Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Aug 2019, 19:00

Die Farbe

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Im Jahre 1975 kommt der Amerikaner Jonathan in ein kleines Dorf in Deutschland um dort seinen Vater zu suchen, der nach dem Krieg dort stationiert war und überraschend zwei Wochen zuvor die Staaten verlassen hat. Unter den Besuchern im örtlichen Gasthaus hat den Vater zwar aktuell niemand gesehen, aber dafür trifft Jonathan auf den etwas schrulligen Armin Pierske, der Jonathans Vater nach dem Krieg kennengelernt hat und sich auch denken kann, was den Amerikaner wieder zurück nach Deutschland geführt hat. Daraufhin erzählt Armin dem erstaunten Jonathan eine Geschichte über einen Kometen, der eines Nachts vom Himmel fiel und die noch mysteriöseren Ereignisse, die darauf noch so folgen sollten…

Als ich vor einiger Zeit die schwedische Lovecraft-Adaption „Feed the Light“ gesehen habe, wurde mir ja gleich von zwei netten Menschen der in deutscher Produktion entstandene „Die Farbe“ empfohlen, der auf derselben Kurzgeschichte des Autors basiert. Keine Ahnung wie sehr sich Regisseur Huan Vu dabei an der Originalgeschichte orientiert, aber herausgekommen ist ein stimmungsvoller, unheimlicher und schön gemachter Gruselstreifen, der mit ruhiger Erzählweise, interessanten Darstellern und schönen Locations punkten kann. Wie auch der schwedische Streifen arbeitet der Regisseur mit schwarz-weißen Bildern, in denen nur punktuell farbige Momente eingearbeitet wurden und das passt auch ganz gut zur eher düsteren Geschichte, die sich dem Zuschauer in Rückblenden offenbart. Schön auch das langsame und unaufgeregte Erzähltempo, das hier gewählt wurde und anstatt die fantastischen Ereignisse reißerisch und Effekt-überladen zu präsentieren, sieht man als Zuschauer eher nur so viel, wie es für ein Verständnis notwendig ist. Nicht nur für einen deutschen Genre-Film eine sehr schöne Überraschung, die wieder einmal eindrucksvoll zeigt, dass man mit kleinen Budget, der richtigen kreativen Energie und Ambition auch hierzulande sehr gute Filme zaubern kann, die sich nicht hinter größeren Produktionen verstecken müssen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Aug 2019, 18:32

Cathy's Curse

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Als die zwölfjährige Cathy mit ihren Eltern in das geräumige Haus der Familie zieht, findet sie im Dachboden eine Puppe und das Bild ihrer im gleichen Alter verstorbenen Tante, die bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen ist. Mit dem Fund wird Cathy allerdings auch von dem Geist des Mädchens besessen und beginnt fortan ihre Umwelt zu terrorisieren. Zuerst sind es die Nachbarskinder, dann die Haushälterin, ehe auch die psychisch labile Mutter an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gedrängt wird. Das seltsame Verhalten bleibt jedoch nicht unentdeckt und wenig später schöpft auch ein Medium und der Vater Verdacht, dass in dem geräumigen Haus und bei all den seltsamen Unfällen nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

„Cathy’s Curse“ ist nicht nur eine kleine frankokanadische Horrorproduktion aus dem Jahr 1977, sondern offensichtlich auch ein ziemlicher Geschmacksspalter. Die einen erliegen dem Charme, dieses eher simpel produzierten Mischmasch aus „Der Exorzist“ und „Das Omen“ mit Zutaten aus hundert Jahren Besessenheitsfilm, während die anderen bei den eher harmlos erscheinenden Ereignissen mühelos wegdösen werden. Ich liege da irgendwo in der Mitte und hatte bei der Sichtung durchaus meinen Spaß, auch wenn die meisten Darsteller von dem Dobermann der Filmfamilie mühelos an die Wand gespielt werden. Ich würde Eddy Matalons Streifen ja als eine Reihe von erinnerungswürdigen Momenten bezeichnen, die von der Rahmenhandlung aber eher schlecht als recht zusammengehalten werden und insgesamt ein mittelprächtiges Resultat ergeben. Die Ami-Blu-Ray bietet den in Montreal gedrehten Streifen aber in guter Bildqualität und bietet zu Interviews mit Regisseur und Ex-Kinderdarstellerin Randi Allen auch noch einen 10 Minuten längeren Director’s Cut. Vielleicht ist die ebenfalls mitgelieferte und herkömmliche Fassung ja etwas flotter erzählt, aber auch so habe ich es nicht bereut, dass der Streifen in den Player gewandert ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Aug 2019, 18:41

Caribbean Basterds

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Roy hat keine Lust in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der als Waffenhändler für jede Menge menschliches Leid auf dem gesamten Erdball verantwortlich ist. Viel lieber vergnügt er sich mit seiner Schwester Linda auf der karibischen Isla Margarita und vertreibt sich den Tag mit Fitness und Frauen. Als es zum Streit kommt, beschließen Roy, Linda und die Zufallsbekanntschaft José spontan ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und erklären sich selbst zu Piraten. Im Clockwork-Orange-Outfit überfallen die drei korrupte Männer um diese auszunehmen und ihnen so auch eine Lektion fürs Leben zu erteilen. Doch als sich das Trio mit dem Drogenboss Diego Tarantino anlegt und ihm kiloweise Kokain klaut, werden die drei rasch selbst zu Gejagten.

„Caribbean Basterds“ ist eigentlich genau das, was man sich erwartet, wenn man auch die anderen neuzeitlichen Werke italienischer Genre-Regisseur kennt, die ihren künstlerischen Zenit bereits ein paar Jahrzehnte hinter sich haben. Der Streifen von Enzo G. Castellari könnte ja aufgrund des karibischen Handlungsorts ja genauso von Bruno Mattei sein und entpuppt sich als etwas trashiges Actionfilmchen, in dem auch sonst irgendwie nichts zusammenpasst. Der Cast aus italienischen, amerikanischen und venezolanischen Darstellern harmoniert nicht so wirklich, die Geschichte über modernes Piratentum ergibt wenig Sinn und irritiert zudem mit seinen Figuren und auch die Inszenierung wirkt eher kostengünstig und versucht am Ende mit jeder Menge Shot-Outs die eklatanten Schwächen des Drehbuchs zu überdecken. Das der schmierige Drogenboss aber Tarantino heißt, lässt einen dann aber doch schmunzeln und irgendwie wirkt das ganze Werk mit seinen sehr offensichtlichen Schwächen ja auch fast schon wieder sympathisch, wäre da nicht die seltsame Bruder-Schwester-Kiste und die fragwürdige Auffassung des Robin-Hood-Gedankens, die hier wohl auch noch unbedingt seinen Platz finden mussten. Sicherlich hat auch so etwas wie „Caribbean Basterds“ immer noch einen gewissen Unterhaltungswert und Daseinsberechtigung, aber in Anbetracht des restlichen Schaffens von Herrn Castellari erfüllt das den Fan seiner vorangegangenen Werke schon mit etwas Wehmut.

Haus des Geldes - Staffel 1

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Als eine Gruppe von bewaffneten Männern und Frauen die staatliche Notendruckerei stürmt und die Angestellten inklusive einer Schülergruppe auf Exkursion als Geiseln nimmt, ist die Polizei und der Geheimdienst alarmiert und beginnt mit den üblichen Schritten. Doch die Situation entpuppt sich anders als gedacht, da die Geiselnehmer der Polizei immer einen Zug voraus zu sein scheint und tatsächlich entpuppt sich der Überfall als Geniestreich einer Person, die minutiös alles geplant zu haben scheint. Doch sobald Menschen involviert sind, bleibt immer ein gewisser Unsicherheitsfaktor und tatsächlich lassen allerlei unerwartete Wendungen den Überfall samt Geiselnahme schon nach wenigen Stunden immer weiter eskalieren und aus dem Ruder laufen…

Don’t believe the Hype! Selten so eine konstruierte Handlung gesehen, bei dem mit jeder neuen Episode der Unterhaltungswert trotzdem so nach unten geht. „Haus des Geldes“ möchte beim Zuschauer den Eindruck erwecken, dass der von Heist-Movies inspirierte Inhalt durchdacht und kreativ ist, und dabei reiht die spanische Serie nur einen unglaubwürdigen bis völlig haarsträubenden Moment an den nächsten und als Zuschauer darf man sich wie der sprichwörtliche Esel vorkommen, dem ständig eine Karotte vor die Nase gehalten wird. Die Serie besteht daraus ein Szenario zu kreieren, dann kommt eine bestimmte Krisensituation, die Rückblende dazu und die Auflösung. Leider macht als alles ab der dritten Wiederholung keinen Spaß mehr und mit jeder weiteren Episode ging bei mir die Lust weiter zu schauen verloren. Ich frage mich ernsthaft, wie man die Geschichte den Machern abkaufen kann, deren Figuren und Verlauf so völlig willkürlich erscheinen und mich eher mit Ärger erfüllen. "Haus des Geldes" ist popkulturell wohl so etwas wie das Heist-Märchen für die Generation AHDS. Nach 13 Folgen gibt es zudem auch kein Ende, sondern nur die Möglichkeit gleich die zweite Staffel weiter zu gucken. Danke, aber in diesem Fall dann doch lieber ohne mich.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Aug 2019, 19:11

Slugs

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Im Grunde funzt „Slugs“ ja nach dem gleichen Prinzip wie „Der weiße Hai“ oder dutzend andere Tierhorror-Filme, nur dass es hier um Viecher geht, die ohnehin schon einen sehr eingeschränkten Sympathiewert besitzen und gemeinhin als wenig bedrohlich gelten, sofern man nicht gerade einen Heimgarten sein Eigen nennt. Trotzdem lässt sich Regisseur Juan Piquer Simón nicht von etwaigen Vorurteilen oder allgemeingültigen Richtlinien der Tierwelt abhalten und inszeniert seine Schnecken als todbringendes Schleim-Kollektiv, dass den Stadtbewohnern auf unterschiedliche Weise nach dem Leben trachtet. Etwaige Logik wird für knapp 85 Minuten ohnehin außer Kraft gesetzt und hat man die Schnecken fackeln auch nicht lange, wenn es um dahinschmelzende Gesichter und spritzende Eingeweide geht. Alles in allen vielleicht kein sonderlich guter, aber doch unterhaltsamer Streifen irgendwo zwischen Tier- und Fünfzigerjahre-Invasionshorror, mit dem man sich die Zeit schon gut vertreiben kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Aug 2019, 18:42

The Sore Losers

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Für eine ausserirische Macht namens „Die niedrige Frequenz“ soll der interplanetarische Auftragskiller Blacky im Jahr 1947 zwölf Beatnicks ermorden. Da er jedoch nur neun Menschen ermordet, wird er zur Strafe in die Irrenanstalt in Exil gesteckt und bekommt 42 Jahre später die Möglichkeit sein Werk noch einmal zu vollenden. Dazu trifft der Comic-affine Nerd nicht nur seinen alten Kumpel Mike, sondern auch auf die dralle wie mordlüsterne Kerin, die Blacky bei den restlichen drei Morden behilflich sein wollen. Doch auch diese Mission steht unter keinen guten Vorzeichen und als Kerin im wahrsten Sinne des Wortes über das Ziel hinausschießt, bekommt Blacky von seinen außerirdischen Auftragsgebern eine allerletzte Chance, die er natürlich nicht vermasseln möchte.

Herrlich wildes, resolutes, wie brachiales Underground-Kino, das trotz kleinem Budget nach den Sternen greift und dem es auch völlig scheißegal ist, dass es dabei gründlich scheitert. Die episodenhafte Sci-Fi-Geschichte ist eigentlich völlig wirr, die Darsteller überbieten sich in Overacting und auch die CGI-Effekte sind völlig grottig. Doch die Mischung aus schrägen Ideen, viel Musik und „Fuck-the-World“-Attitude ist auf der anderen Seiten doch ziemlich stimmig und auch wenn „The Sore Losers“ viele Mängel hat und dem Mainstream den blanken Popo zeigt, ist John Michael McCarthys Streifen eine unterhaltsame Angelegenheit, den man durchaus mal gerne bei einer Mitternachtsvorstellung mit Gleichgesinnten auf großer Leinwand sehen wollen würde. Der ganze Film ist grell, überzeichnet, Comic-haft, stets völlig neben der Spur und macht in seinem Verlauf auch keine Gefangenen. Genau so und nicht anders muss das bei einem undergroundigen Punk-Rock-Film ja auch sein. Wer sich hingegen einen Tarantino-esken Horror-Streifen mit coolen Typen und Sprüchen, sowie burlesquen Mädels erwartet, sollte wohl eher einen sehr großen Bogen um das Teil machen. Dieser Film fickt Menschen!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Aug 2019, 18:50

Belladonna of Sadness

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Ich konnte mich ja gar nicht mehr so daran erinnern, wie schwere Kost „Die Tragödie der Belladonna“ eigentlich ist. Ist damit meine ich gar nicht mal nur die düstere Geschichte über eine junge Frau im Clinch mit dem Patriachat, sondern auch die optische Komponente, die manchmal nüchtern mit wenigen Strichen, dann wieder mit dem vollen Farbspektrum glänzt. Gewöhnungsbedürftig ist dieser psychedelisch fordernde Film ja gleich auf mehreren Ebenen und sehr sexuell ist das Ganze auch, sodass selbst kleinste Details noch an männliche und weibliche Geschlechtsorgane erinnern. Irgendwie wie ein Film aus einer anderen Zeit, als Filme noch experimentell und rauschhaft sein durften. Die Erstsichtung war ja damals für mich ein Erlebnis und auch die erneuten Sichtungen präsentieren sich als alles andere als gewöhnliche Filmabende.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 31. Aug 2019, 18:56

Nur ein kleiner Gefallen

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Die alleinerziehende Stephanie ist ein Energiebündel, dass nach dem Unfalltod ihres Mannes versucht, ihr Leben auf die eigenen Beine zu stellen und alles richtig zu machen. In der Schule lernt sie durch die Freundschaft ihrer Söhne die völlig konträre Emily kennen, die säuft, flucht und als resolute PR-Agentin bei einem Modedesigner arbeitet. Trotz der Unterschiede entsteht zwischen den beiden Vorstadtmüttern eine Freundschaft und als Emily Stephanie eines Tages bittet ihren Sohn von der Schule abzuholen, denkt sie sich nichts dabei. Doch dann ist Emily verschwunden und bleibt es auch, während Stephanie überrascht feststellen muss, dass sie ihre Freundin wohl doch nicht so gut gekannt hat, wie sie eigentlich glaubte…

Sympathische Mischung aus Noir-Thriller, Vorstadt-Drama, Mystery und Komödie über zwei unterschiedliche Vorstadtmütter und ein überraschendes Verschwinden, dass immer weitere Kreise zieht. Die Geschichte ist ja irgendwie ganz witzig und sehr farbenfroh erzählt, lädt zum Miträtseln ein und führt den Zuschauer dennoch auch immer etwas an der Nase herum. Dazwischen gibt es pointierte Dialoge, sympathische Charaktere und einen geschmackvollen Soundtrack, der u.a. auch aus französischen Chansons besteht. Zwar ist ab einem gewissen Zeitpunkt schon erahnbar, wie die ganze Sause ausgehen könnte, aber dennoch hält der Spaß und die Spannung doch bis zum Ende durch. Die Mischung aus unterschiedlichen Genres passt und auch die Hauptdarsteller haben sichtlich Spaß an dem ganzen Treiben, sodass es trotz der Laufzeit von zwei Stunden kaum Durchhänger gibt. Böse Zungen könnten „Nur ein kleiner Gefallen“ vielleicht in die Frauen-Ecke stecken und der Streifen lässt sich auch sicher gut mit der Freundin gucken, aber das würde bei dem kurzweiligen Streifen des nicht unumstrittenen Regisseurs Paul Feig ("Ghostbusters") wohl ebenfalls zu kurz greifen. Für einen Film, der ein großes Publikum bedienen möchte, wurde ich als Genre-Freund jedenfalls überraschend gut unterhalten. Spaßig.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Sep 2019, 18:34

The Mafu Cage

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Ellen und Cissy sind die ungleichen Töchter eines verstorbenen Anthropologen, die einen Großteil ihres Lebens im afrikanischen Dschungel verbracht haben und mittlerweile in Los Angeles in einem zum Museum umfunktionierten Haus leben. Während Ellen mittlerweile als anerkannte Astrophysikerin arbeitet, hat die labile Cissy aber nie mehr den Anschluss an die westliche Welt gefunden und lebt mit ihrem tierischen Spielkameraden, einem domestizierten Affen in einer Art Traumwelt. Trotz wiederkehrender Gewaltausbrüche von Cissy schafft es Ellen aber nicht, ihre Schwester in richtige Hände zu geben und als sich Ellen in ihren Arbeitskollegen verliebt, bekommt das starke Band der beiden Schwestern erste Risse.

Hochgradig bizarrer Artploitation-Reißer über das Verhältnis zweier Schwestern, die sich in einer sehr ungesunden Beziehung zueinander befinden, dass die Beiden samt Umfeld geradewegs in den Abgrund reißt. Karen Arthurs Adaption eines französischen Theaterstücks schickt den Zuschauer ja geradewegs in eine sehr seltsame Welt aus afrikanischen Riten und Bräuchen, die stark im Gegensatz zu der westlichen Welt steht, in der sich dieser kleine und von den Schwestern erschaffene Mikrokosmus eigentlich befindet. Trotzdem schafft es die scheinbar vernünftigere Ellen nicht, ihre eigentlich völlig durchgeknallte Schwester in die richtigen Hände zu geben, da sie weiß, wie deren Zukunft dann aussehen würde. Also akzeptiert sie und auch der Zuschauer das exzentrische Verhalten, ehe ein Mann auf der Bildfläche erscheint und man instinktiv weiß, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Und das tut es dann natürlich auch nicht und beim Abspann man sitzt geplättet vor dem Fernsehen und traut seinen Augen kaum. Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen sich völlig hysterisch um Kopf und Kragen und auch die Bilder sind immer schön eingefangen, während die Geschichte ja eigentlich jenseitig ist und geradewegs auch aus einem italienischen Softsex-Psychoschocker von Joe D’Amato stammen könnte. Nur dass hier das Ganze aus einer weiblichen Perspektive entstanden ist, der so gar nicht in das übliche Schema dieser Streifen passt. „The Mafu Cage“ ist dann auch ein Film, wie er wohl auch nur in den Siebzigern entstehen konnte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Sep 2019, 19:11

Haus des Geldes - Staffel 2

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Obwohl mir die erste Staffel nur teilweise gefallen hat und die Ereignisse mit „haarsträubend“ ja noch wohlwollend umschrieben sind, habe ich natürlich weiter geschaut und die zweite Staffel ist auch meines Erachtens in diesem Punkt etwas besser. Zwar gibt es auch hier Momente, wo man sich einfach nur noch zum Kopf greifen kann, aber die zweite Staffel ist insgesamt etwas flotter erzählt, kürzer in der Epsioden-Anzahl und konzentriert sich auch wieder mehr auf die spannenden Dinge. Der Professor ist enttarnt, die Geiselnehmer sitzen quasi mit dem Rücken zur Wand und auch die Geiseln sind nicht mehr bereit, bereitwillig das Opfer zu spielen. Auch hat es mich gewundert, dass die Geschichte am Ende quasi abgeschlossen wird. Weniger gefallen hat mir hingegen, dass der Action-Anteil hinaufgeschraubt wird und vom Prinzip der Gewaltlosigkeit abgewichen wird. Dennoch: „Haus des Geldes“ sieht ansprechend aus, ist gut gespielt und mit etwas mehr Authentizität und weniger „Heist-Märchen“ wäre die Serie wohl wirklich sehr gut geworden – so ist es meines Erachtens doch alles immer etwas effektheischend, konstruiert und zu sehr auf Superlative bedacht, sodass sich unterm Strich für mich lediglich eine mittelprächtiges Gesamtbild ergibt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Sep 2019, 19:13

Squirm

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jogiwan hat geschrieben:Wer mag denn schon Würmer? Ich nicht und vor solchen schleimig-schlatzigen Sachen graut es mir ja schon seit jeher. Und auch "Squirm" ist natürlich eine hübsch eklige Sache, auch wenn die Effekte des B-Movies am Ende doch leicht durchschaubar sind. Dennoch ist "Squirm" hübsch effektiv und hat wirklich ein paar herbe Momente, die etwas im Gegensatz zu den recht trashigen Darstellern stehen. Gibts ungekürzt wohl leider nur auf Boot, wobei meine Ami-DVD auch schon sehr billig zu bekommen ist und dankenswerterweise auch über englische Untertitel verfügt, da die Darsteller teilweise furchtbaren Hinterwäldler-Slang sprechen. Die Wurm-Sause macht schon Spass und für Fans von Tierhorror-Filmen aus der Siebziger-Kiste ist "Squirm" auch uneingeschränkt empfehlenswert. 6-7/10


Mittlerweile ist mein Eindruck ja nicht mehr so positiv und „Squirm“ ist doch ein Streifen, der sich doch als recht lahme Culture-Clash-Dramödie aus der Horror-Ecke präsentiert. Würmer mag ja noch immer niemand und dennoch mutet es etwas seltsam an, dass aufgrund Elektrizität die kleinen Viecher auf einmal zu mordlüsternen Bestien werden sollen. Auch die Hinterwäldler-Figuren sind nicht sonderlich liebenswert gezeichnet und der nerdige Städter als Identifikationsfigur ist auch immer irgendwie eine Spur zu langweilig. Die Inszenierung ist behäbig, die Geschichte eigentlich ziemlicher Mist und für die kostengünstigen Effekte bedeutet das HD-Format ebenfalls kein Vorteil. Abgesehen von zwei, drei ekligen Momenten bietet der Streifen ja nicht sonderlich nennenswerte Momente und irgendwie konnte mich das alles gestern so gar nicht mehr begeistern – dafür gibt es einfach zu viele skurrile Tierhorror-Filme, die das alles wesentlich besser hinbekommen.
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