtschwester müsste man sein“ eher leichte Kost am Programm, die sich aber als überraschend unterhaltsam entpuppte. Die turbulente Geschichte über einen Zahnarzt, eine dralle Nachtschwester, einen falschen Patienten und einen Brillanten im Kronleuchter war herrlich neben der Spur und bot viel Platz für hyperaktives Herumgefuchtel, hysterische Charaktere, Situationskomik und einen blumigen Umgang mit der Sprache in der deutschen Synchro. Zwar merkt man hier schon, dass eher die Kalauer im Vordergrund stehen, die mittels dünner Story zusammengehalten werden, aber kurzweilig war das allemal und die Ereignisse gipfelten in einer Disco-Nummer, die von Gloria Guida höchstpersönlich zum Besten gegeben wurde. Ich kannte den Song mit seinen eher rotzig dargebrachten Lyrics ja schon von DuRöhre, aber im Kino waren wohl einige wohl etwas irritiert. Die werte Gloria mag zwar wie eine liebreizende Erscheinung daherkommen – im Geiste ist sie aber wohl eher auf Punkrock gebürstet (siehe oben). Also auch ein Film voller Überraschungen, der in der Gruppe auch herrlich funktionierte. Es wurde geschmunzelt und gelacht und auch wenn das Genre der italienischen Sexklamotte nie mein liebstes Genre werden wird, so war das an diesem sonnigen Nachmittag im schönen Hamburg und noch schöneren Metropolis-Kino schon eine sehr schöne Sache.

Ein achtbarer Mann

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Nach einem zweijährigen Zuchthausaufenthalt wegen Einbruchs kehrt der passionierte Safeknacker Stephen Wallace zu seiner Frau Anna in Hamburg zurück und erhält sogleich von Gangsterboss Müller das Angebot ein großes Ding zu drehen und den Safe einer großen Bank zu knacken. Doch Stephen ist hin und hergerissen zwischen dem Wunsch ein normales Leben zu führen und dem Wunsch nach einer unbeschwerten Existenz und seiner Passion, ausgeklügelte Sicherheitssysteme zu knacken. So beschließt er trotz der Einwände von Anna das Ding selbst durchzuziehen und sich mittels dem jungen Artisten Marco ein bombensicheres Alibi zu verschaffen, den Stephen unter seine Fittiche nimmt. Als der große Tag gekommen ist, läuft zuerst auch alles nach Plan, doch dann lässt ein kleiner Fehler die Sache gänzlich aus dem Ruder laufen.

Der Abschlussfilm des heurigen Treffens bzw. Michele Lupos „Ein achtbarer Mann“, den ich im Vorfeld noch nicht kannte, entpuppte sich als absolut großartiger Film mit Hamburg-Bezug, der in allen Belangen ein Gewinner ist. Von den Darstellern, den Drehorten „on location“ über den Soundtrack von Morricone bis zu seiner eher dramatisch gehaltenen Geschichte über einen frisch entlassenen Safeknacker, der noch einmal ein großes Ding drehen möchte. Die Mischung aus Drama, Action und Heist war auch großartig und die deutsche Kinofassung bietet zur grottigen und vermutlich nicht ganz legalen DVD-Veröffentlichung auch die 110minütige Fassung, die mich nach einem eher ruhigen Start in der die Charaktere eingeführt werden auch richtig mitgenommen hat. Im zweiten Teil gibt „Ein achtbarer Mann“ ja richtig Gas und dreht die Spannungsschraube auch unerbittlich an. Schön auch das triste Ende, dass zwar etwas vage bleibt, aber den Zuschauer noch länger beschäftigt und mit seinen schuldbeladenen Figuren, dramatischen Entwicklungen und finalen Hoffnungslosigkeit genau mein Dingens ist. Schade und unverständlich, dass dieser Streifen noch nicht in einer schönen und vollständigen Fassung veröffentlicht wurde, die den inhaltlichen und technischen Qualitäten des Streifens gerecht wird. Selten hat bei einem Forentreffen für mich ein Film so derart gut gepasst wie „Ein achtbarer Mann“ mit seinem Hamburg-Bezug, darstellerischen und inhaltlichen Qualitäten, der diesen Streifen auch für mich zum absoluten Highlight gemacht hat.
Günni Von Fettamsel
 
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